Mein 300. Hitzelauf

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 5. Juli 2015 by Täglichläufer

In der Tat, heute morgen habe ich meinen 300. Hitzelauf absolviert – bezogen auf einen Zeitraum, der seine Initiation am 01.01.2000 vollzog. In über 14 Jahren Täglichlaufen haben 300 Hitzeläufe durchaus ihre leidige Berechtigung, dennoch sind sie in meinen Augen höchst vernachlässigbar. Dementsprechend verzichte ich auf eine explizite Würdigung – in Form einer eigenen Kategorie. Schließlich handelt es sich hierbei um ein zutiefst fragwürdiges Jubiläum. Doch als Täglichläufer ist freilich jedwede Konzentration auf das sogenannte Wetter bedeutungslos. Natürlich haben sich aktuell meine Distanzen reduziert – das gilt auch für die Freude an meinem Agieren – und doch, eine latente Freude über 300 Hitzeläufe will ich nicht negieren. Und so setzt sich mein Täglichlaufen in diesem viel zu heißen Sommer fort – in meinem Geiste stets hinfort in eine formidable Landschaft aus Schnee. Mir deucht, ich kann das leise Knirschen meiner Schritte vernehmen.

300

Regensturm

Posted in Faszination Regenlauf, Täglichlaufen. Laufberichte. on 23. Juni 2015 by Täglichläufer

Die Welt ist dunkel geworden, aber nicht in einer alles verzehrenden Finsternis, nein, der Weltgesang hat sich grau gewandet. Elementares Grau. Die abgeschiedene Weite dominiert bar jedweder Nuancen und vereinigt sich am freien Horizont mit dem grauen Meer der Unendlichkeit. Bereits in der Nacht öffneten sich die imaginären Wasserschleusen in dem hehren Gewölk und noch am frühen Morgen perlte der liebliche Regen stürmend hernieder und generierte eine latente Angst in meinem Geiste. Eine unsichtbare Macht zog mich gravitätisch an und lud mich ein – an dem raren Geschenk eines Regenlaufes zu partizipieren. Aus Angst vor der versiegenden Regenkraft begab ich mich ohne aufhaltendes Zögern in das nasse Leben und ja, ich verzichtete sogar auf mein standardgemäßes Vorprogramm – und das unterlasse ich nie – und verschob es auf den späteren Abschlußakt. Fürwahr, nach nunmehr zwei Monaten voller Sehnsucht durfte ich heute einen Regenlauf absolvieren – welche Gnade.

Die ersten 800 Meter offenbarten sich wie noch stets als eine wahrliche Qual; entlang der Hauptstraße mit ihren rasenden Blechvehikeln. Im Anschluß trat ich aber ein, in meine geliebte Zauberwelt, geboren in der melancholischen Einsamkeit der belebenden Stille. Sofort entfaltete sich der dämpfende Umhang der Ruhe, der alle unangenehmen Geräusche nachhaltig absorbiert; das Grün der Haine kontrastierte mit dem scheinbar unendlichen Grau in kongenialer Eintracht. Zahlreiche Pfützen hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst harmonisch zu kleinen Seen verbunden und ich selbst war gänzlich durchnäßt. Bei sommerlichen 09 °C erkenne ich gar meinen Atem. In der Ferne wird mir später ein Grußfreund kurz zuwinken, bevor er in seinem schützenden Haus verschwinden wird – dies wird die einzige menschliche Begegnung bleiben. Die geliebte Einsamkeit ist heute absolut und ich kann meine Freude darüber nicht in banale Worte kleiden. Wahre Gefühle lassen sich nicht in trivialen Text fassen.

