Den Weg gehen – IX. 2018. Siebzehn Jahre, Neun Monate. Das Ende so nah.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und neun Monate in Serie. Erst gestern war das neue Jahr noch jung, hoffnungsfroh und heute erfolgt bereits die letzte reguläre Rückschau für dieses Kalenderjahr; oh lieber Zeitenstrom, du beeindruckst wie gewohnt mit deiner gnadenlosen Rasanz. Wir kleinen, unbedeutenden und unfähigen Menschenwesen können nur staunen, ob deiner greifbaren wie nachdrücklichen Omnipotenz. Das nächste Jahr bringt sich in gehaltvoll Stellung und das Spiel des Lebens läuft routiniert weiter – mit allen unabwendbaren Konsequenzen.

In der vergangenen Monatsphase alternierten die Temperaturen zwischen -03 °C und 10 °C und bescherten mir damit 15 Kälte- und drei Nebelläufe und welch ein Wunder, auch ein Regenlauf gesellte sich hinzu. Am 20.11. erlebte ich eine Hundebegegnung, die ich in alten Zeiten als Angriff interpretiert und in der ich entsprechend agiert hätte, doch nachdem man mich wehrlos gemacht hat, verzichtete ich darauf und ja, das scheinbare Problem löste sich von allein – aber wer weiß dies schon vorher? Zwei Tage später wurde ich offiziell zur Mickey Mouse ernannt; ein Ehrentitel, den ich künftig mit Würde tragen werde. Den Tag darauf erspähte ich einen gar nicht trötenden Fasan auf einem Ast und dieses Mal blieb er trotz meiner Anrede ruhig sitzen und beobachtete mich neugierig – in der Regel flüchten diese scheuen Putzels; wie ich auch am 23.12. erleben durfte – ein Fasan sprang in ein blattleeres Gebüsch – völlig ungetarnt – und harrte der Dinge, die doch nicht für ihn kamen.

Ende November erfuhr ich unerwartet, daß meine liebe Hundefreundin Tina ihren Abschied von dieser Welt eingereicht hat; wahrlich eine traurige Angelegenheit, die mein Täglichlaufen durchaus beeinflußt, schließlich gehörte sie eine sehr lange Zeit einfach dazu – ich werde dich nicht vergessen, meine treue Tina! Von Anfang mit Mitte Dezember wurde ich als oberkommandierendes General-Schaf bestallt und war somit für die kulinarische Versorgung „meiner“ Wollies verantwortlich. Wenngleich nicht immer alle wieder zurück auf ihre Weide strebten und einzelne Ausreißer persönlich geschoben werden wollten, war dies freilich eine wunderbare Phase, die wiederholt von einem Bussard begleitet wurde, der erhaben auf seinem Pfahl thronte und alles in seinem Blick hatte.

Am graudunklen Morgen des 08.12. stand ein Mercedes im abgeschiedenen Wald, in dem sich zwei Personen der fröhlichen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ hingaben; was mich persönlich nicht interessierte, sondern vielmehr kam bei mir die Frage auf, wie man mit so einer relativ tiefer gelegten Limousine, diese matschigen Waldwege befahren kann, die zudem eher von größeren Waldfahrzeugen benutzt werden. Nun ja, nach der heißen Erregung ein möglicherweise entspanntes Schieben des Fahrzeuges kann selbstverständlich nicht schaden. Drei Tage später durchlief ich eine kleine Graugans-Kolonie von vielleicht 30 Tieren, die zwar ihren Unmut ob meiner Präsenz weithin vernehmlich kundtaten, aber letztlich doch vor Ort verblieben – ich liebe solche Momente.

Unmittelbar vor dem vergangenen Wochenende streckte mich eine gesundheitliche Indisposition absolut unerwartet und überraschend nieder, die mehr oder weniger im Nachklang bis heute anhält und seine Folgen in absurden Notrunden kanalisiert. Ich muß gestehen, ich habe nicht die Kraft, meine Serie, wegen einer gesundheitlichen „Posse“ aufzugeben; gleichwohl dies vernünftiger gewesen wäre und weitaus weniger körperliche Kraft gekostet hätte. Vielleicht beende ich meine Serie im Täglichlaufen am 18.03. zum 18. Jahres-Jubiläum und dann selbstredend o h n e Grund. Dennoch, dem Ende so nah – war ich wahrlich lange nicht. Gesundheit, das fragile Konstrukt – wie oft schrieb ich diesen Satz? Nichts ist wahrer.

