Die amüsante Welt der Suchanfragen – II.

Veröffentlicht in Suchanfragen am 7. Februar 2010 von Täglichläufer

Nach dem letzten sehr ernsten Artikel, der eine unmittelbare Bedrohung für mich thematisierte, ist es nun an der Zeit in etwas heitere Regionen aufzubrechen. Ich setze meinen Beitrag fort, der sich mit den zahllosen Suchanfragen beschäftigt. Das gleiche Schema, die eigentliche Suchanfrage, welche ich anschließend kommentiere, doch nicht ernst gemeint. In den meisten Punkten frage ich mich immer, was diejenigen Personen, die diese Wörter in den Suchmaschinen eingeben – sich eigentlich erhoffen? Welche Ergebnisse erwarten sie? Ich finde darauf keine befriedigende Antwort, demungeachtet schätze ich durchaus den feinen Humor – wenngleich dieser vermutlich unbeabsichtigt von den Urhebern entstand.

Skelette. Wohin man sieht, Skelette:


schaf kopf skelett
skelett hund
wildschweinskelett
skelett latein
mensch und hund skelette
fuchs skilett
skelett
wildschwein skelett
das sklett des schwanes
skelett, lustig
schlange skelett
wildschweinskelett kopf
tote skelette
zwei skelette liebe1
www.wildschweinskellet.com
skelett drachen
skelett eule
biber skelette

Eine Suchanfrage sei hiermit herausgehoben: „Tote Skelette“. Soll es möglich sein, daß lebende Skelette unter uns wandeln? Ich bitte um Aufklärung oder um Photos.


deutschlandkarte von nrw

Wie bescheiden. Ich favorisiere die Weltkarte von NRW.

die katze geht fremd

Welch ungebührliches Verhalten! Skandal! Treulose Miezekatze!

jeden tag muss ich bei dir vorbei laufen

Jeden Tag muß ich Dich hier vorbei laufen sehen.

indianerstamm superläufer

Vermutlich Cherokee oder doch Anishinabe? Da muß ich passen.

eines tages erschien eine kleine Öffnung

Das ist bemerkenswert. Wo? Wann? Und dann?

läuferfigur als keks

Ja, das ist köstlich! Ich mag Kekse sehr gern. Egal ob in Läuferform oder anderweitig. Wer viel läuft, darf mehr essen. Wer täglich läuft, darf noch mehr essen.

was dich nicht tötten stärkert dich

Welch harter Slang. Aber noch erkennt man den Sinn. Oder den Unsinn?

du hast doch auch einen sprung in der schüssel

Natürlich. Hier ist mein Sprung.

heul glatt rutschig

Ja, derzeit ist es wirklich sehr rutschig. Noch nicht zum Heulen – aber fast.

mühlenwerke brandenburg havel

Bitte sehr:

ablehnung von ex geliebter

Deswegen ist sie ja die Exgeliebte, gell?

beschreib eine jahreszeit

Nein, ich beschreibe alle.

hallo lutz,schau dir das mal an es ist an

Ich heiße zwar nicht Lutz, aber nun bin ich neugierig. Um was geht es?

die macht ist mit mir

Ich dachte, die Jedi-Ritter wären ausgestorben. Möge die Macht weiterhin mit Dir sein.

nacktläufer 2010

Sorry, ich bin ein Täglichläufer, kein Streakrunner. Aber dies sagte ich bereits.

männer laufen vor ihrer gefühle davon

Nicht alle, nicht alle.

welche jahreszeit gefallt dir

Ich liebe jede Jahreszeit, denn sie sind alle herrlich, wenn man die Schönheit darin nur erkennen will.

wie taufe ich mein schaf

Mähggie. Oder Mährlin.

täglich 6 kilometer laufen

Und?

das maeggie schaf

Genau. Siehe oben. Oder hier.

weiss bustenhalter

Da muß ich passen. Wirklich.

spinne muster auf dem rücken

Die ist schön, gell?

