Den Weg gehen – II. 2013. Zwölf Jahre, zwei Monate. Das eisenharte Konstrukt.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 19. Mai 2013 von Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Zwölf Jahre, zwei Monate. Nun fiel bereits der zweite Monat im Zeichen von 12 Jahren Täglichlaufen der flüchtigen Erinnerung anheim und wird nur noch in meinem Geist der melancholischen Weite fortan künftig leben. Erschreckend, wie rasant meine kostbare Lebenszeit für immer und immer vergeht und die erhabene Lebensuhr Stunde um Stunde, Tag für Tag und Lauf für Lauf in die Endlichkeit verrinnt. Wie unsagbar fest und stabil erscheint mir hierbei mein Täglichlaufen; dieser eisenharte Block, der konsequent alldem trotzt – selbst der temporären Zeit; in 12 Jahren kontinuierlich zu dem gegossen, was er heute für mich darstellt. Und doch, und doch! Jenes Konstrukt besteht aus allem, nur nicht aus dem greifbaren Material, welches Festigkeit oder gar Stabilität impliziert. Mitnichten, was könnte fragiler sein, als mein geschaffenes Gebilde vom zerbrechlichen Täglichlaufen? Jeder Lauf könnte der letzte sein, jeder Tag könnte den finalen Schluß bilden, dessen bin ich mir wohl bewußt und aus diesem Grund weiß ich diese meine Konzeption intensiv in allen Facetten zu schätzen. Nie – ich goutiere dieses Wörtchen in der Regel nicht – werde ich das reproduzieren können, was mir mit dieser Intention bisher gelungen ist. Aus dem Kontext der elementaren wie obligaten Wertschätzung heraus betrachtet, besitzt mein teures Täglichlaufen eine Priorität, die freilich ihresgleichen sucht, suchen muß.

Mein Täglichlaufen hat für mich den Charakter einer Lebensblume, die man hegen und pflegen, ehren und wertschätzen muß, nein, darf!, denn in ihr ist die belebende Gesundheit, Glück, Frieden, Harmonie und tiefe Zufriedenheit verborgen – vereint für Körper und Geist, die man nur dann finden kann, wenn man sie nicht bewußt sucht. Das kann man nicht wollen, derlei wird sich ergeben oder eben nicht. Möge sie weiter wachsen und gedeihen – ich möchte die entwickelte Verbundenheit nicht missen. Doch leider vergeht alles, was lebt und dementsprechend fürchte ich jenen Tag, der früher oder später mein Täglichlaufen ebenfalls in das mannigfaltige Reich der unendlichen Erinnerungen ziehen wird. Ich hoffe, dieser Moment sei noch fern. So oder so, ich bin mir der Gnade bewußt, was ich erreichen durfte – ohne es je zu wollen (das zu betonen, werde ich nicht müde) und werde mein Täglichlaufen auch zukünftig als Geschenk interpretieren und mich den etwaigen Fährlichkeiten bewußt stellen und auch die unangenehmen Augenblicke wissend annehmen, und – es l e b e n.

Unter einem gewissen Blickwinkel betrachtet, besaß der vergangene Monatsabschnitt seine widrigen Seiten, die sich insbesondere durch massive wie aggressive Mückenaufkommen und anderer zahlreicher Insekten offenbarten. Die Wälder, mein Damm – überhaupt mein gesamtes Laufareal wird derzeit gnadenlos von den Insekten regiert. Anhalten ist schier unmöglich und von den Bäumen seilen sich diverse Raupen ab, die leise im Wind pendeln und immerdar auf der Suche nach einer Reisemöglichkeit sind und von unvorsichtigen Täglichläufern gerne mitgenommen werden. Doch auch diese Phase wird wie alles im Leben ohne Hoffnung vergehen. Wer darf auch hoffen? Nur einen Regenlauf durfte ich erleben und die Temperaturen alternierten zwischen 06 °C und 25 °C. Mit den sommerlichen Werten fallen – wie stets um diese Jahreszeit – die tumben Vandalen in meine Laufwelt ein. Oh, meine liebe Winterkönigin, ich harre mit Inbrunst auf deine belebende und schützende Präsenz.

Meine gewohnten Streichelpausen bei den geliebten Wollies gehören aktuell leider der Vergangenheit an, da auch hier die entomologischen Gesellen obsiegen und in unbarmherzigen Schwärmen summend triumphieren. Als Neuankömmlinge darf ich mehrere Kraniche begrüßen, die sich scheinbar in meiner Laufwelt heimisch einrichten und weithin ihre Anwesenheit verkünden, in dem sie engagiert die Trompeten blasen. Endlich durften meine Graugansfreunde ihren herzigen Nachwuchs das Leben zeigen, was in diesem Jahr verzögert stattfand – ein wunderbarer Anblick, der stets ein Lächeln der Freude in mein Antlitz zaubert. Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich auch im kommenden Monat all meine tierischen Freunde täglich in ihrem Heim besuchen darf und ja, darauf freue ich mich unbändig. Als unbedeutendes Nichts an dem wahren Leben der nahezu omnipotenten Natur zu partizipieren – welch Glück! Wenn auch in den letzten Tagen die Unlust ein wenig expandierte, wird dieses Gefühl von der wunderbaren Flora und Fauna kompensiert. Und so harre ich also der Dinge, die da kommen mögen – oder eben nicht und erwarte den nächsten Tag, an dem ich – ganz banal – laufen werde. Wie könnte ich auch nicht? Wie konnte ich einst nicht täglich laufen? Unglaublich. So setzt es sich fort, das Gelebte Täglichlaufen. – – Romantisches Himmelsgewölk am Firmament senkt sich zärtlich hernieder, vereinigt sich mit einsamen Regenwolken der stürmischen Liebe…

