Täglichlaufen. Dreizehn Jahre & Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 13,5 Jahre. on 18. September 2014 by Täglichläufer

Von edler Anmut getragen, schwebt der leuchtend weiße Schwan erhaben am blaugüldenen Firmament entlang; begleitet von einem sonoren Sirren und goldgelbe Strahlen von Mutter Sol weisen ihm funkelnd den Weg in die Unwägbarkeit und laden dazu ein, die unbedeutende Welt der aberwitzigen Menschen von oben durchaus latent herablassend zu betrachten. Ein Läufer, ganz in schwarz gewandet, absolviert unter ihm seine alltäglichen Runden in jenem Naturschutzgebiet, in der Heimat der grazilen Schwäne und wird von selbigen täglich beobachtet. Das gleiche alte Lied, seit nunmehr 13 Jahren und 06 Monaten erblüht die Blume des Täglichlaufens in diesem meinem Weltgesang der lieblichen Natur und gilt für den einen oder anderen partiell als dunkle Präsenz, die nicht mehr wegzudenken ist – wie unzählige Kommentare immer wieder beweisen.

Tatsächlich, jene unspektakuläre Pflanze am Rand des Weges ist wahrlich nicht mehr zu ignorieren – in meiner ureigenen Wahrnehmung. Hierbei handelt es um ein banales Gewächs, unscheinbarer Natur mit vielfältigen Blüten auf differenzierten Ebenen, die sich mehr und mehr verzweigen und höher und höher wachsen, sich empor recken. Sie symbolisieren primär Gesundheit und Zufriedenheit, dazu gesellen sich Frieden, Harmonie, Einklang mit mir selbst und der Natur, puren Genuß und schlußendlich das Leben an sich – die negativen Aspekte klammere ich an dieser Stelle aus, wohl wissend, daß sie essentiell und von gewichtiger Bedeutung sind und damit diese Blüten erst gedeihen lassen. Doch habe ich dies oft genug thematisiert, so daß ich derlei heute getrost ignorieren darf. Mit dem heutigen Tage hat sich eine weitere Knospe der für mich nicht reproduzierbaren Einzigartigkeit entfaltet, getragen von meinem Halbjahresjubiläum; frischer, belebender Tau ziert diese Blüte und glitzert wie ein wertvoller Diamant, den ich in Ehren halten werde.

Soeben vollzog ich noch mein Jahresjubiläum und scheinbar nur eine Sekunde später erscheint das nächste gravitätische Datum mit seinem charmanten Liebreiz, welches freilich nicht ganz so exponiert daher schreitet, dennoch im Kontext der Relevanz für unübertrefflich definiert werden muß und heute von mir angemessen gewürdigt wird – immerhin verkörpert es den aktuellen, meßbaren Status in meinem Täglichlaufen. Wie alle Jubiläen zuvor preist auch dies heutige Ereignis die Surrealität; es ist eine Herausforderung für mich, das zu begreifen – all die vielen Jahre, die siegesgewiß in die hehre Unendlichkeit einzogen, welche ich ausnahmslos alle mit einem täglichen Lauf gewürdigt habe und damit letztlich auch mich selbst. Parallel dazu die vollzogene Verbannung sogenannter Ruhetage, die per se unnötig sind. Ich werde nicht müde, darauf hinzuweisen, daß ich nie ein Täglichläufer werden wollte – es ist auch absurd, das zu wollen. Welchen Grund gäbe es, dies zu tun, explizit mit dieser Konsequenz? Demungeachtet ist es möglich und gerade im „Nichtwollen“ liegt meine an den Tag gelebte Permanenz im Täglichlaufen begründet.

Doch auch das führe ich nicht weiter aus, ich würde mich nur wiederholen und, habe ich nicht bereits alles gesagt, was es zu sagen gäbe? Mein Täglichlaufen schließt einen kongenialen Kreis von Laufliebe, Leben und Gesundheit in körperlicher wie mentaler Art und Weise, es harmoniert nahezu ideal miteinander und bedingt sich in seiner elementaren Natürlichkeit auch gegenseitig. Nichts ist banaler als Täglichlaufen. Vielleicht ist das die erheblichste Hürde, dies zu erkennen und zu leben. Einfach nur leben, ohne hochtrabendes Denken. Einst registrierte ich das für mich in divergierender Form und sprach von Disziplin und später von Selbstdisziplin, aber das waren nur Irrwege; doch ja, die Blume des Täglichlaufens mußte erst langsam gedeihen, reifen und nicht wenige Blüten erschienen anders als sie in Wahrheit waren; sie blendeten und der unaufmerksame Betrachter – also ich selbst – interpretierte sie vollkommen inkorrekt. Aber wahrscheinlich war und ist das der Grund, daß ihre Wurzeln tief in die Erde eindringen konnten und sie bisher durchaus starken Stürmen standgehalten haben.

