Über Graugänse

Posted in Pro Natur, Täglichlaufen. Laufalltag. on 26. Februar 2019 by Täglichläufer

Wie bei allen Lebewesen besitzt eine jede Graugans ihren ureigenen Charakter. Manche sind mutig, entspannt in sich ruhend; andere scheu, schüchtern – doch neugierig sind sie alle. Derzeit sitzen sie jeden Morgen direkt auf meiner Laufstrecke und zeitweise drehe ich wieder ab, um sie nicht zu stören. Je näher man ihnen kommt, desto lauter und intensiver ihr Rufen. Der Zeitpunkt ihres Abfluges läßt sich genau berechnen, wenngleich sich die meisten Gänse durch mein Anreden beruhigen lassen. Oft unterbreche ich meinen Lauf und halte meine gewohnte Ansprache, indessen die zuvor Schimpfenden gemächlich den Damm verlassen, um mir eine freie Passage zu gewähren – als ob ich den süßen Putzels etwas antun könnte!

Schlußendlich dürften mich nahezu alle Graugänse kennen – nur wenige ziehen in den Süden und das Gros überwintert hier und täglich begegnen wir uns und führen wir unsere Gespräche – seit vielen Jahren. So näherte ich mich heute der großen Wiese – in ihrer grünen Mitte verläuft mein Pfad – und vor mir erspähte ich vielleicht 150 oder 200 Gänse; sitzend, stehend oder mit den Flügeln schlagend. So lief also die schwarze Gestalt mit 12 Kilometern pro Stunde direkt auf die Gänseschar zu – nun dürfte man annehmen, daß sie in einem Schwarm jählings von dannen ziehen. Mitnichten!

In einem gebührlichen Abstand erhob ich bereits meine Stimme und nur wenige Gänse überhaupt antworteten mir. Die Kolonie teilte sich in der Mitte und die Graugänse watschelten nach links und rechts und räumten den Weg im Zentrum, durchaus mit einer würdigen Ruhe – jeder Notfallsanitäter wäre über diese „Rettungsgasse“ freilich begeistert. Nun, der Mensch hat halt nicht den Intellekt einer Gans. Nicht ein Vogel flüchtete und ich lief mitten durch die zahlreiche Gemeinschaft – natürlich immer meinen üblichen Monolog vortragend. Ich muß gestehen, ich genieße diese für mich einzigartigen Momente des Lebens – denn dieses Vertrauen, welches mir die Wildvögel entgegen bringen, betrachte ich keineswegs als Selbstverständlichkeit; schließlich bin ich ein Vertreter der bösesten Spezies, die der Planet Erde je erleben mußte. Allein sie wissen genau, ich bin alles andere als eine Bedrohung und ja, wir verstehen uns. Nie würde ich sie auch nur im Ansatz enttäuschen. Meine lieben Freunde, wir sehen uns morgen wieder!

Werbeanzeigen

Den Weg gehen – XI. 2019. Siebzehn Jahre, Elf Monate. Dreierlei Rekorde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und elf Monate in Serie. Das Jahr vergeht ungerührt, schmilzt unbewußt wie seufzend von dannen und mein Jahresjubiläum lächelt immer strahlender in der noch nicht geborenen Zukunft hernieder – vielleicht gelingt es mir, den glitzernden Ring von 18 Jahren aufzunehmen – das Leben wird es lehren; in welcher Variation auch immer. – – – In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -07 °C und 05 °C und generierten in der unabänderlichen Konsequenz 27 Kälte- und drei Regenläufe. Dazu gesellten sich jeweils ein Glatteis- und ein Nebellauf.

Der schmerzliche Rekord. Jener Abschnitt stand eindrücklich im Zeichen der Schwarzspechte, die ich derzeit täglich beobachten darf; gleichwohl der Grund trauriger Natur ist. In meinem Laufareal werden aktuell an allen Baumfronten selbige engagiert zerstört und zwar in einem erschreckenden Ausmaß, wie ich es bis dato noch nie erleben mußte und als negative Glanzleistung zu verzeichnen ist. Zwar hat mir der Verantwortliche dies in einem persönlichen Gespräch durchaus sinnvoll begründet – allein ob es der Wahrheit entspricht, entzieht sich meiner Urteilskraft. So erscheinen mir die Schwarzspechte und diverse andere Tiere eher verwirrt, aufgeregt und schreien lauthals ihren Unmut ausgerechnet in jene Ohren, die doch nichts hören; nichts hören wollen und ungehindert ihrer Waldvernichtung nachgehen. Und das tierische Leben weint und weint und weint. Dies sind wahrlich betrübliche Zeiten.

