Den Weg gehen – VI. 2016. Fünfzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 15,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. So schreitet die Zeit also ungehalten voran und offenbart mir einen weiteren kostbaren Moment der Einzigartigkeit in meinem gelebten Täglichlaufen, mit dem ich schlußendlich nie wirklich gerechnet hätte. Doch Täglichlaufen und Erwartungen bilden freilich einen Widerspruch. Im Täglichlaufen kann es keine Pläne oder Annahmen geben, nur eine latente Hoffnung mag im Hintergrund eine leise Berechtigung besitzen – geschrieben in den Lettern der Illusion – indessen ist das Leben zu unwägbar, um derartige Gedankenspiele hochzuhalten. Wie dem auch sei, es ist mir gelungen, den Halbjahreswert auf der 15. Jahresebene zu realisieren, was in der Konsequenz bedeutet, daß ich seit 15 Jahren und sechs Monaten ausnahmslos täglich laufe. Der heutige Tag ist natürlich nicht mit dem Jahresjubiläum vergleichbar, dennoch – dieser exponierte Wert in meinem fragilen Konstrukt wird entsprechend von mir gewürdigt. Mein Täglichlaufen nach all der langen Zeit bis heute leben zu dürfen, macht mich natürlich sehr stolz – wobei sich die Wertschätzung für meinen Stil grundsätzlich kaum mehr erhöhen läßt. Ich lasse mich überraschen, wohin die Reise künftig gehen wird und wie viel Zeit mir in diesem einzigartigen Kontinuum noch bleiben wird und ja, das Gros davon werde ich genießen. Morgen werde ich diese Konzeption gewiß fortsetzen, darüber hinaus wage ich keine Prognosen. Allein ich bemühe mich – einstmals unbewußt; heute sehr bewußt in Demut.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 26 °C und 09 °C und generierten leider keine Besonderheiten. Zwar nieselte es partiell einmal leicht, aber von einem Regenlauf war jener Tag weit entfernt. Die sonnige Trockenheit obsiegt seit langer Zeit und erreicht damit einen neuen Höhepunkt, nein, Tiefpunkt – denn das kann man nur negativ bewerten. Der letzte Monat verlief dann auch routiniert unspektakulär und wenige Begebenheiten sind es Wert, hier erwähnt zu werden. Allen voran der 01.09., welcher ein besonderes Schauspiel bot, in dem zwei Eichhörnchen als Hauptdarsteller in herziger Vollkommenheit auftraten. Als Auftakt jagten sich beide abwechselnd, immer wieder aufgelockert mit diversen Versteckspielen, welches beide lautmalerisch kommentierten und das in einer Weise, in der ich als Zuschauer mir das Lachen nicht mehr verkneifen konnte. Sie gaben Laute von sich, wie ich sie noch nie zuvor bei Eichhörnchen gehört habe und ich beobachte die süßen Putzels schon eine sehr lange Zeit und treffe sie nahezu täglich. Nach fast zehn Minuten setzte ich meinen Lauf endlich fort, nicht zuletzt motiviert von einem Hörnchen, welches sich engagiert dabei machte, irgendwelche Gegenstände von der Baumkrone nach unten zu werfen. Glücklicherweise wurde ich nicht als Ziel auserkoren und kam unbescholten davon.

Am 05.09. besuchte ich meine Wollfreunde in ihrer noblen Sommerresidenz und wurde stante pede umringt, so daß im Anschluß ein großes Streicheln erfolgte. Mittlerweile steht der Termin für ihre Rückkehr auf die heimatliche Weide fest. Einen Tag später erschreckte ich einmal mehr mehrere Rehe, die sofort flüchteten – doch nur solange, bis ich sie ansprach – sodann hielten sie inne und beobachteten mich neugierig – das ist das Standardverhalten der Rehe, sobald wir uns begegnen. Mein Laufgebiet ist die Heimat zahlloser Grau- und Silberreiher und jene ausgezeichneten „Meckerköpfe“ erspähe ich täglich, doch bis dato sah ich nie einen Reiher auf dem Wasser schwimmen – so geschehen ebenfalls am 06.09., der dann elegant untertauchte und sich nicht mehr sehen ließ. Nach all den Jahren hält die Natur noch Überraschungen für den geneigten Betrachter parat.

