Den Weg gehen – IV. 2017. Sechzehn Jahre, Vier Monate. Bedeutsame Jubiläen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Vier Monate in Serie. Und wieder wurde ein Monat Lebenszeit nachhaltig in die Vergangenheit überführt – unwiederbringlich und verloren für alle Zeiten. Dieses fragile Konstrukt, welches wir als „Leben“ betiteln, ist doch mehr als erschreckend. Immerhin, die vor kurzem von mir „kritisierte“ Routine hat sich grundlegend verflüchtigt und das tägliche Einerlei im Laufkontext wurde mehrheitlich abwechslungsreich von der Unwägbarkeit des Lebens gestaltet.

In der vergangenen Phase vollzog ich nur zwei Regenläufe – was als sehr, sehr betrüblich zu bewerten ist – und die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 26 °C. Die unsägliche Hitze stellte sich glücklicherweise nicht ein und längere Regenabschnitte sorgten für angenehme Klimabedingungen. An jenen Tagen wirkte sich das entsprechend positiv auf die Heerscharen der Mücken aus, was ich freilich besonders wertschätzte, dann damals war ich wieder für meine Wollfreunde zuständig. In diesem Kontext vollzog ich das erste bedeutsame Jubiläum in jenem Abschnitt, denn am 30.06. absolvierte ich meinen 400. Regenlauf. Eine formidable Zahl, die nicht im Ansatz ihr verborgenes Geheimnis offenbaren kann, welcher intensive Genuß darin eingeschlossen ist. Ohne Worte. Ohne Worte!

Am 19.06. begegnete ich einem grunzenden Wildschwein, welches mich wahrscheinlich nicht gewahrte oder aber, er oder sie tat sehr ignorant, was meine Person angeht. Nur wenige Tage später – am 07.07. – kam es zu einem neuerlichen Kontakt mit den süßen Putzels und ja, die Statistik erläuterte mir schlußendlich, daß es sich um unsere 50. Begegnung handelte – welch ein schönes Jubiläum. Am 22.06. war die Zeit reif für einen weiteren Sturz, der auch recht blutig verlief; aber diese Thematik wird mich wohl für immerdar als Täglichläufer begleiten. Nur einen Tag später durfte ich diverse Sturmschäden in meinem Laufareal „bewundern“, die bis heute die Wege blockieren und bisher nicht geräumt wurden.

Für Familie Schwan unterbrach ich meinen Lauf am 13.07. und beobachtete die Eltern mit ihren fünf Nachwuchsschwänen, von denen vier grau sind und eines ein weißes Gewand trug. Noch immer fällt es mir schwer, mich von solchen herzigen Anblicken zu lösen – es geht eben nichts über die Natur; wo die Natur noch Natur sein darf. Vorgestern bat mich eine Dame um Hilfe, welche ich ihr natürlich gern gewährte, aber auch dies gestaltete sich wieder als Herausforderung, denn die Macht der Mücken war und ist ungebrochen. Ich erhebe das Jahr 2017 als das schlimmste Mückenjahr, was ich je in meinem Leben erlebte. Mein gestriger Lauf wurde von einem Pirolkonzert gekrönt, welches seinesgleichen suchte – angesichts dieser edlen Melodien fragte ich mich einmal mehr, wieso der Lauf nur enden mußte!? Doch nichts währt ewig. – – So setzt es sich also fort – Gelebtes Täglichlaufen. Wie lange noch und wohin, wird das Leben lehren. Vielleicht.

Meine 50. Wildschwein-Begegnung

Posted in 50. Wildschweinkontakt on 10. Juli 2017 by Täglichläufer

Wohlan, möge nun das dritte große Jubiläum in diesem Jahr hier in erhabener Würde einziehen. Nach 16 Jahren Täglichlaufen in Serie und meinem 400. Regenlauf thematisiere ich an dieser Stelle einmal mehr meine lieben Schwarzkittelfreunde. Am 07.07. gegen 08:00 Uhr – nach weiten 150 gelaufenen Metern – raschelte es vernehmlich zu meiner linken Seite; allerdings hinter einem hohen Zaun. In einer Breite von ca. 15 Metern schien sich jeder Strauch und jeder Ast zu bewegen – das große Rascheln wurde also zelebriert; direkt vor mir. Ich erfühlte eine ausgeprägte Unruhe und erspähte doch nichts.

