Ein Geschenk. Concordia domi, foris pax. An mich selbst.

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 1. März 2015 by Täglichläufer

Alles hat seine Zeit. In naher Zukunft werde ich mein vierzehnjähriges (Serien)-Jubiläum im geliebten Täglichlaufen begehen, sofern mir das greifbare Glück hold ist, die unwägbare Gesundheit stets mitläuft und freilich, das unbeständige Leben selbst muß dieses fragile Vorhaben wohlwollend goutieren. Gleichwohl bemühe ich mich nach Kräften und werde all jene Faktoren, auf die ich einen gewissen Einfluß nehmen kann und darf – in entsprechende Wege kanalisieren. Doch auf eine überaus bewußte wie törichte Konzentration innerhalb der aktiven Ausübung des Täglichlaufens verzichte ich natürlich.

Schließlich obsiegen hier bedeutendere Impressionen, wie die von mir so präferierte Zufriedenheit, Gesundheit, Einsamkeit, Stille und Besinnung auf das Elementare, das wirklich Wichtige im Dasein – den scheinbar unbedeutenden Moment des Lebens festzuhalten und wertzuschätzen – all dies in der kongenialen Natur vereint. Dafür lebe ich, dafür laufe ich. Täglich. Und ich gestehe, eine latente Eitelkeit gehört auch dazu, muß dazu gehören; denn „Vierzehn Jahre Täglichlaufen“ in Serie absolviert zu haben, macht mich selbstverständlich stolz und der Antisportler in mir freut und staunt nach wie vor ob dieser einzigartigen Machtdemonstration meines Körpers wie Geistes. Zudem kann ich die Zahl „13“ langsam nicht mehr sehen. Ich w i l l diese Ebene erreichen und erhebe sie zum unmittelbaren Ziel, aller gewohnten und an den Tag gelegten Ziellosigkeit zum Trotz – alles andere wäre gelogen.

Immer heller, tiefer und strahlender weist mich der Pfad des Täglichlaufens hinein in den immer intensiveren Jubiläumsschimmer und ich folge dieser Reise, in deren Verlauf am 18.03. das Geschenk an mich selbst warten wird. Hierbei handelt es sich um ein unfaßbares Geschenk, welches sich mit allem Geld der Welt nicht kaufen läßt; man kann es nirgendwo erwerben – diese Kostbarkeit generiert sich nur aus mich selbst heraus. Tage kommen, gehen. Verblassen, verwehen. Vernehmliche Stille. Einsamkeit entfaltet sich. Ein edler und stolzer Bussard gleitet in grazilen Kreisen in den goldenen Horizont hinein. Finsterwolken. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt. Gelebtes Täglichlaufen.

Dreißig Speichen umringen die Nabe.
Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rades.

Aus Ton formt der Töpfer den Topf.
Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfes.

Tür und Fenster höhlen die Wände.
Wo es leer bleibt, liegt der Nutzen des Hauses.

So bringt Seiendes Gewinn,
doch Nicht-Seiendes Nutzen.

(Laotse)

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „VIERZEHN Jahre Täglichlaufen in Serie“

01.03.2015 – 14 KM
02.03.2015 – 14 KM

03.03.2015 – KM
04.03.2015 – KM
05.03.2015 – KM
06.03.2015 – KM
07.03.2015 – KM
08.03.2015 – KM
09.03.2015 – KM
10.03.2015 – KM
11.03.2015 – KM
12.03.2015 – KM
13.03.2015 – KM
14.03.2015 – KM
15.03.2015 – KM
16.03.2015 – KM
17.03.2015 – KM
18.03.2015 – KM
V I E R Z E H N – J A H R E – T Ä G L I C H L A U F E N

Den Weg gehen – XI. 2015. Dreizehn Jahre, elf Monate. Wollige Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und elf Monate in Serie. Wieder wurde ein Monat kostbares Täglichlaufen, geboren in dem endlichen Kontinuum meiner Lebenszeit von der omnipotenten Meisterin der Vergänglichkeit kalt lächelnd absorbiert. Erschreckend. In nur einem Monat besteht die einzigartige Option für mich, das elementarste Jubiläum in diesem Jahr zu vollziehen. Alles ist möglich, doch in diesem Moment darf ich mich nur der leisen Hoffnung hingeben. Noch ist der scheinbare Glanz eine Illusion, so daß ich mich wie gewohnt nur auf den jeweils heutigen Lauf konzentrieren werde – wie in all den gelebten Jahren zuvor. Törichte Gedankenspiele – die Zukunft betreffend – sind noch stets Makulatur gewesen. Das von mir praktizierte Gelebte Täglichlaufen hat sich immerdar auf den heutigen Lauf fokussiert und jene Intention ist eine tragende Grundvoraussetzung, diese Philosophie auch nachhaltig zu leben und in der Konsequenz neige ich nicht im Ansatz dazu, auch nur ein Hauch meines Denkens diesbezüglich zu modifizieren – in welche Richtung auch immer.

Wohlan, der letzte Monatsabschnitt war eine höchst wollige Zeit, die ich bereits ausführlich besprochen habe. Hier sei nur abschließend erwähnt, daß insbesondere der erste Lauf nach meiner Amtsaufgabe – ein absolut schrecklicher war. Meine Wollies begrüßten mich wie immer aus weiter Ferne in voller Vorfreude auf ihr Frühstück und ich durfte sie doch nicht kulinarisch versorgen. Was für eine Enttäuschung! Was für ein Unmut! Was für ein Theater! Was für ein Geschrei! Welche Traurigkeit!!! Kurzum, mir selbst brach es fast das Herz. Mittlerweile haben sie sich ein wenig an den aktuellen Sachverhalt gewöhnt, doch nach wie vor ist die Aufregung groß, wenn sie mich im Morgengrauen begrüßen. Weiterhin wurden drei weitere Nachwuchswollies geboren, die unbeschreiblich goldig sind. Lange Rede, kurzer Sinn – ich liebe „meine“ Schafe von Herzen.

In dem neuerlichen von mir vollzogenen Abschnitt alternierten die Temperaturen zwischen -06 °C und 04 °C; dementsprechend lächelte mich in der Majorität die Kälteregentin an und bot mir 30 Kälteläufe feil. Auch zwei Regenläufe luden mich in zutiefst mitreißender Art und Weise ein, welcher ich freilich stante pede nachkam. In dem Kontext der Witterungsbedingungen darf in der Rückbetrachtung ein essentielles Ereignis nicht unerwähnt bleiben, denn mein 1000. Kältelauf war und ist ein wahrhaft einzigartiges Erlebnis für mich gewesen, welches mein Täglichlaufen auf eine exponierte Art und Weise veredelt, die mich zutiefst stolz zurückblicken läßt. Mein lieber Frostgesang, mögest du auch in Zukunft mich an deiner Gnade partizipieren lassen.