19.04.2013 14 KM – Gespräch, Schmuseschafi gestreichelt
20.04.2013 14 KM – Schafe gestreichelt, Klettereinlage (Flut)
21.04.2013 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt, drei nahe Rehe
22.04.2013 14 KM
23.04.2013 16 KM
24.04.2013 14 KM – Gespräch, Schafe gestreichelt
25.04.2013 14 KM – Gespräch, Rettungseinsatz bei den Schafen
26.04.2013 14 KM – erste Mal den Kuckuck gehört (2013)
27.04.2013 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt
28.04.2013 14 KM – Grünspecht beobachtet, Gespräch
29.04.2013 15 KM – Gespräch geführt
30.04.2013 14 KM – Wegsperre errichtet, Gespräche geführt
01.05.2013 14 KM – Gespräch, Grünspecht beobachtet
02.05.2013 14 KM – Gespräch, Schwarzspecht, Kraniche beobachtet
03.05.2013 14 KM – Gespräch, zutrauliche Rehe, Nachtigall sang
04.05.2013 14 KM – Gespräche, Schafe gestreichelt
05.05.2013 13 KM – Sonnenlauf und Mückenplage
06.05.2013 14 KM – Gespräch geführt
07.05.2013 14 KM – Regenlauf
08.05.2013 14 KM – Gespräch, gefallener Ast blockiert den Weg
09.05.2013 14 KM – Gespräch, Wissenschaftsschiff überholt
10.05.2013 14 KM – Gespräch, erste Mal den Pirol gehört (2013)
11.05.2013 14 KM – Mückenplage
12.05.2013 14 KM – Gespräche, Pirol & Kuckuck – herrlich!
13.05.2013 15 KM – erste Graugansküken
14.05.2013 14 KM
15.05.2013 14 KM – Gespräch, Mückenplage
16.05.2013 14 KM – Gespräch, Mückenplage
17.05.2013 14 KM
18.05.2013 13 KM – 12 Jahre und 02 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.05.2013: 1897 KM

Tiefe Verbundenheit

Veröffentlicht in Meine Schafe, Photos am 1. Mai 2013 von Täglichläufer

Täglichlaufen und Schafe. Fürwahr, welch eine kongeniale Symbiose, die in einem bedeutenden Maße kausal elementar verbunden ist. Meine geliebten Wollfreunde bilden den ersten Höhepunkt des täglichen Laufes für mich und mit großer Spannung harre ich jenen Moment der Begegnung und lasse mich überraschen, was sie nun wieder anstellen oder aushecken. Vielleicht planen sie gar einmal mehr einen wagemutigen Ausbruch? Ich weiß nie, was mich erwartet – doch ein tägliches Ritual – nahezu fest in Stein gemeißelt – vollzieht sich bei jedem Lauf. Ich unterbreche meine tägliche Runde und begrüße meine wolligen Freunde und beobachtete sie ein Weilchen. Sodann fordern sie ihre standesgemäßen Streicheleinheiten ein, was insbesondere für mein Schmuseschafi gilt, der davon nicht genug bekommen kann und mich nie ziehen lassen will; sodann mit erhobenen Hufen am Zaun steht und mich auf seiner Weide so lange begleitet, wie es ihm möglich ist. Ja, wir lieben uns wahrlich.

An dieser Stelle spare ich mir weitere Worte und lasse wenige Bilder sprechen. Ich selbst freue mich bereits auf den nächsten Tag, wenn wir unsere jahrelange, tiefe Freundschaft fortsetzen werden und ich meine herzigen, lieben Wollies wieder begrüßen darf. Was wäre mein Täglichlaufen nur ohne euch?

2013_April_Wollies04

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Der Winter, mein Verbündeter

Veröffentlicht in Beobachtungen am 24. April 2013 von Täglichläufer

Frühling. Allenthalben. Flora und Fauna prosperieren. Welch großartige, natürliche Welt. Wie herrlich könnte jenes Habitat sein. Könnte? Ja, der Konjunktiv ist korrekt. Nachdem der kalte Frostregent ein gewisses Klientel lange zurückgehalten hat, drängen die ehedem Verbannten nun gleich rasenden Heerscharen in mein Laufareal und erobern die lieblichen Haine. Es werden wahllos Äste abgerissen, um Feuerholz zu horten, um anschließend vorbildlich in der schönen Natur zu grillen. Was bleibt? Der Abfall, welcher gleich nebenan im „Mülleimer Natur“ vor Ort entsorgt wird. Nur zwei Meter entfernt stehen Mülleimer – wie uninteressant! Sie benutzen? Welch unerhörte Forderung! Tz, ich komme auch auf absurde Ideen. Und weiter geht es, kommen wir nun zu den Reitern auf dem Damm. Reiter? Ja, jene mit Pferden. Ein Novum! Derlei habe ich nicht erlebt, so lange ich laufe. Massive Pferdehinterlassenschaften bleiben zurück und verzieren nun den Weg. Sicher ein geringes Übel. Doch damit nicht genug.

