13 Jahre – Täglichlaufen – 13 Jahre

Posted in Täglichlaufen. 13 Jahre. on 18. März 2014 by Täglichläufer

Wie bei den raren Artikeln dieser kostbaren Gewichtung gewohnt – im Zeichen exponierter Jubiläen – ist selbiger primär an meine Person adressiert und wie zu erwarten ist, zeichne ich ein höchst positives Gesamtbild meines Täglichlaufens – natürlich. Überdies ist es nicht meine Intention andere Menschen vom Täglichlaufen zu überzeugen oder gar auf diesen Weg zu führen – das kann und will ich nicht im Ansatz, wozu auch – jeder muß seinen eigenen Pfad beschreiten und ich würde Täglichlaufen niemals empfehlen; tägliche Bewegung hingegen immer. – – –

Erst gestern, nein, vor einem halben Jahr formulierte ich mit der imaginären Feder auf dieser Seite: So vergeht Tag um Tag und Jahr um Jahr. Vielleicht gelingt es mir, dreizehn Jahre zu vollenden; ich würde es mir wünschen, aber das ist natürlich kein Ziel. Doch wohin die nebulöse Reise gehen wird, wird sich zeigen. Mein Lied vom Täglichlaufen kann noch Jahre andauern oder zehn Tage. Ich kann mich nur der gnadenlosen Lehrmeisterin der Zeit unterwerfen. Allein, habe ich eine andere Wahl? Solange ich kann und darf, werde ich diese meine Liebe praktizieren und die Ballade mit Hingabe komponieren. Tage kommen, gehen. Verblassen ungerührt und ohne Wehmut im wispernden Wind. Reiten im wehenden Sturm ungestüm für immerdar von dannen, ziehen lächelnd in die allumfassende Unendlichkeit der Melancholie ein – und reißen uns ungefragt mit. Das Leben hat weitere sechs Monate unwägbarer Lebenszeit vergehen lassen, ich sang die oben erwähnte Ballade weiterhin mit Inbrunst und der Sinn meiner damaligen Worte wurde gleichsam in das Gegenteil verkehrt – aus dem verhaltenen Wunsch wurde ein greifbares Ziel, welches ich heute tatsächlich realisiert habe.

Fürwahr, der besondere Tag ist gekommen – der 18.03.2014 – heute jährt sich der Startpunkt meiner sogenannten „Serie“ im Gelebten Täglichlaufen und heute darf ich auf 13 Jahre Täglichlaufen zurückblicken – ohne Pausen, ohne Ruhetage – ich habe eine neue Ebene im Täglichlaufen für mich realisiert wie etabliert. Ein höheres Niveau entfaltet sich behutsam, indessen nicht ohne Macht. Ich habe es tatsächlich erreicht, dieses irreal anmutende Jubiläum von 13 Jahren Täglichlaufen in Serie. – Gelebtes Täglichlaufen – DREIZEHN JAHRE – 18.03.2001-18.03.2014. Mein Weg in die Zufriedenheit. – Erneut habe ich für mich die nächst höhere Herausforderung der Natürlichkeit erklommen – auf diesem Pfad, der aus dem unendlichen Nichts kommt und in das endliche Nichts führen wird. Ein neuerliches Jahr habe ich im Zeichen des widersprüchlichen Täglichlaufens generiert wie konsolidiert und ja, ich freue mich unbändig darüber. Bei all der erkennbaren und parallelen unbewußten Fragilität im Dasein ist es für mich umso bemerkenswerter, daß ich mich immer noch meinem Täglichlaufen hingeben darf, seit nunmehr 13 Jahren – in der Tat handelt es sich um einen essentiellen Bestandteil in meinem Leben. Nicht nur heute blicke ich eminent stolz auf das Erreichte zurück – so lange ich lebe, werde ich dies mit einem zufriedenen Lächeln tun.

Ich gestehe es gerne ein, mir fehlen durchaus die Worte; einerseits weil ich mich wiederholt en détail mit diesem Thema auseinandersetzte und andererseits ist nichts natürlicher als Täglichlaufen. Körper und Geist erfahren nur das, wofür sie konstruiert wurden; jedwede Diskussion über diese Thematik offenbart einen absurden Charakter – oder wer debattiert schon über das tägliche Atmen? Doch vielleicht ist ein tiefes Sinnieren wiederum sinnvoll, weil wir in einer bewegungsfeindlichen, faulen und bequemen Scheinwelt leben. Wie dem auch sei, mit dem heutigen Beitrag bewege ich mich latent auf dem Weg der Zurückhaltung und werde mich in meinen Ausführungen beschränken. Der Zeitenfluß des flüchtigen Lebens hat es mir in der Tat ermöglicht, die Reise des Täglichlaufens in dieser für mich einzigartigen Art und Weise zu beschreiten und das seit 13 Jahren. Das hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können. Ein wenig kurios mutet hierbei immer noch die Tatsache an, daß ich derlei weder wollte noch je geplant habe – ich werde nicht müßig, dies explizit zu betonen. Wie könnte man auch planen, jeden Tag Täglichlaufen zu praktizieren? Zu unkalkulierbar ist der tosende Weltgesang.

Doch die omnipotente Autorin der Zeit und Regentin über das Leben hat dieses einst leere Buch aufgeschlagen, mir edelmütig dargeboten und dementsprechend mit zufriedenen Worten für mich beschrieben und die Seiten nach und nach in der Majorität mit Harmonie und Zufriedenheit gefüllt. Und gerade dieses Nichtwollen von einst, der unbewußte Charakter an dieser Philosophie wie Natürlichkeit – hat sich als eine der wichtigsten Tragsäulen der Grundsätzlichkeit enttarnt, was ich freilich bereits ausführlich behandelt habe. Wie viel Zeit ist seit dem Beginn nur vergangen? Wie lang währt jener Pfad bereits? Auf die schnöden Kilometer bezogen, habe ich längst die Erde umrundet – und ich bin weit, weit darüber hinaus gelaufen – aber was sagen schon törichte Kilometerangaben aus? Nichts. Sie sind per se bedeutungslos. Aber was in ihnen verborgen ist, kann nur ich selbst für mich erkennen: Gesundheit, Zufriedenheit, Glück und Frieden. Welch elementare wie treffliche Beschreibung für das Täglichlaufen.

Die Welt hat sich in den vergangenen Tagen rasant verdunkelt, Sturmmächte zogen drohend auf und rangen wild mit jedem, der es wagte sich ihnen entgegen zu stellen. Ungehaltene Wellen des wütenden Sees peitschten jähzornig an das weiße Ufer, die hohen Baumwipfel tanzten miteinander nach ihrer ureigenen Melodie, die doch niemand versteht und das hehre Blattgewerk säuselte gedankenvoll in den Böen und gab sich dem prosperierenden Blütenzauber hin. Der heutige Lauf war wie immer an einem 18.03. einer latenten Melancholie geschuldet, die sich kongenial mit den Witterungsverhältnissen vereinigte, die mich mit der geliebten Einsamkeit in meine reizenden Wälder begleiteten. Mannigfaltige Impressionen aus der Vergangenheit im Kontext Täglichlaufen werden wieder lebendig, erscheinen höchst real und bleiben doch nur flüchtige Bilder in meinem Geist. Bei aller Freude, bei allem Stolz frage ich mich, wie es mir gelingen konnte, diesen Weg bis heute zu beschreiten. Ich kann dieses Geschenk an mich selbst nur mit Demut annehmen – und mit dem Bemühen, es auch künftig mit aller Sorgfalt zu pflegen. Schlußendlich kann man Täglichlaufen auch nicht verstehen, man kann es nur – ganz banal – leben und das mit allen Konsequenzen. Ein Zaudern, ein Versuchen ist irrelevant.

So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und selbige tritt in die düstere Geschichte der Flüchtigkeit ein, aber was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit, an erlebte Situationen und manche Ereignisse ragen leuchtend empor in diesem grau wabernden Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere hernieder sinken und mehr und mehr verblassen. Die Natur mit ihren zahlreichen Bewohnern nimmt hierbei ihren ureigenen Stellenwert ein. Ohne sie und meinen unzähligen tierischen Freunden, allen voran meinen Wollies würde ich kaum mehr diesen Stil praktizieren. Doch irgendwann wird auch mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen und gnadenlos triumphieren. Wie noch stets. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz.

Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen und mich bemühen, exponierte Momente festzuhalten – als die elementare Quelle meiner Selbst, wenn auch nicht jeden einzelnen. Ich möchte nicht einen Tag aus den vergangenen 13 Jahren missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen – das gilt auch für jene, die mich – in welcher Form auch immer – gnadenlos zu Fall brachten und für beträchtlichen Schmerz sorgten. Hier reift der besondere Stolz, solche schmerzvollen Episoden überwunden und die in meinem Leben einzigartige und nicht mehr reproduzierbare „Serie“ fortgesetzt zu haben. Und das ist es, worauf es meiner Betrachtung nach wirklich ankommt. Zu dem stehen, was passiert und nicht mehr zu ändern ist und nicht nur das Schöne, sondern auch das Unangenehme annehmen und nicht negieren. Alles hat zwei Seiten im Leben, nie ist etwas nur positiv – nicht einmal mein Täglichlaufen.

Genug der sinnierenden Worte. Heute ist mein Tag und heute wird würdig gefeiert. Einmal mehr gilt mein inständiger Dank meinen Eltern und Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, das selbst das Natürliche nicht auf glatten, gebahnten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn konsequent bis zum Ende, wann, wie und wo immer das sein mag und sich gestalten wird – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen – ich selbst schließe mich hierbei nicht aus, was durchaus eine Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge rigoros meinem Täglichlaufen unter, muß sie unterordnen. Es ist mir zu teuer geworden, als daß ich anders handeln könnte, nein, anders handeln will.

Ihr werdet mein Täglichlaufen nie verstehen, tröstet Euch – ich auch nicht. Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen hoffentlich nerven werde – und mich selbst freilich auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt noch immer evident auf der Hand, nein! Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder noch viel mehr zu nerven. Weiterhin vielen Dank an den „Doberanner“ Wolfgang, der heute extra einen Lauf für mich absolvieren wollte/will – und an all die treuen Kommentatoren auf dieser Seite für Euren Zuspruch – es ist mir eine Ehre. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe.

Das vierzehnte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit, das Lied auch zukünftig mit Hingabe zu singen und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.

Ein Geschenk. An mich selbst. Concordia domi, foris pax.

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 3. März 2014 by Täglichläufer

Alles hat seine Zeit. In naher Zukunft werde ich mein dreizehnjähriges (Serien)-Jubiläum im geliebten Täglichlaufen begehen, sofern mir das greifbare Glück hold ist, die unwägbare Gesundheit stets mitläuft und freilich, das unbeständige Leben selbst muß dieses fragile Vorhaben wohlwollend goutieren. Gleichwohl bemühe ich mich nach Kräften und werde all jene Faktoren, auf die ich einen gewissen Einfluß nehmen kann und darf – in entsprechende Wege kanalisieren. Doch auf eine überaus bewußte wie törichte Konzentration innerhalb der aktiven Ausübung des Täglichlaufens verzichte ich natürlich.

Schließlich obsiegen hier bedeutendere Impressionen, wie die von mir so präferierte Zufriedenheit, Gesundheit, Einsamkeit, Stille und Besinnung auf das Elementare, das wirklich Wichtige im Dasein – den scheinbar unbedeutenden Moment des Lebens festzuhalten – all dies in der kongenialen Natur vereint. Dafür lebe ich, dafür laufe ich. Täglich. Und ich gestehe, eine latente Eitelkeit gehört auch dazu, muß dazu gehören; denn „Dreizehn Jahre Täglichlaufen“ in Serie absolviert zu haben, macht mich selbstverständlich stolz und der Antisportler in mir freut und staunt nach wie vor ob dieser einzigartigen Machtdemonstration meines Körpers wie Geistes. Ich w i l l diese Ebene erreichen und erhebe sie zum unmittelbaren Ziel, aller gewohnten und an den Tag gelegten Ziellosigkeit zum Trotz – alles andere wäre gelogen. Immer heller, tiefer und strahlender weist mich der Pfad des Täglichlaufens hinein in den immer intensiveren Jubiläumsschimmer und ich folge diesem Geschenk an mich selbst – und wie. – Tage kommen, gehen. Verblassen, verwehen. Vernehmliche Stille. Einsamkeit entfaltet sich. Ein edler und stolzer Bussard gleitet in grazilen Kreisen in den goldenen Horizont hinein. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt. Gelebtes Täglichlaufen.

Dreißig Speichen umringen die Nabe.
Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rades.

Aus Ton formt der Töpfer den Topf.
Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfes.

Tür und Fenster höhlen die Wände.
Wo es leer bleibt, liegt der Nutzen des Hauses.

So bringt Seiendes Gewinn,
doch Nicht-Seiendes Nutzen.

(Laotse)

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „DREIZEHN Jahre Täglichlaufen in Serie“

03.03.2014 – 14 KM
04.03.2014 – 14 KM
05.03.2014 – 14 KM
06.03.2014 – 14 KM
07.03.2014 – 14 KM
08.03.2014 – 13 KM
09.03.2014 – 14 KM
10.03.2014 – 14 KM
11.03.2014 – 14 KM
12.03.2014 – 14 KM
13.03.2014 – 14 KM
14.03.2014 – 14 KM
15.03.2014 – 14 KM
16.03.2014 – 14 KM
17.03.2014 – 15 KM
18.03.2014 – 14 KM
D R E I Z E H N – J A H R E – T Ä G L I C H L A U F E N

Den Weg gehen – XI. 2014. Zwölf Jahre, Elf Monate. Schwarzgoldener Regenbogentanz.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2014 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Zwölf Jahre, Elf Monate. Wenn ein Traum Wirklichkeit wird. Längst wurde die schnellebige Realität zu einer flüchtigen Erinnerung in diesem Kontinuum bar jedweder Bedeutung und mit ihr wurde die liebliche Schneewelt in die Geschichte verweht, in andere Zeiten, in konträre Welten – fern meiner unzulänglichen Wahrnehmung. Mit ihr verschied ein neuerlicher und ehedem hoffnungsvoller Monat Täglichlaufen, der temporär den Moment der Gegenwart zärtlich berührte, um hernach für immerdar zu vergehen. Nur noch wenige Tage respektive Läufe und ich werde die nächst höhere Ebene in meinem Täglichlaufen mit Freude erklimmen – so es mir denn gelingen wird – denn das Leben als verantwortliche Autorin geht ihren eigenen, fragilen Weg der Unwägbarkeit. So intensiv der leuchtende Wegweiser dorthin auch strahlen mag, heute feiere ich die letzte reguläre Rückschau in dem Kontext der persönlichen Wertschätzung, mentaler wie körperlicher Natur.

Zwischen -13 °C und 05 °C alternierten die Temperaturen in jenem Abschnitt und die Witterungsmächte boten 25 Kälte- und drei Regenläufe feil und ja, die großartigen Minuten in dem wabernden Nebelmeer darf ich selbstverständlich nicht ignorieren. Weiterhin fand ein Lauf in partieller Begleitung statt, was durchaus erwähnenswert ist. Vor wenigen Tagen begrüßte ich Familie Schwan, die mit ihrem Nachwuchs aus dem vergangenen Jahr mitten auf dem Weg ein Sonnenbad nahm und mich neugierig beobachteten, als ich sie in einem Abstand von nur einem Meter passierte; völlig entspannt dachten sie gar nicht an eine etwaige Flucht – eine sehr nahe Begegnung mit Seltenheitswert. Nicht weniger rar sind hier die Gänsesäger, die offenkundig Neuankömmlinge in meinem Laufareal sind, aber auch sie zeigten keine Angst.

Hernach durfte ich einen Augenblick erleben, der seinesgleichen suchte. Ich lief auf der langen Dammallee, als hinter mir die güldene Sonne plötzlich ihre leuchtenden Lichtstrahlen reuelos hernieder sandte, die in der weiten Verlängerung auf einen schwarzblauen Horizont der Unschlüssigkeit trafen, sodann kontrastierten und die wahren Baumgiganten unter dem erhabenen Firmament regelrecht brennen ließen, indessen der surreale Hintergrund in schlummernder, wehmütiger Finsternis der Unendlichkeit zu versinken begann. Die drohenden Wipfel wurden durch die wehenden Sturmhände mit nicht zurückgehaltener Macht ungestüm hin und her geworfen und tanzten wild nach ihrer Melodie, die ungeachtet des vernehmlichen Wispern doch niemand verstand. Jählings setzte ein gewaltiger Regen ein und ein sich schleunig entfaltender Regenbogen krönte dieses schwarzgoldene Tanzspektakel auf seinem unsichtbaren Thron der Äonenmacht in diesem Weltgesang – nur begleitet von düsteren Schatten, die spielerisch in der seufzenden Stille hin und her taumelten.

