Den Weg gehen – IV. 2018. Siebzehn Jahre, Vier Monate. Der Zenit ist überschritten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und vier Monate in Serie. Still und weithin laut vernehmlich haucht ein weiterer Lebensmonat mit unschätzbarer Zeit – geprägt vom Täglichlaufen – seufzend seinen einzigartigen Atem aus. Der Weltgesang hält inne, läßt alte und flüchtige Erinnerungen letztmalig lächelnd aufleben und schließt den Kreislauf des Lebens mit einer entsprechenden Rückschau. So verrinnt sie also, die surreale Zeit – das mächtige Konstrukt unseres beschränkten Geistes. Und wie noch stets, bemerkenswert rasant.

Der vergangene Monatsabschnitt vollführte ein verhaltenes Wechselspiel im Rahmen der Temperaturen zwischen 11 °C und 25 °C. Nach nahezu drei Monaten ohne einen einzigen Regenlauf durfte ich jene ungewollte wie fürchterliche Antiserie am 12.07. endlich beenden. Bei allem Genuß und wahrer Freude – jener Moment schwindet mehr und mehr und die hohen Temperaturen lassen die greifbare Lebendigkeit von einst vergessen – täglich um eine Nuance mehr. Eine unschöne Begebenheit fand am 29.06. statt – ich passierte meine „Lieblingsstelle“ – das berüchtigte Stopschild – und welch ein Wunder (der Klerus darf mir hier zustimmen), tatsächlich hielt doch mal ein Vehikel an; gleichwohl nicht an der angemessenen Örtlichkeit, nein – der Fahrer blockierte gleichsam Fuß- wie Radweg und ich sah mich genötigt, auf die Hauptstraße auszuweichen – ungeachtet des stark fließenden Verkehres. Ohne Worte.

Am 24.06. erspähte ich einen Schwarzspecht im einsamen Hain und nur drei Tage später wurde mir die seltene Ehre zuteil, drei Schwarzspechte auf einen Streich zu beobachten – dies ist wahrhaftig ein Novum. Später gesellten sich zwei Pirole hinzu und nochmals drei Tage später schwamm im Wasser eine Entenfamilie, die nicht weniger als acht Nachwuchsputzels mit sich führte – welch ein Anblick! Anfang Juli hoppelte ein Hase auf dem Waldweg umher und seit dem 04.07. hat sich eine neuerliche Serie etabliert – denn seit jenem Tage durfte ich täglich Meister Lampe in seinem Wirken beobachten. In der Regel tritt er schnellstens den Rückweg an und doch hielt er bereits einmal in seinem Lauf inne, als ich ihn anredete. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas „zutraulicher“ werden. Zudem sie immer an den gleichen Punkten ihre sonst getarnte Anwesenheit offenbaren.

Seit einigen Tagen registrierte mein Bewußtsein jählings die ersten Anzeichen für den hoffentlich baldigen Aufbruch und Abschied des Sommers – der Zenit ist längst überschritten und so sind diverse Waldwege von Unmengen von abgefallenen Blättern gesäumt wie ausstaffiert. Heute tanzte ein einzelnes gelbes Blatt hernieder und fiel direkt in meine Hand; ein Hauch von Abschied. Der leise Übergang blieb mir indessen verborgen, doch das Ergebnis lächelt eindrücklich und die Hoffnung auf angenehmere Rahmenbedingungen darf sich nun intensivieren. So tritt er also seinen Rückzug an – der ungeliebte Sommer – mein Bedauern hält sich freilich in Grenzen. Ein neuerlicher Monat Täglichlaufen schimmert hoffnungsvoll – wohlan, möge es beginnen. Morgen.

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Das Ende der Antiserie

Posted in Besondere Läufe on 12. Juli 2018 by Täglichläufer

„…ohne einen einzigen Regenlauf. Welch ein furchteinflößender Satz! Doch so steht es geschrieben: “Offenbar hat sich hier unautorisiert eine neue Serie etabliert; eine Art Antiserie mit der Intention, sie unverzüglich zu beenden. Mein letzter Lauf, welcher von süßen Regenmächten flankiert wurde, fand am 16.04. statt – nun, ich spare mir weitere Ausführungen und gebe mich der verborgenen Hoffnung hin.

