Der Tag der Schwäne

Posted in Besondere Läufe on 7. Februar 2016 by Täglichläufer
Schwan

Fürwahr, solange ich der Gilde der Läufer angehöre, erlebte ich noch nie einen Tag, ohne die wundervollen Schwäne beobachten zu dürfen. Mein Laufareal ist ihre angestammte Heimstatt und so darf ich sie täglich erleben. Sie im Flug zu erspähen, mit ihrem sonoren Sirren – diesem grandiosen Begleitgeräusch – ist derart verzückend für mich, daß ich in solchen Momenten meinen Lauf noch stets unterbrochen habe, um dieses wunderbare Schauspiel nur auf mich wirken zu lassen und ja, konzentriert zu genießen. In der Tat ein edler Genuß. Der heutige Tag, respektive Lauf bildet eine Ausnahme – wie ich sie bis dato noch nicht erfahren durfte. Heute war der Tag der Schwäne. Wahrlich.

Von Anfang bis Ende meiner 14 Kilometer erspähte ich ein massives Aufgebot von Schwänen am sonnigen Himmelsgewölbe, die in allen Richtungen hin und her schwebten. Sobald ein oder mehrere Schwäne meinem Blick entschwanden und eindrucksvoll landeten – dabei lauthals schimpfende Enten erschreckten – zogen von der anderen Seite weitere Schwäne in mein Gesichtsfeld und stiegen gen Firmament erhaben empor. Indessen ich sie ehrfürchtig beobachtete, kreuzten sie galant im Himmelsreich, zogen ihre tanzenden Bahnen und ließen sich andernorts hernieder – im Hintergrund tröteten die Kraniche ihre ureigene Melodie des erwachenden Frühlings. Stets von dem geheimnisvollen Sirren flankiert, welches ich so sehr liebe. Was für ein Anblick – was für ein Tag! Im Zeichen der Schwäne. Strahlendes Weiß in der Ferne. Fürwahr, ein einzigartiger Tag.

Unerwarteter Abschied. Für immer und immer.

Posted in In Gedenken an den Liebsten der Lieben on 21. Januar 2016 by Täglichläufer

August 2009, damals schrieb ich: Wenn er (Nachbarhund Wotan) mich sieht, richtet er sich vor Freude auf und steht mit erhobenen Pfoten am Zaun. Auch sonst würde er mich am liebsten immer umarmen. Ich streichele ihn am Hals und er streckt sich und nimmt seinen Kopf nach hinten. Die Streicheleinheiten am Hals genießt er sehr konzentriert – der Kopf fällt immer weiter zurück, bis er umkippt und mit den Pfoten in der Luft rudert – bekommt er meinen Arm zu fassen, kann er sich fangen – sonst fällt er schon mal um. Ein Kraftpaket voller Energie mit einer gesteigerten Liebe zu Bällen und Äpfeln und extrem liebenswert.

Gestern mußte er diese Welt verlassen, ein Abschied für immer. Unbegreiflich. In den meisten Jahren meines Täglichlaufens verabschiedete er mich, wenn ich meinen Lauf startete und begrüßte mich freudig, wenn ich zurückkehrte. Es gab nicht viele Tage, an denen dieses Ritual nicht stattfand. Vergangenen Freitag trafen wir uns in der frühen Dunkelheit; noch bevor ich ihn und sein Frauchen erkannte, drückte er sich fest an mich, so fest er konnte und ja, wenn es ihm möglich gewesen wäre, so hätte er mich in solchen Situationen vor lauter Liebe und Zuneigung erdrückt. Im letzten Jahr hat es sich im Zuge nachbarschaftlicher Hilfe ergeben, daß wir gemeinsam große Schnuffelrunden absolvierten, in denen er mein Laufareal erkunden konnte und sich dem intensiven „Zeitung lesen“ hingeben durfte. Was war das für eine gigantische Freude, wenn wir starteten – unbeschreiblich.

Ich habe es nicht minder genossen, den Liebsten der Lieben zu begleiten und genau das war er; lieb und liebenswert in Vollendung. Leonardo da Vinci sagte einst: „Die Mitteilungsmöglichkeit des Menschen ist gewaltig, doch das meiste, was er sagt, ist hohl und falsch. Die Sprache der Tiere ist begrenzt, aber was sie damit zum Ausdruck bringen, ist wichtig und nützlich. Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge“. An Wotan hätte er seine Freude gehabt. Er hat mich aufrichtig geliebt und ich ihn – von Herzen. Doch nichts währt ewig, alles hat seine Zeit in diesem seltsamen Leben. Nimmermehr wird er bellen. Und noch sind seine Spuren im Schnee zu erkennen; noch.

Es war mir eine besondere Ehre, Dich zu kennen und eine Freude ohnegleichen. Mache es gut, mein lieber Lumpatz – Du treue Seele, mein treuer Freund!

Wotan

Den Weg gehen – X. 2016. Vierzehn Jahre, Zehn Monate. Schneegnade.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. Das alte Jahr verschied traurig seufzend von dannen, eine weitere Phase in meinem Täglichlaufen nicht minder, doch ja, diese meine Konzeption setzt sich darüber hinaus fort, allein wie könnte ich jenen wertvollen wie elementaren täglichlaufenden Stil auch nicht fortführen? Tag für Tag vergeht ungehalten für immerdar, die noch nicht geborene Zukunft schreitet in die unendliche Vergangenheit und reißt gnadenlos und ungerührt alles und jeden mit sich. Im Rahmen dieser unabwendbaren Fragilität erstaunt es mich nachhaltig, daß ich diesen Stil immer noch wertschätzen darf und das bald – mit ein wenig Glück – seit 15 Jahren. In der Tat, auf diese Ausnahmezahl werde ich in diesem Jahr immer wieder zurückkommen, zu gewichtig wird dieser Tag für mich werden – oder auch eben nicht. Die Zeit wird es lehren. So sei es.