Freilich unterbrach ich abrupt meinen Lauf, hielt fasziniert inne und beobachtete dieses formidable Schauspiel der unvergleichlichen Schönheit. Der nasse Genuß war lokal gebunden und parallel unter dem Regenbogen obsiegte die trockene Sturmwelt. Nur wenige Minuten weilte das theatralische Bühnenspiel, um anschließend für immer zu vergehen. Das einschüchternde Wolkenmeer im glitzernden Sonnenschein unterwarf sich ohne Widersetzen den säuselnden Böen, zog eilig von dannen und ich folgte hinterdrein. Ich erinnerte mich, wie mich eine Dame vor einiger Zeit tituliert hatte, als „schwarzen Geist im Regen in der Dunkelheit“ – in dieser beeindruckenden Szene eine vielleicht sogar angemessene Bezeichnung. Mittlerweile wurden drei Nachwuchswollies geboren, die allesamt das Leben in herziger Art preisen und mitten in das beobachtende Herz in lächelnder Weise treffen. Und mein lieber „Schmusi“ vollzog unlängst seinen ersten Geburtstag und mein Geschenk für ihn – kanalisierte sich in der Bitte um sein Leben, die mir der „Herr der Schafe“ auch gern erfüllte, so daß mein einzigartiges Lieblingsschaf hoffentlich zufrieden alt werden darf. Herzlichen Glückwunsch, mein treuer Freund, mögen wir uns weiterhin täglich begegnen! Meine geliebten Wollfreunde, der erste Höhepunkt meines täglichen Laufes.

schmusi

Als weniger angenehm erwies sich eine Situation für ein Reh, welches sich in einem Zaun verfangen hatte, feststeckte und – jämmerlich um Hilfe schrie; ich versuchte es zu befreien und zu beruhigen und endlich gelang es, das kleine Reh stürmte ungehalten davon. Möge es überleben und nicht in die mörderischen Hände der Mordbuben respektive Jägerkreaturen geraten. Ein weiterer Monat Täglichlaufen wurde von dem Leben mit seiner Vergangenheit endgültig absorbiert und wird nimmermehr wiederkehren. Das nächste, gewichtige Jubiläum weist mir den scheinbar irrealen Schattenpfad und erleuchtet ihn in demütiger Weise der latenten Verborgenheit. Ich habe die Reise nun angetreten und bin geneigt anzunehmen, daß ich diesen glücklichen Weg zum 13. Serienjahr mit ein wenig Glück in steter Gesundheit gehen darf. Möge es beginnen, die letzte Herausforderung in das neue Jahr, empor auf die nächst höhere Ebene der Zufriedenheit und Gesundheit, Einklang und Harmonie. Gelebtes Täglichlaufen. – –

19.01.2014 14 KM – Gespräche geführt, Streichellauf
20.01.2014 14 KM – Streichellauf, sehr stürmisch
21.01.2014 14 KM – extremes Glatteis
22.01.2014 15 KM – Gespräch geführt, Schneefall: Traumlauf
23.01.2014 15 KM – Streichellauf, Blutspuren eines Jägergemetzels
24.01.2014 14 KM – Sturm und Schneefall
25.01.2014 14 KM – Gespräch geführt, Wollie-Geburt
26.01.2014 13 KM – Streichellauf, Frage zur Bekleidung
27.01.2014 14 KM – Gespräch, starker Schneefall, Streichellauf
28.01.2014 14 KM – Gespräche geführt, Schafbaby begrüßt
29.01.2014 14 KM – sehr stürmisch
30.01.2014 14 KM – Gespräche, Sturm, Streichellauf
31.01.2014 14 KM – Streichellauf, Gespräche, Fuchs beobachtet
01.02.2014 15 KM – Gespräche, Streichellauf, Laufbegleitung
02.02.2014 13 KM – Streichellauf, mehrere Gespräche
03.02.2014 14 KM – Nebel- und Streichellauf
04.02.2014 11 KM – Streichellauf
05.02.2014 15 KM – Streichellauf
06.02.2014 14 KM – Streichellauf, sehr glatt, Frühling
07.02.2014 14 KM – Regen- und Streichellauf, Fuchs beobachtet
08.02.2014 04 KM – kurzer Regenlauf – Tempus fugit
09.02.2014 14 KM – Streichellauf, Gespräch geführt
10.02.2014 14 KM – Gespräche geführt, Kraniche beobachtet
11.02.2014 14 KM – Streichellauf, Gespräche, Schafnachwuchs
12.02.2014 14 KM – Streichellauf, Gespräch geführt
13.02.2014 14 KM – Gespräch
14.02.2014 14 KM – Streichellauf
15.02.2014 13 KM – Streichellauf, Gespräch, Schafnachwuchs
16.02.2014 14 KM – traumhafte Impressionen
17.02.2014 15 KM – Streichellauf, Gespräche, Sonnenlauf
18.02.2014 14 KM – 12 Jahre und 11 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.02.2014: 676 KM

Wenn ein Traum Wirklichkeit wird

Posted in Täglichlaufen. Laufberichte. on 22. Januar 2014 by Täglichläufer

Willkommen, oh ja, sei mir willkommen, von Herzen – du liebliche Winterregentin! Laß dich nieder und besteige deinen kalten, ehrenwerten und äonenalten Thron der edlen Winterherrlichkeit, der dir über alle Maßen zusteht. In meinem letzten Beitrag gab ich mich der latenten Hoffnung auf eine würdige Witterung hin, die sich in tiefer Sehnsucht begründete und fern der Realität schien, doch heute wurde mein Traum endlich Wirklichkeit und so durfte ich den ersten Schneelauf in diesem Winter vollziehen. Die oben erwähnte Schneemajestät füllt ihren weißen Thron adäquat aus und schwingt ihr Zepter der Kälte ungehalten und doch mit einem unergründlichen Lächeln, welches sich nicht deuten läßt – indessen ihr wehender Frostodem den Weltgesang beherzt eroberte und unter einem zartweißen Hauch zitternd einschloß. Nach dem täglichen Streichelritual mit meiner süßen Katzenfreundin erreichte ich die Brücke, welche ich erklimmen muß, als ich plötzlich intuitiv gewahrte, daß ich nicht mehr allein bin.

Der Schnee kontrastierte strahlend hell zur nächtlichen Dunkelheit und doch konnte ich nichts erspähen, was mein ungewisses Gefühl bestätigen wollte. Zu meiner Linken registrierte ich sodann, daß die schwarze Wand an einer Örtlichkeit viel zu dunkel erschien und jählings löste sich daraus eine verborgene Gestalt, schälte sich unerwartet hervor und kam auf mich zu und grüßte mit den Worten: „Guten Morgen, Sportler!“. Meine Wahrnehmung narrte mich also nicht und nach einem kurzen Gespräch mit dem Nachbar, der seinen Hund ausführte, setzte ich meinen Weg erwartungsfroh fort. Entlang der vielbefahrenen Hauptstraße mit den grellen wie lärmenden Dämonenungetümen lief ich schneller als sich das mit den Bodenverhältnissen – auf Glatteis eine Schneedecke – und dem kostbaren Wert meines täglichlaufenden Konstruktes vereinbaren ließ. Doch ich wollte nur fort, ja fort – von dannen aus dieser Welt der Pseudozivilisation und in die meine eintreten, welche mich im Anschluß rasant aufsog. Konträres Glück.

Endlich trete ich in den einsamen Hain der Abgeschiedenheit ein, in dem die nächtliche Finsternis noch ihre prosperierende Macht ohne Einhalt entfaltet und jedwedes Wesen in ihr dunkles Reich ohne Hoffnung auf Wiederkehr einlädt. Aber die unter meinen Füßen dankbar knirschende Schneedecke sorgt auch hier für eine reine, schimmernde Helligkeit, die in dieser Form lange auf sich warten ließ. An meine Seite gesellt sich ein zarter Windhauch, der mich nicht mehr loslassen wird und die kristallinen Flocken, welche still hernieder rieseln und dabei ihre ureigene Melodie preisen – durcheinander wirbelt und sie elegant hin und her tanzen läßt und nur mein sichtbarer Atem reduziert sie in ihrer fragilen Aura. In der Tat, es schneit und schneit und schneit unaufhaltsam – wenn ein Traum Wirklichkeit wird. Ast um Ast sind die Bäume mit weißer Pracht ausstaffiert und präsentieren sich freudig den aufmerksamen Beobachtern. Sanftes Laufen in einer verhaltenen Traumwelt, den Fokus auf die fühlenden Winde im Schnee gelenkt. Eingefrorene Augenblicke voller Sanftmut; geschrieben in der Sprache der Natur, die das Herz warm berührt und den Alltag vergessen macht. Mit knarzenden Schritten und mit einem genußvollen Lächeln passiere ich den gemäldehaften Wald und als ich selbigen hernach wieder verlasse, wird es sogleich um einige Nuancen lichter, doch die von mir so präferierte Einsamkeit wird weiterhin absolut regieren.

