Nasicornis

Posted in Fauna, Photos on 24. Juli 2015 by Täglichläufer

Tatsächlich, es ist mir gelungen, temporär einen Nashornkäfer in bildhafter Form einzufangen – durchaus ein relativ seltener Anblick und ein wunderschöner Vertreter dieser edlen Käferart. Und, wie man munkelt, zählt er ebenfalls zu der vom Aussterben betroffenen Gattung der scheuen Täglichläufer.

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Den Weg gehen – IV. 2015. Vierzehn Jahre, vier Monate. Das Ende einer Ära.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und vier Monate in Serie. Geboren in dem wogenden Ozean des unendlichen Seins, manifestiert in dem nebulösem Hauch des immerwährenden und stets lächelnden Nichts, welches uns charmant umweht und dem wir unbedeutenden, ja, trivialen Wesen nicht entkommen können. Dieses allgewaltige Zeitenmeer hebt sich wallend empor, türmt sich hochfliegend auf, um dann in dem nächsten zarten Moment für immerdar zu vergehen; ungestüm und gnadenlos von der alles verzehrenden Flut mitgerissen. Sterbendes Glühen. Bar jeder Hoffnung. Bei aller Fragilität in diesem surreal anmutenden lebendigen Weltgesang gelingt es mir immer noch – und das ist mitnichten eine Selbstverständlichkeit – dieses meine Konstrukt vom Täglichlaufen zu balancieren oder anders formuliert, das Gelebte Täglichlaufen lebt tatsächlich immer noch. Bei aller Demut, mit der ich diesen Stil täglich praktiziere, gesellt sich doch ein gewisser Stolz dazu, der nach den vielen Jahren durchaus angemessen erscheint. Und so darf ich auf einen weiteren Monat Täglichlaufen zurückblicken, den die liebliche Zeit gnadenlos absorbiert hat.

Wohlan, in jener Phase der rasanten Vergangenheit absolvierte ich vier Hitzeläufe und einen Regenlauf. Indessen boten die Temperaturen ein obligatorisches Wechselspiel zwischen 09 °C und 30 °C feil. In der Konsequenz durfte ich mich einem fragwürdigen Jubiläum hingeben, welches den Sommermächten geschuldet war, 300 Hitzeläufe. Unschön. Um den kontrastierenden Ausgleich zu würdigen, darf ich an dieser Stelle den formidablen Regensturm nicht außer Acht lassen, der sich höchst diffizil in Worte kleiden ließ. Der Rest ist Schweigen. Genußvolles Schweigen. Auch die Tragik der „Fastunfälle“ setzt sich fort, ergo durfte ich den vierten in diesem Jahr erleben. Hierüber verliere ich keine weiteren Worte.

Am 22.06. erspähte ich neben der vielbefahrenen Hauptstraße einen toten Jungfuchs – ein trauriger Anblick. Seit dem 24.06. beobachtete ich eine sensible Alarmanlage auf meinem Damm, die jählings und ohne Aufsehen geheimnisvoll installiert wurde. Sobald ich mich einem besonderen Baum näherte, ertönte ein gewaltiges Piepen, welches bei einer steten Annäherung immer lauter wurde; zudem verkürzten sich die schrillen Töne, um in ein mächtiges Geschrei überzugehen. Eines Tages registrierte ich ein Loch in jenem Baumgesellen und irgendwann gewahrte ich Familie Buntspecht, welche ihre Heimstatt dort bezogen hat und ihren Nachwuchs großzieht. Eine wahrhaft herzige Beobachtung. Auch zahlreiche Vertreter der piroligen Zunft durfte ich wiederholt beobachten und am 01.07. flüchtete ein riesiger Seeadler vor meiner laufenden Wenigkeit, bis er nach meinem Anreden zurückkehrte, sich auf einen Ast setzte und das kommende Geschehen abwartete. Allein als ich mich unmittelbar näherte, flog er doch noch von dannen – dennoch, ein beeindruckendes Erlebnis.