Nun, das ist meine heutige Sichtweise – ich bin geneigt anzunehmen, daß ich das in zwei Monaten oder in zwei Jahren einmal mehr konträr betrachten werde; möglicherweise. Neue Gabelungen entstehen, alte und gewohnte wirken obsolet. Mein Täglichlaufen ist ein gewachsenes Konstrukt der gesundheitlichen, lebendigen Fragilität, welches täglich weiter prosperiert und gedeiht. Und bei all den überwundenen Stürmen, in der diese meine seltene Pflanze allen Fährlichkeiten beharrlich trotzte, weiß ich doch umso besser, daß in der fernen Zukunft oder aber schon morgen, dieses Gewächs dem vertrauten, geborgenen Boden der lieblichen Heimstatt erbarmungslos entrissen werden wird; unbarmherzig und mit aller Macht, denn alles wird irgendwann vergehen. Dereinst. Nichts bleibt wie es ist. Das ist der Lauf des Lebens und auch mein Lebenslauf in meinem geliebten Täglichlaufen gehört unweigerlich dazu. Nichts währt unendlich und ich gestehe es nur ungern ein, aber vor diesem Tag habe ich bereits latent Angst. Wohlwissend, daß derlei Empfindungen wie „Angst“ unnötig sind, eben weil sie auf diesem subjektiven Weg nicht nützlich sind.

Zu sehr, zu tief ist das Täglichlaufen mit meiner selbst, mit meiner Person – vor allem auch geistiger Natur verschmolzen. Hier offenbart sich der unbedingte Nachteil in dieser Philosophie. Wohlan, genug der trüben, sinnierenden Gedanken, die hoffentlich noch fern der vollzogenen Realität liegen mögen. In dieser Sekunde nehme ich das Geschenk Täglichlaufen in Demut an, ehre die neu erreichte Ebene und preise es für mich als Einzigartigkeit, die ich nicht im Ansatz missen will – die unangenehmen Momente sind hier mit eingeschlossen. Rückblickend betrachtet, bedauere ich es vielleicht ein wenig, daß ich nicht noch früher damit begonnen habe, in dieser rigorosen Konsequenz wie gelebter Permanenz, doch ja, wer weiß schon, wie sich diese meine Reise sodann entwickelt hätte. Nein, bei allen Gedankenspielen, ich bin mehr als stolz auf mich und bin froh, daß ich den Weg so gegangen bin – wie es nun einmal von mir vollzogen wurde.

Ja, ich bin extrem stolz auf mich. Wer mich verstehen will, mich also wahrhaftig nachvollziehen möchte, dem rate ich augenzwinkernd zum Selbstversuch und nach 13 Jahren tauschen wir uns aus. Freilich, der Terminus ist schon falsch gewählt von mir – Täglichlaufen kann man nicht versuchen. Man kann es nur leben. Alles andere ist eine kümmerliche Illusion, ein törichtes Märchen. Sodann ist der Pfad immer individuell. Das kanalisiert sich auch auf die noch nicht geborene Zukunft, die gleichsam eine Illusion ist, das Morgen existiert nicht – nur der Moment im Jetzt ist von zentraler Bedeutsamkeit und nur jener Augenblick wird gelebt, denn in dieser Momentaufnahme vereinigt sich das Leben in wahrer Vollkommenheit. Wie dem auch sei, mein Denken und ich selbst haben sich massiv verändert, mein Täglichlaufen hat mich zu einem anderen Menschen werden lassen, ein anderes Ich wurde dank dieses Geschenkes generiert. Doch zwei Kernpfeiler behalte ich mir bei allem Stolz bewußt bei. Zum einen definiere ich mich nach wie vor als Antisportler und zum anderen lehne ich jedwede Pläne oder Ziele wie gehabt ab. Ich will nichts weiter erreichen, als heute meinen täglichen Lauf zu realisieren und die einsame Abgeschiedenheit der Natur zu besuchen und wertzuschätzen. Sofern mir das weiter gelingt, bin ich ein zufriedener Mensch.

