Archive for the Gedichte & Zitate Category

Ranidae

Posted in Fauna, Gedichte & Zitate, Photos on 2. September 2014 by Täglichläufer

Nun, es ist mitnichten eine weltbewegende Neuigkeit, daß ich ein großer Freund und Bewunderer von meinen lieben Froschels bin – wie einst schon der ehrwürdige Geheimrat vor mir. Und so bleibt mir nur, das Wort an den Meister abzugeben und mich auf fundierte Photobeweise zu beschränken. So sei es.

2014_August Froschels_01
2014_August_Froschels_02
2014_August_Froschels_03
Ein großer Teich war zugefroren,
die Fröschlein in der Tiefe verloren,
durften nicht ferner quaken noch springen,
versprachen sich aber im halben Traum,
fänden sie nur da oben Raum,
wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
nun ruderten sie und landeten stolz
und saßen am Ufer weit und breit
und quakten wie vor alter Zeit.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Weihnachten. Einklang & Harmonie.

Posted in Allgemein, Gedichte & Zitate on 22. Dezember 2012 by Täglichläufer

Oh du kostbares Jahr, wo bist du nur geblieben? Soeben hast du dich verhalten aus dem wehenden Vorhang der Zukunft hervor geschält, um sodann lächelnd in die Vergangenheit einzutreten und das mit einer konsequenten Rasanz, die einmal mehr ihresgleichen sucht. In wenigen Tagen wirst du dein vergängliches Leben endgültig aushauchen und still für immerdar versiegen. Fürwahr, so vergeht alles im Sein und nichts wird überdauern. Grund genug, das Konstrukt „Zeit“ – der ich mit meinem Täglichlaufen sehr verbunden bin – mit einer Anekdote hochleben zu lassen. – – Leiser Schneefall. Behaglichkeit. Wärme. Stille. Harmonie. Kristalline Flocken kleiden Äste im finsteren Hain samtartig aus. Draußen vor der Tür, dort harrt es regungslos; wartet ungestüm – das diesjährige Weihnachtsfest. In Einklang und Harmonie vereint, begehen wir die feierlichen Tage im Kreis der geliebten Familie und genießen die Feierlichkeiten bei Kerzenschein und dem prasselnden Kaminfeuer. An die Wand geworfene sich bewegende Schatten, die fröhlich bedrohlich oder melancholisch hin und her tanzen und seltsam surreale Gebilde generieren. Wohlduftende Gerüche, die die Sinne beleben und an die längst vergangene Kindheit erinnern. Wohlige Geborgenheit. Das Fest der Liebe, der Besinnung und der Sanftheit. Oder auch Momente voller Streß, Hektik und Streit. Alles ist möglich und in den meisten Fällen liegt es nur an uns, wie wir damit umgehen.

Für viele Menschen ist Weihnachten der absolute Höhepunkt im Jahr – können es kaum erwarten – während andere wiederum Angst vor dieser Zeit haben. Für Alleinstehende, Einsame oder für jene, die geliebte Angehörige für immer verloren haben und die nie wiederkehren werden, wirkt das Familienfest freilich traurig. Auch im jenem Kontext, daß die heutigen Lebensformen nicht mehr den vorhergehenden Generationen entsprechen. Althergebrachte Traditionen der Altvorderen verblassen mehr und mehr. Sozialer Zusammenhalt verflüchtigt sich allenthalben und wird vielerorts bewußt negiert. Die Feiertage stellen eine Besonderheit dar, dennoch, auch sie werden von Höhen und Tiefen bestimmt – äquivalent unser Dasein und das Leben an sich. In jedem Fall wird die monetäre finale Konsumschlacht des Handels nun ihren bedeutendsten Sieg erringen und engagiert mit allumfassender Vehemenz verteidigen. Welch närrischer Irrtum. Wahre Geschenke kann man nicht kaufen. Wer kann schon Gesundheit, Liebe und Zufriedenheit käuflich erwerben? Kommerz, Kommerz über alles; Geld über alles in unserer einfältigen Menschenwelt, schnöder Mammon uns stets brüderlich im Zeichen der Heuchelei zusammenhält! – alle Jahre wieder das getreue Motto unserer törichten Gesellschaft. Doch so, wie wir es wollen und auch verdienen. So sei es.