Natürlich unterbrach ich sofort meinen Lauf und tönte hinaus – in das ungestüme Ungewisse. Um wen es sich handelte, dachte ich mir längst und dennoch erhielt ich von meinen Freunden keine Antwort. Nur das intensive Rascheln setzte sich ungehalten fort. So stand ich also und erhob meine Stimme ein wenig und rief: „Halloooo Puuuuutzels!“ – was indessen stante pede kommentiert wurde und zwar mit einem sehr lauten „Quiiiieeeek“ aus unmittelbarer Nähe. Nun war meine Vermutung bestätigt und ich ließ die Schnuffelgrunzer in Ruhe und zog von dannen. Meine Statistik offenbarte mir im Anschluß die bemerkenswerte Zahl: 50. Diese meine 50. Begegnung mit den Wildschweinen basiert auf einem Zeitraum, der am 01.01.2000 seine Initiation feierte. Mir deucht, unser nächstes Treffen liegt in nicht allzu weiter Ferne. Und ich hoffe, daß dieser Kontakt sich durch etwas mehr Distanz auszeichnen wird, denn die Menschen verheißen nie etwas Gutes.

Mehr als nur Routine. & Mein 400. Regenlauf.

Posted in 400. Regenlauf, Täglichlaufen. Laufalltag. on 30. Juni 2017 by Täglichläufer

Nur Routine. In der Tat, nur Routine – welche stets ihre Fährlichkeit beweist, was ich nur vier Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erfahren durfte. Während meines Rückweges sprang mich jählings am Waldrand eine tobende Wanderwurzel an – deren Vorfahren ich bis zu den Erzeltern aufzählen könnte und mir somit sehr vertraut war – und dennoch, und dennoch! Mein Lauf hielt urplötzlich inne, die Raumzeit fror zitternd ein und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken, die ich vor vielen Jahrhunderten in meinem Kampfsport erlernte und ohne Unterlaß üben mußte. Und so fiel ich also nach vorne und absolvierte währenddessen einen dreifachen Vorwärtssalto und landete elegant und extrem entspannt auf den Füßen und lief lächelnd weiter – halt! Nein – tatsächlich, genau so fand es statt, aber leider in einem Paralleluniversum; nicht in dem meinen.

Wenige Wörter zuvor. „…und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken – nur für einen Bruchteil in der Sekunde und ja, diese Erinnerungen an all das Geübte nutzten mir weniger als nichts, denn rasanter als ich denken konnte, vollzog ich die Wendung aus dem Laufschritt bei einer geschätzten Geschwindigkeit von 12/13 Kilometern pro Stunde in den alles andere als elegant aussehenden Bauchklatscher und landete entsprechend unsanft auf unebenen Boden, der mit zahlreichen Wurzeln und Steinen garniert war. Jene von mir neu entwickelte Technik taufe ich auf den Namen: „Nasser Sack“. Partiell lädiert und etwas verärgert über meine Ungeschicklichkeit setzte ich meinen Lauf ungeachtet dessen fort. Der nächste Sturz wird folgen. – –

Themenwechsel. Am 09.12.2013 durfte ich hier verkünden, daß ich meinen 300. Regenlauf vollzogen habe – gerechnet ab dem 01.01.2000. Nun, heute ist es erneut so weit – aus der Zahl 300 wurden mittlerweile 400 Regenläufe. Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen von beachtlichen Starkregen, den ich durchaus bedenklich bewertet habe – den Laufkontext lasse ich für diesen einen Satz außen vor. Heute morgen obsiegte nach wie vor eine gehaltvolle Finsternis, wenngleich der Starkregen sich nicht mehr die Ehre gab. Nichtsdestotrotz waren die Witterungsbedingungen diesem honorigen Jubiläum durchaus angemessen und selbst die Eingangspforte des lieblichen Waldes hatte sich gravierend verändert, denn anstatt des gewohnten Pfades erspähte ich einen kleinen See und in diesem Stil setzte sich mein 400. Regenlauf fort. Schlußendlich lasse ich meine eigenen Worte sprechen…

