In der Erwartung…

Posted in Photos, Täglichlaufen. Laufalltag., Täglichlaufen. Status. on 27. August 2015 by Täglichläufer

…des Regens. Nun, als Täglichläufer habe ich stets die Bedeutungslosigkeit jedweder Witterungsbedingungen propagiert – freilich nicht ungeachtet aller persönlichen Vorlieben – und dementsprechend auch jegliche „Jammerei“ präventiv als sinnlos definiert. Schließlich I S T das Wetter; nicht mehr und nicht weniger. Ergo habe ich die sogenannten Saisonläufer nie verstanden, welche im Winter nicht liefen (zu kalt), im Frühling auf keinen Fall (zu grün), im Sommer mitnichten (zu heiß) und selbst im Herbst die Saison feierten (zu stürmisch). Und ja, in meiner letzten Rückschau durfte man hier durchaus von einer tiefgreifenden Lustlosigkeit im Kontext meines Täglichlaufens, bedingt durch die heißen Sommer“freuden“ lesen.

Nichtsdestotrotz, Täglichlaufen heißt Täglichlaufen, weil ausnahmslos täglich gelaufen wird und ja, die omnipotente Wetterregentin vernahm meinen Unmut und beendete jenes herausfordernde Spektakel und in nur wenigen Tagen durfte ich drei Regenläufe absolvieren. Was für eine Gnade! Mir fehlen vor Sprachlosigkeit die Worte, angesichts dieser elementaren Läufe der puren Freude. Und so fehlen mir nur noch zwei Regenläufe und meine Statistik darf den 350. Regenlauf genußvoll und voller Freude verkünden. In der Erwartung des Regens – möge sich der Weltgesang ungehalten verfinstern und wehende Stürme hernieder rauschen.

2015_August_Sturm

Den Weg gehen – V. 2015. Vierzehn Jahre, fünf Monate. In den Tropen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und fünf Monate in Serie. Und wieder streckte die unbesiegbare Großmeisterin der willkürlich konstruierten Zeit einen neuerlichen Monat Täglichlaufen mit ihrem ureigenen Charme nieder und verbannt damit jedwede Erinnerung in ihr unendliches Schattenreich der Vergänglichkeit. Angesichts dieser fragilen Flüchtigkeit bleibt mir nur ein hoffnungsloses Staunen oder doch gar hoffnungsvolle Irritationen? Welche Betrachtungsweise ich auch an den Tag lege, bleibt schlußendlich irrelevant – das Leben strebt in den Tod; nimmermehr wird ein Widerspruch akzeptiert. Doch mit meinem Täglichlaufen gelingt es mir temporär die Fragilität zu preisen und die Zeit scheinbar festzuhalten respektive zu verlangsamen – in ausgewählten Momenten des einzigartigen Genusses. So sei es.

In dem vergangenen Zyklus alternierten die Temperaturen zwischen 10 °C und 25 °C. Ich vollzog einen Nebellauf und heute einen Regenlauf – nach gut zwei Monaten und ja, dies ist diesem Tage angemessen. An dieser Stelle darf man sich durchaus über die fehlenden Hitzeläufe wundern – schließlich befinden wir uns in einer wahren Hochsommerphase – doch dies ist banal der Tatsache geschuldet, daß ich meine Läufe in den frühen Morgenstunden absolviere, von extremer Hitze ist dort noch keine Rede. Gleichwohl dominierte das sommerliche Zepter mit brennender Macht und selbst sehr früh – war/ist es einfach nur drückend, schwül und unangenehm in den Wäldern, in meinem Laufareal. Als ob das nicht herausfordernd genug wäre, erlebe ich während meiner Läufe entomologische Dauerangriffe von allen Flanken und so kann ich nur konstatieren, daß ich mich nicht erinnern kann, jemals eine derart lange Phase erlebt zu haben, in der ich mein Täglichlaufen hochgradig widerwillig praktizierte.

In der Tat, seit Wochen fehlt mir jegliche Freude daran, von Spaß zu schweigen und ja, es ist eine einzige Quälerei. Dementsprechend habe ich auch die Distanz reduziert, meine Standardrunde beträgt aktuell kurze zehn Kilometer, selten zwölf. Freilich, um den Gipfel zu erklimmen und sodann die formidable Aussicht genießen zu dürfen, bedarf es erst einer wahren Herausforderung – das tiefe Tal muß durchschritten werden. Den Genuß und die Freude muß, nein, darf man sich verdienen und mir deucht, ich durchquere aktuell jenes mentale Tief. Ungeachtet aller Härten bleibt es ein Geschenk. Die temporäre Zukunft wird es lehren, wann sich die Freude wieder einstellen wird. Möge die Tropenhitze bald vergehen und der herbstliche Vorhang endgültig hernieder fallen.