Meinen geschätzten Kommentatoren wünsche ich ein gehaltvolles Weihnachtsfest innerhalb der Familie, welches von Liebe, Frieden und Harmonie dominiert sein möge. Ein ruhiges Weihnachtsfest mit vertrauten, geliebten Menschen, getragen von einer atemberaubenden Stille der Behaglichkeit in einer friedlichen Atmosphäre. Und nicht vergessen, zum Thema Weihnachtsschmaus, wer viel läuft, darf mehr essen. Wer täglich läuft, darf noch mehr essen. Ohne Reue. 😉 Möge das kommende, noch nicht geborene Jahr glücklich werden oder zumindest von belebender Gesundheit geprägt sein – denn nichts, aber auch gar nichts könnte wichtiger sein.

2012_Dezember_Schneefall

Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel früher zum Treffpunkt gekommen. Er verstand sich schlecht aufs Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.

Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: „Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an deine Jacke. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.“

Der junge Bauer nahm den Zauberknopf und drehte. Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen:

„Wenn wir doch schon allein wären!“

„Wenn unser neues Haus fertig wäre!“

Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlten noch die Kinder und er drehte schnell am Knopf. Dann kam ihm Neues in den Sinn und er konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, daß das Leben an ihm vorbei sprang, und ehe er sich versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett.

Er merkte, daß er schlecht gewirtschaftet hatte. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, daß auch das Warten des Lebens wert ist. Und er wünschte sich die Zeit zurück.

(Heinrich Spoerl)
Arme Leute

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit auf das weit entfernte Land, um ihm zu zeigen, wie unsäglich arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf der Farm einer sehr armen Familie.

Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: „Wie war nun dieser Ausflug?“ „Sehr interessant!“ sprach der Sohn. Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?“ „Oh ja, Vater, das habe ich gesehen.“

„Was hast du also gelernt?“ fragte der Vater. Und der Sohn antwortete: „Ich habe gesehen, daß wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Laternen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.“

Der Vater war sprachlos.

Und der Sohn fügte noch hinzu: „Danke Vater, daß du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.“

(Philip E. Humbert)

Eine Hommage von Herzen

Posted in Fauna, Gedichte & Zitate, Photos on 8. November 2012 by Täglichläufer

Wohlan, die Zeit ist reif, um einige meiner lieben Freunde stellvertretend in bildhafter Komposition zu würdigen. Auch sie gehören mit Fug und Recht zu den ehrbaren Vertretern der Täglichläuferzunft. Oh, welch ein Fauxpas meinerseits – schrieb ich tatsächlich Täglichläufer? Nun, freilich muß es in diesem exponierten Beispiel Täglichflieger heißen! Ich bin geneigt anzunehmen, daß sie meine Entschuldigung edelmütig goutieren werden. Sollte ich mich einem Irrtum hingeben, leiste ich selbstredend gerne Abbitte. Ihre Namen muß ich nicht explizit erwähnen, schließlich zählen sie zu den fliegenden Berühmtheiten. Wiederholt wurde mir die seltene Ehre zuteil, jene herzigen Gesellen in den Händen zu halten. Ein wunderbares Gefühl, wenn diese zarten wie filigranen Gesellen derart viel Vertrauen aufbringen und sich temporär in menschliche Hände begeben. Von ihren unnachahmlichen Sangeskünsten, die ihresgleichen suchen und die sie alljährlich in künstlerischer Form darbieten, will ich gar nicht reden. Es ist leise geworden – in meinem lieblichen Hain der beredten Stille – aber nicht für immer; bald beginnt es erneut, der Kreislauf des Lebens. Doch begleiten werdet ihr mich auch zukünftig täglich – und ich euch.