…und sofort umarmt mich eine Windböe, die mich in eine andere mentale Atmosphäre entführen will, was ihr auch liebkosend gelingt. Vollzogene Verführung.

Gewaltige Flotten von Wolkengaleonen präsentierten sich in einer prächtigen Parade – auf facettenreichen Graunuancen basierend – und demonstrierten der entfernten Erde ein kräftiges Regenkonzert. Eine bis in das kleinste Detail abgestimmte Symphonie, welche stakkatoartig die Regentröpfchen in die winterliche Welt entließen. Einmalig komponiert – eine Ode an das Leben. Bedecktes Land. Leere Weite. Ungestüme Freiheit. Beherrschende Einsamkeit, trotziger Regen und leiser Sturm arbeiteten Hand in Hand und hielten jeden aufmüpfigen Besucher von meiner Welt entfernt, was ich sehr zu schätzen wußte. Die Tiefe des Waldes wirkte durch die konzentrierten Regentröpfchen weitaus finsterer als es sonst die Regel ist. Eine aussichtslose Dunkelheit streckte ihren Arm nach mir aus – ich wehrte mich nicht – sie umarmte mich und zog mich in den schwarzen Wald. Ein sehr nachdenklicher Lauf, durchwoben von Melancholie und Freude – die unterschiedlichsten Gefühle. Begegnungen wie die heutige reißen mich aus der Routine und offenbaren, wie fragil die Endlichkeit doch ist. Ich habe unverschämtes Glück, daß ich schon so lange täglich laufen darf. Wir sollten jeden einzelnen Lauf genießen, wer weiß, was das Leben für uns noch bereithält.

Den Weg gehen – III. 2017. Sechzehn Jahre, Drei Monate. Nur Routine.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Drei Monate in Serie. Das Zeitenrad der Vergänglichkeit hat sich laut knirschend weiter gedreht und mit aller Macht seine gravitätische Wirkung entfaltet – wie stets ohne Rücksicht oder Gnade. So ist die Ordnung der Dinge. Selten verlief ein Monat Täglichlaufen unspektakulärer als der letzte – Tag um Tag und Lauf um Lauf trat ungerührt in die tödliche Vergangenheit ein – ohne Besonderheiten oder tragende Ereignisse – einer banalen, ausgeprägten Routine geschuldet, nur Routine; was ich schlußendlich durchaus als positiv interpretieren darf.

Die Temperaturen alternierten zwischen 10 °C und 25 °C und die gewaltigen Witterungsmächte zierten sich mehrheitlich und boten nur zwei Regenläufe feil, was leider sehr bescheiden und auch betrüblich ist. Auch der partielle Starkregen während des einen Laufes ändert diese meine Einschätzung nicht im Ansatz. Mittlerweile durfte ich mehrere Nachwuchsschwäne erspähen, die zusammen mit ihren Eltern die neue, weite Welt erkunden – angesichts derart herziger Szenen gestaltet sich ein Weiterlaufen meinerseits wiederholt als Herausforderung.

