Archive for the Täglichlaufen. Laufalltag. Category

Blutzoll

Posted in Photos, Täglichlaufen. Laufalltag. on 27. April 2019 by Täglichläufer

Mit dem heutigen Tage hat auch der Kuckuck den Frühling endlich offiziell begrüßt – drei Tage später als in dem vergangenen Jahr. Leider nahm er meine Einladung bezüglich eines Phototermins nicht an; so ziehen an dieser Stelle nun andere gefiederte Freunde von mir hier ein.

Abschließend sei mir noch der Hinweis gestattet, daß nun der ideale Zeitpunkt gekommen ist, um als Anfänger sich dem Laufen zu verschreiben. Man kann noch so lustlos oder demotiviert sein – Heerscharen von Lauftrainern harren derzeit in den Wäldern auf dankbare Läufer, Täglichläufer. Der Preis für zwei Sekunden Anhalten beträgt aktuell zwei bis drei Mückenstiche – der Wert kann sich je nach Örtlichkeit erhöhen. Und selbst im Laufschritt ist man nicht davor gefeit. In diesem Sinne, wer schneller läuft, vermindert den Blutzoll.

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Über Graugänse

Posted in Pro Natur, Täglichlaufen. Laufalltag. on 26. Februar 2019 by Täglichläufer

Wie bei allen Lebewesen besitzt eine jede Graugans ihren ureigenen Charakter. Manche sind mutig, entspannt in sich ruhend; andere scheu, schüchtern – doch neugierig sind sie alle. Derzeit sitzen sie jeden Morgen direkt auf meiner Laufstrecke und zeitweise drehe ich wieder ab, um sie nicht zu stören. Je näher man ihnen kommt, desto lauter und intensiver ihr Rufen. Der Zeitpunkt ihres Abfluges läßt sich genau berechnen, wenngleich sich die meisten Gänse durch mein Anreden beruhigen lassen. Oft unterbreche ich meinen Lauf und halte meine gewohnte Ansprache, indessen die zuvor Schimpfenden gemächlich den Damm verlassen, um mir eine freie Passage zu gewähren – als ob ich den süßen Putzels etwas antun könnte!

Schlußendlich dürften mich nahezu alle Graugänse kennen – nur wenige ziehen in den Süden und das Gros überwintert hier und täglich begegnen wir uns und führen wir unsere Gespräche – seit vielen Jahren. So näherte ich mich heute der großen Wiese – in ihrer grünen Mitte verläuft mein Pfad – und vor mir erspähte ich vielleicht 150 oder 200 Gänse; sitzend, stehend oder mit den Flügeln schlagend. So lief also die schwarze Gestalt mit 12 Kilometern pro Stunde direkt auf die Gänseschar zu – nun dürfte man annehmen, daß sie in einem Schwarm jählings von dannen ziehen. Mitnichten!

In einem gebührlichen Abstand erhob ich bereits meine Stimme und nur wenige Gänse überhaupt antworteten mir. Die Kolonie teilte sich in der Mitte und die Graugänse watschelten nach links und rechts und räumten den Weg im Zentrum, durchaus mit einer würdigen Ruhe – jeder Notfallsanitäter wäre über diese „Rettungsgasse“ freilich begeistert. Nun, der Mensch hat halt nicht den Intellekt einer Gans. Nicht ein Vogel flüchtete und ich lief mitten durch die zahlreiche Gemeinschaft – natürlich immer meinen üblichen Monolog vortragend. Ich muß gestehen, ich genieße diese für mich einzigartigen Momente des Lebens – denn dieses Vertrauen, welches mir die Wildvögel entgegen bringen, betrachte ich keineswegs als Selbstverständlichkeit; schließlich bin ich ein Vertreter der bösesten Spezies, die der Planet Erde je erleben mußte. Allein sie wissen genau, ich bin alles andere als eine Bedrohung und ja, wir verstehen uns. Nie würde ich sie auch nur im Ansatz enttäuschen. Meine lieben Freunde, wir sehen uns morgen wieder!

Wir werden keine Freunde mehr

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 14. Dezember 2018 by Täglichläufer

Die Macht der Dunkelheit thronte nur noch eingeschränkt zu dieser Zeit; nur zu gern bereit das temporäre Zepter in die graufinsteren Morgenhände zu übergeben. Meine tägliche Strecke entlang der Hauptstraße währt in der Tat nur einen Moment und doch finden jene Sekunden mehrheitlich konzentriert statt – um die strömenden, blendenden Blechvehikel zu ignorieren – und so schottet mein Geist das nahe Umfeld in einem relativen Rahmen ab. Versunken in der Konzentration, den nahen Wald erlösend erwartend.

