Den Weg gehen – VIII. 2016. Fünfzehn Jahre, Acht Monate. Der aus dem Nebel kam.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Acht Monate in Serie. So manifestiert es sich also und senkt sich galant hernieder, das still wehende Novembertuch und verbirgt das temporäre Dasein des Lebens unter seinen graudunklen Gewändern, die majestätisch im Wind tänzeln. Der weinende Horizont mit der Weite des Sees kongenial in der Finsternis vereint, irritierend bestaunt von den erstarrten Wogen der Vergänglichkeit, die auf ihrem unablässigen Pfad in die wehmütige Vergangenheit alles ohne Wiederkehr mit sich reißen; so auch die neuerliche Phase in meinem Täglichlaufen – die nur noch in meiner Erinnerung fortbestehen wird. In das allumfassende Nichts verweht, welches auf uns alle wartet. So sei es.

In dem letzten Monatsabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 10 °C und -06 C° und generierten in der fragilen Konsequenz 11 Kälte-, sechs Nebel- und drei Regenläufe. Nun obsiegen jene Witterungsbedingungen, die ihresgleichen suchen und welche ich von Herzen liebe und nur von gravitätischen Schneestürmen übertroffen werden können. Fürwahr, möge diese Zeit in Bälde hereinbrechen. Sodann erlebte ich den 39. und 40. Wildschweinkontakt in meinem Läuferleben und besonders die letztgenannte Begegnung nahm den ihr gebührenden Rang der Einzigartigkeit für mich ein. Durch die törichte Zeitverschiebung bedingt, scheint aktuell jedoch die Frequenz der Kontakte sich zu relativieren.

Die vergangene Phase stand einmal mehr im Zeichen der Routine und bot keine intensiven Überraschungen feil. Der schönste Lauf seit langem fand eindeutig am 14.11. statt und wurde in einer erstarrten Schönheit geboren. „Vollkommen edel und erhaben erhellten die tanzenden Lichtspiele den herbstlichen Blätterforst und vereinigten sich mit den kostbaren Brillanten, welche die Pfade ausstaffierten. Sodann traf mich der einzigartige Moment der erstarrten Schönheit völlig unvorbereitet wie ein Blitzschlag. In der Tat, diese Anmut ließ mich innehalten – die Beine versagten mir und ich blieb abrupt stehen und sog den Glanz und die Grazie des eisigen Weltgesangs in mir auf. Lange Zeit verharrte ich und verband meinen Geist mit der Natur und fühlte und genoß nur. Ein stiller und zarter Augenblick, wie er nur selten im Leben zu finden ist. Was für ein Lauf und Moment!“. Hier will ich nichts weiter hinzufügen.

An jenem Tage und am darauffolgenden erhob ich mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und seitdem darf ich mich nun offiziell „Möhrenläufer“ nennen, welches ganz banal durch die Tatsache bedingt wird, daß ich mich mit zahlreichen Karotten bewaffnet auf den Weg gemacht habe, um meinen Lauf nur allzu bald für eine Pause zu unterbrechen, in der ich meine wolligen Freunde entsprechend versorge und ja, wahrlich extreme Begeisterungsstürme erntete. Welch eine Freude! So vergeht also ein weiterer Monat sehr entspannt im Zeichen der leisen Zufriedenheit und ich hoffe, auch in der nächsten Zeit mein Täglichlaufen in diesem Sinn weiterhin leben zu dürfen. Wenngleich ich die Intensität in der kommenden Woche signifikant reduzieren muß, bin ich ob dieser Tatsache ausnahmsweise nicht betrübt, da dies einer Reise geschuldet ist, welche vor über 100 Jahren ihren Auftakt nahm – und jener initiierte Kreis wird sich morgen nachhaltig schließen. – – Und so trete ich wieder ein, in jene verlorenen Nebelwelten der konzentrierten Harmonie und der einsamen Melancholie. Jener, der aus dem Nebel kam und in dieses nebulöse Reich zurückkehren muß.