An jenem Tag lagen zudem noch keine zwei Kilometer hinter mir, doch traf ich bereits vier Hunde und die drei Damen davon mußte ich auch allesamt streicheln: Bessy, Tina und Molly. Es wäre auch höchst unhöflich, selbiges zu unterlassen. Am 29.06. kritisierte mich ein älterer Läufer, weil ich ihn während meines Überholprozesses nicht warnte – mir deucht, dies ist kurios; hätte ich ihn angerufen, wäre der unvermeidliche Schreck nicht minder gewesen. Um solche schrecklichen Begebenheiten zu vermeiden, ist es nur erforderlich, sich hin und wieder umzudrehen. Aber die einfachsten Dinge sind oft die heikelsten im Leben. Gestern hat die Polizei meinen Lauf unterbrochen, um eine Handlungsweise – die sie einst bei mir selbst initiierte – wieder zu konterkarieren. Und ja, damit endet eine eigentümliche Art, nahezu eine irreale Ära in meinem Täglichlaufen. Die Intention der Polizei ist für mich nachvollziehbar – der legislative (absurde!) Gedanke dahinter jedoch nicht – doch werde ich mich in ihrem Sinn verhalten. An dieser Stelle sind die freundlichen Beamten zu loben, welche relativ verständnisvoll auftraten. Nichtsdestotrotz wird meine Fähigkeit reduziert, gefährliche Situationen präventiv! zu vermeiden; wäre diese aktuelle Begebenheit vor zehn Jahren eingetreten, so wäre mein Täglichlaufen längst beendet. Allein hat dieser dekadente Staat kein Interesse am Schutz seiner Bürger – er will immer erst handeln, wenn es zu spät ist. Traurig.

Ein weiterer Monat Täglichlaufen lächelt in der unabwendbaren Zukunft und sendet seine hoffnungsvollen Strahlen hernieder. Ich lasse mich überraschen, welche Lektion die Zeit künftig lehren wird. Mir selbst bleibt nur mein banales Streben nach der erhaltenden Fortsetzung – dementsprechend werde ich meine Ballade vom Täglichlaufen weiterhin mit Hingabe komponieren. Gelebtes Täglichlaufen.

Mein 300. Hitzelauf

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 5. Juli 2015 by Täglichläufer

In der Tat, heute morgen habe ich meinen 300. Hitzelauf absolviert – bezogen auf einen Zeitraum, der seine Initiation am 01.01.2000 vollzog. In über 14 Jahren Täglichlaufen haben 300 Hitzeläufe durchaus ihre leidige Berechtigung, dennoch sind sie in meinen Augen höchst vernachlässigbar. Dementsprechend verzichte ich auf eine explizite Würdigung – in Form einer eigenen Kategorie. Schließlich handelt es sich hierbei um ein zutiefst fragwürdiges Jubiläum. Doch als Täglichläufer ist freilich jedwede Konzentration auf das sogenannte Wetter bedeutungslos. Natürlich haben sich aktuell meine Distanzen reduziert – das gilt auch für die Freude an meinem Agieren – und doch, eine latente Freude über 300 Hitzeläufe will ich nicht negieren. Und so setzt sich mein Täglichlaufen in diesem viel zu heißen Sommer fort – in meinem Geiste stets hinfort in eine formidable Landschaft aus Schnee. Mir deucht, ich kann das leise Knirschen meiner Schritte vernehmen.

300

Regensturm

Posted in Faszination Regenlauf, Täglichlaufen. Laufberichte. on 23. Juni 2015 by Täglichläufer

Die Welt ist dunkel geworden, aber nicht in einer alles verzehrenden Finsternis, nein, der Weltgesang hat sich grau gewandet. Elementares Grau. Die abgeschiedene Weite dominiert bar jedweder Nuancen und vereinigt sich am freien Horizont mit dem grauen Meer der Unendlichkeit. Bereits in der Nacht öffneten sich die imaginären Wasserschleusen in dem hehren Gewölk und noch am frühen Morgen perlte der liebliche Regen stürmend hernieder und generierte eine latente Angst in meinem Geiste. Eine unsichtbare Macht zog mich gravitätisch an und lud mich ein – an dem raren Geschenk eines Regenlaufes zu partizipieren. Aus Angst vor der versiegenden Regenkraft begab ich mich ohne aufhaltendes Zögern in das nasse Leben und ja, ich verzichtete sogar auf mein standardgemäßes Vorprogramm – und das unterlasse ich nie – und verschob es auf den späteren Abschlußakt. Fürwahr, nach nunmehr zwei Monaten voller Sehnsucht durfte ich heute einen Regenlauf absolvieren – welche Gnade.