Die Hoffnung blieb allein – noch für viele Tage. Erst heute früh fand die betrübliche Antiserie endlich den lang ersehnten Schlußpunkt. In der Nacht zogen die nassen Heerscharen auf und brachten sich würdig in Stellung, doch der Tagesbeginn reizte nur schüchtern mit erquickenden Regentänzen und ja, die liebliche Regenregentin offenbarte einen zutiefst verschämten Charakter, der nur mit ihrer ausgedehnten Abwesenheit erklärt werden darf. Dennoch obsiegte die Freude, als ich in den Laufschritt verfiel, um die einsamen Wälder aufzusuchen und ich wurde mitnichten enttäuscht.

Die Intensität variierte in ihrer Ausprägung; indessen im letzten Drittel ich die vollendete Regenmacht zu spüren bekam. Ich muß dies nicht näher beschrieben – es ist längst alles beschrieben, dennoch – diese nasse Gnade war ein wahrhaftiger Traum, insbesondere als die zeitweiligen Windböen das ihre taten und sich mit belebender Kraft gegen meine Wenigkeit warfen. Die greifbare Einsamkeit erschien absolut und nur eine Radfahrerin mit ihrem Hund sollte eine temporäre Ausnahme bilden – ansonsten lächelte die weite Abgeschiedenheit in der prasselnden Regenwelt. Nach drei Monaten wurde mir hiermit eine besondere Ehre zuteil; es war dies wahrlich ein besonderer Lauf. Möge die Fortsetzung nicht wieder Monate auf sich warten lassen.

Drei auf einen Streich. Plus zwei.

Posted in Besondere Läufe on 27. Juni 2018 by Täglichläufer

Der einsame Hain goutierte meine dunkle Anwesenheit freudvoll – die prachtvollen Baumriesen winkten mir lieblich zu und ihre edlen Blätterkleider tanzten erhaben im stillen Wind. In der Ferne vernahm ich das eigentümliche Rufen des Schwarzspechtes – oft höre ich ihn rufen, doch zeigt er sich mir relativ selten; wenngleich ich ihn vor drei Tagen erst beobachten durfte. Meine letzte Beobachtung zuvor liegt Monate oder gar Jahre zurück – auf ein Prüfen innerhalb meiner Dokumentation verzichte ich an dieser Stelle. Doch war mir das rare Glück hold – bereits im ersten Wald erspähte ich jenen schwarzen Gesellen und oh Wunder! – er war nicht allein – direkt vor mir zählte ich drei Schwarzspechte. Einer von ihnen war mit der Morgenspeisung beschäftigt, die beiden anderen schienen miteinander zu spielen – welche Art von Spiel auch immer.

In all den Jahren beobachtete ich den Schwarzspecht nur als Einzelgänger; nie sah ich zwei – und heute nun drei an einem Ort. Welch ein einzigartiges Glück! Wie immer bedauere ich es sehr, daß ich keine Kamera mit mir führe; so überdauert dieses Erlebnis also nur in meiner Erinnerung. Vier Kilometer später gelang es mir noch, zwei Pirole zu entdecken, die mich eine gewisse Zeit begleiteten, bevor sie sich auf einem hohen Baum versteckten. Allein auf ihren Gesang mußte ich verzichten. Wahrlich, der heutige Lauf war ein besonderer, wie ich ihn wohl sobald nicht mehr erleben werde.

Den Weg gehen – III. 2018. Siebzehn Jahre, Drei Monate. In den Fängen von Megarachne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und drei Monate in Serie. Die Reise in das nebulöse Ungewisse setzt sich fort – geboren in dem surrealen Kontinuum des fragilen Täglichlaufens. Unausweichlich bietet es heute einen weiteren Monat feil, der still jubelnd in meine Rückschau einziehen darf. Das Leben verrinnt dahin und mein Täglichlaufen plätschert von dannen und tagtäglich demonstriert es mir eindrücklich, wie stetig jener Rinnsal immer noch fließt – oder fließen darf. Die Quelle in diesem Kontext ist bisher nicht versiegt, tatsächlich, dies ist bemerkenswert.