In dem vergangenen Monatsabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 12 °C und -12 °C und somit generierte die zärtliche Witterungsregentin 22 Kälte-, zwei Regen-, zwei Nebel- und einen Glatteislauf. Meinen traditionellen zweiten Silvesterlauf ließ ich 2015 – mehr oder weniger ausnahmsweise – ausfallen. Ganz banal durch die Tatsache einer latenten Lustlosigkeit begründet. Somit blieben die genannten Jahreskilometer für das Jahr 2015 bei einem Wert von 4749 unverändert. Ende Dezember und Anfang Januar wurde ich einmal mehr als Futterlehrling für meinen wolligen Freunde bestallt und war somit für das kulinarische Wohl verantwortlich. Diese schöne Zeit verging viel zu schnell und unvergessen bleibt der Moment, als der gewaltige Schafbock einen Luftsprung vollzog – als wir alle gemeinsam zu ihrem Futterplatz marschierten. Freilich, die sich anschließende Zeit brach und bricht mir fast das Herz, da sie bis heute sofort laut rufen – sobald sie mich in der Ferne erkennen – und alle geschlossen zum Tor stürmen, in der Hoffnung, ich würde ihr Frühstück bereiten. Und doch darf ich nicht mehr. So bleibt mir nur, die lieben Putzels zu streicheln. Doch das laute Wehklagen hält an. In der Sekunde, in der ich hier die Rückschau verfasse, erhielt ich einen Anruf und wurde gebeten, erneut das Futteramt anzutreten – mit Freuden habe ich zugesagt!

Am 03.01. durfte ich nahezu auf den Tag genau nach zwei Jahren wieder einen Biber beobachten, der fröhlich entspannt durch seine traumhafte Eislandschaft schwamm. Die Weiher sind in ihrer Bewegung frostig erstarrt, aber im Reiche des Bibers werden bewußt hier und dort Zugänge freigehalten. Natürlich ist es vermessen in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits einen „schönsten Lauf“ überhaupt zu küren, demungeachtet kann ich mich der erdrückenden Wahrheit nicht verschließen. Die Schneewelt vom 06.01. war tatsächlich ein Traumlauf par excellence, wie er seinesgleichen sucht und nie finden wird. Als zauberhaften Auftakt zogen die ehernen Sendboten mit einer würdigen Kälte von bis zu -12 °C in den natürlichen Weltgesang ein und hernach wurde das traumhafte Gemälde der liebreizenden Natur in ein edles Weiß gezeichnet, welches trunken vor Glück seinesgleichen suchte. Am 05.01. marschierten die Wolkenfronten mit Engagement auf und in der folgenden Nacht schneite es ohne Unterlaß – welche rare, elementare Gnade.

Mich umgab eine Einsamkeit – die wie eine melancholische Sängerin ihren wehmütigen Text in die weite, dunkle Welt hinaus sang – der doch nur für bestimmter Hörer gedacht war. Weiter und weiter lief ich, hinein in die Tiefe des Waldes, selten gewahrte ich Windböen – die die einzigartigen Schneekristalle rasant hin und her wirbelten, in alle Richtungen tanzen ließen. Auch sie vernahmen das leise Wispern des frostigen Forstes und das melancholische Lied der unsichtbaren Künstlerin. Ein graues Heer von Wolkenformationen trübt die Weite des Horizonts und sorgt für steten Schneenachschub. Ich verliere ich mich immer weiter in jenes Habitat, welches von einer wahren Einzigartigkeit beherrscht wird, genieße jeden Augenblick dieser Schneewelt und mir ist bewußt, daß ich nach nur sechs Läufen in dem noch jungen Jahr – bereits den wundervollsten Traumlauf in diesem Jahr absolviert habe.

Ein weiterer bedeutender Lauf stand gleichfalls im Zeichen der Witterungsbedingungen und wurde in einer raren Einzigartigkeit geboren. Die unwägbare Wetterfürstin bot mir einen Kälte-, Nebel-, Glatteis- und Regenlauf feil. Tatsächlich, all jene Bedingungen zu der gleichen Zeit – während eines Laufes. Derlei habe ich in all den Jahren Täglichlaufen noch nie erlebt. Kälte. Regen. Nebel. Eis. Vereint in einem Lauf – wahrlich, mehr Glück zur gleichen Zeit ist faktisch unmöglich. Der 12.01.2016 wird sich in meinem Geist als besonderer Tag einbrennen. Dank der wunderbaren Kälte eroberte ich auch die Grenze von 1100 Kälteläufen und überschritt sie mittlerweile.

Nachdem der erste Schnee endgültig in die Flüchtigkeit taute, sollte es nicht lange währen, bis die nächste Schneefront engagiert aufzog und das ihre tat, um die ersten Impressionen zu intensivieren. So vollzog ich gestern erneut einen formidablen Schneelauf, der gar mit einer Rotfuchsbegegnung gekrönt wurde. Auch die wühlenden Schwarzkittel dürfen nicht unerwähnt bleiben, denen ich gestern und heute begegnete (30. und 31. Wildschweinkontakt). Nichts geht über die greifbare, knirschende Schneegnade. So setzt es sich also fort, mein Täglichlaufen in dem Jahr 2016. Möge die Gesundheit auch künftig obsiegen, sodann wird auch mein Täglichlaufen den gewohnten Pfad beschreiten – auf die einsamen Höhen – empor gen 15. Möglicherweise.

Quadruplexe Einzigartigkeit

Posted in Besondere Läufe, Einzigartige Momente, Täglichlaufen. Status. on 12. Januar 2016 by Täglichläufer

Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich in der nicht mehr allzu fernen Zukunft mein 15jähriges Täglichläuferjubiläum vollziehen wie feiern darf. Das bedeutet, daß ich zu jenem Zeitpunkt 15 Jahre ausnahmslos jeden einzelnen Tag laufen war. Möge das Glück mit mir laufen. Täglich. Weiterhin werde ich in diesem Jahr die 17jährige grundsätzliche Mitgliedschaft in der Zunft der Täglichläufer erreichen. Und schlußendlich werde ich 2016 nunmehr 19 Jahre der allgemeinen Gilde der Läufer angehören. Wie dem auch sei, ich habe viel Zeit mit Täglichlaufen verbracht und alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse und Witterungsbedingungen erfahren dürfen. Doch heute wurde mein Lauf in einer raren einzigartigen Welt geboren und eklatant bereichert.

