Den Weg gehen – IV. 2021. Zwanzig Jahre. Vier Monate. Der Tag der Schwäne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Vier Monate in Serie. Der täglichlaufende Pfad führt mich weiter auf verschlungenen Wegen aus der Zukunft in die Vergangenheit, um temporär den Moment im Nichts zu preisen, festzuhalten und wertzuschätzen – allein im Anschluß mit unerbittlicher Härte doch zu vergehen. Erneut ist ein Monat Täglichlaufen für immerdar in die Unendlichkeit gefallen. Irgendwann falle ich mit und stimme in diesen Reigen der Vergänglichkeit ein.

In der absolvierten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 15 °C und 28 °C und generierten damit einen Hitzelauf. Auch zwei Regenläufe darf ich bescheiden freudig verkünden; zwar registrierte ich noch an anderen Tagen ein wenig Regen, den ich aber keineswegs als solchen werten darf. Durchaus passend zum heutigen Jubiläum applaudierten schwarzkittelige Zuschauer im Wald – meine Freude war natürlich ausgeprägt. Auch ein neuer Fastunfall zieht erhöhend in meine Statistik ein, welcher seinesgleichen sucht. Am 07.07. fuhr ein weißes „Sport Utility Vehicle“, auch bekannt als SUV – gesprochen: SUFFF – an der berühmt-berüchtigten Unfallstelle vor – der Fahrer zählt betrüblicherweise zu den Analphabeten – und verringerte also weder seine Geschwindigkeit, noch beherrschte er den Schulterblick. Obwohl ich meinen Arm und meine Stimme erhob, was ich mittlerweile relativ selten praktiziere, reagierte jene Person nicht im Ansatz. Es ist also kausal davon auszugehen, daß der Fahrzeugführer auch noch an einem Ohrschaden leidet. So sandte ich ihm mein aufrichtiges, tiefes Mitleid hinterdrein.

An dem gleichen Tag und auch am 21.06. unterbrach ich meinen Lauf, um zwei wunderschöne Weinbergschnecken von ihrem Ausflug auf die Straße abzubringen – ich begleitete sie in sichere Gefilde. Der Dank war groß und zum Abschied winkten wir uns zu. Den vergangenen Juni deklariere ich zum Monat der Schwarzspechte – zahlreiche Begegnungen wurden mir zuteil, die allesamt höchst putzig ausfielen. Die Neugierde eint alle Lebewesen. Nach einer längeren Pause habe ich es am 09.07. gewagt, „meine“ Wollies zu streicheln und der Preis für wenige Minuten betrug vier Mückenstiche. Mit großer Ungeduld sehne ich den Herbst & Winter herbei – möge dieser heiße Sommer endlich vergehen.

Der wohl schönste Moment fand am 11.07. statt, als über meine laufende Wenigkeit sieben Schwäne hinweg flogen, flankiert von ihrem lieblich-sonoren Sirren. Im Anschluß folgten zwei weitere und gut zwanzig Minuten später erneut zwei Schwäne. Der Tag der Schwäne – und ich war dabei. Mit den unangenehmen Temperaturen ist mehrheitlich meine Lauffreude verlustig gegangen und angesichts der drückenden Schwüle der letzten Tage – intensiviert sich dieses meine Empfinden einmal mehr. Zeiten ändern sich; bis mich dieser Augenblick erreichen wird, laufe ich der Kälte entgegen – täglich. Ausnahmslos.

Den Weg gehen – III. 2021. Zwanzig Jahre. Drei Monate. Was für Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Drei Monate in Serie. Das omnipotente Zeitenrad des unwägbaren, nebulösen Lebens bewegte sich vernehmlich knirschend; verbannte in der stillen wie klagenden Konsequenz einen neuerlichen Abschnitt der Hoffnung in die tödliche, absolute Vergangenheit – hinein in das allumfassende Nichts, welches uns früher oder später alle herzlich willkommen heißen wird. Einmal mehr eine weitere Phase, welche in meinem Gelebten Täglichlaufen geboren wurde und entsprechend würdigte ich jeden einzelnen Tag; natürlich, wie könnte ich auch nicht. Wo bleibt die Zeit nur? Und das Leben? Es ist in der Tat erschreckend, wie die Vergänglichkeit allenthalben expandiert; und wir können nur als unbedeutende Betrachter partizipieren; nur als höchst banale Marionetten in diesem seltsamen Spiel.