Der unschöne Sommer vergeht hoffentlich baldigst endgültig und räumt seinen Thron für die wahre Regentin – der Herbstkönigin, die ihre stürmische und regennasse Macht mit unbändiger Leidenschaft entfalten wird; bevor die eisige Frostregentin mit lieblichen Schneestürmen erhaben durch die Natur tanzt. Tatsächlich, möge es so kommen. Dum spiro, spero. Ich werde jener Zeit und jenen Momenten, die noch nicht geboren sind, entgegen laufen. Täglich. Welch eine Gnade. Nach all den Jahren! Welch eine Gnade! Unfaßbar.

Auf nach Deutschland!

Posted in Absurdistan on 15. September 2016 by Täglichläufer

In Europa gibt es ein Land, welches trotz zweier militärischer Großniederlagen und am Ende der nahezu vollständigen Zerstörung im Fluß der Zeit wirtschaftlich wieder erstarkte und heute relativ wohlhabend geworden ist. Eine Konsequenz des letzten wahnsinnigen Krieges ist es, daß bei seinen Einwohnern (?) – zumindest bei der regierenden Kaste jedwedes Nationalgefühl oder Nationalstolz weg gezüchtet wurde; diese politische Klasse hat es sich auf die Fahnen geschrieben, immer und überall gegen das (derart böse) eigene Volk zu agieren, was in den nächsten 1000 Jahren bestraft werden muß; eine Konzeption, welche sie mit Leidenschaft lebt. Zugegeben, das zu beherrschende Volk ist auch sehr beschränkt, was den Geist angeht – dies wird tagtäglich bewiesen, was es alles hinnimmt.

Jenes Land – Deutschland – lädt nun alle Menschen auf dieser Erde dazu ein, zumindest alljene, denen es schlechter geht als den Deutschen – in selbiges Land zu kommen. Alle Neuankömmlinge werden freudig aufgenommen, erhalten eine Unterkunft, werden kulinarisch versorgt und auch mit Geldmitteln ausgiebig ausgestattet – und das, obwohl sie nie in die Kassen dieses Landes einzahlten (mit welchem Recht?); ja, es auch nie werden. Sie müssen sich nicht anpassen, sie können hier wie die Herrscher auftreten – machen, was und wie sie wollen – sie dürfen Diebstahl betreiben, Rauben, Morden und Vergewaltigen. Und keine Sorge, sollte je einer erwischt werden, so darf er vielleicht in ein Gefängnis einziehen – in Gefängnisse, die besser ausgestattet sind als die Luxus-Hotels in den jeweiligen Heimatländern, und – auch der Urlaub in jene Herkunftsländern wird von diesem absonderlichen deutschen Volk mit Freuden bezahlt.

Solltet ihr jedoch entgegen eurer absoluten Unantastbarkeit von einem Einheimischen kritisiert werden, so sei euch das besondere Zauberwort angeraten: „Nazi!“. Sobald dieses Wort fällt, fällt der Deutsche weinend auf die Füße und der Staatsschutz ermittelt – gegen die Deutschen. Selbstverständlich. Liebe Islamisten dieser Welt, ich möchte euch alle bitten, nach Deutschland zu kommen – hier ist das Paradies und ihr wärt dumm, wenn ihr nicht hierher kommen würdet. Ich verstehe das; ich würde es wohl auch so machen.

Allah ist groß, aber die Beschränktheit der Deutschen ist um Welten größer!