Der Weg vor mir gibt sein Geheimnis ungefragt preis und offenbart, daß bisher niemand auf ihm wandelte, ausgenommen von Meister Reineke und einem Reh. Auch im nächsten Forst tragen die hohen Baumriesen und das zahllose Gesträuch anmutige Schneegewänder, bilden in wispernder Zufriedenheit eine surreale Landschaft im Sein und verneigen sich partiell unter der ungewohnten Last, musikalisch von einigen gefiederten Sangeskünstlern umrahmt, die die allzu forschen Frühlingsausläufer wehmütig verabschieden. Die mysteriösen Weiher halten inne in ihrem Atmen und sind tief erstarrt, eingefroren unter einem sich entfaltenden Tuch filigranen Eises. Stillstand. Als ich die Dammallee abschreite, vernehme ich im Hintergrund der Unsichtbarkeit ein leises Plätschern auf dem Wasser – Schwäne, Graugänse und vor allem zahlreiche Blässhühner erweisen sich als die lautmalerische Quelle. Indessen verbeugen sich die Schilfwälder demütig unter dem Schneehauch der Winterregentin und mahnen, was wahre Stärke bedeutet. Indes flattert ein Graureiher sehr eindrücklich davon und verkündet allenthalben in zorniger Weise, was er von meiner störenden Präsenz hält.

Irgendwann unterbreche ich meinen Lauf und stehe komplett eingeschneit am Seeufer – ein kleiner, dicker und rotschwarzer Schneemann ohne Mütze in kurzer Hose; ich halte nun ebenso inne wie die Weiher zuvor und spähe in das weite Panorama der Unendlichkeit hinein. Der grauschwarze Horizont der Wasseroberfläche vereinigt sich in lieblicher Harmonie mit der grauen Düsternis des Himmels und verwandelt sich in eine einzige Fläche ohne Erhebungen, die scheinbar nie mehr ein Licht durchdringen wird. Eine lange vermißte Stille greift behutsam um sich, sie ist in dem atmosphärisch dichten Leben aus Schnee geboren und dämpft jedwedes Geräusch mit verzehrender Hingabe. Ich verharre regungslos, schweife mit meinen Blicken über das seufzende Wasser und lasse meine Gedanken tanzen, äquivalent der herabfallenden Kristallpracht und beobachte den eingeschlafenen See der Ruhe; wie sein Rand verhalten erstarrt ist, nimmermehr erwachen will – die melodramatische Wintermacht fordert mit ihren -05 °C den standesgemäßen Tribut der Besinnung. Dutzende Blässhühner direkt vor mir haben eine schwarze Traube gebildet und trotzen der mit Frostinsignien behandschuhten Winterhände, die ihr heimatliches Territorium eishart umfassen. Die rare Kombination aus Einsamkeit, Dunkelheit, weißem Schimmer und unablässigem Schneefall bannen mich an jenem Ort, frieren mich in der Gegenwart ein und die Fortsetzung meines Laufes wird mir nicht leicht. Und doch verfalle ich später in den Laufschritt, aber meine Gedanken bleiben erinnernd zurück.

Auf dem Rückweg sehe ich zwar noch meine alten Fußspuren, gleichwohl werden sie langsam aber sicher egalisiert und verschwinden nach und nach – als ob sie nie dagewesen wären. Dies gilt auch sinnbildlich für mein Leben, irgendwann verflüchtigen sich diese meine Spuren der temporären Existenz und verwehen im allumfassenden Nichts – der Kreislauf des Lebens. Die Tiefe des Waldes absorbiert meine Anwesenheit und einmal mehr bin ich mir bewußt, wie wunderbar die Natur doch ist, insbesondere jene Habitate, die ihren Ursprung in erhabenen Schneeträumen haben. Als ich die Schafe besuche und nachdem ich mein Lieblingswollie ausgiebig gestreichelt und zwei rivalisierende Böcke – laut gegeneinander prallend, Kopf gegen Kopf und Horn gegen Horn – beobachtet habe, materialisiert sich meine Hundefreundin Tina aus dem weißen Dunkelreich des Schnees vor mir und stürmt glücklich auf mich zu. Ihr Besitzer wußte längst, daß ich in der Nähe weile; meine in den Schnee gezeichneten und nur in eine Richtung weisenden Spuren sind zu charakteristisch, allein sind es auch die einzigen – denn wer wagt sich in der Finsternis in abgeschiedene Waldgebiete? Nun trete ich endgültig dem Heimweg an und beschließe den ersten Schneelauf in diesem seltsamen Winter, der immerdar seinen festen Platz in meiner Erinnerung einnehmen wird und zu den schönsten Läufen seiner Art gehört. Sei auch künftig willkommen, oh du liebreizende wie anmutige Schneedame und beehre uns recht lange mit deiner intensiven und vollendeten Kunst.

Den Weg gehen – X. 2014. Zwölf Jahre, Zehn Monate. Winterhoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 19. Januar 2014 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Zwölf Jahre, Zehn Monate. Leise und unmerklich und doch von zarten wie eisenharten Sturmhänden wurde es für immerdar von dannen getragen – das sich zutiefst wehrende vergangene Jahr – verweht in die tödliche Vergänglichkeit der Surrealität. Ein Hauch im weiten, allumfassenden Nichts. Sodann entfaltete sich das neue Jahr aus der noch nicht geborenen Zukunft und thront nun charmant lächelnd in diesem unserem Weltgesang der Flüchtigkeit und hat längst die eine Reise begonnen, um der vorangegangenen Zeit reuelos zu folgen – auf dem unendlichen Pfad in diesem Kreislauf der Zeit des umwobenen Lebens. Die verwehten Momente jenes Abschnitts, die wir als „2013“ temporär gekannt haben, habe ich traditionell mit einem zweiten Lauf am Silvesterabend für immer und immer verabschiedet. Ich zog mich in die tiefe nachtschwarze Finsternis meiner lieblichen Haine zurück und ließ die alten, sterbenden Augenblicke hochleben; freilich nur in meiner Erinnerung. Die Realität konterkarierte die real nicht mehr existenten Impressionen mit törichtem Feuerwerk im Zeichen von abergläubischen Unfug. Umso stiller war der 01.01. – wie immer der ruhigste Tag im Jahr – unbeschreiblicher Art.

In jenem Monat absolvierte ich 17 Kälte- und fünf Regenläufe, indessen die Temperaturen zwischen -02 °C und 10 °C alternierten. Die von mir sehnsüchtig erwarteten Heerscharen der Winterregentin lassen sich nicht herab, die natürliche Welt in zartweißer Art zu huldigen, was ich als sehr betrüblich erachte. Immerhin vollzog ich fünf Nebelläufe, die das ungeduldige Harren auf die lieblichen Schneemächte erträglich machen. Im Dezember lud mich die Natur zu einem Schauspiel ein, in dem Meister Bokert mit Leidenschaft die Hauptrolle übernahm und ja, er ist wahrlich ein Meister seines Faches; meine Begeisterung wollte nicht enden. Mein tägliches Streichelritual mit meiner Katzenfreundin und Schmusi und diversen weiteren tierischen Freunden endet glücklicherweise auch nicht, sondern hat sich fest etabliert, was ich sehr schätze.