In der aktuell verabschiedeten Phase wetteiferten die Temperaturen zwischen 13 °C und 25 °C und ja, ich wage es kaum hier festzuhalten – ein weiterer Monat zog wehmütig in die tote Vergangenheit ein – ohne einen einzigen Regenlauf. Offenbar hat sich hier unautorisiert eine neue Serie etabliert; eine Art Antiserie mit der Intention, sie unverzüglich zu beenden. Mein letzter Lauf, welcher von süßen Regenmächten flankiert wurde, fand am 16.04. statt – nun, ich spare mir weitere Ausführungen und gebe mich der verborgenen Hoffnung hin. Dum spero, spero.

Am 20.05. durfte ich zum Abschluß meines Laufes einen riesigen Bienenschwarm beobachten, der laut brummend durch die Natur lustwandelte – möglicherweise auf der Suche nach einem neuen Standort. Hierbei handelte es sich um ein höchst beeindruckendes Schauspiel, wie ich es selten erleben durfte. Drei Tage später erspähte ich einen wunderschönen Rotfuchs, der jählings latent erschreckt tiefer in das Unterholz eindrang; indessen ein lieblicher Pirol mit Hingabe konzertierte. Erneut drei Tage später flüchtete ein Bussard am Waldrand – nein, nicht vor meiner harmlosen Wenigkeit – sondern vor zwei männlichen Amseln, die wiederholt engagierte Angriffe flogen und den Feind erfolgreich vertrieben. Wahrscheinlich hegte der Raubvogel keine ausgeprägten Ambitionen für eine nachhaltigere Auseinandersetzung und trat somit den Rückzug an.

Der Juni war noch jung, als ich mich nach längerer Zeit wieder in den tiefen (Mücken)wald wagte und ich registrierte sofort, daß der Weg selten frequentiert wurde, denn ein gigantisches Spinnennetz thronte als nahezu unsichtbares Schild in der Mitte des verlassenen Pfades. Ich erkannte das Hindernis viel zu spät und längst hatte ich das Netz passiert – welches voll von kulinarischen Köstlichkeiten war und die mich nun treu begleiteten. Die Stärke der Fäden irritierte mich sichtlich; der Widerstand war mehr als fühlbar. Wer weiß schon, welch Megarachne dort heimlich verborgen im einsamen Hain lebt und nun eine gnadenlose Jagd auf mich betreibt, denn schließlich brachte ich sie um ihren gebührenden Schmaus. Die inkorrekte Bezeichnung möge man mir an dieser Stelle nachsehen.

So vergeht die täglichlaufende Zeit weitgehend unspektakulär im Zeichen der gefährlichen Routine, welche dennoch keinen Tribut einforderte. Eine neue Zeit strahlt lächelnd erhaben am Horizont, welche ähnlich rasant hernieder wehen wird – wie alle anderen zuvor. Morgen reise ich weiter, auf jenem ungewissen Pfad – von der noch nicht geborenen Zukunft in die unendliche Vergangenheit.

Man gestatte mir wenige Worte, gerichtet an meine einstigen Mitschüler, die mich täglich laufen sehen, partiell um diese Seite wissen und hier schon länger mitlesen, was mir so nicht bewußt war. Ich habe mich über unser Wiedersehen sehr gefreut. Doch letztlich war die wertvolle Zeit leider zu kurz bemessen – apropos Zeit, ich bleibe dabei, unsere Abiturzeit ist maximal acht Jahre her. Bleibt gesund!

Den Weg gehen – II. 2018. Siebzehn Jahre, Zwei Monate. Diverse Entsetzlichkeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und zwei Monate in Serie. Wieder ist ein Monat Lebenszeit in die tote Vergangenheit eingetreten; wird nimmermehr wiederkehren. Scheinbar erst gestern zelebrierte ich die 17 Jahre, sodann folgte ein neuerlicher Monat im Anschluß und nun bewege ich mich auf die Volljährigkeit in meinem Täglichlaufen zu. Langsam. Doch stetig. Gleichwohl darf dies kein Ziel sein und ist heute absolut irrelevant. Jener vergangene Abschnitt stand im Zeichen einer mehr oder weniger eintönigen Routine – ohne herausragende Ereignisse. Freilich darf man dies mitnichten als Wertminderung betrachten. Höhen und Tiefen rangen noch stets auf ihre gebührliche Art und Weise.