Der Vögel Abschied

Ade, ihr Felsenhallen,
Du schönes Waldrevier,
Die falben Blätter fallen,
Wir ziehen weit von hier.

Träumt fort im stillen Grunde!
Die Berg stehn auf der Wacht,
Die Sterne machen Runde
Die lange Winternacht.

Und ob sie all verglommen,
Die Täler und die Höhn –
Lenz muß doch wiederkommen
Und alles auferstehn!

(Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff)

Tanzende Sturmreiter der genußvollen Entfaltung

Posted in Gedichte & Zitate, Täglichlaufen. Laufalltag., Täglichlaufen. Laufberichte. on 8. Oktober 2011 by Täglichläufer

Die bereits von mir erwähnten herbstlichen Sendboten wurden allesamt zurückbeordert, stattdessen zog der würdige Tross des omnipotenten Witterungsregenten in die liebreizenden Haine ein und der Truchsess persönlich bestieg einstweilen den Thron der allumfassenden Wettergewalt – bis dereinst der frostige Winter höchstselbst das kostbare Zepter der Witterung übernehmen wird. In der logischen Folge erlebte ich einen Temperatursturz, so daß ich innerhalb weniger Tage eine Reduktion von 25 °C auf 07 °C akzeptieren mußte. Nach einem Lauf führte ich vor kurzem mit einem Nachbarn ein Gespräch, währenddessen ich eine lebende Dampfsäule spielte. Welch Wandel! Der Wandel der Jahreszeiten, den ich stets ein wenig wehmütig begehe und doch, ich freue mich und harre der neuen Jahresebene, die sich nun reiz- wie genußvoll entfalten wird. So sei es. Weiterhin hat jetzt die Phase begonnen, in der ich von den Passanten nicht mehr ob meiner täglichen Präsenz wahrgenommen werde, sondern auf Grund meiner Bekleidung.

„Der läuft ja in kurzen Sachen!“. Unerhört! Wie kann ich nur bei sieben Grad in kurzer Bekleidung laufen? Doch halt, wie sehen jene aus, die das sagten? Wie sind sie gekleidet? Ohne Worte. Und dort! Eine Laufgruppe – ein schweifender Blick genügt mir und ich weiß sofort, daß ich es mit Sportlern aus dem sibirischen Austauschprogramm zu tun habe: Mütze, Jacke, lange Hose und Handschuhe. Was sagte das Thermometer? Sieben Grad. Der Kalender? Oktober. Ohne Worte. Ich gestehe, ich freue mich jetzt schon auf die Blicke, wenn ich bei -03 °C in kurzer Hose und T-Shirt laufe. Lieber Heinrich Heine, du hast so Recht: „Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet…“.

Ein rauschender Wind peitscht beharrlich durch das Leben, etabliert Blätterstürme, reißt sie mit sich, hoch hinaus tragend – um sie dann gelassen hernieder gleiten zu lassen. Eine Choreographie der fragilen Lieblichkeit. Die prächtigen Wälder bieten indes eine farbenfrohe Melange allenthalben, derweil sie gleichzeitig jedwede Pfade knisternd mit Blättern ausstaffieren, die längst dem Tod anheim gefallen sind. Hier und dort hat ein riesiger Baum sein Leben ausgehaucht, wieder einmal. Ich genieße die kraftvolle Intensität des Herbstes und übertrage sie bedingungslos auf meinen Lauf und lebe auf. Während meine Augen schweifen und ich die Mannigfaltigkeit der Natur aufsauge und tief fühlend interpretiere, frage ich mich, wie viel Bäume ich in den letzten Jahren habe sterben sehen. Leben, um zu sterben. Plötzlich zieht ein Gedicht in meinem Geist vorbei, die Bäume dienten als Herleitung und als preußischer Täglichläufer kann ich nur noch schmunzeln.

