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Der Nutzen der Wälder

Posted in Contra Mensch, Pro Natur on 13. Mai 2017 by Täglichläufer

Angesichts der Tatsache, daß ich täglich durch Wälder laufe, denen man allenthalben den Krieg erklärt hat und somit in der unausweichlichen Konsequenz ich jeden Tag die voranschreitende Ausrottung derselben beobachten darf – leider, leider – und weiterhin ich das subjektive Empfinden habe, daß die Witterungsverhältnisse sich in den vergangenen Jahren immer extremer in negative Richtungen entwickeln, erachte ich nachfolgenden Beitrag aus dem Jahr 1880 für durchaus bemerkenswert.

Bereits im November 1880 wurde dieses Thema aufgegriffen und allein die Einleitung paßt perfekt in unsere heutige Zeit: „Es ist leider Thatsache, daß die Ausrottung der Wälder und daß man den Werth der Waldungen ganz und gar unterschätzt.“ Wohl wahr, schießlich lebe ich in einer der baumfeindlichsten Städte, die man sich nur vorstellen kann. Damals wurde konstatiert: „Der Umstand, daß Wolkenbrüche, Ueberfluthungen und abnorme Temperaturverhältnisse während der letzten Jahre im Vergleich zu früheren Jahren unverhältnißmäßig häufig auftreten, regt das Interesse an der Erforschung der Gründe für diese eigenthümlichen meteorologischen Ereignisse mächtig an.“

Nicht nur in Nordamerika, so führte Prof. Göppert in Breslau aus, gehe man mit aller Gewalt darauf aus, die Waldungen zu vernichten, sondern auch in Europa, und in unserem eigenen Vaterlande verschwinden die Waldungen von Jahr zu Jahr immer mehr.”

Nun, 137 Jahre später hat sich scheinbar nicht viel verändert. Die menschliche Spezies ist geistig zu beschränkt, um nachhaltig zu begreifen, daß man m i t der Natur leben muß; es kann und darf nicht unser Ziel sein, das Habitat Erde in Vollendung zu vernichten. Es ist wahrlich betrüblich zu sehen, jeden Tag erneut, wie diese unterentwickelte Rasse sich in eine derart dominante Position hinauf schwingen konnte und in ihrem Wahn ohnegleichen wütet. Mit welchem Recht? Und wer muß darunter leiden? Die arme Tier- und Pflanzenwelt, die wir zu einem großen Teil nicht einmal kennen. Ein trauriges Endlosthema. Und so laufe ich weiter täglich, hinein in nutzlose Wälder, die folgerichtig abgeholzt werden – in schönster Brutzeit der Vogelwelt; hinweg über Müllberge, die naturfreundliche Spaziergänger und sogenannte Wassersportler direkt vor Ort entsorgen oder hinter lärmenden Quads hinterdrein, die Graugänse und andere arme Tiere hinterher jagen. Ach ja, Menschen, wie primitiv. Für mich die dümmste Spezies, die je auf der Erde existiert hat – gleichzeitig die gefährlichste, was in der Natur der Sache liegt.

Perspektivenhafte Metamorphose – Akt II.

Posted in Fauna, Heiteres, Photos, Pro Natur on 10. Oktober 2012 by Täglichläufer

Lautlos eroberte der schwarze Täglichläufer sein Laufareal, verschmolz in friedlicher Harmonie mit der Tiefe des Waldes und genoß die einsame, melancholische Weite, die ihresgleichen suchte und zärtlich vom Firmament gestreichelt wurde. In seinen Gedanken manifestierte sich ein Beitrag im Zeichen der imaginären Metamorphose aus längst vergangenen Tagen:

Nicht weit davon entfernt, immer noch im tiefen Forst huschte ein flinkes Eichhörnchen im Unterholz munter durch den Wald und sprang geschwind hier und dort über die unebenen Pfade, auf diesen oder jenen Ast in Perfektion balancierend. Auch die Eichhörnchendame sah die nicht wirklich ungewohnte Präsenz auf sich zu rennen, allein erschien ihr die Kreatur im Gegensatz zu der Ameise nicht gar so riesig und schlußendlich obsiegte die Neugierde. Sie versteckte sich hinter einem Baumstamm, lugte spitzbübisch hervor und beobachtete die nahende Dunkelheit. Selbige schwenkte das offenkundig unabhängige Oberteil in ihre Richtung und verlangsamte die Geschwindigkeit bis sie bewegungslos verharrte. Sodann vernahm das Eichhörnchen surreale Laute aus dem schwenkbaren Haupt, es hörte sich an wie: „Na, mein kleiner Wuschelputz?“, „Du bist ja ein süßes Kerlchen“, „Und sooo neugierig bist du“. Nun, weder war das süße Eichhörnchenmädchen ein Kerl noch ein Kerlchen und schon gar nicht neugierig!, zusätzlich verstand sie das menschliche Kauderwelsch per se nicht. Eins, zwei fix und schon erklomm die geschickte Sohlengängerin unbekümmert den hohen Baum und wunderte sich weiterhin über diese seltsame Begegnung mit der einhergehenden bewußten Aufmerksamkeit. Indessen das finstere Wesen mit seinem beweglichen, plappernden Kopf in hoher Fahrt davon lief. Was für eine komische Welt!