Zahllose gefiederte Freunde teilen meine Freude und konzertieren in gewohnter Perfektion und hier und dort ruft der Kuckuck; er verkündet sein Entzücken über das nasse Glück. Indessen sind meine Wollmäuse davon gar nicht begeistert – auf meine Begrüßung ernte sich nur – Schweigen. Später vernehme ich nur ein betrübtes „Mäh!“. So setzt sich mein Weg fort, ich passiere den nächsten Wald und begebe mich auf meinen träumenden Damm, der die Tropfen mit Behagen empfängt. Von einem wohlwollenden Sturm kann mitnichten die Rede sein, doch treten heute immer wieder moderate Böen auf, die mich ausnahmsweise nicht entführen wollen, nein, scheinbar ist ihr Bestreben, mich zurückzudrängen; immer wieder galoppieren sie mit aller Macht gegen meine schwarze Präsenz – hoffnungslos. Ich erobere doch meinen Weg. Das grüne Gräsermeer – mitten in dem Hochwasserschutzgebiet gelegen – wird durch den wehenden Odem unbarmherzig hernieder gehalten, ungestüme Sturmreiter fegen wellengleich über die wasserlose Ebene. Es ist das ein wundervoller Anblick, der zum Verweilen reizt.

An meiner Lieblingsstelle unterbreche ich meinen Lauf, betrete den Strand und verharre, halte inne und beobachte den grauen Dunkelsee mit seinen unablässigen Wellen, die nach ihrem eigenen Takt schlagen und Woge um Woge mit einer zarten Gischt an das Land werfen. Die unruhige Wasseroberfläche empfängt das fallende Heer der tanzenden Regentropfen und verzehrt sie lautlos. Doch wenn ich die Augen schließe, vernehme ich das malerische Prasseln; tränengleich rinnt das Naß von den Bäumen, um in dem irrealen Nichts für immerdar zu vergehen. Der Genealoge in mir wird wach und ich frage mich, ob meine Altvorderen diese einzigartige, wunderschöne Örtlichkeit im Sein je gekannt haben? Weilten sie einst an dieser Stelle, vielleicht gar in genußvollen Regenzeiten? Jene Antworten liegen hinter vergänglichen Türen verborgen, die doch nicht mehr existieren. Ich verlasse das Gestade und erspähe meine eigenen Fußabdrücke, die trockenen Sand nach oben aufwühlten, welcher in wenigen Minuten egalisiert sein wird.

Irgendwann nehme ich den Laufschritt wieder auf und trete den obligatorischen Rückweg an, gleichwohl könnte ich für immer und immer weiterlaufen. An diesem Punkt atme ich keinen Sauerstoff mehr ein – ich atme pure, konzentrierte Energie, die sich in meinem Körper mit jedweden Zellen verbindet, ihre gehaltvolle Kraft emittiert und sich entsprechend mit absoluter Macht auswirkt. Kurzum, die lustlose Phase der vergangenen Tage hat sich längst verflüchtigt und in dieser Sekunde lebe ich den unverfälschten Genuß. Vielfältige Impressionen nehme ich noch wahr, die es wert wären, hier erwähnt zu werden, aber nein, ich ziehe mir das Schweigen vor. Verloren im Regenreich. Mit einem Lächeln im Regensturm.

Den Weg gehen – III. 2015. Vierzehn Jahre, drei Monate. Unspektakuläre Phase.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und drei Monate in Serie. Wieder wurde ein geschätzter Monat Täglichlaufen von der tödlichen Vergänglichkeit zärtlich berührt, um sich anschließend in gelebter Rasanz in finsteren wie strahlenden, illusionären Staub zu verwandeln – der Eintritt in das unausweichliche vergessende Totenreich folgte in seiner lächelnden Konsequenz. Was bleibt nun? Einmal mehr das Erstaunen ob der flüchtigen Zeit. Wie ein schneller Pfeil wird Lebensmonat um Lebensmonat von einem imaginären Bogen abgeschossen, schnellt ungehalten rücksichtslos, um irgendwann still in das allumfassende Nichts hernieder zu fallen. Monat für Monat vergeht und in solchen ausgewählten Momenten frage ich mich, wie lange wird es mir noch möglich sein, dieses meine Täglichlaufen noch zu zelebrieren, ja noch zu leben? Wohin wird mich jener surreale Pfad künftig führen? Die omnipotente Großmeisterin der Zeit wird es lehren. Morgen oder übermorgen, doch nicht heute.

