Den Weg gehen – II. 2021. Zwanzig Jahre. Zwei Monate. Winterlicher Abgesang.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Zwei Monate in Serie. Eine weiterer Monatsabschnitt Täglichlaufen wurde nunmehr absolviert wie abgeschlossen; meine Serie setzt sich ungerührt fort. Die vergangene Phase vollzog sich routiniert, unspektakulär und führt endgültig aus dem temporär frostigen Winter in eine wärmere Zeit, die gerne rasant vergehen darf. Allein entzieht sich dieses Ansinnen jedweder Einflußnahme und nur das stille Akzeptieren offenbart sich schlußendlich als Option. So sei es.

Die Temperaturen tanzten zwischen angenehmen -02 °C und unschönen 25 °C hin und her; generierten in der Summe vier Kälte- und drei Regenläufe. Auch ein neuerlicher Nebellauf gesellt sich in diese meine Witterungsstatistik. Das kurze Sommerintermezzo mit über 30 °C wirkte nachhaltig und mittlerweile werden die heimischen Wälder erhaben von Mücken regiert – wie noch stets ein Segen für Laufanfänger. Fortgeschrittene sind mutmaßlich weniger begeistert und können gerne auf diese fliegende Motivation verzichten. Ende April war der Bestand an Nachwuchsgänsen sehr ausgeprägt – wiederholt ein herziger Anblick, die doch sehr schnell wachsen.

Am 25.04. konzertierte erstmalig die Nachtigall und am 08.05. der Pirol, auch der Kuckuck meldete sich am 28.04. lauthals zu Wort. Nur ein Tag später spielte ich mit einem Schwarzspecht ein heiteres Versteckspiel, was ich so in der Form eigentlich nur mit Eichhörnchen kenne. Die Neugierde ist eben ein essentieller Wesenszug aller Lebewesen. Zwei umtriebige, triebsame Fasane störten sich am 30.04. so gar nicht an meiner laufenden Präsenz und zeigten sehr eindrucksvoll, wie stark der Fortpflanzungstrieb die natürliche Fluchtdistanz reduziert. Doch ja, rücksichtsvoll zog ich mich leise zurück. Die Tage werden wärmer und wärmer, der liebliche Winter ist zu einer belebenden Erinnerung geworden. Aber mit jedem Tag wie Lauf kommt die nächste Kältephase beharrlich näher. Möge sie nur eilen!

Das erste Mal

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 11. Mai 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen und Natur bilden für mich eine harmonische Einheit, eine kongeniale Symbiose, die ihresgleichen sucht. Jener natürliche Pfad, den ich hierbei täglich im Laufschritt beschreite, wird von zahlreichen tierischen Weggefährten begleitet; die wiederholt hier Eingang fanden. Nachfolgend eine Übersicht, wann die großen Konzertspieler ihren formidablen Reigen der Einzigartigkeit jeweils im Jahr eröffnen. Ich beschränke mich nur auf die drei bedeutendsten Tenöre; andere ehrbare Vertreter, wie beispielsweise der Schilfrohrsänger mögen mir diese meine Auswahl nachsehen. Ich konzentriere mich nur auf zehn Jahre in der Rückbetrachtung.

Kuckuck Pirol Nachtigall
28.04.2021 08.05.2021 25.04.2021
25.04.2020 08.05.2020 18.04.2020
24.04.2019 29.04.2019 21.04.2019
24.04.2018 03.05.2018 23.04.2018
02.05.2017 03.05.2017 17.04.2017
30.04.2016 04.03.2016 30.04.2016
29.04.2015 23.04.2015 22.04.2015
27.04.2014 14.05.2014
26.04.2013 10.05.2013 03.05.2013
28.04.2012 07.05.2012
24.04.2011 16.05.2011 10.05.2011

Den Weg gehen – I. 2021. Zwanzig Jahre. Ein Monat. Zwei Dekaden und darüber hinaus.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Ein Monat in Serie. Nun verbirgt sich mein bedeutendes Jubiläum, mein großer, größter Tag überhaupt bereits ein Monat in der alles verzehrenden Vergangenheit und hat zudem einen weiteren Monat Täglichlaufen mit sich gerissen und für immerdar absorbiert. In einem Paralleluniversum habe ich dieses einzigartige Ereignis entsprechend gewürdigt; gefeiert – aber in unserem traurigen Weltgesang durfte ich es nur stolz registrieren. Auch wahre Freude hat ihre Zeit. Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen läuft ungerührt weiter, noch. Mir ist wohl bewußt, diese meine Intention kann in jeder Sekunde ihr jähes Ende erfahren. Allein mein Willen steht dagegen; das ist wenig genug.

In der absolvierten Doppelphase bestritt ich 44 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Dazu gesellt sich der 65. Fastunfall in meinem Läuferleben, eine neuerliche Wildschweinbegnung – die 75. ihrer Art – und ein Hundevorfall. Die unsteten Temperaturen alternierten indessen zwischen -05 °C und 08 °C. Neben der prägenden „20“ enttarnt sich eine herausragende „75“, denn am 21.02. zeichneten zum 75. Mal meine Schwarzkittelfreunde für einen spannenden Auftritt verantwortlich. Etwas entfernt trottete ein Trupp mit mehreren Nachwuchsputzeln fröhlich durch das Leben und nur wenige Meter vor mir – brachen drei, vier große Wildschweine laut krachend durch das Schilf. Es handelte sich wie immer – um eine sehr erhabene Begegnung.