Am 20.05. kam ich einem großen Reh wieder sehr nahe, welches sogleich einen ausweichenden Satz vollzog und nach meinem Anreden verharrte und mich neugierig ansah – das Fluchtverhalten war damit beendet – was nicht für mich galt, denn ich setzte meinen Weg fort, um nicht allzu eminent zum Störenfried zu avancieren. Dieses fast schon zutrauliche Verhalten zahlreicher Rehe erscheint zwar auf den ersten Blick als schön, doch im Kontext der mörderischen Jäger ist das Verhalten nicht angemessen. Am 31.05. wurden meine Wollfreunde geschoren – hier war natürlich eine Zwangspause Pflicht, um die armen Putzels zu trösten und um ein wenig die Heerscharen der Mücken zu vertreiben – die sich natürlich stante pede ein neues Ziel auserkoren – und so mußte ich für meine Trosteinheit einen hohen, juckenden Preis bezahlen. – – Das Zeitenrad wird sich weiter drehen, immer weiter und ich bemühe mich, mein Täglichlaufen auch künftig leben zu dürfen; ob diese Routine weiterhin mitlaufen wird oder eben nicht – wird die Zeit lehren.

Den Weg gehen – II. 2017. Sechzehn Jahre, Zwei Monate. Mehrstimmige Auftaktkonzerte.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zwei Monate in Serie. Also spricht die Zeit und verzehrt einen neuerlichen, den zweiten Monat Täglichlaufen in diesem Jahr für alle und alle Zeiten in dem unwägbaren Dasein der Fragilität und temporären Partizipation der gelebten Bedeutungslosigkeit. So war und ist die Ordnung der Dinge, die sich jeher jedweder Einflußnahme entzieht. In der vergangenen Phase vollzog sich der nachhaltige Wandel in der natürlichen Welt – die frostige Kälteregentin bot ihr letztes Kräftemessen feil und verlor freilich auf allen Linien – indessen die brennende Sonnenfürstin das ihre tat, um den unausweichlichen Wechsel zu beschleunigen. So sei es.

Die Temperaturen boten ein changierendes Spiel zwischen -03 °C und 23 °C an – welches sich in der statistischen Konsequenz in sieben Kälte- und zwei Regenläufe kanalisierte. Da hier in der Region in der sogenannten winterlichen Jahreszeit sich der Winter höchstselbst als verlustig zeigte, ist es aktuell nicht irritierend, daß die Mückenpopulationen die gar nicht kalte Zeit hervorragend überstanden haben und nun entsprechend wirken. Dieses Jahr wird ein Mückenjahr, wie es im Buche steht und ja, ich erlebe es bereits tagtäglich. Ein Anhalten im Wald ist nahezu unmöglich und jener Wahnsinnige, der dies tatsächlich wagt, wird augenblicklich massiv zerstochen. Selbst mit meiner Standardgeschwindigkeit von ungefähr 12/13 Kilometern pro Stunde bin ich davor nicht gefeit. Erwähnte ich hier je, daß dies ideale Bedingungen für Laufanfänger sind?

Am 29.04. erlebte ich meinen 48. Wildscheinkontakt; ich gewahrte die Putzels dieses Mal nicht vorher und erschrak, als eines laut krachend in das Wasser sprang und flüchtete, sodann ein weiteres erst den Rückzug antrat, aber im Anschluß stehen blieb und mich groß ansah – auch ich unterbrach meinen Lauf und so beobachten wir uns beide neugierig. Nachdem ich ein paar beruhigende Worte sprach – so bildete ich mir ein – setzte ich meinen Weg fort. Mögen sie sich von dem Schreck erholt haben. Am 01.05. fand ich den großen Chefschafbock in einer höchst mißlichen Lage vor, aus der er sich nicht selbst befreien konnte; hier gab es kein Zögern oder Zaudern – ich begab mich umgehend zu ihm, um ihm zu helfen, was er auch sofort spürte – allerdings zählt er nicht zu den Geduldigen, was ich in so einer Situation durchaus nachvollziehen kann – doch nach kurzer Zeit gelang es mir, ihn zu retten. So sorgten „meine“ Schafe einmal mehr für eine gewisse Aufregung innerhalb meines Täglichlaufens.

