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Täglichlaufen – Streakrunning. Ein Trendsport?

Posted in Täglichlaufen. Trendsport? on 16. Dezember 2008 by Täglichläufer

Ich beobachte vermehrt, wie Täglichlaufen partiell zum Trendsport avanciert. Mit der Konsequenz, daß mehr Menschen sich damit auseinandersetzen, sei es, um dadurch abzunehmen oder aber weil sie denken, „Das kann ich doch auch!“. Die Gründe mögen vielfältig sein; im folgenden Beitrag beschränke ich mich nur auf diese beiden Punkte.

Täglichlaufen als Trendsport? Nach meiner Auffassung funktioniert das nicht. Allein schon der Willen, den Lauf täglich in den Tag unterzubringen, artet oft in einer Herausforderung aus und ist Welten von einem Trend entfernt. Zeit, Organisation, persönliches Wohlbefinden, das familiäre Umfeld, Beruf und zahllose weitere Aspekte bedingen diese Konzeption. All jene Punkte basieren zudem auf einer stabilen Gesundheit als Fundament. Glücklicherweise wirkt sich Täglichlaufen positiv auf Körper und Geist aus. Entschließen sich Anfänger dennoch mit dem Täglichlaufen zu beginnen – oft ohne darüber nachzudenken, was sie erreichen wollen und ob es überhaupt sinnvoll für sie wäre – werden sie mit Anfeindungen aus einer verständnislosen Welt konfrontiert. Wer das erfolgreich ignoriert und sich nicht beirren läßt, wird erstaunt sein, wie unspektakulär der tägliche Lauf an sich vonstatten geht. Weiterhin erfährt der Praktizierende ein viel bewußteres Wahrnehmen der Zeit. Man registriert sensibler, wie sie nur so in die Vergangenheit rast.

Wenn die Anfänger dann beispielsweise 150 Tage in Serie absolviert haben, fühlen sie sich wissend und unterschätzen die facettenreiche Thematik, die sie zu diesem frühen Zeitpunkt freilich nicht im Ansatz überblicken können. Die Herausforderungen steigen mit den Jahren – doch wissen wird man nie genug. Langsam aber sicher zieht eine leise Routine ein, welche die Täuschung weiter forciert. Die nächste Schwierigkeit manifestiert sich in einer Art „Druckentwicklung“. Der Druck auf Ruhetage zu verzichten, kann mental sehr belastend sein. Man muß das Täglichlaufen ernst nehmen, ohne es zu ernst zu nehmen. Mit Leidenschaft lieben – ohne sich darin zu verlieren. Letztendlich genau das Gegenteil eines Trendsportes. Ein „Nachahmen“, weil es als „Trend“ deklariert wird, ist ein inkorrekter Ansatz, eine Laune, die sich selbst ad absurdum führen wird. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Täglichlaufen als Mittel zur Gewichtsreduktion? Täglichläufer können ihr Gewicht sehr gut durch diesen Stil kontrollieren. Natürlich kann man auch als Anfänger Täglichlaufen zum Abnehmen instrumentalisieren. Ich stehe dem jedoch ambivalent gegenüber, da sich anhaltendes tägliches Laufen konträr zur Intention einer kurzfristigen, dafür eklatanten Gewichtsreduktion verhält – als angestrebtes Primärziel. Ein maßvolles, sinnvolles und vor allem nachhaltiges Abnehmen ist ein langsamer Prozeß. Den Körper auf eine längere Täglichlaufserie einzustimmen, setzt ebenfalls eine behutsame Intensität voraus. Es ist unzweckmäßig schnell abzunehmen – täglich zehn oder mehr Kilometer zu laufen, ist als Anfänger allenfalls nur kurz optional. Langfristiges Täglichlaufen wird dadurch konterkariert, wenn es auch erst nicht den Anschein hat. Der Körper indes, merkt sich sehr genau, was ihm widerfährt – und wird früher oder später adäquat reagieren.

Konstantes Täglichlaufen kann man weder versuchen noch eignet es sich als Trendsport oder als probates Mittel zum Abnehmen für Laufanfänger. Auch für mich ist jeder Lauf neu – ich weiß nie, was mich erwarten wird. Eines habe ich gelernt, ich werde es definitiv nicht unterschätzen. Man muß es lieben und leben. Es bietet keinen Raum für einen launigen Trend.

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