Am 25.07. litt mein Naturschutzgebiet unter – partiell extremen – Orkanböen; entsprechend sahen die Wälder später wie ein Schlachtfeld aus und auch ausgewählte Baumriesen fielen gnadenlos in den brechenden Tod. Anfang August probte die Feuerwehr einen kleinen Einsatz in einem hiesigen Wald; irgendwelche Chaoten fackelten dort eine Art Bauwagen ab – glücklicherweise verzehrte die Feuerbrunst nichts von dem angrenzenden Forst. Später erfuhr ich, daß es sich um eine Örtlichkeit für Jäger handelte, die von dort aus ihrer Mordgier nachgaben und so kann ich ob dieser Straftat nicht betrübt sein, wenngleich ich jene Tat dennoch verurteile. Wie kann man in dieser Trockenheit nur Brände legen? Ohne Worte.

Am 07.08. erlebte ich den fünften Fastunfall in diesem Jahr; der Fahrer eines 40 t Vehikel beschloß, mich „auf das Korn“ zu nehmen und in der letzten Sekunde entging ich diesem frevelhaften Attentat, was mein Bild dieser Zunft einmal mehr bestätigt. Kurios ist nur, daß ich weit vor dem LKW lief – also war ich weithin sichtbar, weiß gekleidet im Sonnenschein und nicht zu übersehen – es sei denn, der Fahrer war blind. Selbstverständlich besteht diese Möglichkeit. Einen Tag später erspähte ich in den von Insekten dominierten Wäldern zwei wunderschöne Rehe, die relativ entspannt ihres Weges zogen. Die größte Überraschung fand indes am 13.08. statt, als ich einen Mann mit einem Schäferhund passierte, rief er plötzlich hinterher: „Sind sie Marcus? Marcus …?“ – ich unterbrach meinen Lauf und erkannte meinen ehemaligen Klassenlehrer wieder, den ich seit meiner Schulzeit nicht mehr sah. Er hat mich schon oft aus dem Auto heraus gesehen und heute nutzte er die Gunst der Stunde – die Freude war auf beiden Seiten sehr groß. Oh Leben, wo ist die Zeit nur geblieben? Gestern geboren, heute gelebt, geliebt und gelacht und morgen tot und vergessen.

Mit dem heutigen Regenlauf sind die oben formulierten lustlosen Zeilen obsolet; der Beginn tendierte in Richtung Starkregen und ich sog förmlich greifbare Energie ein, die sich entsprechend auf Körper und Geist auswirkte. Die sommerlichen, niederdrückenden Ketten, welche mich bis dato fesselten, fielen von mir ab – gelöst von Geisterhand und so eroberte ich mein Laufareal höchst zufrieden und flog wie der Wind durch den Weltgesang. Ein weiterer Monat haucht sein Leben für immerdar aus, doch der nächste Zeitenabschnitt steht bereit und wird seinen Platz gewohnt routiniert einnehmen. Ich selbst werde mein Täglichlaufen in gewohnter Form fortsetzen – zumindest bemühe ich mich nach Kräften und hoffe doch zaghaft, daß demnächst die Lust und Freude endgültig und permanent zurückkehren werden. Dum spiro, spero.

Rubecula

Posted in Fauna, Photos on 10. August 2015 by Täglichläufer

Ein wahrhaft würdiger Vertreter meiner liebsten Freunde aus der gefiederten Welt – hier durchaus in einem aufgeplusterten Stil – als Reminiszenz an belebende Tage und frische Temperaturen. Möge der Herbst nahen und behutsam seinen wehenden Mantel entfalten.

Rotkehlchen

Gelebter Rechtsstaat Deutschland. Akt II.

Posted in Contra Gesellschaft on 6. August 2015 by Täglichläufer

Der geneigte Leser möge mir meinen bitterbösen Scherz in dem obigen Titel verzeihen. Ich weiß es freilich besser und um dies – leider, leider – einmal mehr zu unterstreichen, sei auf folgende aktuelle Thematik hingewiesen.