Das Examen

Als Preußen erworben die Pollackei,
da war sie nur Heide und Wüstenei,
und Oberförster fehlten so sehr;
da nahm der Fritz Offiziere her,
Altgedient, Invaliden auch,
die mußten lernen des Amtes Brauch;
dann hat er selber sie inspiziert,
und wer bestand, war examiniert,
der ward als Oberförster bestallt
und hatte sein Leben im grünen Wald.
Vor dem Examen hat manchem gegraut,
der ruhig dem Tode ins Auge geschaut!

Ein Kürassier, ein Zorndorfer Held,
ward auch, auf Probe, so angestellt!
Wohl schöner ein Sturm auf die Batterien,
als Holzverkaufen und Föhren ziehn!
Doch hat er ein Weib und der Buben drei,
nur schmales Gehalt, das reicht kaum für zwei.
Nun harrt er des Königs, sein Herz ist schwer;
Da rasselt von ferne die Kutsche einher.
Herr Pfund, der Kutscher im Tressenrock,
sitzt würdevoll und ernst auf dem Bock.

Der König sieht lange ihn forschend an,
durch und durch, wie der Fritz es nur kann.
„Wieviel Bäume hat Er in seinem Revier?“
„Zwei Millionen sechshundert und vier!“
„Stimmt’s auch?“ – Der Fritz eine Prise nimmt.
„Majestät lasse zählen, gewiß, es stimmt!“
„Herr Oberförster! Er weiß Bescheid!
Pfund, fahr‘ Er zu, ich hab‘ keine Zeit!“

(Georg Joseph von Kries)

Ja, ich laufe lachend zu, gleichwohl ich die Idee im Kontext einer etwaigen Feststellung der Anzahl der Bäume verwerfe. In der Ferne ziehen die graudunklen Wolken am Horizont in die Vergänglichkeit. Blaue Fenster entstehen im Nichts, zollen den Sturmreitern ihren Tribut und verbergen sich scheu vor der strahlenden Sonne. Und Mutter Sol? Sie konzentriert sich vollends auf einen edlen, stolzen Bussard, der hoch oben in der Baumkrone thront – sein weißer Bauch leuchtet erhaben weit in die Welt hinein. Ich selbst bin von diesem wunderbaren Wesen entzückt wie fasziniert. Mittlerweile intensivieren sich die ungestümen Sturmböen mehr und mehr, wenngleich der Regen leider ausbleibt. Mit überragender Stärke scheinen sie mich am Weiterlaufen hindern zu wollen, doch gelingt ihnen das freilich nicht. Jeweils für einige Meter schließe ich meine Augen und lasse mich treiben, vernehme nur noch das allgewaltige Rauschen der Böen. Und fühle. Was für ein Lauf! Was für ein Tag! Genuß par excellence.

Die verlassenen Wälder laden ein zum Tanz der greifbaren melancholischen Einsamkeit und diesem Tanz gebe ich mich nur zu gerne hin. In der Abgeschiedenheit mein Täglichlaufen zu praktizieren, ist eine besondere Gnade. Wobei das Laufen nur von sekundärer Natur ist, Genießen mit allen Sinnen und mit dem Herzen fühlen, steht im Vordergrund. An zahlreichen Örtlichkeiten im tiefen, partiell unzugänglichen Forst erkenne ich die Aktivitäten einer gut befreundeten Familie. Wir sind im Geiste verbunden, schließlich agieren wir mit gelebter Hingabe – ich mit meinem Täglichlaufen und Familie Schwarzkittel mit kompetenten Tunnelbau. Für einen unbedeutenden Moment wird meine geliebte Einsamkeit doch noch konterkariert. Zwei Nordic-Walkerinnen manifestieren sich aus dem Nichts heraus; unverzüglich weichen die Damen nach links wie rechts aus, ich laufe zwischen beiden hindurch, grüße und wünsche lächelnd viel Spaß, welches die Sportlerinnen sehr freundlich erwidern.

