Archive for the ZEN Category

Der eigene Weg II. – Mächtige Ignoranz.

Posted in Elementares, ZEN on 12. November 2010 by Täglichläufer

Vorgestern. Drei Grad, Laufende. Ein Gespräch mit zwei Damen. „Wenn ich dich so sehe, wird mir eiskalt! Das ist doch nicht gesund!“. Gestern. „Wie viel Kilometer sind sie in diesem Jahr bisher gelaufen? Meine Antwort: 4232 Kilometer. „Das ist doch nicht normal!“. – Was ist das, „normal“? Wer definiert das? Mit welchem Recht?

Täglichlaufen über Jahre? Ungesund! Das belastet die Gelenke zu sehr; macht sie kaputt. Überbelastung! Der Körper kann nicht regenerieren! Der Kälte ist schädlich, die Hitze natürlich auch. Der Sturm ist unangenehm, der Regen zu naß, der Schnee zu glatt. Ohne Ruhetage kann man kein sinnvolles Lauftraining praktizieren. – Und so weiter. Und so fort. Die Litanei findet kein Ende.

Wer kennt sie nicht, die Menschen am Rand des Weges, die ihre Zweifel und Unwissenheit ungefragt in Worte gießen und Bedenken für das eigene Agieren säen wollen? Die ihr Unverständnis zum Ausdruck bringen, vielleicht mit dem unbewußten Ziel, den Adressaten auf ihr eigenes Niveau einzufrieren? Einflüstern, etwas nicht zu können, weil es unmöglich erscheint. Überall gibt es derartige Stimmen, ich habe derer viele vernommen. Wohl dem, der sich einer mächtigen Ignoranz hingeben kann! An sich selbst glauben, sich nicht verunsichern lassen; ungeachtet aller Kritik – dann ist es möglich, Dinge zu erreichen, die unglaublich wirken. Was sie freilich nicht sind. Und ganz einfach seinen eigenen Weg beharrlich gehen, dabei aber nie den Glauben an sich selbst verlieren.

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders herausfordernd zu gestalten, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Am Tag des Wettbewerbes versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen.

Dann endlich war es soweit! Der Wettlauf begann! Nun war es so, daß keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, daß auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könnte. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ oder „Das ist einfach unmöglich!“ oder „Das schafft Ihr nie!“ Und so ging es fort ohne Unterlaß.

Und wirklich schien es, als sollte das Publikum Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“. Wirklich gaben bald alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte – und als einziger das Ziel erreichte. Welch Wunder!

Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war. Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen.

Und erst da merkten sie, daß dieser Frosch taub war!

(Autor unbekannt) – in Teilen von mir modifiziert
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Der eigene Weg

Posted in Elementares, ZEN on 3. August 2010 by Täglichläufer

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan. Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. „Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, daß das kleine Kind sich müde läuft.“

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen. Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater daneben herläuft.“

Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzen. „Hat man so etwas schon gesehen?“ keifte eine Frau, „Das ist Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan, die arme Kreatur!“

Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen vom Esel herunter. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“

Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter des Sohnes. „Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

(Peseschkian – Der Kaufmann und der Papagei)

Wie kann man nur täglich laufen? Wie kann man nur im Regen laufen? Wie kann man nur in der Kälte in kurzer Bekleidung laufen? Wie kann man nur in der sommerlichen Hitze laufen? –

Alles Fragen, die mir nicht nur einmal gestellt wurden. Irrelevant, was und wie man etwas tut – oder eben nicht – die Menschen sehen nur das, was sie entsprechend ihrem Horizont sehen wollen. Das betrifft nicht nur mein Täglichlaufen, sondern tangiert unser ganzes Leben.

