Den Weg gehen – II. 2015. Vierzehn Jahre, zwei Monate. Vollzogener Wandel.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Vierzehn Jahre und zwei Monate in Serie. Das Spiel des Lebens setzt sich ungehalten fort, die tosenden Ströme der Zeit vereinen sich in dem allgewaltigen Meer der Unendlichkeit und reißen ungerührt alles mit sich, um die geheimnisvolle Verborgenheit zu preisen. Ich selbst folge mit meinem banalen Täglichlaufen und bringe einen weiteren Monat in diesem meinem geliebten Stil als Tribut dar, der sodann stante pede absorbiert wurde. Aber welche Wahl habe ich auch? Ich kann mich der irrealen Zeit nur gnadenlos unterwerfen und doch, und doch den einen oder anderen Moment der Einzigartigkeit scheinbar festhalten – in diesem surrealen Kontinuum von Raum und Zeit – um ihn bewußt wertzuschätzen. Und ja, mit meinem Täglichlaufen gelingt mir das – wenn auch nicht immer oder täglich – doch temporär in exponierter Weise. So sei es.

Die obligate Statistik vermeldet drei Kälte- und nur einen Regenlauf – das ist wahrhaftig enttäuschend und verlangt nach gehaltvollem Schweigen. Die Temperaturen alternierten zwischen 0 °C und 20 °C. Der letzte Kältelauf fand am 29.04. statt und nimmt damit einen besonderen Wert ein – auf die vergangenen 14 Jahre bezogen, denn so weit hinein absolvierte ich im prosperierenden Frühling noch nie einen Kältelauf. Im April übernahm ich erneut das gewichtige Amt als Futterlehrling für meine geliebten Wollfreunde, wenngleich zeitlich sehr begrenzt – für nur eine Woche. Die Freude ob meiner Aktivität war auf beiden Seiten freilich unbegrenzt; allein das Theater nach meiner Amtsaufgabe war entsprechend nicht minder gewaltig. Doch schlußendlich mußten wir uns alle wieder daran gewöhnen, der Alltag obsiegte. Als sie mich vorhin erspähten, rasten alle zum Tor – ich sollte hinein und sie wollten hinaus. Gleichwohl blieb es nur bei Streicheleinheiten.

Folgende Begebenheit war sicherlich auch dem Alltag geschuldet, indessen zählte jene Situation zu den schrecklichsten respektive unangenehmsten – am 30.04. befand ich mich auf dem Rückweg als jählings ein Rettungswagen und zwei exorbitant lärmende Feuerwehrwagen in direkter Nähe an meiner laufenden Wenigkeit vorbei fuhren. Ihre Tuten & Tröten waren auf maximale Lautstärke konfiguriert – sofern man derlei denn einstellen kann. Nun bin ich guter Hoffnung, daß mein Gehörsinn in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren zurückkehren wird. Lärm kann durchaus in Folter ausarten. Wie unvergleichlich schön ist doch die dämpfende, sanfte Atmosphäre in den hehren Hainen – welch ein still wisperndes Kontrastprogramm. Allenthalben musizieren derzeit die Nachtigallen, Pirole und ja, auch der Kuckuck ruft höchst engagiert in die Welt hinaus und das seit dem 29. April. Sodann erspähte ich am 24.04. einen edlen Rotfuchs, der dieses Mal jedoch relativ zügig flüchtete.

Ein Tag vorher – am 28.04. erlebte ich den dritten Fastunfall in diesem Jahr – eine Dame rauschte ohne Reaktion auf mein latent ungehaltenes Verhalten von dannen. Gleichwohl ist mir bewußt, wie mental herausfordernd es sein muß, das Wort „Stop“ auf diesen seltsamen Schildern zu interpretieren und gar umzusetzen. Und der Schulterblick? Ja, ein entfernter Planet außerhalb unserer Galaxis hört auf diesen Namen. Alles wie gehabt – mir deucht, ich wiederhole mich. Die Entschädigung für diese Dramatik ließ nicht lange auf sich warten – im Wald beobachtete ich ein Reh; wir sahen uns beide an, bis es dann gemütlich weiter spazierte – von Flucht war keine Rede. Anfang Mai – am 04.05. – quakten zum ersten Mal in diesem Jahr die Froschels in meinem Hochwasserschutzgebiet, spätestens jetzt ist der frühlingshafte Wandel wahrhaftig vollzogen.

Drei Tage später begleitete mich eine Grußfreundin per Rad während meines Laufes und wir genossen gemeinsam den herrlichen Frühling, derweil die Sonne das Geschehen dominierte, die Temperatur sich aber indes noch zierte. Am 13.05. kam ich in den Genuß, einen Kuckuck nicht nur musikalisch vernehmen zu dürfen, sondern ihn auch von dannen fliegen zu sehen. Wiederum einen Tag später erspähte ich Meister Lampe, der rasant durch den tiefen Wald hoppelte (heute morgen erneut) – eine höchst seltene Beobachtung in den hiesigen Wäldern. Die erste Begleitung in diesem Jahr läuferischer Natur fand am 16.05. statt – in den Morgenstunden begleitete mich ein Lauffreund mit seinem Schäferhund und so eroberten wir zusammen den natürlichen Weltgesang. Die Zeit ist nun reif, auch wieder über Familie Weinberg zu sinnieren und sodann durfte ich gestern früh eine große Weinbergschnecke umsetzen, die mit schnellen Schritten in Richtung Straße raste – Glück gehabt!