Die ersten 800 Meter offenbarten sich wie noch stets als eine wahrliche Qual; entlang der Hauptstraße mit ihren rasenden Blechvehikeln. Im Anschluß trat ich aber ein, in meine geliebte Zauberwelt, geboren in der melancholischen Einsamkeit der belebenden Stille. Sofort entfaltete sich der dämpfende Umhang der Ruhe, der alle unangenehmen Geräusche nachhaltig absorbiert; das Grün der Haine kontrastierte mit dem scheinbar unendlichen Grau in kongenialer Eintracht. Zahlreiche Pfützen hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst harmonisch zu kleinen Seen verbunden und ich selbst war gänzlich durchnäßt. Bei sommerlichen 09 °C erkenne ich gar meinen Atem. In der Ferne wird mir später ein Grußfreund kurz zuwinken, bevor er in seinem schützenden Haus verschwinden wird – dies wird die einzige menschliche Begegnung bleiben. Die geliebte Einsamkeit ist heute absolut und ich kann meine Freude darüber nicht in banale Worte kleiden. Wahre Gefühle lassen sich nicht in trivialen Text fassen.

Zahllose gefiederte Freunde teilen meine Freude und konzertieren in gewohnter Perfektion und hier und dort ruft der Kuckuck; er verkündet sein Entzücken über das nasse Glück. Indessen sind meine Wollmäuse davon gar nicht begeistert – auf meine Begrüßung ernte sich nur – Schweigen. Später vernehme ich nur ein betrübtes „Mäh!“. So setzt sich mein Weg fort, ich passiere den nächsten Wald und begebe mich auf meinen träumenden Damm, der die Tropfen mit Behagen empfängt. Von einem wohlwollenden Sturm kann mitnichten die Rede sein, doch treten heute immer wieder moderate Böen auf, die mich ausnahmsweise nicht entführen wollen, nein, scheinbar ist ihr Bestreben, mich zurückzudrängen; immer wieder galoppieren sie mit aller Macht gegen meine schwarze Präsenz – hoffnungslos. Ich erobere doch meinen Weg. Das grüne Gräsermeer – mitten in dem Hochwasserschutzgebiet gelegen – wird durch den wehenden Odem unbarmherzig hernieder gehalten, ungestüme Sturmreiter fegen wellengleich über die wasserlose Ebene. Es ist das ein wundervoller Anblick, der zum Verweilen reizt.

An meiner Lieblingsstelle unterbreche ich meinen Lauf, betrete den Strand und verharre, halte inne und beobachte den grauen Dunkelsee mit seinen unablässigen Wellen, die nach ihrem eigenen Takt schlagen und Woge um Woge mit einer zarten Gischt an das Land werfen. Die unruhige Wasseroberfläche empfängt das fallende Heer der tanzenden Regentropfen und verzehrt sie lautlos. Doch wenn ich die Augen schließe, vernehme ich das malerische Prasseln; tränengleich rinnt das Naß von den Bäumen, um in dem irrealen Nichts für immerdar zu vergehen. Der Genealoge in mir wird wach und ich frage mich, ob meine Altvorderen diese einzigartige, wunderschöne Örtlichkeit im Sein je gekannt haben? Weilten sie einst an dieser Stelle, vielleicht gar in genußvollen Regenzeiten? Jene Antworten liegen hinter vergänglichen Türen verborgen, die doch nicht mehr existieren. Ich verlasse das Gestade und erspähe meine eigenen Fußabdrücke, die trockenen Sand nach oben aufwühlten, welcher in wenigen Minuten egalisiert sein wird.

Irgendwann nehme ich den Laufschritt wieder auf und trete den obligatorischen Rückweg an, gleichwohl könnte ich für immer und immer weiterlaufen. An diesem Punkt atme ich keinen Sauerstoff mehr ein – ich atme pure, konzentrierte Energie, die sich in meinem Körper mit jedweden Zellen verbindet, ihre gehaltvolle Kraft emittiert und sich entsprechend mit absoluter Macht auswirkt. Kurzum, die lustlose Phase der vergangenen Tage hat sich längst verflüchtigt und in dieser Sekunde lebe ich den unverfälschten Genuß. Vielfältige Impressionen nehme ich noch wahr, die es wert wären, hier erwähnt zu werden, aber nein, ich ziehe mir das Schweigen vor. Verloren im Regenreich. Mit einem Lächeln im Regensturm.