Nur noch wenige Meter, bis ich die lärmende Lichterwelt rechts liegen lassen darf. Jählings nähert sich blaues Licht mit hoher Geschwindigkeit – ein Rettungswagen. Die Welt strahlt blau, reflektiert und spiegelt sich allenthalben. Der ausgeprägte Verkehr wandert in Wellen, ebbt in diesem Augenblick ab. Als subjektiver Betrachter erkenne ich keine Indikation, die Sirene aktivieren zu müssen. Doch dann passiert es unerwartet – exakt auf meiner Höhe – wo auch sonst? – vielleicht ein Meter neben meiner Person. Eine extreme Supertröööte, die Tote erwecken könnte. Im Anschluß setzte wahrscheinlich mein Herz für eine Mikrosekunde aus, ich zucke derart zusammen und wage einen gefühlten Sprung von sechs Metern nach oben; jedes Eichhörnchen würde vor Neid und Ehrfurcht erblassen, um völlig konsterniert und verschreckt weiterzulaufen. Entsetzlich.

Ja, schrecklich! Immerhin sah ich den Rettungswagen kommen; wäre er von hinten gekommen – mit dem gleichen Spiel – intensiviert sich alles um das Vielfache. Auch dies erlebte ich wiederholt. Wohl wahr, wir werden keine Freunde mehr.

Mickey Mouse!

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. November 2018 by Täglichläufer

Der Tagesbeginn zeigte sich von seiner graufinsteren Lieblichkeit, zärtliche Sturmböen tanzten vereinzelt bei ungefähr 0 °C durch die einsamen Wälder. Mein heutiger Lauf war noch jung, als ich ihn unterbrechen mußte, um meinen lieben Freund Leo zu begrüßen und ihn kurz zu streicheln – wie könnte ich den goldigen Golden Retriever auch ignorieren? Obwohl mich sein Besitzer seit Jahren kennt, mich nahezu täglich laufen sieht und meine Kleiderwahl keine neue Erkenntnis für ihn sein dürfte, kam er doch sogleich auf meine Handschuhe zu sprechen. Offenbar ist er für dieses Jahr noch nicht daran gewöhnt.

Nun, ich gebe es zu, meine Hände sind empfindlich und bei 0 °C gehören Handschuhe in der Regel zum Pflichtprogramm innerhalb meines Täglichlaufens. Der Hundehalter sinnierte für einen Moment, strahlte mich sodann an und sagte zu mir: „Die kurzen Hosen! Das T-Shirt! Dazu die Handschuhe – das hat etwas Mickey Mouse-artiges“. Waaas vernahmen meine erstaunten Ohren? Da laufe ich bei diesen Temperaturen in kurzer Bekleidung und halte mich für den coolsten Typen überhaupt und nun höre ich, ich sehe aus wie Mickey Mouse? Skandal! Ich verlange Satisfaktion! Ein Duell! Oder wenigstens eine Klage auf Ehrverlust!

Im Ernst, ich mußte laut lachen ob dieses Vergleiches und ja, natürlich hat er Recht. Diese Ähnlichkeit läßt sich wahrlich nicht leugnen. Wieso kam ich nicht schon früher darauf? Als ich später nach meiner Rückkehr eine Nachrichtenseite besuchte, sprang mich sofort eine Werbung mit Minnie Mouse an. Wäre ich ein gläubiger Mensch, so würde ich das als Zeichen interpretieren. Wie dem auch sei – seit heute bin ich wohl die täglichlaufende Mickey Mouse. Das Leben hat Humor.

Erlösung

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 2. August 2018 by Täglichläufer

Eine unsägliche Hitze dominierte die vergangenen Tage; ließ mitnichten einen Spielraum für einen kühlen Rückzug, neutralisierte bedenkenlos jedwede Frische – dies ist nicht die meine Welt, allein die hehre Witterung fragt nicht nach Vorlieben. Immerhin gelang es mir, neuerliche Hitzeläufe aufgrund meines Laufzeitpunktes zu vermeiden. Doch der heutige Tagesbeginn lächelte mehr als hoffnungsvoll und strahlte verheißungsvoll hernieder. Das weite Firmament verwandelte sich in einen dunkelgrauen Tempel der Freude und zahllose Wolkenschiffe navigierten kompetent in den Horizont hinein – flankiert von zuckenden Blitzen und grollendem Donner, um ein prachtvolles Schauspiel aufzuführen.