Sodann erlebte ich den zweiten Fastunfall in diesem Jahr und trotz erhobener Stimme und damit einhergehender Gestik konnte ich keine Reaktion von der Dame registrieren. Ein Endlosspiel. Um so schöner gestalteten sich einerseits der Überflug zweier edler Schwäne unmittelbar vor mir und andererseits die lauthals trötenden Kraniche, die sich gar nicht an meiner Präsenz störten. Am 15.02. durfte ich ein neugeborenes – vollkommen schwarzes – Schafbaby auf dem Arm halten und jener Moment wurde natürlich zu einem unvergleichlichen Augenblick in diesem Weltgesang. Indessen der wundervollste Lauf am 31.01. stattfand; hierbei handelte es sich um einen traumhaften Schneelauf in der prächtigen Sonne, der unbeschreiblich genußvoll war; ich war versucht, ein Laufbericht zu verfassen, aber mir ist meine sprachliche Unvollkommenheit bewußt und so verwarf ich jenen Gedanken. Es gibt Momente, die sieht man nur mit dem Herzen – mit schnöden Worten sind sie nicht festzuhalten.

Gestern begegnete mir wiederholt eine Kinderhorde, die lärmend krakeelten, wild umher rannten, jedwede Waldbewohner verscheuchten und kilometerweit einen Krach veranstalteten, der keine Entsprechung fand. An diesem Beispiel läßt sich vorbildhaft erkennen, daß man Naturfeinde und spätere Umweltzerstörer bereits in jungen Jahren ausbilden muß; es ist wichtig, dies möglichst frühzeitig zu beginnen; aber wie ich schon oft erfahren mußte, sind die Pädagogen in dieser Hinsicht exzellent vorbereitet und werden bei dieser gewichtigen Kompetenz nachhaltige Erfolge erzielen. – – So endet eine neuerliche Strophe in der Ballade von meinem geliebten Täglichlaufen und mit ein wenig Glück wird die nächste Rückschau ausfallen und stattdessen ein exponiertes Jubiläum gefeiert werden. Alles ist möglich.

19.01.2015 14 KM – Gespräch geführt
20.01.2015 14 KM – Gespräch geführt, Sperre vorgezogen
21.01.2015 14 KM – „Bockie“ nahm mich auf die Hörner
22.01.2015 14 KM – 02. Fastunfall 2015
23.01.2015 14 KM – Gespräche geführt
24.01.2015 13 KM – Schranke geschlossen, Gespräch
25.01.2015 08 KM – Gespräche, neues Schafbaby
26.01.2015 14 KM – Schranke geschlossen
27.01.2015 14 KM – Gespräch, herrliches Schwanerlebnis
28.01.2015 14 KM – sehr nahe an Kranichen vorbeigelaufen
29.01.2015 14 KM – 1000. Kältelauf
30.01.2015 14 KM – Schneeregen, Gespräche, Rehbegegnung
31.01.2015 14 KM – Traumlauf. Ohne Worte.
01.02.2015 14 KM – herrlicher Kältelauf
02.02.2015 14 KM – Schafbaby auf dem Arm gehabt
03.02.2015 14 KM – Gespräch geführt, Schranke geschlossen
04.02.2015 14 KM – Gespräch geführt
05.02.2015 14 KM – Lauf in einer weißen Welt
06.02.2015 12 KM – kuriose Begegnung
07.02.2015 14 KM – Schranke geschlossen
08.02.2015 14 KM – einer meiner schrecklichsten Läufe überhaupt
09.02.2015 14 KM – Regenlauf, Gespräch geführt
10.02.2015 14 KM – Gespräch geführt
11.02.2015 14 KM – Schranke geschlossen, Streichellauf
12.02.2015 14 KM – Gespräch geführt, neues Schafbaby geboren
13.02.2015 13 KM – Schranke geschlossen, Bussarderlebnis
14.02.2015 14 KM – neues Wollbaby geboren, Gespräch
15.02.2015 14 KM – Gespräche, Schafbaby auf dem Arm gehalten
16.02.2015 14 KM – kalter, lustloser Sturmlauf
17.02.2015 14 KM – Kinderhorde lärmte durch den Wald
18.02.2015 10 KM – 13 Jahre und 11 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.02.2015: 670 KM

Wollige Zeiten

Posted in Meine Schafe on 6. Februar 2015 by Täglichläufer

In meiner letzten Rückschau habe ich es bereits thematisiert, nun erringt meine heute abgeschlossene Tätigkeit als amtlich bestallter Futterlehrling ihre zusammenfassende Würdigung in Form eines eigenen Beitrages. So sei es. Seit Januar war ich zuständig für die tägliche Fütterung meiner geliebten Wollfreunde. Freilich kennen mich die lieben Wollmäuse schon seit vielen, vielen Jahren – doch für ihr kulinarisches Wohl war ich bis dato nie in Vollkommenheit verantwortlich. Um den obligaten Anpassungsprozeß zu erleichtern, konstatiere ich nicht wirklich ernsthaft, daß ich in der ersten Zeit in einem weißen Shirt lief – so ging ich optisch ohne Probleme als Schaf durch, allerdings als schwarzes – bedingt durch meine eigene dunkle Wolle auf dem Kopf. Wenngleich ich fürchte, von wahrer Anpassung konnte keine Rede sein, Hauptsache, es gibt Köstlichkeiten zu verspeisen.

Und so verging Tag für Tag in absoluter Eintracht und gewissenhafter Regelmäßigkeit. Jeden Morgen erschien ich aus dem Wald und nach nur wenigen Tagen begrüßten sie mich bereits aus großer Entfernung mit einem wunderbaren Konzert in allen nur erdenklichen mäh-chtigen Tonlagen und stimmlichen Nuancen, die ihresgleichen suchten. Oh ja, es war eine große Freude, diese von Herzen kommende Begeisterung alltäglich erleben zu dürfen. Ein erwachsenes Wollie sprang sogar fast 60 cm aus dem Stand hoch – von den Kleinen bin ich das gewöhnt, aber nicht von den Großen. Nach und nach zogen weitere Wollies auf ihre heimatliche Weide ein – insgesamt wurden bisher vier Nachwuchsschafe geboren und ja, sie sind an berauschender Süße nicht zu überbieten. Interessant war für mich auch, daß ich ein Neugeborenes streicheln durfte – die stolze Schafmama tolerierte das – indessen sie ihre wolligen Verwandten aber wegknuffte. Was war das für ein großartiger Moment, als ich ein Babywollie auf dem Arm hielt und es mit seinem zarten Stimmchen nach seiner Mama rief. Die Kleinen springen, rasen, tanzen und jagen mit tief ausgeprägter Lebensfreude nur so dahin. Ich selbst kann mich von diesem Schauspiel nur sehr schwer lösen.