Ich passiere den Auftakt meines Dammes, der im goldenen Sonnenlicht den windigen Kräften trotzt. Unmittelbar im Fokus des konzentrierten Lichtes wirkt die Natur wie im schönsten Sommer, aber je weiter die Strahlen in den Hain dringen, desto mehr verlieren sie an Deutlichkeit; entsprechend das farbintensive Grün, welches in diversen Schattierungen dunkler und finsterer wird. Ein Symbol für den Wandel des Lebens, Sommer und Winter in einem temporären Augenblick der Existenz vereint. Bevor sich dieses fragile Konstrukt endgültig auflösen wird, verlasse ich den Wald mit großen Laufschritten; ich lasse mich von den rauschenden Böen mitreißen. Der heutige Lauf war ein wahrer Traumlauf, allein belebender Regen hätte dieses Geschenk krönen können. Mein lieber Herbst, ich heiße dich von Herzen willkommen. Täglichläufer! Lauf Er zu!

Sternengleicher Funken der Anmut

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos on 14. Juni 2011 by Täglichläufer

Die edle, stille Herrlichkeit im Weltgesang setzt sich fort; wandelt sich in einen magisch schimmernden Funken der Anmut. Sternengleich. Die Klaviatur des Lebens erstrahlt im prachtvollen Glanz; jetzt, hier und für immerdar. Und doch wieder schweigend, schweigend!

Aus vielen Blumen steigt ein weher Ton
Zu mir empor, sobald man sie geschnitten;
Denn über manchen liegt ein Welken schon,
Und andrer Duft ist wie ein bloßer Fron,
Und wieder andrer wie verspätet Bitten.

Doch jene Blumen, die du mir heut Nacht
Voll Übermut gepflückt in fremdem Garten,
Die haben so gejubelt und gelacht,
Daß weder ich noch sie daran gedacht,
Welch Stunden müden Welkens ihrer warten.

Eleonore Kalkowska

Edle, stille Herrlichkeit im Weltgesang

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos on 8. Juni 2011 by Täglichläufer

Ein Beitrag fern des natürlichen Täglichlaufens. In den zentralen Fokus erhebe ich den floralen Hauch der edlen und gleichsam still schweigenden Herrlichkeiten im Weltgesang. Welch beruhigende, belebende Pracht! Leise erhaben lächeln sie über unsere törichte Welt und verführen mit stilvollen Reizen, die eine ureigene Faszination für den aufmerksamen Beobachter entfalten. Die unbedeutende, einsame Blume der Melancholie am Rand des Weges – in ihr leben ganze Sphären, das allumfassende Universum des omnipotenten Lebens. Nun, ich könnte einen beschreibenden Reigen der Liebe hinsichtlich jener fragilen Pflanzenmacht formulieren, doch ist jedes Wort überflüssig. Betrachten. Schweigen.

Blumen, eure lieben Augen
Sollten nicht zum Sehen taugen?
Lieblinge des Angesichts,
Schautet ihr vom Maie nichts?

Ihr entzückt Erd‘ und Lüfte
Und entbehret Blick und Düfte,
Und der Vogel fänd‘ euch taub,
Der euch preist aus jungem Laub?

Sagt man nicht, daß selbst die Seele
Eurer süßen Unschuld fehle?
Blumen, ihr beglücket nur,
Selbst verwaist von der Natur?

Doch, wer kennt die stillen Sinne
Eurer Maienlust und Minne?
Sel’ge Blumen, ihr nur wißt,
Welches Glück euch eigen ist!

Karl Mayer

Innere Erlösung

Posted in Gedichte & Zitate, Gesundheit on 5. Oktober 2010 by Täglichläufer

Ungeachtet meiner praktizierten Abhärtungsphilosophie übernahm eine seltene Erkältung das Zepter der Gesundheit und demonstrierte meinem unzulänglichen Körper ihre durchaus unangenehme Macht. Allein, was nutzt die beste, gelebte Intention von Abhärtung und der angepaßten Widerstandsfähigkeit, wenn das persönliche alltägliche Umfeld kontaminiert ist? Das Unvermeidliche wird nur in den Hintergrund gedrängt, um dann früher oder später mit Vehemenz zu regieren. So sei es. Ich bin mir der bedrohlichen Konsequenz einer scheinbar unbedeutenden Erkältung nur zu bewußt. Meine Distanzen reduzierte ich entsprechend auf zweimal vier Kilometer und zweimal fünf Kilometer, um sie anschließend in gemächlichen Ebenen wieder anzuheben. Es kostet Kraft, sich selbst Fesseln aufzuerlegen und den natürlichen Bewegungsdrang zu dezimieren. Doch von Tag zu Tag lockerten sich die imaginären Kettenglieder, so daß ich sie heute gänzlich sprengen konnte und zu meinem Standardprogramm zurückkehren konnte.