Und so verfällt ein neuerlicher – ehedem hoffnungsfroher Monat – der charmanten Vergessenheit anheim. Nichts kann diese unabänderliche, rigorose Konsequenz tangieren, geschweige denn aufhalten; aber wer ist der Mensch schon, um solche vermessenen Gedanken zu entfalten? Die noch nicht geborene Zukunft wird wallend über uns hernieder schweben und uns weiter entführen, in den geheimnisvollen Strömen der sogenannten Zeit. Ich bin unendlich dankbar, einst den imaginären Pfad des Täglichlaufens beschritten zu haben – ihn bis heute beschreiten zu dürfen – denn jener Weg generiert eine Art demütiges Bewußtsein, den einzigartigen Moment der fragilen Zeit höchst intensiv wahrzunehmen und zu leben. Was wäre ich nur ohne mein Täglichlaufen – wie ich es bisher praktizieren durfte – wie anders wäre diese meine Welt? Eine Frage, eine eklatant schreckliche Vorstellung, die ich nicht beantworten kann und will. Möge es sich fortsetzen. Mein geliebtes Täglichlaufen. Täglich. Morgen.

Anthropozentrisches Fiedeln

Posted in Contra Mensch on 25. April 2015 by Täglichläufer
“Wir befinden uns mitten in einer Periode des großen Artensterbens, dennoch sind die meisten Menschen blind dafür.
Sie sind so beschäftigt mit ihrem trivialen Zirkus,
dem anthropozentrischen Zeitvertreiben,
Sport, Kunst, Klatsch, Politik,
Wein, Essen und Unterhaltung.

Die Menschen fiedeln, während die Erde brennt.”

(Paul Franklin Watson)
(Gründer der Sea Shepherd Conservation Society)

Ohne Worte, ohne Worte.

Den Weg gehen – I. 2015. Vierzehn Jahre, ein Monat. Sturmläufe.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Vierzehn Jahre und ein Monat in Serie. Die hehren Haine tragen nun Frühlingsgewänder par excellence und die vernehmliche Stille wispert allenthalben, flüstert leise ungehalten und begleitet die wehende Zeit wehmütig auf ihrem ureigenen Weg in die unausweichliche Vergänglichkeit. Mein elementares Jubiläum in diesem Jahr – Vierzehn Jahre Täglichlaufen – leuchtet, nein, brennt immer noch in einem gewaltigen Feuerschatten nach, muß nachbrennen und doch begehe ich heute eine neuerliche Rückschau in diesem meinem Stil. Ein weiterer Monat Täglichlaufen wurde gnadenlos von der omnipotenten Lehrmeisterin der Zeit für immerdar in ihr unendliches Nebelreich der Vergangenheit verbannt. Erschreckend. Demungeachtet durfte ich meine teure Konzeption fortsetzen und somit füge ich meiner täglichlaufenden Hingabe wie Liebe eine weitere Ebene, respektive Monat hinzu – in der unabänderlichen Konsequenz forderte die gewohnte Rückschau ihr standesgemäßes Recht. Wie ich in meinem letzten Artikel abschließend erwähnte, werde ich meine absolvierten Kilometer nur noch einmal in dem jeweiligen Jahr addieren; in meiner Rückschau darf ich jene Kilometerzahlen nun getrost ignorieren. Was bedeuten auch diese Werte? Nichts. Zugegeben, eine späte Erkenntnis. So sei es.

In den vergangenen zwei Monaten alternierten die Temperaturen zwischen -05 °C und 16 °C – daraus folgen angenehme 32 Kälte- und nur drei Regenläufe. Wehende, ungestüme Sturmhände griffen rasend nach meiner Wenigkeit, der Frühlingsauftakt vollzog sich höchst windig. Das exponierte Sturmtief, welches in den Medien, aber noch mehr in der Realität für Irritationen sorgte, tat auch hier das seine – gleichwohl thronen in meiner Erinnerung zahlreiche Stürme mit nachhaltiger Macht auf den ersten Rängen – was ich hier hier kürzlich erleben durfte, entfaltete sich weitaus schwächer – auf die Schäden bezogen. Diese ausgezeichneten Windböen waren mitnichten den hiesigen Hochständen positiv zugetan, was ich mit Genugtuung registrierte oder anders formuliert – vier Hochstände fielen den wehenden Witterungsbedingungen zum Opfer, was ich freilich sehr begrüßte. Apropos begrüßen; eine meiner Grußfreundinnen, welche ich nahezu täglich treffe, passierte mich exakt an der gleichen Lokalität wie am Vortag, so daß sie fragte: „Drehen sie schon wieder ihre Runde?“ – in der Tat, nur eine Antwort konnte ich darauf geben: „immer noch, immer noch!“ – sie lachte herzlich auf, so geschehen am 22. Februar.