Wollies_2015

Umgekehrt gilt das freilich auch, denn die wollige Damenwelt konnte sich ebenso nur schwer von mir lösen und in der herzigen Konsequenz wurde ich stets von ihnen umringt. Zugegeben, einmal wählte ich einen etwas ungünstigen Standort und salopp gesprochen, könnte man durchaus formulieren –„Was stehe ER Lausewenzel störend im Wege?“. Und das bei der Futterausgabe! – folglich beschloß ein junger Bock mich ein wenig auf die Hörner zu nehmen und delegierte mich höchst charmant zur Seite – zum Glück (noch) in schmerzfreier Weise. Aber ich sah mich stets als Lehrling in dieser verantwortungsvollen Aufgabe, nicht als Meister und jene Erfahrungen gehören nun einmal unweigerlich dazu. Zudem bildete diese Begebenheit eine absolute Ausnahme; sonst herrschte immer Harmonie zwischen uns. Doch nichts währt für immerdar, so endet auch meine Zeit als Futterlehrling. Die nahe Zukunft wird eine harte Herausforderung für mich werden, denn ich werde weiterhin meine wolligen Knuffels im Morgengrauen passieren, darf sie aber nicht mehr kulinarisch versorgen – wovon sie natürlich nichts wissen und enttäuscht voller Unmut jammern werden. Ergo müssen sie sich wieder einem neuerlichen Rhythmus unterwerfen und ich mich selbst auch, aber das ist das Leben. Für mich war es abschließend betrachtet, eine wunderbare Zeit. Und ich bin geneigt anzunehmen, umgekehrt denken sie ähnlich. Was waren das für wollige Zeiten!

Geliebter Frostgesang – mein 1000. Kältelauf

Posted in 1000. Kältelauf, Elementares, Täglichlaufen. Status. on 29. Januar 2015 by Täglichläufer

Wohlan, die Zeit ist reif für ein exponiertes Jubiläum sondergleichen, welches heute zum ersten und auch einzigen Mal in Erscheinung treten darf. Hierbei handelt es sich mitnichten um eine scheinbar banale Würdigung im Kontext Täglichlaufen; kein Jubiläum, welches mit gewohnt schnöden fünf, acht oder zehn Jahren Täglichlaufen realisiert werden kann, nein, heute begehe ich ein elementares Ereignis ohne jedwede Entsprechung – eine wahrhaft seltene statistische Begebenheit, die nur mit immens viel Geduld zu generieren ist, doch freilich in meinem geliebten, gelebten Täglichlaufenkontinuum geboren wurde. Heute morgen vollzog ich meinen 1000. Kältelauf – bezogen auf einen Zeitraum, der am 01.01.2000 seine Initiation feierte. Mit anderen Worten, vom 01.01.2000 bis heute absolvierte ich 1000 Läufe, die alle dem unerbittlichen Reich der hehren Kälteregentin geschuldet sind. Was für eine bedeutende Zahl – 1000 Läufe in meinem geliebten Frostgesang.

Es ist kein Geheimnis, wenn ich hier einmal mehr die Lieblichkeit der Kälte preise – ich präferiere die angenehmen Temperaturen sehr und liebe ihre kühlen Konsequenzen per se und gebe mich ihnen in der Majorität in kurzer Bekleidung hin – das versteht sich von selbst. Das Jahr 2009 stellt in diesem Kontext eine gewichtige Ausnahme dar, denn am 06.01.2009 lief ich bei -16 °C, was bis dato als mein persönlicher Kälterekord galt. Der Jahresauftakt begann also für die heutigen Verhältnisse extrem kühl, um im Dezember des gleichen Jahres noch übertroffen zu werden. Am 20.12.2009 absolvierte ich den kältesten Lauf – solange ich überhaupt laufe – und an jenem Tage herrschten eiskalte -17 °C und gleichsam doch so angenehme -17 °C – was für ein unvergessener Tag wie Lauf. Beide Kälteläufe sind bis heute unübertroffen und leben nur in meiner Erinnerung beständig fort. Sich in all den vergangenen Jahren Täglichlaufen 1000 Mal diesen besonderen Bedingungen hingeben zu dürfen – auf dem weißstrahlenden Pfad der Kälte – ist schlußendlich ein einzigartiges Glück, wofür ich sehr dankbar bin.

Erst mein Täglichlaufen hat es mir ermöglicht, diesen Weg in Demut und Zufriedenheit zu beschreiten, gleichwohl veredelt dieses „Jubiläum“ mein Täglichlaufen auf eine exponierte Art und Weise, die mich zutiefst stolz zurückblicken läßt. Mein lieber Frostgesang, mögest du auch in Zukunft mich an deiner Gnade partizipieren lassen. Und so expandiert er, der weiße Hauch – geschuldet dem fröstelnden Reich der belebenden Kühle.

Den Weg gehen – X. 2015. Dreizehn Jahre, zehn Monate. Schneeglück.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und zehn Monate in Serie. Die erste Rückschau in diesem Jahr materialisiert sich in ihrer gewohnten Art und Weise. Über den Jahreswechsel hinaus setzte ich mein Täglichlaufen in aller Demut und Liebe und Zufriedenheit fort, wenngleich bei meinem traditionellen zweiten Silvesterlauf diese meine Intention scheinbar konterkariert werden sollte. Alles wie gehabt. Langweilig. In der weiten Ferne der unbändigen Verborgenheit erkenne ich ein still glimmendes Leuchten, welches mir den unwägbaren Pfad in Richtung meines nächsten Jubiläums weist; gleichwohl ist es an dieser Stelle viel zu früh und zu vermessen, diesbezüglich zu sinnieren. Jene Seiten sind im bedeutenden Folianten des Lebens noch unbeschrieben. Die noch nicht geborene Zukunft wird es aber in Bälde lehren. Während meines Täglichlaufens, soll heißen in der aktiven Ausübung denke ich an derlei Illusionen freilich nicht, sondern genieße nur ganz banal die traumhafte Natur.