Die unwägbare Witterungsregentin bot mir einen Kälte-, Nebel-, Glatteis- und Regenlauf feil. Tatsächlich, all jene Bedingungen zu der gleichen Zeit – während eines Laufes. Derlei habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Durch das Glatteis bedingt vollzog sich der Lauf in höchst konzentrierter Art und Weise, so daß ich auf einen entsprechenden Laufbericht verzichte. Kälte. Regen. Nebel. Eis. Vereint in einem Lauf – wahrlich, mehr Glück zur gleichen Zeit ist faktisch unmöglich. Der 12.01.2016 wird sich in meinem Geist als besonderer Tag einbrennen.

Vollendete Harmonie

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufberichte. on 8. Januar 2016 by Täglichläufer

Aufmerksame Späher brachten mir die frohe Kunde und verkündeten und tönten allenthalben frohgemut, daß die unnahbare Frostregentin ob meiner despektierlichen Jahresrückschau, explizit in dem Kontext der enttäuschenden Kälte meinen Unmut durchaus wohlwollend registrierte, um sich in der unabwendbaren Konsequenz endlich herabzulassen – nun doch noch einen annehmbaren Winter zu erschaffen. Und ja, als zauberhaften Auftakt zogen ihre ehernen Sendboten mit einer würdigen Kälte von bis zu -12 °C in den natürlichen Weltgesang ein und hernach wurde das traumhafte Gemälde der liebreizenden Natur in ein edles Weiß gezeichnet, welches trunken vor Glück seinesgleichen suchte. Am 05.01. marschierten die Wolkenfronten mit Engagement auf und in der folgenden Nacht schneite es ohne Unterlaß – welche rare, elementare Gnade.

So begann der 06.01. erhaben finster, zärtlich leise und – weiß. Nach der vielbefahrenen Hauptstraße hieß mich der schwarze Hain mit seiner lächelnden Düsternis willkommen und warf seinen Mantel der Finsternis über mich hernieder, jedwede Impressionen indessen von dem Schnee in vollendeter Harmonie kontrastiert wurden. Zudem schneite es während meines gesamten Laufes und darüber hinaus. Der weiße Samtteppich goutierte mein Täglichlaufen mit seinem eigentümlichen knarzenden Knirschen, was jedoch sehr gedämpft wahrnehmbar war – wie überhaupt das natürliche Leben unter einer dämpfenden Glocke eine dankbare Heimstatt annahm und somit einen ureigenen Genuß entfaltete.

Das zarte Weiß war vollkommen unberührt, nur hier und dort ließen sich einzelne Spuren und Eindrücke erkennen, die dem geneigten Betrachter offenbarten, wie viel Leben sich in den hiesigen Wäldern verbirgt. Menschliche Wesen zeigten sich nicht; wer traut sich schon in der Dunkelheit in einsame Wälder? Und ja, diese Abgeschiedenheit war nahezu greifbar; mich umgab eine Einsamkeit – die wie eine melancholische Sängerin ihren wehmütigen Text in die weite, dunkle Welt hinaus sang – der doch nur für bestimmter Hörer gedacht war. Weiter und weiter lief ich, hinein in die Tiefe des Waldes, selten gewahrte ich Windböen – die die einzigartigen Schneekristalle rasant hin und her wirbelten, in alle Richtungen tanzen ließen. Auch sie vernahmen das leise Wispern des frostigen Forstes und das melancholische Lied der unsichtbaren Künstlerin.

Jählings raschelte es zu meiner Linken. Ein einzelnes Reh näherte sich in großen Sprüngen, kreuzte für einen Moment meinen Weg und verschwand im dichten Unterholz. Mit beruhigender Stimme redete ich das wunderschöne Tier an und noch für kurze Zeit vernahm ich ein leiser werdendes Rascheln. Sodann eroberte eine absolute Ruhe die Umgebung. Die Weiher sind mittlerweile von dem anhaltenden Frost in ihrer Bewegung erstarrt und verharren eingefroren auf wärmere Zeiten. Jene mit Eis behandschuhte Hand wirkt mit eisernen Griff und läßt mehr und mehr erstarren; vertreibt die Stockenten und Bläßhühner immer weiter von ihrem gewohnten Aufenthaltsort – in noch zugängliche Gewässer, die sich der Starrheit widersetzen. Nur eine Ausnahme trotzt der Starre – das Heim von Meister Bockert wird natürlich gewollt vom Eis freigehalten. Von einer Sekunde auf die andere friere auch ich abrupt ein – ich bleibe stehen – einfach so und kann mich nicht entsinnen, daß ich dazu bewußt den Befehl gab. So verharre ich und beobachte das Finsterleben, geboren in einem Reich aus Schnee; im Hintergrund warten die Baumgiganten, entblößt von allen Blattgewändern – nur die nackten Äste streben skelettartig gen Himmel, bewehrt mit einem weißen Hauch der temporären Endlichkeit. Zahlreiche Flocken gleiten leise auf mich hernieder; ich verwandele mich auch langsam, aber sicher in einen Schneemann. Viel Kraft kostet es mich, den beobachtenden Status aufzugeben und wieder in den Laufschritt zu verfallen; zu schön ist das natürliche Leben und zu intensiv die Bannkraft, die es auf mich gravitätisch ausübt.