Die Temperaturen boten ein Wechselspiel zwischen 02 °C und 22 °C – an dieser Stelle kann ich durchaus eine Besonderheit konstatieren; denn seitdem ich mein Täglichlaufen dokumentiere – immerhin seit 1999 – erlebte ich noch n i e an einem 04.05. ein Kältelauf. Ich wage es und interpretiere dies als hoffnungsvolles Omen und würde mich entsprechend über einen kalten und/oder verregneten Sommer sehr freuen. Nun ja, die Hoffnung treibt das Schiff der Narren. Also absolvierte ich zwei Kälte- und ein Nebellauf. Um bei dem Mysterium „Regen“ zu bleiben – nicht einmal war mir dieses Glück in jenem Monat hold. Entsetzlich.

Am 24.04. vernahm ich erstmalig den Kuckuck in diesem Jahr, der Pirol folgte am 03.05., der Schilfrohrsänger konzertierte am 05.05. und die ersten Graugansküken erspähte ich am 04.05.– seitdem gelang mir dies nicht mehr, was ein wenig seltsam ist. Die hiesige Industrieanlage hingegen – war und ist nicht seltsam, sondern bleibt sich treu und pustet fröhlich ihre Krebsdämpfe in die Atmosphäre – dementsprechend mußte ich meine Läufe wiederholt in der Wegführung ändern. Entsetzlich.

Wenn ich die vergangenen Jahre vor meinem geistigen Auge erwecke, so erinnere ich mich an schreckliche Mückenplagen im Sommer und noch jedes Jahr definierte ich unbedingt als DAS Extremjahr in diesem Kontext. Doch ja, das ist alles nur Makulatur – dieses Jahr ist wahrlich das Rekordjahr, was die Mücken betrifft. Und auch meine abgeklärte Haltung von einst – „bei 14 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit sticht keine Mücke“ – ist obsolet geworden. Und wie sie stechen! Entsetzlich.

Der Maibeginn glänzte mit einem formidablen Sturm – mein Shirt wurde wehend empor gerissen – so intensiv stürmte es und derartige Begebenheiten kann ich an einer Hand abzählen. Natürlich wurde ich ausgerechnet an jener Örtlichkeit „entkleidet“, wo sich ein bedeutendes Publikum aufhielt. Entsetzlich.

So verging ein Monat mit zahlreichen „Entsetzlichkeiten“ – wenn auch mehrheitlich routiniert und unspektakulär. Möge nach dem Mai der Oktober eintreffen, doch ich fürchte… Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen setzt sich fort. So oder so.

Den Weg gehen – I. 2018. Siebzehn Jahre, Ein Monat. Das Unvorstellbare realisieren.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und ein Monat in Serie. So führte mich also der gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die ich mir einst hätte nie vorstellen mögen und mein besonderer Tag in diesem Jahr näherte sich täglich, mit jedem Lauf etwas mehr und dies nicht nur vielleicht, sondern tatsächlich. Wer hätte damit rechnen dürfen, daß ich 17 Jahre Täglichlaufen in Serie je realisieren werde? Ich gewiß nicht. Und doch hat das Leben Recht und entsprechend nehme ich diese Gnade und dieses wertvolle Geschenk in Demut und Dankbarkeit an – jedwede andere, möglicherweise divergierende Denkweise würde mich nur von diesem einzigartigen Pfad hinfort leiten und das ist nicht meine Intention. So gehe ich diese Weg also weiter, täglich – bis ich sein Ende erreichen werde, welches sich wie auch immer gestalten wird. Die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In den vergangenen zwei Monaten alternierten die lieblichen Temperaturen zwischen -14 °C und 18 °C – in der unausweichlichen Konsequenz absolvierte ich 39 Kälte-, sieben Regen- und zwei Nebelläufe. Weiterhin gesellen sich in der Statistik dazu – ein Glatteislauf und ein neuerlicher Fastunfall. Letzterer sollte mich ausgerechnet an meinem gewichtigen Jubiläumstag ereilen. Die Zeit zum Februarende war relativ traurig, denn die längere Verantwortung für meine Wollfreunde fand ihren Schlußpunkt, was meine Wollies natürlich so gar nicht verstehen wollten und ihre Trauer und ihr staunendes Unverständnis währte über mehrere Wochen. So hat alles seine Zeit im Leben. Am 28.02. sorgte der Hauch einer Schneedecke für einen wundervollen Traumlauf, wie er mittlerweile im Kontext dieser Witterungsbedingungen selten geworden ist.