Man könnte sich fragen, wieso ich wieder einmal so einen Text verfasse – das ist die pure Verzweiflung, die aus mir spricht, wenn ich tagtäglich sehe, was in diesem Land hier passiert. Unter „Flüchtling“ verstehe ich Hilfebedürftige, die von anderen hilfsbereit aufgenommen werden, um ihnen zu helfen; daraus sollte Respekt und Dankbarkeit resultieren. Stattdessen werden deutsche Frauen bei der Essensausgabe als Schlampen tituliert, der Suppenteller wird ausgeschüttet „esse ich nicht!“, geschweige denn wird den „Schlampen“ die Hand gegeben. Sogenannte Flüchtlinge zünden ihre Unterkunft an und generieren einen Schaden für 650.000 Euro usw. usf. Jeden Tag sind neue Horrormeldungen zu lesen und ich will gar nicht wissen, was nicht in den Medien publiziert wird. Und wer diese Personen real erlebte, in Einkaufszentren oder sonstwo, mit welcher extremen Arroganz diese sogenannten Flüchtlinge auftreten und so tun, als ob sie allein auf Mutter Erde wären – es ist der pure Horror. Der Gipfel der Frechheit manifestiert sich in der Tatsache, daß „Flüchtlinge“ das Amt für Asylverfahren en masse verklagen – diese Unverschämtheit muß man erst mal begreifen! Am schönsten ist das Zitat aus der Hauptstadt Berlin, aus einer „No go Area“, in der ein Islamist fröhlich konstatierte, „Hier gibt es zu viele Ungläubige (Deutsche)“. Berlin. Das ist Berlin, die Stadt, in der selbst die Polizei die Polizei zu Hilfe rufen muß – wie auch schon in Potsdam, wo die Bundespolizei die reguläre Wache beschützen muß (oder mußte).

Ja, da kommt Freude auf. Die Infrastruktur in diesem Land verfällt, die Straßen sind marode, das Renten- und Krankensystem implodiert, es ist kein Geld für Kindergärten da, geschweige denn für die Betreuung – überall wird gespart, nirgends sind Geldmittel existent, aber für diese formidablen „Flüchtlinge“ werden über 100 Mrd. Euro verbrannt. Ich frage mich, wie realitätsfern muß man sein, um solche Entscheidungen zu treffen? Das ist nur der Anfang. Und das Volk goutiert all das? Der Souverän? Demos? Kratie? Volks? Herrschaft? Ich kenne nicht eine Person, die diese Politik unterstützt – jedoch sei zu meiner Verteidigung angemerkt, daß die meisten Menschen bildungsfern sind, gerne auch als Pack bezeichnet und nur Hochschulabschlüsse besitzen, also ohne Bildung sind.

Ich wage mir nicht im Traum vorzustellen, was ein Herr Bismarck mit dieser Regierung gemacht hätte!?

Entführte Lebenszeit

Posted in Täglichlaufen. Status. on 12. September 2016 by Täglichläufer

Oh geliebte Zeit, du flüchtiges und surreales Wesen der unendlichen Einzigartigkeit – warum nur eilst du so rasant durch den Weltgesang des temporären Daseins? Mit jedem Tag, der ungerührt vergeht, wirst du transparenter und gnadenlos entführst du meine Lebenszeit ohne Hoffnung auf Wiederkehr und absorbierst sie auf deiner nie endenden Reise in die Vergessenheit. Viel intensiver und konzentrierter wirkst du in der Tat auf mein Täglichlaufen, welches eine besondere Zeitwahrnehmung generiert und ja, das gewaltige 15-Jahre-Jubiläum im Zeichen des Gelebten Täglichlaufens ist längst in die Vergangenheit eingetreten und doch ist es mir, als ob jener Tag erst gestern war.

