Befreit…
Veröffentlicht in Faszination Regenlauf bei Juli 4, 2008 von blacksensei…von der Dominanz der Sonne mit ihrem eisernen Hitzegriff der letzten Tage. Meine Verbündeten, Regen und Wind betreten die Himmelsbühne und laden zu einem erfrischenden Schauspiel ein – ungebeugte Kraft. Bereits in der Nacht fing es an zu gießen. Ein extrem dunkler Tag bei 17 C°. Bei einer derartigen Witterung werde ich immer sehr unruhig, als ob mich eine unsichtbare Macht in die Natur zieht. Augenscheinlich wird der Niederschlag anhalten, dennoch starte ich früh am Morgen. Schnell die speziellen Regenschuhe angezogen und los geht es. Die aromatische Luft, welche bei diesem Wetter stets einhergeht, wirkt belebend und beruhigend. Nach 200 Metern bin ich komplett durchnäßt; auf der Brücke breite ich meine Arme aus, gucke in den Himmel, nehme die Wolken in ihren differenzierten Grauschattierungen wahr und kann nur noch lächeln. Die vorbei fahrenden Autofahrer denken sicherlich, „So ein Spinner“. Ja, sollen sie ruhig. Je größer die unverständlichen Blicke, desto mehr sagt das über diese Personen aus und umso ausgeprägter mein Lächeln.
Beim Betreten des ersten Waldes weiche ich den unzähligen Pfützen und Rinnsalen noch aus. Der Wald, eingeschlossen von Stille und Einsamkeit. Nur die Vögel zwitschern unaufhörlich. In den Wäldern wird die Dunkelheit des Tages konzentriert – ein düsterer Anblick. Auf dem Damm nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr, ich blicke nach links und erspähe etwas Rotbraunes. Just in der Sekunde springt das Reh auch schon los und flüchtet. Auf dieser Höhe ist es für mich das erste Mal, daß ich ein Reh erblicke. Ich laufe weiter und auf dem Damm bilde ich ein exponiertes Ziel für den Wind, der teilweise in mäßigen Brisen auftritt. Ein herrliches Gefühl, vor allem am Hals in Kombination mit dem Regen – ich liebe das. Vorbei an der Badestelle, mit Blick auf den See. Der Wind peitscht selbigen auf und die kräftigen Wellen schwappen an das Ufer.
Anschließend dringe ich tiefer in den Wald ein, welcher heute verlassen von den Karten spielenden Waldarbeitern in der Dunkelheit liegt, was mich jedoch nicht weiter verwundert. Mittlerweile sind meine Schuhe ebenfalls durchnäßt, so daß ich nun keine Rücksicht mehr nehme, zumal es sich um die alten und kaputten Laufschuhe handelt. In alter Grenadiermanier laufe ich mittendurch und versinke dann und wann 20 Zentimeter tief im Wasser. Insgesamt lief ich 15 Kilometer und während dieser Zeit traf ich nicht einen Menschen. Die Wälder, der Damm – einsam und verlassen im Regen – gehörten mir. Eine grandiose Atmosphäre, um sich nur auf sich selbst zu besinnen. Purer Genuß.
Ich trete den Rückzug an und lasse die vollendete Natur hinter mir und gliedere mich langsam wieder in die Zivilisation ein. Sofort begrüßt mich ein großer LKW und ich bekomme eine volle Wasserladung ab, was mich aber nicht in meiner freudigen Stimmung beeinträchtigen kann. Zu Hause angekommen, verharre ich auf der Straße, mein Blick schweift in den Himmel und ich lasse den Lauf Revue passieren. Im Anschluß wringe ich sämtliche Kleidungsstücke aus – meine Finger und Zehen sind durch das Wasser verschrumpelt. Das Wetter, der Lauf – Freude par excellence – wie für mich gemacht. Laufen macht glücklich. Es war eine reine Wonne, am liebsten hätte ich die Welt umarmt.