Und ja, selbige bot eine Einladung par excellence in eine Traumwelt feil, die von weißedlen Schneegewändern beherrscht wurden, die ihresgleichen suchten. In der Nacht zum 29.12.2014 verwandelte sich das natürliche Leben in ein hell strahlendes Weiß, welches mit einer reinen Intensität leuchtete, so daß ich mein Glück nur schwer realisieren konnte. So eroberte ich also die rare, ja, den wirklich seltenen Schneegesang und wie immer in solchen Momenten fragte ich mich, wieso muß der Lauf nur enden? An diversen Örtlichkeiten unterbrach ich jählings meinen Laufschritt, weil die sagenhaften Schönheiten der verzauberten Wälder mich derart in den Bann zogen, daß es mir unmöglich war, ohne bewußte Achtsamkeit daran vorbeizulaufen. Ich habe das kostbare Schneeglück wahrlich genossen. In diesem Kontext bleibt meine Rehbegegnung unvergessen, die im tiefverschneiten abgeschiedenen Hain der Einsamkeit stattfand. Zuerst neigten sie zur Flucht, um nach meiner Anrede neugierig stehen zu bleiben – aber wie! Sie standen versetzt in einer Reihe und beobachteten mich höchst interessiert, bis ich mich ohne Gefahr für die Putzels zurückzog.

An einem Morgen – die Finsternis herrschte noch unangefochten – durchquerte ich den rauschenden Wald, als sich mir ein schwebendes Licht näherte, was mich doch latent irritierte, denn wer traut sich in absoluter Dunkelheit in den raschelnden, wispernden Forst? Auf des Rätsels Lösung mußte ich jedoch nicht lange warten, denn bald kamen mir zwei Personen mit zwei Hunden entgegen; aufgrund der eingeschränkten Sichtverhältnisse hielt ich kurz an – zudem war ihre Taschenlampe zu grell für meine an die Schwärze angepaßten Augen, wofür sich beide sofort entschuldigten, indessen taten mir die armen Hunde doch ein wenig leid, da sie offenkundig Angst vor meiner Präsenz zeigten. Ich kann das nachvollziehen, denn einer schwarzen Gestalt in der Düsternis plötzlich zu begegnen, würde mich vielleicht auch verwundern – insbesondere, wenn man selbst eher klein ist. Wenngleich mir die Dame gar nicht verschreckt vorkam, sondern amüsiert – hier unterstelle ich, daß sie mich kennt.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 10 °C und -10 °C; in der unausweichlichen Konsequenz vollzog ich 21 Kälte-, sechs Regen- und zwei Nebelläufe. Auch die galoppierenden Sturmreiter demonstrierten ihre heulende, tatkräftige Macht in Permanenz – generierten aber nur moderate Schäden. Bei meinen geliebten Wollmäusen ist nun erster Nachwuchs eingetroffen, der noch wie stets verzaubernd auf mich wirkt. Apropos Schafe. Der Herr der Schafe hat mich temporär zum Futterlehrling bestallt, in der Tat ein gewichtiges Amt voller Verantwortung, welches ich sehr ernst nehme. In Begleitung ihres menschlichen Meisters lief die Generalprobe ohne Probleme ab, doch einen Tag später, als ich mein kulinarisches Amt antrat, sah die reale Welt etwas konträr aus. Ein Teil der Wollies rückte geschlossen zur Speisung ein, indes der Großteil sich im Wald versteckte.

2015_Januar_Wollies_01
2015_Januar_Wollies_02

Als ehemaliger Grenadier sind mir solche Spiele natürlich nicht fremd und so trat ich der Neuauflage von „Tarnen & Täuschen“ bei. Schlußendlich rannte ich als Leitschaf vorne her und der Rest meiner herzigen Wollfreunde folgten hinterdrein. Passenderweise trug ich an jenem Tag ein weißes Shirt, so daß ich auch optisch stilecht als Schaf betrachtet werden durfte. Sodann führte ich sie alle zu ihrem Frühstück und ich selbst trat den Rückzug an. Am zweiten Tag und alle weiteren danach konnte ich keine Besonderheiten mehr vermelden – alles lief perfekt. Immerhin mußten sie mich erst als neuen Futterlehrling akzeptieren, doch mir deucht – dies ist rasant geschehen. – – So setzt es sich also fort, die Ballade von meinem Gelebten Täglichlaufen. Tag für Tag und Lauf um Lauf. Meine täglichlaufende Reise in die Vergangenheit – dem Leuchtfeuer der geheimnisvollen Zukunft entgegen. Was ist es doch für eine Gnade, diesen Pfad beschreiten zu dürfen.

19.12.2014 14 KM – Dammsperre geschlossen, Nieselregen
20.12.2014 14 KM – Gespräch geführt, sehr stürmisch
21.12.2014 14 KM – Gespräch, wunderbaren Fuchs beobachtet
22.12.2014 14 KM – Regenlauf
23.12.2014 14 KM – Gespräch und Schafe gestreichelt
24.12.2014 14 KM – Schranke geschlossen, Nieselregen
25.12.2014 14 KM – Gespräch, Läufer überholt
26.12.2014 14 KM – Gespräch, vier Rehe beobachtet
27.12.2014 14 KM – Gespräche geführt
28.12.2014 14 KM – Gespräche, Geschenke erhalten
29.12.2014 14 KM – Traumlauf in einer Schneewelt – unbeschreiblich
30.12.2014 14 KM – traumhafter Schneelauf
31.12.2014 13 KM – partiell glatt, Sperre vorgezogen
31.12.2014 05 KM – Nebellauf, Fastunfall
31.12.2014 Jahresabschluß: 5049 Jahreskilometer
01.01.2015 14 KM – zwei Meter an einem Reh vorbei
02.01.2015 14 KM – Regenlauf
03.01.2015 14 KM – Gespräche geführt
04.01.2015 14 KM – Gespräch geführt
05.01.2015 14 KM – Baumsperre geschlossen
06.01.2015 14 KM – 1. Nebellauf 2015, Gespräch
07.01.2015 12 KM – Kältelauf (auch alle zuvor)
08.01.2015 14 KM – 1. Fastunfall 2015, Gespräch, Regenlauf
09.01.2015 14 KM – Hundekontakt im Finsterwald (die Armen)
10.01.2015 14 KM – Regenlauf, Gespräch, sehr stürmisch
11.01.2015 14 KM – Schafnachwuchs, Sturm
12.01.2015 14 KM – Kälte- und Regenlauf
13.01.2015 14 KM – Gespräch geführt, Schaffütterung
14.01.2015 14 KM – erneut ein Sturmlauf
15.01.2015 14 KM – Gespräch geführt, Regenlauf
16.01.2015 14 KM – Wasser steigt an, Weiden überflutet
17.01.2015 14 KM – Gespräch geführt
18.01.2015 14 KM – 13 Jahre und 10 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.01.2015: 250 KM