Nun, wie kann man nur nicht täglich laufen? Wie kann man nur nicht im Regen laufen? Wie kann man nur nicht in der Kälte in kurzer Bekleidung laufen? Wie kann man nur nicht in der sommerlichen Hitze laufen? –

Die Jahre kommen und gehen, Menschen kommen und gehen; mein Denken über diese Reaktionen hat sich geändert. Heute lächele ich über jene, in der Majorität ignoriere ich sie und erkläre nichts mehr. Das Geschwafel anderer Menschen berührt mich nicht. Es interessiert mich nicht, was sie denken oder sagen, es ist ohne jedwede Bedeutung. Sie bewerten mit ihrer beschränkten Weltsicht scheinbar fremdartige Dinge „höchst kompetent“ und definieren sie vielleicht als nutzlos, weil sie es nicht verstehen können oder wollen. Doch nur das, was wir selbst als richtig erachten und somit in der Konsequenz auch leben – ist es auch. Für uns. Nicht für andere. Man muß seinen eigenen Weg gehen, sich nicht verbiegen lassen, ungeachtet aller Rückschläge, Neider und Zweifel – ohne Rücksicht auf törichte Stimmen, die entlang des Pfades für einen Moment erscheinen und ohne Bedeutung sind. Menschen gleicher Art verstehen immer einander.

Die Sicht des Geistes

Posted in Allgemein, ZEN on 2. April 2010 by Täglichläufer

Ostern. Auch in diesem Jahr wird das übliche Prozedere die Feiertage beherrschen. Legionen von Spaziergängern, die mein Laufareal frequentieren werden. Wer kommt? Lärmende und rücksichtslose Menschen mit unangeleinten Hunden. Wer flüchtet? Zahlreiche Graugänse, die sich derzeit der Nachwuchsplanung hingeben und diverse weitere Tiere, die von der Invasion aus ihrem Heim der Ruhe vertrieben werden. Was bleibt? Müll. Direkt vor Ort entsorgt. Aber ich bin ein Narr, dies zu monieren. Was kann ich von einer unintelligenten, selbstzerstörerischen Spezies erwarten, die ihren – wohlgemerkt einzigartigen – Lebensraum als Müllkippe betrachtet und die Erde entsprechend wie Dreck behandelt? Alle Jahre wieder, alles wie gehabt.

Ich werde meine täglichen Läufe in die frühen Morgenstunden verlegen, um diesem alljährlich wiederkehrenden Eroberungsfeldzug aus dem Wege zu gehen. Einsamkeit. Stille. Harmonie. Frieden. Natur. Besinnung. Auf die verletzliche Blume am Wegesrand, die beharrlich dem Wind trotzt. Beobachtung. Der kleinen und unscheinbaren Dinge des Lebens. Das ist meine Welt. Nicht ein Spaziergänger wird das Hochwasserschutzgebiet so sehen, fühlen – wie ich es in der gelobten Abgeschiedenheit erleben darf.

Himmel und Hölle – um es mythisch zu formulieren. „Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet. Der Gute findet hier sein Paradies, der Schlechte genießt schon hier seine Hölle (Heinrich Heine). Ich wünsche all meinen Kommentatoren ein wunderbares Osterfest – dominiert von Frieden und Ruhe – innerhalb der Familie.

Himmel und Hölle

Ein gefürchteter und strenger Samurai ging einst einen kleinen und doch sehr berühmten Zen-Meister besuchen. „Meister“, sagte er in einem Ton, der sofortigen Gehorsam einforderte und keinen Widerspruch duldete, „lehrt mich das Sein von Himmel und Hölle!“ Der Zen-Meister sah zu dem mächtigen Krieger auf und entgegnete voller Verachtung: „Dich etwas über das Sein von Himmel und Hölle lehren? Überhaupt nichts kann ich dich lehren. Du bist schmutzig. Du stinkst. Deine Klinge ist verrostet. Du bist einfach nur widerwärtig und eine Schande für die hehre Kaste der Samurai! Geh mir aus den Augen! Hinfort! Ich kann dich nicht ertragen!“ Der Samurai war wütend. Er zitterte, wurde rot im Gesicht, ja, er war sprachlos vor Zorn. Er zog sein Schwert und hob es kraftvoll in die Höhe, um den alten Mann damit zu enthaupten. Der jedoch entgegnete ruhig und entspannt mit voller Sanftmut: „DAS ist die Hölle.“

Der verärgerte Samurai war plötzlich überwältigt. Die Erkenntnis kam aus dem Nichts. Das Mitgefühl und die Ergebenheit dieses kleinen alten Mannes, der sein Leben hergab, um ihm diese Lehre zu offenbaren und ihm die Hölle zu demonstrieren. Langsam senkte er sein Schwert, erfüllt von Dankbarkeit, unbekannten Gefühlen und plötzlichem Frieden. „Und DAS, ist der Himmel“, sagte der weise Zen-Meister milde. Und lächelte.