Schachbrettblume

Die auch.

liebe ist, wenn man sich im regen sonnt

Da kann ich nur zustimmen. Oder der Schnee durch den Schein des Herzens taut.

wieviel km sollte man täglich laufen

Das muß jeder selbst entscheiden. Ich betrachte 10 bis 15 Kilometer für mich als angemessen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Die Frage ist also nicht, wie viel man soll, sondern wie viel man kann und will.

laufschuhe auf vorrat kaufen

Sehr sinnvoll. Danke für diese Erinnerung.

schlange frisst schaf

Das arme Schaf.

danke! dass wir sehr gut verstehen.

Ich danke!

hummelschwärmer

Ein süßes Putzel:

bist du mit weihnachtsgeschenk zufrieden

Natürlich bin ich das. Und selbst?

havelschlÖsschen

Auch das habe ich hier:

täglich 90 minuten laufen

Das ist kein Problem. Wer es mag. Und wer es kann. Warum nicht?

sex verlustigt

Das vielleicht schon.

wie lang existiert die spezies mensch

Nicht mehr lange. Aber kein Wunder, so wie wir mit der Erde umgehen.

wie schreibt man alltagsbeobachtung

Alltagsbeobachtung. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

gegenteil schönwetter läufer

Das Gegenteil bin ich.

Das waren nur wenige Beispiele des täglichen Suchmarathons. Fortsetzung folgt. Garantiert.

Fragen?

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Status. am 1. Februar 2010 von Täglichläufer

Dieser Beitrag sollte nie erscheinen. Dies habe ich gehofft – doch Hoffnung treibt das Schiff der Narren. Und ja, ich bin ein Narr, weil ich mir das gewünscht habe. Denn das Leben IST, unabhängig von Hoffnungen, Wünschen und Träumen.

Vergangenen Samstag. Aus Zeitmangel plante ich nur eine kurze Runde, maximal acht Kilometer. Im Wald sah ich in einiger Entfernung einen silbernen Van stehen, ziemlich gut zwischen Bäumen versteckt; ich wußte sofort, um wen es sich handelt – der Dobermannbesitzer. Auf eine neuerliche Begegnung legte ich es nicht an und kehrte abrupt um. Ich erhöhte meine Geschwindigkeit und wollte den Wald sofort verlassen. Es sollte nicht sein. Ein Pfeifton. Dann rief es: „Kommmmst duuuu zurück!“ das gleiche Spiel wie am 21.12.2009. Ich drehte mich um und sah den schwarzen Dobermann lautlos auf mich zu stürmen. Immerhin spürte ich keine Angst, nur blanke Wut und Haß – entsprechend brüllte ich den Hund an: „HAUUUUST DUUUUU AAAAAAB!!!!“, was ihn nicht sonderlich interessierte. Zu diesem Zeitpunkt war ich längst angriffsbereit. Als nächstes brüllte ich meine Wut heraus, „KOOOOOOOOMMMMST DUUUU HEEEEER!!!“ – und ich lief ihm entgegen. Prompt stoppte er, Schnee flog hoch und er kehrte um; wenige Meter folgte ich ihm. Das alles spielte sich in wenigen Sekunden ab. Ich wurde nicht verletzt, nur meine Stimme ist selbst heute noch heiser.

Ich hätte nicht im Traum damit gerechnet, sobald wieder dieses Thema aufgreifen zu müssen. Erschreckend. Zumal sich meine Geduld endgültig erschöpft hat. Nach diesem neuerlichen Vorfall zog ich es in Erwägung, behördlich dagegen vorzugehen und prüfte meine rechtlichen Optionen. Das Hauptproblem enttarnt sich hierbei in dem Fakt, daß ich nicht verletzt wurde, sondern aktiv gegen die Bedrohung vorging. Soll heißen, es handelt sich nur möglicherweise um eine Bedrohung, die – vielleicht – eine unmittelbare körperliche Beeinträchtigung im weiteren Geschehensverlauf nach sich gezogen hätte. Zudem dauert eine Strafanzeige sehr lange, vor allem in dem Kontext, daß ich weder Zeugen noch explizite Namensangaben angeben kann. Ergo, ich kämpfe auf verlorenem Posten. Und freilich, es ist ja auch nichts passiert!

Warum muß ich mich erst verletzen lassen, bevor ich dagegen vorgehen kann?

Muß ich mich tot beißen lassen, bevor etwas passiert?

Wie hätte der Dobermann auf andere Läufer reagiert?