Einmal mehr turnte ein flinkes Eichhörnchen durch seinen heimatlichen Hain, als es erneut von diesem finsteren Menschen aufgeschreckt wurde. Und doch konnte es sich einer gewissen Neugierde nicht erwehren und beobachtete selbigen entsprechend. “Jetzt redet der mich schon wieder an; und – ist es nicht der gleiche, der neulich mein Familientreffen unaufgefordert störte und dabei so albern bis über beide Ohren grinste?“ – “morgen sehe ich den garantiert wieder!” mochte es denken und zog fast gelangweilt von dannen. „Ein komischer Kauz!“

Viele Kilometer von diesem einseitigen Dialog entfernt, thronte ein edler Eichelhäher in der hohen Krone eines Baumes. Auch er bemerkte das kleine, schwarze Etwas, welches mit rasanter Geschwindigkeit sich näherte. Freilich, für einen Eichelhäher war das alles andere als rasant. Doch nun reduzierte sich das Tempo und jetzt blieb der Schwarze gar stehen und nestelte mit seinen Greifwerkzeugen umher. Ein seltsames Gebaren! „Der hält einen Kasten hoch, direkt vor dem Schnabel, plötzlich surrt das Ding und es verändert sich in der Länge – das wird mir nun doch zu bunt, bloß weg hier!“ – ein letzter Blick und auch der Eichelhäher flog schleunigst davon, natürlich nicht ohne sein charakteristisches Meckern, ob dieses Eindringlings in sein Habitat. „Morgen werde ich den Störenfried gehörig ausschimpfen!“

Dieses Mal gelang es mir, zwei der herzigen Gesellen, von denen ich hier wiederholt spreche und an deren Leben ich während meines Täglichlaufens partiell partizipieren darf – auf ein Photo zu bannen. Freilich war das eine diffizile Angelegenheit, da mir hierbei jedwede Kooperation aufgekündigt wurde. Allein, kann man es ihnen verdenken? Denn sie sind die wahren Herrscher in den natürlichen Gefilden, es ist ihr Zuhause, ihr Heim. Ich – bin nur der Eindringling. Dessen bin ich mir bewußt.

Perspektivenhafte Metamorphose

Posted in Heiteres, Pro Natur on 31. August 2011 by Täglichläufer

Vorsichtig krabbelte die kleine eusoziale Ameise über den unerkundeten Waldboden, die große, weite Welt immerdar im Blick haltend, eroberte sie Schritt um Schritt unbekanntes Terrain. Nicht weit entfernt, stets in olfaktorischer Reichweite im Pheromon-Kontext folgten ihre zahlreichen Kollegen – Familienangehörige oder Freunde aus dem exorbitant riesigen Kollektiv. So setzte sie engagiert ihren Weg fort, den grünen Hain erkundend. Auf der Suche nach Nahrung, natürlich. Plötzlich vernahm sie mit ihren feinfühligen Sinnen ein Vibrieren, erst leise und kaum wahrnehmbar; anschließend sich intensivierend und näher kommend. Sie hielt inne, prüfte die ihre Welt der Perzeption und beobachtete. Einige Körner im losen Sand rieselten hernieder, dann kam das schwarze Etwas donnernd in ihre Richtung. Sie blickte jählings nach oben und ward aus ihrer winzigen Sicht einen Riesen gewahr, der nahezu in Lichtgeschwindigkeit auf sie zu stürmte. Lichtgeschwindigkeit? Nein, noch viel rasanter, fürwahr in bahnbrechender Vehemenz – zumindest aus ihrer Perspektive heraus. Vor Schreck stand sie still und just dies sollte ihre Rettung sein. Der düstere Schatten senkte sich herab, doch sie hatte Glück – unmittelbar neben ihr materialisierte sich der Abdruck der Vernichtung. Tiefe Spuren in einem Abstand von über einem Meter im Sand hinterlassend raste die finstere Erscheinung vorüber und ach, wie groß war das Leid! – einige Freunde unter sich begrabend. Zertreten von jenem rücksichtslosen Etwas, welches die Ameisen nicht einmal registrierte. Aus dem nichts erschienen und schon längst wieder verschwunden. Kollektive Trauerstunde im Staat.