Alles wie gehabt

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 8. Januar 2015 by Täglichläufer

Das neue Jahr setzt sich fort wie es endete – mit einem: Fastunfall. Alles wie gehabt. Langweilig. Allein ich muß gestehen, mit einer derartigen Begebenheit an einem 31.12. – während meines traditionellen zweiten Laufes an Silvester – habe ich nicht gerechnet; schließlich sind zu jenem Zeitpunkt nur wenige Autos unterwegs. Wie dem auch sei. Heute setzte sich das Spiel fort – natürlich wie immer an der Örtlichkeit mit dem Stop-Schild. Freilich ebenso wie immer erhob ich meine Stimme und als Dank dafür, daß ich fast überfahren werden sollte, so drohte mir der Fahrer mit dem Arm. Das ist in der Tat starker Tobak. Was für eine Frechheit. Entsprechend ungehalten trat ich in die Wälder ein und versuchte, die autofahrenden Analphabeten zu verdrängen, was mir nicht wirklich gelang.

Vor meinem geistigen Auge tauchte jener kugelrunde Polizist auf, den ich einst bezüglich dieser Thematik ansprach und der mir verständnisvoll erklärte, daß sich das finanziell nicht lohnt, solche Verkehrsdelikte zu ahnden. Denn schließlich geht es der Polizei nicht um Verkehrserziehung oder dergleichen, sondern um die löblichen, monetären Aspekte dieser Delikte. Apropos Polizei, als Täglichläufer komme ich automatisch in den Genuß jene Exekutiv-Macht intensiv zu beobachten, für die augenscheinlich nur eine Regel im Straßenverkehr gilt – nämlich keine Regel. Und so fragte ich vor Jahren an dieser Stelle bereits – wer bewacht eigentlich die Wächter? Selbst die Polizeibeamten halten nicht an einem Stop-Schild (ein Beispiel von x) und aus dem Kontext heraus – kann ich meine Mitbürger durchaus verstehen, wenn sie es dem scheinbaren Vorbild gleichtun. Dennoch, ich persönlich bin nicht amüsiert, da solche Fährlichkeiten durchaus unangenehm für mein Täglichlaufen sind. Doch nichts wird sich in der Zukunft ändern – alles wie gehabt. Langweilig.

Die vergangene Zukunft – Täglichlaufen. Jahresrückblick 2014.

Posted in Jahresrückblicke on 28. Dezember 2014 by Täglichläufer

Das Jahr ist noch neu, gleichwohl wird es mit eisernen Schritten wie alle anderen zuvor vergehen. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein.

Nun ist es soweit. Es ist vorbei. Die temporäre Existenzberechtigung des Jahres 2014 wurde vernichtend aufgehoben und die omnipotente Herrscherin aus dem Reich der Erinnerungen hat sich seiner mit Hingabe bemächtigt. Vor uns liegt die Zukunft, eine hoffnungsvolle Zeit, die sich uns nach und nach enthüllen wird – bevor die Königin des Vergessens auch hier ihr Veto einlegen wird. Wir sollten jedweden Moment genießen, so genußvoll als möglich, denn der Kreuzzug der vergangenen Zukunft hat längst begonnen, dieses neue Jahr unbarmherzig zu verschlingen. Die Reise wird nie enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit. Umso essentieller das Auskosten des Seins, des Lebens. Mein letzter Beitrag in diesem Jahr; der obligatorische Jahresrückblick meiner vergangenen Zukunft. Das bald endgültig sterbende Jahr war voller Höhen und Tiefen, durchzogen von Glück, Zufriedenheit, Melancholie, Trauer, Heiterkeit, Schmerzen, Genuß, Herausforderungen, Widrigkeiten, Hoffnung und Frieden. Im groben Rahmen lasse ich exponierte Erlebnisse Revue passieren. Teure Momente aus dem geliebten Reich der Erinnerungen, die mir so vorkommen, als ob sie eben erst passiert wären. Wohlan, es mag beginnen.

Fürwahr, das Fazit kann ich vorweg nehmen – wie schon in den Jahren zuvor war auch das Jahr 2014 wieder ein zutiefst zufriedenes Jahr im Kontext Täglichlaufen für mich, was meine Konzeption des gelebten Täglichlaufens wie noch immer bestätigt und für sie spricht. Aber das liegt in der Natur der Sache. Mein Täglichlaufen ist auch in diesem Jahr ein Garant für die stete Zufriedenheit gewesen, wofür ich sehr dankbar bin – entsprechend betrachte ich diesen meinen Weg mit Demut und werde ihn weiterhin in der gewohnten Form beschreiten – solange ich darf; denn das der Willen vorhanden ist, muß ich nicht exponiert betonen. Auch künftig werde ich Körper und Geist in diesem Stil wertschätzen; allein, wie könnte ich auch nicht?

Januar

Still und leise wurde der Jahresauftakt von mir vollzogen, in greifbarer Einsamkeit, verbunden mit melancholischer Abgeschiedenheit setzte ich am 01.01. mein Täglichlaufen fort – so wie es am 31.12. endete. Ich gab mich der trostlosen Hoffnung auf die weiße Winterpracht hin, wurde gleichwohl diesbezüglich immens enttäuscht – doch das ist das Leben. So darf es nicht irritieren, daß ich in der ersten Rückschau vom aufkeimenden Frühling sinnierte. Die Sonne regierte ungestüm von ihrem hehren Himmelsthron, derweil konzertierten zahlreiche Vögel und boten ihre Sangeskunst feil. Schlußendlich irrte ich mich aber. Nur vier Tage später vollzog ich meinen ersten Schneelauf und jener Lauf war ein Traumlauf ohnegleichen, ja, wenn ein Traum Wirklichkeit wird. Weiterhin durfte ich im Januar Meister Bokert, Meister Reineke und nicht zuletzt neue Wollies beobachten – ein wunderbarer Auftakt.

