Der Winter naht, Zeit für ausgewählte Impressionen des diesjährigen Sommers. Der Winter? Übertrieben, oder? Ja. Nein. Natürlich dauert es seine Zeit, bis die kaltherzigen Kommandeure der eisigen Legionen zurückkehren und unsere Welt allmächtig in das weiße Winterkleid hüllen werden. Viele Tage müssen noch in das Land ziehen – so scheint es. Doch mit welchem Tempo hat sich die erste Hälfte des Jahres in die unendliche Weite unserer Erinnerungen verabschiedet? Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, die an Engagement nicht zu übertreffen ist. Darum sollten wir die heißen Momente genießen.
Zugegeben, derzeit fällt mir das eminent schwer. Temperaturen um die 30 C° im Schatten, dazu die beißende Sonne, eine unwirkliche Witterungslage muß ich derzeit erleben, geschwängert von einer drückenden und schwülen Atmosphäre entlang der Wetterfront. Obwohl ich meine Umfänge leicht reduziert habe, ebenso die Intensität – bereitet mir mein Täglichlaufen aktuell keine Freude. Ich praktiziere es höchst widerwillig. Nach dem Start sehne mich danach endlich die Wälder zu betreten, da sie noch eine kühlende Wirkung erzielen. Bereits nach zwei/drei Kilometern läuft der Schweiß unaufhaltsam. Im Forst anhalten, ist gleichsam erfrischend wie töricht – zahllose Mücken und diverse andere Insekten leiten ihren Großangriff umbarmherzig ein. Wer schnell laufen kann, ist klar im Vorteil. Aber auch dies gilt nur temporär.
Der Damm selbst liegt in brütender Treibhausstimmung, Helios kennt keine Gnade und leuchtet unablässig mit seinem hitzigen Gemüt und schickt Strahl um Strahl auf die Erde und quält einen in schwarz gekleideten Täglichläufer. Dem sonnigen Primat muß ich mich beugen – Widerstand ist zwecklos. Nicht genug, daß ich der Witterung Tribut zollen muß, nein – auch hier warten zahlreiche Insekten auf mich. Unzählige, kleine Fliegen, partiell zu Kugeln formiert in der Luft wartend, heißen mich in einer ungebührenden Distanz willkommen. Und immer wieder größere Fliegen oder Bremsen, die mich begleiten und permanent um meinen Kopf schwirren. Selbst damit ist der Höhepunkt noch nicht erreicht. Obwohl erst vor einem Monat das Gras gemäht wurde, hat es den Verlust beinahe kompensiert und wieder alte Stärke erreicht. Die Gräser kitzeln meine Beine, auf einige scheine ich latent allergisch zu reagieren, in Kombination mit dem Schweiß etabliert sich ein Juckreiz. Vor meinem geistigen Auge erscheinen die Schneelandschaften vom vergangenen Januar, die frostklar, angenehm und ohne Insekten gedanklich an mir vorbei ziehen. Ja, man ist nie zufrieden. Glücklicherweise wurde ich bisher von Gewittern und Starkregen mit der Tendenz zur Überflutung verschont.
Nach nur fünf Kilometern sammelt sich eine trockene Leere in meinem Mund. Die Schneelandschaften lösen sich im fernen Nichts auf. Sie werden ersetzt durch sprudelndes Wasser und meine so geliebte kalte Dusche. Diese geistigen Wirrungen verbanne ich bewußt und hole stattdessen meine Intention des Abhärtens hervor, welche man auch im Sommer hervorragend praktizieren kann, ganz simpel, in dem man auch bei heißen Temperaturen während des Laufens nichts trinkt. Wobei sich diese Frage noch nie für mich gestellt hat. Meine Distanzen bewegen sich nicht in einem Rahmen, als daß eine Wasserversorgung vonnöten wäre. Dennoch kann man das durchaus trainieren und seinen Körper in gewissen Grenzen anpassen, wenngleich das nur für meine Person gilt und ich anderen Menschen davon abrate. Einer adäquaten Wasserversorgung sollte stets Rechnung getragen werden. Indes plädiere ich auch dafür in der größten Sommerhitze eine körperlich intensive Anstrengung wie das Laufen zu vermeiden oder in die Morgen, bzw. Abendstunden zu verlegen. Entsprechend trainierte Personen ausgenommen; gleichwohl wird auch für jene Menschen das Wetter zu einer Herausforderung.
Eine moderate Gewöhnung an den Wechsel der Jahreszeiten scheint mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören. Vor wenigen Jahren existierten weiche Übergänge, die einer Gewöhnung dienlich waren. Heute dominiert beständig die Unbeständigkeit, Temperaturunterschiede von 20 C° innerhalb eines Tages sind keine Seltenheit; auf den Winter folgt der Sommer. Nichtsdestotrotz ist man als Täglichläufer der Veränderung besser angepaßt als Normalläufer. Letztlich ist jedwedes Sinnieren zwecklos, da man die Akzeptanz der Realität nicht leugnen kann. In diesem Sinne, genießen wir das Wetter – wie es werden wird – ist irrelevant.
Als krönenden Abschluß meines Artikels folgen nun Impressionen eines Sommers. Mutter Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite und berief erneut den Geisterkünstler an seinen Platz am Firmament, um formvollendete, geschwungene Zeichnungen – Äquivalent den Wolken – am Himmel zu kreieren. Zusätzlich verdingte sich ein namenloser Dichter und gestaltete eine Komposition des natürlichen Glücks für all jene aufmerksamen Betrachter, die dem Hohelied der Natur wohlwollend zugeneigt sind.