Am 04.03. bei einer Temperatur von -08 °C ertönte ein lautes Aufschreien zweier Männer, die nicht begreifen konnten, wie ich in kurzer Hose laufen kann; zwei Tage später erlebte ich das gleiche bei warmen -03 °C – solche Verwunderung erlebte ich viele Jahre nicht, ich kenne das Spiel eher andersrum – bei -14 °C waren viele Menschen entsetzt, daß ich eine lange Hose trug. Nun ja, die Herrlichkeit der Welt… Der wunderbare Wintergenuß steigerte sich am 07.03. in höchster Intensität und jener weißer Winterwald, einhergehend mit Schneefall, der in Regen überging, war unbeschreiblich prächtiger Natur. Nur fünf Tage später fiel die erste Kreuzspinne im tiefen Wald auf meinen Arm und läutete damit den endgültigen Frühling ein, der sich freilich noch etwas zierte, um dann seinen würdigen Thron einzunehmen.

Zu den Iden des März bekamen meine Wollies Besuch von einem Bussard, der zwischen ihnen hin und her lustwandelte und jener tollkühne Gesell wurde von den lieben Schafen ohne Widerspruch toleriert, respektive gar ignoriert – ich beobachtete dieses Schauspiel durchaus eine Weile und selbst zum Ende meines Laufes hielt sich der Greifvogel immer noch auf der Weide auf. Der letzte Schneelauf fand am 20.03. statt, welcher freilich auch in die Kategorie „Traumlauf“ einzog. Dies liegt in der Natur der Sache. Sechs Tage später wollte ein Graureiher in der Krone eines Baumgiganten landen; er erspähte mich unmittelbar davor und hielt stante pede im Flug inne, strampelte mit den Beinen in der Luft und flog zutiefst verstimmt von dannen; ich konnte mich eines Lachens ob dieser Vorstellung nicht erwehren. Um bei den gefiederten Freunden zu bleiben, beobachtete ich am 08.04. einen Seeadler, der trotz meiner Anrede den Rückweg antrat – welche Flügelspanne, welche Flügelspanne! Ich war begeistert, dieses Prachtexemplar beobachten zu dürfen. Eine Woche nach dem Treffen lag mitten auf dem Forstweg ein toter Buchfink, der allem Anschein nach unversehrt war – ich unterbrach meinen Lauf und verbrachte ihn fern des Weges in den Wald und bedeckte ihn mit Laub. So endet ein Leben. Und mein Täglichlaufen läuft weiter…

…hinein in den nächsten Monat und ja, bereits die 17/1 sind wahrhaftig unvorstellbar – ein Hoch auf meine Dokumentation, die mir jeden einzelnen Lauf seit 1999 erinnerlich werden läßt. Morgen gehe ich diesen Weg weiter. Wie könnte ich auch nicht?

Täglichlaufen. 17 Jahre in Serie.

Posted in Täglichlaufen. 17 Jahre. on 18. März 2018 by Täglichläufer

Wieder ist ein langes und kurzes Jahr in dem allgewaltigen Folianten der lieblichen Zeit mit einzigartigen Lettern eingetragen worden. Für immerdar und für alle Zeiten. Einmal mehr. Und wie bereits der Titel dieser meiner Seite hier impliziert, habe ich tatsächlich jeden einzelnen Tag in diesem Abschnitt mit einem entsprechenden Lauf gewürdigt und so darf ich heute den absoluten Höhepunkt in diesem Jahr begehen, nein, wahrhaft feiern: 17 Jahre Täglichlaufen in Serie. Ich bin mir bewußt, hierbei handelt es sich mitnichten um eine Selbstverständlichkeit – im Gegenteil. Ich werde das nicht weiter ausführen – zu oft habe ich das fragile Konstrukt Täglichlaufen thematisiert und ich darf annehmen, es ist alles in diesem Kontext gesagt, respektive von mir niedergeschrieben worden.