Der unerwartete Rekord. Als ebenso betrüblich und sehr enttäuschend muß ich meine derzeitigen Laufschuhe bewerten, die nach nur drei (nicht ganz) Monaten derart ruiniert sind, daß ich sie faktisch nicht mehr nutzen kann. Nun, das ist in der Tat ein neuer Rekord und offenbart nachdrücklich, welche mindere Qualität die entsprechenden Unternehmen für viel Geld feilbieten. Ich bin den Murks aus Vietnam und Indonesien durchaus gewöhnt, aber so rasant haben sich bisher noch keine Laufschuhe verabschiedet. Und wie lange hat es gedauert, adäquate Schuhe in meiner Größe zu erstehen! Ein Jammer. Den Hersteller werde ich an dieser Stelle natürlich nicht benennen – aus Scham über ihre Stümperei würden sie wohl stante pede Insolvenz anmelden.

Der 22fache Rekord. Am 02.02. erspähte ich den ersten Schafnachwuchs in dieser Saison und just einen Tag später hielt ich eines der Lämmer auf dem Arm; ich erspare mir jedes weitere Wort – das ist Glück pur. Auch erlebte ich Anfang Februar einen einzigartigen Traumlauf im Schnee, der seinesgleichen suchte – freilich in Abhängigkeit, wie man denn Schnee definiert. In den letzten Jahren „überwinterten“ hier mehrere Kraniche und maximal ließen sich fünf auf einen Streich beobachten, doch am 04.02. zählte ich stolze 22 Kraniche zugleich – auch hierbei handelt es sich um einen neuen Rekord. Weiterhin zog in diesem Monat eine neue Hündin in mein Laufareal, mit der ich sofort große Freundschaft geschlossen habe – möge Laika lange leben. – – Der letzte Monat bricht an – 18 Jahre Täglichlaufen würden mir jedenfalls gefallen. Wie sinnierten einst die Preußen? Schaun mer mal, dann sehn mer scho.

Nur ein Hauch

Posted in Täglichlaufen. Laufberichte. on 2. Februar 2019 by Täglichläufer

Graufinster verhalten erwachte der Tag und bot genußvolle Impressionen in Weiß, die ihresgleichen suchten. Uneins waren die Witterungsmächte und debattierten zurückhaltend, ob es Regen oder Schneefall geben soll und so entschieden sie sich für eine herrliche Kombination; freilich wurde nur ein Hauch kanalisiert – in beiden hernieder tanzenden Elementen der Harmonie. In tiefer Freude absolvierte ich meinen heutigen Lauf, indessen der Schnee unter meinen Schuhen knirschend antwortete. Niemand vor mir betrat heute die Wälder – die Schneespuren, die doch nicht existierten, bewiesen dies eindrücklich. Was bot sich mir für ein traumhaftes Winterbild? Geschlossen hatten alle Baumgesellen ihre prachtvollen weißen Gewänder angelegt und jeder einzelne Astarm war mit einem Hauch von Schnee ausstaffiert, edelzärtlich verziert – ebenso alle weiten Pfade des Forstes.

Nun schreibe ich wiederholt von Schnee – meine bajuwarischen Verwandten würden in lautes Gelächter ausbrechen – über das, was ich als „Schneewelt“ interpretiere. Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes und ja, schließlich bin ich ein Preuße – da darf und muß der wertende Maßstab ein anderer sein. In meinem Laufareal obsiegte die Einsamkeit absolut – nicht ein menschliches Wesen sollte ich erspähen; so konnte ich mich in dieser Abgeschiedenheit traumgleich verlieren und den wahren Genuß leben. Ein Lauf dieser Art ist selten geworden, wahre Winter gehören der Vergangenheit an. So wird dieser Tag eine besondere Position in meiner Erinnerung einnehmen. Strahlendweiße Schneewelten, eine knirschende Weite vereint mit gehaltvoller Einsamkeit der greifbaren Ruhe in Einzigartigkeit geboren und wertgeschätzt mit einem Lauf, der nie hätte enden dürfen. Nur ein Hauch von Schnee und doch war darin das Glück des Lebens darin verborgen.