Am 02.05. vernahm ich zum ersten Mal den Kuckuck in diesem Jahr, der seitdem ohne Unterlaß seinen Ruf in den Weltgesang hinaus schmettert und nur einen Tag später vollzog der Pirol sein Auftaktkonzert und auch er gehört seit dieser Zeit zum täglichen musizierenden Ensemble – was ich doch sehr genieße. Eine weitere Künstlergruppe darf ich in diesem Kontext mitnichten außer Acht lassen, denn am 08.05. ertönte – ebenso zum ersten Mal in diesem Jahr – der musikalische Froschreigen, die mit Inbrunst täglich quaken und sich an ihrem Dasein erfreuen. So ist der Frühling nun auch in der Tierwelt mit einem fortpflanzenden Lächeln eingezogen, welches den Sinn des Lebens eindrücklich offenbart. – – Die Zeit vergeht, das Leben folgt zwangsweise und ein weiterer Abschnitt Täglichlaufen wartet vielleicht auf mich – das Leben wird dies zeigen oder eben nicht.

Der Nutzen der Wälder

Posted in Contra Mensch, Pro Natur on 13. Mai 2017 by Täglichläufer

Angesichts der Tatsache, daß ich täglich durch Wälder laufe, denen man allenthalben den Krieg erklärt hat und somit in der unausweichlichen Konsequenz ich jeden Tag die voranschreitende Ausrottung derselben beobachten darf – leider, leider – und weiterhin ich das subjektive Empfinden habe, daß die Witterungsverhältnisse sich in den vergangenen Jahren immer extremer in negative Richtungen entwickeln, erachte ich nachfolgenden Beitrag aus dem Jahr 1880 für durchaus bemerkenswert.

Bereits im November 1880 wurde dieses Thema aufgegriffen und allein die Einleitung paßt perfekt in unsere heutige Zeit: „Es ist leider Thatsache, daß die Ausrottung der Wälder und daß man den Werth der Waldungen ganz und gar unterschätzt.“ Wohl wahr, schießlich lebe ich in einer der baumfeindlichsten Städte, die man sich nur vorstellen kann. Damals wurde konstatiert: „Der Umstand, daß Wolkenbrüche, Ueberfluthungen und abnorme Temperaturverhältnisse während der letzten Jahre im Vergleich zu früheren Jahren unverhältnißmäßig häufig auftreten, regt das Interesse an der Erforschung der Gründe für diese eigenthümlichen meteorologischen Ereignisse mächtig an.“

Nicht nur in Nordamerika, so führte Prof. Göppert in Breslau aus, gehe man mit aller Gewalt darauf aus, die Waldungen zu vernichten, sondern auch in Europa, und in unserem eigenen Vaterlande verschwinden die Waldungen von Jahr zu Jahr immer mehr.”

Nun, 137 Jahre später hat sich scheinbar nicht viel verändert. Die menschliche Spezies ist geistig zu beschränkt, um nachhaltig zu begreifen, daß man m i t der Natur leben muß; es kann und darf nicht unser Ziel sein, das Habitat Erde in Vollendung zu vernichten. Es ist wahrlich betrüblich zu sehen, jeden Tag erneut, wie diese unterentwickelte Rasse sich in eine derart dominante Position hinauf schwingen konnte und in ihrem Wahn ohnegleichen wütet. Mit welchem Recht? Und wer muß darunter leiden? Die arme Tier- und Pflanzenwelt, die wir zu einem großen Teil nicht einmal kennen. Ein trauriges Endlosthema. Und so laufe ich weiter täglich, hinein in nutzlose Wälder, die folgerichtig abgeholzt werden – in schönster Brutzeit der Vogelwelt; hinweg über Müllberge, die naturfreundliche Spaziergänger und sogenannte Wassersportler direkt vor Ort entsorgen oder hinter lärmenden Quads hinterdrein, die Graugänse und andere arme Tiere hinterher jagen. Ach ja, Menschen, wie primitiv. Für mich die dümmste Spezies, die je auf der Erde existiert hat – gleichzeitig die gefährlichste, was in der Natur der Sache liegt.