Der letzte zweifache Monatsabschnitt stand ganz im Zeichen meiner wühlenden Freunde: Familie Schwarzkittel. Am 11. März begegnete ich einer Rotte von 12 Wildschweinen, am 28. März beobachte ich derer fünf und am 09. April ungefähr sechs Putzels, die allerdings – für meine Begriffe – extrem groß waren. Möglicherweise haben hier einige Vertreter des Pleistozäns überlebt und werden demnächst die Fachwelt in Aufregung versetzen. Als ich am 13. März in meinem Dammareal weilte, erspähte ich etwa 50 Graugänse, die still am Firmament schwebten und das meine ich wörtlich. Sie bewegten kaum die Flügel und diese intensive Lautlosigkeit sah zutiefst erhaben und edel aus. Nicht weit von diesem Punkt entfernt, überholte mich am 25. März ein wunderschöner Bussard, der in seinen Krallen eine arme Entendame von dannen trug. Ich lief jählings hinterdrein, um das Spektakel näher zu beobachten, erhöhte also meine Geschwindigkeit und sah den Greifvogel nach links entschwinden, welcher hinter einem Baum Deckung suchte. Nachdem ich den Punkt passierte, fühlte er sich mutmaßlich gestört und ließ von seiner noch lebenden Mahlzeit ab und trat den eiligen Rückzug an; indessen die kleine Entendame nach einer minimalen Erholungsphase ebenso davon flog – scheinbar unversehrt, wenn auch sicherlich zu Tode erschreckt.

Um bei dieser Thematik zu bleiben, darf folgendes Erlebnis nicht unerwähnt bleiben. Am 08. April kam mir mitten im Wald ein edler Bussard entgegen; direkt auf meine laufende Präsenz zu und zudem in Kopfhöhe, um kurz vor mir nach rechts abzudrehen und in einem Abstand von nur einem Meter passierte er oder sie mich höchst entspannt – welch nahe Begegnung! Ende Februar erschien ich faktisch aus dem Nichts heraus an einem Feldrand und erschreckte zwei Graugänse in dramatischer Weise, welche sich sofort empor in die Lüfte erhoben und mich lauthals ausschimpften – nach meiner obligaten Anrede landeten sie prompt, stellten das Meckern ein und spazierten gelassen ihres Weges in meiner direkten Nähe. Vielleicht handelte es sich hierbei um Zufall, aber ich bin geneigt anzunehmen, daß sie mich doch kennen, denn schließlich besuche ich sie täglich und rede auch grundsätzlich immer alle tierischen Putzels an.

Der schönste Lauf in der vergangenen Phase fand zweifelsohne am 31.03. statt – ein starker Sturm dominierte das Weltgeschehen, kongenial verbunden mit Schnee- und Schneeregen in einer greifbaren, finsteren Einsamkeit, die ihresgleichen suchte und ja, mich fand. Niemand wagte sich hinaus in jene herrliche Atmosphäre und ich habe es wahrlich genossen. Nach nunmehr 14 Jahren Täglichlaufen weiß ich dieses Geschenk in tiefer Dankbarkeit und zufriedener Demut in absoluter Weise zu schätzen. Der erste Graugansnachwuchs, den ich in diesem Jahr erspähen durfte, zeigte sich am 15. April – drei lütte, goldige Federbälle paddelten ihren viel zu schnellen Eltern hinterdrein. Was war das für ein herziger Anblick!

Heute früh lag auf dem Waldweg eine zusammengerollte Ringelnatter, die ich natürlich in die Sonne trug – fern des Weges. Die Gerüchteküche brodelt, man munkelt dieses und jenes und ja, leise Stimmen flüsterten es bereits, daß ich in nächster Zukunft erneut zum amtlich bestallten Futterlehrling aufsteigen werde und in wolliger Konsequenz mich um meine lieben Wollies kümmern werde. Mittlerweile kann ich dies nun bestätigen. Die Vorfreude obsiegt bereits – mögen meine Wollfreunde es ähnlich sehen. Der Frühling expandiert mit aller Macht, täglich gehaltvoller und ja, ich preise diese Zeit auch künftig mit meinem Täglichlaufen. Möge sich diese meine Reise fortsetzen. Hinein in den grün leuchtenden Weltgesang, absorbiert von der wunderbaren Natur und verborgen von der Tiefe des Waldes in der greifbaren Einsamkeit.

14 Jahre. Täglichlaufen. 14 Jahre.

Posted in Täglichlaufen. 14 Jahre. on 18. März 2015 by Täglichläufer

Nun ist er also tatsächlich erschienen – der eine Tag in diesem Jahr – der für mich von essentieller Bedeutung ist und bisher von mir nur sehnsüchtig erhofft werden durfte. Behutsam, geheimnisvoll und doch unaufhaltsam näherte sich der 18.03.2015 aus der noch nicht geborenen Zukunft und trat heute vernehmlich wispernd in diesen temporär lebenden Weltgesang ein; in mein ureigenes Dasein, welches nicht mehr ist wie ich selbst auch, nur Staub im Wind. In der Tat, mit dem heutigen Lauf in den frühen Morgenstunden habe ich mein scheinbar obligates Jahresjubiläum vollzogen – an dieser Stelle darf ich zufrieden zurückblicken auf 14 Jahre Täglichlaufen in Serie. Ausnahmslos. Seit heute stehe ich auf der 14. Jahresebene in der Zunft der Täglichläufer, ein würdiger Moment in diesem meinem Leben, welchen ich feierlich zelebrieren werde. Das Leben hat Recht. Ich bin extrem stolz auf mich und kann es nur schwer realisieren, ja, wenn nicht meine Erinnerungen an die vergangenen Jahre mit ihren ausgewählten Augenblicken derart lebendig, greifbar wären – in Kombination mit meinen wertvollen Laufaufzeichnungen, die jeden Tag dokumentieren; wäre das absolut unvorstellbar für mich.