Den Weg gehen – X. 2019. Siebzehn Jahre, Zehn Monate. Erkenntnisgewinn.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und zehn Monate in Serie. Also sprach das neue Jahr, als es seinen gebührenden Platz auf dem temporären Thron der vergänglichen Herrschaft einnahm, um für die künftige Zeit vielleicht verheißungsvoll zu lächeln. Ungeachtet dieses routinierten Auftaktes setzt sich mein Täglichlaufen wie gehabt fort – Tag für Tag und Lauf für Lauf – und das nächst mögliche Jubiläum erstrahlt verhalten am weiten Horizont. Wohin die Reise geht, wird das Leben lehren.

Gestern erlebte ich den ersten Fastunfall in diesem Jahr und ich gebe zu, es war dies ein seltsames Gefühl, um Haaresbreite von einem großen Bus überrollt zu werden. Natürlich spielte sich der Vorfall wieder an jenem berühmt-berüchtigten Stop-Schild ab und ich gestehe mir auch eine latente Mitschuld ein. Der graudunkle Morgen bot nicht die beste Sicht und ich lief in schwarzer Bekleidung; gleichwohl nützt die „beste Sicht“ auch gar nichts, wenn man seinen Kopf erst gar nicht in meine Richtung bemüht; also wäre es auch irrelevant gewesen, wenn ich eine Warnweste und ein Helm mit Blaulicht getragen hätte. Ich kann und will nicht begreifen, wie man auf eine vielbefahrene Hauptstraße einbiegen kann, ohne einmal nach rechts zu blicken. Und das von einem Berufskraftfahrer! So mußte ich auf die Straße ausweichen und mein Bogen wurde immer größer, indessen der Bus immer näher kam – unaufhaltsam. Der Abstand betrug nur noch wenige Zentimeter. Kurz war ich versucht, gegen die Scheibe zu klopfen oder meine Stimme zu erheben, doch ich verwarf dies sinnlose Vorhaben.

Aber nun ist mir klar, warum faktisch niemand an dem Stop-Schild hält – denn, wenn schon die Berufskraftfahrer damit überfordert sind, kann ich das von normalen Verkehrsteilnehmern nun wirklich nicht verlangen. Ein Hoch auf das Primat der Inkompetenz und Unfähigkeit in diesem Land. Und die Polizei – „dein Freund und Helfer“ – erklärte mir einst, daß es sich finanziell nicht lohnt, an dieser Gefahrenquelle aktiv zu werden. Ja ja, der schnöde Mammon – was wäre auch sonst von Bedeutung. Oh heilige Einfalt. Apropos Inkompetenz und Einfalt. An einem Morgen vor wenigen Tagen war der Radweg gestreut; obwohl es dort gar nicht glatt war und ja, der geneigte Leser ahnt es nun schon – auf der Brücke wurde nicht gestreut – freilich waren hier der Fuß- und Radweg partiell stark vereist. Heute morgen war es streckenweise sehr glatt, auf den erwähnten Wegen und auf der Brücke – natürlich wurde nicht gestreut – nirgendwo. Ich enthalte mich weiterer Bewertungen diesbezüglich.

Die Temperaturen tanzten zwischen -04 °C und 08 °C gar nicht winterlich umher und generierten 15 Kälte- und fünf Regenläufe. Der nicht existente Winter ist eine blanke Enttäuschung und nicht einmal ließ sich etwas Schnee sehen – wie betrüblich. Meine armen Wollfreunde hatten nach Abschluß meiner letzten Betreuung besonders lange mit der neuen Situation zu kämpfen und wollten über zwei Wochen nicht akzeptieren, daß ich mein Versorgungsamt wieder aufgegeben habe – und veranstalteten täglich ein großes Theater. Das neue Jahr begann stürmisch und am 03.01. fiel ein Baum von 32 Metern Länge in den endgültigen Tod und blockiert seitdem den Pfad; so heißt es klettern an jener Örtlichkeit.