Das wahrnehmbare Konstrukt der „Serie“, ergo die gezählten Jahre sind nur schnödes Beiwerk und liegen kausal in der Natur der Sache begründet. Sie stehen mitnichten im Zentrum meines Täglichlaufens und geben dieser Philosophie dennoch eine Art Antlitz – mein Agieren wird dadurch erst sichtbar. Heute hat sich dieses Gesicht merklich verändert, mit Genugtuung blicke ich zurück und blättere in meinen gesammelten Aufzeichnungen, in denen ich jeden einzelnen Lauf festgehalten habe. Mannigfaltige Erinnerungen ziehen mich in das unvorstellbare Land der Reminiszenzen und manche – besondere – Läufe erlebe ich erneut. In den Datenmengen verschwimmt die Realität mit der Vergangenheit und die flüchtige Zeit mit all ihren vielfältigen Momenten segelt an der temporären Oberfläche, um dann doch für immerdar seufzend unterzugehen. Die ungestümen Wellen der Zeiten egalisieren ungerührt jene melancholischen Eindrücke und alles wird sein, wie es begann.

In diesen Aufzeichnungen bewahre ich mir mein Täglichlaufen, von dem ersten Tag an – bis heute. Und ich hoffe auf weitere Tage, in denen ich diese seltene Gnade praktizieren darf – mit Hingabe – und somit meine Chronik auch künftig ergänzen darf; mit heiteren und spannenden Momenten, mit unangenehmen Anekdoten und vielleicht auch mit gesundheitlichen Härten, wie es das Leben bisher schon wiederholt in seiner unwägbaren Art schrieb, der ich nicht entkommen kann. Täglichlaufen. 13 Jahre. 06 Monate. Was für ein Tag! Doch er wird vergehen, sehr bald. Sodann folgt der nächste – ein neuer Lauf folgt. Möge es weiter gehen, auf diesem meinem surrealen Weg. – – – Das gleißende Licht durchbricht ungehalten die erhabenen Wipfel im finsteren Tann; Lichtkegel fallen kristallartig schräg hernieder und kitzeln zaghaft den Tau in den zahlreichen Spinnennetzen, welche wie Ketten aus Brillanten die grüne Wiese zieren und leise, still im Odem des zärtlich streichelnden Windes erzittern und nach einer geheimnisvollen Melodie tanzen, die niemand hören darf. Und ein düsterer Schatten bewegt sich lautlos über sie hinfort, finstere Nuancen geboren am Horizont von jenem weißen Schwan, der noch immer am Himmel schwebt.

Vespa crabro – Vesper

Posted in Fauna, Photos on 15. September 2014 by Täglichläufer

Tempus fugit. Der 18.09. naht und damit – mit einem Hauch von Glück in Demut – mein Halbjahresjubiläum, welches immer leuchtender hernieder strahlt. Demungeachtet liegt der Tag noch fern und verdient nur wenig Beachtung. Heute sind die wunderbaren Hornissen von Bedeutung, die sich höchst gelassen Köstlichkeiten in Form von fliederhaften Baumsaft hingeben. Wie ich erst konstatierte, bin ich nicht nur ein Bewunderer von meinen lieben Froschels, sondern auch von den edlen Hornissen – gleichwohl frage ich mich wiederholt, wie man vor diesen friedvollen und entspannten Putzels Angst entwickeln kann? Freilich, als wenig wunderbar erweist sich die Tatsache, daß sie dem Flieder nicht gerade positiv geneigt sind, so daß diverse Äste schlußendlich absterben. Wie dem auch sei, es sind faszinierende Lebewesen, die mehr Achtung verdient hätten. Froschels? Schrieb ich eben von Fröschen? Natürlich, sie dürfen hier nicht fehlen – und so beobachtet der possierliche Nachwuchsfrosch die Welt; so wie ich sie selbst auch.

