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Mehr als nur Routine. & Mein 400. Regenlauf.

Posted in 400. Regenlauf, Täglichlaufen. Laufalltag. on 30. Juni 2017 by Täglichläufer

Nur Routine. In der Tat, nur Routine – welche stets ihre Fährlichkeit beweist, was ich nur vier Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erfahren durfte. Während meines Rückweges sprang mich jählings am Waldrand eine tobende Wanderwurzel an – deren Vorfahren ich bis zu den Erzeltern aufzählen könnte und mir somit sehr vertraut war – und dennoch, und dennoch! Mein Lauf hielt urplötzlich inne, die Raumzeit fror zitternd ein und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken, die ich vor vielen Jahrhunderten in meinem Kampfsport erlernte und ohne Unterlaß üben mußte. Und so fiel ich also nach vorne und absolvierte währenddessen einen dreifachen Vorwärtssalto und landete elegant und extrem entspannt auf den Füßen und lief lächelnd weiter – halt! Nein – tatsächlich, genau so fand es statt, aber leider in einem Paralleluniversum; nicht in dem meinen.

Wenige Wörter zuvor. „…und ich erinnerte mich an diverse Falltechniken – nur für einen Bruchteil in der Sekunde und ja, diese Erinnerungen an all das Geübte nutzten mir weniger als nichts, denn rasanter als ich denken konnte, vollzog ich die Wendung aus dem Laufschritt bei einer geschätzten Geschwindigkeit von 12/13 Kilometern pro Stunde in den alles andere als elegant aussehenden Bauchklatscher und landete entsprechend unsanft auf unebenen Boden, der mit zahlreichen Wurzeln und Steinen garniert war. Jene von mir neu entwickelte Technik taufe ich auf den Namen: „Nasser Sack“. Partiell lädiert und etwas verärgert über meine Ungeschicklichkeit setzte ich meinen Lauf ungeachtet dessen fort. Der nächste Sturz wird folgen. – –

Themenwechsel. Am 09.12.2013 durfte ich hier verkünden, daß ich meinen 300. Regenlauf vollzogen habe – gerechnet ab dem 01.01.2000. Nun, heute ist es erneut so weit – aus der Zahl 300 wurden mittlerweile 400 Regenläufe. Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen von beachtlichen Starkregen, den ich durchaus bedenklich bewertet habe – den Laufkontext lasse ich für diesen einen Satz außen vor. Heute morgen obsiegte nach wie vor eine gehaltvolle Finsternis, wenngleich der Starkregen sich nicht mehr die Ehre gab. Nichtsdestotrotz waren die Witterungsbedingungen diesem honorigen Jubiläum durchaus angemessen und selbst die Eingangspforte des lieblichen Waldes hatte sich gravierend verändert, denn anstatt des gewohnten Pfades erspähte ich einen kleinen See und in diesem Stil setzte sich mein 400. Regenlauf fort. Schlußendlich lasse ich meine eigenen Worte sprechen…

…und sofort umarmt mich eine Windböe, die mich in eine andere mentale Atmosphäre entführen will, was ihr auch liebkosend gelingt. Vollzogene Verführung.

Gewaltige Flotten von Wolkengaleonen präsentierten sich in einer prächtigen Parade – auf facettenreichen Graunuancen basierend – und demonstrierten der entfernten Erde ein kräftiges Regenkonzert. Eine bis in das kleinste Detail abgestimmte Symphonie, welche stakkatoartig die Regentröpfchen in die winterliche Welt entließen. Einmalig komponiert – eine Ode an das Leben. Bedecktes Land. Leere Weite. Ungestüme Freiheit. Beherrschende Einsamkeit, trotziger Regen und leiser Sturm arbeiteten Hand in Hand und hielten jeden aufmüpfigen Besucher von meiner Welt entfernt, was ich sehr zu schätzen wußte. Die Tiefe des Waldes wirkte durch die konzentrierten Regentröpfchen weitaus finsterer als es sonst die Regel ist. Eine aussichtslose Dunkelheit streckte ihren Arm nach mir aus – ich wehrte mich nicht – sie umarmte mich und zog mich in den schwarzen Wald. Ein sehr nachdenklicher Lauf, durchwoben von Melancholie und Freude – die unterschiedlichsten Gefühle. Begegnungen wie die heutige reißen mich aus der Routine und offenbaren, wie fragil die Endlichkeit doch ist. Ich habe unverschämtes Glück, daß ich schon so lange täglich laufen darf. Wir sollten jeden einzelnen Lauf genießen, wer weiß, was das Leben für uns noch bereithält.