Die Temperaturen bewegen sich mehr und mehr in zutiefst unschöne Regionen, allein die Morgenstunden sind noch „erträglich“ und bewegten sich zwischen 08 °C und 24 °C während meiner Läufe. Null Kälteläufe durfte ich absolvieren und nicht ein Regenlauf darf ich vermelden – was für Zeiten, was für Zeiten! Dafür durfte ich am 13.06. mal wieder meine schwarzkitteligen Freunde beobachten – ein Großputzel sprang mit höchstem Engagement in das Wasser und generierte dadurch einen Lärm sondergleichen. Der Schilfrohrsänger betrat am 27.05. erstmalig die konzertierende Naturbühne – mein Applaus fiel gewaltig aus. Nur drei Tage später erspähte ich Meister Lampe; wahrlich eine rare Begegnung. Unser letztes Treffen lag schon länger zurück.

Ausgewählte Teilstrecken sind mittlerweile zugewachsen, welche ich aufgrund der möglichen Zeckengefahr meide; der grünen Mückenhölle kann ich indessen nicht entkommen, welche sich kaum noch beschreiben läßt. Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Grußfreundin und wenn ich unser Gespräch auf vielleicht nicht mal zwei Minuten beschränkte und dabei unbändig tanzte, hüpfte und mit den Armen wedelte (mir deucht, ich sollte eine Karriere als Influencer anstreben) – der Preis betrug vier Stiche; dabei standen wir am Waldrand – im Forst selbst ist die Situation viel extremer. Und ja, ich wiederhole an dieser Stelle meine Empfehlung für Laufanfänger – man möchte gar nicht mehr anhalten.

In den letzten 20 Jahren habe ich viele Geschenke während meiner Läufe erhalten – was ich bis heute nicht nachvollziehen kann; schließlich laufe ich nur durch die Wälder. Nach meinem besonderen Ostergeschenk in diesem Jahr war es nun an mir, mich zu revanchieren und ein Geschenk zu übergeben – zumal der Anlaß entsprechend war. Noch am nächsten Tag kamen dem Beschenkten die Tränen – offenbar kam meine realisierte Idee gut an. Es ist bemerkenswert, was man beim Täglichlaufen erleben darf. – – Morgen setzt es sich fort; natürlich. Und darüber hinaus? Dieses seltsame, surreale Spiel des Lebens wird es lehren. Absolut konsequent wie immerdar.

Den Weg gehen – II. 2021. Zwanzig Jahre. Zwei Monate. Winterlicher Abgesang.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Zwei Monate in Serie. Eine weiterer Monatsabschnitt Täglichlaufen wurde nunmehr absolviert wie abgeschlossen; meine Serie setzt sich ungerührt fort. Die vergangene Phase vollzog sich routiniert, unspektakulär und führt endgültig aus dem temporär frostigen Winter in eine wärmere Zeit, die gerne rasant vergehen darf. Allein entzieht sich dieses Ansinnen jedweder Einflußnahme und nur das stille Akzeptieren offenbart sich schlußendlich als Option. So sei es.

Die Temperaturen tanzten zwischen angenehmen -02 °C und unschönen 25 °C hin und her; generierten in der Summe vier Kälte- und drei Regenläufe. Auch ein neuerlicher Nebellauf gesellt sich in diese meine Witterungsstatistik. Das kurze Sommerintermezzo mit über 30 °C wirkte nachhaltig und mittlerweile werden die heimischen Wälder erhaben von Mücken regiert – wie noch stets ein Segen für Laufanfänger. Fortgeschrittene sind mutmaßlich weniger begeistert und können gerne auf diese fliegende Motivation verzichten. Ende April war der Bestand an Nachwuchsgänsen sehr ausgeprägt – wiederholt ein herziger Anblick, die doch sehr schnell wachsen.

