Den Weg gehen – VIII. 2017. Sechzehn Jahre, Acht Monate. Im Zeichen des Bussards.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Vergangenheit. Vor einem Moment lag er noch vor mir, der hoffnungsvolle und noch nicht geborene Monat Täglichlaufen, der freudig den Dingen harrte, um strahlend in das fragile Leben zu treten. Vorbei. Nun ist er ein unbedeutendes Teil der unendlichen Vergangenheit; kehrt nimmermehr wieder und lebt nur in meinen leisen Erinnerungen fort – temporär begrenzt. Wie das Leben selbst. So setzt es sich also fort, ungerührt und unwägbar wie eh und je. Wer kann und will dem entkommen? So sei es.

In der nun abgeschlossenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 0 °C und 14 °C und in der Summe wurden mir sechs Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe als wertvolle Geschenke dargeboten, welche ich nur zu gern goutierte. Auch erlebte ich am 25.10. meinen 52. Wildschweinkontakt, der sich einmal mehr unspektakulär im Sprühregen vollzog. Der vernichtende Kahlschlag im Forst fand mittlerweile seinen Abschluß – zurück bleibt Zerstörung allenthalben und mehrere Holzstapel, wie auch das nachfolgende Bild betrüblich aufzeigt – jener ist ungefähr 60 Meter lang. Ein erneuter „Orkan“ wütete entsprechend und tat das seine, um weitere zornige Schäden zu generieren – mein Lauf indessen an jenem Tage war wundervoller Natur.

Am 24.10. erspähte ich zum ersten Mal ein schwarzes Eichhörnchen – bisher dominiert die Farbe rot. Anfang November thronte auf einem hohen Holzpfahl ein edler Bussard, der sich gar nicht stören ließ und nur neugierig nach unten spähte, um mich im Auge zu behalten. Nur wenige Tage später lief ich direkt auf einen Bussard zu, der auf einem Ast in vielleicht drei Meter Höhe saß und selbst als ich erst unmittelbar vor ihm abdrehte, wahrte er noch die Contenance und fühlte sich keineswegs belästigt. Sodann erfolgte am 09.11. das gleiche Spiel, dieses Mal betrug die Distanz zwischen uns nur zwei Meter und auch in diesem Fall beobachteten wir uns nur gegenseitig in höchst neugieriger Art und Weise. Ob es sich um verschiedene Exemplare handelte, kann ich freilich nicht konstatieren. Doch ja, als Täglichläufer muß ich selbst den Bussarden bekannt sein. Und wie stets, hielt ich auch bei diesen Begegnungen anredende Monologe, die allerdings unbeantwortet blieben.

Während dieses Laufes erspähte ich an der gleichen Lokalität wie zuvor erneut einen Waschbären, der von links nach rechts sehr entspannt meinen Damm kreuzte und im Gebüsch verschwand. An dieser Stelle darf ich meine geliebten Wollfreunde nicht vergessen, die an jenem Tage aus ihrem Sommerurlaub zurückkehrten und auf ihre heimatliche Weide zogen – und mich durchaus arrogant ignorierten. Es sollte noch eine Woche dauern, bis wir den gewohnten Streichelreigen fortsetzen konnten und so kann ich über dieses skandalöse Verhalten doch generös hinweg sehen. In der Mitte des Novembers gelang es mir, in den frühen Morgenstunden zwei relativ junge Nachwuchsfüchse beim Spielen zu beobachten – ein herziger Anblick, der einfach nur pure Lebensfreude ausstrahlte. So vergeht also ein weiterer Monat Lebenszeit; wohin die Reise gehen wird, wird die Zeit lehren.