18.03.2015

Diese 14 Jahre Täglichlaufen – geboren in einem Kontinuum der totalen Konsequenz respektive hingebungsvoller Laufliebe – sind wahrlich bedeutungslos und doch eminent von nicht definierbarer Gewichtung. Schlußendlich bilden sie nur das automatische wie zutiefst natürliche Nebenprodukt meiner Laufliebe; das muß ich banal konstatieren und dennoch! Und dennoch ist mein Wirken scheinbar unglaublich, allein in dem Kontext der Fragilität des Daseins, des Lebens und der Gesundheit. Explizit der Gesundheit. Ja, ich bin ein Nichts in dem Hauch der Äonen, was wir als Leben registrieren, nur ein Wassertropfen in einem wogenden Meer in dieser seltsamen Welt, die ich für ein paar Jahre betreten und an ihr partizipieren darf. Allein das filigrane Konstrukt der Gesundheit für sich betrachtet, verleiht meinem Täglichlaufen einen Wert, der mit nichts aufzuwiegen ist. Jeder, der Täglichlaufen praktiziert hat – für welche Dauer auch immer – weiß, wie herausfordernd es ist, dieses Agieren aufrecht zu halten, geschweige denn es zu leben. Mit keinem Geld der Welt könnte man dies erkaufen, aber die wahrhaft wichtigen Dinge zeichnet das per se aus. Und was wäre 14 Jahre Täglichlaufen auch wert, gerechnet im schnöden, törichten Mammon? Nichts und Alles!

Jeder einzelne Tag bietet zahlreiche Fährlichkeiten, die jederzeit das Finale einläuten; jede Erkältung den Abschluß einleiten und das endgültige Ende generieren können. Wer sich nun gar bemüht hat, zwei Jahre Täglichlaufen zu absolvieren – vorausgesetzt ein bewußtes Bemühen ist eine Option (was ich negiere) – der weiß um etwaige Härten. Und dann gar fünf oder zehn Jahre und ich feiere heute nun 14 Jahre Täglichlaufen! Was für ein Tag! Was für ein Wert! Als ich einst die surreale Dekade für mich in dieser Konzeption eroberte, konnte ich dieses Ereignis nicht sofort verstehen – der Weg der Erkenntnis bedurfte einiger Zeit und ja, heute ist dies nicht anders. Ich muß gestehen, so wirklich kann ich mein Jubiläum von 14 Jahren Täglichlaufen in Serie noch nicht nachvollziehen. Es wirkt durchaus irreal auf mich. Das Leben ist zu zerbrechlich, um den heutigen Lauf wie Tag einfach so zu akzeptieren. In der nahen Zukunft wird das Verstehen vielleicht in der Natur einsetzen, aber nur während des Laufens.

Mit meinem Täglichlaufen balanciere ich eine höchst filigrane Kugel aus Glas in meinen Händen, die irgendwann zerbrechen wird, zerbrechen muß. Doch bisher ist mir das Kunststück gelungen, sie nicht endgültig hernieder fallen zu lassen; wenngleich es manchmal vielleicht so aussah. Dieses nebulöse Kugelgebilde ist zu einem nicht unerheblichen Teil meiner selbst geworden und wenn sie mir auch in gewissen Momenten zuwider ist – derlei kommt glücklicherweise nur selten vor – so ist sie doch eklatant mit mir verwachsen, welches freilich viele Vorteile, aber auch diverse Nachteile bietet. Auf die negativen Aspekte gehe ich selbstverständlich nicht ein; derlei habe ich wiederholt thematisiert, doch heute will ich – aller Härten zum Trotz – nur ein in der Majorität positives Gesamtbild meines Täglichlaufens zeichnen. Wie könnte man bei diesem exponierten Datum auch konträres erwarten?

Außer meiner eigenen Person kann und wird mich kein Mensch verstehen; nicht mal jene, die selbst 14 Jahre oder mehr Täglichlaufen praktiziert haben – denn ihr Täglichlaufen ist nicht mein Täglichlaufen. Jeder sieht nur das, was er kennt. Und nicht mal ich selbst verstehe mich selbst oder mein Täglichlaufen in raren Augenblicken in der allumfassenden Gesamtheit. Und vielleicht will ich das auch gar nicht. Ich kann es nicht immer nachvollziehen, aber ich kann es leben und das tue ich von Herzen. Wenn ich einst das Wissen von heute gehabt hätte, so wäre ich viel früher zum Täglichläufer geworden, denn mit jener Ausprägung und Intensität, welche ich konzipiert, generiert und etabliert habe – freilich alles unbewußt, mehr oder weniger – so hätte ich viel früher damit begonnen, denn Täglichlaufen ist wahrlich ein Gesundbrunnen. Die Gesundheit und das Täglichlaufen bedingen sich gegenseitig in höchst positiver Weise. Natürlich, mit dem heutigen Wissen wäre mir das wahrscheinlich nicht gelungen; viele Pfade im Leben kann man nur beschreiten, wenn man nicht weiß, wohin sie führen und welche Wendungen sie nehmen werden. Zudem hätte mich das Wissen wohl auch mental erschlagen, die Erkenntnis von 14 Jahren Täglichlaufen in Serie mit all seinen Begebenheiten. Wie dem auch sei, diese Wahl steht mir grundsätzlich nicht zu.