Nicht weit davon entfernt, immer noch im tiefen Forst huschte ein flinkes Eichhörnchen im Unterholz munter durch den Wald und sprang geschwind hier und dort über die unebenen Pfade, auf diesen oder jenen Ast in Perfektion balancierend. Auch die Eichhörnchendame sah die nicht wirklich ungewohnte Präsenz auf sich zu rennen, allein erschien ihr die Kreatur nicht gar so riesig und schlußendlich obsiegte die Neugierde. Sie versteckte sich hinter einem Baumstamm, lugte spitzbübisch hervor und beobachtete die nahende Dunkelheit. Selbige schwenkte das offenkundig unabhängige Oberteil in ihre Richtung und verlangsamte die Geschwindigkeit bis sie bewegungslos verharrte. Indessen mehrere Ameisen schleunigst schreckhaft wissend von dannen zogen. Sodann vernahm das Eichhörnchen surreale Laute aus dem schwenkbaren Haupt, es hörte sich an wie: „Na, mein kleiner Wuschelputz?“, „Du bist ja ein süßes Kerlchen“, „Und sooo neugierig bist du“. Nun, weder war das Eichhörnchenmädchen ein Kerl noch ein Kerlchen und schon gar nicht neugierig!, zusätzlich verstand sie das menschliche Kauderwelsch per se nicht. Eins, zwei fix und schon erklomm die geschickte Sohlengängerin unbekümmert den hohen Baum und wunderte sich weiterhin über diese seltsame Begegnung mit der einhergehenden bewußten Aufmerksamkeit. Indessen das finstere Wesen mit seinem beweglichen, plappernden Kopf in hoher Fahrt davon lief. Was für eine komische Welt!

Die uns bereits bekannte Ameise hingegen, freute sich ob der Tatsache, daß es nun endgültig verschwand, wenn auch nur bis zu dem nächsten Tag. Derweil kreiste hoch oben ein edler Bussard erhaben am blauen Firmament, stieß seine eigentümlichen Schreie aus und spähte nach schmackhafter Beute in die Tiefen herab. Irgendwann ließ er sich im Hochwasserschutzgebiet auf einem ehemaligen nur noch zur Hälfte bestehenden Hochstand nieder und beobachtete aufmerksam sein Areal. Bereits mehrere hundert Meter entfernt, erkannte er den dunkel gekleideten Menschen, der täglich sein Beutegebiet unsicher macht, gleichwohl er nie in Konkurrenz zu ihm trat und jagte. Sein Glück! Dennoch, die seit Jahren tägliche Präsenz besitzt durchaus einen nervenden Charakter. Könnte er nicht einmal einen Tag aussetzen? Er ließ ihn nicht mehr aus den Augen. Und als der Läufer auf drei Meter heran war, entschied der stolze Greifvogel ruhig sitzen zu bleiben, schließlich ging bis dato keine Gefahr von dem permanent wiederkehrenden Menschen aus. Jener unterbrach mittlerweile seinen Lauf, um auch hier wieder das prächtige Tier anzureden: „Naa, meine Schöne?“. Glücklicherweise währte die Pause nur einen kurzen Moment, so daß der Bussard diesen überflüssigen Kommentar standesgemäß ignorieren konnte. So verschwand er im Anschluß, ja, wer eigentlich? Welch – auch hier – obsolete Frage, natürlich.