Einer der schönsten Läufe in der vergangenen Zeit fand am 24.12. statt; ein Lauf wie er nur von der omnipotenten Natur in das flüchtige Gemälde meines Lebens gezeichnet werden durfte. Ich lief in einer Baumallee in das melancholische Firmament hinein, nur begleitet von der wunderbaren Einsamkeit – indes erhob sich in meinem Rücken Mutter Sol voller Gnade und stieg hoch über den See empor und sandte ihre mannigfaltigen Strahlen in mein Laufareal hernieder, so daß alle Baumgesellen in einem warmen, roten Licht getaucht waren, welches sich bis zum Horizont entfaltete und Schattenspiele im gefühlvollen Windhauch generierte, die atemberaubend schön waren. Trunken vor rotgoldener Anmut. Als ich diesen einzigartigen Moment in meinem Geist festigen wollte, wurde er jählings übertroffen, als sechs Schwäne edel erhaben durch die Luft schwebten und ihr sonores Surren lautmalerisch erklingen ließen. In der Ferne blitzten sie als weiße Punkte weithin sichtbar auf. Dieses strahlende elegante Weiß, welches sich mit dem tiefen Rot vereinigte, war traumhafter Natur und ich konnte das imposante Schauspiel nur genießen.

Auch in diesem noch jungen Jahr vollzog ich bereits mehrere Läufe, die wundervoller nicht hätten sein können, wenngleich hier durchaus der aufkeimende Frühling in seiner ureigenen Weise verantwortlich zeichnete. Die Sonne regierte ungestüm von ihrem Himmelsthron, derweil konzertierten zahlreiche Vögel und boten ihre Sangeskunst feil. Ungeachtet all jener Schönheit gebe ich mich weiterhin der Hoffnung auf einen kalten und schneereichen Winter hin. Aber selten werden derartige Wünsche beachtet. Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen setzt sich fort, irrelevant, welche Witterung auch lächelt oder eben nicht und der unzulänglich glimmende Schimmer von 13 Jahren Täglichlaufen ist latent in der Ferne zu erspähen. Ich bin nach wie vor gewillt, diesen meinen Weg der Zufriedenheit weiterhin mit Hingabe zu beschreiten. Ob diese Intention von meinem Leben bestätigt oder widerlegt werden wird, wird die Zeit unbarmherzig lehren. Doch noch komponiere ich weitere Strophen in meinem Lied vom Täglichlaufen und werde sie dementsprechend singen respektive leben. Gelebtes Täglichlaufen.

19.12.2013 14 KM – Gespräch geführt
20.12.2013 14 KM – großartiger Nebellauf
21.12.2013 14 KM – sehr stürmisch
22.12.2013 14 KM – Gespräch geführt
23.12.2013 15 KM – Gespräch geführt, Biber beobachtet
24.12.2013 14 KM – Gespräch geführt, traumhaft schöner Sonnenlauf
25.12.2013 14 KM – Gespräch, Kraniche gehört
26.12.2013 15 KM – Regen- und Nebellauf
27.12.2013 14 KM – Gespräch, Rehe aufgeschreckt
28.12.2013 14 KM – Schafe gestreichelt, Kraniche beobachtet
29.12.2013 14 KM – sehr einsamer Regenlauf, herrlich
30.12.2013 14 KM – Kältelauf
31.12.2013 14 KM – Gespräch geführt
31.12.2013 05 KM – Gespräch geführt, Geschenk bekommen
31.12.2013 Jahresabschluß: 5061 Jahreskilometer
01.01.2014 14 KM – Kältelauf, Katze gestreichelt
02.01.2014 14 KM – Kältelauf, Streichellauf
03.01.2014 14 KM – Kältelauf, Katze gestreichelt
04.01.2014 14 KM – Biber beobachtet, ca. 25 Läufer überholt
05.01.2014 14 KM – Kälte- und Streichellauf
06.01.2014 14 KM – Kältelauf
07.01.2014 14 KM – Schafe gestreichelt, herrlicher Frühlingslauf
08.01.2014 14 KM – Regenlauf, Gespräch geführt, Schafausbruch
09.01.2014 15 KM – Regenlauf
10.01.2014 14 KM – Gespräch geführt, sehr stürmisch
11.01.2014 14 KM – traumhafter Sonnenlauf
12.01.2014 14 KM – Schafe gestreichelt
13.01.2014 14 KM – Gespräch geführt, Streichellauf
14.01.2014 14 KM – Nebellauf, Gespräch geführt
15.01.2014 14 KM – Nebellauf, Schafe gestreichelt
16.01.2014 14 KM – Gespräch geführt, Regenlauf
17.01.2014 14 KM – Schafe gestreichelt, Nebellauf
18.01.2014 14 KM – 12 Jahre und 10 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.01.2014: 253 KM

Die vergangene Zukunft – Täglichlaufen. Jahresrückblick 2013.

Posted in Jahresrückblicke on 28. Dezember 2013 by Täglichläufer

Das Jahr ist noch neu, gleichwohl wird es mit eisernen Schritten wie alle anderen zuvor vergehen. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein.

Nun ist es soweit. Es ist vorbei. Die temporäre Existenzberechtigung des Jahres 2013 wurde vernichtend aufgehoben und die omnipotente Herrscherin aus dem Reich der Erinnerungen hat sich seiner mit Hingabe bemächtigt. Vor uns liegt die Zukunft, eine hoffnungsvolle Zeit, die sich uns nach und nach enthüllen wird – bevor die Königin des Vergessens auch hier ihr Veto einlegen wird. Wir sollten jedweden Moment genießen, so genußvoll als möglich, denn der Kreuzzug der vergangenen Zukunft hat längst begonnen, dieses neue Jahr unbarmherzig zu verschlingen. Die Reise wird nie enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit. Umso essentieller das Auskosten des Seins, des Lebens. Mein letzter Beitrag in diesem Jahr; der obligatorische Jahresrückblick meiner vergangenen Zukunft. Das bald endgültig sterbende Jahr war voller Höhen und Tiefen, durchzogen von Glück, Zufriedenheit, Melancholie, Trauer, Heiterkeit, Schmerzen, Genuß, Herausforderungen, Widrigkeiten, Hoffnung und Frieden. Im groben Rahmen lasse ich exponierte Erlebnisse Revue passieren. Teure Momente aus dem geliebten Reich der Erinnerungen, die mir so vorkommen, als ob sie eben erst passiert wären. Wohlan, es mag beginnen.

Fürwahr, das Fazit kann ich vorweg nehmen, das Jahr 2013 war wieder ein zutiefst zufriedenes Jahr im Kontext Täglichlaufen für mich, was meine Konzeption des gelebten Täglichlaufens wie noch immer bestätigt und für sie spricht. Mein Täglichlaufen ist auch in diesem Jahr ein Garant für die stete Zufriedenheit gewesen, wofür ich sehr dankbar bin – entsprechend betrachte ich diesen meinen Weg mit Demut und werde ihn weiterhin in der gewohnten Form beschreiten – solange ich darf; denn das der Willen vorhanden ist, muß ich nicht exponiert betonen. Auch künftig werde ich Körper und Geist in diesem Stil wertschätzen; allein, wie könnte ich auch nicht?

Januar

Der vergangene Jahresauftakt eröffnete den ehedem neuerlichen Abschnitt jählings mit einem Höhepunkt und lud mich zu einem formidablen Regenlauf ein, der das neue Jahr nicht hätte besser einläuten konnte. Doch wie alles im Leben ist nichts ohne Schatten und nur wenige Tage später veröffentlichte ich einen Artikel mit dem Titel: „Erschreckende Paukenschläge“. Die Autorin war einmal mehr das Leben und glücklicherweise durfte ich mein Täglichlaufen weiterleben. Nicht viel später trat ich in die Pforte der Einsamkeit ein und war mit den vorherigen Widrigkeiten halbwegs entschädigt. In diesem Monat kam ich so nah an einen Fuchs heran – wie noch nie zuvor – in nur zwei Metern Entfernung lief ich an Meister Reineke vorbei – ein rarer Moment. Endlich fand meine langjährige Freundin Tina ihren gebührlichen Einstand auf meiner Seite; ich hoffe, daß wir uns auch im neuen Jahr oft begegnen werden. Zudem fand zu Jahresbeginn der letzte Wildschweinkontakt (21.) statt und bei meinen Wollies stellte sich herziger Nachwuchs ein, welchen ich mit Freuden begrüßte.

2013_Januar_Damm

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Februar

Weitere Schafe betraten die Bühne des Lebens und eines der Neuankömmlinge schloß mich sofort in sein Herz; und ich ihn freilich auch und jene Liebe zu meinem „Schmusi“ hält bis heute an und selten findet ein Lauf ohne Streicheleinheiten statt. Der intensivste Lauf, einem mächtigen Feuermeer geschuldet, wird immer seinen mahnenden Platz in meiner Erinnerung einnehmen. Nicht minder beeindruckend waren zwei edle Seeadler, die ich bei ihrem Frühstück beobachten durfte – selbst ich erlebe derlei nicht alle Tage. Umso alltäglicher erscheinen mir die zahlreichen Bussardbegegnungen, wenngleich sie das natürlich nicht sind.