Auf eine unbewaffnete Läuferin beispielsweise?

Was wäre gewesen, wenn er auf einen Kinderwagen getroffen wäre?

Auf eine Kindergruppe?

Warum lernt der Halter nicht dazu? Immerhin war es das dritte Mal.

Warum kann er seinen Hund nicht kontrollieren?

Warum leint er den Dobermann nicht an?

Und wenn er ihn schon nicht anleint, warum nutzt er keinen Maulkorb?

Warum muß sich jemand derart aggressive Wesen halten?

Warum sind jene Hundebesitzer so rücksichtslos?

Warum kann ich als harmloser Läufer nicht friedlich mein Täglichlaufen praktizieren?

Warum muß ich mich permanent mit aggressiven Hunden auseinandersetzen?

Warum muß ich eine Waffe mit mir führen, um etwaige Bedrohungen abzuschrecken?

Ist das nicht absurd?

Warum soll ICH meine Laufstrecke ändern?

Warum soll ich mein Laufareal meiden, nur damit dort aggressive Hunde ihren Freiraum haben?

Ist das nicht grotesk?

In welcher Welt lebe ich eigentlich?

Ich habe mich bisher stets als Hundefreund betrachtet. Aber so langsam wird mir diese Einstellung schwer gemacht. Natürlich, das sind Ausnahmen – das Gros der Vierbeiner ist gut erzogen und harmlos. Das ist mir bewußt. Gleichwohl häufen sich derzeit diese Einzelfälle, wenn auch immer durch den gleichen Halter.

Das war nun der 19. Hundekonflikt. Obwohl ich mittlerweile meine Laufzeiten minimal variiert habe und sehr vorsichtig unterwegs bin, bin ich indes weiterhin nicht davor gefeit. Besonders heikel wird der Frühling, wenn die grüne Blätterwelt expandiert und sich damit meine Sicht einschränken wird. Nach jedem der letzten Vorfälle dachte ich, jetzt habe ich eine Weile Ruhe. Wie naiv. Ich sollte mich irren. Ich bin gespannt, wann der 20. Vorfall folgen wird. Und ich bin gespannt, wann ich unterliegen werde, was mich zu meiner letzten Frage bringt. Ist das nicht traurig?

Kristalline Diamanten im goldenen Schattenglanz

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Laufberichte. am 27. Januar 2010 von Täglichläufer

Die vergangenen Tage und Wochen wurden ausnahmslos von einer alles verzehrenden Dunkelheit geprägt. Die Sonne brach verstimmt in ihr selbst gewähltes Exil auf und überließ grau schattierten Wolkenformationen mit umbarmherzigen Sturmböen und klirrenden Minusgraden den Vorsitz auf dem Thron der Wettermächte. Eine düstere, frostige Regentschaft ohne Mitleid. Bar jeder Zuversicht. Viele Menschen verzagen, wenn sie von Mutter Sol permanent im Stich gelassen werden; ich persönlich mag auch die finstere Zeit. Umso überraschter war ich am Montag, als ein strahlender Kreis am endlosen Horizont auszumachen war. Wenngleich noch elegant hinter unnahbaren Wolkenvorhängen versteckt, pulsierte bereits die gelb leuchtende Helligkeit – Helios vollzog den Beginn seiner schmerzlich erwarteten Rückkehr. Seine kalten Sendboten verkündeten die erhoffte Ankunft für Dienstag – und so sollte es sein.

Derzeit gestalten sich meine täglichen Läufe sehr herausfordernd. Der Radweg entlang der Hauptstraße ist glücklicherweise weitgehend vom Eis befreit, die Nebenwege jedoch, welche Richtung Waldrand führen, bilden einen einzigen Spiegel als unangenehmen Kontrast. Ein ähnlicher Sachverhalt enttarnt sich in den Wäldern. Zwar wurden die einstigen Schneemassen beharrlich niedergetreten, doch durch das temporäre Tauintermezzo in der letzten Woche entstanden diverse Krater, Unebenheiten, Erhöhungen, Zerklüftungen und Löcher, die durch die anschließende Wiederkehr der frostigen Königsgefolgschaft erneut gefroren sind und nun das Laufen extrem verkomplizieren. Wenn auch der Anblick der weißen Winterwelt bravourös entschädigt, fordert die sichere Konzentration ihren Tribut und lenkt mein Augenmerk auf die Wege – statt in meiner unmittelbaren Umgebung und damit der geliebten Naturbeobachtungen. Allerdings muß man nicht immer bereit sein, um in jenen Genuß zu kommen.

