Archive for the Täglichlaufen. Laufalltag. Category

Besuch daheim

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 30. Mai 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Eine Qual. Nein, natürlich nicht – dennoch muß ich gestehen, derzeit ist es mir keine Freude. Meine Lieblingspfade sind nachhaltig zugewachsen und haben einen Dschungelcharakter angenommen und da ich keine Ambitionen hege, mich mit Zecken zu plagen, meide ich diese Wege. Zudem haben sich Myriaden von Mücken in meinen Wäldern niedergelassen und wenn die elende Hitze noch nicht anwesend ist, so freue ich mich aktuell, wenn der tägliche Lauf beendet ist. So auch heute, keine 300 Meter fehlten zum Zielpunkt, als ich ungefähr acht Meter vor mir eine Bewegung gewahrte – wohlgemerkt in meiner heimatlichen Straße.

Kurz nach acht Uhr erspähte ich sie also; drei dicke, große Wildschweine – direkt vor mir. Ich blieb stehen und beobachtete Familie Schwarzkittel – das erste Mal seit Januar und dann faktisch vor der Haustür. Vor oder zurück? Das ist hier die Frage! Ich rief sie an, damit sie den Weg räumen – schließlich bin ich Täglichläufer, der keine Lust auf einen Umweg hat. Keine Reaktion. „Och Leuuuuute – Halloooooo!“. Keine Reaktion. Gelassene Ignoranz seitens der Wildschweine. Sie legten eine Contenance an den Tag, die ihresgleichen suchte und blickten nicht mal in meine Richtung. So blieb mir also keine Wahl, kehrt Marsch, um meinen heutigen Laufumfang um einen Kilometer zu erhöhen, obwohl ich eigentlich fast zu Hause war. Besuch daheim. Fortsetzung folgt. Vielleicht.

Eine neue Freundin

Posted in Beobachtungen, Täglichlaufen. Laufalltag. on 9. Februar 2020 by Täglichläufer

Bisamratten leben seit Jahren in meinem Laufareal; im Wasser habe ich sie wiederholt beobachten dürfen. Vor wenigen Tagen unterbrach ich meinen Lauf – der Weg war durch mehrere Graugänse verlegt – und so traten wir in einen Dialog und schlußendlich entschieden sich die Putzels, gemächlich das Wasser aufzusuchen. Ich entschuldigte mich für die ungebührliche Störung und wollte weiterlaufen, als ich jählings eine Bewegung gewahrte und ein dunkelbraunes Etwas flüchtete und schwamm im Wasser von dannen – eine Bisamratte! Von wirklicher Flucht kann eigentlich nicht die Rede sein, sie bewegte sich eher langsam.

Nur einen Tag später erspähte ich sie wieder – an der gleichen Örtlichkeit, an Land – und wie gewohnt, sprach ich sie sofort an. Und ihre Reaktion? Keine! Sie guckte zwar neugierig, knabberte dann aber ungerührt weiter und dachte gar nicht daran, sich von mir zu entfernen. Dieses Spiel erlebte ich mehrere Tage hintereinander; zuletzt heute früh. Ich bin geneigt anzunehmen, daß es sich hierbei um Frau Bisam handelt, denn Männchen sind grundsätzlich eher ängstlich und feige. So saß sie heute zwei Meter neben mir und gab sich dem Frühstück hin, indessen ich sie beobachte, wenngleich nur kurz – letztlich störe ich doch. Dennoch, so darf ich mit Frau Bisam eine neue Freundin in meinen tierischen Reigen aufnehmen. Ich freue mich auf unsere nächste Begegnung – morgen.

Oh Wunder

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 9. September 2019 by Täglichläufer

Der heutige Tagesbeginn hat nachhaltig die Existenz oder Möglichkeit von Wundern bewiesen, denn tatsächlich regnete es und oh Wunder, selbiger obsiegte während meiner kompletten Laufzeit und selbst jetzt gießt es noch. So durfte ich nach zwei Monaten harter, fürchterlicher Abstinenz, die nassen Witterungsmächte im Laufschritt preisen. Freilich mußte ich diese Begebenheit erst im Lexikon nachschlagen, da ich die wundervollen Niederschläge erst mit Schnee verwechselte – man möge mir meine naive Unwissenheit nachsehen, doch in meinem Laufareal wird derzeit die entsprechende Zertifizierung betrieben, um als Wüste anerkannt zu werden.