2014_September_Natur_01
2014_September_Natur_02
2014_September_Natur_03
2014_September_Natur_04

Ranidae

Posted in Fauna, Gedichte & Zitate, Photos on 2. September 2014 by Täglichläufer

Nun, es ist mitnichten eine weltbewegende Neuigkeit, daß ich ein großer Freund und Bewunderer von meinen lieben Froschels bin – wie einst schon der ehrwürdige Geheimrat vor mir. Und so bleibt mir nur, das Wort an den Meister abzugeben und mich auf fundierte Photobeweise zu beschränken. So sei es.

2014_August Froschels_01
2014_August_Froschels_02
2014_August_Froschels_03
Ein großer Teich war zugefroren,
die Fröschlein in der Tiefe verloren,
durften nicht ferner quaken noch springen,
versprachen sich aber im halben Traum,
fänden sie nur da oben Raum,
wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
nun ruderten sie und landeten stolz
und saßen am Ufer weit und breit
und quakten wie vor alter Zeit.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Den Weg gehen – V. 2014. Dreizehn Jahre, fünf Monate. Blätter wehen…

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2014 by Täglichläufer

…leise knisternd von den hehren Baumriesen hernieder, wispern harmonisch und erzählen vernehmlich seufzend aus ihrer bewegten Vergangenheit. Die Lebenszeit schreitet beständig voran, der Wandel endet nimmermehr und die ersten, zarten Ausläufer des Herbstes lassen sich bereits behutsam in der belebenden Abendkühle wahrnehmen und verkünden den unaufhörlichen Zeitenwechsel. Still und geheimnisvoll säuselt der Sommer von Abschied, Wehmut keimt auf. Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und fünf Monate. Das Halbjahresjubiläum wirft seine hoffnungsfrohen Schatten voraus und weist mir leuchtend den unwägbaren, unergründlichen Pfad, jenen ungeborenen Weg der Verborgenheit, der mich von der flüchtigen Zukunft in die unendliche Vergänglichkeit führen wird – freilich immer im Zeichen meines geliebten Täglichlaufens. Und nach wie vor gilt, daß ich diese Reise im Rahmen meiner Möglichkeiten mit Hingabe und in Zufriedenheit wie Harmonie beschreiten werde – mehrheitlich. Ausnahmen bestätigen die Regel und nichts wäre unangenehmer, als nur wunderbare Läufe zu erleben.

In dem vergangenen Monatsabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 12 °C und 28 °C. In der Summe wurden mir zwei Regen-, ein Hitze-, ein Nebel- und ein Gewitterlauf zuteil. Endlich durfte ich zu meiner Standardstrecke zurückkehren, da auf „meinem“ Damm das Gras gemäht und somit der ausufernde Dschungel nachhaltig gelichtet wurde. Welch ein gewichtiger Befreiungsschlag! Dennoch wurde meine tägliche Laufeinheit um eine gravierende Attraktion ärmer, da meine lieben Wollfreunde in den wohlverdienten Sommerurlaub umgezogen sind; mögen sie stets saftige Wiesen vorfinden und bald in ihr gewohntes Heim zurückkehren. Einmal mehr wurde ich dazu bestimmt, zwei prachtvolle Weinbergschnecken vor der Straße mit ihren Fährlichkeiten zu erretten, was mich mit tiefer Freude erfüllte. Ende Juli weilte entspannt erhaben auf meinem Laufpfad ein edler Rotfuchs, der mich nicht eher bemerkte, als bis ich ihn anrief – wer nun vielleicht annimmt, er sprang sodann überrascht von dannen, der irrt – denn Meister Reineke erhob sich in aller Ruhe und bewegte sich in Richtung Wiese und das mit einer Contenance, die ihresgleichen suchte. Was für ein wunderschöner Fuchs!