(ZEN-Anekdote) – Von mir modifiziert

Von blumigen Vorsätzen, Fehlern und einem Sprung in der Schüssel

Posted in Allgemein, ZEN on 7. Januar 2010 by Täglichläufer

Ergänzung. Heutiger Lauf.

Insgesamt 13 Kilometer, bei -08 C° in der weißen Winterwelt. Auf dem Damm traf ich Beagle Bruno zum vierten Mal in dieser Woche. Mit seinem Besitzer unterhielt ich mich und nebenher streichelte ich den lieben Bruno. Weiterhin flanierte in meinem Laufareal eine Grußfreundin von mir, die ihren Kampfhund Smash ausführte – ihr geparktes Auto am Waldrand hat mir ihre Anwesenheit längst verraten. Wir sprachen über ihren Hund, der mir schon immer suspekt war, doch stets vorbildlich angeleint. Der Beaglehalter erzählte mir, daß bei ihrer Begegnung – sie die Leine vom Kampfhund mehrfach um einen Baum wickelte, so konnte er ungehindert vorbei. In der Ferne kehrte sie mit großen Schritten zurück und Bruno und sein Herrchen verabschiedeten sich schnell. Ich lief weiter und hatte ein seltsames Gefühl. Als ob ich es geahnt hätte.

Nun waren sie vor mir, ihr Hund auf der linken Seite, ich wich nach rechts aus. Zehn Meter vor mir lachte sie mich an und sagte: „Ich habe dich heute gar nicht erkannt!“ – da ich lange Bekleidung trug. Ich lächelte und antwortete auch, aber was ich sagte, ist aus meinem Gedächtnis gestrichen. Nachdem ich sie passiert hatte, kam ich noch zwei Meter weiter – als plötzlich ihr ca. 55 Kilogramm schwerer Kampfhund hinter mir herjagte. Ich dachte, ich wäre im falschen Film. Ich lief in den vergangenen Jahren hunderte Male an ihm vorbei, nie war etwas. Ich erhöhte mein Tempo und dann sah ich, daß die Halterin ihn nicht mehr festhielt – er war frei. Ich traute meinen Augen nicht, sofort blieb ich stehen und brüllte ihn an, „HAUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU AAAAAAAAAAAAAAAB“. Er stand einen Meter vor mir und knurrte mich aggressiv an. Ich brüllte ihn weiter an, an meine Waffe dachte ich in keiner Sekunde.

Beim letzten Angriff war ich dermaßen wütend, daß ich den Dobermann
angreifen wollte, heute war das Gegenteil der Fall. Zum ersten Mal überhaupt, hatte ich Angst. Die Besitzerin kam nicht näher, sie rief nur, er möge zu ihr kommen. Widerwillig trottete er irgendwann zu ihr hin und sie sprach auf ihn ein, „Du kennst ihn doch, du kennst ihn doch!“. Sie entschuldigte sich bei mir und sagte, daß sie damit nie gerechnet hätte“. Es war dem Hund anzusehen, daß er von meinem lauten Brüllen irritiert war, gleichwohl war es erstaunlich, daß er seinen Angriff abbrach. Ich bin schon oft mit der Halterin spaziert, einmal sagte sie zu mir, „Ich wundere mich, daß er dich an meiner Seite toleriert. Sonst erlaubt er das nicht.“ Etliche Male habe ich mich amüsiert, wenn er unverhofft stehen blieb, für seine Besitzerin war es, als ob sie gegen eine Wand läuft, so wurde sie durch das Kraftpaket zurückgezogen.