Mein Dammareal ist still geworden, scheinbar für immerdar eingeschlafen; auch hier verweht ein Hauch von Schwermut alle Geräusche, die sonst den Tag dominieren. Unmerklich registriere ich, daß die Helligkeit an Intensität zunimmt, nur um Nuancen wird es stetig heller. Innerhalb von wenigen Minuten hält das Tageslicht seinen Einzug und urplötzlich ist es hell. Von hier auf jetzt, ungeachtet der ausgeprägten Nuancen, habe ich es nicht wirklich wahrgenommen. Freilich kann von einer wirklichen Helligkeit keine Rede sein – ein graues Heer von Wolkenformationen trübt die Weite des Horizonts und sorgt für steten Schneenachschub. Ich verliere ich mich immer weiter in jenes Habitat, welches von einer wahren Einzigartigkeit beherrscht wird, genieße jeden Augenblick dieser Schneewelt und mir ist bewußt, daß ich nach nur sechs Läufen in dem noch jungen Jahr – bereits den wundervollsten Traumlauf in diesem Jahr absolviert habe.

Viel könnte ich noch schreiben, beschreiben und berichten – mannigfaltige Eindrücke festhalten, doch mein wahres Fühlen und Erleben ist fest in meiner Erinnerung eingeschlossen und kann durch die menschliche Sprache nicht konserviert werden. Vollendete Harmonie. Wahrlich.

Im finstersten Mittelalter

Posted in Contra Gesellschaft, Contra Politik on 5. Januar 2016 by Täglichläufer

Im Juni vergangenen Jahres thematisierte ich hier in meinem Artikel: Kulturelle Bereicherung als Beispiel formidable Schlagzeilen, die wahrhaftig einer Komödie entsprungen sind. Nun folgt die Fortsetzung. Ich beschränke mich dieses Mal nur auf drei Verweise, wer will, kann Dutzende weitere finden. Freilich ist mir bewußt, daß das wahre Ausmaß weitaus gravierender ist und nur das in die Öffentlichkeit gelangt, was sich nicht mehr vertuschen läßt.

Focus, 05.01.2016
Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof: Gruppe von 1000 Männern war Ausgangspunkt – In Köln kam es zu einer Vergewaltigung

Focus, 05.01.2016
Massive Ausschreitungen: Video zeigt das Chaos in der Kölner Silvesternacht

Focus, 05.01.2016
Übergriffe an Silvester: “Wie Vieh gejagt”: Auch in Hamburg kam es an Silvester zu Sex-Übergriffen

Hunderte junge Männer, wahrscheinlich gar 1000 fielen über Frauen her, um sie auszurauben, sexuell zu belästigen, zu mißbrauchen und zu vergewaltigen. Ich kann mich nur wiederholen – „all jene Vorfälle fanden nicht im arabischen Hinterland oder in den finsteren Bergen am Ende der Welt statt, nein, sondern mitten in Deutschland.” Und zwar in Köln. Und auch in Hamburg. Und wer weiß, wo noch. Entschuldigung, ich vergaß das Jahr zu erwähnen: 2016. Mit solchen Vorkommnissen fällt unsere Gesellschaft in das finsterste Mittelalter zurück, wenngleich ich mir nicht vorstellen kann, daß es damals solche derart extremen Vorfälle gab. Angeblich handelt es sich bei den Tätern um Asylanten, die bereits seit zwei oder mehr Jahren in Deutschland leben. Wenn das so ist, kann ich zu dieser gelungenen Integration nur gratulieren. Chapeau! Das sind Menschen, die in diesem Land aufgenommen worden sind, verpflegt werden, Unterkunft gefunden haben und auch finanziell und medizinisch versorgt und betreut werden – von deutschen Steuergeldern generös finanziert. Zum Dank dafür – werden die Frauen wie Vieh gejagt. Ich bin sprachlos. Ich bin geneigt anzunehmen, daß die Majorität dieser Attentäter einen Doktortitel führt.

Unsere inkompetente Regierung tut weiterhin alles dafür, um solche Ereignisse zu reproduzieren. Es ist das ein wahrer Jammer. Wir importieren Kriminalität sondergleichen und holen uns Menschen hierher, die uns mit ihren Werten (?), ihrer Sozialisation (?), ihrem Glauben und mit ihrer Kultur nicht konträrer gegenüber stehen könnten. Wohin das führt, sieht man täglich in den Medien. Aktuell wird die Weltbevölkerung auf ungefähr 7,4 Milliarden Menschen geschätzt. Vielleicht geht es davon fünf Milliarden Menschen schlechter als den Bürgern in Deutschland. Ich fordere alle diese Menschen auf, sich auf den Weg nach Europa zu begeben – dort gibt es ein sehr beschränktes Volk, welches sich freut, diese fünf Milliarden Menschen aufzunehmen und mit allem, was notwendig ist – zu versorgen. Natürlich auf Kosten ihrer eigenen Bevölkerung und ohne Gegenleistung. Und, Regeln und Gesetze gelten nur für Deutsche Staatsbürger – alle anderen haben Narrenfreiheit – wie Köln eindrucksvoll offenbart.

Unsere aktuelle Regierung wird wahrlich in die Geschichtsbücher eingehen. Sie wird die Regierung sein, die Deutschland in eine Zeit, Welt und Gesellschaft überführt(e), wie sie nicht der schlimmste Krieg hätte schaffen können. Willkommen im finstersten Mittelalter. Und ihr lieben Frauen, paßt bitte auf Euch auf! Mir bricht es das Herz, wenn ich an Köln denke. Köln. Eine große Zäsur auf dem Weg in das finsterste Mittelalter.

NACHTRAG: Man möge mir diesen Artikel nachsehen – er kam viel zu früh. Das wahre Ausmaß ist noch viel gravierender, explizit auch in dem Kontext der Vertuschung – woran sich gut erkennen läßt, daß wir mitnichten in einer Demokratie leben. Auch handelte es sich bei den Attentätern um frisch importierte Asylanten. Was mir wirklich weh tut, ist die Tatsache, daß die deutschen Frauen körperlich und seelisch zu leiden haben – aufgrund einer dekadenten politischen Kaste, die von der Realität Lichtjahre entfernt ist und zudem nicht den Ansatz von einem Nationalgefühl besitzt. Es ist erschreckend. Integration bedeutet hier nur eines: Deutschland hat sich anzupassen und zu unterwerfen. Für so ein Land respektive für diese Regierung hätte mein Verwandter sich einst nicht in der Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg engagiert – er würde sich in Grund und Boden schämen.