Die vergangene Phase in meinem Täglichlaufen war wahrlich unspektakulär, wenngleich das entomologische Gepräge durchaus gravierend erschien und mir nicht selten die Freude in meinem Handeln verwehrte. So darf es nicht irritieren, daß ich wiederholt höchst lustlos agierte und ja, selbst an den Tagen, die sich durch perfekte Bedingungen auszeichneten, verwandelte sich mein Täglichlaufen in eine Herausforderung – freilich „nur“ mentaler Natur. Aber starke und schwache Zeiten gehörten jeher zu meiner Konzeption und so will ich nicht viele Worte darüber verlieren. Wenn immer alles nur großartig wäre – das wäre wahrlich entsetzlich. Dennoch, eine weitere Schreckensnachricht muß in diesem Kontext erwähnt werden – ich erlebte keinen einzigen Regenlauf. Welch ein Jammer! Die Temperaturen alternierten zwischen 07 °C und 26 °C, was dieser Jahreszeit angemessen erscheint – wenngleich nicht nach meiner eigenen Definition.

Um im Reich des Schreckens zu bleiben, in der Regel bin ich hier als Schreckgespenst bekannt, da ich zahllose Personen und Tiere – natürlich unabsichtlich (meistens) – erschreckt habe, aber am 09.06. erwischte es mich selbst; nun war ich das Opfer. Ein Bekannter passierte mich mit seinem Auto und als er meine Höhe erreichte, hupte er direkt neben mir – und ich war zutiefst mit meinen Gedanken in anderen Welten versunken. Und so nahm ich die ungewollte Opferrolle ein – einfach schrecklich. Nach der feuerwehrlichen Attacke vor kurzem war dies nun der zweite Akt. Verkehrte Welt. Ein weiteres Beispiel aus der verkehrten Welt erfolgte am 16.06. – eine Radfahrerin fuhr auf dem Fußweg und der schwarze Täglichläufer lief auf dem Radweg und überholte selbige; seltsame Dinge geschehen.

Am 24.05. wurde mir die große Ehre zuteil, einen Kranich in einem Abstand von nur zehn Metern zu passieren, der temporär die Flügel ausbreitete, um mich dann gelassen zu beobachten. Vier Tage später durfte ich zweimal Vertreter der piroligen Sphäre erspähen, welche stets einen zauberhaften Anblick bilden. Wenig später, am ersten Junitag wurde auf meinem Damm endlich das Gras gemäht; in jene partiell gestörte Einsamkeit wagte sich ein heftiger Sturm und latenter Sprühregen, welchen ich leider nicht als Regenlauf werten durfte, da es an greifbarer Intensität und Permanenz mangelte. Möge in dem nächsten Abschnitt der Regen eine dominierende Rolle einnehmen und die täglichlaufende Zunft in freudiges Entzücken versetzen. Hoffnung treibt das Schiff der Narren. So endet ein rasanter Monat ohne Besonderheiten, was ich selbstredend mitnichten negativ betrachte. Ich lasse mich überraschen, wie sich die nachfolgenden Läufe in diesem Kontinuum gestalten werden. Und, möge es sich fortsetzen – das Gelebte Täglichlaufen.