Als sich unlängst – im Zeichen meines Täglichlaufens – abzeichnete, daß es mir im Rahmen der heiklen Routine möglich ist, jenes berauschende Jubiläum tatsächlich zu begehen, entwarf ich diesen honorierenden Beitrag hier; wenngleich der aktuelle Absatz nicht darin erscheinen sollte – ja, ein Absatz in der folgenden Form erschien mir gar undenkbar. Lange Rede, kurzer Sinn – mich suchte eine Erkältung heim, die sich kausal auf mein Täglichlaufen auswirkte und immer noch auswirkt. Und das vor meinem wichtigsten Jubiläum überhaupt! Meine letzte Erkältung ist lange her und derlei bin ich mitnichten gewohnt, zudem ist das meinem Stil nicht sonderlich förderlich. Ergo legte ich mir imaginäre Ketten an, um meine täglichen Kilometer merklich zu reduzieren. Hierbei enttarnt sich die Herausforderung, daß es scheinbar gar nicht nötig ist – derlei zu praktizieren – aber im Sinne der Prävention doch unerläßlich ist und somit obsiegt die Zurückhaltung. In der Konsequenz habe ich heute einen meiner kürzesten Jubiläumsläufe in meiner gesamten Laufzeit zelebriert, aber das ist das unwägbare Leben.

Es war das eine wahre Herausforderung, die vorzeitige Rückkehr einzuleiten – an diesem Tag!!! – und der sonnigstürmischen Frühlingswelt zu entsagen. Die wunderbaren Vogelfreunde konzertierten allenthalben und erfreuten sich an der prosperierenden Welt und ich nicht minder, ungeachtet meines Rückzuges. Erst die Widrigkeiten erhöhen die individuelle Wertschätzung der schönen Seiten der gelebten Intention – das war noch stets meine Maxime. Um so tiefgehender darf auch mein daraus resultierender Stolz sein, jene 14 Jahre erreicht zu haben. Ich hoffe, demnächst wieder meine Standardwerte zu erreichen; weiterhin, daß der unangenehme Zustand meine Konzeption nicht kontraproduktiv tangiert oder gar das oben besprochene Finale etabliert.

Die Tage vergehen für immerdar, die Zeit, die Läufe und das Leben folgen wortlos flüchtend hinterdrein. Ich laufe in die verborgene Zukunft und selbige tritt in die finstere Geschichte der Flüchtigkeit ein, aber was bleibt? Die verhaltene Erinnerung an die Vergangenheit, an erlebte Situationen und manche Ereignisse ragen leuchtend empor in diesem grau wabernden Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, werden nie verlöschen, während andere hernieder sinken und mehr und mehr verblassen. Die Natur mit ihren zahlreichen Bewohnern nimmt hierbei ihren ureigenen Stellenwert ein. Ohne die kongeniale Verbindung zu der von mir präferierten natürlichen Welt gäbe es mein Täglichlaufen nicht. Doch irgendwann wird auch mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen und gnadenlos triumphieren. Wie noch stets. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso in dem nebulösen Nichts verblassen. Für immer und immer. Temporäre Existenz ohne Bedeutung, ohne tieferen Sinn.

Heute ist d e r Tag in diesem Jahr – m e i n Tag und heute wird dementsprechend gefeiert. Das Verstehen wird sich vielleicht später offenbaren. Oder auch nicht. Mein inständiger Dank gilt meinen lieben Eltern und meiner lieben Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, das selbst das Natürliche nicht auf glatten, gebahnten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn konsequent bis zum Ende, wann, wie und wo immer das sein mag und sich gestalten wird – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen – ich selbst schließe mich hierbei nicht aus, was durchaus eine elementare Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge rigoros meinem Täglichlaufen unter, muß sie unterordnen. Es ist mir zu teuer geworden, als daß ich anders handeln könnte, nein, anders handeln will. Jener Pfad des Täglichlaufens ist in meinem Leben einzigartig, nicht reproduzierbar – es gibt keinen Weg zurück und, es wird keine zweite Chance für mich geben.

Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen hoffentlich, hoffentlich! nerven werde – und mich selbst freilich auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt noch immer evident auf der Hand, nein. Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder noch viel mehr zu nerven. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe. Für das neue Jahr nehme ich mir bewußt vor, meine bis hierhin an den Tag gelegte Pseudokonzentration auf die Kilometerzahlen zu reduzieren respektive einzustellen. Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich meine absolvierten Jahreskilometer nur noch einmal im Jahr addieren werde und das wird der 31.12. sein. Die Rückbesinnung auf das Wesentliche – das war längst erforderlich, freilich nach meiner subjektiven Betrachtung.

