Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 16,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…

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Gefiederte Freunde. II.

Posted in Fauna, Photos on 29. August 2017 by Täglichläufer

Einmal mehr – ohne Worte.

Den Weg gehen – V. 2017. Sechzehn Jahre, Fünf Monate. Herbsthoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Fünf Monate in Serie. Wieder zieht eine Rückschau hier ein und verbannt einmal mehr einen ehedem hoffnungsvollen Monat Täglichlaufen der Zukunft in die unwiederbringliche Erinnerung. So vergeht die Zeit und nimmt einen neuerlichen Lebensabschnitt mit – in das unendliche Meer der Endlichkeit. Der Lauf des Lebens und nicht wenige Stimmen munkeln, das Leben darf auch zu der Gilde der Täglichläufer gezählt werden.

In der vergangenen Phase manifestierte sich eine Temperatur von 24 °C als Höhepunkt, indessen der Tiefpunkt bei angenehmen 13 °C angesiedelt war – in der unausweichlichen Konsequenz generierte das gar vier Regenläufe für mich. Welch eine hohe Zahl in einem Monat! Tatsächlich, die Witterungsbedingungen der letzten Jahre machen mich sehr demütig und bescheiden in dem Kontext. Ich wünschte, die Großkampfverbände der Mückenheere würden ebenso von Bescheidenheit dozieren. Nach längerer Zeit durfte ich am 23.07. einen possierlichen Fasan beobachten und nur einen Tag darauf erspähte ich einen wundervollen Rotfuchs – der ausnahmsweise nicht stehen blieb, sondern zügig von dannen trottete – und wenige Minuten danach traf ich in einem abgeschiedenen Waldstück Meister Lampe. Freilich darf es nun nicht für Verwunderung sorgen, daß ich sogleich an das entsprechende Märchen dachte. Ich wünsche beiden Putzels, daß sie noch leben.

Am 02.08. wollte mich eine Autofahrerin überfahren, doch halt, nein, nicht schon wieder diese immer gleiche Thematik. Führerscheininhaber, die lesen können, werde ich in meinem Leben nicht mehr erleben. Immerhin traf ich während dieser Laufrunde meinen Golden Retriever-Freund Leo, der mich die unangenehme Szene sogleich vergessen ließ. Anfang August wurde ein neues Schaf geboren – das ist höchst bemerkenswert, denn zu dieser Zeit ist das für mich ein Novum. Meine Wollies sind immer für eine Überraschung gut. Um auf das Thema meiner Hundefreunde zurückzukommen, sei erwähnt, daß auch hier ein Neuzugang festgehalten werden kann – am 06.08. streichelte ich zum ersten Mal den lieben Herr Willi – seines Zeichens ein Riesenschnauzer mit witziger Frisur, den ich bisher nur auf der Ferne kannte. Somit erhöht sich das Feld jener Freunde, die früher oder später für die zahlreichen Zwangspausen sorgen – denn an solche lieben Wesen läuft man nicht vorbei, ohne sie adäquat zu würdigen. Gleichwohl ist der Tribut dafür hoch, allein heute früh lag der Preis für zwei (sehr) kurze Unterbrechungen bei fünf Mückenstichen.

Der Zenit des Sommers ist längst überschritten; die ersten gelben, dem Tod anheim gefallenen Blätter zieren seit fast zwei Wochen die Pfade und die stürmischen Heerscharen des Herbstes sind längst auf dem Weg – in die hiesige Realität. Möge das letzte Aufgebot der Hitze nachhaltig vergehen und den Thron endgültig räumen – für die wahren Witterungsregenten; welche in Kälte, Sturm, Regen und Schnee geboren sind – meine Ungeduld wächst täglich mehr und mehr, endlich wieder unter wundervollen Bedingungen mein Täglichlaufen zu praktizieren. So bleibt nur die Hoffnung auf einen baldigen Wandel.