Drei Beispiele aus meiner Welt des gelebten Täglichlaufens. Freilich aus einer perspektivenhaften Metamorphose heraus. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, von schreckhaften Schwänen über zutiefst beleidigte und schimpfende Fischreiher („Schon wieder der Täglichläufer, immer muß er mich erschrecken und vertreiben!“) bis hin zu schnatternden Graugänsen, schönen Rotfüchsen, jungen Rehen und grunzenden Schwarzkitteln. Viele Waldbewohner bleiben in der Majorität verborgen, indes andere fast täglich zu erspähen sind. Manche nimmt man bewußt wahr, andere selten bis nie. Und leider fallen einige Wesen dem Tod anheim, schlichtweg der Tatsache geschuldet, daß sie auf Grund ihrer winzigen Größe ungewollt unter den Laufschuhen verschwinden. Demungeachtet bewege ich mich mehrheitlich aufmerksam wie bewußt und mit Respekt im tiefen Wald, versuche beispielsweise größeren Insekten auszuweichen und die Waldbewohner nicht all zu sehr in ihrem Habitat zu stören und durchaus ändere ich meinen Weg, wenn eine Graugans oder ein Reh auf dem Pfad innehält – denn sie sind die wahren Herrscher in den natürlichen Gefilden, es ist ihr Zuhause, ihr Heim. Ich – bin nur der Eindringling. Dessen bin ich mir bewußt. – –

Wo die Ameise in diesem Moment wohl verweilt? Nun, mir wurde von einem Austauschprogramm berichtet; sie lebt derzeit in einem anderen Waldgebiet, bei einer Weinbergschneckenfamilie. Ja, und auch dort zog die Botschaft einer schwarzen Macht durch das Land. Sie hob eine sehr überraschte Weinbergschnecke auf einer Straße zwei Meter in die Höhe, um sie behutsam fern der Gefahr in das Gras zu setzen. Nichtsdestotrotz wurde die Flugstunde nicht goutiert, da sie gerade aus jenem Areal aufbrach. Unerhört.

Die Harmonie des Momentes

Posted in Photos, Pro Natur, Täglichlaufen im Fokus on 30. April 2010 by Täglichläufer

Eine der primären Fragen, mit denen ich wiederholt konfrontiert werde, beschäftigt sich mit der Thematik, wie es möglich ist, daß ich mein Täglichlaufen über so viele Jahre praktizieren kann. Vor allem im Hinblick auf die Motivation. Selbige ist natürlich nur ein Märchen, als Täglichläufer ist jedwede Motivation obsolet, was bereits die Natur der Sache impliziert. Meine Entwicklung über eine latente Ritualisierung, später die Verinnerlichung und darüber hinaus – habe ich en détail beschrieben. Die Gründe sind vielfältig, der Nutzen nicht weniger. Ein exponierter Punkt wird jedoch immer eine besondere Bedeutung für mich besitzen – die geliebte Natur. Sie ist es, die mich zu einem erheblichen Teil antreibt.

Wenn ich mein Laufareal erreiche, fühle ich mich, als ob ich unsere törichte Welt verlassen hätte und in eine andere – gänzlich konträre – eingetreten wäre. Eine Welt, in der die Harmonie des Momentes herrscht. Eine Welt voller Frieden, Freiheit und der geistigen Erkenntnis, daß nur der Augenblick wirklich wichtig ist. Nebenher die Natur beobachten, mit all ihren wunderbaren Tieren und Pflanzen, die sich von Tag zu Tag unterscheiden und die differenzierte Individualität hochleben lassen. Ich folge dem Strom der unendlichen Zeit und bin gespannt, was mich hinter der nächsten Gabelung, der Wegbiegung des Universums erwarten wird. Es ist, als ob sich die gefühlvolle und doch immense wie omnipotente Macht der Natur mit mir vereint und die Quelle meiner selbst auf einer anderen Erkenntnisebene verbindet. Ein ausgewogenes Verhältnis absoluter Vollkommenheit im Einklang des Lebens.

Freilich gelingt mir dieses Empfinden nicht permanent, aber doch in der Majorität meiner Läufe. Kausal verantwortlich zeichnet hierfür mein Laufareal, welches ich entsprechend selten bewußt verlassen möchte, um andere Strecken zu frequentieren. Mir scheint, ich gehöre in dieses Gebiet – in einer Art Synthese – wie einst eine Wanderin trefflich erkannte und mich fragte: „Sie wohnen wohl hier?“. Nachfolgend einige Impressionen meines Laufgebietes, die für sich sprechen. Täglichlaufen und Natur, für mich pure Natürlichkeit in der Gnade des Lebens.