Das fünfzehnte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit, das Lied, diese unwägbare Ballade vom Täglichlaufen auch zukünftig mit Hingabe zu singen und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.

Ein Geschenk. Concordia domi, foris pax. An mich selbst.

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 1. März 2015 by Täglichläufer

Alles hat seine Zeit. In naher Zukunft werde ich mein vierzehnjähriges (Serien)-Jubiläum im geliebten Täglichlaufen begehen, sofern mir das greifbare Glück hold ist, die unwägbare Gesundheit stets mitläuft und freilich, das unbeständige Leben selbst muß dieses fragile Vorhaben wohlwollend goutieren. Gleichwohl bemühe ich mich nach Kräften und werde all jene Faktoren, auf die ich einen gewissen Einfluß nehmen kann und darf – in entsprechende Wege kanalisieren. Doch auf eine überaus bewußte wie törichte Konzentration innerhalb der aktiven Ausübung des Täglichlaufens verzichte ich natürlich.

Schließlich obsiegen hier bedeutendere Impressionen, wie die von mir so präferierte Zufriedenheit, Gesundheit, Einsamkeit, Stille und Besinnung auf das Elementare, das wirklich Wichtige im Dasein – den scheinbar unbedeutenden Moment des Lebens festzuhalten und wertzuschätzen – all dies in der kongenialen Natur vereint. Dafür lebe ich, dafür laufe ich. Täglich. Und ich gestehe, eine latente Eitelkeit gehört auch dazu, muß dazu gehören; denn „Vierzehn Jahre Täglichlaufen“ in Serie absolviert zu haben, macht mich selbstverständlich stolz und der Antisportler in mir freut und staunt nach wie vor ob dieser einzigartigen Machtdemonstration meines Körpers wie Geistes. Zudem kann ich die Zahl „13“ langsam nicht mehr sehen. Ich w i l l diese Ebene erreichen und erhebe sie zum unmittelbaren Ziel, aller gewohnten und an den Tag gelegten Ziellosigkeit zum Trotz – alles andere wäre gelogen.

Immer heller, tiefer und strahlender weist mich der Pfad des Täglichlaufens hinein in den immer intensiveren Jubiläumsschimmer und ich folge dieser Reise, in deren Verlauf am 18.03. das Geschenk an mich selbst warten wird. Hierbei handelt es sich um ein unfaßbares Geschenk, welches sich mit allem Geld der Welt nicht kaufen läßt; man kann es nirgendwo erwerben – diese Kostbarkeit generiert sich nur aus mich selbst heraus. Tage kommen, gehen. Verblassen, verwehen. Vernehmliche Stille. Einsamkeit entfaltet sich. Ein edler und stolzer Bussard gleitet in grazilen Kreisen in den goldenen Horizont hinein. Finsterwolken. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt. Gelebtes Täglichlaufen.

Dreißig Speichen umringen die Nabe.
Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rades.

Aus Ton formt der Töpfer den Topf.
Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfes.

Tür und Fenster höhlen die Wände.
Wo es leer bleibt, liegt der Nutzen des Hauses.

So bringt Seiendes Gewinn,
doch Nicht-Seiendes Nutzen.

(Laotse)

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „VIERZEHN Jahre Täglichlaufen in Serie“

01.03.2015 – 14 KM
02.03.2015 – 14 KM
03.03.2015 – 14 KM
04.03.2015 – 14 KM
05.03.2015 – 14 KM
06.03.2015 – 14 KM
07.03.2015 – 14 KM
08.03.2015 – 14 KM
09.03.2015 – 15 KM
10.03.2015 – 14 KM
11.03.2015 – 10 KM
12.03.2015 – 14 KM
13.03.2015 – 14 KM
14.03.2015 – 10 KM
15.03.2015 – 04 KM
16.03.2015 – 04 KM
17.03.2015 – 04 KM
18.03.2015 – 05 KM
V I E R Z E H N – J A H R E – T Ä G L I C H L A U F E N

Den Weg gehen – XI. 2015. Dreizehn Jahre, elf Monate. Wollige Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und elf Monate in Serie. Wieder wurde ein Monat kostbares Täglichlaufen, geboren in dem endlichen Kontinuum meiner Lebenszeit von der omnipotenten Meisterin der Vergänglichkeit kalt lächelnd absorbiert. Erschreckend. In nur einem Monat besteht die einzigartige Option für mich, das elementarste Jubiläum in diesem Jahr zu vollziehen. Alles ist möglich, doch in diesem Moment darf ich mich nur der leisen Hoffnung hingeben. Noch ist der scheinbare Glanz eine Illusion, so daß ich mich wie gewohnt nur auf den jeweils heutigen Lauf konzentrieren werde – wie in all den gelebten Jahren zuvor. Törichte Gedankenspiele – die Zukunft betreffend – sind noch stets Makulatur gewesen. Das von mir praktizierte Gelebte Täglichlaufen hat sich immerdar auf den heutigen Lauf fokussiert und jene Intention ist eine tragende Grundvoraussetzung, diese Philosophie auch nachhaltig zu leben und in der Konsequenz neige ich nicht im Ansatz dazu, auch nur ein Hauch meines Denkens diesbezüglich zu modifizieren – in welche Richtung auch immer.