Tiefe Bremsspuren führen als einheitliche Linie durch den Wald, ebenfalls auf der Dammstrecke entlang. Ich bin geneigt anzunehmen, hier zeichneten Jugendliche verantwortlich, die mit einem Motorrad/Moped und höchst desolater Bremse im Schnellrausch gefahren sind. Aufgewühlte Wege, soweit mein Auge reicht; von dem beträchtlichen Lärm, der damit einherging, will ich gar nicht reden. Oh, ihr arme Vogelwelt, was werdet ihr gestört in eurem Brutgeschäft, was müßt ihr leiden. Auch die kriminellen Umweltverbrecher trauen sich indes wieder in den gar nicht mehr kalten Wald: Reifen, Kühlschränke und Fernseher, ja, hinein in den Forst damit! Das man derlei kostenlos abholen lassen könnte, wird getrost ignoriert. Nein, lieber zeigen jene Kreaturen Einsatz und Engagement und karren ihren Dreck sowie Elektrogeräte aller Art in die Natur.

Ich durchquere im Laufschritt den ersten Wald und was erspähe ich? Auf den Boden gezeichnete Pfeile aus Sägespäne, die in eine bestimmte Richtung zeigen, quer durch den Wald und abseits jeglicher Wege. Auf der andere Seite des Forstes treffe ich erneut auf besagte Zeichen und was muß ich dort erblicken? Ein groteskes Konfettischlachtfeld, das sich über gewaltige Meter ausdehnt. Buntes und glitzerndes Konfetti, welches subjektiv betrachtet, den Kölner Karneval das nächste Jahrzehnt stattlich versorgen könnte. Fassungslos laufe ich mit unterdrücktem Zorn weiter. Heute vernahm ich, daß dort eine Horde Nachwuchsterroristen unterwegs war, die nur krakeelen konnten, Tiere verjagen und bereits in jungen Jahren dazu erzogen werden, den Wald als Mülldeponie zu mißbrauchen. Was für elementare Chancen werden diesen Kindern genommen!?

Prachtvoller, warmer Frühling, die Sonne scheint und die Kälte ist leider verlustig. Scharen an Hunden werden nun im Naturschutzgebiet ausgeführt, nicht einer ist angeleint. Wozu auch. Alle harmlos. Ungeachtet der vielen Hinweistafeln, die explizit dazu aufrufen. Nun ja, irgendwoher müssen meine zahlreichen Hundeangriffe schließlich kommen und brütende Vögel zu jagen, macht doch Spaß. Ich gehe davon aus, daß die hiesigen Hundehalter durch die Bank Analphabeten sind. Die Armen. Welche Heldentaten gibt es sonst noch zu vermelden? Spontan muß ich an die Großsportler denken, auch bekannt als Angler, exzessive Naturfreunde. Selbstverständlich muß man den prachtvoll gelegenen Weiher im Wald mit dem Auto ansteuern, gleich noch ein paar nervende Rehe dabei verscheuchen. Wo kommen die bloß her? Rehe im Wald – was für eine Welt! Stilecht muß das Vehikel am Ufer parken, idealerweise das Vorderrad im Wasser und gar noch vom Fahrersitz aus die Angel routiniert werfen. Sodann geht es den Wasserbewohnern an den Kragen. Wurde hernach das Gemetzel ordnungsgemäß beendet, wird gleich der Müll entsorgt und Dosen etc. p. p. säumen das Ufer. Angler. Im Geiste vereint mit den Wasser“sportlern“, die ihren Abfall direkt von ihren Booten dem See übergeben. Ach wie praktisch. Was sind wir doch für sportliche Naturfreunde!

Nur wenige exponierte Beispiele aus den vergangenen Tagen habe ich aufgezählt, die Reihe läßt sich leider, leider fortsetzen. Der sonnige Frühling obsiegt erst wenige Tage und schon fallen die Vandalen, Marodeure, Umweltverbrecher, geistig beschränkte Menschen, rücksichtslose Ignoranten und sonstige niedere Kreaturen der menschlichen Spezies in mein Laufareal ein, in die Wohnstube und Lebenswelt der tierischen Bewohner, in ihre kostbare Heimat und vermüllen, stören und zerstören sie, wo sie nur können. Nachdenkliches Agieren? Fehlanzeige. Rücksicht? Nicht existent. Respekt? Vor was? Vor wem? Umweltbewußtsein? Nicht in dieser Gesellschaft. Mein Denken ist aber auch wahrhaft skandalös. Ein Jammer, ein wahrer Jammer. Auch aus diesem Grund harre ich der frostigen Jahreszeit mit Sehnsucht. Der Winter, mein – nein, unser Verbündeter. Oh Frühling, wie schön könntest du sein!

Den Weg gehen – XII. 2013. Zwölf Jahre. Höhere Ebene. & Den Weg gehen – I. 2013. Zwölf Jahre, ein Monat. Routinierte Freude.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 18. April 2013 von Täglichläufer

Wohlan, die Zeit und das Leben im Zeichen des gelebten Täglichlaufens sind bereit für den obligatorischen Monatsrückblick, welcher heute in zweifacher Ausführung erscheint. Die liebliche Winterwelt mit ihren frostig eleganten Schneekleidern hat sich indessen leider klammheimlich von dannen geschlichen, temporär verflüchtigt und so bleibt mir nur wehmütig hinterher zu spähen, doch müssen nicht allzu viele Tage vergehen, bevor wir uns wieder herzlich in die Arme schließen werden; ich harre sehnsüchtig unseres Wiedersehens. Entsprechend waren die Läufe bis zu dem 18.03. – und lange darüber hinaus – der belebenden Kälte geschuldet, die an konsequenter Permanenz ihresgleichen suchte, wenngleich sie dem Winter 2009/2010 in diesem statistischen Fokus mitnichten übertrumpfen konnte. In gemeinsamer Zusammenfassung alternierten die Temperaturen von -10 °C bis 22 °C. Selbst die Gnade von zwei Regenläufen wurde mir in diesem Zeitraum zuteil.