Kulturelle Bereicherung

Posted in Contra Gesellschaft, Contra Politik on 13. Juni 2015 by Täglichläufer

Nun, ich bin wahrlich kein Ausländerfeind. Freilich, diese Einleitung muß als erstes formuliert werden. Ich lebe schließlich in Deutschland. Also weiter, ich wurde so nicht erzogen, mir ist bewußt, daß ich selbst auf der ganzen Welt ein Ausländer bin und auch die Religionen sind mir herzlich egal. Ob einer an Gott, Allah oder an Bauklötze glaubt, interessiert mich grundsätzlich nicht. Ich betrachte die Spezies Mensch als Einheit, woran sie sich messen lassen muß. Solche unnötigen Kategorien sind banal und bedeutungslos und je weiter man sich dieser Betrachtungsweise hingibt, um so negativer muß das Bild gezeichnet werden, von dieser dekadenten Spezies, die nur Krieg im Kopf hat und diesen wunderbaren Planeten von grundauf mit Hingabe zerstört. Und dennoch, diese Regierung, die dieses Land „regiert“, schafft es langsam, aber sicher, daß ich meine Einstellung ändere und zunehmend kritischer diese Thematik betrachte. Ist das nicht absurd? Nachfolgend eine minimale Auswahl aus den Medien, ich beschränke mich stellvertretend auf den Focus.

Focus, 15.01.2015

Nach tödlichem Fenstersturz: Gewalt-Exzess in Hameln: Großfamilie verletzt 14 Polizisten

Focus, 06.04.2015

Etwa 30 Leute beteiligt: Eisenstangen und Baseballschläger: Zusammenstoß zwischen zwei Großfamilien in Bremen

Focus, 04.06.2015

90 Polizisten beenden Massenschlägerei von Großfamilien auf Berliner Spielplatz

Focus, 05.06.2015

50 Beteiligte in Berlin-Neukölln: Tatort Spielplatz: Großfamilien liefern sich Massenschlägerei und Messerstecherei

Focus, 08.06.2015

Hochzeit in Berlin endet in heftiger Massenschlägerei – zwei Polizisten verletzt

Focus, 12.06.2015

Ein Verletzter: Massenschlägerei! Clans prügeln sich in Berliner Landgericht – Richter flüchtet

All jene Vorfälle fanden nicht im arabischen Hinterland oder in den finsteren Bergen am Ende der Welt statt, nein, sondern mitten in Deutschland. Insbesondere die letzte Meldung macht mich sprachlos. „Richter flüchtet“. So so, der Richter flüchtet also aus seinem eigenen Gerichtssaal. Das ist ja bemerkenswert. Soll ich nun weinen oder lachen? Zumindest hoffe ich, daß er von einer möglichen? Bestrafung absieht, denn dies könnte die kulturelle Integration – Integration? – stören und die Bereicherung konterkarieren. Wahrlich, eine irritierende Vorstellung. So weit ist es also gekommen, der Richter muß flüchten. Chapeau! An Herrn Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wage ich mich nicht heran, aber was würde wohl der liebe Herr Goethe an dieser Stelle konstatieren? „Herr, die Noth ist groß, die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los.“ In diesem Sinn, möge zusammen wachsen, was nicht zusammen gehört.

Sommerfreuden

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 6. Juni 2015 by Täglichläufer

Welch ein Titel! Sommerfreuden. Tatsächlich. Wer mich kennt, weiß wohl sehr genau, welche mentale Kraft, Energie und elementare Selbstdisziplin erforderlich waren, mich selbst zu diesem Wort zu nötigen. Angesichts der Tatsache, daß ich ein streitbarer und leidenschaftlicher Anhänger der Herbst- und Winterzunft bin. Gleichwohl darf man nun kein Loblied auf den Sommer von mir erwarten, zumal von einem wahren Sommer auch noch keine Rede sein kann. Heute früh absolvierte ich meinen Lauf bei 26 °C unter blauem Himmel – fast ohne Gewölk – dafür mit entsprechender Sonnenintensität. Glücklicherweise handelte es sich hierbei mitnichten um einen Hitzelauf.