Am 25.04. konzertierte erstmalig die Nachtigall und am 08.05. der Pirol, auch der Kuckuck meldete sich am 28.04. lauthals zu Wort. Nur ein Tag später spielte ich mit einem Schwarzspecht ein heiteres Versteckspiel, was ich so in der Form eigentlich nur mit Eichhörnchen kenne. Die Neugierde ist eben ein essentieller Wesenszug aller Lebewesen. Zwei umtriebige, triebsame Fasane störten sich am 30.04. so gar nicht an meiner laufenden Präsenz und zeigten sehr eindrucksvoll, wie stark der Fortpflanzungstrieb die natürliche Fluchtdistanz reduziert. Doch ja, rücksichtsvoll zog ich mich leise zurück. Die Tage werden wärmer und wärmer, der liebliche Winter ist zu einer belebenden Erinnerung geworden. Aber mit jedem Tag wie Lauf kommt die nächste Kältephase beharrlich näher. Möge sie nur eilen!

Das erste Mal

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 11. Mai 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen und Natur bilden für mich eine harmonische Einheit, eine kongeniale Symbiose, die ihresgleichen sucht. Jener natürliche Pfad, den ich hierbei täglich im Laufschritt beschreite, wird von zahlreichen tierischen Weggefährten begleitet; die wiederholt hier Eingang fanden. Nachfolgend eine Übersicht, wann die großen Konzertspieler ihren formidablen Reigen der Einzigartigkeit jeweils im Jahr eröffnen. Ich beschränke mich nur auf die drei bedeutendsten Tenöre; andere ehrbare Vertreter, wie beispielsweise der Schilfrohrsänger mögen mir diese meine Auswahl nachsehen. Ich konzentriere mich nur auf zehn Jahre in der Rückbetrachtung.

Kuckuck Pirol Nachtigall
28.04.2021 08.05.2021 25.04.2021
25.04.2020 08.05.2020 18.04.2020
24.04.2019 29.04.2019 21.04.2019
24.04.2018 03.05.2018 23.04.2018
02.05.2017 03.05.2017 17.04.2017
30.04.2016 04.03.2016 30.04.2016
29.04.2015 23.04.2015 22.04.2015
27.04.2014 14.05.2014
26.04.2013 10.05.2013 03.05.2013
28.04.2012 07.05.2012
24.04.2011 16.05.2011 10.05.2011

Den Weg gehen – I. 2021. Zwanzig Jahre. Ein Monat. Zwei Dekaden und darüber hinaus.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Ein Monat in Serie. Nun verbirgt sich mein bedeutendes Jubiläum, mein großer, größter Tag überhaupt bereits ein Monat in der alles verzehrenden Vergangenheit und hat zudem einen weiteren Monat Täglichlaufen mit sich gerissen und für immerdar absorbiert. In einem Paralleluniversum habe ich dieses einzigartige Ereignis entsprechend gewürdigt; gefeiert – aber in unserem traurigen Weltgesang durfte ich es nur stolz registrieren. Auch wahre Freude hat ihre Zeit. Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen läuft ungerührt weiter, noch. Mir ist wohl bewußt, diese meine Intention kann in jeder Sekunde ihr jähes Ende erfahren. Allein mein Willen steht dagegen; das ist wenig genug.

In der absolvierten Doppelphase bestritt ich 44 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Dazu gesellt sich der 65. Fastunfall in meinem Läuferleben, eine neuerliche Wildschweinbegnung – die 75. ihrer Art – und ein Hundevorfall. Die unsteten Temperaturen alternierten indessen zwischen -05 °C und 08 °C. Neben der prägenden „20“ enttarnt sich eine herausragende „75“, denn am 21.02. zeichneten zum 75. Mal meine Schwarzkittelfreunde für einen spannenden Auftritt verantwortlich. Etwas entfernt trottete ein Trupp mit mehreren Nachwuchsputzeln fröhlich durch das Leben und nur wenige Meter vor mir – brachen drei, vier große Wildschweine laut krachend durch das Schilf. Es handelte sich wie immer – um eine sehr erhabene Begegnung.