Der Moment…

Posted in Besondere Momente, Täglichlaufen. Laufberichte. on 14. November 2016 by Täglichläufer

… der erstarrten Schönheit. Eine angenehme Temperatur von -06 °C schürte meine Erwartung zu Tagesbeginn und ja, selbige wurde wahrlich erfüllt. Behutsam, aber doch stetig erstieg Mutter Sol am Firmament ihren würdigen Thron der brennenden Eleganz und sandte ihre Strahlen unablässig hernieder, welche mit Hingabe versuchten, die zahlreichen Nebelfelder zu durchdringen. Die liebreizende Natur kleidete sich indessen in weiße Gewänder, alles Grün hat sich in ein wundervolles Weiß verwandelt und die Weiher trugen eine filigrane Eisschicht. Wohin ich meinen Blick auch richtete, ich wurde förmlich von der vollkommenen Schönheit erschlagen; zudem führte mich mein Weg hinweg über unermeßliche Diamantenfelder – ein blitzendes Funkeln allenthalben. Abertausende Edelsteine generierten ein prachtvolles Farbenspiel sondergleichen.

Tief im Hain fielen die Sonnenstrahlen durch die Baumkronen auf die Erde, in einem goldenen Farbton, wie er nur in dieser Jahreszeit zu beobachten ist. Vollkommen edel und erhaben erhellten die tanzenden Lichtspiele den herbstlichen Blätterforst und vereinigten sich mit den kostbaren Brillanten, welche die Pfade ausstaffierten. Sodann traf mich der einzigartige Moment der erstarrten Schönheit völlig unvorbereitet wie ein Blitzschlag. In der Tat, diese Anmut ließ mich innehalten – die Beine versagten mir und ich blieb abrupt stehen und sog den Glanz und die Grazie des eisigen Weltgesangs in mir auf. Lange Zeit verharrte ich und verband meinen Geist mit der Natur und fühlte und genoß nur. Ein stiller und zarter Augenblick, wie er nur selten im Leben zu finden ist. Was für ein Lauf und Moment!

Rückzug!

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. Oktober 2016 by Täglichläufer

Gestern. Zu Tagesbeginn. Die liebliche Nacht, verbunden mit der kongenialen Finsternis obsiegte noch unangefochten, als ich jene wundervollen Bedingungen, die zudem noch mit einer regnerischen Atmosphäre reizten – im Laufschritt würdigte. Immerhin konnte ich den einsamen Weg im dunklen Forst schattenhaft erahnen und als selbiger durchquert war, genoß ich den partiellen Nieselregen in vollen Zügen. Dieser Lauf sollte auf Grund von zeitlichen Erwägungen nur kurz währen, doch das Leben verkürzte selbst dieses angedachte Vorhaben noch beachtlich. Denn jählings gewahrte ich ca. 30 Meter vor mir eine zahlreiche Rotte von Wildschweinen, die in die gleiche Richtung wie ich selbst rasten. Nach einem kurzen Moment unterbrach ich meinen Lauf und spähte neugierig nach Familie Schwarzkittel – welche nicht minder erwartungsvoll waren und ebenso anhielten. Sie guckten mich interessiert an und ich beobachtete die Wildschweine voller Spannung.

Nach einiger Zeit rannten sie in die vorher gewählte Richtung weiter, die auch die meine gewesen wäre und so ließ ich sie gewähren – und sie mich und drehte ab. Den endgültigen Rückweg wollte ich nicht einschlagen, denn derart kurz sollte mein Lauf nun doch nicht sein und so verblieb ich im Wald, bis ich beschloß, eine Teilstrecke zu absolvieren, die ich regulär nie frequentiere und so setzte ich meinen Weg fort. Dieser Pfad endet vor einem geschlossenen Tor, welches links wie rechts von Gebüsch flankiert wird. Als ich mich drei Meter vor dem Zaun befand, vernahm ich ein sehr, sehr eindrückliches Geräusch; ein lautes kombiniertes Schreien, Brüllen und Grunzen, wie es in der Summe nur von Löwen, Wildschweinen, Bären und Velociraptoren zugleich generiert werden kann. Freilich kann ich nicht mit Sicherheit konstatieren, wie sich denn eigentlich ein Velociraptor anhört; dennoch – so einen Laut habe ich in meinem Leben noch nie vernommen.