Lange schon lebt jener kostbare Moment nicht mehr und besteht nur noch in meiner Erinnerung fort. Indessen strahlt das nächste Jubiläum lächelnd hernieder: 15 Jahre und Sechs Monate Täglichlaufen. Nun, ich gebe es gerne zu – dieses inoffizielle „Jubiläum“ reizt mich sehr und diesen Wert in der Realität vollzogen zu haben, wird den Stolz auf mein Täglichlaufen mehren – diese Interpretation wird angesichts der niederstreckenden Erfahrung vor drei Monaten allumfassend bestätigt und unterstreicht die Nichtreproduzierbarkeit meiner gelebten Konzeption für mich nach all den vielen Jahren. Die daraus resultierende Wertschätzung kann freilich nicht in schnöde, unvollkommene Worte gegossen werden. Wohlan, die nächsten Tage werden es lehren, ob ich meine Intention nach meinem Willen gestalten und in die Realität übertragen darf.

Froschelfreunde

Posted in Fauna, Photos on 1. September 2016 by Täglichläufer
Ohne Worte.
September_2016_Froschels_01
September_2016_Froschels_02
September_2016_Froschels_03

Den Weg gehen – V. 2016. Fünfzehn Jahre, Fünf Monate. Die Begegnung mit der Bestie.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Fünf Monate in Serie. Wieder ist ein Monat Täglichlaufen gnadenlos vergangen und wurde für immerdar in den vergänglichen Abgrund der Erinnerung gerissen. Die Zeit vergeht ungerührt, das Leben nicht minder und auch mein Täglichlaufen setzt seinen Pfad in die Vergangenheit fort. Das gleiche alte Lied. Bis dereinst alles endgültig endet, enden muß. Die gefährliche Routine obsiegt und suggeriert einmal mehr den Schein der Unüberwindlichkeit, purer Energie voller Macht – besonders in Kombination mit den nun herrschenden angenehmen Temperaturen. Manche Illusionen sind zu verlockend. Demungeachtet ist der Genuß zurückgekehrt und mehrheitlich praktiziere ich mein Täglichlaufen mit Freude in Zufriedenheit. Möge sich dies ebenso fortsetzen.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 26 °C und 10 °C und boten erneut keine Besonderheiten feil. Der dringend für die Natur – und auch für mich als Täglichläufer – benötigte Regen blieb wieder aus; die Versteppung schreitet voran. Ich will das nicht weiter bewerten. Immerhin blieben auch die schrecklichen Hitzeläufe aus, welches sich ganz banal durch den frühen Laufzeitpunkt begründet. Ich bin geneigt anzunehmen, daß dieses Jahr das erste überhaupt sein wird, in dem ich nicht einen Hitzelauf absolviert haben werde – was für eine grandiose Meldung dies doch ist. Jener Monat stand evident im Zeichen der Rehe, die sich nahezu täglich beobachten ließen. Vor allem ihre relative Zutraulichkeit erfreute mich wiederholt.

Einer d e r Höhepunkte in dem letzten Abschnitt fand eindeutig am 19.07. statt – ich stand mit einer Dame in einem Gespräch vertieft, als plötzlich ein Radfahrer vorbei fuhr, der nach 30 Metern anhielt und lautstark nach seinem Vierbeiner rief. Erwartungsfreudig beobachtete ich nun jene Richtung, aus der der Hund erwartet wurde und erspähte – nichts. Das Rufen intensivierte sich, unsere Ungeduld steigerte sich in das Unermeßliche und ich rechnete mit einem großen, gefährlichen Racker – die Situation schrie förmlich danach – vor meinem geistigen Auge bildete sich Nebel, eine gruselige Musik schien ich zu vernehmen, die Zeit hielt inne, ein Sturm wehte durch die Bäume und ein Blitz schlug am Firmament strahlend hell hernieder und ja, dann war es soweit – die Bestie erschien endlich. Schrieb ich soeben Bestie? Man möge mir diesen Fauxpas nachsehen – denn Egon kam angerannt! Mops Egon kam im Sturmlauf auf uns zu, gewahrte die für ihn fremden Personen, blieb jählings stehen, prüfte abwartend die Lage und traute sich nicht an uns vorbei. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen – damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet – das war eine eindrückliche Begegnung. Die imaginäre Musik verstummte urplötzlich, der Nebel verschwand und auch Egon wagte sich irgendwann in den Wald. Egon – ein witziges Kerlchen.