Wohlan, der letzte Monatsabschnitt war eine höchst wollige Zeit, die ich bereits ausführlich besprochen habe. Hier sei nur abschließend erwähnt, daß insbesondere der erste Lauf nach meiner Amtsaufgabe – ein absolut schrecklicher war. Meine Wollies begrüßten mich wie immer aus weiter Ferne in voller Vorfreude auf ihr Frühstück und ich durfte sie doch nicht kulinarisch versorgen. Was für eine Enttäuschung! Was für ein Unmut! Was für ein Theater! Was für ein Geschrei! Welche Traurigkeit!!! Kurzum, mir selbst brach es fast das Herz. Mittlerweile haben sie sich ein wenig an den aktuellen Sachverhalt gewöhnt, doch nach wie vor ist die Aufregung groß, wenn sie mich im Morgengrauen begrüßen. Weiterhin wurden drei weitere Nachwuchswollies geboren, die unbeschreiblich goldig sind. Lange Rede, kurzer Sinn – ich liebe „meine“ Schafe von Herzen.

In dem neuerlichen von mir vollzogenen Abschnitt alternierten die Temperaturen zwischen -06 °C und 04 °C; dementsprechend lächelte mich in der Majorität die Kälteregentin an und bot mir 30 Kälteläufe feil. Auch zwei Regenläufe luden mich in zutiefst mitreißender Art und Weise ein, welcher ich freilich stante pede nachkam. In dem Kontext der Witterungsbedingungen darf in der Rückbetrachtung ein essentielles Ereignis nicht unerwähnt bleiben, denn mein 1000. Kältelauf war und ist ein wahrhaft einzigartiges Erlebnis für mich gewesen, welches mein Täglichlaufen auf eine exponierte Art und Weise veredelt, die mich zutiefst stolz zurückblicken läßt. Mein lieber Frostgesang, mögest du auch in Zukunft mich an deiner Gnade partizipieren lassen.

Sodann erlebte ich den zweiten Fastunfall in diesem Jahr und trotz erhobener Stimme und damit einhergehender Gestik konnte ich keine Reaktion von der Dame registrieren. Ein Endlosspiel. Um so schöner gestalteten sich einerseits der Überflug zweier edler Schwäne unmittelbar vor mir und andererseits die lauthals trötenden Kraniche, die sich gar nicht an meiner Präsenz störten. Am 15.02. durfte ich ein neugeborenes – vollkommen schwarzes – Schafbaby auf dem Arm halten und jener Moment wurde natürlich zu einem unvergleichlichen Augenblick in diesem Weltgesang. Indessen der wundervollste Lauf am 31.01. stattfand; hierbei handelte es sich um einen traumhaften Schneelauf in der prächtigen Sonne, der unbeschreiblich genußvoll war; ich war versucht, ein Laufbericht zu verfassen, aber mir ist meine sprachliche Unvollkommenheit bewußt und so verwarf ich jenen Gedanken. Es gibt Momente, die sieht man nur mit dem Herzen – mit schnöden Worten sind sie nicht festzuhalten.

Gestern begegnete mir wiederholt eine Kinderhorde, die lärmend krakeelten, wild umher rannten, jedwede Waldbewohner verscheuchten und kilometerweit einen Krach veranstalteten, der keine Entsprechung fand. An diesem Beispiel läßt sich vorbildhaft erkennen, daß man Naturfeinde und spätere Umweltzerstörer bereits in jungen Jahren ausbilden muß; es ist wichtig, dies möglichst frühzeitig zu beginnen; aber wie ich schon oft erfahren mußte, sind die Pädagogen in dieser Hinsicht exzellent vorbereitet und werden bei dieser gewichtigen Kompetenz nachhaltige Erfolge erzielen. – – So endet eine neuerliche Strophe in der Ballade von meinem geliebten Täglichlaufen und mit ein wenig Glück wird die nächste Rückschau ausfallen und stattdessen ein exponiertes Jubiläum gefeiert werden. Alles ist möglich.

19.01.2015 14 KM – Gespräch geführt
20.01.2015 14 KM – Gespräch geführt, Sperre vorgezogen
21.01.2015 14 KM – „Bockie“ nahm mich auf die Hörner
22.01.2015 14 KM – 02. Fastunfall 2015
23.01.2015 14 KM – Gespräche geführt
24.01.2015 13 KM – Schranke geschlossen, Gespräch
25.01.2015 08 KM – Gespräche, neues Schafbaby
26.01.2015 14 KM – Schranke geschlossen
27.01.2015 14 KM – Gespräch, herrliches Schwanerlebnis
28.01.2015 14 KM – sehr nahe an Kranichen vorbeigelaufen
29.01.2015 14 KM – 1000. Kältelauf
30.01.2015 14 KM – Schneeregen, Gespräche, Rehbegegnung
31.01.2015 14 KM – Traumlauf. Ohne Worte.
01.02.2015 14 KM – herrlicher Kältelauf
02.02.2015 14 KM – Schafbaby auf dem Arm gehabt
03.02.2015 14 KM – Gespräch geführt, Schranke geschlossen
04.02.2015 14 KM – Gespräch geführt
05.02.2015 14 KM – Lauf in einer weißen Welt
06.02.2015 12 KM – kuriose Begegnung
07.02.2015 14 KM – Schranke geschlossen
08.02.2015 14 KM – einer meiner schrecklichsten Läufe überhaupt
09.02.2015 14 KM – Regenlauf, Gespräch geführt
10.02.2015 14 KM – Gespräch geführt
11.02.2015 14 KM – Schranke geschlossen, Streichellauf
12.02.2015 14 KM – Gespräch geführt, neues Schafbaby geboren
13.02.2015 13 KM – Schranke geschlossen, Bussarderlebnis
14.02.2015 14 KM – neues Wollbaby geboren, Gespräch
15.02.2015 14 KM – Gespräche, Schafbaby auf dem Arm gehalten
16.02.2015 14 KM – kalter, lustloser Sturmlauf
17.02.2015 14 KM – Kinderhorde lärmte durch den Wald
18.02.2015 10 KM – 13 Jahre und 11 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.02.2015: 670 KM