Und so trat ich ein, in das zutiefst grüne Habitat der weiten Abgeschiedenheit und manifestierten Einsamkeit. Die ungewohnte Wärme tangierte mich in keiner Weise, als Täglichläufer bedarf es keiner Anpassungen an etwaige Wetterwechsel, aber dies gilt freilich nicht für entomologische Umgebungsvariablen und ja, der heutige Lauf offenbarte sich als höchst unschön. Auf meinem geliebten Damm weilten alle paar Meter massive Insektenbälle in der Luft und wollte ich ihnen ausweichen, materialisierten sie sich immer ausgerechnet dort, wo sich zuvor noch keine aufhielten. Doch die Tragödie steigerte sich noch, als mich sodann zahlreiche Dasen, auch bekannt als Bremsen erspähten und mich als Ziel auserkoren. Nun, von Bremsen konnte keine Rede sein, weder ich bremste, noch die Bremsen bremsten. Im Gegenteil. So ließ ich innerlich meinen Kopf hängen und trat den vorzeitigen, taktischen Rückzug an. Der Punkt geht eindeutig an die summenden Insektenfreunde.

Also führte mich mein gejagter Weg zurück in die hehren Wälder, die verhalten finster in die ihre Welt einluden. Für einen Moment im Dasein atmete ich auf, doch die Freude währte nicht lange, denn nun attackierten mich Heerscharen an Mücken. Wohlgemerkt, ich schlief nicht durch den Hain oder spazierte – meine Geschwindigkeit betrug 12 Kilometer pro Stunde und als ich mich zuweilen umdrehte, zählte ich wenigstens 3,8 Millionen Mücken, die mich gnadenlos verfolgten. Ich gestehe, ich neige hier zu Untertreibung. Spätestens in diesem Augenblick war mir klar, daß ich heute nur mit äußerster Mühe und Not sommerfreudige zehn Kilometer erreichen werde. Aber was bedeuten gigantische zehn Kilometer angesichts dieser exzessiven Insektenangriffe? Einmal mehr kann ich allen Laufanfängern an dieser Stelle nur von Herzen empfehlen, sich sofort in die Wälder zu begeben, um dort ihr Lauftraining zu beginnen – denn was ist der sogenannten Motivation förderlicher – als Schwärme von Insekten? Eine kongeniale Übungsmethode, die wissenschaftlich längst belegt ist.

Später präferierte ich meinen Dschungelpfad, der mittlerweile sehr zugewachsen ist, aber auch hier ließen die unzähligen Verfolger nicht von meiner Wenigkeit ab. Jählings schoß völlig unerwartet eine Schäferhündin auf mich zu – aus dem Nichts heraus – und nachdem mich „Wolke“ passiert hatte, folgte ihre Besitzerin schnellen Schrittes hinterdrein – eine liebe Grußfreundin von mir – die mich sofort warnte: „Marcus, nicht anhalten! Nicht anhalten!“ Wir begrüßten uns dennoch kurz und führten ein “Gespräch” von vielleicht 20 Sekunden, indessen ich den Sonnen-Anti-Insekten-Tanz in formvollendeter Schönheit aufführte oder anders formuliert – ich hüpfte wie ein Hampelmann auf der Stelle und zappelte elegant mit den Armen. Meine Gesprächspartnerin fuchtelte ähnlich umher und so trat ich den endgültigen Rückzug an. Vor meinem geistigen Auge träumte ich von edlen, weißen Winterlandschaften und leise hernieder säuselnden Schneeflocken. Damit der Träume nicht genug, plötzlich vernahm ich die imaginäre Stimme eines großen Showmasters der 70er Jahre, der einst sang: “Wann wird es mal wieder richtig Winter, ein Winter wie er früher einmal war?”.

Irgendwann endete das nicht gesungene Lied und auch mein heutiger Lauf fand seinen mehr oder weniger würdigen Abschluß, der ganz im Zeichen der wahren Beherrscher dieses Planeten stand – den lieblichen Insekten, die heute nicht wirklich lieblich waren. Aber so ist das, gelobte Sommerfreuden! Der Winter naht. Hoffentlich.