Februar

Auch im Februar betraten neue Wollfreunde von mir die Bühne des Lebens und mein liebster Wollfreund Schmusi feierte seinen ersten Geburtstag. So ein Schaf wie mein Schmusi hat die Welt noch nicht gesehen und wird sie wahrlich auch nie mehr erfahren. Doch in diesem Moment im Dezember, wo ich diese Zeilen niederschreibe, geht eine partielle Wehmut mit einher, denn aus seinem Sommerurlaub ist Schmusi nicht mehr zurückgekehrt, da er eine andere Heimat fand. Aber auch das ist das Leben. Nichts währt ewig, doch in meinem Herzen lebt er nach wie vor weiter – als das liebste Schmuseschaf, welches je existierte. Wiederholt lief ich im Februar sehr nahe an einem Bussard vorbei oder später an Enten und auch einige Kraniche tolerierten meine allzu nahe Präsenz. Bemerkenswert.

schmusi

März

Einmal mehr der März. Nur ein Datum ist wahrlich von Bedeutsamkeit in diesem Monat – der 18.03.2014. Auch 2014 vollzog ich an diesem ausgewählten Datum mein elementarstes Jubiläum: 13 Jahre Täglichlaufen in Serie. Und ich gestehe, ich habe es genossen, einfach nur genossen! Die Welt hat sich in den vergangenen Tagen rasant verdunkelt, Sturmmächte zogen drohend auf und rangen wild mit jedem, der es wagte sich ihnen entgegen zu stellen. Ungehaltene Wellen des wütenden Sees peitschten jähzornig an das weiße Ufer, die hohen Baumwipfel tanzten miteinander nach ihrer ureigenen Melodie, die doch niemand versteht und das hehre Blattgewerk säuselte gedankenvoll in den Böen und gab sich dem prosperierenden Blütenzauber hin. Der heutige Lauf war wie immer an einem 18.03. einer latenten Melancholie geschuldet, die sich kongenial mit den Witterungsverhältnissen vereinigte, die mich mit der geliebten Einsamkeit in meine reizenden Wälder begleiteten. Mannigfaltige Impressionen aus der Vergangenheit im Kontext Täglichlaufen werden wieder lebendig, erscheinen höchst real und bleiben doch nur flüchtige Bilder in meinem Geist. Bei aller Freude, bei allem Stolz frage ich mich, wie es mir gelingen konnte, diesen Weg bis heute zu beschreiten. Ich kann dieses Geschenk an mich selbst nur mit Demut annehmen – und mit dem Bemühen, es auch künftig mit aller Sorgfalt zu pflegen. Ein weiterer Höhepunkt manifestierte sich in einem riesigen Seeadler, der stolz und erhaben in die funkelnde Sonne gleich einem glitzernden Diamantenmeer hinein flog – was für eine faszinierende Darbietung! Zudem hörte ich Ende März zum ersten Mal – so lange ich hier überhaupt laufe – eine Eule rufen. Was für ein Monat!

13_Jahre

April

Der April stand im Zeichen meiner zahlreichen tierischen Freunde. Die lieben Graugänse bekamen herzigen Nachwuchs und es war mir eine große Lust, diese kleinen, kuscheligen Federbälle zu beobachten. Zum Ende des Monats gewahrte ich den Ruf des Kuckucks erstmalig und damit wurde der Frühling endgültig eingeläutet. Auch wunderbare Nebelläufe luden zum Genießen im Laufschritt ein und jene Einladungen nahm ich nur zu gerne an. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht erahnen, daß 2014 das Jahr des Nebels werden und sich in der gnadenlosen Konsequenz in meiner Nebelstatistik an die Spitze stellen würde.

Buntspecht

Reigen_2014_01

Goldglänzender Rosenkäfer

Reigen_2014_02

Schafnachwuchs

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Schafnachwuchs

Reigen_2014_04

Eidechse

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Mai

Nach dem Kuckuck im April ließ sich der Pirol im Mai nicht lange bitten und begrüßte den warmen Weltgesang auf die seine Weise und ich nahm als stiller, laufender Beobachter daran teil. Und wie so oft in diesem Jahr, nahm ich mich auch im Mai den rasenden Weinbergschnecken an. Den wichtigsten Lauf in jenem Monat lasse ich hier erneut hochleben: Die flüchtigen Nebelelemente wurden gleich zarter Tupfer hauchdünn in meinem Laufareal aufgetragen, die sich in Wassernähe natürlich zart intensivierten. In geringer Höhe über die lieblichen Weiher zogen wispernde Nebelschwaden hinweg und vermittelten den Eindruck, als ob der See kochen würde; elegant trieben die weißgrauen Dämpfe über den nassen Spiegel und verzauberten in einer Art und Weise, welche ich bis dato noch nie beobachten durfte; ja, die erhabene Nebelfürstin zog mich in ihren wehenden Bann, umarmte mich hernach und maskierte alles Leben unter ihren Nebelgewändern. Auch die lächelnde Königin der Abgeschiedenheit entfaltete ihre Macht und breitete ihren Umhang der Einsamkeit auf diesen Augenblick aus, so daß ich vollkommen verloren in jenem wunderschönen Nebelreich meinen Lauf absolvieren durfte. Verhaltenes Schweigen in der Stille. In meiner Erinnerung werden diese traumhaften Kilometer nimmermehr vergehen.

Juni

Anfang Juni läutete der erste Hitzelauf, die mehr oder weniger heiße Phase in diesem nun sterbenden Jahr ein. Auch Schmusi kommt hier wieder bildlich zu seinem Recht. Indessen ließ mich ein Schwarzspecht auf nur fünf Meter an sich heran, um mich erst zu beobachten und im Anschluß seiner geschäftigen Klopftätigkeit nachzugehen. Sodann offerierte mir das hehre Leben höchstselbst drei Kontakte mit der lieben Familie Schwarzkittel und das sogar in unmittelbarer Nähe. Einerseits haben mich diese Begegnungen sehr erfreut, denn hierbei handelt es um sehr edle und freundliche Gesellen aus dem heimischen Forst, doch andererseits betrüben mich solche Treffen stets, da die Wildschweine derart verschreckt sind und voller Angst in hoher Geschwindigkeit flüchten. Als den wichtigsten Tag in diesem Monatsabschnitt möchte ich nur einen Lauf werten, der den bezeichnenden Titel Fühlen im Regen trägt und schloß mit folgenden Eindrücken – Ich selbst hingegen weilte längst in anderen Sphären, die sich nicht mehr in unzulängliche Worte kleiden lassen; hoch zufrieden passierte ich meine Wälder, genoß die traumhafte Regengunst, die sich unterdessen noch tatsächlich intensivierte und sog die außerordentliche Stimmung auf. Genießend, lächelnd und schweigend absolvierte ich meinen heutigen Lauf und ja, f ü h l e n d – nichts ist bedeutender. Ich erlebte und vollzog einen Lauf unter Bedingungen, die ihresgleichen suchten und ihn zu einer wahrhaftigen Rarität erwachsen ließen. Fühlen im Regen – der Rest ist Schweigen.