Am Dienstag herrschte sodann tatsächlich uneingeschränkt die Sonne – die Boten sollten Recht behalten. Welch ungewohnter Glanz in den ehedem finsteren Wäldern! Selbst die Vogelwelt registrierte das Spektakel mit einem dankbaren musikalischen Konzert. Ode an das Leben! Das leuchtende Weiß der vereisten Schneewelt intensivierte sich um ungekannte Weiten und das geliebte Licht umschlang mich mit einer lange vermißten Anmut. Sonnige Strahlen durchbrachen ungehindert, ja, unbeherrscht mit goldener Intensität die Baumkronen und boten spannende Schattenspiele zwischen den dichten Bäumen im Unterholz. Die Wege indes, schimmerten glänzend im kristallinen Lichtermeer – und brachen selbiges in alle Himmelsrichtungen. Tausende, nein, Abertausende Diamanten dominierten nicht nur die Pfade, sondern das allumfassende Sein in meinem Laufareal, sie glitzerten wie wertvolle Edelsteine in einer geschliffenen Schönheit, die mich zutiefst verzauberte. Sie schienen sich mit ihrer Herrlichkeit für das Glatteis entschuldigen zu wollen und allein mit diesem Anblick gelang ihr hehres Ziel, womit sie mich zum Träumen einluden. Doch offenkundig wollten sie ihr Geheimnis für sich behalten, wie mir im nächsten Moment bewußt werden sollte.

Plötzlich hörte ich ein lautes Krachen zu meiner linken – welches die Luft scheinbar zerriß – ungefähr zehn Meter vor mir. Berstendes Eis, fallende Äste. Bewegte, ungestüme Energie. Ich wurde regelrecht aus meinen Gedanken gerissen, die der Schönheit des Lebens und des konzentrierten Laufens geschuldet waren. Jetzt sehe ich es. Ein großes Reh springt auf den Weg, hält kurz inne – blickt mich an und in der nächsten Sekunde ist es verschwunden, kämpft sich durch den tiefen gefrorenen Schnee im Dickicht, wo kein menschlicher Fuß sich je durchgewagt hat. Und nie hineintrauen wird, solange die Wälder überleben dürfen. Das laute Donnern wird immer leiser, wird gedämpft, versiegt und abrupt endet es. Stille. Lautmalerisch schimmerte diese Begebenheit durch die gelobte, ruhige Einsamkeit wie mit einem zaghaften Hauch des abgeschiedenen Schleiers in der Eiswelt, um anschließend das liebliche Tuch der Verlassenheit erneut auszubreiten. Für immer und ewig.

Die Weiher schlafen behutsam in ihrer erstarrten Regsamkeit, warten auf den Frühling, der noch auf sich warten läßt. Bei -15 C° transformiert sich mein Atem zu einer greifbaren Wolke vor meinen Augen, um eine Sekunde später von meinem Körper wie von einem Nebelschwert zerteilt zu werden. Anschließend führt mich mein Weg zum Damm, der in läuferischer Hinsicht zu einer wahren Herausforderung wird. Allein an den wenigen Plätzen, wo vor kurzem Familie Schwarzkittel sehr engagiert den Boden umwühlte, ist nicht mehr das kleinste Eiskorn zu finden – entsprechend genußvoll passiere ich jene Örtlichkeiten, die ich jetzt einmal mehr zu schätzen weiß. Aber auch die heikelsten Situationen lösen sich irgendwann auf und als ich wieder in den Wald eintreten will, bewegt sich wenige Meter vor mir ein Eichhörnchen. Es rennt eifrig auf dem Boden und erklimmt den nächsten großen Baum, um zu verharren und neugierig zu gucken, wer oder was für die ungebührliche Störung verantwortlich zeichnet. Ich hingegen, bleibe stehen und beobachte den kleinen, roten Wuschelputz und rede es natürlich sofort an. Mittlerweile klettert es auf einen weiteren Ast und springt mit einem Riesensatz zum gegenüberliegenden Baum.