Viele, nein, sehr viele interessante Augenblicke habe ich in jenem Abschnitt erlebt respektive erleben müssen, aber nur ein Datum ist von wahrhaft bedeutender Gewichtung für mich – natürlich der 18.03.2013, das versteht sich von selbst. Nur wenige Tage zuvor wäre meine Intention des Täglichlaufens um ein Hauch zum Erliegen gekommen; zwei Fastunfälle zeichneten dafür kausal verantwortlich. Wäre ich in einem dieser Momente nur eine Sekunde schneller gelaufen, so hätte sich mein endlicher Stil in das große, weite Nichts aufgelöst und mein Täglichlaufen wäre für immer und immer begraben gewesen und ich selbst möglicherweise auch. Offensichtlich war mir das nicht greifbare Glück hold und demungeachtet setze ich meinen Weg der inneren Zufriedenheit fort. Die nächsten Fährlichkeiten werden nicht auf sich warten lassen.

Und so manifestierte sich das wertvolle Jubiläum von 12 Jahren Täglichlaufen in Serie für mich. Was für ein Tag, Freude und viel, viel bedeutsamer, was für ein Gefühl!!! geht mit diesem großartigen Geschenk einher. Diesbezüglich habe ich mich mehr als genug in allen Einzelheiten ausgelassen, doch in der erinnernden Rückbetrachtung gelange ich nur zu einer wahren Erkenntnis – ohne meinen Weg auch nur im Ansatz negieren zu wollen – welche ganz banal lautet, warum wurde ich nicht früher zum Täglichläufer? Wäre mir einst das Wissen von heute zueigen gewesen, ich hätte Jahre vorher damit begonnen. Allein, wahrscheinlich hätte jener hypothetische Pfad unter bewußter Konzentration nie diese Ausmaße, Entwicklung angenommen. Manche Kraft kann erst dann wachsen und gedeihen, wenn man nicht weiß, daß sie vorhanden ist – umso mächtiger ist sie schlußendlich. Wie dem auch sei, den Unwägbarkeiten des Lebens kann und will ich per se nicht entfliehen.

2013_April_Fischreiher

Die Anzahl „meiner“ geliebten Schafe hat sich beträchtlich erhöht und selten gelingt es mir, an den süßen Rackern ohne beobachtende Pause vorbeizulaufen. Wie die Vergangenheit mehrfach bewiesen hat, zählen die berühmten Wollfreunde zu ausgewiesenen, höchst kompetenten wie zertifizierten Fluchtexperten und diese ausgefeilten Fähigkeiten besitzen sie bis heute. So wunderte es mich nicht wirklich, als sie erneut ihre heimatliche Weide nahezu geschlossen verließen, um die umgebende Welt kulinarisch zu erobern. Auf Grund meiner skandalösen Intervention konnten sie ihre Freiheit leider nicht lange genießen, was jedoch im Rahmen der Sicherheit unumgänglich war – auch greift hier freilich meine Pflicht und Verantwortung als Ehrenschaf. Mir deucht, dies wird nicht der letzte Ausbruch gewesen sein.

2013_April_Wolli

Das einzigartige Jubiläum von 12 Jahren ist mittlerweile wacker mit hehren Laufschritten in das unendliche Reich der Erinnerungen eingetreten und die geliebte wie gefürchtete Routine obsiegt allenthalben. Sodann trat ein neuerliches Stelldichein mit der lieblichen Gebirgsmaid ein, in der ich als preußischer Täglichläufer von Tradition mit den Höhenmetern in der verschneiten Bergwelt zutiefst haderte und mich ihr schließlich gänzlich hingab. Und nein, ich gebe es immer noch nicht öffentlich zu, um was für einen exorbitanten Spaß es sich dabei handelte. Von den zerstörten Bäumen in meinem Laufareal hingegen werde ich heute nicht reden, nur so viel von meiner Seite: Zorn entfaltet sich, der Rest ist Schweigen.

Die natürliche Lebenswelt vollzieht ihren frühlingshaften, prosperierenden Wandel, wenngleich von Frühling keine Rede sein kann, da die gehaltvollen und langsamen Wechselspiele pure Illusion geworden sind. Aber wer bin ich, dies zu beurteilen? So sei es. Mittlerweile laufe ich seit 12 Jahren und einem Monat ausnahmslos täglich und der Schrecken über die Rasanz des Konstruktes „Zeit“ sitzt tief und verdeutlicht weiterhin, wie fragil und kostbar das vergängliche Leben doch ist. Heute glücklich lebendig und morgen für immerdar schlafend tot. Ein weiterer Monat Täglichlaufen reiht sich auf die elementare Kette meiner gesammelten Laufzeit. So lange ich darf, werde ich es auch zukünftig mit einem täglichen Lauf zu würdigen wissen, handelt es sich doch hierbei um ein rares Geschenk der Einzigartigkeit ohnegleichen. Gelebtes Täglichlaufen. Möge sich diese meine Ballade fortsetzen.