Wenige Tage später verabschiedete sich leider eine Schaffreundin von mir – sie war die älteste in diesem Kreis und nach vielen Jahren ist das wirklich ein seltsamer Anblick, wenn die Chefdame fehlt. Im März war nur ein Tag von wahrer Bedeutung; weitere Worte erspare ich mir an dieser Stelle. Am 22.03. erfolgte der 65. Fastunfall und welch ein Wunder – der Autofahrer entschuldigte sich sogar. So ein Verhalten hätte ich nimmermehr für möglich erachtet. 20. 65. 75. – es ist die Zeit für Gedenktage. Fünf Tage später erlebte ich eine sehr unschöne Begegnung mit einem Hund – welche sich am Ende mehr oder weniger harmlos auflöste und auch hier entschuldigte sich der Halter mehrfach. Auch in diesem Kontext bin ich ganz andere Verhaltensweisen gewöhnt. Früher wurde ich noch bedroht und beschimpft, wenn ich mich eines Angreifers erwehrte.

Am Ostermontag ereilte mich tatsächlich eine völlig unerwartete Osterüberraschung im einsamen Forst und ich weiß bis heute nicht so recht, womit ich das verdient habe. Und wenn ich jener Person auch schon vermehrt half – so war ich mehr als überrascht. Während meines Laufes am 10.04. gewahrte ich jählings im Wald ein Entenpaar direkt vor mir – ich blieb stehen und die süßen Enten liefen gemütlich den Pfad entlang – der Erpel fröhlich erzählend. Von rechts gesellte sich ein weiterer Entenherr dazu und meine Wenigkeit spazierte geduldig hinterdrein. Dies währte eine längere Zeit so, bis sie sich irgendwann entschlossen, fliegend den Wald zu verlassen. Und ich blieb lächelnd zurück. Den ersten Graugansnachwuchs in diesem Jahr durfte ich am 14.04. beobachten – auch hier unterbrach ich freilich meinen Lauf, um die goldigen Flauschbälle zu betrachten.

Das Leben läuft also weiter; ich selbst auch und zwar täglich. Das Großjubiläum von 20 Jahren hat daran nichts geändert und wird es auch künftig nicht. Temporär habe ich es wertgeschätzt – nun ist es in die Vergangenheit eingezogen und die nächsten Läufe werden folgen – täglich. Gelebtes Täglichlaufen. Zwanzig Jahre und nun darüber hinaus…

Eine Osterüberraschung im Wald

Posted in Besondere Läufe on 5. April 2021 by Täglichläufer

Ein wunderschöner graufinsterer Ostermontag, lieblich begleitet von einem weithin vernehmlichen wie fühlbaren Sturm der frischen Lebendigkeit. In dem rauschenden Forst sollte mich eine Begegnung ereilen, die mich wahrlich überrascht hat. Und so wurde mir mitten im einsamen Wald ein Geschenk zu Ostern überreicht – nur eine Kleinigkeit, wie es hieß. Ich war freudig erstaunt, bedankte mich und setzte meinen Weg fort.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich mitnichten um eine „Kleinigkeit“, im Gegenteil. Lieber Herr S. – ich bin immer noch sehr, sehr überrascht und meine Freude ist entsprechend ausgeprägt. Es ist mir eine große Ehre und ich kann an dieser Stelle nur meinen herzlichen Dank aussprechen! Ich verneige mich!

Zwei Dekaden. Täglichlaufen. 20 Jahre.

Posted in Täglichlaufen. 20 Jahre on 18. März 2021 by Täglichläufer

Fürwahr, ich habe es tatsächlich realisiert – 20 Jahre ausnahmsloses Täglichlaufen – Zwei Dekaden – es ist mir gelungen; ich darf den stolzen, einzigartigen Vollzug vermelden. Ich habe die nächste Ebene erreicht. Wer hätte das je gedacht?

18.03.2001-18.03.2021

Der heutige Jubiläumsartikel sollte mindestens doppelt so ausufernd sein – wie einst jener zu meiner ersten Dekade; doch das Leben goutiert zwar mein Täglichlaufen, zeigt allerdings in anderen Situationen wahrhaft unbegreifliche Härten – so nehme ich mein Jubiläum zwar an, aber wirklich ein Grund zur exponierten Freude ist es angesichts dieser Umstände heute nicht. Manchmal ändert sich in 20 Jahren weniger – als in einer Sekunde.

Adieu Mählanie!

Posted in Meine Schafe on 27. Februar 2021 by Täglichläufer

Die Zeit, das Leben vergeht rasant – unser temporäres Gastspiel in diesem Weltgesang ist nur ein Moment im Nichts. Eine liebe Freundin, Mählanie, hat sich nun für immerdar verabschiedet – 18 Jahre sahen wir uns nahezu täglich, doch alles hat seine Zeit. Dennoch, dein Abschied hätte anders ausfallen mögen.