Zweiter Nachtrag. Hier könnte man sich fragen, wo die Wasserwerfer waren, als die deutschen Damen belästigt wurden? Gegen das eigene Volk geht man stets hart vor. Dieses Land ist wahrlich erbärmlich.

Die vergangene Zukunft – Täglichlaufen. Jahresrückblick 2015.

Posted in Jahresrückblicke on 29. Dezember 2015 by Täglichläufer

Das Jahr ist noch neu, gleichwohl wird es mit eisernen Schritten wie alle anderen zuvor vergehen. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein.

Nun ist es einmal mehr soweit. Es ist vorbei. Die temporäre Existenzberechtigung des Jahres 2015 wurde vernichtend aufgehoben und die omnipotente Herrscherin aus dem Reich der Erinnerungen hat sich seiner mit Hingabe bemächtigt. Vor uns liegt die Zukunft, eine hoffnungsvolle Zeit, die sich uns nach und nach enthüllen wird – bevor die Königin des Vergessens auch hier ihr Veto einlegen wird. Wir sollten jedweden Moment genießen, so genußvoll als möglich, denn der Kreuzzug der vergangenen Zukunft hat längst begonnen, dieses neue Jahr unbarmherzig zu verschlingen. Die Reise wird nie enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit. Umso essentieller das Auskosten des Seins, des Lebens. Mein letzter Beitrag in diesem Jahr; der obligatorische Jahresrückblick meiner vergangenen Zukunft. Das bald endgültig sterbende Jahr war voller Höhen und Tiefen, durchzogen von Glück, Zufriedenheit, Melancholie, Trauer, Heiterkeit, Schmerzen, Genuß, Herausforderungen, Widrigkeiten, Hoffnung und Frieden. Im groben Rahmen lasse ich exponierte Erlebnisse Revue passieren. Teure Momente aus dem geliebten Reich der Erinnerungen, die mir so vorkommen, als ob sie eben erst passiert wären. Wohlan, es mag beginnen.

Fürwahr, das Fazit kann ich vorweg nehmen – wie schon in den Jahren zuvor war auch das Jahr 2015 wieder ein zutiefst zufriedenes Jahr im Kontext Täglichlaufen für mich, was meine Konzeption des gelebten Täglichlaufens wie noch immer bestätigt und für sie spricht. Aber das liegt in der Natur der Sache. Mein Täglichlaufen ist auch in diesem Jahr ein Garant für die stete Zufriedenheit gewesen, explizit auch gesundheitlicher Natur, wofür ich sehr dankbar bin – entsprechend betrachte ich diesen meinen Weg mit Demut und werde ihn weiterhin in der gewohnten Form beschreiten – solange ich darf; denn das der Willen vorhanden ist, muß ich nicht exponiert betonen. Auch künftig werde ich Körper und Geist in diesem Stil wertschätzen; allein, wie könnte ich auch nicht?

Januar

In aller Stille vollzog sich der Jahresauftakt in Liebe und Zufriedenheit und ja, in diesem Stil setzte sich meine täglichlaufende Reise entsprechend fort. Der absolute Höhepunkt in dem ersten Monat des Jahres enttarnte sich als mein: 1000. Kältelauf. Bezogen auf einen Zeitraum, der am 01.01.2000 seine Initiation feierte. Mit anderen Worten, vom 01.01.2000 bis zu diesem Tag absolvierte ich 1000 Läufe, die alle dem unerbittlichen Reich der hehren Kälteregentin geschuldet sind. Was für eine bedeutende Zahl – 1000 Läufe in meinem geliebten Frostgesang, eine wahrhaft seltene statistische Begebenheit, die nur mit immens viel Geduld zu generieren ist, doch freilich in meinem geliebten, gelebten Täglichlaufenkontinuum geboren wurde. Am 31.01. erlebte ich einen Lauf, der sich nicht in Worte kleiden ließ – ein einzigartiger Traumlauf in einer weißen Schneewelt im herrlichen Sonnenschein bei blauem Himmel lud mich zum Genießen ein. Die Kraniche tröteten, die Silberreiher standen am Ufer und die Vögel sangen allenthalben wie im Frühling.

Februar

Der Februar stand wie so oft im Zeichen des wolligen Nachwuchses, der nur tiefe Freude bereitete. Am 15.02. durfte ich ein neugeborenes – vollkommen schwarzes – Schafbaby auf dem Arm halten und jener Moment wurde natürlich zu einem unvergleichlichen Augenblick in diesem Weltgesang. Auch schloß ich im Februar meine Fütterungstätigkeit bei meinen geliebten Wollfreunden ab – wenngleich nur temporär. Aktuell (seit dem 28.12.) trage ich erneut die Verantwortung für das kulinarische Wohl meiner geliebten Putzels. Schrecklich war die Phase im Anschluß, als ich mein Amt beendete hatte und täglich an ihnen vorbei lief und doch kein Futter mehr vergeben durfte – das Theater ihrerseits war riesig. Am 24.02. lief ich in einem Abstand von nur drei Metern an mehreren Graugänsen vorbei – nach meiner Anrede blieben sie stehen und guckten neugierig. Drei Tage später erschreckte ich an einem Feldrand zwei Graugänse; ich erschien praktisch aus dem Nichts heraus. Sie schimpften und flogen davon – nach meiner unmittelbaren Anrede landeten sie sofort wieder und stellten das Schimpfen ein und spazierten entspannt umher. Als Täglichläufer ist man schließlich auch in der tierischen Welt bekannt.