Als weniger angenehm erweisen sich derzeit immer noch die sogenannten Wassersportler, die mit ihren Pseudoyachten in das hiesige Naturschutzgebiet marodierend einfallen, am Strand übernachten, mitten in der Natur grillen und dann dieses Habitat wie ein Schlachtfeld verlassen. Wozu auch den Müll adäquat entsorgen, gehört er doch in die Natur. Jene erbärmlichen Wesen verachte ich von grundauf. Im August fuhr mir auf dem Fußweg ein Jugendlicher mit dem Fahrrad entgegen; selbiger war in den Ohren musikalisch verkabelt und trug eine Sonnenbrille, die mutmaßlich aus einer anderen Dimension kam und latent mit ihren Ausmaßen an Parabolspiegel erinnerten und schlenkerte mit seinem Rad in summender Weise hin und her – da er nun weder hören noch sehen konnte, nein, wollte!, so mußte er auch nicht auf den Weg achten und hielt direkt auf mich zu. Just eine Millisekunde bevor ich meine Stimme freundlich ungehalten erheben wollte, registrierte er mich jählings und ein elektrisierender Schreck durchzog ihn und sein Rad, so daß ich getrost annehmen durfte – ich hätte einen Grashüpfer vor mir – und in letzter Sekunde wich er aus. Schweigend und innerlich mit dem Kopf schüttelnd ob dieser Absonderlichkeit, setzte ich meinen Weg fort. Vielleicht war die schreckliche Aufregung heilsam für ihn, denn der nächste 40-Tonner wird nicht seine Stimme erheben.

Eines Morgens kam mir ein Läufer mit seiner Schäferhündin entgegen, der mich in ein Gespräch verwickelte und im Anschluß fragte, ob er mich begleiten dürfte – natürlich legte ich keinen Einspruch ein und so vollzogen wir den Lauf gemeinsam, was sich durchaus als eine kleine Herausforderung für mich offenbarte, da ein Geschwindigkeitskompromiß gefunden werden mußte. Ich bin zwar klein, aber meine Beine sind lang und fordern eine gewisse Geschwindigkeit ein, die ich ungern unterbiete. Im Rahmen des interessanten Gespräches rannte die Zeit noch intensiver als gewohnt, indessen ich mit der schönen Hündin Freundschaft schloß. So vergeht ein weiterer Abschnitt in meinem Täglichlaufen, das Rad im Weltgesang der Jahreszeiten dreht sich bereits laut knirschend und sehr bald werde ich den Herbst in seiner vollendeten Herrlichkeit preisen. Ihr Sturm & Regenmächte, ich erwarte euch herzlich mit einem hoffnungsvollen Lächeln. Gelebtes Täglichlaufen. Die Ballade setzt sich fort. Blätter wehen hinfort, immer weiter und weiter, verwehen einsam in die Vergänglichkeit – für immerdar.

19.07.2014 14 KM – Hitzelauf
20.07.2014 14 KM – Gespräch geführt
21.07.2014 14 KM
22.07.2014 14 KM – Gespräch geführt, Radler grüßte witzig
23.07.2014 14 KM – Pirol beobachtet
24.07.2014 14 KM – Damm: Gras gemäht, viele Bussarde beobachtet
25.07.2014 14 KM – Damm: Gras gemäht, Gespräch
26.07.2014 14 KM – Nebellauf, Gespräch, Weinbergschnecke ge.
27.07.2014 14 KM – unangenehme Atmosphäre
28.07.2014 14 KM – Regen- und Gewitterlauf; Schmusi gestreichelt
29.07.2014 14 KM – Regenlauf, Wollies > Sommerurlaub
30.07.2014 14 KM – Gespräch geführt, fast Nebel/Regen
31.07.2014 15 KM – edlen und wunderschönen Rotfuchs getroffen
01.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
02.08.2014 14 KM – mehrere Gespräche geführt
03.08.2014 13 KM – extreme Dasenattacken
04.08.2014 14 KM – großes Reh beobachtet, Hauch von Nieselregen
05.08.2014 13 KM – Dasenattacken, herrlicher Pirolgesang
06.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
07.08.2014 14 KM – Gespräch, Baumsperre reinstalliert
08.08.2014 14 KM – Dasenattacken, Jugendlichen erschreckt
09.08.2014 14 KM – Gespräch, Laufbegleitung
10.08.2014 14 KM
11.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
12.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
13.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
14.08.2014 14 KM – Gespräch, Weinbergschnecke gerettet
15.08.2014 14 KM – Gespräch geführt
16.08.2014 14 KM – Adler beobachtet, Rückzug wegen Rehe
17.08.2014 14 KM – belebender Vorherbstlauf
18.08.2014 14 KM – 13 Jahre und 05 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.08.2014: 3166 KM

Die Froschversammlung

Posted in Fauna, Photos on 6. August 2014 by Täglichläufer

An die nachfolgende Anekdote – welche ich einst hier veröffentlichte – wurde ich kürzlich dank der interessanten Diskussion mit Quardian erinnert, so daß ich sie erneut hochleben lasse. Zudem erhielt ich vor einiger Zeit eine höchst rare Einladung meiner lieben Froschelfreunde, die ich freilich stante pede ohne Besinnung annahm und während dieser exponierten Feierlichkeit wurde mir edelmütig gestattet, wenige Impressionen unserer Begegnung in bildhafter Form festzuhalten, welche ich hier nun in kongenialer Kombination publizieren darf. – – Über die Geschichte kann man nachdenken. Man darf.