Ein floraler Hauch von Frieden und Harmonie

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos, Pro Natur on 12. April 2010 by Täglichläufer

Freilich, das primäre Thema meiner Seite konzentriert sich auf das Täglichlaufen. Doch Täglichlaufen ist nichts Außergewöhnliches, sondern elementare Natürlichkeit, die man liebt oder nicht und entsprechend praktiziert oder eben nicht. Permanent darüber zu schreiben, ist gleichsam ermüdend wie unnötig, wenngleich ich meinen Fokus demnächst wieder selbstredend darauf lenken werde. Heute sei nur angemerkt, daß der Beginn des neuen Jahres sehr entspannt startete. In dem letzten Artikel beschäftigte ich mich mit der wunderschönen Fauna im erwachenden Frühling. Und da alles zwei Seiten im Leben hat, wende ich mich jetzt – natürlich – der Flora zu und garniere meinen ungewöhnlich kurzen Beitrag mit würdigen Beispielen aus dieser prächtigen Welt und vollziehe das Gleichgewicht.

Welch brillante Farbenpracht! Von einzigartiger leuchtender Eleganz und sanfter Anmut – sie stehen verlassen am Wegrand, biegen sich leise weinend im Wind, richten sich mit liebevoller Inbrunst der Sonne entgegen und erwärmen das Herz des unbedeutenden Täglichläufers, dessen Schatten temporär die goldgelben Strahlen von Mutter Sol verdeckt und im Fluß der Zeit, des Lebens vorüber zieht – doch mit einem Lächeln. Bei diesem vollkommenen Anblick von Stiefmütterchen und Tulpe, wen wundert es? Ja, wen wundert es? Schweigend. In Frieden. Lächelnd. In Harmonie. Für immer und ewig.

Kleine Blumen

Kleine Blumen, kleine Lieder,
heller Klang und bunte Pracht,
Blumen, die ich nicht gezogen,
Lieder, die ich nicht erdacht.
Und ich selber hätte nichts,
Dir zu bringen, Dir zu danken,
Sollte heute, heute schweigen?
Ach, was mein war, die Gedanken,
sind ja längst, schon längst Dein Eigen.

(Hugo von Hofmannsthal)

Einzigartiges Leben

Posted in Fauna, Gedichte & Zitate, Photos, Pro Leben, Pro Natur on 7. April 2010 by Täglichläufer

Das Leben ist grün geworden. Allenthalben blüht, grünt und wächst es ohne Unterlaß. Schleichend legen die Wälder ihre frühlingshaften Gewänder an, vollziehen den Wechsel und laden gleichsam aufmerksame wie stille Beobachter zum Verweilen ein, um am natürlichen Kreislauf des Lebens teilzunehmen. Die gefiederte Vogelwelt hingegen, ist längst einen Schritt weiter und betreibt engagiert ihre Brutvorbereitungen. Ihre zahlreichsten Vertreter, als da wären – Graugänse, Bläßhühner und Stockenten dominieren unangefochten das Geschehen. Aber auch die stolzen Bussarde und die grazilen Schwäne preisen derzeit die Zweisamkeit. Kurzum, jeder Lauf wird zu einem Erlebnis und oft genug unterbreche ich selbigen, um mit einem Lächeln die Fauna zu beobachten oder gar mit der Tierwelt zu reden. Freilich, die Kommunikation von meiner Seite aus – ist längst nicht ausgereift, doch dies tut meiner Freude keinen Abbruch.

Und auch in diesem Jahr darf ich mich zu dieser oder jenen Minute als Retter beweisen, wie im folgenden Beispiel des Tagpfauenauges, den ich nicht in einem Spinnennetz seinem Schicksal überlassen wollte. Die Arachniden mögen mir meine neuerliche Intervention verzeihen. Obwohl der Schmetterling einen hohen Preis entrichten mußte, konnte er – nachdem ich ihn von den tödlichen Fäden befreite – gen Himmel davon fliegen. Die zahmen Goldfische indes, bedurften nicht eines Befreiungsschlages. Im Gegenteil, wie der geneigte Kommentator unschwer erkennen kann, begrüßen wir uns per Hand-, respektive Flossenschlag.

Die erwachende Lebendigkeit ist derzeit einzigartig. Ich bin froh, ein Täglichläufer zu sein, der Körper und Geist mit einem täglichen Lauf in der Natur würdigen darf. Und kann. Auch als ein Akt der eigenen Wertschätzung. Insbesondere der persönlichen Selbstachtung – den Körper als Geschenk der temporären Existenz ehren. Ein Garant für Zufriedenheit, Harmonie und Frieden.

Verhalten zur Natur

Ich sehe täglich die Natur.
Doch an beglücktem Tage nur
wirft sie von ihrem holden Seyn
in’s Herz mir einen Widerschein.
Wer sie besieht mit Herzensöde,
dem bleibt sie stumm und kalt und spröde.

(Karl Mayer)

Naturfeinde? Ungenutzte Chancen.