Lächelnd setze ich meinen Weg fort, erobere mir einen Pfad durch die Wälder – unterbrochen von einigen Tanzeinlagen, mit denen ich mich gerade so vor einem Sturz bewahren konnte – und erreiche wohlbehalten den Ausgangspunkt meiner täglichen Runde. Wenn meine Läufe derzeit auch fordernd sind, so ist die natürliche Welt, das Leben allezeit schön. Und selbst während der angespannten Glatteisläufe etabliert sich ein latenter Genuß, den ich nicht negieren kann. Ich kann ihn nur willkommen heißen, denn manchmal muß man für seine Liebe kämpfen.

Quot homines, tot sententiae

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Wahrnehmung. am 24. Januar 2010 von Täglichläufer

Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet, sprach einst Heinrich Heine – der erste Satz eines meiner Lieblingszitate. Auch auf mein Täglichlaufen trifft diese Weisheit zu. Oder wie ich in meinem Wegweiser formulierte: “Furchtsame verstehen Furchtsame. Ignoranten verstehen Ignoranten. Schwächlinge verstehen Schwächlinge. Täglichläufer verstehen Täglichläufer. Menschen gleicher Art verstehen immer einander”. Entsprechend die unterschiedliche Wahrnehmung meiner Laufkonzeption, in Abhängigkeit des sportlichen Hintergrundes. Selbstverständlich ist mir bewußt, daß mich nur verstehen kann, der meinen Weg in ähnlicher Weise beschritten hat und eine identische Ebene der Erkenntnis erreicht hat. Zumal diese exotische Unterart langfristig Anforderungen stellt, die nur sehr wenige Menschen erfüllen wollen, können. Man muß es wahrhaftig lieben lernen, andere Ansätze erscheinen mir nicht schlüssig. Auf die Eindrücke wie Täglichlaufen im Allgemeinen oft erfaßt wird, gehe ich nicht weiter ein, das ist gleichsam amüsant wie absurd. Ohne jede Bedeutung.

In meinem privaten Umfeld differenziere ich zwischen meiner Familie, Freunden, Nachbarn, Bekannten und Grußfreunden/bekannten – also jene Personen, die mich nahezu täglich durch ihre Anwesenheit begleiten. Familienintern vollzog sich äquivalent zu meiner persönlichen Entwicklung ebenfalls eine Wandlung der individuellen Perzeption. Gerade in den Anfangsjahren obsiegte die Verständnislosigkeit, niemand verstand, warum ich das praktiziere. Ich selbst vielleicht am wenigsten. Besonders an bedeutenden Feiertagen, Geburtstagen oder bei gesundheitlichen Widrigkeiten wurde mein Täglichlaufen mit offener Ablehnung betrachtet: „Warum mußt du selbst an diesem Tag laufen?“, „Kannst du nicht einmal pausieren, nur einmal?“. Freilich, damals dachte ich nicht im Ansatz wie heute und ich antwortete meistens, daß ich kein „Einschnitt in meiner Statistik“ möchte und verschwand anschließend im Wald. Im Laufschritt, versteht sich.

Im steten Wechsel der Jahre hat sich das Schema komplett verschoben, in eine Richtung zwischen Stolz und geduldiger, unterkühlter Akzeptanz. Daß ich täglich laufe, ist für jedwede Person in meinem nächsten Umkreis absolut evident – dies wird nicht mehr in Frage gestellt. Aus diesem Kontext heraus, offenbart sich auch die Tatsache, daß nur noch „besondere“ Jubiläen und ungewöhnliche Lauferlebnisse exponiert registriert werden – die Folge der natürlichen Normalität. Man kennt mich nicht mehr anders. Ergo entzieht sich die gesamte Täglichlaufkonzeption der bewußten, familiären Wahrnehmung. Und bestimmte Familienmitglieder konzentrieren sich vielmehr auf die Thematik, wie lange ich mein Täglichlaufen noch „durchhalte“. Ähnlich wie eben beschrieben, betrifft das auch die Freunde. Mich von anderen Dingen zu überzeugen zu wollen – was sie längst aufgegeben haben – scheiterte regelmäßig.