2014_Juli_Froschels_01
2014_Juli_Froschels_02
2014_Juli_Froschels_03

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders herausfordernd zu gestalten, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Am Tag des Wettbewerbes versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen.

Dann endlich war es soweit! Der Wettlauf begann! Nun war es so, daß keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, daß auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könnte. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder “Das ist einfach unmöglich!” oder “Das schafft Ihr nie!” Und so ging es fort ohne Unterlaß.

Und wirklich schien es, als sollte das Publikum Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!”. Wirklich gaben bald alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte – und als einziger das Ziel erreichte. Welch ein Wunder!

Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war. Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den unmöglichen Wettlauf zu gewinnen.

Und erst da merkten sie, daß dieser Frosch taub war!

(Autor unbekannt) – in Teilen von mir modifiziert

Den Weg gehen – IV. 2014. Dreizehn Jahre, vier Monate. Die Zeit der Schwarzkittel.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2014 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und vier Monate. Täglich flieht die scheue Zeit von dannen, dringt ungerührt in unbekannten Sphären vor, die wir nie erreichen werden und täglich renne ich ihr hinterher, geboren in der illusionären Hoffnung, sie eines Tages einholen zu können, doch irrelevant, wie schnell meine Beine mich tragen – ich werde sie nimmermehr erreichen. Und so trägt sie einen neuerlichen Monat Täglichlaufen für immerdar hinfort, in ihr vergängliches Reich der wehenden temporären Erinnerungen und ich blicke wehmütig hinterdrein, bis sie sich dereinst nicht nur mit Gedanken und Momenten der Einzigartigkeit begnügen wird, sondern mich selbst in persona entführen wird. Alles hat seine Zeit. Demungeachtet werde ich einmal mehr den 18. eines Monats feierlich begehen. Wenn nicht heute, wann denn dann?

Was bleibt aus dem vergangenen Monatsabschnitt? Die zuletzt zitierte Sommerroutine wurde vehement zurückgedrängt, verbannt und neue, interessante Ereignisse traten an jene Stelle, die ich in der Majorität mit einem Lächeln goutiere. Aus dem statistischen Reich gibt es drei wunderbare Regenläufe zu vermelden, indessen die Temperaturen zwischen 10 °C und 27 °C in einem gemäßigten Rahmen alternierten – extreme Hitzeläufe stellten sich glücklicherweise nicht ein. Um so gehaltvoller zeichnete sich ein exponierter Regenlauf aus, der seinesgleichen suchte und zu den wunderbarsten Läufen in diesem Jahr gerechnet werden darf, nein – werden muß! Mit der Intensivierung der hernieder perlenden Wassertropfen ging eine kongeniale Entfaltung von Zufriedenheit, Harmonie und Genuß einher, die ich nicht im Ansatz in unzulängliche Worte fassen wollte.

Um den kompensatorischen Effekt an dieser Stelle nicht zu ignorieren, sei ein zutiefst widerwärtiger Lauf zu erwähnen, den ich scheinbar in einer tropischen Welt absolvierte und der mannigfaltige Überraschungen an Insekten bereit hielt; allen voran Dasen, auch bekannt als Bremsen und zahlreiche Mücken, die jeden Laufanfänger und Entomologen perfekt motiviert hätten und mich selbst nicht minder. Als tierischen Höhepunkt in positiver Betrachtung muß ein gar nicht eilender Hase erwähnt werden, der gemütlich seines Weges hoppelte – hier eine sehr seltene Beobachtung. Sodann offerierte mir das hehre Leben höchstselbst drei Kontakte mit der lieben Familie Schwarzkittel und das sogar in unmittelbarer Nähe. Einerseits haben mich diese Begegnungen sehr erfreut, denn hierbei handelt es um sehr edle und freundliche Gesellen aus dem heimischen Forst, doch andererseits betrüben mich solche Treffen stets, da die Wildschweine derart verschreckt sind und voller Angst in hoher Geschwindigkeit flüchten. Ich kann nur vermuten, welche tödlichen Nachstellungen sie jeden Tag zu ertragen haben. Hoffentlich findet ihr angemessene Verstecke vor der alles vernichtenden Mörderspezies Mensch. Mögt ihr und euer niedlicher Nachwuchs überleben, ja, l e b e n!