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Orkanwelten

Posted in Täglichlaufen. Laufberichte. on 29. Oktober 2017 by Täglichläufer

Die Nacht war wild; ein unablässiges Rauschen war der stete Begleiter der Finsternis. Temporär obsiegte eine unheimliche Ruhe, nur für einen Moment – und dann galoppierten sie wieder, die Sturmböen der Macht und demonstrierten ihre Allgewaltigkeit par excellence. Meine Vorfreude wuchs mehr und mehr und so verfiel ich in den frühen Morgenstunden in den Laufschritt und war ob der Einsamkeit nicht wirklich überrascht. Auf der sonst vielbefahrenen Hauptstraße beobachtete ich vielleicht insgesamt fünf Autos – jener Wert wird sonst nur an Neujahr erreicht.

Auf der großen Brücke spürte ich die Orkanwelt nun ungeschützt und mit Inbrunst bot sie engagiert alle Kräfte gegen mich auf und ja, lief ich nicht gegen eine Wand? Zusätzlich prasselte ein Regen-Stakkato ohnegleichen auf mich hernieder, so daß ich annehmen mußte, ich trüge ein eisernes Band im Halsbereich. Tatsächlich, so einen mächtigen Sturm habe ich sehr lange nicht erlebt. Unverdrossen, doch mit Genuß setzte ich meinen Weg fort in die liebreizenden Haine, die einmal mehr wie ein hölzernes Schlachtfeld aussehen.

Hier offenbarte sich die ganze Tragik, wie der ungestüme Orkan gewütet hat, ja, nahezu rasend vollführt er sich auf. In der Ferne erspähte ich einen roten Punkt und wußte sogleich, daß es sich um einen Bekannten handelte, der mit seiner Hündin den Morgen begrüßt. Er war höchst erstaunt, mich bei diesen Witterungsverhältnissen anzutreffen, was mich wiederum ein wenig enttäuschte – denn nach all den langen Jahren sollte er mich besser kennen und entsprechend fiel meine Antwort aus; auf diesem Planeten gibt es kein Wetter, was mich vom Täglichlaufen abhalten könnte – das war jeher meine Devise.

Und so verlor ich mich in der absoluten und dunklen Einsamkeit – jedwedes Leben war verborgen, nur der Wind sang sein stürmisches Lied ungerührt und tanzte rasend durch den Weltgesang. Freilich tanzte ich mit und lief im Slalom durch den Forst und hüpfte und sprang und wich den rauschenden Herausforderungen aus. Welch ein elementarer Sturmlauf!

Schützenswerte Straftäter

Posted in Contra Gesellschaft, Contra Politik on 25. Oktober 2017 by Täglichläufer

Gestern Abend startete ein Flugzeug in Leipzig mit ausreisepflichtigen Afghanen gen Heimat. Parallel dazu wurde dafür demonstriert, jenen Flug nicht zu absolvieren, denn Afghanistan bietet keine adäquate Sicherheit. Und eine Claudia Roth konstatierte selbstherrlich dazu, die Abschiebung stehe „in deutlichem Widerspruch zu unserer humanitären Schutzverantwortung“.

In dem gleichen Artikel ist zu lesen, daß es sich um Straftäter handelte, die abgeschoben wurden – und zwar Experten in Totschlag, sexuellen Mißbrauch von Kindern!!!, Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung sowie Betrug.

Ich muß gestehen, mein Geist ist wahrlich zu schwach ausgeprägt, um derlei im Ansatz zu verstehen. Deutsche Politiker demonstrieren dafür, daß ausländische Verbrecher in Deutschland bleiben dürfen? Ich bin geneigt anzunehmen, daß so ein Verhalten und so ein Denken in nur einem Land auf diesem Planeten möglich ist – und zwar n u r in Deutschland. Ich kann nur an Frau Roth appellieren, Sexualstraftäter und Mörder bei sich zu Hause aufzunehmen – die Freude wäre sicherlich auf allen Seiten groß.

Auch frage ich mich, wo bleibt denn die Schutzverantwortung gegenüber den deutschen Bürgern? Und dann wundern sich diese realitätsverblendeten Politiker, daß die AfD durchaus einen bemerkenswerten Zulauf hat. Verrücktes Deutschland – noch absurder geht es tatsächlich nicht. Die Opfer werden verhöhnt, die Täter gefeiert. Wer freut sich da nicht auf die Zukunft? Die vorangegangenen Generationen würden im Grabe rotieren, könnten sie diese Schande, dieses Deutschland sehen.