Artikel, Spiegel

Artikel, Hessenschau

Zwei Menschen wurden brutal ermordet, die Täter sind laut Medienberichten geständig und zeigen keine Reue und wurden demungeachtet freigesprochen!? Weil es angeblich Notwehr war? So so, Notwehr. Der armen Frau wurde von hinten! zweimal in den Rücken geschossen und der Mann mit 17 Messerstichen zu Tode gestochen. Dies ist also Notwehr in Deutschland; verdient einen Freispruch und wird in diesem erbärmlichen Land nicht bestraft. Freispruch! Jener verantwortliche Richter empört mich zutiefst. Allein wie muß es erst den Angehörigen gehen? Wie mögen sie empfinden? Ich wage nicht im Ansatz, mir das vorzustellen.

Und weiterhin, hat der Richter auch nur den Hauch einer Vorstellung, was er mit seinem Urteil in der Bevölkerung anrichtet? Ich rede nicht von möglichen Verbrechern und Straftätern, nein, sondern von „normalen“ Bürgern. Welcher Bürger in diesem dekadenten Land vertraut noch auf die “gerechte” Justiz? Wer denkt ernsthaft, Deutschland ist ein Rechtsstaat? Angesichts solcher Urteile? Und das ist nur ein Urteil von vielen. Zudem kommt, daß die Opfer per se verhöhnt werden (sichtbare Bilder) und bei den Straftätern Täterschutz praktiziert wird (unkenntlich gemachte Bilder).

In Deutschland läuft derzeit sehr, sehr viel schief – die Gesellschaft erodiert allenthalben und eine solche „Justiz“ generiert nur Angst und Entsetzen und fördert die Selbstjustiz. Wo ist er hin, der Rechtsstaat Deutschland? Gab es ihn denn je? Jeder brave Bürger sollte sich schämen, in einem Land zu leben, welches Recht und Gesetz mit den Füßen tritt. Freiheit statt Strafe für Doppelmord – das ist fürwahr einzigartig. Erbärmlicher geht es nimmermehr.

Nasicornis

Posted in Fauna, Photos on 24. Juli 2015 by Täglichläufer

Tatsächlich, es ist mir gelungen, temporär einen Nashornkäfer in bildhafter Form einzufangen – durchaus ein relativ seltener Anblick und ein wunderschöner Vertreter dieser edlen Käferart. Und, wie man munkelt, zählt er ebenfalls zu der vom Aussterben betroffenen Gattung der scheuen Täglichläufer.

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Den Weg gehen – IV. 2015. Vierzehn Jahre, vier Monate. Das Ende einer Ära.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und vier Monate in Serie. Geboren in dem wogenden Ozean des unendlichen Seins, manifestiert in dem nebulösem Hauch des immerwährenden und stets lächelnden Nichts, welches uns charmant umweht und dem wir unbedeutenden, ja, trivialen Wesen nicht entkommen können. Dieses allgewaltige Zeitenmeer hebt sich wallend empor, türmt sich hochfliegend auf, um dann in dem nächsten zarten Moment für immerdar zu vergehen; ungestüm und gnadenlos von der alles verzehrenden Flut mitgerissen. Sterbendes Glühen. Bar jeder Hoffnung. Bei aller Fragilität in diesem surreal anmutenden lebendigen Weltgesang gelingt es mir immer noch – und das ist mitnichten eine Selbstverständlichkeit – dieses meine Konstrukt vom Täglichlaufen zu balancieren oder anders formuliert, das Gelebte Täglichlaufen lebt tatsächlich immer noch. Bei aller Demut, mit der ich diesen Stil täglich praktiziere, gesellt sich doch ein gewisser Stolz dazu, der nach den vielen Jahren durchaus angemessen erscheint. Und so darf ich auf einen weiteren Monat Täglichlaufen zurückblicken, den die liebliche Zeit gnadenlos absorbiert hat.

Wohlan, in jener Phase der rasanten Vergangenheit absolvierte ich vier Hitzeläufe und einen Regenlauf. Indessen boten die Temperaturen ein obligatorisches Wechselspiel zwischen 09 °C und 30 °C feil. In der Konsequenz durfte ich mich einem fragwürdigen Jubiläum hingeben, welches den Sommermächten geschuldet war, 300 Hitzeläufe. Unschön. Um den kontrastierenden Ausgleich zu würdigen, darf ich an dieser Stelle den formidablen Regensturm nicht außer Acht lassen, der sich höchst diffizil in Worte kleiden ließ. Der Rest ist Schweigen. Genußvolles Schweigen. Auch die Tragik der „Fastunfälle“ setzt sich fort, ergo durfte ich den vierten in diesem Jahr erleben. Hierüber verliere ich keine weiteren Worte.