Gestern mußte ich den 42. Fastunfall erleben und mit etwas weniger Glück hätte bedingt durch ein Auto mein Täglichlaufen konterkariert werden können. Ich werde nie verstehen, was Analphabeten, (was bedeutet auch ein Stopschild?), die den Schulterblick für einen Spiralnebel im Alpha Centauri System halten, auf der Straße zu suchen haben. Derlei Subjekte kann man nur verachten, die ohne Rücksicht und Respekt für andere ihr Gehirn in den Ruhezustand versetzen – erbärmlich! – – – Und so verflüchtigt sich das Dasein, das Konstrukt der Zeit mindert seine Geschwindigkeit nicht im Ansatz und reißt alles mit sich in den schwarzgähnenden Abgrund und noch jage ich mit meinem Täglichlaufen hinterher und bilde mir ein, es halbwegs bewußt steuern zu können. Doch jene Möglichkeiten sind in diesem unwägbaren Leben mehr als begrenzt, allein der Wille und das Bemühen tun das ihre, um die Fortsetzung meiner Konzeption zu leben. Wie lange ich diesen Weg auch künftig beschreiten darf, wird die Zeit lehren. Mir bleibt nur, jeden einzelnen Lauf mehrheitlich zu genießen, was mir freilich auch nicht immer gelingt; dennoch – möge sich diese meine Ballade vom Täglichlaufen fortsetzen, auf der Fährte von Zufriedenheit, Harmonie und Frieden.

19.06.2014 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt
20.06.2014 14 KM – 22. Wildschweinkontakt
21.06.2014 13 KM – Gespräch geführt
22.06.2014 14 KM – Gespräch geführt
23.06.2014 14 KM – Gespräch, Streichellauf, Pirol gesehen
24.06.2014 14 KM – 23. Wildschweinkontakt, Gespräch
25.06.2014 12 KM – Regenlauf – und was für einer!
26.06.2014 14 KM – Radfahrer überholt
27.06.2014 14 KM – 24. Wildschweinkontakt, Gespräch
28.06.2014 14 KM – Gespräch, Greifvogelbegegnung
29.06.2014 14 KM – Gespräch geführt
30.06.2014 14 KM
01.07.2014 13 KM
02.07.2014 13 KM
03.07.2014 10 KM – Gespräch geführt
04.07.2014 12 KM – Streichellauf
05.07.2014 12 KM – Gespräch, gräßlicher Tropenlauf
06.07.2014 12 KM
07.07.2014 12 KM – Gespräch geführt, einen Hasen gesehen
08.07.2014 14 KM – Regenlauf, Gespräch geführt
09.07.2014 12 KM – Regenlauf, tropische Verhältnisse
10.07.2014 13 KM – Tropenwetter, Jugendliche im Wald erschreckt
11.07.2014 13 KM – Gespräche geführt
12.07.2014 13 KM – Gespräch, Müll aus dem Wald entfernt
13.07.2014 14 KM – Gespräch geführt, Streichellauf
14.07.2014 14 KM
15.07.2014 14 KM – Gespräch geführt
16.07.2014 14 KM – Gespräch, nahes Reh beobachtet
17.07.2014 14 KM – Gespräch, Streichellauf, 42. Fastunfall
18.07.2014 14 KM – 13 Jahre und 04 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.07.2014: 2733 KM

Fühlen im Regen

Posted in Faszination Regenlauf, Täglichlaufen. Laufberichte. on 25. Juni 2014 by Täglichläufer