19.02.2013 18 KM – matschiger Schneelauf
20.02.2013 14 KM – Schafe gestreichelt
21.02.2013 15 KM – Gespräch geführt, Baumzerstörungen
22.02.2013 14 KM – starker Wind + Schneefall, herrlich!
23.02.2013 14 KM – Gespräch geführt, Schafnachwuchs gestreichelt
24.02.2013 14 KM – Gespräch, starker Schneefall, Einsamkeit pur
25.02.2013 14 KM – Gespräche geführt
26.02.2013 15 KM
27.02.2013 14 KM – Gespräche geführt
28.02.2013 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt
01.03.2013 15 KM
02.03.2013 15 KM – Gespräch geführt
03.03.2013 14 KM – Gespräch geführt, Sperre errichtet
04.03.2013 16 KM – Gespräch geführt, witziges Schaferlebnis
05.03.2013 14 KM – Gespräch geführt, Fastunfall
06.03.2013 14 KM – Gespräch geführt, Baumzerstörungen
07.03.2013 14 KM – Baumzerstörungen, Raubvogel-Erlebnis
08.03.2013 15 KM – Fastunfall
09.03.2013 14 KM – Sturmlauf, Gespräch geführt
10.03.2013 14 KM – starker, herrlicher Schneefall, Schafe gestreichelt
11.03.2013 14 KM – starker Schneefall, lief sich beschwerlich
12.03.2013 14 KM – Schneelauf, Gespräch geführt
13.03.2013 14 KM – Gespräch geführt
14.03.2013 14 KM – zerstörtes Schwanenei (Damm)
15.03.2013 15 KM – Gespräch geführt
16.03.2013 15 KM – Schafe gestreichelt
17.03.2013 14 KM – Gespräche geführt
18.03.2013 15 KM – 12 Jahre Täglichlaufen
19.03.2013 15 KM – Gespräch geführt
20.03.2013 14 KM – Babyschaf gestreichelt
21.03.2013 14 KM – toter Bussard im Wald
22.03.2013 13 KM
23.03.2013 14 KM – Gespräche, extremer, kalter Sturm (-10 °C)
24.03.2013 14 KM – Erlebnis mit Graugänsen
25.03.2013 16 KM – Gespräch geführt
26.03.2013 14 KM
27.03.2013 14 KM – Gespräch geführt, Pirol beobachtet
28.03.2013 14 KM – Schafe gestreichelt, Gespräch geführt
29.03.2013 14 KM – wunderschöner Schneelauf
30.03.2013 14 KM – Traumlauf im Schnee
31.03.2013 14 KM – Traumlauf im Schnee
01.04.2013 15 KM – prachtvoller Winterlauf im Schnee
02.04.2013 14 KM – Schafnachwuchs, Fasane beobachtet
03.04.2013 14 KM – Gespräch geführt, Schafe gestreichelt
04.04.2013 14 KM – Gespräch geführt
05.04.2013 14 KM – Schafe gestreichelt
06.04.2013 14 KM – Schafe gestreichelt, Gespräch
07.04.2013 14 KM – Gespräch, Pirol beobachtet
08.04.2013 14 KM – Gespräch, Waldschranke geschlossen
09.04.2013 14 KM – Schafausbruch, Besitzer informiert
10.04.2013 14 KM – 3 m an einem Schwarzspecht vorbei
11.04.2013 16 KM – Regenlauf, Schafnachwuchs
12.04.2013 14 KM – Regen- Nebellauf, Klettereinlage
13.04.2013 15 KM – Gespräch geführt
14.04.2013 14 KM – Gespräch geführt
15.04.2013 15 KM – Gespräch geführt
16.04.2013 15 KM
17.04.2013 14 KM – Bedingungen perfekt, aber mentale Unlust
18.04.2013 15 KM – 12 Jahre und 01 Monat Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.04.2013: 1475 KM

Von Bergen, Höhenmetern und Kältewahrnehmung

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Laufberichte. am 4. April 2013 von Täglichläufer

Nach langer, langer hügeliger Abstinenz verschlug es mich vor vielen Sekunden in die märchenhaft verschneiten Berge. Dort begegneten wir uns – nach so langer Zeit – war sie noch da und harrte der Unendlichkeit; die huldvolle Maid der hehren lieblichen Höhenmeter. Und so standen wir uns zaghaft verschämt gegenüber, die hohe Berglieblichkeit und der preußische Täglichläufer, doch dazu später mehr.

2013_Maerz_Berge_a

In nunmehr 12 Jahren Täglichlaufen ist das gesamte mich umgebende Umfeld daran gewöhnt, daß ich grundsätzlich in kurzer Bekleidung laufe – bis zu einer persönlichen Grenze auch bei Minusgraden. Dementsprechend wundert sich hier niemand mehr über diese meine gelebte Form im Zeichen von „Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.“ Freilich darf ich an dieser Stelle die kausal umgekehrte Wahrnehmung nicht leugnen, soll heißen, der Schreck sitzt tief, wenn ich einmal in langer Bekleidung laufe, sodann setzt tiefe Verwunderung, schreckhaftes Rufen und Erstaunen allenthalben ein.

In jener Gebirgswelt jedoch generierte ich das Entsetzen gleichwohl mit meiner kurzen Bekleidung und diese Reaktionen irritierten mich zu Beginn, da ich das selbst nicht mehr gewohnt bin. Die freundlichen Damen an der Hotelrezeption taten ihr Erstaunen kund, „sie wollen doch nicht etwa sooo hinaus???“, „ist das nicht zuuu kalt?“ usw. usf. Nach einigen Tagen lächelten sie nur noch und gaben sich langsam dem standardgemäßen Prozeß der Gewöhnung hin. Ein älterer Herr, weit über 80, wollte mich belehren, daß ich bei -13 °C nicht in dieser Bekleidung laufen könnte. Wenngleich es sich in Wahrheit nur um warme -04 °C handelte, war ich doch ein wenig enttäuscht, denn von dieser Generation erwarte ich keine weichgespülten Kommentare. Wie dem auch sei, so wurde wieder einmal bestätigt, der Mensch sieht nur das, was er sehen will und ist stets ein Opfer des gewohnten Bildes, welches ihn täglich anspricht.