Um meine latente Irritation in diesem Moment noch zu intensiveren, blieb es nicht bei diesem surrealen Geschrei, nein, in jener Sekunde brach von rechts aus dem Gebüsch ein riesiges Wildschwein hervor und rannte in hoher Geschwindigkeit in das sich links befindende Unterholz hinein – nur drei Meter vor mir. Das schreckliche Empfinden meinerseits war wahrlich ausgeprägt und nach dieser Beobachtung – explizit auch verbunden mit diesem seltsamen Geräusch – war mir nun die Kürze meines Laufes komplett nebensächlich und ich trat stante pede den gebührenden Rückzug an. Das waren also mein 39. und 40. Wildschweinkontakt – auf die letzten 16 Jahre bezogen. Den bisherigen Rekord von 12 Begegnungen im Jahr 2012 kann ich bis dato nicht einstellen, doch aktuell zähle ich für dieses Jahr bereits 11 Kontakte und der liebliche Herbst hat erst begonnen. Meine lieben Wühlmäuse, wir sehen uns bald wieder!

Den Weg gehen – VII. 2016. Fünfzehn Jahre, Sieben Monate. Regenreigen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Sieben Monate in Serie. Verblaßt. So ist es also still verblaßt, mein flüchtiges Halbjahresjubiläum in diesem Jahr – wie ein nebelhafter Hauch im Nichts verschwand es für immerdar im Gezeitenstrom. All meine Wertschätzung wie Würdigung konnte es nimmermehr halten, demungeachtet habe ich jenen Moment genossen. Und so läuft es weiter, von der noch nicht geborenen Zukunft in die unendliche Vergangenheit, mein Gelebtes Täglichlaufen.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 04 °C und 16 °C und ja, die unschönen Hitzezeiten gehören endgültig der Geschichte an und somit kann ich voller Freude zwei Nebel- und sechs Regenläufe verkünden. In der Tat, vom 06.10 bis zum 08.10. bot das Leben einen regelrechten Regenreigen feil und jene drei Regenläufe in der Folge wurden mit traumhaften Lettern in das solche geschrieben. Dieser befreiende Erlösungsgenuß war derart fühlend intensiv, daß er sich mitnichten in inadäquate Worte kleiden ließ. Nur wenige Tage später fand diese kleine Serie eine temporäre Fortsetzung, welche nicht minder wundervoll war. Auch die beiden Nebelläufe besaßen ihren ureigenen Reiz, der mich nur verzaubern konnte – geboren in einer Welt tanzender Nebelfelder, die hier und dort erhaben mit ihren Schatten im Morgengrauen spielten.

Doch es obsiegen keine Höhepunkte ohne negative Erlebnisse in diesem Dasein und so vermerkte ich es entsprechend negativ, daß am 19.09. ein neuer Hochstand im Wald errichtet wurde, um künftig feige und unehrenhaft arme Waldbewohner zu morden. Das ist erbärmlich. Am 06.10. erlebte ich einen neuerlichen Fastunfall, den ich absolut gelangweilt zur Kenntnis nahm – wieder einmal war ich darauf vorbereitet und konnte dem Auto – gesteuert von einem Fahrer, der der Lesekunst leider nicht mächtig ist – in letzter Sekunde ausweichen. Auch hier wird eine Fortsetzung folgen. Am 02.10. und am 08.10. vollzog ich den 37. bzw. 38. Wildschweinkontakt und durfte bei der ersteren Begegnung ein großes Wildschwein erspähen; bei dem zweiten Treffen hingegen stieß ich auf drei sehr große Racker, die ein Verhalten zeigten, was ich bis dato nicht erlebte. Anstatt – wie gewohnt – in den Fluchtmodus zu wechseln und von dannen zu ziehen, hielten sie ihre Richtung stur bei und kamen weiterhin auf mich zu. Und so änderte ich dieses Mal meinen Weg und zog mich höflich zurück, schließlich ist es die ihre Heimstatt, wie aktuell auch die massiven Wühlereien der Schwarzkittel allenthalben beweisen.

Die Zeitenwende wurde endgültig vollzogen, die herbstliche Regentin schwingt ihr wehendes Zepter mit den stürmischen Insignien ungehalten und lädt alle sensiblen Betrachter ein, an diesem Schauspiel mit Hingabe zu partizipieren und ja, als Täglichläufer nehme ich jene Gnade nur zu gern an; hierbei kann es kein Zögern und kein Zaudern geben. Und so verliere ich mich einmal mehr in den Finsterweiten des rauschenden Waldes, flankiert von einer zauberhaften Einsamkeit, kongenial mit den tanzenden Blättern der Wehmut vereint, die den heißen Tagen des verlorenen Sommers nachtrauern. Wohlan, nun beginnt sie also, meine Zeit. So sei es.