Den Weg gehen – III. 2015. Vierzehn Jahre, drei Monate. Unspektakuläre Phase.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und drei Monate in Serie. Wieder wurde ein geschätzter Monat Täglichlaufen von der tödlichen Vergänglichkeit zärtlich berührt, um sich anschließend in gelebter Rasanz in finsteren wie strahlenden, illusionären Staub zu verwandeln – der Eintritt in das unausweichliche vergessende Totenreich folgte in seiner lächelnden Konsequenz. Was bleibt nun? Einmal mehr das Erstaunen ob der flüchtigen Zeit. Wie ein schneller Pfeil wird Lebensmonat um Lebensmonat von einem imaginären Bogen abgeschossen, schnellt ungehalten rücksichtslos, um irgendwann still in das allumfassende Nichts hernieder zu fallen. Monat für Monat vergeht und in solchen ausgewählten Momenten frage ich mich, wie lange wird es mir noch möglich sein, dieses meine Täglichlaufen noch zu zelebrieren, ja noch zu leben? Wohin wird mich jener surreale Pfad künftig führen? Die omnipotente Großmeisterin der Zeit wird es lehren. Morgen oder übermorgen, doch nicht heute.

Die vergangene Phase in meinem Täglichlaufen war wahrlich unspektakulär, wenngleich das entomologische Gepräge durchaus gravierend erschien und mir nicht selten die Freude in meinem Handeln verwehrte. So darf es nicht irritieren, daß ich wiederholt höchst lustlos agierte und ja, selbst an den Tagen, die sich durch perfekte Bedingungen auszeichneten, verwandelte sich mein Täglichlaufen in eine Herausforderung – freilich „nur“ mentaler Natur. Aber starke und schwache Zeiten gehörten jeher zu meiner Konzeption und so will ich nicht viele Worte darüber verlieren. Wenn immer alles nur großartig wäre – das wäre wahrlich entsetzlich. Dennoch, eine weitere Schreckensnachricht muß in diesem Kontext erwähnt werden – ich erlebte keinen einzigen Regenlauf. Welch ein Jammer! Die Temperaturen alternierten zwischen 07 °C und 26 °C, was dieser Jahreszeit angemessen erscheint – wenngleich nicht nach meiner eigenen Definition.

Um im Reich des Schreckens zu bleiben, in der Regel bin ich hier als Schreckgespenst bekannt, da ich zahllose Personen und Tiere – natürlich unabsichtlich (meistens) – erschreckt habe, aber am 09.06. erwischte es mich selbst; nun war ich das Opfer. Ein Bekannter passierte mich mit seinem Auto und als er meine Höhe erreichte, hupte er direkt neben mir – und ich war zutiefst mit meinen Gedanken in anderen Welten versunken. Und so nahm ich die ungewollte Opferrolle ein – einfach schrecklich. Nach der feuerwehrlichen Attacke vor kurzem war dies nun der zweite Akt. Verkehrte Welt. Ein weiteres Beispiel aus der verkehrten Welt erfolgte am 16.06. – eine Radfahrerin fuhr auf dem Fußweg und der schwarze Täglichläufer lief auf dem Radweg und überholte selbige; seltsame Dinge geschehen.

Am 24.05. wurde mir die große Ehre zuteil, einen Kranich in einem Abstand von nur zehn Metern zu passieren, der temporär die Flügel ausbreitete, um mich dann gelassen zu beobachten. Vier Tage später durfte ich zweimal Vertreter der piroligen Sphäre erspähen, welche stets einen zauberhaften Anblick bilden. Wenig später, am ersten Junitag wurde auf meinem Damm endlich das Gras gemäht; in jene partiell gestörte Einsamkeit wagte sich ein heftiger Sturm und latenter Sprühregen, welchen ich leider nicht als Regenlauf werten durfte, da es an greifbarer Intensität und Permanenz mangelte. Möge in dem nächsten Abschnitt der Regen eine dominierende Rolle einnehmen und die täglichlaufende Zunft in freudiges Entzücken versetzen. Hoffnung treibt das Schiff der Narren. So endet ein rasanter Monat ohne Besonderheiten, was ich selbstredend mitnichten negativ betrachte. Ich lasse mich überraschen, wie sich die nachfolgenden Läufe in diesem Kontinuum gestalten werden. Und, möge es sich fortsetzen – das Gelebte Täglichlaufen.