Bei Personen, die etwas entfernter dem inneren Zirkel gegenüberstehen, enttarnt sich eine andere Betrachtung. Bei jenen Menschen wirkt meine Laufphilosophie suspekt, ich bin geneigt anzunehmen, daß ich von einigen wenigen Passanten den inoffiziellen Status „Verrückter“ erhalten habe. Rückmeldungen, wie: „Jeden Tag, jeden Tag!“ – als harmloses Beispiel, oder andere heitere Antworten und Anekdoten bestätigen meine Theorie an manchen Tagen. Dennoch, daß ich täglich laufe, wird in der Majorität mit Anerkennung goutiert, gerade auch im Fokus der Abhärtungskomponente – solange bis sie Details erfahren – dann verflüchtigt sich die Vorstellungskraft; natürlich in erster Linie auf die Gesundheit bezogen. Ergänze ich das Themenfeld mit meiner Wettkampfresistenz und meiner Marathonablehnung löst sich das letzte, wage Verständnis endgültig auf. Selbst wenn ich das wollte, hätte ich dafür nicht die Kraft – letztendlich würde das meinen Stil vorzeitig enden lassen, denn eine derartige Kombination gelingt nur sehr wenigen Menschen.

Mein gelebtes Täglichlaufen ist zu abstrakt für andere Menschen. Und die offenkundige Ziellosigkeit meinerseits, mutet in unserer ziel- und leistungsorientierten Gesellschaft antiquiert an. Der vollkommene Sinn erschließt sich nur mir selbst. Aber mittlerweile erwarte ich weder Verständnis noch Zustimmung. Gleichwohl amüsiere ich mich über die vielfältigen Wortmeldungen, die ich tagtäglich während meiner Runden erlebe. Meistens mit einem inneren, zufriedenen Lächeln. Was ich hingegen auch in der Zukunft nicht praktizieren werde, sind permanent zwei Läufe pro Tag und den „ganzen Tag“ laufen, wie mir Passanten bereits unterstellt haben.

Abschließend betrachtet, zeichnet sich in meinem Fall die externe Wahrnehmung mehrheitlich positiv aus, wenngleich mein Handeln niemand wirklich im korrekten Sinn interpretieren kann, ja, auch nicht soll und muß. So setze ich mein Täglichlaufen fort, registriere weiterhin die differenziertesten Reaktionen, geboren aus verschiedenen Gründen und genieße den Nutzen meiner Konzeption in ihren Einzelheiten – und bei all den berechtigten Denkweisen werde ich eines nicht vergessen. Das Leben hat Recht. Und was ist schon verrückt? Ist es nicht verrückt, sich nicht täglich zu bewegen? Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

Den Weg gehen – X. Konflikte.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 20. Januar 2010 von Täglichläufer

Welch ein konfliktreicher Monat für einen harmlosen, leidenschaftlichen Täglichläufer in der geliebten Natur. Tierische Konflikte, menschliche Diskussionen, gesundheitliche Widrigkeiten und nicht zuletzt läuferische Herausforderungen, den omnipotenten Witterungsmächten geschuldet. Die Läufe der vergangenen Tage zeichneten sich primär durch stetes Rutschen, Balancieren und ruckartige Armbewegungen aus. Das ist der Preis. Der Tribut einer traumhaften, weißen Winterlandschaft fordert nun das seine. Das ist das Leben; man kann den Ausblick auf den Gipfeln nur genießen, wenn man vorher das Tal durchschritten hat. Und nichts währt für alle Zeit, ergo muß nach dem angenehmen Verweilen der Abstieg erfolgen.

Mittlerweile ist meine Gelassenheit zurückgekehrt, so daß ich meine Läufe wieder mehrheitlich genießen kann. Gleichwohl gehe ich einem neuerlichen Kontakt – und damit einer potenziellen Konfliktsituation – aus dem Wege, was ich als die weisere Entscheidung erachte. Wie Sun Tzu einst feststellte, „Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft“ oder mit den Worten meiner ehemaligen Kampfsportmentoren formuliert, „Die höchste Kunst des Kämpfens besteht darin, nicht zu kämpfen“. So soll es sein.