Eine kleine Würdigung für eine wahre Täglichläuferin

Posted in Honoration on 9. Oktober 2016 by Täglichläufer

Vor einiger Zeit erhielt ich die Botschaft, daß die beeindruckende Serie im Täglichlaufen von Petra möglicherweise ihren Schlußpunkt erreichen wird. Ich muß gestehen, so wirklich konnte ich mir dies nicht vorstellen und dementsprechend war ich überzeugt, daß einer Fortsetzung – aller Herausforderungen zum Trotz – nichts im Wege stehen würde. Doch ich sollte mich irren. Nach nunmehr 08 Jahren und 11 Tagen wurde diese Serie endgültig beschlossen. Das Leben hat dies nachhaltig entschieden und es hat immer Recht. Es gibt Situationen oder Momente, da nützt der stärkste Willen nichts und wahre Stärke und ein unbändiger Geist verflüchtigen sich im Nichts. Allein, man ist wahrhaftig machtlos. Alles Wollen hat keinen Bestand und so mußte es enden. Alles, was beginnt, muß enden.

In der Tat, vor jenem Augenblick fürchte ich mich seit langer Zeit, wohl wissend, daß ich früher oder später ähnliches erfahren werde, nein, erfahren muß. In diesem Kontext beeindruckt mich die Haltung von Petra; sie nahm das unausweichliche Finale ohne Hadern an und zeichnet sich damit als großartige Täglichläuferin aus, die ihr Täglichlaufen von grundauf lebt. Nicht die schnöde Serie ist von Bedeutung, sondern die Intention im Hintergrund, die es erst ermöglicht, diese Konzeption zu l e b e n. Und diese Philosophie geht weit über die Serie hinaus, wenngleich das eine, das andere essentiell bedingt.

Liebe Petra, ich kann Deine Gefühle im Einzelnen natürlich nicht nachvollziehen – denn es ist Dein Täglichlaufen – aber das von Dir geschaffene fragile Konstrukt als solches – explizit die körperlichen und mentalen Hürden, mit allem, was dies bedeutet, verstehe ich natürlich in allen Facetten und entsprechend fühle ich mit Dir. Mir wird nun am 18.09. etwas fehlen, jener Tag, an dem Du für lange Zeit stets ein Jahr vollenden durftest und ich nur immer ein halbes. Alles hat seine Zeit. Doch schlußendlich wurde Dein Stil nur temporär unterbrochen und als leidenschaftliche Täglichläuferin wirst Du diese Philosophie auch künftig leben. Was Dir diese 08 Jahre bedeuten, ist mir sehr bewußt und diese Ausnahmeleistung ist aller Ehren wert. Ich kann Dir versichern, der Kreis derer, die das Gleiche in ihrem Leben realisieren durften, ist sehr, sehr überschaubar. Sei stolz auf Dich. Ich spreche Dir hiermit meinen tief empfundenen Respekt aus!

Erlösung

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 6. Oktober 2016 by Täglichläufer

Unzählige Sekunden sind im unendlichen Zeitenfluß versunken – seit dem 16.06. – jener exponierte Tag, der zuletzt mit nassen Bedingungen zärtlich reizte und in der Konsequenz einen hehren Regenlauf generierte. Lange, lange Zeit mußte ich auf die ersehnte Fortsetzung harren, doch heute senkte sie sich unerwartet hernieder und ja, nach fast vier Monaten elender Trockenheit, schrecklicher Sonne und unangenehmer Hitze fielen die heißen Ketten der Unlust und ich durfte zu Tagesbeginn im Regen laufen. Welche Gnade, welche Erlösung!