Den Weg gehen – VII. 2017. Sechzehn Jahre, Sieben Monate. Nebelschwäne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sieben Monate in Serie. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren… So geschah es – Tag für Tag und auch mein Halbjahresjubiläum trat in der unabänderlichen Konsequenz ungerührt in die Vergangenheit ein, um den nächsten Monat würdig in meiner Erinnerung einziehen zu lassen; geboren in dem fragilen Konstrukt meines Täglichlaufens. Ein Abschnitt voller herrlicher Höhen und schrecklicher Tiefen, wenngleich nur auf die Umgebungsvariablen bezogen.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 13 °C und 03 °C und frohlockten über den herrlichen Herbst, der vier Regen- und vier Nebelläufe feilbot. Vor ungefähr einem Jahr wurden zahllose Bäume in meinem favorisierten Laufareal markiert – Todesmarkierungen – wenn auch nicht alle, so bleiben subjektiv betrachtet nicht viel übrig, sollte die Welle der Zerstörung ihr böses Werk vollenden. Am 05.10. war es dann soweit; die Narren wurden losgelassen und priesen die absolute Vernichtung. Allein das Riesenvehikel – wenn es nur zehn Zentimeter fährt – verdichtet den Waldboden derart, daß er wahrscheinlich für Jahrzehnte ruiniert ist und jenes Ungetüm kreuzt ohne Unterlaß hin und her – über Ameisenhaufen hinweg – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Bäume werden nicht ordentlich zersägt, nein, sie werden partiell zerhackt oder zerfetzt. Wer denkt an die Waldbewohner? Oder an die Pflanzenwelt? Aber so ist das in dieser dekadenten Gesellschaft, in der Tiere als Sachen gelten und nicht als Lebewesen. Mir bricht es das Herz. So weint der Wald sein Leid hinaus und verhallt doch ungehört.

„Wir befinden uns mitten in einer Periode des großen Artensterbens, dennoch sind die meisten Menschen blind dafür. Sie sind so beschäftigt mit ihrem trivialen Zirkus, dem anthropozentrischen Zeitvertreiben, Sport, Kunst, Klatsch, Politik, Wein, Essen und Unterhaltung. Die Menschen fiedeln, während die Erde brennt.“ (Paul Franklin Watson)

Und wie sie brennt. Damit der Schäden nicht genug. Ebenso am 05.10. zog ein starker Sturm durch die Lande und wütete in den hiesigen Wäldern in einem Ausmaß, wie ich es zuvor nie beobachtet habe. Meine Dammstrecke ist bis heute durch diverse dem Tod anheim gefallene Baumriesen blockiert und die Pfade des Waldes sehen entsprechend aus. Selbst der Orkan „Kyrill“ entfaltete nicht im Ansatz einen derart intensiven Zerstörungsgrad. Und die restliche Vernichtung übernimmt engagiert das Tier Mensch. Um nun in die Höhen aufzusteigen, sei der wundervolle Rotfuchs erwähnt, den ich am 09.10. erspähen durfte, der gleichermaßen scheu wie neugierig auftrat. Nur zwei Tage zählte ich meinen 51. Wildschweinkontakt und ja, zuvor fand meine erste Waschbär-Begegnung überhaupt statt.