Ich habe die letzten Tage nicht verdammt, wenngleich sie sich selbstredend als unangenehm offenbarten. Wozu auch jammern und etwas ablehnen, was man doch nicht mehr ändern oder negieren kann. Es ist weiser, den steinigen Weg anzunehmen und als das betrachten, was er ist. Eine Herausforderung in meinem Täglichlaufen, die den Wert der Konzeption einmal mehr erhöht; sofern das Überwinden in einem adäquaten Rahmen erfolgt und sich nicht kontraproduktiv auswirkt – aber dies ist nur der persönlichen Erfahrung geschuldet. – – –

So kehrte ich heute früh endgültig mit würdigen 13 Kilometern in meine geliebte Natur zurück. Begleitet nur von stürmischen Windböen, die mich liebkosten und mich in ihre gefühlvolle Einsamkeit entführten. Die einstmals grünen Wälder wechseln bereits ihr Blätterkleid und der Geisterkünstler zaubert die ersten rotgelben Farbtupfer in ihr blättriges Antlitz. Gleichzeitig lichtet sich die Undurchlässigkeit der mächtigen Bäume, die Sichtweite hat sich unmerklich erhöht. Wunderschöne bunte Eichelhäher indessen von Ast zu Ast zu fliegen und sich heute ausnahmsweise recht ruhig verhalten; trauern sie dem Sommer hinterher? Das Knistern des Laubes setzt sich im Forst fort, während weiterhin kräftige Sonnenstrahlen durch die Baumkronen brechen und meinen Weg erleuchten und die schwarzen Schemen noch in ihr Schattenreich bannen.

Ja, ich bin zurück! Keine lächerlichen vier Kilometer mehr, präventiv mit Gehpause. Endlich wieder normales Täglichlaufen in der traumhaften Welt des natürlichen Lebens. Ich fühle mich wie zu Hause, ich bin wieder zurück – in meiner Heimstatt der Zufriedenheit, Harmonie und Liebe. Und ich bin dankbar für diese unsägliche Erkältung – zeigt sie mir doch, was ich in der täglich laufenden Routine manchmal nur zu gern vergesse oder als allzu verständlich hinnehme – die Natur, das Leben in seiner unglaublichen Einzigartigkeit. Innere Erlösung, ja, der heutige Lauf hat mich erlöst, von schwachen Ketten und er hat mich befreit – sowohl meinen Körper als auch meinen Geist. Täglichlaufen. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt.

Erlösung kommt von innen,
nicht von außen,
und wird erworben mehr,
als dir geschenkt.
Sie ist die Kraft des Innern,
die von draußen
rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.
Was fürchtest du?
Es kann dir nur begegnen,
was dir gemäß
und was dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag,
da du dein Leid wirst segnen,
das dich gelehrt
zu werden,
was du bist.

Und wer Verstehen sucht,
versteht sich selbst noch nicht.
Wer Anerkennung braucht,
ist vom Erkenntnislicht noch weit
und muß noch viele Wege wandern;
denn was er selbst nicht hat,
sucht er beim Andern
– und findet es nie!
Denn in der Harmonie
hat jeder seinen Klang
und seine eigene Melodie
im Weltgesang.
Der Klang des Andern,
– sei er noch so rein –
ist nicht der seine.
Den muß er alleine,
aus seines Wesens tiefster Quelle heben;
er kann ihn nicht erlernen,
nur erleben!

(Ephides)