Den Weg gehen – XI. 2021. Neunzehn Jahre, Elf Monate. Traumhafte Eisdiamanten in einer sonnigen Schneewelt.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Das endliche Zeitenrad hat sich vernehmlich gedreht; das Spiel des Lebens offenbart ein weiteres Monatsjubiläum für mich – manch ein Spieler ist ausgestiegen, ich darf immer noch mein Täglichlaufen praktizieren und in wenigen Augenblicken erscheint mir die unglaubliche Möglichkeit von 20 Jahren Täglichlaufen. Direkt davor – darf ich das nun ausschreiben; allein ich hoffe oder erwarte nicht weniger als nichts. Das Strahlen am Horizont intensiviert sich mit jedem Lauf mehr, aber nur die Zeit wird es lehren.

Die scheue und edle Winterregentin registrierte meine wiederholte Enttäuschung und mein fortlaufendes Jammern über einen weiteren verlorenen Winter, der seinen Namen nicht verdiente und ja, ihr kaltes Herz goutierte diese meine Liebe und gewährte mir ihre freudvolle wie frostige Rückkehr, welche mich einmal mehr sprachlos machte. In der Konsequenz absolvierte ich 29 Kälteläufe, ein Nebellauf und die Temperaturen definierten einen Rahmen zwischen 09 °C und -17 °C. Gerade der letztere Wert trat zuletzt vor 12 Jahren in meiner Statistik auf. Was für eine Differenz, wenn ich an meine australischen Verwandten denke, die an jenem Tage von 43 °C sprachen, plus wohlgemerkt.

Am 20.01. gewahrte ich einen kleinen Baum, der meisterhaft von Meister Bokert gefällt wurde; in der Tat ein Meisterwerk! Eine Woche später zeichneten Menschen für ein beachtliches Zerstörungswerk sondergleichen verantwortlich – hier wurde ohne Sinn und Verstand in die Sträucher, Bäume und Büsche regelrecht hinein „gefräst“, um im Anschluß alles liegen zu lassen. Ich kann und will diese Unfähigkeit und Vernichtungswut nicht nachvollziehen.

Der vorletzte Tag im Januar generierte einen einzigartigen Traumlauf, denn die Nacht reizte mit ungefähr 12 Zentimetern Schnee und das erste Wesen, welches sich in den Morgenstunden durch die Wälder bewegte, war freilich ein schwarzer Täglichläufer. Einen Tag später erspähte ich einen Rotfuchs, der weitaus weniger Begeisterung über die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse zeigte. Der Schneereigen währte indes nicht wirklich lange, verschwand bald wieder in die Vergangenheit und fand am 06.02. eine kaum ausgeprägte Fortsetzung. Doch bereits einen Tag darauf absolvierte ich einen Schneelauf, wie aus dem Bilderbuch – es schneite ohne Unterlaß, die wehenden Mächte des Windes taten das ihre und partiell bewegte ich mich in Zeitlupe fort – trotz höchster Kraftanstrengung. Freude pur!

Bei -08 °C trug ich zwar längst ein langes Oberteil; zu einer langen Hose konnte ich mich aber nicht durchringen; doch am 08.02. bei -11 °C durfte ich dieser Hosenart nicht mehr entkommen – ein Novum nach nunmehr drei Jahren. Es schneite den ganzen Tag und auch in der Nacht weiter, am 13.02. bot die wundervolle Natur ihre herrlichen -17 °C feil und ja, ich nahm das Angebot mit Freuden an. Zu jener Zeit las ich auch einen Artikel von einem „echten Laufexperten“, der jedwedes Laufen ab -10 °C als sehr bedenklich und gesundheitsschädlich ablehnte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß er das Laufen in der Theorie studierte, ohne je selbst im Winter gelaufen zu sein. Am 16.02. empfahl mir gar ein Nachbar einen Mundschutz – bei -01 °C. Wie verweichlicht doch die heutigen Menschen sind. Erschreckend. Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

An jenem 13. fand auch mein absoluter Traumlauf statt – die weißen Schneewelten reizten immer noch und darüber fiel ein belebender Eismantel lieblich, fast schon zärtlich hernieder, welcher im Sonnenpanorama die Schneekristalle wie Eisdiamanten funkeln, erstrahlen ließ. Allein das Knirschen unter meinen Schuhen generierte eine glückselige Geräuschkulisse, die so selten geworden ist und für puren Genuß sorgte. Vorgestern gesellte sich eine finstere Nebelkulisse dazu, die an Schönheit wahrlich nicht zu überbieten war. Möge diese rare Winterzeit doch unendlich sein und nie vergehen! Nichts währt ewig und so werden diese kostbaren Momente zu wertvollen Erinnerungen transformiert werden. – – Die Zeit und das Leben vergehen – das bedeutendste Jubiläum in meinem Täglichläuferleben lächelt verhalten. Vielleicht.