Am 22.06. erspähte ich neben der vielbefahrenen Hauptstraße einen toten Jungfuchs – ein trauriger Anblick. Seit dem 24.06. beobachtete ich eine sensible Alarmanlage auf meinem Damm, die jählings und ohne Aufsehen geheimnisvoll installiert wurde. Sobald ich mich einem besonderen Baum näherte, ertönte ein gewaltiges Piepen, welches bei einer steten Annäherung immer lauter wurde; zudem verkürzten sich die schrillen Töne, um in ein mächtiges Geschrei überzugehen. Eines Tages registrierte ich ein Loch in jenem Baumgesellen und irgendwann gewahrte ich Familie Buntspecht, welche ihre Heimstatt dort bezogen hat und ihren Nachwuchs großzieht. Eine wahrhaft herzige Beobachtung. Auch zahlreiche Vertreter der piroligen Zunft durfte ich wiederholt beobachten und am 01.07. flüchtete ein riesiger Seeadler vor meiner laufenden Wenigkeit, bis er nach meinem Anreden zurückkehrte, sich auf einen Ast setzte und das kommende Geschehen abwartete. Allein als ich mich unmittelbar näherte, flog er doch noch von dannen – dennoch, ein beeindruckendes Erlebnis.

An jenem Tag lagen zudem noch keine zwei Kilometer hinter mir, doch traf ich bereits vier Hunde und die drei Damen davon mußte ich auch allesamt streicheln: Bessy, Tina und Molly. Es wäre auch höchst unhöflich, selbiges zu unterlassen. Am 29.06. kritisierte mich ein älterer Läufer, weil ich ihn während meines Überholprozesses nicht warnte – mir deucht, dies ist kurios; hätte ich ihn angerufen, wäre der unvermeidliche Schreck nicht minder gewesen. Um solche schrecklichen Begebenheiten zu vermeiden, ist es nur erforderlich, sich hin und wieder umzudrehen. Aber die einfachsten Dinge sind oft die heikelsten im Leben. Gestern hat die Polizei meinen Lauf unterbrochen, um eine Handlungsweise – die sie einst bei mir selbst initiierte – wieder zu konterkarieren. Und ja, damit endet eine eigentümliche Art, nahezu eine irreale Ära in meinem Täglichlaufen. Die Intention der Polizei ist für mich nachvollziehbar – der legislative (absurde!) Gedanke dahinter jedoch nicht – doch werde ich mich in ihrem Sinn verhalten. An dieser Stelle sind die freundlichen Beamten zu loben, welche relativ verständnisvoll auftraten. Nichtsdestotrotz wird meine Fähigkeit reduziert, gefährliche Situationen präventiv! zu vermeiden; wäre diese aktuelle Begebenheit vor zehn Jahren eingetreten, so wäre mein Täglichlaufen längst beendet. Allein hat dieser dekadente Staat kein Interesse am Schutz seiner Bürger – er will immer erst handeln, wenn es zu spät ist. Traurig.

Ein weiterer Monat Täglichlaufen lächelt in der unabwendbaren Zukunft und sendet seine hoffnungsvollen Strahlen hernieder. Ich lasse mich überraschen, welche Lektion die Zeit künftig lehren wird. Mir selbst bleibt nur mein banales Streben nach der erhaltenden Fortsetzung – dementsprechend werde ich meine Ballade vom Täglichlaufen weiterhin mit Hingabe komponieren. Gelebtes Täglichlaufen.

Mein 300. Hitzelauf

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 5. Juli 2015 by Täglichläufer

In der Tat, heute morgen habe ich meinen 300. Hitzelauf absolviert – bezogen auf einen Zeitraum, der seine Initiation am 01.01.2000 vollzog. In über 14 Jahren Täglichlaufen haben 300 Hitzeläufe durchaus ihre leidige Berechtigung, dennoch sind sie in meinen Augen höchst vernachlässigbar. Dementsprechend verzichte ich auf eine explizite Würdigung – in Form einer eigenen Kategorie. Schließlich handelt es sich hierbei um ein zutiefst fragwürdiges Jubiläum. Doch als Täglichläufer ist freilich jedwede Konzentration auf das sogenannte Wetter bedeutungslos. Natürlich haben sich aktuell meine Distanzen reduziert – das gilt auch für die Freude an meinem Agieren – und doch, eine latente Freude über 300 Hitzeläufe will ich nicht negieren. Und so setzt sich mein Täglichlaufen in diesem viel zu heißen Sommer fort – in meinem Geiste stets hinfort in eine formidable Landschaft aus Schnee. Mir deucht, ich kann das leise Knirschen meiner Schritte vernehmen.

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