Täglichlaufen. Stolze und kostbare 25 Jahre und Sechs Monate in Serie. Das Jahr zieht von dannen und der Vorhang fällt in jener Phase für immerdar und so ist also mein Halbjahresjubiläum erreicht. Ich nehme es wie gewohnt an, wenngleich unter für mich erschwerten Bedingungen. Dieser Wert ist für mich auch durchaus bemerkenswert; erstaunlich, was ein „Nichtwollen“ alles so generieren kann. Zudem, Laufen mochte ich früher nie und ja, dieses Gefühl lebt noch irgendwo konserviert in meinem Inneren weiter – welch ein Glück!
Der Sommer hat endlich seinen Ausklang erreicht und bot in der kausalen Folge Temperaturen zwischen 18 °C und 06 °C feil. Besondere klimatische Verhältnisse wie beispielsweise „Regen“ traten natürlich nicht auf. Ende August durfte ich in den frühen Morgenstunden zahlreiche Fledermäuse beobachten; welch ein schöner Anblick. Am 01.09. näherte ich mich dem Waldeingang als es jählings vor mir laut grunzte und freilich habe ich mit Wildschweinen gerechnet, als ich aus der Finsternis heraus ein „Entschuldigung“ vernahm – es handelte sich um einen Hundehalter, dessen Hundedame ich in der Dunkelheit mutmaßlich erschreckt hatte. Ich hätte gleichwohl schwören können, Schwarzkittel vor mir zu haben und so durfte ich also lernen – Hunde beherrschen Fremdsprachen. Wie konnte ich dies je negieren? Nach einem Gespräch setzte ich meinen Weg fort und traf im Anschluß wirklich auf Wildschweine – meine 130. Begegnung mit den Rackern. Gestern erfolgte die obligate Fortsetzung und zwar in einem Wohngebiet – hierbei traf ich eine komplette Rotte, ca. 12 bis 14 Putzels von klein bis groß. Das Leittier ließ mich nicht aus Augen und ich die Anführerin nicht – der nächste Kontakt wartet bereits.
Als langjähriger Täglichläufer bin ich natürlich hochgradig süchtig – ich muß täglich in meinen Wald, in die Natur – dies ist zu meiner eigenen Natur geworden. Nur ein Tag ohne Wald ist unschön. Und jenes Band wurde nun temporär zerschnitten. Seit dem 07.09. darf ich nicht mehr in meinen Forst, weil mir der Zugang verwehrt ist – eine Brücke wurde gesperrt und ich bin geneigt anzunehmen, ich werde den Neubau nicht mehr erleben. Dafür ist mein Bild von Deutschland zu schlecht, nein, unterirdisch und nicht mehr definierbar. So bin ich also aktuell ein Asphaltläufer – entsetzlich (!) – und gebe mich der leisen Hoffnung hin, die Aussagen der Brückenbastler entsprechen der Wahrheit und die Totalsperrung regiert wirklich nur zeitweise. Eine erste Verlängerung der Blockade wurde bereits propagiert; dies ist selbstredend keine Überraschung. So bereitet mir mein Täglichlaufen derzeit keine Freude, im Gegenteil, aber auch das vergeht – wie alles im Leben.