Dennoch, an die „16 Jahre“ habe ich mich längst gewöhnt und war ihrer latent überdrüssig und so heiße ich die „17“ sehr gern willkommen und muß mir eingestehen – diese Zahl gefällt mir außerordentlich. Wenn mir das jemand vor 25 oder 22 Jahren prophezeit hätte – ich hätte unverzüglich eine Serie im Endloslachen begonnen. Ausgerechnet der größte Lauffeind, den man sich vorstellen kann, realisiert solch ein Unterfangen, ohne es überhaupt zu wollen; geschweige denn, es in einem fokussierten Bewußtsein zu betreiben. Doch vielleicht erfüllte ich gerade damit die Grundvoraussetzungen, mein Täglichlaufen in dieser Art und Weise zu beginnen, zu formen und schlußendlich zu leben. Wie dem auch sei – das Leben hat Recht. Der heutige Jubiläumslauf begann indes unschön, da mich eine Frau überfahren wollte – der erste Fastunfall in diesem Jahr – und ja, allzu viel fehlte nicht, um meiner Intention ihren finalen Schlußpunkt zu geben; das Datum wäre angemessen gewesen. In solchen Situationen erfährt man eine gewisse Demut, die dem Täglichlaufen zuträglich ist.

In den vergangenen Tagen ist es mir öfter schwer gefallen – mental, nicht körperlich – aus dem warmen Bett zu fallen, um hernach in den eiskalten Frostwald einzufallen, flankiert von unbändigem Sturm – trotz all meiner Liebe zu jenen prachtvollen Witterungsbedingungen – waren die letzten Meter zu diesem Ausnahmejubiläum durchaus anspruchsvoll. Glücklicherweise! So erhöht sich der Wert dieses Tages um ein Vielfaches für mich. So bleiben diese letzten 17 Jahre ein unfaßbares und unbegreifliches Geschenk, welches sich mit allen Juwelen der Welt nimmermehr erwerben läßt; man kann es nirgendwo erstehen oder auch nur in schnöde Worte kleiden – diese Kostbarkeit generiert sich nur aus sich selbst heraus – aus mich selbst heraus, aus meiner belanglosen Wenigkeit. Tage kommen, gehen. Verblassen, verwehen. Vernehmliche Stille. Absolute Einsamkeit entfaltet sich greifbar. Verdichtete Finsterwolken. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Trunken vor Glück. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt.

Wohlan, das ist es. Nun habe ich es in der Tat vollbracht – 17 Jahre Täglichlaufen – in Serie. Es gibt keine Worte dafür, diese Kostbarkeit hier gebührend festzuhalten, zu würdigen. Der bedeutendste Schatz bildet in diesem Zusammenhang meine Laufdokumentation, die jeden einzelnen Lauf belegt – wie gerne verliere ich mich in den Erlebnissen der täglichlaufenden Vergangenheit. Mir ist bewußt, daß ich das in meinem Leben nie wieder reproduzieren kann, darf und werde – was ich wahrscheinlich auch gar nicht wollen würde – und die daraus kausal resultierende Wertschätzung – explizit auf die Zukunft bezogen – kann ich ebensowenig in Worte gießen. Was bleibt also? Das Wissen, mein Täglichlaufen von grundauf zu lieben und zu leben. In allen Facetten, in allen Nuancen – bedingungslos. Der gigantische Stolz auf mich selbst, auf mein Täglichlaufen bleibt indessen immer bestehen. Fürwahr. Morgen beschreite ich diesen meinen Pfad erneut und gehe den Weg weiter in die noch nicht geborene Zukunft – bis er irgendwann endet. Wo sind nur all die Jahre geblieben?