2013_Maerz_Berge_b

Mein Standort war traumhaft gelegen, eine Heimstatt von grenzenlosen Hainen in einer lieblichen Schneewelt, die par excellence zum Laufen einlud. Und so offenbarte sich die holde Maid der Höhenmeter, scheu und schüchtern näherte ich mich ihr; im Geiste sah ich mich auf Händen und Füßen lauthals pustend nach oben gen Gipfel krabbeln und so begann es, im Laufschritt eroberte ich den Berg. Als preußischer Täglichläufer war dies natürlich ungewohnt und ja, ich gestehe es selbstredend ein – auch partiell anstrengend, doch nach einigen Läufen warf ich mich den Steigungen mit einem Lächeln entgegen und registrierte den Spaß, der sich in den Höhenmeter verborgen hat. Öffentlich würde ich das freilich nicht zugeben.

Während meines Täglichlaufens lasse ich gerne den Blick schweifen und beobachte über weite Strecken die Flora und Fauna, was sich dort in dieser Form jedoch nicht realisieren ließ. Die vereisten und mit Schnee ausstaffierten Bergpfade waren 30 Zentimeter breit, flankiert von 20 Zentimeter breiten Schneemauern und darüber hinaus ging es gnadenlos in die gähnende Tiefe; tiefe Schluchten ohne Zugänge – die ein konzentriertes Laufen unabdingbar machten. Dennoch, umso öfter legte ich entsprechende Pausen ein, um die herrliche Landschaft in meiner Erinnerung zu festigen und das atemberaubende Panorama zu genießen. Nicht zuletzt gewannen zahlreiche Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten – wie beispielsweise Kriegerdenkmäler – mein Interesse und verbanden somit Wissen und Laufen auf eine reizvolle Art und Weise. Was für eine grandiose verschneite Bergwelt durfte ich laufend erleben und trotz der Höhenmeter oder gerade deswegen? – vermisse ich sie wahrhaftig. Oh du liebliche Gebirgsmaid, wir werden uns wiedersehen.

12 Jahre – Täglichlaufen – 12 Jahre

Veröffentlicht in Täglichlaufen. 12 Jahre. am 18. März 2013 von Täglichläufer

Wie bei Artikeln dieser kostbaren Gewichtung gewohnt – im Zeichen exponierter Jubiläen – ist selbiger primär an meine Person adressiert und wie zu erwarten, zeichne ich ein positives Gesamtbild meines Täglichlaufens – natürlich. Weiterhin ist es nicht meine Intention andere Menschen vom Täglichlaufen zu überzeugen oder gar auf diesen Weg zu führen – das kann und will ich nicht im Ansatz, wozu auch – jeder muß seinen eigenen Pfad beschreiten und ich würde Täglichlaufen nie empfehlen; tägliche Bewegung hingegen immer. – – –

Tage kommen, gehen. Verblassen im säuselnden Wind. Reiten im wogenden Sturm ungestüm für immerdar von dannen, ziehen wehmütig in die allumfassende Unendlichkeit der Melancholie ein. Wohlan, der Tag ist gekommen – der 18.03.2013 – das Jahresrad hat sich einmal mehr laut knirschend in seiner unbeständigen Manifestation gedreht und eine neue Phase des Täglichlaufens aus der noch nicht geborenen Zukunft für mich offenbart. Ja, hierbei handelt es sich in der Tat um meinen Tag, schließlich laufe ich mit dem heutigen Tag respektive Lauf seit nunmehr 12 Jahren ausnahmslos täglich. Welch ein langer Weg in diesem flüchtigen Weltgesang! Temporär verblaßt in der Erinnerung. Zufriedener Stolz entfaltet sich, partiell im Kontext des latenten Surrealismus, der sich im Hintergrund leise etabliert. Welch eine bedeutende wie unbedeutende Zahl für mich. Der letzte Tag ohne eine Laufeinheit in meinem Leben war der 17.03.2001 – heute ist allein die geistige Vorstellung eines Ruhetages schier unfaßlich wie absurd. Wo sind die wertvollen Jahre nur geblieben? An der trotzigen Initiation meiner Serie kann ich mich derart greifbar erinnern, als ob jener Moment jählings in dieser Sekunde in mein Leben getreten wäre. Und doch liegt er ganze Welten verborgen in der Vergangenheit. „Ab sofort laufe ich täglich, das geht eh nicht lange gut. Vielleicht eine Woche, maximal zwei!“ – so oder so ähnlich sprach ich einst in einer ungehaltenen Stimmung der unzufriedenen Sehnsucht hinsichtlich meiner aufkeimenden Laufliebe.

Nun, aus den anfänglich gedachten zwei Wochen wurden bis heute 12 Jahre und noch immer währt der Stil. Was für ein kolossaler Irrtum! Was für eine subjektiv exorbitante Fehleinschätzung! Das hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können. Oh Leben, auf welchen ungewöhnlichen Weg hast du mich geschickt, auf welche mysteriöse Reise? Oh Leben, was bist du doch für ein Leben – aber ja, du hast Recht. Ich habe es tatsächlich erreicht, dieses irreal anmutende Jubiläum von 12 Jahren Täglichlaufen in Serie. – Gelebtes Täglichlaufen – ZWÖLF JAHRE – 18.03.2001-18.03.2013. Mein Weg in die Zufriedenheit. – Erneut habe ich für mich die nächst höhere Ebene der Natürlichkeit erklommen – auf diesem Weg, der aus dem unendlichen Nichts kommt und in das endliche Nichts führen wird. Ein neuerliches Jahr habe ich im Zeichen des widersprüchlichen Täglichlaufens generiert wie konsolidiert und ja, ich freue mich unbändig darüber. Bei all der erkennbaren und gleichzeitig unbewußten Fragilität im Dasein ist es für mich umso bemerkenswerter, daß ich mich immer noch meinem Täglichlaufen hingeben darf, seit nunmehr 12 Jahren – in der Tat ein essentieller Bestandteil in meinem Leben. Geistig erspähe ich die imaginären Alter Ego, die alle gleichzeitig mit mir laufen und die täglichen Läufe der vergangenen Jahre symbolisieren – ein beachtliches, schwarzes Heer – deucht es mir.