Werbeanzeigen

Wir werden keine Freunde mehr

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 14. Dezember 2018 by Täglichläufer

Die Macht der Dunkelheit thronte nur noch eingeschränkt zu dieser Zeit; nur zu gern bereit das temporäre Zepter in die graufinsteren Morgenhände zu übergeben. Meine tägliche Strecke entlang der Hauptstraße währt in der Tat nur einen Moment und doch finden jene Sekunden mehrheitlich konzentriert statt – um die strömenden, blendenden Blechvehikel zu ignorieren – und so schottet mein Geist das nahe Umfeld in einem relativen Rahmen ab. Versunken in der Konzentration, den nahen Wald erlösend erwartend.

Nur noch wenige Meter, bis ich die lärmende Lichterwelt rechts liegen lassen darf. Jählings nähert sich blaues Licht mit hoher Geschwindigkeit – ein Rettungswagen. Die Welt strahlt blau, reflektiert und spiegelt sich allenthalben. Der ausgeprägte Verkehr wandert in Wellen, ebbt in diesem Augenblick ab. Als subjektiver Betrachter erkenne ich keine Indikation, die Sirene aktivieren zu müssen. Doch dann passiert es unerwartet – exakt auf meiner Höhe – wo auch sonst? – vielleicht ein Meter neben meiner Person. Eine extreme Supertröööte, die Tote erwecken könnte. Im Anschluß setzte wahrscheinlich mein Herz für eine Mikrosekunde aus, ich zucke derart zusammen und wage einen gefühlten Sprung von sechs Metern nach oben; jedes Eichhörnchen würde vor Neid und Ehrfurcht erblassen, um völlig konsterniert und verschreckt weiterzulaufen. Entsetzlich.

Ja, schrecklich! Immerhin sah ich den Rettungswagen kommen; wäre er von hinten gekommen – mit dem gleichen Spiel – intensiviert sich alles um das Vielfache. Auch dies erlebte ich wiederholt. Wohl wahr, wir werden keine Freunde mehr.

Tina

Posted in Hundefreunde on 26. November 2018 by Täglichläufer

Wie lange wir uns kennen, kann ich gar nicht genau benennen, vielleicht seit elf oder zwölf Jahren. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Grußfreundschaft mit dem Besitzer entwickelte und nach kurzer Zeit gehörte die Streichelpause zu einem absoluten Pflichttermin und nur zu gern unterbrach ich dafür mein Täglichlaufen. Vor fast sechs Jahren fand Tina gar hier Eingang und ich erinnere mich daran als ob es gestern gewesen wäre und wie schrieb ich damals? „Wir begegnen uns morgen. Versprochen“. – – In der Tat, so kam es auch – doch wo ist diese Zeit geblieben? Denn Tina traf ich täglich; es gab nur sehr wenige Tage, wo wir uns verpaßten und so wurde sie zu einem Teil in meinem Täglichlaufen – was über viele Jahre geprägt wurde; Tina gehörte dazu und ich freute mich jeden Morgen, sie zu begrüßen.

Letzten Donnerstag erhielt sie die letzten Streicheleinheiten von mir, es war ein Abschied ohne es zu wissen; drei Tage erspähte ich sie nicht und dementsprechend wunderte ich mich und hatte hierbei kein gutes Gefühl, schließlich ist sie eine alte Dame und gesundheitlich beeinträchtigt. Heute erfuhr ich nun, daß sie sich am Samstag von dieser Welt endgültig verabschiedet hat. Für immer und immer. Dieses Kapitel wurde gnadenlos vom Buch des Lebens geschlossen. Ich werde sie nie wiedersehen und nach all den Jahren wird nun mein Täglichlaufen ein ganzes Stück ärmer – sie gehörte einfach dazu. Der tägliche Lauf, unsere Treffen waren doch eins und irgendwie zusammen gewachsen. So endet es also, was mich sehr betrübt.

Tina, in Altdeutsch die Strahlende oder Glänzende – wahrlich, Deine treuen, ehrlichen Augen waren mehr als strahlend. Ich werde dich vermissen, meine liebe Tina!

Mickey Mouse!