Wenige Tage später verabschiedete sich leider eine Schaffreundin von mir – sie war die älteste in diesem Kreis und nach vielen Jahren ist das wirklich ein seltsamer Anblick, wenn die Chefdame fehlt. Im März war nur ein Tag von wahrer Bedeutung; weitere Worte erspare ich mir an dieser Stelle. Am 22.03. erfolgte der 65. Fastunfall und welch ein Wunder – der Autofahrer entschuldigte sich sogar. So ein Verhalten hätte ich nimmermehr für möglich erachtet. 20. 65. 75. – es ist die Zeit für Gedenktage. Fünf Tage später erlebte ich eine sehr unschöne Begegnung mit einem Hund – welche sich am Ende mehr oder weniger harmlos auflöste und auch hier entschuldigte sich der Halter mehrfach. Auch in diesem Kontext bin ich ganz andere Verhaltensweisen gewöhnt. Früher wurde ich noch bedroht und beschimpft, wenn ich mich eines Angreifers erwehrte.

Am Ostermontag ereilte mich tatsächlich eine völlig unerwartete Osterüberraschung im einsamen Forst und ich weiß bis heute nicht so recht, womit ich das verdient habe. Und wenn ich jener Person auch schon vermehrt half – so war ich mehr als überrascht. Während meines Laufes am 10.04. gewahrte ich jählings im Wald ein Entenpaar direkt vor mir – ich blieb stehen und die süßen Enten liefen gemütlich den Pfad entlang – der Erpel fröhlich erzählend. Von rechts gesellte sich ein weiterer Entenherr dazu und meine Wenigkeit spazierte geduldig hinterdrein. Dies währte eine längere Zeit so, bis sie sich irgendwann entschlossen, fliegend den Wald zu verlassen. Und ich blieb lächelnd zurück. Den ersten Graugansnachwuchs in diesem Jahr durfte ich am 14.04. beobachten – auch hier unterbrach ich freilich meinen Lauf, um die goldigen Flauschbälle zu betrachten.

Das Leben läuft also weiter; ich selbst auch und zwar täglich. Das Großjubiläum von 20 Jahren hat daran nichts geändert und wird es auch künftig nicht. Temporär habe ich es wertgeschätzt – nun ist es in die Vergangenheit eingezogen und die nächsten Läufe werden folgen – täglich. Gelebtes Täglichlaufen. Zwanzig Jahre und nun darüber hinaus…

Eine Osterüberraschung im Wald

Posted in Besondere Läufe on 5. April 2021 by Täglichläufer

Ein wunderschöner graufinsterer Ostermontag, lieblich begleitet von einem weithin vernehmlichen wie fühlbaren Sturm der frischen Lebendigkeit. In dem rauschenden Forst sollte mich eine Begegnung ereilen, die mich wahrlich überrascht hat. Und so wurde mir mitten im einsamen Wald ein Geschenk zu Ostern überreicht – nur eine Kleinigkeit, wie es hieß. Ich war freudig erstaunt, bedankte mich und setzte meinen Weg fort.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich mitnichten um eine „Kleinigkeit“, im Gegenteil. Lieber Herr S. – ich bin immer noch sehr, sehr überrascht und meine Freude ist entsprechend ausgeprägt. Es ist mir eine große Ehre und ich kann an dieser Stelle nur meinen herzlichen Dank aussprechen! Ich verneige mich!

Zwei Dekaden. Täglichlaufen. 20 Jahre.

Posted in Täglichlaufen. 20 Jahre on 18. März 2021 by Täglichläufer

Fürwahr, ich habe es tatsächlich realisiert – 20 Jahre ausnahmsloses Täglichlaufen – Zwei Dekaden – es ist mir gelungen; ich darf den stolzen, einzigartigen Vollzug vermelden. Ich habe die nächste Ebene erreicht. Wer hätte das je gedacht?

18.03.2001-18.03.2021

Der heutige Jubiläumsartikel sollte mindestens doppelt so ausufernd sein – wie einst jener zu meiner ersten Dekade; doch das Leben goutiert zwar mein Täglichlaufen, zeigt allerdings in anderen Situationen wahrhaft unbegreifliche Härten – so nehme ich mein Jubiläum zwar an, aber wirklich ein Grund zur exponierten Freude ist es angesichts dieser Umstände heute nicht. Manchmal ändert sich in 20 Jahren weniger – als in einer Sekunde.