Seit 20 Jahren bin ich meinem Laufen ergeben, seit 18 Jahren praktiziere ich Täglichlaufen, seit über 16 Jahren absolviere ich ein ausnahmsloses Täglichlaufen und dennoch mußte ich derart lange auf so eine Beobachtung warten. Doch ja, ich habe es genossen, wenngleich jener Moment unvergleichlich kurz war. Indessen fand am 15.10. einer meiner schönsten Läufe überhaupt statt – die traumhafte Natur generierte ein Sonnen-Nebel-Gemälde, wie man es weder beschreiben noch überhaupt ersinnen könnte – ich war ob der magischen Pracht nahezu sprachlos. Und zwischen diesen Nebelbändern flogen zwei edle Schwäne sonor sirrend gen verhangenen wie strahlenden Horizont. Was für eine Momentaufnahme! Ein Tag später erlebte ich ein identisches Panorama – kombiniert mit unzähligen Spinnennetzen auf den Wiesen, welche durch den Morgentau wie Diamantenfelder in der Sonne glitzerten. Was wäre dies nur für ein wundervoller Planet ohne die Menschen? Wie dem auch sei, so vergeht ein neuerlicher Monat Täglichlaufen voller konträrer Emotionen. Die Schönheit der Natur obsiegt in meiner Erinnerung, doch das menschengemachte Werk der Zerstörung ist leider nachhaltiger.

Waschbären!

Posted in Besondere Läufe on 11. Oktober 2017 by Täglichläufer

Die putzigen Gesellen sind hier allgegenwärtig. Ich hörte sie in der Nacht auf dem Dach herum turnen oder vernahm zahlreiche Anekdoten von Nachbarn – als sie sich beispielsweise nach einer honorigen Feierlichkeit beherzt den achtlos zurück gelassenen Käseplatten auf der Terrasse mit kompetentem Sachverständnis annahmen. Auch in meinem Laufareal sind die Racker heimisch geworden – vor vielen Jahren wurde eine Familie Opfer eines Sturmes, bzw. den damit einhergehenden Blitzeinschlag. Allein ich durfte sie noch nie beobachten – von einem toten Waschbären abgesehen, der einst überfahren wurde. Das sollte sich heute ändern.

Die Finsternis tanzte gemächlich von dannen, als ich meinen Damm eroberte und die belebende Einsamkeit genoß, welche nahezu greifbar war. Jählings erspähte ich zwei Waschbären, die direkt vor mir mehr als unerwartet für mich auftauchten – auf Grund der Lokalität betrug unser Abstand nur zwei Meter. Ich blieb abrupt stehen und auch Familie Schupp hielt inne und beobachte mich für eine Sekunde neugierig, um dann stante pede eindrücklich brummelnd-grummelnd im Gebüsch zu verschwinden. So währte unsere erste Begegnung wahrlich nicht lange, dennoch war ich sehr erfreut, die kleinen Putzels endlich einmal lebendig zu erspähen. Nun ja, sonderlich „klein“ waren sie mitnichten. Wie lange mußte ich auf diesen Kontakt warten! In der Tat, der heutige Lauf war ein sehr besonderer und ich hoffe, die überraschende schwarze Gestalt hat ihr frühstückliches Beisammensein nicht allzu sehr konterkariert.

Ein Hoch auf den Genuß des Täglichlaufens!

Posted in Elementares on 4. Oktober 2017 by Täglichläufer

So verweht sie also in dem stürmischen Winde, die grüne Zeit in diesem Jahresabschnitt und fliegt von dannen wie ein Tagpfauenauge in den weiten Horizont – bar jedweder Erinnerungen und für immerdar vergessen. Die einsamen Haine des Friedens glänzen nun mit ihren gelben Gewändern und während sie ihren vollendeten Tanz der Freude vollführen und den hoffentlich nahenden Winter preisen, leuchten ihre intensiven Rottöne weithin sichtbar in den Weltgesang hinein und für jeden Besucher erklingen die ureigenen knisternden Lieder und belebenden Chöre der herbstlichen Natur und laden förmlich dazu ein, im Laufschritt an jener Welt zu partizipieren und ja, sie nur zu fühlen und von Herzen zu genießen. Sich in diesem wundervollen Reich zu verlieren, ist wahrlich ein Geschenk – für das in diesem Universum mitnichten adäquate Worte existieren, um es auch nur annähernd zu beschreiben. Ein Hoch auf diesen Genuß!

Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 16,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…