18.03.2013

Lauf für Lauf, Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr gehe ich diesen ungewollten und ungeplanten Pfad der inneren Zufriedenheit nun, wenngleich sich die Reise entwickeln mußte, wachsen; die viel zitierte Zufriedenheit obsiegte nicht von Beginn an, nein, wie könnte sie auch? Mein „Gelebtes Täglichlaufen“ ist wie das Leben selbst ein gewachsenes Konstrukt, das von mannigfaltigen Einflüssen tangiert wurde und wird – in welchem kausalen Rahmen der unberechenbaren Bedingungen auch immer. Das nebulöse Dasein selbst goutierte diesen meinen Weg des Täglichlaufens bis dato genauso lächelnd wie es ihn durchaus nicht selten konterkarierte. Freilich dominierte und lebt bis heute der erst genannte Part, denn sonst gäbe es keine 12 Jahre Täglichlaufen – dies versteht sich von selbst.

Gleichwohl muß ich an dieser Stelle eingestehen, daß diese meine Reise im geliebten, gelebten Täglichlaufen zum Jahresauftakt 2013 nahezu zum endgültigen Erliegen gekommen wäre. Eine gesundheitliche Lektion in Demut brachte dieses filigrane, fragile Konstrukt, welches nur diffizil zu interpretieren ist – fast zu einem ungewollten Schlußpunkt. Nun, der heutige Jubiläumslauf impliziert indessen die gelebte Fortsetzung, demungeachtet wurde die stete Routine wieder einmal par excellence kalt lächelnd mit einem erbarmungslosen Schwerthieb durchtrennt. Die gewohnte Routine birgt stets ihre Gefahren in sich. Zwar wird die stabile Konstitution in der Majorität positiv berührt, doch in raren Augenblicken löst sich das hehre Gebilde des Einklangs und der Harmonie auf. Als ob dies der Fährlichkeiten nicht genug sei, setzte sich das Trauerspiel der Fastunfälle fort. In einer diesbezüglichen Situation entkam ich dem rücksichtslosen Schrecken nur mit einem zeitlichen Hauch. Mit manchen Dingen im Leben rechnet man einfach nicht und selbiges hängt oft an banalen Fäden. Explizit diese unangenehmen Begebenheiten definieren doch schlußendlich den Wert meines Stils, welches ich wiederholt betone. Wie könnte man auch die Aussicht des bezwungenen Gipfels genießen – ohne vorher das tiefe Tal zu durchschreiten? Wahrer Stolz muß sich erkämpft werden, wenngleich das ein wenig pathetisch anmutet.

Auch die negativen Aspekte sind essentiell wie elementar und zeichnen letztlich verantwortlich für die adäquate Wertschätzung. So sei es. Gesundheitliche Herausforderungen kommen. Und gehen. Doch eines Tages werden sie für das wirkliche Ende meiner Konzeption sorgen; allein, alle anderen Optionen werde ich nicht akzeptieren. Vor vielen Jahren gewann ich die Erkenntnis, daß ich nur der Gesundheit Rechnung tragen werde, wobei meine Philosophie per se mit der Gesundheit steht und fällt und dieses Denken generierte einst den Beginn. Gesundheit – nichts ist wichtiger. Ungeachtet all der unzulänglichen Momente der Schwäche und der daraus resultierenden Widrigkeiten konstatiere ich, daß ich diese Konzentration in ein gewisses Gleichgewicht, eine Art Einklang kanalisieren konnte – die vergangenen 12 Jahre geben mir dementsprechend recht. Ob mir das auch zukünftig gelingen wird, wird die Zeit zeigen.

Aus aktuellem Anlaß noch einige Worte zum Thema „Leistung“. Viele Gesprächspartner in der letzten Zeit sprachen von der unglaublichen Leistung, die hinter meinem Tun steht, die ich selbstverständlich nach wie vor negiere. Bei dieser Natürlichkeit handelt es sich mitnichten um eine Leistung. Für eine sogenannte Leistung kann und muß man bewußt trainieren, 12 Jahre Täglichlaufen kann ich weder trainieren noch planen. Das ist pure Natürlichkeit, geboren aus sich selbst heraus, aus dem Nichts – vereint mit leidenschaftlicher Naturliebe und immens viel Glück. Diese extern verzerrte Wahrnehmung resultiert aus der Tatsache, daß die oben zitierten Diskutanten selbst nicht Täglichlaufen praktizieren. Wer darf darüber urteilen, ohne selbst diesen Weg gegangen zu sein? Und selbst ich verstehe mein Täglichlaufen glücklicherweise in manchen Momenten nicht. Zudem wirkt derartiges Agieren in unserer heutigen bewegungsfeindlichen Welt grundsätzlich als befremdlich. Dessen bin ich mir bewußt; ich nehme das mit einem Lächeln hin und verzichte wissend auf müßige Diskussionen.