In der Tat, dies ist wirklich meine Welt. Hier gab es nun kein Zaudern, kein Zögern – mit größter Freude warf ich mich dem regennassen Weltgesang entgegen und genoß die seltene Abkühlung mit jedem Schritt. Welch eine Erlösung! In der Ferne fuhr ein gewaltiger Blitz senkrecht zu Boden und das vernehmliche Donnern ließ nicht lange auf sich warten – ich bewegte mich genau auf das scheinbare Zentrum zu – und seit 2014 darf erstmals wieder ein Gewitterlauf in meine Statistik einziehen.

Die Wälder schliefen indessen verlassen in ihrer Einsamkeit; auf den gestern noch so staubigen Pfaden bildeten sich kleine Bäche und ansprechende Pfützen und ja, die Finsternis intensivierte sich mit jeder weiteren Sekunde und auch der Niederschlag bemühte sich nach Kräften, all seine charmanten Reize einzusetzen. In einem Forst führen zwei Wege parallel nebeneinander in die Weite, getrennt durch wenige Meter Abstand und jählings kam auf dem Pfad zu meiner linken ein Reh angerannt, wechselte plötzlich seine Spur und schnitt die meine, um sodann mit dem triefenden Hain zu verschmelzen. Die anderen Waldbewohner hielten sich freilich verborgen. Ich selbst wurde nicht minder von der Abgeschiedenheit absorbiert und verlor mich im Anschluß in diesem nassen Reich und beobachtete die tanzenden Tropfen, welche fröhlich ihren temporären Sieg über die gnadenlose Dominanz von Mutter Sol feierten. Erlösung, wahrlich!

Mehr als nur Routine. & Mein 400. Regenlauf.

Posted in 400. Regenlauf, Täglichlaufen. Laufalltag. on 30. Juni 2017 by Täglichläufer

Nur Routine. In der Tat, nur Routine – welche stets ihre Fährlichkeit beweist, was ich nur vier Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erfahren durfte. Während meines Rückweges sprang mich jählings am Waldrand eine tobende Wanderwurzel an – deren Vorfahren ich bis zu den Erzeltern aufzählen könnte und mir somit sehr vertraut war – und dennoch, und dennoch! Mein Lauf hielt urplötzlich inne, die Raumzeit fror zitternd ein und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken, die ich vor vielen Jahrhunderten in meinem Kampfsport erlernte und ohne Unterlaß üben mußte. Und so fiel ich also nach vorne und absolvierte währenddessen einen dreifachen Vorwärtssalto und landete elegant und extrem entspannt auf den Füßen und lief lächelnd weiter – halt! Nein – tatsächlich, genau so fand es statt, aber leider in einem Paralleluniversum; nicht in dem meinen.

Wenige Wörter zuvor. „…und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken – nur für einen Bruchteil in der Sekunde und ja, diese Erinnerungen an all das Geübte nutzten mir weniger als nichts, denn rasanter als ich denken konnte, vollzog ich die Wendung aus dem Laufschritt bei einer geschätzten Geschwindigkeit von 12/13 Kilometern pro Stunde in den alles andere als elegant aussehenden Bauchklatscher und landete entsprechend unsanft auf unebenen Boden, der mit zahlreichen Wurzeln und Steinen garniert war. Jene von mir neu entwickelte Technik taufe ich auf den Namen: „Nasser Sack“. Partiell lädiert und etwas verärgert über meine Ungeschicklichkeit setzte ich meinen Lauf ungeachtet dessen fort. Der nächste Sturz wird folgen. – –

Themenwechsel. Am 09.12.2013 durfte ich hier verkünden, daß ich meinen 300. Regenlauf vollzogen habe – gerechnet ab dem 01.01.2000. Nun, heute ist es erneut so weit – aus der Zahl 300 wurden mittlerweile 400 Regenläufe. Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen von beachtlichen Starkregen, den ich durchaus bedenklich bewertet habe – den Laufkontext lasse ich für diesen einen Satz außen vor. Heute morgen obsiegte nach wie vor eine gehaltvolle Finsternis, wenngleich der Starkregen sich nicht mehr die Ehre gab. Nichtsdestotrotz waren die Witterungsbedingungen diesem honorigen Jubiläum durchaus angemessen und selbst die Eingangspforte des lieblichen Waldes hatte sich gravierend verändert, denn anstatt des gewohnten Pfades erspähte ich einen kleinen See und in diesem Stil setzte sich mein 400. Regenlauf fort. Schlußendlich lasse ich meine eigenen Worte sprechen…

…und sofort umarmt mich eine Windböe, die mich in eine andere mentale Atmosphäre entführen will, was ihr auch liebkosend gelingt. Vollzogene Verführung.