Drei Tage später traf ich in Waldnähe einen Mann mit drei weißen Huskys – ich war sprachlos vor dieser Schönheit. Was für wunderschöne Tiere und diese treuen Augen! Ohne Worte. So verrinnt die Zeit und der Januar zieht von dannen – ich folge ihm täglich und komme doch nicht hinterher. Morgen folgt der nächste Lauf, hinein in finstere Sturmwelten. Oder aber in den leuchtenden Sonnenschein?

Die vergangene Zukunft – Täglichlaufen. Jahresrückblick 2018.

Posted in Jahresrückblicke on 28. Dezember 2018 by Täglichläufer

Das Jahr ist noch neu, gleichwohl wird es mit eisernen Schritten wie alle anderen zuvor vergehen. Unausweichlich wird es für immerdar in den Strudel der Zeit gesogen und am Ende werden wir uns erneut fragen, wo die schönen Momente des Jahres nur geblieben sind. Dann beginnt es von vorn, das Spiel des Lebens. Immer wieder. Nur die Spieler können sich einer beständigen Ablösung sicher sein. So war die Ordnung der Dinge und so wird sie immer sein.

Nun ist es einmal mehr soweit. Es ist vorbei. Die temporäre Existenzberechtigung des Jahres 2018 wurde nachdrücklich aufgehoben und die omnipotente Herrscherin aus dem Reich der Erinnerungen hat sich seiner mit Hingabe bemächtigt. Vor uns liegt die Zukunft, eine vielleicht hoffnungsvolle Zeit, die sich uns nach und nach enthüllen wird – bevor die Königin des Vergessens auch hier ihr Veto einlegen wird. Wir sollten jedweden Moment genießen, so genußvoll als möglich, denn der Kreuzzug der vergangenen Zukunft hat längst begonnen, dieses neue Jahr unbarmherzig zu verschlingen. Die Reise wird nie enden, sie führt uns in die Unendlichkeit, wenngleich wir als stille Beobachter nur einen Moment im Nichts daran partizipieren werden. Gelebte Endlichkeit. Umso essentieller das Auskosten des Seins, des Lebens. Mein letzter Beitrag in diesem Jahr; der obligatorische Jahresrückblick meiner vergangenen Zukunft – in diesem Jahr wieder in reduzierter Form und nur auf die schnöde Statistik konzentriert. Das bald endgültig sterbende Jahr war voller Höhen und Tiefen, durchzogen von Glück, Zufriedenheit, Melancholie, Trauer, Heiterkeit, Schmerzen, Genuß, Herausforderungen, Widrigkeiten, Hoffnung und Frieden.

Fürwahr, das Fazit kann ich vorweg nehmen – wie schon in den Jahren zuvor war auch das Jahr 2018 wieder ein zutiefst zufriedenes Jahr im Kontext Täglichlaufen für mich, was meine Konzeption des gelebten Täglichlaufens wie noch immer bestätigt und für sie spricht. Aber das liegt in der Natur der Sache. Demungeachtet war ich dem unerwarteten Ende so nahe wie selten zuvor, aber irgendwie lief es dann doch weiter. Seltsam. Auch künftig betrachte ich diesen meinen Weg mit Demut und werde ihn weiterhin in der gewohnten Form beschreiten – solange ich darf; denn das der Willen vorhanden ist, muß ich nicht exponiert betonen. Auch künftig werde ich Körper und Geist in diesem Stil wertschätzen; allein, wie könnte ich auch nicht?

Statistikauszug 2018 hier mehr:

023 (2017: 036) Regenläufe
002 (2017: 008) Glatteisläufe
001 (2017: 000) Gewitterlauf
015 (2017: 018) Nebelläufe
109 (2017: 100) Kälteläufe
000 (2017: 000) Hitzeläufe
000 (2017: 000) Flutläufe
000 (2017: 002) Stürze
000 (2017: 000) Hundeangriff(e)
002 (2017: 011) Mal Wildschweinkontakt
000 (2017: 002) Mal Waschbärkontakt
000 (2017: 000) Mal Biberkontakt
000 (2017: 000) Mal in Begleitung gelaufen
004 (2017: 003) Mal Fastunfälle mit Autos
095 (2017: 092) Mal Handschuhe getragen
024 (2017: 023) Mal ein langes Oberteil getragen
004 (2017: 001) Mal eine lange Hose getragen
000 (2017: 000) Mal zweimal gelaufen
kältester Lauf bei -14 °C (2017: -10 °C)
heißester Lauf bei 26 °C (2017: 26 °C)