Grün…

Posted in Allgemein, Photos on 2. Juni 2015 by Täglichläufer

…ist sie geworden, die erhabene natürliche Welt. Dieses Grün ist allumfassend und von einer atemberaubenden Intensität geprägt; in der Tat, es ist schier unbegreiflich und mir deucht, selbst tiefschwarz gewandete Täglichläufer werden ohne Reue absorbiert. Sobald ich die triviale Zivilisation nicht mehr wahrnehmen kann, trete ich durch ein unsichtbares Tor und beschreite einen surrealen Pfad in ein konträres Leben. In ein verborgenes Reich der beredten Stille, der melancholischen Einsamkeit und der greifbaren Abgeschiedenheit – verschmolzen mit dem grünen Weltgesang, den ich nimmermehr verlassen möchte. Nach dem Eintritt in jene illusionäre Atmosphäre schließt sich der trennende Vorhang und meine banale Existenz egalisiert sich mit dem wahrhaftigen Leben. Und so genieße ich sie täglich, diese meine einsame Welt, geboren in einer besonderen Ruhe, wie sie nur von der Natur derart meisterhaft in ein wundervolles Gemälde komponiert werden kann. Ich weiß dieses Glück sehr, sehr zu schätzen – allein, warum müssen auch solche Läufe enden? Doch ja, nichts währt für immerdar. So bleibt mir nur eines – die tägliche Fortsetzung preisen.

2015_Juni_01
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Den Weg gehen – II. 2015. Vierzehn Jahre, zwei Monate. Vollzogener Wandel.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2015 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze Vierzehn Jahre und zwei Monate in Serie. Das Spiel des Lebens setzt sich ungehalten fort, die tosenden Ströme der Zeit vereinen sich in dem allgewaltigen Meer der Unendlichkeit und reißen ungerührt alles mit sich, um die geheimnisvolle Verborgenheit zu preisen. Ich selbst folge mit meinem banalen Täglichlaufen und bringe einen weiteren Monat in diesem meinem geliebten Stil als Tribut dar, der sodann stante pede absorbiert wurde. Aber welche Wahl habe ich auch? Ich kann mich der irrealen Zeit nur gnadenlos unterwerfen und doch, und doch den einen oder anderen Moment der Einzigartigkeit scheinbar festhalten – in diesem surrealen Kontinuum von Raum und Zeit – um ihn bewußt wertzuschätzen. Und ja, mit meinem Täglichlaufen gelingt mir das – wenn auch nicht immer oder täglich – doch temporär in exponierter Weise. So sei es.

Die obligate Statistik vermeldet drei Kälte- und nur einen Regenlauf – das ist wahrhaftig enttäuschend und verlangt nach gehaltvollem Schweigen. Die Temperaturen alternierten zwischen 0 °C und 20 °C. Der letzte Kältelauf fand am 29.04. statt und nimmt damit einen besonderen Wert ein – auf die vergangenen 14 Jahre bezogen, denn so weit hinein absolvierte ich im prosperierenden Frühling noch nie einen Kältelauf. Im April übernahm ich erneut das gewichtige Amt als Futterlehrling für meine geliebten Wollfreunde, wenngleich zeitlich sehr begrenzt – für nur eine Woche. Die Freude ob meiner Aktivität war auf beiden Seiten freilich unbegrenzt; allein das Theater nach meiner Amtsaufgabe war entsprechend nicht minder gewaltig. Doch schlußendlich mußten wir uns alle wieder daran gewöhnen, der Alltag obsiegte. Als sie mich vorhin erspähten, rasten alle zum Tor – ich sollte hinein und sie wollten hinaus. Gleichwohl blieb es nur bei Streicheleinheiten.