Wollies_2015

März

Einmal mehr der März. Nur ein Datum ist wahrlich von Bedeutsamkeit in diesem Monat – der 18.03.2015. Auch 2015 vollzog ich an diesem ausgewählten Datum mein elementarstes Jubiläum: 14 Jahre Täglichlaufen in Serie. Nun ist er also tatsächlich erschienen – der eine Tag in diesem Jahr – der für mich von essentieller Bedeutung ist und bisher von mir nur sehnsüchtig erhofft werden durfte. Behutsam, geheimnisvoll und doch unaufhaltsam näherte sich der 18.03.2015 aus der noch nicht geborenen Zukunft und trat heute vernehmlich wispernd in diesen temporär lebenden Weltgesang ein; in mein ureigenes Dasein, welches nicht mehr ist wie ich selbst auch, nur Staub im Wind. In der Tat, mit dem heutigen Lauf in den frühen Morgenstunden habe ich mein scheinbar obligates Jahresjubiläum vollzogen – an dieser Stelle darf ich zurückblicken auf 14 Jahre Täglichlaufen in Serie. Ausnahmslos. Seit heute stehe ich auf der 14. Jahresebene in der Zunft der Täglichläufer, ein würdiger Moment in diesem meinem Leben Was für ein Tag! Was könnte ich heute in der Jahresrückschau diesbezüglich noch anmerken? Nichts. Der schönste Lauf im März fand zweifelsohne am 31.03. statt – ein starker Sturm dominierte das Weltgeschehen, kongenial verbunden mit Schnee- und Schneeregen in einer greifbaren, finsteren Einsamkeit, die ihresgleichen suchte und ja, mich fand. Niemand wagte sich hinaus in jene herrliche Atmosphäre und ich habe es wahrlich genossen. Nach nunmehr 14 Jahren Täglichlaufen weiß ich dieses Geschenk in tiefer Dankbarkeit und zufriedener Demut in absoluter Weise zu schätzen.

18.03.2015

April

Im April erspähte ich zum ersten Mal den diesjährigen Graugansnachwuchs – drei lütte, goldige Federbälle paddelten ihren viel zu schnellen Eltern hinterdrein. Was war das für ein herziger Anblick! Um bei dieser gefiederten Thematik zu bleiben, darf folgendes Erlebnis nicht unerwähnt bleiben. Am 08. April kam mir mitten im Wald ein edler Bussard entgegen; direkt auf meine laufende Präsenz zu und zudem in Kopfhöhe, um kurz vor mir nach rechts abzudrehen und in einem Abstand von nur einem Meter passierte er oder sie mich höchst entspannt – welch nahe Begegnung!Um den Genuß zu trüben, erlebte ich Ende April den dritten Fastunfall in diesem Jahr. Auch hierbei bleibt alles wie gewohnt. Ein Trauerspiel. Weiterhin übernahm ich erneut das gewichtige Amt als Futterlehrling für meine geliebten Wollfreunde, wenngleich zeitlich sehr begrenzt – für nur eine Woche. Die Freude ob meiner Aktivität war auf beiden Seiten freilich unbegrenzt; allein das Theater nach meiner Amtsaufgabe war entsprechend nicht minder gewaltig. Doch schlußendlich mußten wir uns alle wieder daran gewöhnen, der Alltag obsiegte. Ende April vernahm ich zum ersten Mal den Kuckuck in diesem Jahr.

Mai

Der Mai stand ganz im Zeichen des Frühlings. Am 04.05. – quakten zum ersten Mal in diesem Jahr die Froschels in meinem Hochwasserschutzgebiet, spätestens an dieser Stelle wurde der frühlingshafte Wandel wahrhaftig vollzogen. Im tiefen Wald beobachtete ich ein Reh; wir sahen uns beide an, bis es dann gemütlich weiter spazierte – von Flucht war keine Rede. Durchaus ein Novum. Die erste und letzte Begleitung in diesem Jahr läuferischer Natur fand am 16.05. statt – in den Morgenstunden begleitete mich ein Lauffreund mit seinem Schäferhund und so eroberten wir zusammen den natürlichen Weltgesang. Am 24.05. wurde mir die große Ehre zuteil, einen Kranich in einem Abstand von nur zehn Metern zu passieren, der temporär die Flügel ausbreitete, um mich dann gelassen zu beobachten. Insgesamt war jener Monatsabschnitt ein sehr beschaulicher, beherrscht von der edlen Natur.

Juni

Im Juni war nur ein Lauf von wahrer Gewichtung, der Regensturm: Die Welt ist dunkel geworden, aber nicht in einer alles verzehrenden Finsternis, nein, der Weltgesang hat sich grau gewandet. Elementares Grau. Die abgeschiedene Weite dominiert bar jedweder Nuancen und vereinigt sich am freien Horizont mit dem grauen Meer der Unendlichkeit. Bereits in der Nacht öffneten sich die imaginären Wasserschleusen in dem hehren Gewölk und noch am frühen Morgen perlte der liebliche Regen stürmend hernieder und generierte eine latente Angst in meinem Geiste. Eine unsichtbare Macht zog mich gravitätisch an und lud mich ein – an dem raren Geschenk eines Regenlaufes zu partizipieren. Von einem wohlwollenden Sturm kann mitnichten die Rede sein, doch treten heute immer wieder moderate Böen auf, die mich ausnahmsweise nicht entführen wollen, nein, scheinbar ist ihr Bestreben, mich zurückzudrängen; immer wieder galoppieren sie mit aller Macht gegen meine schwarze Präsenz – hoffnungslos. Ich erobere doch meinen Weg. Das grüne Gräsermeer – mitten in dem Hochwasserschutzgebiet gelegen – wird durch den wehenden Odem unbarmherzig hernieder gehalten, ungestüme Sturmreiter fegen wellengleich über die wasserlose Ebene. Es ist das ein wundervoller Anblick, der zum Verweilen reizt. An meiner Lieblingsstelle unterbreche ich meinen Lauf, betrete den Strand und verharre, halte inne und beobachte den grauen Dunkelsee mit seinen unablässigen Wellen, die nach ihrem eigenen Takt schlagen und Woge um Woge mit einer zarten Gischt an das Land werfen. Die unruhige Wasseroberfläche empfängt das fallende Heer der tanzenden Regentropfen und verzehrt sie lautlos. Doch wenn ich die Augen schließe, vernehme ich das malerische Prasseln; tränengleich rinnt das Naß von den Bäumen, um in dem irrealen Nichts für immerdar zu vergehen. Was für ein Lauf!