2013_Februar_Schafe_6

März

Ja, der März. Nur ein Datum ist wahrlich von Bedeutsamkeit in diesem Monat – der 18.03.2013. Auch 2013 vollzog ich an diesem ausgewählten Datum mein gewichtiges Jubiläum: 12 Jahre Täglichlaufen in Serie. Nach der Lektion in Demut zu Beginn des Jahres mit seinen schwachen Stunden hatte ich damals nicht damit gerechnet, doch ja, es ist mir gelungen und die Herausforderungen habe ich mit einem Lächeln verbannt. Täglichlaufen. 12 Jahre. Ausnahmslos. Erneut habe ich für mich die nächst höhere Ebene der Natürlichkeit erklommen – auf diesem Weg, der aus dem unendlichen Nichts kommt und in das endliche Nichts führen wird. Ein neuerliches Jahr habe ich im Zeichen des widersprüchlichen Täglichlaufens generiert wie konsolidiert und ja, ich freue mich unbändig darüber. Bei all der erkennbaren und gleichzeitig unbewußten Fragilität im Dasein ist es für mich umso bemerkenswerter, daß ich mich immer noch meinem Täglichlaufen hingeben darf, seit nunmehr 12 Jahren – in der Tat ein essentieller Bestandteil in meinem Leben. Möge sich diese meine Reise weiter fortsetzen. Der tierische Höhepunkt an jenem Tag manifestierte sich in vier Buntspechten, die zugleich auf einem Baum umher tollten. Sodann hatte ich Ende März ein Stelldichein mit der lieblichen Maid der Höhenmeter, was ich schlußendlich auch genießen durfte. Statistisch bemerkenswert war die Tatsache, daß ich in diesem Monat meinen 800. Kältelauf absolvieren durfte, gerechnet ab dem 01.01.2000.

18.03.2013

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2013_April_Wolli

April

Meine Wollfreunde bewiesen indessen, daß sie ihre höchst kompetenten wie zertifizierten Fluchtfähigkeiten bis heute besitzen. So wunderte es mich nicht wirklich, als sie erneut ihre heimatliche Weide nahezu geschlossen verließen, um die umgebende Welt kulinarisch zu erobern. Auf Grund meiner skandalösen Intervention konnten sie ihre Freiheit leider nicht lange genießen, was jedoch im Rahmen der Sicherheit unumgänglich war – auch greift hier freilich meine Pflicht und Verantwortung als Ehrenschaf. Im April drangen die Vandalen in meine Laufwelt ein. Oh, meine liebe Winterkönigin, ich harre mit Inbrunst auf deine belebende und schützende Präsenz – konstatierte ich damals. Als Neuankömmlinge in meinem Weltgesang durfte ich mehrere Kraniche begrüßen, die sich scheinbar in meiner Laufwelt heimisch einrichteten und weithin ihre Anwesenheit verkündeten, in dem sie engagiert trompeteten. Ende April gab sich das erste Mal in diesem Jahr der Kuckuck die Ehre und begrüßte somit den Frühling. Im Mai folgte hernach der Pirol und debütierte mit seiner großartigen Sangeskunst. Die soeben erwähnten Kraniche wohnten Ende Dezember immer noch in meinem Laufareal und flogen erst heute morgen lautmalerisch in den Sonnenaufgang hinein.

Mai

Endlich durften meine Graugansfreunde ihrem herzigen Nachwuchs das Leben zeigen, was in diesem Jahr verzögert stattfand – ein wunderbarer Anblick, der stets ein Lächeln der Freude in mein Antlitz zauberte. Auch im Mai zeichnete ein Regenlauf kausal für einen der schönsten Augenblicke verantwortlich. Im einsamen Regenwind lief ich in die weite Abgeschiedenheit hinein, die ihresgleichen suchte und dementsprechend trat ich in jenen Sekunden in eine komplett andere Welt ein, in ein konträres Paralleluniversum der wahren Bedeutsamkeit, welches ich nicht in Worte kleiden kann und will. Fühlen im friedvollen Frieden der belebenden Natur; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Manche Impressionen erfordern ein gehaltvolles Schweigen, um ihre ergreifende Wirkung auch par excellence zu registrieren und hernach zu festigen. Erneut stand ich Auge in Auge mit einem Rotfuchs, in dieser Sekunde hielt das Leben inne, fror die Zeit ein. Tempus fugit.

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Juni

Im Juni sorgte Königin Sol für die ersten Hitzeläufe, die ich natürlich nicht unbedingt mit einem Lächeln goutierte, demungeachtet nahm ich auch die schönen Seiten des Sommers wahr. Später tobte ein ungehaltener Wind über mein Laufareal und unsichtbare Sturmhände griffen gierig ächzend nach den hehren Bäumen, zerrten brutal an ihnen; die ihre unschuldigen Äste wehrhaft hoch empor gen Horizont streckten, um sie voller Zorn dem kostbaren Leben zu entreißen. Lange lagen die holzigen Überreste traurig weinend auf meinem Damm, doch riefen sie nie nach Vergeltung. So sei es. Die daraus resultierenden Schäden sind nicht vergleichbar mit jenen von Kyrill oder Xaver; dieser namenlose Sturm obsiegt über alle anderen, mit wehender Macht. Ein junger Waschbär zog ebenfalls in das tote Land ein, obgleich er völlig unversehrt aussah – ein trauriger Anblick.

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Juli

Meine geliebten Wollfreunde baten mich im Juli lauthals um Hilfe und als Ehrenschaf kam ich stante pede dieser Aufforderung nach und begab mich auf einen gewagten Rettungseinsatz, der auf Grund gewisser Obliegenheiten, die mich zu einer latenten Zurückhaltung zwangen – jedoch scheiterte. Abschließend informierte ich den adäquaten Ansprechpartner, den „Herrn der Schafe“, der entsprechend der Kompetenz kraft Natur der Sache seines Amtes walten wollte, was zu jenem Zeitpunkt obsolet war, denn meine vorwitzigen Wollmäuse hatten sich selbst geholfen. Die Aufregung war immens, ebenso die gewaltigen Schrammen, die ich davon trug, nicht zuletzt eine lädierte Laufhose – doch was tut man nicht alles, für diese herzigen Gesellen? Das galt auch für einen kleinen Nachwuchsfrosch, den ich hoffentlich in eine mehr oder weniger gesicherte Zukunft überführen konnte.

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August

Auch im August durfte ich zahlreiche tierische Freunde beobachten, von Seeadlern über Füchse bis zu Schwäne, die elegant durch die Lüfte schwebten. Ein weiterer Lauf wurde von einer belebenden Einsamkeit und wunderbaren Stille dominiert, Wolkenschwerter. In diesem Monat rettete ich noch eine prachtvolle Weinbergschnecke, die hoffentlich überlebt hat. Als nicht minder schön offenbarte sich ein Pirolkonzert von mindestens vier Pirolen – das war schier unglaublich. Ein ungehaltener wie zorniger Gewittersturm wütete in meiner Laufwelt und wirkte sich einmal mehr gewaltig aus – die Macht der Natur. Der oben angeführte Seeadler stellte noch eine Besonderheit dar, denn noch nie sah ich bis dato einen derart großen wie eminent stolzedlen Greifvogel in freier Wildbahn fliegen; dies erwies sich als eminent beeindruckend.