Wollige Zeiten

Posted in Meine Schafe on 6. Februar 2015 by Täglichläufer

In meiner letzten Rückschau habe ich es bereits thematisiert, nun erringt meine heute abgeschlossene Tätigkeit als amtlich bestallter Futterlehrling ihre zusammenfassende Würdigung in Form eines eigenen Beitrages. So sei es. Seit Januar war ich zuständig für die tägliche Fütterung meiner geliebten Wollfreunde. Freilich kennen mich die lieben Wollmäuse schon seit vielen, vielen Jahren – doch für ihr kulinarisches Wohl war ich bis dato nie in Vollkommenheit verantwortlich. Um den obligaten Anpassungsprozeß zu erleichtern, konstatiere ich nicht wirklich ernsthaft, daß ich in der ersten Zeit in einem weißen Shirt lief – so ging ich optisch ohne Probleme als Schaf durch, allerdings als schwarzes – bedingt durch meine eigene dunkle Wolle auf dem Kopf. Wenngleich ich fürchte, von wahrer Anpassung konnte keine Rede sein, Hauptsache, es gibt Köstlichkeiten zu verspeisen.

Und so verging Tag für Tag in absoluter Eintracht und gewissenhafter Regelmäßigkeit. Jeden Morgen erschien ich aus dem Wald und nach nur wenigen Tagen begrüßten sie mich bereits aus großer Entfernung mit einem wunderbaren Konzert in allen nur erdenklichen mäh-chtigen Tonlagen und stimmlichen Nuancen, die ihresgleichen suchten. Oh ja, es war eine große Freude, diese von Herzen kommende Begeisterung alltäglich erleben zu dürfen. Ein erwachsenes Wollie sprang sogar fast 60 cm aus dem Stand hoch – von den Kleinen bin ich das gewöhnt, aber nicht von den Großen. Nach und nach zogen weitere Wollies auf ihre heimatliche Weide ein – insgesamt wurden bisher vier Nachwuchsschafe geboren und ja, sie sind an berauschender Süße nicht zu überbieten. Interessant war für mich auch, daß ich ein Neugeborenes streicheln durfte – die stolze Schafmama tolerierte das – indessen sie ihre wolligen Verwandten aber wegknuffte. Was war das für ein großartiger Moment, als ich ein Babywollie auf dem Arm hielt und es mit seinem zarten Stimmchen nach seiner Mama rief. Die Kleinen springen, rasen, tanzen und jagen mit tief ausgeprägter Lebensfreude nur so dahin. Ich selbst kann mich von diesem Schauspiel nur sehr schwer lösen.

Wollies_2015

Umgekehrt gilt das freilich auch, denn die wollige Damenwelt konnte sich ebenso nur schwer von mir lösen und in der herzigen Konsequenz wurde ich stets von ihnen umringt. Zugegeben, einmal wählte ich einen etwas ungünstigen Standort und salopp gesprochen, könnte man durchaus formulieren –„Was stehe ER Lausewenzel störend im Wege?“. Und das bei der Futterausgabe! – folglich beschloß ein junger Bock mich ein wenig auf die Hörner zu nehmen und delegierte mich höchst charmant zur Seite – zum Glück (noch) in schmerzfreier Weise. Aber ich sah mich stets als Lehrling in dieser verantwortungsvollen Aufgabe, nicht als Meister und jene Erfahrungen gehören nun einmal unweigerlich dazu. Zudem bildete diese Begebenheit eine absolute Ausnahme; sonst herrschte immer Harmonie zwischen uns. Doch nichts währt für immerdar, so endet auch meine Zeit als Futterlehrling. Die nahe Zukunft wird eine harte Herausforderung für mich werden, denn ich werde weiterhin meine wolligen Knuffels im Morgengrauen passieren, darf sie aber nicht mehr kulinarisch versorgen – wovon sie natürlich nichts wissen und enttäuscht voller Unmut jammern werden. Ergo müssen sie sich wieder einem neuerlichen Rhythmus unterwerfen und ich mich selbst auch, aber das ist das Leben. Für mich war es abschließend betrachtet, eine wunderbare Zeit. Und ich bin geneigt anzunehmen, umgekehrt denken sie ähnlich. Was waren das für wollige Zeiten!

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