Für heute gilt das natürlich nicht, ein wenig Selbstreflexion sei mir gestattet, der ich mich bereits während meines nachdenklichen Laufes im stärksten Schneesturm in den verschneiten Winterhainen hingab. Wie lange ich diese Liebe zum Täglichlaufen noch leben darf, ist und bleibt in meinem zentralen Fokus der Aufmerksamkeit, gleichwohl weiß ich dies zweifellos nicht; ich bin geneigt anzunehmen, daß ich das noch ein paar Tage praktizieren darf und hoffe inständig, daß der zukünftige Pfad darüber hinaus führen wird. So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit wie beispielsweise viele Menschen, denen ich im Rahmen meiner täglichen Läufe begleitend verbunden war und die längst nicht mehr auf diesem Planeten weilen; manche Ereignisse ragen leuchtend in diesem grau wabernden Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere mehr und mehr verblassen. Irgendwann wird mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz.

Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen – als die elementare Quelle meiner Selbst, wenn auch nicht jeden einzelnen. Ich möchte nicht einen Tag aus den vergangenen 12 Jahren missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen – das gilt auch für jene, die mich – in welcher Form auch immer – gnadenlos zu Fall brachten. Hier reift der besondere Stolz, solche schmerzenden Episoden überwunden und die in meinem Leben einzigartige und nicht mehr reproduzierbare „Serie“ fortgesetzt zu haben. Und das ist es, worauf es meiner Betrachtung nach wirklich ankommt. Zu dem stehen, was passiert und nicht mehr zu ändern ist und das Schöne und Unangenehme annehmen und nicht negieren. Alles hat zwei Seiten im Leben, nie ist etwas nur positiv.

Genug der sinnierenden Worte. Einmal mehr gilt mein inständiger Dank meinen Eltern und Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, daß das Außergewöhnliche (ist es das denn?) nicht auf glatten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Das wäre auch zu langweilig. Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn konsequent bis zum Ende, wann, wie und wo immer das sein mag und sich gestalten wird – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen – ich selbst schließe mich hierbei nicht aus, was durchaus eine Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge rigoros meinem Täglichlaufen unter. Es ist mir zu teuer geworden, als daß ich anders handeln könnte, nein, anders handeln w i l l. Ihr werdet mein Täglichlaufen nie verstehen, tröstet Euch – ich auch nicht. Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen nerven werde – und mich selbst auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt evident auf der Hand, nein! Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder etwas mehr zu nerven. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe.

Das dreizehnte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit das Lied auch zukünftig mit Hingabe zu singen und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.

Ein Geschenk. An mich selbst. Concordia domi, foris pax.

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. am 28. Februar 2013 von Täglichläufer

Wohlan, in naher Zukunft werde ich mein zwölfjähriges (Serien)-Jubiläum begehen, sofern mir das greifbare Glück hold ist, die Gesundheit stets mitläuft und freilich, das unbeständige Leben selbst muß dieses fragile Vorhaben wohlwollend goutieren. Gleichwohl bemühe ich mich nach Kräften und werde all jene Faktoren, auf die ich einen gewissen Einfluß nehmen kann, darf und werde – in entsprechende Wege kanalisieren. Doch auf eine überaus bewußte Konzentration innerhalb der aktiven Ausübung des Täglichlaufens verzichte ich natürlich.

Schließlich obsiegen hier bedeutendere Impressionen, wie die von mir so präferierte Zufriedenheit, Gesundheit, Einsamkeit, Stille und Besinnung auf das Elementare, das wirklich Wichtige im Dasein – den unbedeutenden Moment des Lebens festzuhalten – all dies in der kongenialen Natur vereint. Dafür lebe ich, dafür laufe ich. Täglich. Und ich gestehe, eine latente Eitelkeit gehört auch dazu; denn „Zwölf Jahre Täglichlaufen“ in Serie absolviert zu haben, macht mich selbstverständlich stolz und der Antisportler in mir freut und staunt nach wie vor ob dieser Machtdemonstration meines Körpers wie Geistes. Ich w i l l dies erreichen. Nicht ein Mensch wird diese meine Intention verstehen, welches selbstredend auch niemand muß. Vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle: Vor kurzem wurde ich gefragt, warum ich mir dies „antue“, ich ersparte mir die unsäglich müßige Diskussion und antwortete nur mit einem Zitat. Und lächelte zufrieden. – Tage kommen, gehen. Stille Einsamkeit entfaltet sich. Ein edler Bussard gleitet in grazilen Kreisen in den Horizont hinein. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Gelebtes Täglichlaufen.

Dreißig Speichen umringen die Nabe.
Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rades.

Aus Ton formt der Töpfer den Topf.
Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfes.

Tür und Fenster höhlen die Wände.
Wo es leer bleibt, liegt der Nutzen des Hauses.

So bringt Seiendes Gewinn,
doch Nicht-Seiendes Nutzen.

(Laotse)

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „ZWÖLF Jahre Täglichlaufen in Serie“

28.02.2013 – 14 KM
01.03.2013 – 15 KM
02.03.2013 – 15 KM
03.03.2013 – 14 KM
04.03.2013 – 16 KM
05.03.2013 – 14 KM
06.03.2013 – 14 KM
07.03.2013 – 14 KM
08.03.2013 – 15 KM
09.03.2013 – 14 KM
10.03.2013 – 14 KM
11.03.2013 – 14 KM
12.03.2013 – 14 KM
13.03.2013 – 14 KM
14.03.2013 – 14 KM
15.03.2013 – 15 KM
16.03.2013 – 15 KM
17.03.2013 – 14 KM
18.03.2013 – 15 KM
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