Täglichlaufen. Stolze Zwölf Jahre, zwei Monate. Nun fiel bereits der zweite Monat im Zeichen von 12 Jahren Täglichlaufen der flüchtigen Erinnerung anheim und wird nur noch in meinem Geist der melancholischen Weite fortan künftig leben. Erschreckend, wie rasant meine kostbare Lebenszeit für immer und immer vergeht und die erhabene Lebensuhr Stunde um Stunde, Tag für Tag und Lauf für Lauf in die Endlichkeit verrinnt. Wie unsagbar fest und stabil erscheint mir hierbei mein Täglichlaufen; dieser eisenharte Block, der konsequent alldem trotzt – selbst der temporären Zeit; in 12 Jahren kontinuierlich zu dem gegossen, was er heute für mich darstellt. Und doch, und doch! Jenes Konstrukt besteht aus allem, nur nicht aus dem greifbaren Material, welches Festigkeit oder gar Stabilität impliziert. Mitnichten, was könnte fragiler sein, als mein geschaffenes Gebilde vom zerbrechlichen Täglichlaufen? Jeder Lauf könnte der letzte sein, jeder Tag könnte den finalen Schluß bilden, dessen bin ich mir wohl bewußt und aus diesem Grund weiß ich diese meine Konzeption intensiv in allen Facetten zu schätzen. Nie – ich goutiere dieses Wörtchen in der Regel nicht – werde ich das reproduzieren können, was mir mit dieser Intention bisher gelungen ist. Aus dem Kontext der elementaren wie obligaten Wertschätzung heraus betrachtet, besitzt mein teures Täglichlaufen eine Priorität, die freilich ihresgleichen sucht, suchen muß.
Mein Täglichlaufen hat für mich den Charakter einer Lebensblume, die man hegen und pflegen, ehren und wertschätzen muß, nein, darf!, denn in ihr ist die belebende Gesundheit, Glück, Frieden, Harmonie und tiefe Zufriedenheit verborgen – vereint für Körper und Geist, die man nur dann finden kann, wenn man sie nicht bewußt sucht. Das kann man nicht wollen, derlei wird sich ergeben oder eben nicht. Möge sie weiter wachsen und gedeihen – ich möchte die entwickelte Verbundenheit nicht missen. Doch leider vergeht alles, was lebt und dementsprechend fürchte ich jenen Tag, der früher oder später mein Täglichlaufen ebenfalls in das mannigfaltige Reich der unendlichen Erinnerungen ziehen wird. Ich hoffe, dieser Moment sei noch fern. So oder so, ich bin mir der Gnade bewußt, was ich erreichen durfte – ohne es je zu wollen (das zu betonen, werde ich nicht müde) und werde mein Täglichlaufen auch zukünftig als Geschenk interpretieren und mich den etwaigen Fährlichkeiten bewußt stellen und auch die unangenehmen Augenblicke wissend annehmen, und – es l e b e n.
Unter einem gewissen Blickwinkel betrachtet, besaß der vergangene Monatsabschnitt seine widrigen Seiten, die sich insbesondere durch massive wie aggressive Mückenaufkommen und anderer zahlreicher Insekten offenbarten. Die Wälder, mein Damm – überhaupt mein gesamtes Laufareal wird derzeit gnadenlos von den Insekten regiert. Anhalten ist schier unmöglich und von den Bäumen seilen sich diverse Raupen ab, die leise im Wind pendeln und immerdar auf der Suche nach einer Reisemöglichkeit sind und von unvorsichtigen Täglichläufern gerne mitgenommen werden. Doch auch diese Phase wird wie alles im Leben ohne Hoffnung vergehen. Wer darf auch hoffen? Nur einen Regenlauf durfte ich erleben und die Temperaturen alternierten zwischen 06 °C und 25 °C. Mit den sommerlichen Werten fallen – wie stets um diese Jahreszeit – die tumben Vandalen in meine Laufwelt ein. Oh, meine liebe Winterkönigin, ich harre mit Inbrunst auf deine belebende und schützende Präsenz.