Wollies_aktuell_01
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2014_Juni_Sommerzauber
Dunkelwolken

Juli

Lange habe ich mir den Tag herbeigesehnt und im Juli wurde meine Hoffnung endlich erfüllt – auf meinem Damm wurde erwartungsgemäß das Gras gemäht; eine banale Tatsache und doch durchaus essentiell für mein Täglichlaufen, denn somit konnte ich zu meiner geliebten Standardstrecke zurückkehren. Ende Juli weilte entspannt erhaben auf meinem Laufpfad ein edler Rotfuchs, der mich nicht eher bemerkte, als bis ich ihn anrief – wer nun vielleicht annimmt, er sprang sodann überrascht von dannen, der irrt – denn Meister Reineke erhob sich in aller Ruhe und bewegte sich in Richtung Wiese und das mit einer Contenance, die ihresgleichen suchte. Ein Prachtexemplar. Meiner seltenen Gewitterlauf-Statistik konnte ich eine weitere Einheit zuschreiben und auch meine Fast-Unfallstatistik erhöhte sich leider. Langweilig.

August

Gleich der fernen Zukunft nahm ich bereits im August ein unentschlossenes Leuchten wahr; mein täglichlaufender Pfad zog mich weiter und weiter in sein Reich und ja, das Halbjahresjubiläum warf seinen strahlenden Schattenglanz voraus. Der August wurde der heißen Jahreszeit gemäß von unsäglichen Dasenattacken dominiert – diese entomologischen Angriffe hoben mein Täglichlaufen wahrhaft in herausfordernde Spähren und auch meinen befreundeten Schnecken der Familie Weinberg nahm ich mich wieder in rettender Weise an. In der Monatsmitte konnte der sensible Betrachter bereits den ersten herbstlichen Hauch in den Wäldern wahrnehmen.

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2014_Juli_Froschels_03

September

Oh ja, auch im September obsiegte eine besondere Zahl – hierbei kann es sich nur um die 18 handeln, welche mein Halbjahresjubiläum, symbolisiert, was ich mit freudiger und feierlicher Genugtuung zur Kenntnis nahm. Die Gnade des Täglichlaufen war mir ein weiteres halbes Jahr hold und ja, ich preise es bis heute mit großem Behagen und in steter Zufriedenheit. Meistens. Schwächliche Phasen der temporären Unlust im Dezember darf ich hier im strahlenden September getrost ignorieren. Für den tierischen Höhepunkt zeichneten vielleicht fünfzig Schwäne verantwortlich, die einen beeindruckenden Kreis bildeten, der weithin in hellem Weiß erstrahlte und das aufmerksame Betrachterauge faszinierend bannte. Apropos Schwäne – ein Schwan flog unter einer Brücke hindurch, indes ich zu der gleichen Zeit auf ihr weilte und so durfte ich den eleganten Schwan unter mir fliegen sehen – was für ein seltener Anblick, geschuldet einer traumhaften Perspektive. Den schönsten Lauf des Jahres 2014 erlebte ich am 29.09. – geboren im Nebelreich; ein Lauf ohnegleichen – ohne Entsprechung, ohne Worte. So geht er hin, der wispernde September.

2014_August Froschels_01
2014_September_Natur_03

Oktober

Spätestens im Oktober war es Zeit – wahrlich Zeit – das Jahr 2014 zum Jahr des Nebels zu küren, wenngleich sich derlei längst angekündigt hatte. Dementsprechend verwundert es nicht, wenn ein weiterer der schönsten Läufe überhaupt in diesem Jahr, erneut den Nebelwelten zugerechnet werden muß. Der Morgen triumphierte noch nicht und die Nacht hat sich indessen keineswegs endgültig verabschiedet, als ich den Wald verließ und die weite Wiese flankiert von dem ruhenden See in all ihrer Erhabenheit vor mir liegen sah. Doch freilich blieb mir das Wasser verborgen, es harrte unter einem grauen Odem, der fest verankert in der Luft zu schweben schien; diverse Ausläufer greifen gnadenlos nach der Wiese und generieren in drei Metern Höhe ein unbeschreibliches wogendes Nebelband, welches ambitioniert den Pfad erreichen wollte – mit aller Macht – und doch nicht durfte, so daß der finale Abschluß immer mehr ausdünnte und seufzend seine Unzulänglichkeit begreifen mußte. Jene Nebelschwaden lösen sich im unendlichen Nichts auf, wenngleich sie bei ihrer Initiation in omnipotenter Weise alles, aber auch wahrhaft alles aufsaugen und für immerdar verbergen wollen. Zum Ende des Monats traf sie endlich ein, die zärtliche Königin der Kälte – und regiert sodann die künftige Phase mit ihrem blauweißen Eiszepter; unerbittlich und doch stets lächelnd wie verzaubernd.

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November

Freilich durfte auch im November von Schnee keine Rede sein, das Wetter enttäuschte wahrlich. Doch in meinem Täglichlaufen ist ein Ereignis von besonderer Gewichtung und zwar meine fünfzehnjährige Mitgliedschaft in der Zunft der Täglichläufer. Seit diesem Herbst gebe ich mich nun seit 15 Jahren dem Täglichlaufen hin. Hierbei ist von der Konzeption des Täglichlaufen an sich die Rede; die rigorosen 13 Jahre und 08 Monate fließen zwar selbstredend mit ein, doch betrat ich den Pfad des Täglichlaufens bereits im Jahr 1999 und ja, es ist erschreckend, wo die Zeit bleibt. In diesen meinen Anfängen war es unvorstellbar für mich, auch nur im Ansatz an eine Entwicklung zu denken, wie ich sie in der Konsequenz vollzogen habe. Natürlich, einst stand jene Thematik per se nicht im Fokus meiner Konzentration – was ich heute als essentielle Grundlage für die gelebte Permanenz betrachte. Das Wissen von 15 absolvierten Jahren in diesem Stil – generiert ein stolzes Gefühl und läßt mich mit einem sehr, sehr zufriedenen Lächeln zurückblicken und in das Reich der Erinnerungen eintauchen. Am 20.11. durfte ich zum ersten Mal überhaupt beobachten, wie Schwäne miteinander kommunizieren. Ich stand am Ufer und drei Schwäne zu meiner linken und drei zu meiner rechten Seite führten eine Unterhaltung und jede Stimme hatte ihren ureigenen charakteristischen Klang. Seit so vielen Jahren durchstreife ich täglich mein Laufareal und derart viel Zeit mußte vergehen, bis ich derlei vernehmen durfte.