So ist der 12. Regenlauf in diesem Jahr und der 455 insgesamt ein Wunder für mich. Möge es die nächsten Tage dauerregnen – die Natur hat es mehr als nötig. Und ich nicht minder!

Blutzoll

Posted in Photos, Täglichlaufen. Laufalltag. on 27. April 2019 by Täglichläufer

Mit dem heutigen Tage hat auch der Kuckuck den Frühling endlich offiziell begrüßt – drei Tage später als in dem vergangenen Jahr. Leider nahm er meine Einladung bezüglich eines Phototermins nicht an; so ziehen an dieser Stelle nun andere gefiederte Freunde von mir hier ein.

Abschließend sei mir noch der Hinweis gestattet, daß nun der ideale Zeitpunkt gekommen ist, um als Anfänger sich dem Laufen zu verschreiben. Man kann noch so lustlos oder demotiviert sein – Heerscharen von Lauftrainern harren derzeit in den Wäldern auf dankbare Läufer, Täglichläufer. Der Preis für zwei Sekunden Anhalten beträgt aktuell zwei bis drei Mückenstiche – der Wert kann sich je nach Örtlichkeit erhöhen. Und selbst im Laufschritt ist man nicht davor gefeit. In diesem Sinne, wer schneller läuft, vermindert den Blutzoll.

Über Graugänse

Posted in Pro Natur, Täglichlaufen. Laufalltag. on 26. Februar 2019 by Täglichläufer

Wie bei allen Lebewesen besitzt eine jede Graugans ihren ureigenen Charakter. Manche sind mutig, entspannt in sich ruhend; andere scheu, schüchtern – doch neugierig sind sie alle. Derzeit sitzen sie jeden Morgen direkt auf meiner Laufstrecke und zeitweise drehe ich wieder ab, um sie nicht zu stören. Je näher man ihnen kommt, desto lauter und intensiver ihr Rufen. Der Zeitpunkt ihres Abfluges läßt sich genau berechnen, wenngleich sich die meisten Gänse durch mein Anreden beruhigen lassen. Oft unterbreche ich meinen Lauf und halte meine gewohnte Ansprache, indessen die zuvor Schimpfenden gemächlich den Damm verlassen, um mir eine freie Passage zu gewähren – als ob ich den süßen Putzels etwas antun könnte!

Schlußendlich dürften mich nahezu alle Graugänse kennen – nur wenige ziehen in den Süden und das Gros überwintert hier und täglich begegnen wir uns und führen wir unsere Gespräche – seit vielen Jahren. So näherte ich mich heute der großen Wiese – in ihrer grünen Mitte verläuft mein Pfad – und vor mir erspähte ich vielleicht 150 oder 200 Gänse; sitzend, stehend oder mit den Flügeln schlagend. So lief also die schwarze Gestalt mit 12 Kilometern pro Stunde direkt auf die Gänseschar zu – nun dürfte man annehmen, daß sie in einem Schwarm jählings von dannen ziehen. Mitnichten!

In einem gebührlichen Abstand erhob ich bereits meine Stimme und nur wenige Gänse überhaupt antworteten mir. Die Kolonie teilte sich in der Mitte und die Graugänse watschelten nach links und rechts und räumten den Weg im Zentrum, durchaus mit einer würdigen Ruhe – jeder Notfallsanitäter wäre über diese „Rettungsgasse“ freilich begeistert. Nun, der Mensch hat halt nicht den Intellekt einer Gans. Nicht ein Vogel flüchtete und ich lief mitten durch die zahlreiche Gemeinschaft – natürlich immer meinen üblichen Monolog vortragend. Ich muß gestehen, ich genieße diese für mich einzigartigen Momente des Lebens – denn dieses Vertrauen, welches mir die Wildvögel entgegen bringen, betrachte ich keineswegs als Selbstverständlichkeit; schließlich bin ich ein Vertreter der bösesten Spezies, die der Planet Erde je erleben mußte. Allein sie wissen genau, ich bin alles andere als eine Bedrohung und ja, wir verstehen uns. Nie würde ich sie auch nur im Ansatz enttäuschen. Meine lieben Freunde, wir sehen uns morgen wieder!