Der Laufbericht des Jahres 2018

28.02.2018 Meine Zeit

Ich habe in diesem Jahr 4383 gelaufene Kilometer erreicht – ohne „Marathon“, „Wettkampf“, „Leistungen“, „Pläne“, „Ziele“, „Training“ oder sonstigem Schnickschnack, der in der lustigen Laufwelt so gerne gepriesen wird – dies versteht sich natürlich von selbst. Dieser Wert enttarnt sich als eine weitere Reduktion und damit nähere ich mich den angestrebten 4000 Jahreskilometern weiter an; möglicherweise gelingt es mir in dem nächsten Jahr, diese Zahl zu realisieren. Das Leben wird es lehren.

Und ja, was sagen die Kilometer schlußendlich über Genuß, Freude und Härten aus? Nichts. Von wahrer Bedeutung war in diesem Jahr nur mein 18.03.2001–18.03.2018 – Jubiläum von 17 Jahren Täglichlaufen. So vergeht das Jahr, die Zeit, das Leben, das Dasein – unsere temporäre Existenz – alles schreitet beständig in die vergangene Zukunft, die doch noch nicht existiert und dereinst atemberaubend schnell vergehen wird. Das Jahr hat seinen endgültigen Eintritt in die Geschichte vollzogen. Was bleibt? Erlebnisse. Erinnerungen. Erfahrungen. Und, ein Lächeln. Ja, ich lächele. Das neue Jahr – 2019 – kann kommen. Wird kommen, muß kommen. Und wird sodann genauso rasant im Nichts verglühen. Die Reise wird nie enden. Aber ich, ich steige irgendwann aus. Für immerdar. Oh Leben, was bist du für ein Leben!

Den Weg gehen – IX. 2018. Siebzehn Jahre, Neun Monate. Das Ende so nah.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und neun Monate in Serie. Erst gestern war das neue Jahr noch jung, hoffnungsfroh und heute erfolgt bereits die letzte reguläre Rückschau für dieses Kalenderjahr; oh lieber Zeitenstrom, du beeindruckst wie gewohnt mit deiner gnadenlosen Rasanz. Wir kleinen, unbedeutenden und unfähigen Menschenwesen können nur staunen, ob deiner greifbaren wie nachdrücklichen Omnipotenz. Das nächste Jahr bringt sich in gehaltvoll Stellung und das Spiel des Lebens läuft routiniert weiter – mit allen unabwendbaren Konsequenzen.

In der vergangenen Monatsphase alternierten die Temperaturen zwischen -03 °C und 10 °C und bescherten mir damit 15 Kälte- und drei Nebelläufe und welch ein Wunder, auch ein Regenlauf gesellte sich hinzu. Am 20.11. erlebte ich eine Hundebegegnung, die ich in alten Zeiten als Angriff interpretiert und in der ich entsprechend agiert hätte, doch nachdem man mich wehrlos gemacht hat, verzichtete ich darauf und ja, das scheinbare Problem löste sich von allein – aber wer weiß dies schon vorher? Zwei Tage später wurde ich offiziell zur Mickey Mouse ernannt; ein Ehrentitel, den ich künftig mit Würde tragen werde. Den Tag darauf erspähte ich einen gar nicht trötenden Fasan auf einem Ast und dieses Mal blieb er trotz meiner Anrede ruhig sitzen und beobachtete mich neugierig – in der Regel flüchten diese scheuen Putzels; wie ich auch am 23.12. erleben durfte – ein Fasan sprang in ein blattleeres Gebüsch – völlig ungetarnt – und harrte der Dinge, die doch nicht für ihn kamen.