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Dezember

Wenngleich die weißstrahlende Winterpracht auch in diesem Dezember ein Schattendasein feierte, so wurde jener Abschnitt demungeachtet doch von der belebenden Kälte beherrscht. Am 09.12. durfte ich eine Blindschleiche retten und ich hoffte, daß mein gebasteltes Nest ihr eine sichere Heimstatt bot. Mittlerweile erreichen die Minustemperaturen bereits wieder zweistelligen Regionen, so daß ich heute gar in langer Hose gelaufen bin – zum dritten Mal in diesem Jahr. Eine lange Hose – schrecklich. Zudem absolvierte ich heute den 100. Kältelauf in diesem Jahr und in nächster Zukunft werde ich den 1000. Kältelauf zelebrieren. Zusätzlich wurde mir der heutige Kältelauf mit einer großen Geschenktüte versüßt, die unter anderem einen Dresdner Stollen beinhaltete, ja, auch das kann Täglichlaufen bedeuten. Ebenfalls am 28.12. durchbrach ich in diesem Jahr die Grenze von 5000 Jahreskilometern und blieb damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. Durch mein Täglichlaufen sind meine Laufschuhe einer nicht gewöhnlichen Belastung ausgesetzt, gleichwohl muß ich an dieser Stelle konstatieren, daß die Qualität einen neuen Negativrekord erreicht hat. Doch halt, sprach ich von Qualität? Im Kontext Laufschuhe? – ich bin wahrhaft ein Narr.

Murks

Allein wer interessiert sich schon für unbedeutende Jahreskilometer? Gewichtiger erscheint mir doch die nachfolgende Betrachtung, welche ich aus meiner letzten Rückschau übernehme – … hätte ich das nie für möglich erachtet, derart tief in diese mysteriöse, unbekannte Welt vorzudringen; zuerst unbewußt im Kontext einer wahrlichen Banalität; geboren im Trotz – sodann immer bewußter, immer aufmerksamer, immer wertschätzender, immer respektvoller, immer fokussierter und lebendiger – fürwahr, immer einnehmender. Allein wie simpel ist dieses Täglichlaufen! So einfach, so einfach! Natürlich banal, ja, natürlich. Und doch so schwer, so herausfordernd und so unsagbar diffizil. In den vergangenen Tagen fragte ich mich in ausgewählten Momenten, was ich hier eigentlich mache – eingehüllt in tiefer Finsternis, nur umgeben von eisiger Kälte und mich dem stürmischen Odem des Winters entgegen werfend – obgleich ich derlei Bedingungen doch übermächtig liebe, wollte ich flüchten – nur noch flüchten. Und ja, ich flüchtete und rannte und rannte und registrierte einmal mehr das Schwere im Einfachen und das Einfache im Schweren. Schlußendlich obsiegte der Widerspruch über sich selbst oder ich selbst über mich? Täglichlaufen ist ein wahrer Widerspruch in sich; muß es sein. Wie dem auch sei, starke und schwache Phasen kommen, gehen. Schlußendlich erhalten sie die bedeutende Demut und dafür bin ich dankbar. Temporäre Zweifel sind noch stets ein Garant für die gelebte Permanenz des eigenen Handels gewesen. Nur einen Tag nach der Veröffentlichung meines Jahresrückblickes kleideten sich die Haine und die Natur in weiß – in der Nacht schneite es mächtig und mein Lauf, noch in der Finsternis beginnend – war ein Traumlauf ohnegleichen. Unbeschreiblich schön. Geliebte Winterwelt im Schnee!

Statistikauszug 2014 hier mehr:

029 (2013: 027) Regenläufe
000 (2013: 003) Glatteisläufe
001 (2013: 000) Gewitterlauf
024 (2013: 013) Nebelläufe
104 (2013: 121) Kälteläufe
003 (2013: 007) Hitzeläufe
000 (2013: 000) Flutläufe
000 (2013: 001) Sturz/Stürze
000 (2013: 001) Hundeangriff(e)
003 (2013: 001) Mal Wildschweinkontakt
001 (2013: 002) Mal Biberkontakt
004 (2013: 000) Mal in Begleitung gelaufen
002 (2013: 003) Mal Fastunfälle mit Autos
102 (2013: 119) Mal Handschuhe getragen
023 (2013: 041) Mal ein langes Oberteil getragen
003 (2013: 001) Mal eine lange Hose getragen
001 (2013: 001) Mal zweimal gelaufen
kältester Lauf bei -13 °C (2013: -15 °C)
heißester Lauf bei 28 °C (2013: 30 °C)

Die Laufberichte des Jahres 2014

22.01.2014 Wenn ein Traum Wirklichkeit wird

25.06.2014 Fühlen im Regen

07.10.2014 Nebelwelten

09.12.2014 Das Singen des Eises

Ich habe in diesem Jahr 5049 gelaufene Kilometer erreicht – ohne „Marathon“, „Wettkampf“, „Leistungen“, „Pläne“, „Ziele“, „Training“ oder sonstigem Schnickschnack, der in der Laufwelt so gerne gepriesen wird – dies versteht sich natürlich von selbst. Nur die Liebe zum Täglichlaufen hat mir das ermöglicht. Traditionell bedingt, werde ich Silvester zwei Läufe absolvieren und damit das Jahr verabschieden. So vergeht das Jahr, die Zeit, das Leben, das Dasein – unsere temporäre Existenz – alles schreitet beständig in die vergangene Zukunft, die doch noch nicht existiert und dereinst atemberaubend schnell vergehen wird. Das Jahr hat seinen endgültigen Eintritt in die Geschichte vollzogen. Was bleibt? Erlebnisse. Erinnerungen. Erfahrungen. Und, ein Lächeln. Ja, ich lächele. Das neue Jahr – 2015 – kann kommen. Wird kommen, muß kommen. Und wird sodann genauso rasant im Nichts verglühen. Die Reise wird nie enden. Aber ich, ich steige irgendwann aus. Für immerdar. Oh Leben, was bist du für ein Leben!

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