Meine gewohnten Streichelpausen bei den geliebten Wollies gehören aktuell leider der Vergangenheit an, da auch hier die entomologischen Gesellen obsiegen und in unbarmherzigen Schwärmen summend triumphieren. Als Neuankömmlinge darf ich mehrere Kraniche begrüßen, die sich scheinbar in meiner Laufwelt heimisch einrichten und weithin ihre Anwesenheit verkünden, in dem sie engagiert die Trompeten blasen. Endlich durften meine Graugansfreunde ihren herzigen Nachwuchs das Leben zeigen, was in diesem Jahr verzögert stattfand – ein wunderbarer Anblick, der stets ein Lächeln der Freude in mein Antlitz zaubert. Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich auch im kommenden Monat all meine tierischen Freunde täglich in ihrem Heim besuchen darf und ja, darauf freue ich mich unbändig. Als unbedeutendes Nichts an dem wahren Leben der nahezu omnipotenten Natur zu partizipieren – welch Glück! Wenn auch in den letzten Tagen die Unlust ein wenig expandierte, wird dieses Gefühl von der wunderbaren Flora und Fauna kompensiert. Und so harre ich also der Dinge, die da kommen mögen – oder eben nicht und erwarte den nächsten Tag, an dem ich – ganz banal – laufen werde. Wie könnte ich auch nicht? Wie konnte ich einst nicht täglich laufen? Unglaublich. So setzt es sich fort, das Gelebte Täglichlaufen. – – Romantisches Himmelsgewölk am Firmament senkt sich zärtlich hernieder, vereinigt sich mit einsamen Regenwolken der stürmischen Liebe…
| 19.04.2013 | 14 KM – Gespräch, Schmuseschafi gestreichelt |
| 20.04.2013 | 14 KM – Schafe gestreichelt, Klettereinlage (Flut) |
| 21.04.2013 | 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt, drei nahe Rehe |
| 22.04.2013 | 14 KM |
| 23.04.2013 | 16 KM |
| 24.04.2013 | 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt |
| 25.04.2013 | 14 KM – Gespräch, Rettungseinsatz bei den Schafen |
| 26.04.2013 | 14 KM – erste Mal den Kuckuck gehört (2013) |
| 27.04.2013 | 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt |
| 28.04.2013 | 14 KM – Grünspecht beobachtet, Gespräch |
| 29.04.2013 | 15 KM – Gespräch geführt |
| 30.04.2013 | 14 KM – Wegsperre errichtet, Gespräche geführt |
| 01.05.2013 | 14 KM – Gespräch, Grünspecht beobachtet |
| 02.05.2013 | 14 KM – Gespräch, Schwarzspecht, Kraniche beobachtet |
| 03.05.2013 | 14 KM – Gespräch, zutrauliche Rehe, Nachtigall sang |
| 04.05.2013 | 14 KM – Gespräche, Schafe gestreichelt |
| 05.05.2013 | 13 KM – Sonnenlauf und Mückenplage |
| 06.05.2013 | 14 KM – Gespräch geführt |
| 07.05.2013 | 14 KM – Regenlauf |
| 08.05.2013 | 14 KM – Gespräch, gefallener Ast blockiert den Weg |
| 09.05.2013 | 14 KM – Gespräch, Wissenschaftsschiff überholt |
| 10.05.2013 | 14 KM – Gespräch, erste Mal den Pirol gehört (2013) |
| 11.05.2013 | 14 KM – Mückenplage |
| 12.05.2013 | 14 KM – Gespräche, Pirol & Kuckuck – herrlich! |
| 13.05.2013 | 15 KM – erste Graugansküken |
| 14.05.2013 | 14 KM |
| 15.05.2013 | 14 KM – Gespräch, Mückenplage |
| 16.05.2013 | 14 KM – Gespräch, Mückenplage |
| 17.05.2013 | 14 KM |
| 18.05.2013 | 13 KM – 12 Jahre und 02 Monate Täglichlaufen |
| Jahres-KM | bis 18.05.2013: 1897 KM |