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2013_Sommer_02

September

Seit meinem einzigartigen Jubiläum ist bereits ein halbes Jahr vergangen und noch immer absorbiert die omnipotente Zeit jedwedes Leben, aber dennoch überdauert mein Täglichlaufen, lebt weiter und offenbart eine scheinbare Permanenz. Dementsprechend feierte ich mein Halbjahresjubiläum, welches in dieser Phase seine ureigene Gewichtigkeit besitzt, die ich nur unzulänglich in Worte kleiden kann. Und ja, noch immer setzt sich mein Täglichlaufen fort, auch über Zwölf Jahre und Sechs Monaten hinaus. Welch ein Geschenk, welch eine Gnade! Im September fand auch der schönste Regenlauf in diesem nun toten Jahr statt – das war mehr Schwimmen als Laufen. Langsam neigt sich das Jahr dem Niedergang entgegen und im Sonnennebel entfaltet die goldene Herbstmacht ihre temporären Gewänder des alljährlichen Wandels. Ein Heer von solaren Strahlen geht seinen Weg und leuchtet unablässig durch die hohen Baumkronen und Lichtkegel um Lichtkegel werden von dem endlosen Himmel herab gesandt, um die Wassertropfen auf den Grashalmen zu kitzeln. Formidable Lichtspiele alternieren im finsteren Schattenglanz und generieren eine beeindruckende Atmosphäre greifbarer Schönheit, die mich vergessen läßt, wo ich mich befinde und in welcher Welt ich lebe. Licht und Schatten dominieren kristallartig im Wechselschimmer des allumfassenden Nichts, die charismatischen Sonnenblitze werden immer wieder gebrochen und doch behaupten sie ihren unausweichlichen Pfad der Eroberung, gleich raren Diamantentränen der triumphierenden Einzigartigkeit. Nebelfelder erheben und streben willkürlich in scheinbar alles verzehrenden Wolken empor und vereinigen sich in Harmonie mit dem goldenen Schimmer und malen eine Momentaufnahme in das allgegenwärtige Leben, die so in dieser Form nimmer mehr zu sehen sein wird. Ich sauge jene bedeutenden Impressionen in mir auf und folge den Nebelreitern in ihr dichtes, graues Reich der Unwägbarkeit. Nicht nur über die leise wogenden Wasserflächen tanzen die Nebelbänke, sondern auch über die noch grünen Wiesen singen sie ihr graziles Lied der Verborgenheit.

2013_Sonnennebel

Oktober

Der Oktober begann ungewöhnlich frisch – mit nur -02 °C – und das am 02.10. – ein neuer Bestwert. Zu jenem Zeitpunkt wagte ich die Prognose: „Möglicherweise werde ich 2013 den bisherigen Höchstwert von 2010 übertrumpfen. Das mag nun keine Besonderheit sein, aber bemerkenswert sind die Fakten, daß es in den vergangenen 13 Jahren nicht einmal so früh d e r a r t kalt wurde; auf jenen genannten Zeitraum bezogen, kam der Wert von -02 °C anderthalb bis zwei Monate zu früh. Zudem erfolgte der letzte Kältelauf im Frühjahr so spät wie nie zuvor. Anders formuliert – das Jahr 2013 preist die Kälte“. Ich sollte mich nicht irren. Freilich irrte ich in der Annahme, daß der Dezember besonders kalt werden sollte – bei 12 °C am 24.12. erwies sich diese These als konträr. Von unangenehmer Natur sollte sich ein Sturz erweisen, der schlußendlich aber unbedeutend war, was für einen neuerlichen Hundeangriff nicht galt. Es handelte sich um den 22. Hundeangriff respektive Konflikt, den das Leben in meine Vergangenheit schrieb. Er wird nicht der letzte bleiben.

2013_Herbst_a

2013_Damm

November

Voller Zorn beginnt der November, denn erbärmliche Wilderer, die indessen schnellstens das Weite suchten, mordeten in meinem Laufareal. Ohne Worte. Seit Oktober vollziehe ich nahezu täglich einen Streichellauf nach dem nächsten, was sich freilich nicht nur auf die lieben Schafe beschränkt. Mittlerweile gilt das auch für zwei Katzen, die mich nun täglich vor dem Laufen begrüßen – ein weiteres Ritual hat sich etabliert und ich liebe es. Die liebliche Natur generierte viele Höhepunkte und insbesondere die künstlerischen Spinnen beeindruckten in tiefer Art und Weise: „Eines Morgens griffen die mit Reif behandschuhten Hände der galoppierenden Vorhut der anreisenden Winterregentin um sich und überzogen die hehre Welt mit einem weißen Hauch der Zärtlichkeit. Die unzähligen, filigranen Spinnennetze, die meinen Pfad zu beiden Seiten säumen, verwandelten sich in schimmernde Diamantketten, die zudem von der solaren Macht kristallfunkelnd angestrahlt wurden und in der Folge ein atemberaubendes reflektierendes Lichtspiel aufführten und damit der edlen Schönheit nicht genug, nein, weiterhin streichelten liebevolle Windhände über die traumhaften Netze hinweg, so daß sie leise erhaben in den Böen zitterten – und wieder muß ich an dieser Stelle festhalten, was für ein Anblick! Im Anschluß trug das natürliche Leben geisterartige Nebelkleider und die eben beschriebenen Meisterstücke der Arachniden erstarrten in und unter den wabernden Nebelfeldern der tief ausgeprägten Finsternis, die elegant eine unsichtbare Dramaturgie tanzten. Eingefroren im innehaltenden Diesseits, geschuldet einer melancholischen Romantik.

Dezember

In den letzten beiden Monaten sorgten formidable Nebelläufe für eine Atmosphäre der melancholischen Ruhe in einer schweigenden Welt der fühlenden Abgeschiedenheit für Impressionen, die es mir wiederholt unmöglich machten, sie in Worte zu gießen und mein diesbezüglicher Laufbericht demonstrierte dies entsprechend unzulänglich. „In der dämmernden Dunkelheit entfaltet sich mehr und mehr ein prosperierender Nebel, der gierig ungehalten den elementaren Weltgesang zärtlich umhüllt, um ihn in seine gedämpfte Atmosphäre des melancholischen Schweigens aufzusaugen. Stille. Lautlosigkeit greift entschlossen um sich; gepaart mit einer traurig weinenden Einsamkeit, die ihresgleichen sucht. Graue und schwarze Farbnuancen dominieren die weite, kahle Abgeschiedenheit in den menschenleeren Hainen der schweigenden Ruhe. Surreale Nebelbänke wabern leise vorüber, tanzen ihren eigenen Tanz der hernieder perlenden Tränen, der einer unsichtbaren Choreographie folgt und heißen mich ohne Worte in den Wäldern willkommen.“

Anfang Dezember lächelte die Natur zudem zutiefst stürmisch und pries die elementaren Winde – im Lächeln des Orkans “Xaver“. Mit unbändiger Kraft warf ich mich den wild um sich greifenden Sturmhänden entgegen, doch die tanzenden Böen lächelten nur ungehalten ob meiner törichten Ambitionen und trieben mir eiskalt die Tränen in die Augen. Hernach realisierte ich mein Pseudojubiläum von 300 Regenläufe – gerechnet ab dem 01.01.2000, was in der Summe gewaltig erscheint, aber schlußendlich doch nicht ist. Welche Interpretation auch nachhaltiger sein mag, die Zahl „300“ steht für vollendeten Genuß, der über alle Zweifel erhaben ist. Weiterhin erlebte ich in diesem Jahr 118 Kälteläufe – somit löst 2013 den bisherigen Rekordhalter 2010 mit seinen 105 Kälteläufen mit kühler Leichtigkeit ab. Endlich durfte ich im Dezember nach langer Zeit wieder mehrfach Meister Bokert erspähen. Abschließend sei noch angemerkt, daß ich das dritte Jahr in Folge 5000 Jahreskilometer realisiert habe – ein täglichlaufender Indikator von zufriedenem Genuß und gelebter Zufriedenheit in Harmonie und Frieden.