Posted in Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. November 2018 by Täglichläufer

Der Tagesbeginn zeigte sich von seiner graufinsteren Lieblichkeit, zärtliche Sturmböen tanzten vereinzelt bei ungefähr 0 °C durch die einsamen Wälder. Mein heutiger Lauf war noch jung, als ich ihn unterbrechen mußte, um meinen lieben Freund Leo zu begrüßen und ihn kurz zu streicheln – wie könnte ich den goldigen Golden Retriever auch ignorieren? Obwohl mich sein Besitzer seit Jahren kennt, mich nahezu täglich laufen sieht und meine Kleiderwahl keine neue Erkenntnis für ihn sein dürfte, kam er doch sogleich auf meine Handschuhe zu sprechen. Offenbar ist er für dieses Jahr noch nicht daran gewöhnt.

Nun, ich gebe es zu, meine Hände sind empfindlich und bei 0 °C gehören Handschuhe in der Regel zum Pflichtprogramm innerhalb meines Täglichlaufens. Der Hundehalter sinnierte für einen Moment, strahlte mich sodann an und sagte zu mir: „Die kurzen Hosen! Das T-Shirt! Dazu die Handschuhe – das hat etwas Mickey Mouse-artiges“. Waaas vernahmen meine erstaunten Ohren? Da laufe ich bei diesen Temperaturen in kurzer Bekleidung und halte mich für den coolsten Typen überhaupt und nun höre ich, ich sehe aus wie Mickey Mouse? Skandal! Ich verlange Satisfaktion! Ein Duell! Oder wenigstens eine Klage auf Ehrverlust!

Im Ernst, ich mußte laut lachen ob dieses Vergleiches und ja, natürlich hat er Recht. Diese Ähnlichkeit läßt sich wahrlich nicht leugnen. Wieso kam ich nicht schon früher darauf? Als ich später nach meiner Rückkehr eine Nachrichtenseite besuchte, sprang mich sofort eine Werbung mit Minnie Mouse an. Wäre ich ein gläubiger Mensch, so würde ich das als Zeichen interpretieren. Wie dem auch sei – seit heute bin ich wohl die täglichlaufende Mickey Mouse. Das Leben hat Humor.

Den Weg gehen – VIII. 2018. Siebzehn Jahre, Acht Monate. Der erste Kältehauch.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und acht Monate in Serie. Relativ stürmisch zeigte sich der Auftakt der abgeschlossenen Monatsphase und mit den unsteten Windböen wurden auch die einst zukünftigen Tage wie Läufe hinfort getragen, hinein geweht in das endlose Reich der Vergangenheit und nur die tanzenden Blätter offenbarten genußvoll ihre Begeisterung mit greifbarer Hingabe.

Der Sommer scheint nun hoffentlich endgültig in den diesjährigen Ruhestand eingetreten zu sein und der erste wahre Kältehauch enttarnte sich gestern, der mein Täglichlaufen entsprechend auf ein sehr angenehmes Niveau hob und heute seine würdige Fortsetzung fand. Die Temperaturen schwankten zwischen 15 °C und -05 °C und boten sieben Kälte- und zwei Nebelläufe feil. Und natürlich – welch ein Wunder – sogar ein Regenlauf durfte ich bestreiten.

Die seltsame Beobachtung am 23.10., welche mir zugetragen wurde, blieb glücklicherweise ohne Folgen und rückblickend betrachtet, erachte ich meine Warnung nach wie vor als sinnvoll, wenngleich sich der tatsächliche Sachverhalt kaum mehr ermitteln läßt. Anfang November raschelte es im tiefen Wald nicht weit von mir entfernt im Unterholz und auf dem Rückweg grunzte es freundlich grüßend an der gleichen Lokalität. Aktuell lassen sich die Spuren von Familie Schwarzkittel wahrlich nicht leugnen; komplette Pfade sind über weite Strecken höchst sorgfältig umgegraben worden – so erhöht sich der Grad des Laufens ein wenig an jenen Punkten. Das zahlreiche Laub tut das seine in dem Kontext und so fällte mich eine gut versteckte Wurzel in meinem Tun; allerdings in einem harmlosen Rahmen, den ich ausnahmsweise nicht als Sturz werten will.