Am 05.08. erlebte ich meinen 36. Wildschweinkontakt und wurde am frühen Morgen freudig begrüßt, halt, nein – begrunzt. Sodann sah ich die ganze Rotte von dannen rennen. Die lieben Schwarzkittel in freier Natur beobachten zu dürfen, ist stets ein wunderbarer Moment. Zwei Tage später fand der große Almabtrieb statt, über den mutmaßlich weltweit berichtet wurde. Meine Wollchens befinden sich nun wohlbehalten in ihrem Sommerurlaub und werden diese Zeit hoffentlich sehr genießen. Am 11.08. gelang es mir, einen wundervollen Schwarzspecht zu beobachten – hierbei handelte es sich um ein besonders großes Exemplar – das „groß“ bezieht sich auch auf die Neugierde.

Gestern lief ich im tiefen Hain mitten in einen zwei Meter langen Draht hinein, der auf dem Waldweg lag und im Zuge von Baumaßnahmen vergessen wurde. Glücklicherweise war auf der Teilstrecke meine Geschwindigkeit – aufgrund von Wanderwurzeln – sehr gemindert, so daß kein Schaden entstehen konnte. Damit sich nicht die lieben Waldbewohner daran verletzen, habe ich den Draht entsprechend gesichert und unschädlich gemacht. Heute traf ich zum ersten Mal den fünf Monate alten Golden Retriever Leo – doch was könnte ich hier noch bemerken? Goldies sind derart goldig, daß ich jedes Mal in Verzückung gerate – diese Putzels muß man lieben. – – So verabschiedet sich ein routinierter Monat Täglichlaufen. Es folgt – ein weiterer Tag Täglichlaufen; dem sich hoffentlich der eine oder andere Tag anschließen wird, um zu einem neuerlichen Monat heranzuwachsen. Die Zeit wird es lehren. Ich selbst bemühe mich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gelebtes Täglichlaufen.

Der große Almabtrieb

Posted in Meine Schafe on 7. August 2016 by Täglichläufer

Mei, des wos a zünftige Sach! Tatsächlich fand heute der große Almabtrieb oder auch Viehscheid genannt – in gehaltvoll, traditioneller Atmosphäre statt. So absolvierte ich meinen Lauf in prachtvoller Ledertracht und trug dazu einen würdigen Hut, welchen ich mit Silberdisteln und Seidenblumen verziert hatte. Passend hierzu läuteten die Glocken und das Orchester spielte eine formidable Blasmusik in diesem Kontext. Nun, mir deucht, dies fand exakt so in einem Paralleluniversum statt – die hiesige, preußisch korrekte Version gestaltete sich durchaus weniger opulent – indessen jedoch schneidiger organisiert.

Ich wurde kürzlich gebeten, den Umzug meiner geliebten Wollfreunde in ihr Sommerquartier zu begleiten und so legte ich den Zeitpunkt meines heutigen Laufes entsprechend so, daß ich auf dem Rückweg, mich in hilfreicher Weise engagieren konnte. Als ich die heimatliche Weide erreichte, befand sich bereits eine freundliche Dame vor Ort, die die wichtige Funktion des Streckenpostens mit Hund einnahm, um Ausbrüche in den rückwärtigen Raum, heißt – in die Tiefe des Waldes – zu unterbinden. Im Zuge der ordnungsgemäßen Verlegung rückte sie nach und sicherte das Rückzugsgebiet in vortrefflicher Art und Weise.

Sodann wurden die Gatter geöffnete und die mähenden Wollies mit hervorragenden Köstlichkeiten begrüßt, so daß der Zweck der Traubenbildung um den „Herrn der Schafe“ sofort realisiert werden konnte. Das Wollschild baute sich stante pede auf und so rückte jener geschlossen vor – auf 12 Uhr Richtung Sommerresidenz. Ich selbst verlagerte meine Position vor und harrte den Dingen, die da kommen sollten – ebenso sehr gut mit kulinarischen Leckerlis bestückt. Das Geschehen wurde selbstredend in herziger Form kommentiert und allein die Lautäußerungen der Schafe zauberten mir mehr als ein Lächeln in das Gesicht.