Gewaltige Flotten von Wolkengaleonen präsentierten sich in einer prächtigen Parade – auf facettenreichen Graunuancen basierend – und demonstrierten der entfernten Erde ein kräftiges Regenkonzert. Eine bis in das kleinste Detail abgestimmte Symphonie, welche stakkatoartig die Regentröpfchen in die winterliche Welt entließen. Einmalig komponiert – eine Ode an das Leben. Bedecktes Land. Leere Weite. Ungestüme Freiheit. Beherrschende Einsamkeit, trotziger Regen und leiser Sturm arbeiteten Hand in Hand und hielten jeden aufmüpfigen Besucher von meiner Welt entfernt, was ich sehr zu schätzen wußte. Die Tiefe des Waldes wirkte durch die konzentrierten Regentröpfchen weitaus finsterer als es sonst die Regel ist. Eine aussichtslose Dunkelheit streckte ihren Arm nach mir aus – ich wehrte mich nicht – sie umarmte mich und zog mich in den schwarzen Wald. Ein sehr nachdenklicher Lauf, durchwoben von Melancholie und Freude – die unterschiedlichsten Gefühle. Begegnungen wie die heutige reißen mich aus der Routine und offenbaren, wie fragil die Endlichkeit doch ist. Ich habe unverschämtes Glück, daß ich schon so lange täglich laufen darf. Wir sollten jeden einzelnen Lauf genießen, wer weiß, was das Leben für uns noch bereithält.

Surreale Wintersonne

Posted in Photos, Täglichlaufen. Laufalltag. on 7. Februar 2017 by Täglichläufer

Erhaben thront die rotgoldene Wintersonne am unendlichen Firmament und sendet lächelnd ihre zarten Strahlen unablässig in die erstarrte Natur hernieder, welche dieses hehre Ansinnen mit kristallinen Funkeln goutiert und für den sensiblen Beobachter eine kongeniale Symbiose generiert. Strahlend weist sie mir den Pfad durch das natürliche Habitat und wartet mit traumhaften Impressionen auf, die freilich ihresgleichen suchen. Tief unter dem wundervollen Strahlenzepter obsiegte eines Morgens eine nachhaltige Nebelwand, die jedwedes Leben liebevoll umhüllte und nimmermehr hergeben wollte, ja – eingeschlossen für alle Zeiten in ein greifbares Traumreich der Illusionen.

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Ich laufe und laufe und genieße sehr intensiv dieses einzigartige Schauspiel, wenngleich meine Augen den geringsten Anteil daran haben; denn wahres Fühlen und wahrer Genuß kann nur im tiefsten Innern entstehen. Jählings registriere ich, daß ich beobachtet werde und erspähe zu meiner Rechten drei Rehe, die mich erst beobachten und dann von dannen traben, bis ich sie beruhigend anrufe und ja, wie gewohnt bleiben sie stehen und lassen mich vorsichtig in einiger Entfernung passieren. Schlußendlich stehen die edlen Rehe versetzt in einer Reihe, vereinen sich schemenhaft mit den Nebelgewändern und verschwinden unmerklich aus dieser Welt, indessen die surreale Wintersonne den immerwährenden Konflikt mit der Finsternis für diesen Moment aufgibt und den Rehen folgen wird. Doch der Zeitpunkt ihrer Rückkehr steht längst festgeschrieben, in den Annalen des Lebens. Meine Wenigkeit folgt jenem Vorbild und so verliere ich mich selbst in der nebelhaften Einsamkeit und ziehe ebenso von dannen.

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Meine liebe Inge, Dir gebührt an dieser Stelle mein herzlichster Dank für das Bereitstellen der grandiosen Photos, denn wie stets gilt während meines Täglichlaufens – die Welt für eine Kamera!