Das formidable Schauspiel begann bereits in der vergehenden Nacht; nebulöse Wolkenschiffe segelten erhaben am weiten Horizont entlang, näherten sich majestätisch am Firmament und warfen drohend ihre allgewaltigen Schattenanker hernieder. Mannigfaltige Gewölkformationen, geboren in tiefer Dunkelheit eroberten sodann ungehalten den hehren Himmel und als jedwede Maßnahmen in reibungsloser Perfektion getroffen waren, rasselten unhörbar die scheinbaren Ketten und zogen in der gnadenlosen Konsequenz das schwere Tor empor – die Himmelspforte ward geöffnet und nun ergossen sich ganze Meere an kühlem Naß auf die Erde, partiell in Form von Starkregen. Als der aufkeimende Tag sich behutsam entfaltete, zog sich die tiefschwarze Nacht nur verhalten zurück – die Finsternis blieb indes allenthalben bestehen und auch die tanzenden Regenfronten dominierten weiterhin den noch jungen Morgen.

Lächelnd, nein, fast schon vor Freude grinsend, warf ich mich der lieblichen Regenregentin entgegen, die ihre wehenden Vasallen aussandte, um mich gebührend zu begrüßen. Als ich den Eingang des düsteren Forstes erreichte, registrierte ich mit Verwunderung, daß die schwarzen Pfade sich aufgelöst hatten respektive unter einer beachtlichen Wasserschicht verborgen waren. Der Wald nahm latent die Form eines Sees an – eine derart ausgeprägte Regenkonsequenz erlebte ich sehr, sehr lange nicht und spätestens zu diesem Zeitpunkt war mir klar, daß der heutige Lauf in Richtung einer Schwimmeinheit tendieren wird – und ich sollte mich glücklicherweise nicht irren. Hinein also in die Fluten! Nach nicht einmal zwei Kilometern war nichts, aber auch gar nicht mehr an mir trocken und weiter ging meine nasse Reise in die einsamen Regenhaine, die die Abgeschiedenheit hochleben ließen, auch die unerschütterlichen Hundebesitzer trauten sich nicht hinein in diese prasselnde Regenwelt. Und still tropfte es unablässig von den Ästen herab.

Dunkelwolken

Streichelnde Sturmhände wehten ungestüm über mich hinfort und wiesen mir den obligaten Weg in eine Welt, die ich doch nicht betreten kann und nur im Geiste finde ich dort Eingang. Ungeachtet dieser Grenzen nahm ich die scheinbare Einladung an und lief geschwind in Richtung Damm, den ich auf Grund der hohen Gräserwälder nur noch temporär betreten darf. Und so verbarg mich der Forst und breitete seine grünen, schützenden Gewänder der Einsamkeit über mich aus, in der ich mich vollständig verlor. Überschwemmte Pfade, wohin ich spähte – nur vereinzelt stachen einzelne Flächen heraus, gleich Inseln, die früher oder später auch noch untergehen werden und die Himmelsschleusen glichen immer noch einem Wasserfall, der kein Verharren, kein Erbarmen kennt.

Die plätschernden Waldseen, die früher einmal Wege genannt werden durften, sorgten beim schnellen Durchschreiten für wiederholte Überraschungen, da die Tiefe stets ein Geheimnis blieb und erst beim Durchqueren preisgegeben wurde – dementsprechend versank ich an ausgewählten Örtlichkeiten bis zu den Knien im wohltemperierten Wasser, welches sich in Abhängigkeit der Lokalität durchaus mal wärmer und dann wiederum kälter, belebender anfühlte. Im Hintergrund konzertierten zahlreiche Vögel und boten ihre Sangeskunst in prachtvoller Weise feil und selbst der Kuckuck stimmte in dieses Dunkelkonzert herrlich mit ein.

Ich selbst hingegen weilte längst in anderen Sphären, die sich nicht mehr in unzulängliche Worte kleiden lassen; hoch zufrieden passierte ich meine Wälder, genoß die traumhafte Regengunst, die sich unterdessen noch tatsächlich intensivierte und sog die außerordentliche Stimmung auf. Genießend, lächelnd und schweigend absolvierte ich meinen heutigen Lauf und ja, f ü h l e n d – nichts ist bedeutender. Ich erlebte und vollzog einen Lauf unter Bedingungen, die ihresgleichen suchten und ihn zu einer wahrhaftigen Rarität erwachsen ließen. Fühlen im Regen – der Rest ist Schweigen.

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