Der Tag wird von gnadenloser Dunkelheit beherrscht, welche mit einem zauberhaften Nieselregen einhergeht; ein stilles Naß tanzt erhaben hernieder und wird nur durch die unaufhörlichen Sturmböen in alle Richtungen verweht – tanzende Regenwirbel allenthalben. Die ausgeprägte Harmonie wird durch eine greifbare Einsamkeit begleitet wie intensiviert und hält alle menschlichen Wesen wie durch ein Bann von meinen geliebten Wäldern fern – ich selbst werde indessen gravitätisch von jener Welt angezogen und koste das Sein in dieser elementaren Form wahrlich aus.

Weinend liegt mein Damm verlassen in diesem wehenden Weltgesang und nur wenige Rehe lassen sich von mir erspähen, während ich im entfernten Hintergrund das vertraute Kreischen der Eichelhäher vernehme. Wie lange mußte ich auf solche Bedingungen warten? Doch mir fällt das Annehmen dieser Hingabe nicht schwer, jener magische Frieden wirkt sich absolut aus und das entsprechende Partizipieren daran bildet eine genußvolle Einzigartigkeit. Und so verliere ich mich immer mehr in dem fragilen Regenreich und lasse mich zart von den Sturmhänden berühren; die Zeit verschwindet in ein nebulöses Nichts und einmal mehr bleibt unter diesen Maßgaben nur eines übrig – Fühlen. Was gäbe es da noch weiter zu schreiben?

Die Rückkehr der Finsternis

Posted in Allgemein on 3. Oktober 2016 by Täglichläufer

Vor einigen Jahren berichtete ich in meinem Artikel Zweierlei Finsternis über nachfolgende Beobachtung: Was mich an jenem Freitag wirklich schockierte, war eine kurze Begegnung im Wald. Ein kompaktes Teilstück, welches ich gerne als „tiefen Wald“ bezeichne; ein Reich, dominiert von Unterholz, vielen Bäumen und ohne Möglichkeit selbiges zu durchqueren. Dieses Areal beobachte ich zu gerne, wenn ich die Seitenwege des Forstes passiere. Eine Heimstatt für zahlreiche Bewohner, in erster Linie Schwarzspechte, verschiedene Raubvögel und selbstredend auch ein Rückzugsgebiet für Rehe und Wildschweine. Und was mußte ich am besagten Tag sehen, ja, ertragen? Ein Novum. Zwei Holzvollernter, auch bekannt als „Harvester“, die mehrere – parallel verlaufende – gravierende Schneisen in den Wald schlugen. Mir blieb fast der Atem weg, als ich das Drama sah. Für einen Augenblick blieb ich sogar stehen, aber Dutzende Mücken, die sofort über mich herfielen, votierten unmittelbar für die Wiederaufnahme des Laufes.

Ich trat den Heimweg an und hörte das anklagende Bersten der Bäume, das Schreien des Waldes und das erboste Wehklagen einiger Vögel. Wenig später verstummte das traurige Schauspiel leise weinend hinter mir, bis es zu einem raunenden Schweigen wurde, welches in meinem Kopf umso intensiver nachhallte. So wird nun mein Laufareal einmal mehr von Zerstörung tangiert. Der Lebensraum der Waldbewohner lokal vernichtet. An einer Stelle, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können.

Die erwähnten Schneisen in dem Wald hat jener bis heute nicht verkraftet und sind nach wie vor präsent – zu präsent. Seit einigen Tagen sind nun diverse Bäume in dem ersten Wald meiner Laufstrecke rot markiert, was freilich sehr bedrohlich auf mich wirkt. Aus meiner subjektiven Sicht heraus ist der halbe Wald für Gevatter Tod gekennzeichnet. Und heute nun erfuhr ich, daß die gleiche Finsternis wie vor sechs Jahren zurückkehren und sich wie ein Leichentuch über den noch lieblichen Forst legen wird. Die Waldzerstörung wird erneut mit den oben erwähnten Ungetümen realisiert. In jenem Wald nisten zahlreiche Fischreiher wie Raubvögel und auch die Population der Eichhörnchen ist dort sehr ausgeprägt, auch diverse große Ameisenhügel und mannigfaltige andere Tierarten haben in diesem Wald ihre Heimat gefunden – doch all das ist nun für die Vernichtung auserkoren. Schon wieder. Diese naturfeindliche Stadt ist erbärmlich. Wahrlich erbärmlich. Ich hoffe von Herzen, daß wir irgendwann die Quittung für diese Dekadenz und vollkommener Dummheit erhalten werden.