Kulturelle Bereicherung

Posted in Contra Gesellschaft, Contra Politik on 13. Juni 2015 by Täglichläufer

Nun, ich bin wahrlich kein Ausländerfeind. Freilich, diese Einleitung muß als erstes formuliert werden. Ich lebe schließlich in Deutschland. Also weiter, ich wurde so nicht erzogen, mir ist bewußt, daß ich selbst auf der ganzen Welt ein Ausländer bin und auch die Religionen sind mir herzlich egal. Ob einer an Gott, Allah oder an Bauklötze glaubt, interessiert mich grundsätzlich nicht. Ich betrachte die Spezies Mensch als Einheit, woran sie sich messen lassen muß. Solche unnötigen Kategorien sind banal und bedeutungslos und je weiter man sich dieser Betrachtungsweise hingibt, um so negativer muß das Bild gezeichnet werden, von dieser dekadenten Spezies, die nur Krieg im Kopf hat und diesen wunderbaren Planeten von grundauf mit Hingabe zerstört. Und dennoch, diese Regierung, die dieses Land „regiert“, schafft es langsam, aber sicher, daß ich meine Einstellung ändere und zunehmend kritischer diese Thematik betrachte. Ist das nicht absurd? Nachfolgend eine minimale Auswahl aus den Medien, ich beschränke mich stellvertretend auf den Focus.

Focus, 15.01.2015

Nach tödlichem Fenstersturz: Gewalt-Exzess in Hameln: Großfamilie verletzt 14 Polizisten

Focus, 06.04.2015

Etwa 30 Leute beteiligt: Eisenstangen und Baseballschläger: Zusammenstoß zwischen zwei Großfamilien in Bremen

Focus, 04.06.2015

90 Polizisten beenden Massenschlägerei von Großfamilien auf Berliner Spielplatz

Focus, 05.06.2015

50 Beteiligte in Berlin-Neukölln: Tatort Spielplatz: Großfamilien liefern sich Massenschlägerei und Messerstecherei

Focus, 08.06.2015

Hochzeit in Berlin endet in heftiger Massenschlägerei – zwei Polizisten verletzt

Focus, 12.06.2015

Ein Verletzter: Massenschlägerei! Clans prügeln sich in Berliner Landgericht – Richter flüchtet

All jene Vorfälle fanden nicht im arabischen Hinterland oder in den finsteren Bergen am Ende der Welt statt, nein, sondern mitten in Deutschland. Insbesondere die letzte Meldung macht mich sprachlos. „Richter flüchtet“. So so, der Richter flüchtet also aus seinem eigenen Gerichtssaal. Das ist ja bemerkenswert. Soll ich nun weinen oder lachen? Zumindest hoffe ich, daß er von einer möglichen? Bestrafung absieht, denn dies könnte die kulturelle Integration – Integration? – stören und die Bereicherung konterkarieren. Wahrlich, eine irritierende Vorstellung. So weit ist es also gekommen, der Richter muß flüchten. Chapeau! An Herrn Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wage ich mich nicht heran, aber was würde wohl der liebe Herr Goethe an dieser Stelle konstatieren? „Herr, die Noth ist groß, die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los.“ In diesem Sinn, möge zusammen wachsen, was nicht zusammen gehört.

Sommerfreuden

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 6. Juni 2015 by Täglichläufer

Welch ein Titel! Sommerfreuden. Tatsächlich. Wer mich kennt, weiß wohl sehr genau, welche mentale Kraft, Energie und elementare Selbstdisziplin erforderlich waren, mich selbst zu diesem Wort zu nötigen. Angesichts der Tatsache, daß ich ein streitbarer und leidenschaftlicher Anhänger der Herbst- und Winterzunft bin. Gleichwohl darf man nun kein Loblied auf den Sommer von mir erwarten, zumal von einem wahren Sommer auch noch keine Rede sein kann. Heute früh absolvierte ich meinen Lauf bei 26 °C unter blauem Himmel – fast ohne Gewölk – dafür mit entsprechender Sonnenintensität. Glücklicherweise handelte es sich hierbei mitnichten um einen Hitzelauf.