Den Weg gehen – I. 2017. Sechzehn Jahre, Ein Monat. Tierfreunde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Ein Monat in Serie. Unbarmherzig verrinnt die Lebenszeit, fließt ungehalten in das weite Meer der Unendlichkeit, um sich mit dem triumphierenden Nichts für alle Zeiten immerdar zu vereinigen. Ein immerwährender Kreislauf – ohne Anfang und Ende – der das elementare Sein bestimmt und durch nichts beeinflußt werden kann. So ist mein besonders wertgeschätztes Jubiläum in diesem Jahr nur noch eine nebulöse Erinnerung ohne Bedeutung; ein weiterer Monat nimmt temporär seinen Sitz ein, wohl wissend, daß auch seine Regentschaft nur eine Momentaufnahme sein wird. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -03 C° und 10 °C und generierten in der unausweichlichen Folge 18 Kälte- und neun Regenläufe. Die wichtigste Aufgabe in den letzten beiden Monatsabschnitten war freilich meine kulinarische Verantwortung für meine Wollfreunde, die ich tagtäglich mit meinem Täglichlaufen verband – den Höhepunkt sollte ich ausgerechnet am 18.03. erleben, denn an jenem denkwürdigen Tage hat meine besondere Schaffreundin Zwillinge geboren, die sich prächtig entwickelt haben. Am 20.02. durfte ich meiner Statistik einen weiteren Fastunfall hinzufügen und auch später erlebte ich eine ähnliche Situation; ob ich je den Tag erleben werde, an dem nur diejenigen Fahranfänger den Führerschein erhalten, die auch lesen können?

Am 03.03. habe ich leider einen Fasan aufgeschreckt, der sich im Unterholz versteckte und während er flüchtete, von fünf Krähen attackiert wurde – erst als ich in die Hände klatschte, ließen sie von ihm ab und verschwanden. So bringt man als friedlicher Täglichläufer andere Lebewesen in Todesgefahr – wer hätte das gedacht? Anfang Februar durfte ich seit längerem wieder einen Schwarzspecht beobachten, der später seinen Aufenthaltsort durch seinen charakteristischen Pfeifton verriet. Am 15.03. gelang es mir, ein Wildschwein zu beobachten, die Fortsetzungen erfolgten am 02. und 10.04. mit dem Erspähen ganzer Rotten mit ihren Frischlingen – mittlerweile vermeldet meine Statistik: 47 Wildschweinkontakte.

Nur ganz selten war es mir bisher möglich, Hasen zu erspähen und so genoß ich unsere Begegnung am 05.04. in eindrücklicher Form; zumal er nach meinem Anreden sein Hoppeln unterbrach und mich herzig ansah – ich folgte ihm nicht weiter und änderte meinen Weg. Drei Tage später erlebte ich ähnliches mit einem großen Reh, welches mich in einer nahen Distanz duldete und gar nicht auf die Idee kam, sich zu entfernen. Ich passierte das wundervolle Putzelchen in einer Entfernung von vielleicht drei Metern und es drehte sich nur um und beobachtete mich – jene Momente definieren für mich einen nicht unerheblichen Teil meines Täglichlaufens. Am 12.04. unterbrach ich meinen Lauf, um den Golden Retriever „Theo“ kennenzulernen, der über unser Treffen höchst erfreut war und mich mit seinen treuen Augen sofort gefangen nahm – was für ein wunderschöner Hund! Mittlerweile dominiert der Frühling das Geschehen, wenngleich die Temperaturen noch ihr eigenes Spiel leben wollen. Gestern erspähte ich den ersten Graugansnachwuchs und weiterhin bot die kunstvolle Nachtigall ihre einzigartige Kunst feil und brillierte mit einem formidablen Konzert als Frühlingsauftakt. So verrinnt er also, der Fluß des Lebens und wenngleich ich versuche, den einen oder anderen Augenblick mit meinem Täglichlaufen wenn schon nicht festzuhalten, doch zu verlangsamen, so bleibt es stets bei einem Versuch, der das Scheitern in sich birgt. Dennoch, der nächste Lauf folgt. Morgen.