Wiederholt habe ich unabsichtlich Fasane aufgeschreckt, die sich zu Recht darüber sehr empörten – einmal mehr gelobe ich Besserung. Am 10.11. unterbrach ich meinen Lauf, um eine herzige Schwanenfamilie zu beobachten – es fällt mir in solchen Momenten nicht leicht, mich von solchen Anblicken zu lösen. Der einzige Regenlauf in diesem Abschnitt lächelte am 13.11. – insgesamt mein 441. Regenlauf, gewidmet einer speziellen Person. Das Leben ist in der Tat nur ein fragiles Konstrukt, unsere Existenz nur ein flüchtiger Hauch im Nichts. Wohl dem, der dies bewußt wahrnimmt und zu schätzen weiß. So setzt es sich also fort, das gelebte Täglichlaufen und ich gehe den Weg noch ein wenig weiter.

Tanzende Tränen

Posted in In Gedenken on 13. November 2018 by Täglichläufer

Welch ein graudunkler Morgen. Geboren in der schwarzen Finsternis. Reizende Regenperlen gleiten sanft hernieder, tränengleich und zärtlich tanzend. Nicht intensiv ausgeprägt, doch von einer steten und scheuen Behutsamkeit. Im einsamen Hain genoß ich die Abgeschiedenheit und jählings ereilte mich eine besondere Nachricht, die mich sehr schockierte. Seit vielen Jahren traf ich nahezu täglich einen Grußfreund; wir winkten uns zu und oft unterhielten wir uns, denn auch er ist ein Läufer – sogar ein Ultraläufer. Freilich wäre das in diesem Fall eine niedliche Beschreibung; ich würde ihn als extremen Hardcore-Ultraläufer bezeichnen und er absolvierte Läufe in Ländern, wo ich nur vom Hörensagen schon in Ohnmacht falle. Hin und wieder sind wir auch streckenweise gemeinsam gelaufen – ich war stets von seiner Laufwelt beeindruckt und er nicht minder über mein Täglichlaufen, über meine Serie – was ich wiederum als kurios interpretierte; der Hardcore-Ultraläufer staunte über den Antisportler. Manchmal offenbart das Leben seinen Humor.

Heute vernahm ich nun völlig unerwartet – das unwägbare Spiel des Lebens ist für ihn beendet. Für immer und immer. Das Buch des Lebens hat sich für ihn geschlossen. Die Witterungsbedingungen waren der Nachricht angemessen – ich selbst kann es nicht begreifen. Noch gestern hätte ich geschworen, er wird noch mit 95 seine 100 Kilometer und mehr genußvoll laufen und von dieser Lebenszahl war er weit, weit entfernt. Wahrlich, das Leben ist unwägbar – wer wagt es, dies verstehen zu wollen? Meine Gedanken sind bei seiner Familie – ich werde die Erinnerung an diesen Ausnahmeläufer hochhalten; mein heutiger Lauf, mein 441 Regenlauf sei ihm gewidmet.

4000

Posted in Täglichlaufen. Status. on 5. November 2018 by Täglichläufer

In den vergangenen 11 Jahren erreichten meine Jahreskilometerumfänge in der Regel einen Wert zwischen 4600 und 4900 Kilometer; ausgenommen die Jahre 2011-2014, in denen ich jeweils mehr als 5000 Kilometer absolvierte. Seit 2015 ist ein steter Rückschritt erkennbar und ja, insgeheim strebe ich einen Wert von 4000 Jahreskilometern an – was sich natürlich leichter anhört oder liest, als es in der Realität umsetzbar ist.

Momentan fehlt mir ein wenig die Leidenschaft; wahrscheinlich hängt dies mit den sommerlichen Temperaturen zusammen, die so gar nicht in den November passen. Und es scheint mir, künftig werde ich mich an einen Sommer von Januar bis Dezember gewöhnen müssen. Welche Gründe auch immer für meine temporäre Unlust verantwortlich zeichnen, sind sie doch meiner stillen Intention mehr als zuträglich und ich hoffe, in diesem Jahr nicht mehr als 4200 oder 4300 Kilometer zu erreichen. Dies mag nun keine Herausforderung sein, allein ist mein Körper ein wenig mehr gewöhnt und der behutsame Abfall ist keine Kleinigkeit. Freilich können die 4000 Kilometer kein Ziel bilden, aber ein latenter Anhaltspunkt, der mir derzeit gefallen würde. Ich werde mich bemühen, diese Regionen zu erreichen.