Und so trat ich ein, in das zutiefst grüne Habitat der weiten Abgeschiedenheit und manifestierten Einsamkeit. Die ungewohnte Wärme tangierte mich in keiner Weise, als Täglichläufer bedarf es keiner Anpassungen an etwaige Wetterwechsel, aber dies gilt freilich nicht für entomologische Umgebungsvariablen und ja, der heutige Lauf offenbarte sich als höchst unschön. Auf meinem geliebten Damm weilten alle paar Meter massive Insektenbälle in der Luft und wollte ich ihnen ausweichen, materialisierten sie sich immer ausgerechnet dort, wo sich zuvor noch keine aufhielten. Doch die Tragödie steigerte sich noch, als mich sodann zahlreiche Dasen, auch bekannt als Bremsen erspähten und mich als Ziel auserkoren. Nun, von Bremsen konnte keine Rede sein, weder ich bremste, noch die Bremsen bremsten. Im Gegenteil. So ließ ich innerlich meinen Kopf hängen und trat den vorzeitigen, taktischen Rückzug an. Der Punkt geht eindeutig an die summenden Insektenfreunde.

Also führte mich mein gejagter Weg zurück in die hehren Wälder, die verhalten finster in die ihre Welt einluden. Für einen Moment im Dasein atmete ich auf, doch die Freude währte nicht lange, denn nun attackierten mich Heerscharen an Mücken. Wohlgemerkt, ich schlief nicht durch den Hain oder spazierte – meine Geschwindigkeit betrug 12 Kilometer pro Stunde und als ich mich zuweilen umdrehte, zählte ich wenigstens 3,8 Millionen Mücken, die mich gnadenlos verfolgten. Ich gestehe, ich neige hier zu Untertreibung. Spätestens in diesem Augenblick war mir klar, daß ich heute nur mit äußerster Mühe und Not sommerfreudige zehn Kilometer erreichen werde. Aber was bedeuten gigantische zehn Kilometer angesichts dieser exzessiven Insektenangriffe? Einmal mehr kann ich allen Laufanfängern an dieser Stelle nur von Herzen empfehlen, sich sofort in die Wälder zu begeben, um dort ihr Lauftraining zu beginnen – denn was ist der sogenannten Motivation förderlicher – als Schwärme von Insekten? Eine kongeniale Übungsmethode, die wissenschaftlich längst belegt ist.

Später präferierte ich meinen Dschungelpfad, der mittlerweile sehr zugewachsen ist, aber auch hier ließen die unzähligen Verfolger nicht von meiner Wenigkeit ab. Jählings schoß völlig unerwartet eine Schäferhündin auf mich zu – aus dem Nichts heraus – und nachdem mich „Wolke“ passiert hatte, folgte ihre Besitzerin schnellen Schrittes hinterdrein – eine liebe Grußfreundin von mir – die mich sofort warnte: „Marcus, nicht anhalten! Nicht anhalten!“ Wir begrüßten uns dennoch kurz und führten ein “Gespräch” von vielleicht 20 Sekunden, indessen ich den Sonnen-Anti-Insekten-Tanz in formvollendeter Schönheit aufführte oder anders formuliert – ich hüpfte wie ein Hampelmann auf der Stelle und zappelte elegant mit den Armen. Meine Gesprächspartnerin fuchtelte ähnlich umher und so trat ich den endgültigen Rückzug an. Vor meinem geistigen Auge träumte ich von edlen, weißen Winterlandschaften und leise hernieder säuselnden Schneeflocken. Damit der Träume nicht genug, plötzlich vernahm ich die imaginäre Stimme eines großen Showmasters der 70er Jahre, der einst sang: “Wann wird es mal wieder richtig Winter, ein Winter wie er früher einmal war?”.

Irgendwann endete das nicht gesungene Lied und auch mein heutiger Lauf fand seinen mehr oder weniger würdigen Abschluß, der ganz im Zeichen der wahren Beherrscher dieses Planeten stand – den lieblichen Insekten, die heute nicht wirklich lieblich waren. Aber so ist das, gelobte Sommerfreuden! Der Winter naht. Hoffentlich.

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