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Täglichlaufen. Risiko Straßenverkehr.

Posted in Täglichlaufen. Stadtverkehr. on 13. November 2009 by Täglichläufer

Nach meiner – freilich – subjektiven Einschätzung nimmt die Aggressivität im Straßenverkehr immer gravierende Ausmaße an. Die Ursachen mögen vielfältig sein. Vor allem Streß, Zeitmangel, eine stete Erhöhung der Verkehrsteilnehmer, Unaufmerksamkeit, Egoismus sowie Rücksichtslosigkeit – und die daraus resultierenden Unfälle und Staus bilden einen negativen Nährboden. In seinem Auto fühlt sich der Mensch in einer Art persönlichen Sicherheitsraum; das geschützte, mobile Wohnzimmer und betrachtet die anderen Verkehrsteilnehmer oft – wenn schon nicht als Feind, doch in einer psychologisch interessanten Form als Gegner – als da wären neben anderen Autos, die Fußgänger und Radfahrer. Status und Geschlecht lasse ich außen vor. Und die Fahrradfahrer? Die betrachten natürlich die Autofahrer und Fußgänger als nervende Hindernisse. Während die unmotorisierten Menschen ihre Feindbilder in Richtung der rüpelhaften Rad- und Autofahrer konstruieren. Das typische Rollenverhalten im Straßenverkehr. Als Täglichläufer kann es zu Konflikten mit allen drei Gruppierungen kommen.

Glücklicherweise ist mir die Option gegeben, relativ schnell den ersten Wald zu erreichen. Weitestgehend vermeide ich die Zivilisation als Laufareal; von seltenen Ausnahmen abgesehen. Gleichwohl existiert während dieser kurzen Strecke ein neuralgischer Punkt, der auf Grund eines in Autofahrerkreisen nicht bekannten Verkehrsschildes zu einer regelrechten Gefahrenzone mutiert. Bei jenem mysteriösen Zeichen handelt es sich um das „Stop-Schild“ – wohlgemerkt das einzige Verkehrszeichen der StVO, auf dem explizit zu lesen ist, wie man sich zu verhalten hat. Die Majorität der Fahrzeugführer interessiert sich nicht dafür und fährt einfach stur weiter. Besonders fatal die Tatsache, daß sie dabei nur nach links blicken und bei freier Straße ohne Rücksicht auf Verluste Gas geben. Von rechts kommende Fußgänger, Radfahrer, Läufer? Irrelevant. Allein von 2004 bis heute erlebte ich an dieser Örtlichkeit 29 Fastunfälle. „Fast“ nur deshalb, weil ich jedes Mal damit rechne. Doch auch dies schützt nur bedingt, wenn das Attentat aus dem Hinterhalt ausgeführt wird. Ein Gespräch mit der Polizei verlief ergebnislos, da die Ordnungshüter nur bei finanziell lohnenden Widrigkeiten agieren – wie mir der Polizist damals bestätigte. Folgendes Photo zeigt die heikle Gefahrenstelle, wobei der Unfallwagen durch einen flüchtenden Straftäter zu Schrott transformiert wurde – ich habe damit nichts zu tun.

Allerdings ergeben sich nicht nur Konfliktsituationen mit Autofahrern, nein, auch mit Fahrradfahrern und Fußgängern. Erstere radeln gerne nebeneinander auf dem Fußweg und weigern sich beharrlich auszuweichen. Oder im Dunkeln ohne Licht mit MP3-Player – ebenfalls auf dem Bürgersteig. Ich gestehe, bei derlei Erlebnissen verläßt mich meine Sanftmut und ich werde ein wenig ungehalten. Warum sollte ich als Täglichläufer auf dem Gehsteig Radfahrern ausweichen – während der Radweg direkt daneben verwaist? Absurd. Die Stimme erhebend und partiell auch vorkommende Drohgebärden meinerseits führen mehrheitlich zu einer nachhaltigen Ermahnung der ignoranten Verkehrsteilnehmer, seien es Rad- oder Autofahrer. Die Gruppe der Fußgänger trägt das geringste Konfliktpotenzial in sich, wobei vielen Personen beispielsweise die Bedeutung einer roten Ampel nicht wirklich bekannt zu sein scheint. Bisher erlebte ich nur wenige unschöne Begebenheiten mit provozierenden Jugendlichen.

Meine Erfahrungen als Täglichläufer im Stadtverkehr wirken sich natürlich auch auf mein eigenes Rollenverhalten aus. Beispielsweise doziere ich gerne an Stopschildern mit einem Augenzwinkern – dessenungeachtet ernst gemeint – in Richtung meiner Mitfahrer: „Hier ist besondere Vorsicht geboten, es könnte ein Läufer vorbei kommen!“. In der Verkehrsproblematik manifestiert sich eine der größten Bedrohungen für meine Konzeption. Ich vertraue auf meine Weitsicht und etwas Glück. – Vielleicht sollten wir uns im Straßenverkehr gelassener verhalten und wenn sich jeder etwas mehr an die etablierten Regeln und Grundsätze halten würde, könnte dadurch die Aggressivität reduziert werden. Möglicherweise in Kombination mit mehr Verständnis und Empathie seinen Mitmenschen gegenüber. Mich selbst nehme ich davon auch nicht aus. Manch unschönes Erlebnis und Auseinandersetzung hat sich letztendlich durch ein Lächeln in Wohlgefallen aufgelöst. Lächeln. Ein hoffnungsvoller Anfang.

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