Wir werden keine Freunde mehr

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 14. Dezember 2018 by Täglichläufer

Die Macht der Dunkelheit thronte nur noch eingeschränkt zu dieser Zeit; nur zu gern bereit das temporäre Zepter in die graufinsteren Morgenhände zu übergeben. Meine tägliche Strecke entlang der Hauptstraße währt in der Tat nur einen Moment und doch finden jene Sekunden mehrheitlich konzentriert statt – um die strömenden, blendenden Blechvehikel zu ignorieren – und so schottet mein Geist das nahe Umfeld in einem relativen Rahmen ab. Versunken in der Konzentration, den nahen Wald erlösend erwartend.

Nur noch wenige Meter, bis ich die lärmende Lichterwelt rechts liegen lassen darf. Jählings nähert sich blaues Licht mit hoher Geschwindigkeit – ein Rettungswagen. Die Welt strahlt blau, reflektiert und spiegelt sich allenthalben. Der ausgeprägte Verkehr wandert in Wellen, ebbt in diesem Augenblick ab. Als subjektiver Betrachter erkenne ich keine Indikation, die Sirene aktivieren zu müssen. Doch dann passiert es unerwartet – exakt auf meiner Höhe – wo auch sonst? – vielleicht ein Meter neben meiner Person. Eine extreme Supertröööte, die Tote erwecken könnte. Im Anschluß setzte wahrscheinlich mein Herz für eine Mikrosekunde aus, ich zucke derart zusammen und wage einen gefühlten Sprung von sechs Metern nach oben; jedes Eichhörnchen würde vor Neid und Ehrfurcht erblassen, um völlig konsterniert und verschreckt weiterzulaufen. Entsetzlich.

Ja, schrecklich! Immerhin sah ich den Rettungswagen kommen; wäre er von hinten gekommen – mit dem gleichen Spiel – intensiviert sich alles um das Vielfache. Auch dies erlebte ich wiederholt. Wohl wahr, wir werden keine Freunde mehr.

Mickey Mouse!

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. November 2018 by Täglichläufer

Der Tagesbeginn zeigte sich von seiner graufinsteren Lieblichkeit, zärtliche Sturmböen tanzten vereinzelt bei ungefähr 0 °C durch die einsamen Wälder. Mein heutiger Lauf war noch jung, als ich ihn unterbrechen mußte, um meinen lieben Freund Leo zu begrüßen und ihn kurz zu streicheln – wie könnte ich den goldigen Golden Retriever auch ignorieren? Obwohl mich sein Besitzer seit Jahren kennt, mich nahezu täglich laufen sieht und meine Kleiderwahl keine neue Erkenntnis für ihn sein dürfte, kam er doch sogleich auf meine Handschuhe zu sprechen. Offenbar ist er für dieses Jahr noch nicht daran gewöhnt.

Nun, ich gebe es zu, meine Hände sind empfindlich und bei 0 °C gehören Handschuhe in der Regel zum Pflichtprogramm innerhalb meines Täglichlaufens. Der Hundehalter sinnierte für einen Moment, strahlte mich sodann an und sagte zu mir: „Die kurzen Hosen! Das T-Shirt! Dazu die Handschuhe – das hat etwas Mickey Mouse-artiges“. Waaas vernahmen meine erstaunten Ohren? Da laufe ich bei diesen Temperaturen in kurzer Bekleidung und halte mich für den coolsten Typen überhaupt und nun höre ich, ich sehe aus wie Mickey Mouse? Skandal! Ich verlange Satisfaktion! Ein Duell! Oder wenigstens eine Klage auf Ehrverlust!

Im Ernst, ich mußte laut lachen ob dieses Vergleiches und ja, natürlich hat er Recht. Diese Ähnlichkeit läßt sich wahrlich nicht leugnen. Wieso kam ich nicht schon früher darauf? Als ich später nach meiner Rückkehr eine Nachrichtenseite besuchte, sprang mich sofort eine Werbung mit Minnie Mouse an. Wäre ich ein gläubiger Mensch, so würde ich das als Zeichen interpretieren. Wie dem auch sei – seit heute bin ich wohl die täglichlaufende Mickey Mouse. Das Leben hat Humor.