Posted in Allgemein, Pro Natur on 13. Januar 2010 by Täglichläufer

Während meines gestrigen Laufes befand ich mich noch im ersten Wald, als plötzlich Schreie zu mir durchdrangen. Mein Laufgebiet ist ein Hort der Stille, entsprechend fiel mir eine explizite Zuordnung des Gehörten schwer; es gelang mir nicht. Je näher ich dem zweiten Wald kam, desto höher die Frequenz der Schreie – soll heißen, auch besonders in der Lautstärke. Langsam dämmerte es mir, wer die Urheber sein könnten. In Dammnähe indes, war das Gebrüll unerträglich, ein infernalisches Kreischen, Schreien, Rufen und Brüllen ohne Unterlaß. Sofort entwarf ich eine Alternativstrecke, um den Lärm auf dem Damm zu meiden. Der Grund für dieses Getöse enttarnte sich in einer Gruppe von Kindern respektive Jugendlichen; ich schätzte ihre Anzahl auf vielleicht 25 bis 35 Personen, plus Aufsichtspersonal.

Nichts gegen Kinder und spaßiges Herumtollen. Was mir aber extrem mißfällt, ist die Tatsache, daß sich die Jugendlichen aufgeführt haben wie im Tollhaus. Kreuz und quer umher gesprungen, abseits der Wege, in das Unterholz und dabei einen Lärm veranstaltend, so daß ein abhebendes Flugzeug regelrecht entspannend wirkt. Ich will gar nicht wissen, was sie alles zerstört haben. Schließlich sollten wir nicht vergessen, daß wir nur Besucher im Forst sind. Wir sind Gäste im Heim zahlreicher Waldbewohner. Ist das so schwer, andere Lebewesen zu respektieren? Hier sehe ich ein klares Versagen der Verantwortlichen. Wieso reagieren die Begleitpersonen nicht adäquat und nutzen die grandiose Chance, um die Kinder an die herrliche Natur heranzuführen und ihnen eine eindrucksvolle wie natürliche Welt vorzustellen? Die Schönheit der verschneiten Wälder? Das spannende Beobachten zahlreicher Tiere? Die Korrelation der heimischen Arten? Das Achten anderer Lebewesen? Die Vergänglichkeit unserer Welt und die Fragilität des Lebens und damit unser höchstes Gut überhaupt? Fehlanzeige.

Das Hochwasserschutzgebiet mit seinen angrenzenden Wäldern bietet mannigfaltigen Tieren ein zu Hause. Die Kinder werden nicht ein Tier gesehen haben. Keine Enten, Graugänse, Füchse, Wildschweine, Rehe, Schwarzspechte, Fischreiher, Silberreiher, Buntspechte, Fasane, Eichelhäher, Bussarde, Adler und Seeadler – um nur die wichtigsten Vertreter aufzuzählen. Nichts dergleichen werden sie gesehen haben. Welch ungenutzte Chance! Dabei ist es heute bedeutender denn je, Naturschützer zu generieren oder Menschen, die sich wenigstens partiell für die Natur einsetzen. Stattdessen züchten wir weitere Generationen heran, die mit Freuden das Habitat Erde vernichten und genüßlich dereinst ihr Geld zählen werden.

Als ich sie auf meinem Rückweg letztendlich doch passierte, hörte ich nur: „Schneller, schneller, schneller!“. Ich reagierte nicht, dennoch sah ich mir die jungen Menschen genau an. Der Widerwillen sich im Wald durch den Schnee kämpfen zu müssen, stand ihnen in das Gesicht geschrieben – wieso sie dennoch die Wege verließen, kann ich nicht nachvollziehen. Von Freude und Spaß an der natürlichen Umgebung keine Spur, kein Interesse. Wie langweilig! Ein Jammer. Ich wäre natürlich ein Narr anzunehmen, daß sich unsere Spezies noch ändern könnte oder dazu lernt, wir werden die wunderbare Natur auf diesem zwar nicht – einzigartigen – aber doch besonderen Planeten irgendwann komplett vernichten – und damit auch uns. Ich habe meine Hoffnung längst aufgegeben. Man beachte die inkompetenten Politiker vor kurzem in Kopenhagen. Hoffnung treibt das Schiff der Narren. Doch vielleicht erkennt eines nicht mehr allzu fernen Tages – der eine oder andere Mensch, kurz bevor unsere Spezies endgültig ausstirbt, daß Geld kein probates Mittel zum Überleben darstellt. Und man kann es noch nicht einmal essen. Erstaunlich, oder?