2015_Juni_01
2015_Juni_02
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Juli

Am 01.07. flüchtete ein riesiger Seeadler vor meiner laufenden Wenigkeit, bis er nach meinem Anreden zurückkehrte, sich auf einen Ast setzte und das kommende Geschehen abwartete. Allein als ich mich unmittelbar näherte, flog er doch noch von dannen – dennoch, ein beeindruckendes Erlebnis. Sodann absolvierte ich im Juli meinen 300. Hitzelauf. Nicht wirklich ein feierliches Datum. Das gilt ebenso für meine Begegnung mit der Polizei, die keinen anderen Aufgaben wahrnehmen, als harmlose Täglichläufer in ihrem Agieren zu behindern und parallel dazu, ihre Wehrfähigkeit zu reduzieren. Deutschland ist wahrlich ein erbärmliches Land. Jene Begegnung war durchaus eine Zäsur und erschütterte meine Grundfeste als Läufer; immerhin praktiziere ich das seit 18 Jahren.

300
2015_Juli_Nashorn_2

August

Das sommerliche Zepter wurde mit brennender Macht geschwungen und selbst sehr früh – war es einfach nur drückend, schwül und unangenehm in den Wäldern, in meinem Laufareal. Als ob das nicht herausfordernd genug wäre, erlebe ich während meiner Läufe entomologische Dauerangriffe von allen Flanken und so kann ich nur konstatieren, daß ich mich nicht erinnern kann, jemals eine derart lange Phase erlebt zu haben, in der ich mein Täglichlaufen hochgradig widerwillig praktizierte. Am 07.08. erlebte ich den fünften Fastunfall in diesem Jahr; der Fahrer eines 40 t Vehikel beschloß, mich „auf das Korn“ zu nehmen und in der letzten Sekunde entging ich diesem frevelhaften Attentat, was mein Bild dieser Zunft einmal mehr bestätigt. Kurios ist nur, daß ich weit vor dem LKW lief – also war ich weithin sichtbar, weiß gekleidet im Sonnenschein und nicht zu übersehen – es sei denn, der Fahrer war blind. Am 18.08. tendierte der Auftakt meines Laufes in Richtung Starkregen und ich sog förmlich greifbare Energie ein, die sich entsprechend auf Körper und Geist auswirkte. Die sommerlichen, niederdrückenden Ketten, welche mich bis dato fesselten, fielen von mir ab – gelöst von Geisterhand und so eroberte ich mein Laufareal höchst zufrieden und flog wie der Wind durch den Weltgesang. Ein weiterer Monat hauchte sein Leben für immerdar aus.

2015_August_Sturm

September

September. Ein halbes Jahr nach dem 18.03.2015: Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. Oder anders formuliert, mein Halbjahresjubiläum feiert heute seinen temporären Moment, geboren in Zeit und Raum und hinein getragen, in diese meine flüchtige Welt des Täglichlaufens und entsprechend mental und körperlich von mir in Harmonie geformt und geprägt – so konstatierte ich damals. Tempus fugit. In weniger als drei Monaten wird vielleicht die 15 hernieder leuchten. So verrinnt sie, die Lebenszeit. Am 16.09. begann der Tag sehr finster und ein nasser Hauch ließ sich herab, um die irdische Welt zu beschenken, gleichwohl konnte ich das bei aller Regenliebe nicht als Regenlauf gelten lassen, so daß mein 350. Regenlauf weiterhin in der Zukunft auf den Vollzug warten darf. Doch auch jener Tag sollte sich bald materialisieren. Der Ausklang offenbarte sich relativ frisch. Heute früh (29.09.) erfolgte der erste Kältelauf in dieser aktuellen Herbst/Winterphase und zum ersten Mal überhaupt zieht nun der September in diese meine Statistik (gerechnet ab 2000) ein. Dennoch, ein Winter sollte nicht folgen, ungeachtet dieser vorzeitigen Frische.

2015_September_Regenbogen

Oktober

Das einstmals grüne Blattgewerk welkt melancholisch in den unendlichen Tod ohne Hoffnung auf Wiederkehr und auch mein Halbjahresjubiläum wurde vernehmlich trauernd in das vollendete Verderben gesogen, um zukünftig höchst bescheiden in der Erinnerung zu leuchten. Und so zieht ein neuerlicher Monat Täglichlaufen in die surreale Vergänglichkeit ein, der gleichsam bedeutungsvoll wie bedeutungslos für mich war. Nach all den Jahren darf ich meine sogenannte „Serie“ im Täglichlaufen fortsetzen, wofür ich sehr dankbar bin – welches explizit für die herbstliche Zeit in einem besonderen Maße gilt. Es ist eine wahre Gnade, dem natürlichen Wechsel der Jahreszeiten täglich im Laufschritt beizuwohnen. Täglichlaufen in der alles verzehrenden, herbstlichen Finsternis auf dem frostigen Pfad in den Winter – welch ein Traum! In der Tat, zuweilen werden sie wahr. Am 08.10. erlebte ich endlich meinen 350. Regenlauf, den ich nicht in einen schnöden Artikel gießen wollte, doch ja, ich habe das Regenglück wahrlich genossen. Noch im Oktober hoffte ich auf einen schneereichen Winter oder zumindest auf eine adäquate Winterkälte, doch bis heute enttäuscht die Frostregentin.