Den Weg gehen – IV. 2017. Sechzehn Jahre, Vier Monate. Bedeutsame Jubiläen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Vier Monate in Serie. Und wieder wurde ein Monat Lebenszeit nachhaltig in die Vergangenheit überführt – unwiederbringlich und verloren für alle Zeiten. Dieses fragile Konstrukt, welches wir als „Leben“ betiteln, ist doch mehr als erschreckend. Immerhin, die vor kurzem von mir „kritisierte“ Routine hat sich grundlegend verflüchtigt und das tägliche Einerlei im Laufkontext wurde mehrheitlich abwechslungsreich von der Unwägbarkeit des Lebens gestaltet.

In der vergangenen Phase vollzog ich nur zwei Regenläufe – was als sehr, sehr betrüblich zu bewerten ist – und die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 26 °C. Die unsägliche Hitze stellte sich glücklicherweise nicht ein und längere Regenabschnitte sorgten für angenehme Klimabedingungen. An jenen Tagen wirkte sich das entsprechend positiv auf die Heerscharen der Mücken aus, was ich freilich besonders wertschätzte, dann damals war ich wieder für meine Wollfreunde zuständig. In diesem Kontext vollzog ich das erste bedeutsame Jubiläum in jenem Abschnitt, denn am 30.06. absolvierte ich meinen 400. Regenlauf. Eine formidable Zahl, die nicht im Ansatz ihr verborgenes Geheimnis offenbaren kann, welcher intensive Genuß darin eingeschlossen ist. Ohne Worte. Ohne Worte!

Am 19.06. begegnete ich einem grunzenden Wildschwein, welches mich wahrscheinlich nicht gewahrte oder aber, er oder sie tat sehr ignorant, was meine Person angeht. Nur wenige Tage später – am 07.07. – kam es zu einem neuerlichen Kontakt mit den süßen Putzels und ja, die Statistik erläuterte mir schlußendlich, daß es sich um unsere 50. Begegnung handelte – welch ein schönes Jubiläum. Am 22.06. war die Zeit reif für einen weiteren Sturz, der auch recht blutig verlief; aber diese Thematik wird mich wohl für immerdar als Täglichläufer begleiten. Nur einen Tag später durfte ich diverse Sturmschäden in meinem Laufareal „bewundern“, die bis heute die Wege blockieren und bisher nicht geräumt wurden.

Für Familie Schwan unterbrach ich meinen Lauf am 13.07. und beobachtete die Eltern mit ihren fünf Nachwuchsschwänen, von denen vier grau sind und eines ein weißes Gewand trug. Noch immer fällt es mir schwer, mich von solchen herzigen Anblicken zu lösen – es geht eben nichts über die Natur; wo die Natur noch Natur sein darf. Vorgestern bat mich eine Dame um Hilfe, welche ich ihr natürlich gern gewährte, aber auch dies gestaltete sich wieder als Herausforderung, denn die Macht der Mücken war und ist ungebrochen. Ich erhebe das Jahr 2017 als das schlimmste Mückenjahr, was ich je in meinem Leben erlebte. Mein gestriger Lauf wurde von einem Pirolkonzert gekrönt, welches seinesgleichen suchte – angesichts dieser edlen Melodien fragte ich mich einmal mehr, wieso der Lauf nur enden mußte!? Doch nichts währt ewig. – – So setzt es sich also fort – Gelebtes Täglichlaufen. Wie lange noch und wohin, wird das Leben lehren. Vielleicht.

Meine 50. Wildschwein-Begegnung

Posted in 50. Wildschweinkontakt on 10. Juli 2017 by Täglichläufer

Wohlan, möge nun das dritte große Jubiläum in diesem Jahr hier in erhabener Würde einziehen. Nach 16 Jahren Täglichlaufen in Serie und meinem 400. Regenlauf thematisiere ich an dieser Stelle einmal mehr meine lieben Schwarzkittelfreunde. Am 07.07. gegen 08:00 Uhr – nach weiten 150 gelaufenen Metern – raschelte es vernehmlich zu meiner linken Seite; allerdings hinter einem hohen Zaun. In einer Breite von ca. 15 Metern schien sich jeder Strauch und jeder Ast zu bewegen – das große Rascheln wurde also zelebriert; direkt vor mir. Ich erfühlte eine ausgeprägte Unruhe und erspähte doch nichts.