Im Dezember 2009 erlebte ich den kältesten Lauf in meiner gesamten Laufzeit – immerhin bald 13 Jahre, bei -17 C°. Der Höchstwert lag bei 02 C°, was jedoch im vergangenen Monat eine Seltenheit war. Bevor uns nun die nächste Kältewelle liebevoll umarmen wird, herrschen für einen temporären Augenblick mildere Wetterregenten. Ein leises Tauwetter setzte ein, wodurch sich der platt getretene Schnee – welcher sich nun in der Auflösung befindet – für das oben erwähnte Rutschen verantwortlich zeichnet. Langsam, aber sicher verliert die verschneite Winterwelt ihren schimmernden Glanz. Die auftauende Starre konstruiert hinreißende Nebelreiche, die es mit Inbrunst zu entdecken gilt. Und am 18.01. wurde mir die Gnade des ersten Regenlaufes in diesem Jahr gewährt. Ein wahrhaftiger Hochgenuß.

In der Regel sorgen Läufer in kurzer Bekleidung im Winter für staunende Rückmeldungen. Selbst in dieser Thematik stehe ich für das Gegenteil. Viele Passanten wunderten sich, als ich auf lange, verhältnismäßige Bekleidung umstieg. Ein Bekannter war derart irritiert, daß er sofort Photos von mir aufnehmen mußte. Glücklicherweise haben sich die zweistelligen Minusgrade längst verflüchtigt, wodurch ich wieder zu meiner standardgemäßen kurzen Kleidung zurückkehren konnte. Allerdings muß ich zugeben, daß ich mich sehr schnell an mein wärmeres Erscheinungsbild gewöhnt habe, was jedoch konträr zu meiner Laufkonzeption steht. Noch regiert das kalte Leben, doch in der Ferne kann ich die Sendboten des Frühlings seit einiger Zeit laut vernehmen, verkündet durch gefiederte Gesellen in den Baumkronen eines eisigen Forstes. Genießen wir den Winter, solange er uns lieblich begleiten wird.

19.12.2009 09 KM
20.12.2009 11 KM – Neuer Tiefstwert: -17 C°
21.12.2009 12 KM – Dobermann Angriff abgewehrt
22.12.2009 12 KM
23.12.2009 10 KM – Glatteis
24.12.2009 12 KM – Silberreiher gesehen, Radfahrer überholt
25.12.2009 07 KM – Extremes Glatteis, Damm unpassierbar
26.12.2009 12 KM
27.12.2009 13 KM – Gespräch mit Schafhalter; Auto angeschoben
28.12.2009 12 KM
29.12.2009 10 KM – Gespräch mit einer Bekannten
30.12.2009 14 KM – Gespräch mit einem Bekannten
31.12.2009 12 KM – Blutiger Zeh, Auto angeschoben, Radler überholt
31.12.2009 04 KM – Schneefall; ein intensiver Genußlauf
01.01.2010 08 KM – Läufer überholt; x Neujahrswünsche
02.01.2010 10 KM – Gespräch mit Nachbarn
02.01.2010 04 KM – Nachtlauf
03.01.2010 09 KM – widrige Laufbedingungen
04.01.2010 13 KM – Gespräch mit Grußfreunden
05.01.2010 12 KM – Gespräch mit Hundehalter
06.01.2010 13 KM – Gespräch mit Hundehalter; Fasan gesehen
07.01.2010 13 KM – Gespräch mit Hundehalter, Kampfhundangriff
08.01.2010 12 KM – mit dem linken Fuß umgeknickt
09.01.2010 10 KM – starker Schneesturm
10.01.2010 10 KM – anstrengender Tiefschneelauf
11.01.2010 08 KM – Schafe gestreichelt, Gespräch mit Grußfreundin
12.01.2010 09 KM
13.01.2010 11 KM – Gespräch mit Grußfreund; Photos
14.01.2010 06 KM – Pseudoerkältung
15.01.2010 05 KM – Hundevorfall: Diskussion + Ermahnung
16.01.2010 06 KM – Schonungslauf
17.01.2010 06 KM – Schonungslauf
18.01.2010 10 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 10 Monate