November

Im November glitten direkt über meine täglichlaufende Wenigkeit acht Schwäne hinweg, begleitet von ihrem eigentümlich sonoren Sirren, welches ich als prachtvoll erachte. Doch damit der beobachtenden Freude nicht genug, nein, nur einen Tag später vollzog sich ein identisches Spektakel – jedoch mit neun Schwänen. Was für ein imposanter Anblick. Der Herbst vergeht indessen unentschlossen, der Winter naht zurückhaltend. Vielleicht. Die säuselnden Blättergewänder sind durchlässig geworden, weinen still und der hehre Sturm obsiegt allenthalben. Eines Morgens unterbrach ich jählings meinen Lauf und weilte verloren zwischen den mich umgebenden Baumgiganten, deren empor ragende Kronen im ungestümen Wind hin und her tanzten, begleitet von einem sonoren Rauschen, das jedwede Töne absorbierte. Lautes Schweigen. Ein einzelnes Blatt wurde von einer unsichtbaren Hand ergriffen, drehte sich in dem Sturm immer wieder um sich selbst, wurde unstet in alle Richtungen geworfen, um irgendwann endgültig leise hernieder zu gleiten. Ich stand immer noch regungslos und beobachtete das Geschehen, den ureigenen Tanz der wispernden Baumgesellen; es spielte dazu eine wehende Melodie, die ich doch nicht wahrnehmen konnte. Es blieb bei dem einen Blatt. Eine melancholische Szene, gezeichnet an einem finsteren Tagesbeginn in ein vergängliches Gemälde der Abgeschiedenheit. Und doch sehr fesselnd, ein wahrhaftig magischer Moment, der sich nicht mit unzulänglichen Worten beschreiben läßt – die bedeutenden Augenblicke im Leben kann man nur fühlen. Meine ungewisse Reise setzt sich fort, in diesem meinem Täglichlaufen – genau wie das einsame Blatt. Und wohin es getragen wird, weiß nur der Wind.

Dezember

Dezember. Der zehnte Monat des Jahres machte seinem Namen alle Ehre; so darf es nicht irritieren, daß der Sommer zurückkehrte. Nichtsdestotrotz entschädigte mich die Natur mit ausgewählten Momenten. Um das reine Weiß erneut zu hochleben zu lassen – wie schon im November, sei der 05.12. erwähnt, bei 04 °C von einem unangenehmen Wind flankiert, flog ein edler Silberreiher von dannen, der von der leuchtenden Sonne gravitätisch angestrahlt wurde, um somit sein nobles Weiß um ein Vielfaches zu intensivieren. Bei den nachhaltigen Böen ließ er sich mehr treiben, als das er sich selbst bemühen mußte. Dieses konzentrierte Weiß am weiten, blauen Firmament findet keine Entsprechung – so traumhaft phantastisch wurde es in mein Lebensgemälde von der omnipotenten Natur gezeichnet. Sodann bot der stärkste Sturm der vergangenen Jahre sein Schauspiel im Dezember feil. Diese erlebte Entfesselung war wahrlich eine Machtdemonstration ohnegleichen. Allein die Wälder erschufen gehaltvolle Impressionen, die einen gewichtigen Eindruck auf mich ausübten. Fürwahr, die Baumriesen hämmerten wild um sich; die hehren Kronen schlugen fechtend ineinander, verkrallten sich vernehmlich kämpfend und erzeugten kratzende Geräusche, die in Kombination mit einem ungestümen Rauschen im Hintergrund alles beherrschten und in aller Deutlichkeit demonstrierten, wie klein und unbedeutend wir Menschen doch sind. Jener Lauf war im Zeichen der Naturgewalten höchst faszinierend wie inspirierend. Und so verweht die Jahresrückschau gnadenlos im Zeitenwind und nur noch wenige kostbare Tage stürzen über uns hernieder, so fällt dieses Jahr in den wohlverdienten Tod. Das reguläre Jahr endet – das Täglichlaufjahr obsiegt weiterhin. Doch nicht mehr lange. Gelebtes Täglichlaufen.

Sommer_2015_a
Dezember_Sonne
Sommer_2015_b

Statistikauszug 2015 hier mehr:

026 (2014: 029) Regenläufe
000 (2014: 000) Glatteisläufe
000 (2014: 001) Gewitterlauf
014 (2014: 024) Nebelläufe
107 (2014: 104) Kälteläufe
004 (2014: 003) Hitzeläufe
000 (2014: 000) Flutläufe
000 (2014: 000) Sturz/Stürze
000 (2014: 000) Hundeangriff(e)
005 (2014: 003) Mal Wildschweinkontakt
000 (2014: 001) Mal Biberkontakt
001 (2014: 004) Mal in Begleitung gelaufen
006 (2014: 002) Mal Fastunfälle mit Autos
097 (2014: 102) Mal Handschuhe getragen
030 (2014: 023) Mal ein langes Oberteil getragen
000 (2014: 003) Mal eine lange Hose getragen
000 (2014: 001) Mal zweimal gelaufen
kältester Lauf bei -06°C (2014: -13 °C)
heißester Lauf bei 30°C (2014: 28 °C)

Die Laufberichte des Jahres 2015

23.06.2015 Regensturm

Ich habe in diesem Jahr 4749 gelaufene Kilometer erreicht – ohne „Marathon“, „Wettkampf“, „Leistungen“, „Pläne“, „Ziele“, „Training“ oder sonstigem Schnickschnack, der in der lustigen Laufwelt so gerne gepriesen wird – dies versteht sich natürlich von selbst. Mit dem Wert bleibe ich unter 5000 Jahreskilometern – wie zuletzt 2010 – aber dergleichen ist per se irrelevant. Was sagen die Kilometer schon über Genuß, Freude und Härten aus? Nichts. Traditionell bedingt, werde ich Silvester zwei Läufe absolvieren und damit das Jahr verabschieden. So vergeht das Jahr, die Zeit, das Leben, das Dasein – unsere temporäre Existenz – alles schreitet beständig in die vergangene Zukunft, die doch noch nicht existiert und dereinst atemberaubend schnell vergehen wird. Das Jahr hat seinen endgültigen Eintritt in die Geschichte vollzogen. Was bleibt? Erlebnisse. Erinnerungen. Erfahrungen. Und, ein Lächeln. Ja, ich lächele. Das neue Jahr – 2016 – kann kommen. Wird kommen, muß kommen. Und wird sodann genauso rasant im Nichts verglühen. Die Reise wird nie enden. Aber ich, ich steige irgendwann aus. Für immerdar. Oh Leben, was bist du für ein Leben!

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