2013_Dezember_Sturm

2013_November_Wald

Statistikauszug 2013 hier mehr:

027 (2012: 29) Regenläufe
003 (2012: 07) Glatteisläufe
000 (2012: 01) Gewitterlauf
013 (2012: 09) Nebelläufe
121 (2012: 88) Kälteläufe
007 (2012: 08) Hitzeläufe
000 (2012: 00) Flutläufe
001 (2012: 01) Sturz/Stürze
001 (2012: 01) Hundeangriff(e)
001 (2012: 12) Mal Wildschweinkontakt
002 (2012: 07) Mal Biberkontakt
000 (2012: 02) Mal in Begleitung gelaufen
003 (2012: 01) Mal Fastunfälle mit Autos
119 (2012: 80) Mal Handschuhe getragen
041 (2012: 21) Mal ein langes Oberteil getragen
001 (2012: 12) Mal eine lange Hose getragen
000 (2012: 01) Mal zweimal gelaufen
kältester Lauf bei -15 °C (2012: -16 °C)
heißester Lauf bei 30 °C (2012: 35 °C)

Die Laufberichte des Jahres 2013

08.01.2013 Die Pforte der Einsamkeit
10.02.2013 Feuermeer
04.04.2013 Von Bergen, Höhenmetern und Kältewahrnehmung
26.05.2013 Einsam im Regenwind
02.08.2013 Wolkenschwerter
29.09.2013 Sonnennebel
02.12.2013 Melancholisches Schweigen
06.12.2013 Im Lächeln des Orkans

Ich habe in diesem Jahr 5061 gelaufene Kilometer erreicht – ohne „Marathon“, „Wettkampf“, „Leistungen“, „Pläne“, „Ziele“, „Training“ oder sonstigem Schnickschnack, der in der Laufwelt so gerne gepriesen wird – dies versteht sich natürlich von selbst. Nur die Liebe zum Täglichlaufen hat mir das ermöglicht. Traditionell bedingt, werde ich Silvester zwei Läufe absolvieren und damit das Jahr verabschieden; wenngleich ich vor einem Jahr die sogenannte Tradition bewußt torpedierte. So vergeht das Jahr, die Zeit, das Leben, das Dasein – unsere temporäre Existenz – alles schreitet beständig in die vergangene Zukunft, die doch noch nicht existiert und dereinst atemberaubend schnell vergehen wird. Das Jahr hat seinen endgültigen Eintritt in die Geschichte vollzogen. Was bleibt? Erlebnisse. Erinnerungen. Erfahrungen. Und, ein Lächeln. Ja, ich lächele. Das neue Jahr – 2014 – kann kommen. Wird kommen, muß kommen. Und wird sodann genauso rasant im Nichts verglühen. Die Reise wird nie enden. Aber ich, ich steige irgendwann aus. Für immerdar. Oh Leben, was bist du für ein Leben!

Den Weg gehen – IX. 2013. Zwölf Jahre, Neun Monate. Orkantränen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2013 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Zwölf Jahre, Neun Monate. Die leise wispernde Vergänglichkeit sandte in aller Heimlichkeit ihre geheimnisvollen Schergen aus, um einen weiteren Monat Täglichlaufen – äquivalent meiner kostbaren Lebenszeit – verstohlen in ihr wehendes Nebelreich der Unendlichkeit einzuladen; nur um jene bei dem erwarteten Eintritt ungerührt die erhoffte Rückkehr zu versagen – gnadenlos für immerdar. Wer hat die Macht, sich dem Lauf der Zeit entgegenzustellen? Jedweder Versuch ist zum betrüblichen Scheitern verurteilt. Ausnahmslos. Das ist das Leben. Demungeachtet gelingt es mir partiell, jene wertvolle Zeit in einem besonderen Maß wertzuschätzen und in manchen Laufmomenten scheinbar subjektiv zu verlangsamen, um parallel die sich entfaltende Zufriedenheit und den damit obligaten Genuß hochleben zulassen. So vergeht für immer und immer ein ehedem neuerlicher Abschnitt in meinem Täglichlaufen.

Die vergangenen Wochen wurden kausal von den omnipotenten Witterungsmächten bemerkenswert dominiert; dementsprechend durfte ich den stürmischsten Lauf überhaupt erleben, im Lächeln des Orkans “Xaver“. Mit unbändiger Kraft warf ich mich den wild um sich greifenden Sturmhänden entgegen, doch die tanzenden Böen lächelten nur ungehalten ob meiner unzulänglichen Ambitionen und trieben mir eiskalt die Tränen in die Augen; weinend lief ich in den weiten, verlorenen Horizont hinein. Sodann realisierte ich mein Pseudojubiläum von 300 Regenläufen – gerechnet ab dem 01.01.2000, was in der Summe gewaltig erscheint, aber schlußendlich doch nicht ist. Welche Interpretation auch nachhaltiger sein mag, die Zahl „300“ steht für vollendeten Genuß, der über alle Zweifel erhaben ist.

2013_Dezember_Sturm

Liebe Statistik, welche zusätzlichen Daten verwahrst du in deiner verborgenen Schatztruhe? Den geliebten Regen sprach ich soeben an, abschließend erlebte ich vier Regenläufe, weiterhin vollzog ich 19 Kälte- und sechs Nebelläufe, die alle ihre besonderen Reize einer gewissen beredten Surrealität feilboten. Die Temperaturen alternierten zwischen 05 °C und -04 °C und kamen sich damit so nah – wie schon lange nicht mehr. Mittlerweile erlebte ich in diesem Jahr bereits 115 Kälteläufe – somit löst 2013 den bisherigen Rekordhalter 2010 mit seinen 105 Kälteläufen mit kühler Leichtigkeit ab. Indessen sorgten die außerordentlich edlen wie wunderbaren Nebelläufe für eine Atmosphäre der melancholischen Ruhe in einer schweigenden Welt der fühlenden Abgeschiedenheit für Impressionen, die es mir unmöglich machten, sie in Worte zu kleiden und mein diesbezüglicher Laufbericht demonstrierte dies entsprechend.

Nach langer, langer Zeit durfte ich endlich wieder einen Biber erspähen, der zutiefst entspannt ein Bad nahm und seine Welt schwimmend eroberte. Nicht minder süß waren meine geliebten Wollies, die höchst engagiert ein Futterdepot plünderten, was in kongenialer Zusammenarbeit geschah. Ich unterbrach meinen Lauf und beobachtete das ungewohnte Spektakel und konnte mich eines Lachens nicht erwehren; freilich, was läßt sich auch gegen kulinarische Genüsse einwenden, die die Welt bedeuten? Und heute morgen fand einer meiner zahlreichen Streichelläufe statt, soll heißen, zwei Katzen und drei Hunde forderten mich auf, sie gebührend zu beachten und den damit einhergehenden Streichelreigen zu beginnen, was ich selbstredend nur zu gerne tat. – – So endet die letzte reguläre Rückschau in diesem Jahr; 2013 liegt in den letzten Zügen; hernach wird es wimmernd verenden, vergehen – wie alle anderen Jahre zuvor; wir törichten Menschenwesen werden folgen; früher oder später. Zurückblicken und vollzogene Zwölf Jahre und Neun Monate Täglichlaufen für sich zu konstatieren, ist wahrlich eine Rarität, die ich sehr, sehr bedeutungsvoll, ernst und feierlich für mich betrachte und natürlich – auch zukünftig pflegen und explizit leben werde. Gelebtes Täglichlaufen. Ich bin bereit für die nächste – noch nicht komponierte – Strophe in diesem meinem Weltgesang, welche ich mit Hingabe singen werde.

19.11.2013 14 KM – Schafe und Katzen gestreichelt
20.11.2013 12 KM – Regenlauf, Gespräch geführt
21.11.2013 14 KM – Kälte- und Nebellauf, Schafe gefüttert
22.11.2013 14 KM – Gespräch geführt, Kältelauf
23.11.2013 14 KM – Gespräche, Schafe gestreichelt
24.11.2013 14 KM – Kältelauf, seltsame Beobachtung
25.11.2013 14 KM – Gespräch, Kältelauf, herrlicher Sonnenaufgang
26.11.2013 14 KM – Kältelauf, Bekannte erschreckt
27.11.2013 14 KM – Kältelauf, Katzen gestreichelt
28.11.2013 14 KM – Gespräch geführt
29.11.2013 14 KM
30.11.2013 14 KM – Gespräch geführt
01.12.2013 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt
02.12.2013 14 KM – Gespräch geführt, Nebellauf, Schafe gestreichelt
03.12.2013 14 KM – Nebellauf, Schafe gestreichelt
04.12.2013 14 KM – Katzen gestreichelt
05.12.2013 14 KM – Gespräch geführt
06.12.2013 12 KM – Orkanlauf: „Xaver“
07.12.2013 14 KM – Schafe gestreichelt
08.12.2013 14 KM – 300. Regenlauf, Gespräch geführt
09.12.2013 14 KM – Gespräch, Regenlauf
10.12.2013 15 KM – Regen- und Nebellauf, Biber beobachtet
11.12.2013 14 KM – Vorfall am Stop-Schild
12.12.2013 16 KM – Nebellauf, Dammschranke geschlossen
13.12.2013 14 KM – Gespräch, Katzen gestreichelt
14.12.2013 14 KM – Nebellauf
15.12.2013 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt
16.12.2013 14 KM – Gespräch, Kältelauf, herrlicher Sonnenaufgang
17.12.2013 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt, Wegsperren
18.12.2013 15 KM – 12 Jahre und 09 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.12.2013: 4872 KM
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