Folgende Begebenheit war sicherlich auch dem Alltag geschuldet, indessen zählte jene Situation zu den schrecklichsten respektive unangenehmsten – am 30.04. befand ich mich auf dem Rückweg als jählings ein Rettungswagen und zwei exorbitant lärmende Feuerwehrwagen in direkter Nähe an meiner laufenden Wenigkeit vorbei fuhren. Ihre Tuten & Tröten waren auf maximale Lautstärke konfiguriert – sofern man derlei denn einstellen kann. Nun bin ich guter Hoffnung, daß mein Gehörsinn in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren zurückkehren wird. Lärm kann durchaus in Folter ausarten. Wie unvergleichlich schön ist doch die dämpfende, sanfte Atmosphäre in den hehren Hainen – welch ein still wisperndes Kontrastprogramm. Allenthalben musizieren derzeit die Nachtigallen, Pirole und ja, auch der Kuckuck ruft höchst engagiert in die Welt hinaus und das seit dem 29. April. Sodann erspähte ich am 24.04. einen edlen Rotfuchs, der dieses Mal jedoch relativ zügig flüchtete.

Ein Tag vorher – am 28.04. erlebte ich den dritten Fastunfall in diesem Jahr – eine Dame rauschte ohne Reaktion auf mein latent ungehaltenes Verhalten von dannen. Gleichwohl ist mir bewußt, wie mental herausfordernd es sein muß, das Wort „Stop“ auf diesen seltsamen Schildern zu interpretieren und gar umzusetzen. Und der Schulterblick? Ja, ein entfernter Planet außerhalb unserer Galaxis hört auf diesen Namen. Alles wie gehabt – mir deucht, ich wiederhole mich. Die Entschädigung für diese Dramatik ließ nicht lange auf sich warten – im Wald beobachtete ich ein Reh; wir sahen uns beide an, bis es dann gemütlich weiter spazierte – von Flucht war keine Rede. Anfang Mai – am 04.05. – quakten zum ersten Mal in diesem Jahr die Froschels in meinem Hochwasserschutzgebiet, spätestens jetzt ist der frühlingshafte Wandel wahrhaftig vollzogen.

Drei Tage später begleitete mich eine Grußfreundin per Rad während meines Laufes und wir genossen gemeinsam den herrlichen Frühling, derweil die Sonne das Geschehen dominierte, die Temperatur sich aber indes noch zierte. Am 13.05. kam ich in den Genuß, einen Kuckuck nicht nur musikalisch vernehmen zu dürfen, sondern ihn auch von dannen fliegen zu sehen. Wiederum einen Tag später erspähte ich Meister Lampe, der rasant durch den tiefen Wald hoppelte (heute morgen erneut) – eine höchst seltene Beobachtung in den hiesigen Wäldern. Die erste Begleitung in diesem Jahr läuferischer Natur fand am 16.05. statt – in den Morgenstunden begleitete mich ein Lauffreund mit seinem Schäferhund und so eroberten wir zusammen den natürlichen Weltgesang. Die Zeit ist nun reif, auch wieder über Familie Weinberg zu sinnieren und sodann durfte ich gestern früh eine große Weinbergschnecke umsetzen, die mit schnellen Schritten in Richtung Straße raste – Glück gehabt!

Und so verfällt ein neuerlicher – ehedem hoffnungsfroher Monat – der charmanten Vergessenheit anheim. Nichts kann diese unabänderliche, rigorose Konsequenz tangieren, geschweige denn aufhalten; aber wer ist der Mensch schon, um solche vermessenen Gedanken zu entfalten? Die noch nicht geborene Zukunft wird wallend über uns hernieder schweben und uns weiter entführen, in den geheimnisvollen Strömen der sogenannten Zeit. Ich bin unendlich dankbar, einst den imaginären Pfad des Täglichlaufens beschritten zu haben – ihn bis heute beschreiten zu dürfen – denn jener Weg generiert eine Art demütiges Bewußtsein, den einzigartigen Moment der fragilen Zeit höchst intensiv wahrzunehmen und zu leben. Was wäre ich nur ohne mein Täglichlaufen – wie ich es bisher praktizieren durfte – wie anders wäre diese meine Welt? Eine Frage, eine eklatant schreckliche Vorstellung, die ich nicht beantworten kann und will. Möge es sich fortsetzen. Mein geliebtes Täglichlaufen. Täglich. Morgen.

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