Natürlich unterbrach ich sofort meinen Lauf und tönte hinaus – in das ungestüme Ungewisse. Um wen es sich handelte, dachte ich mir längst und dennoch erhielt ich von meinen Freunden keine Antwort. Nur das intensive Rascheln setzte sich ungehalten fort. So stand ich also und erhob meine Stimme ein wenig und rief: „Halloooo Puuuuutzels!“ – was indessen stante pede kommentiert wurde und zwar mit einem sehr lauten „Quiiiieeeek“ aus unmittelbarer Nähe. Nun war meine Vermutung bestätigt und ich ließ die Schnuffelgrunzer in Ruhe und zog von dannen. Meine Statistik offenbarte mir im Anschluß die bemerkenswerte Zahl: 50. Diese meine 50. Begegnung mit den Wildschweinen basiert auf einem Zeitraum, der am 01.01.2000 seine Initiation feierte. Mir deucht, unser nächstes Treffen liegt in nicht allzu weiter Ferne. Und ich hoffe, daß dieser Kontakt sich durch etwas mehr Distanz auszeichnen wird, denn die Menschen verheißen nie etwas Gutes.

Mehr als nur Routine. & Mein 400. Regenlauf.

Posted in 400. Regenlauf, Täglichlaufen. Laufalltag. on 30. Juni 2017 by Täglichläufer

Nur Routine. In der Tat, nur Routine – welche stets ihre Fährlichkeit beweist, was ich nur vier Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erfahren durfte. Während meines Rückweges sprang mich jählings am Waldrand eine tobende Wanderwurzel an – deren Vorfahren ich bis zu den Erzeltern aufzählen könnte und mir somit sehr vertraut war – und dennoch, und dennoch! Mein Lauf hielt urplötzlich inne, die Raumzeit fror zitternd ein und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken, die ich vor vielen Jahrhunderten in meinem Kampfsport erlernte und ohne Unterlaß üben mußte. Und so fiel ich also nach vorne und absolvierte währenddessen einen dreifachen Vorwärtssalto und landete elegant und extrem entspannt auf den Füßen und lief lächelnd weiter – halt! Nein – tatsächlich, genau so fand es statt, aber leider in einem Paralleluniversum; nicht in dem meinen.

Wenige Wörter zuvor. „…und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken – nur für einen Bruchteil in der Sekunde und ja, diese Erinnerungen an all das Geübte nutzten mir weniger als nichts, denn rasanter als ich denken konnte, vollzog ich die Wendung aus dem Laufschritt bei einer geschätzten Geschwindigkeit von 12/13 Kilometern pro Stunde in den alles andere als elegant aussehenden Bauchklatscher und landete entsprechend unsanft auf unebenen Boden, der mit zahlreichen Wurzeln und Steinen garniert war. Jene von mir neu entwickelte Technik taufe ich auf den Namen: „Nasser Sack“. Partiell lädiert und etwas verärgert über meine Ungeschicklichkeit setzte ich meinen Lauf ungeachtet dessen fort. Der nächste Sturz wird folgen. – –

Themenwechsel. Am 09.12.2013 durfte ich hier verkünden, daß ich meinen 300. Regenlauf vollzogen habe – gerechnet ab dem 01.01.2000. Nun, heute ist es erneut so weit – aus der Zahl 300 wurden mittlerweile 400 Regenläufe. Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen von beachtlichen Starkregen, den ich durchaus bedenklich bewertet habe – den Laufkontext lasse ich für diesen einen Satz außen vor. Heute morgen obsiegte nach wie vor eine gehaltvolle Finsternis, wenngleich der Starkregen sich nicht mehr die Ehre gab. Nichtsdestotrotz waren die Witterungsbedingungen diesem honorigen Jubiläum durchaus angemessen und selbst die Eingangspforte des lieblichen Waldes hatte sich gravierend verändert, denn anstatt des gewohnten Pfades erspähte ich einen kleinen See und in diesem Stil setzte sich mein 400. Regenlauf fort. Schlußendlich lasse ich meine eigenen Worte sprechen…

…und sofort umarmt mich eine Windböe, die mich in eine andere mentale Atmosphäre entführen will, was ihr auch liebkosend gelingt. Vollzogene Verführung.