Ende November erfuhr ich unerwartet, daß meine liebe Hundefreundin Tina ihren Abschied von dieser Welt eingereicht hat; wahrlich eine traurige Angelegenheit, die mein Täglichlaufen durchaus beeinflußt, schließlich gehörte sie eine sehr lange Zeit einfach dazu – ich werde dich nicht vergessen, meine treue Tina! Von Anfang mit Mitte Dezember wurde ich als oberkommandierendes General-Schaf bestallt und war somit für die kulinarische Versorgung „meiner“ Wollies verantwortlich. Wenngleich nicht immer alle wieder zurück auf ihre Weide strebten und einzelne Ausreißer persönlich geschoben werden wollten, war dies freilich eine wunderbare Phase, die wiederholt von einem Bussard begleitet wurde, der erhaben auf seinem Pfahl thronte und alles in seinem Blick hatte.

Am graudunklen Morgen des 08.12. stand ein Mercedes im abgeschiedenen Wald, in dem sich zwei Personen der fröhlichen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ hingaben; was mich persönlich nicht interessierte, sondern vielmehr kam bei mir die Frage auf, wie man mit so einer relativ tiefer gelegten Limousine, diese matschigen Waldwege befahren kann, die zudem eher von größeren Waldfahrzeugen benutzt werden. Nun ja, nach der heißen Erregung ein möglicherweise entspanntes Schieben des Fahrzeuges kann selbstverständlich nicht schaden. Drei Tage später durchlief ich eine kleine Graugans-Kolonie von vielleicht 30 Tieren, die zwar ihren Unmut ob meiner Präsenz weithin vernehmlich kundtaten, aber letztlich doch vor Ort verblieben – ich liebe solche Momente.

Unmittelbar vor dem vergangenen Wochenende streckte mich eine gesundheitliche Indisposition absolut unerwartet und überraschend nieder, die mehr oder weniger im Nachklang bis heute anhält und seine Folgen in absurden Notrunden kanalisiert. Ich muß gestehen, ich habe nicht die Kraft, meine Serie, wegen einer gesundheitlichen „Posse“ aufzugeben; gleichwohl dies vernünftiger gewesen wäre und weitaus weniger körperliche Kraft gekostet hätte. Vielleicht beende ich meine Serie im Täglichlaufen am 18.03. zum 18. Jahres-Jubiläum und dann selbstredend o h n e Grund. Dennoch, dem Ende so nah – war ich wahrlich lange nicht. Gesundheit, das fragile Konstrukt – wie oft schrieb ich diesen Satz? Nichts ist wahrer.

Wir werden keine Freunde mehr

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 14. Dezember 2018 by Täglichläufer

Die Macht der Dunkelheit thronte nur noch eingeschränkt zu dieser Zeit; nur zu gern bereit das temporäre Zepter in die graufinsteren Morgenhände zu übergeben. Meine tägliche Strecke entlang der Hauptstraße währt in der Tat nur einen Moment und doch finden jene Sekunden mehrheitlich konzentriert statt – um die strömenden, blendenden Blechvehikel zu ignorieren – und so schottet mein Geist das nahe Umfeld in einem relativen Rahmen ab. Versunken in der Konzentration, den nahen Wald erlösend erwartend.

Nur noch wenige Meter, bis ich die lärmende Lichterwelt rechts liegen lassen darf. Jählings nähert sich blaues Licht mit hoher Geschwindigkeit – ein Rettungswagen. Die Welt strahlt blau, reflektiert und spiegelt sich allenthalben. Der ausgeprägte Verkehr wandert in Wellen, ebbt in diesem Augenblick ab. Als subjektiver Betrachter erkenne ich keine Indikation, die Sirene aktivieren zu müssen. Doch dann passiert es unerwartet – exakt auf meiner Höhe – wo auch sonst? – vielleicht ein Meter neben meiner Person. Eine extreme Supertröööte, die Tote erwecken könnte. Im Anschluß setzte wahrscheinlich mein Herz für eine Mikrosekunde aus, ich zucke derart zusammen und wage einen gefühlten Sprung von sechs Metern nach oben; jedes Eichhörnchen würde vor Neid und Ehrfurcht erblassen, um völlig konsterniert und verschreckt weiterzulaufen. Entsetzlich.

Ja, schrecklich! Immerhin sah ich den Rettungswagen kommen; wäre er von hinten gekommen – mit dem gleichen Spiel – intensiviert sich alles um das Vielfache. Auch dies erlebte ich wiederholt. Wohl wahr, wir werden keine Freunde mehr.