Als sie nun meinen Versorgungsstützpunkt erreichten, stockte der Vormarsch ein wenig, so daß ich mich genötigt sah, zwei Wolldamen in die gewünschte Richtung zu dirigieren, in dem ich sie leicht über ihr sehr, sehr weiches wolliges Hinterteil streichelte. Und weiter ging der Vorstoß! Innerhalb kürzester Zeit war die Übersiedlung vollendet und die Schafe zogen in ihr neues Domizil – gewiß voller Freude. Ich muß gestehen, ich hatte mir den Ortswechsel als Herausforderung vorgestellt – allein die Putzels sind es gewohnt und haben ihre Sache hervorragend umgesetzt. So wurde aus dem großen Almabtrieb nur ein kleiner Woll-Umzug, der auch in dem Fehlen jedweder Almen begründet liegt. Dennoch, mein heutiger Lauf bildete somit eine Besonderheit, wie ich sie höchst selten erlebte. Mögen meine Wollies sich an ihrem neuen Ort sehr wohl fühlen!

Von Rehen

Posted in Besondere Momente, Täglichlaufen. Laufalltag. on 2. August 2016 by Täglichläufer

Der Tagesbeginn mühte sich redlich, sich von seiner finsteren Seite zu zeigen und reizte gar lieblich mit Nieselregen. Allein es blieb bei dem Bemühen, denn die Dunkelheit war nur latent ausgeprägt und auch der vermeintliche Regen zieht nicht in meine Regenstatistik ein. Demungeachtet wußte ich die angenehmen Temperaturen zu schätzen, welche sich kausal auf meinen heutigen Lauf auswirkten und für eine greifbare Energie verantwortlich zeichneten – wie ich sie lange nicht erfahren durfte. Die Einsamkeit des hehren Forstes war von einer wundervollen Einzigartigkeit geprägt und so genoß ich mein Täglichlaufen in einem besonders gehaltvollen Maße. Tief im Hain befand ich mich mittlerweile auf dem Rückweg und bog an einer Wegkreuzung ab, um jählings direkt vor mir ein mittelgroßes Reh zu erspähen.

Für den Bruchteil einer Sekunde fror die surreale Zeit scheinbar ein – wir sahen uns an und sinnierten wohl beide, wie die Begegnung sich nun weiter entwickeln würde. Ich verlangsamte abrupt meine Geschwindigkeit, indessen der Zeitenfluß sein gewohntes Tempo wieder aufnahm und das edle Reh sofort im Unterholz verschwand. Nachdem es zwei Meter hinter sich gebracht hatte, redete ich das schöne Tier auch schon an – getreu meiner Art, mit jedem Tier zu kommunizieren – und nach zehn Metern hielt es inne und drehte sich zu mir um und beobachtete mich. Ich hielt meinen Monolog fröhlich weiter und verließ den Ort des Geschehens, um nicht weiter zu stören. Das Reh zeigte auch – wie so oft – kein Fluchtverhalten mehr und ich freute mich sehr, diesen seltenen Vertrauensbeweis erhalten zu haben.

Bereits gestern früh gelang es mir, ein sehr großes Reh bei seinem Morgenmahl zu beobachten, welches in einem ungefähren Abstand von 100 Metern verharrte. Nach einiger Zeit gewahrte es mich – ich begrüßte es im Anschluß – es ließ sich aber mitnichten von meiner Präsenz stören. In der Tat, das ist Täglichlaufen. Und die bedeutendsten Momente sind für mich jene, wenn Wildtiere nach dem Anrufen nicht flüchten oder gar zurückkehren, wie ich es beispielsweise mit diversen Raubvögeln wiederholt erlebte. Solange sie nur auf mich treffen, werden sie auch n i e enttäuscht werden.