Gewaltige Flotten von Wolkengaleonen präsentierten sich in einer prächtigen Parade – auf facettenreichen Graunuancen basierend – und demonstrierten der entfernten Erde ein kräftiges Regenkonzert. Eine bis in das kleinste Detail abgestimmte Symphonie, welche stakkatoartig die Regentröpfchen in die winterliche Welt entließen. Einmalig komponiert – eine Ode an das Leben. Bedecktes Land. Leere Weite. Ungestüme Freiheit. Beherrschende Einsamkeit, trotziger Regen und leiser Sturm arbeiteten Hand in Hand und hielten jeden aufmüpfigen Besucher von meiner Welt entfernt, was ich sehr zu schätzen wußte. Die Tiefe des Waldes wirkte durch die konzentrierten Regentröpfchen weitaus finsterer als es sonst die Regel ist. Eine aussichtslose Dunkelheit streckte ihren Arm nach mir aus – ich wehrte mich nicht – sie umarmte mich und zog mich in den schwarzen Wald. Ein sehr nachdenklicher Lauf, durchwoben von Melancholie und Freude – die unterschiedlichsten Gefühle. Begegnungen wie die heutige reißen mich aus der Routine und offenbaren, wie fragil die Endlichkeit doch ist. Ich habe unverschämtes Glück, daß ich schon so lange täglich laufen darf. Wir sollten jeden einzelnen Lauf genießen, wer weiß, was das Leben für uns noch bereithält.

Den Weg gehen – III. 2017. Sechzehn Jahre, Drei Monate. Nur Routine.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Drei Monate in Serie. Das Zeitenrad der Vergänglichkeit hat sich laut knirschend weiter gedreht und mit aller Macht seine gravitätische Wirkung entfaltet – wie stets ohne Rücksicht oder Gnade. So ist die Ordnung der Dinge. Selten verlief ein Monat Täglichlaufen unspektakulärer als der letzte – Tag um Tag und Lauf um Lauf trat ungerührt in die tödliche Vergangenheit ein – ohne Besonderheiten oder tragende Ereignisse – einer banalen, ausgeprägten Routine geschuldet, nur Routine; was ich schlußendlich durchaus als positiv interpretieren darf.

Die Temperaturen alternierten zwischen 10 °C und 25 °C und die gewaltigen Witterungsmächte zierten sich mehrheitlich und boten nur zwei Regenläufe feil, was leider sehr bescheiden und auch betrüblich ist. Auch der partielle Starkregen während des einen Laufes ändert diese meine Einschätzung nicht im Ansatz. Mittlerweile durfte ich mehrere Nachwuchsschwäne erspähen, die zusammen mit ihren Eltern die neue, weite Welt erkunden – angesichts derart herziger Szenen gestaltet sich ein Weiterlaufen meinerseits wiederholt als Herausforderung.

Am 20.05. kam ich einem großen Reh wieder sehr nahe, welches sogleich einen ausweichenden Satz vollzog und nach meinem Anreden verharrte und mich neugierig ansah – das Fluchtverhalten war damit beendet – was nicht für mich galt, denn ich setzte meinen Weg fort, um nicht allzu eminent zum Störenfried zu avancieren. Dieses fast schon zutrauliche Verhalten zahlreicher Rehe erscheint zwar auf den ersten Blick als schön, doch im Kontext der mörderischen Jäger ist das Verhalten nicht angemessen. Am 31.05. wurden meine Wollfreunde geschoren – hier war natürlich eine Zwangspause Pflicht, um die armen Putzels zu trösten und um ein wenig die Heerscharen der Mücken zu vertreiben – die sich natürlich stante pede ein neues Ziel auserkoren – und so mußte ich für meine Trosteinheit einen hohen, juckenden Preis bezahlen. – – Das Zeitenrad wird sich weiter drehen, immer weiter und ich bemühe mich, mein Täglichlaufen auch künftig leben zu dürfen; ob diese Routine weiterhin mitlaufen wird oder eben nicht – wird die Zeit lehren.