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Täglichlaufen. Ein Zwang?

Posted in Täglichlaufen. Zwang? on 23. Januar 2009 by Täglichläufer

Orchideenliebhaber verstehen Orchideenliebhaber. Genealogen verstehen Genealogen. Täglichläufer verstehen Täglichläufer. Menschen gleicher Art verstehen immer einander. Was mir fremd erscheint, ich nicht nachvollziehen kann, von meiner persönlich definierten Norm abweicht, lehne ich ab. Eine zutiefst menschliche Reaktion. Natürlich existieren auch Ausnahmen; Menschen, deren Empathie konzentrierter ausgeprägt ist, gehen offener mit augenscheinlich Neuem um. Dieser Artikel wird daher nur von einer Minorität verstanden werden, dennoch möchte ich eine Lanze gegen den angeblichen Täglichlaufzwang brechen.

Da ich selbst auf mein achtes Täglichlaufjahr zugehe, maße ich mir an die Thematik beurteilen zu können. Ich erachte Zwang – als Legitimation, um jeden Tag zu laufen – als reine Illusion. Wie kann eine repressive Nötigung zum Laufen über Jahre ausgeübt werden? Denn dann würde man nicht hinter seinem Tun stehen. Was wäre dies für eine Belastung für Körper und Geist? Nicht nur der Körper würde alsbald rebellieren, sondern auch die mentale Beanspruchung wäre exorbitant. Eminent wichtig sind per se die gesundheitlichen Aspekte. Läuft man aus Zwang, so ist das innere Gleichgewicht nicht existent, welches sich auch auf die Gesundheit auswirkt. Ergo konterkariert ein etwaiger Zwang das körperliche Befinden. Vielleicht kann man sich dem Druck sechs Monate beugen, aber nicht mehrere Jahre. Eine absurde These. Täglichlaufen ist ein zwangloser Stil. Nach meinem Verständnis existiert nur eine einzige Option, um Täglichlaufen jahrelang zu praktizieren. Es ist der Weg der Liebe. Man muß das Laufen lieben. Ohne Zweifel.

Natürlich mag es auch Fanatiker geben, die Täglichlaufen, um möglichst viele Tage anzusammeln, welches jedoch von der Grundsatzintention schon unsinnig ist. Dieser Ansatz kann nicht langfristig funktionieren, da auch er wieder zum Zwang führt. Sicherlich kann das Fehlen von Ruhetagen zum Problem werden. Aber irgendwann lernt man, daß ein kurzer Lauf von fünf Kilometern die Pause ersetzen kann. In den letzten Jahren kam es öfter einmal vor, daß ich keine „Lust“ zum Laufen hatte. Das Gefühl ereilte mich jedoch immer VOR dem Lauf. Sobald ich mich im Wald befand und die Natur mich umhüllte, dominierte die Liebe zum Laufen. Ein einzigartiges Gefühl, fern von jedweden Zwängen. Wer meine Laufberichte liest, wird mich vielleicht verstehen, was ich mit Liebe zum Laufen meine.

Jahreslanges Täglichlaufen basiert nicht auf Zwang. Es basiert auf Liebe. Zwang ist eine Illusion.

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