Anschließend wertete ich das Geschehen mit dem Besitzer von Bruno aus, er wurde mehr oder weniger Zeuge meines heutigen Erlebnisses. Es entspricht nicht meinem Wesen, mich von Hunden oder sonst wem einschüchtern zu lassen, doch in Zukunft werde ich diesen Kampfhund meiden. Eine Begegnung dieser Art reicht mir völlig und ich bin nicht so verrückt, eine derartige Situation auch nur im Ansatz allein durch meine Präsenz erneut herauszufordern. Ich weiß nicht, für wen der Schock größer war, für die Halterin oder für mich. Aber dieses Erlebnis muß ich erst einmal verarbeiten. Ich kann es nicht glauben, daß mich schon wieder ein Angriff heimsuchte. In naher Zukunft kann von entspannten Täglichlaufen keine Rede mehr sein. Nun werde ich wieder vorsichtig angriffsbereit durch die Wälder laufen, wie vor vielen Jahren. Ich hasse das.

Ergänzung Ende.

Das gleiche alte Lied. Zum Ende des sterbenden Jahres respektive zu Beginn der hoffnungsvollen, neuen Zeit wachsen besondere Blumen in den geistigen Gärten. Riesige Flächen sind regelrecht erobert worden, von jenem geheimnisumwitterten Gewächs, welches undiszipliniert wuchert. Die meisten davon werden nicht groß, verdorren und vergehen in das Schattenreich – ohne zur Blüte gereift zu sein. Nur einige von ihnen werden einen Sproß entwickeln und noch viel weniger werden eine Blüte hervorbringen und mehrjährig gedeihen. Von welchen Pflanzen ich spreche? Den blumigen Vorsätzen. Überall tönt es derzeit in gewichtigen Worten: „Abnehmen! Mehr Sport! Rauchen einstellen! Mehr Bewegung! Gesund leben!“ Oder gar, „Täglichlaufen!“. Ein sich wiederholendes Ritual. Vorsätze, die das logische Scheitern in sich bergen. Das gleiche alte Lied.

Wenn ich mein Leben ändern will, dann mache ich das. Sofort. Ein exponiertes Datum, sozusagen als definierten Startpunkt in der Zukunft zu etablieren, ist gleichsam sinnfrei wie unnötig. Wer einmal erkannt hat, daß seine Lebensweise nicht mit den essentiellen Forderungen des Körpers und des Geistes harmoniert, wird sein Verhalten adäquat ändern und bei entsprechendem Ernst auch langfristig leben. Ohne spezielles Datum. Einfach so. Von hier auf jetzt. Weil es ihm wichtig ist. Weil es nötig ist. Für sich und seinen Körper. – Krankheiten seien hierbei natürlich ausgeklammert. Die Erkenntnis beginnt im Kopf und bedarf kein neues Jahr, um einen Anfang zu legitimieren, der bereits in sich den Widerspruch birgt.

Und für jene Menschen, die sich wohl fühlen, so wie sie sind und sich zu Vorsätzen von anderen Personen verleiten lassen – die kenne ich auch – entwickeln mit ihren fragwürdigen Absichten eine Art von Druck, der per se kontraproduktiv ist und sich als fataler Bumerang erweisen wird. Man kann niemand missionieren und von etwas überzeugen wollen, was jene Person von sich aus gar nicht möchte. Und sei es noch so gut gemeint. Überzogene Erwartungshaltungen. Sich als erwachsener Mensch zu ändern, ist alles andere als leicht und vielleicht auch nicht immer erforderlich – sofern man sich wohl fühlt, sich selbst akzeptiert und schätzt. Folgende Anekdote stellt ein denkwürdiges Beispiel dar, daß wir unser Umfeld so akzeptieren sollten, wie es ist und nicht dahingehend anmaßend zu manipulieren, daß es sich ändert. Ein Weg, der nicht in die Zufriedenheit führt. Denn wir sollten unsere Schwächen – wer definiert das, mit welchem Recht? – nicht verstecken und negieren, sondern dazu stehen – sie gehören zu unserem Leben und bilden ein Teil unserer Persönlichkeit. Dadurch wird das Leben doch interessant, oder?

Der Sprung in der Schüssel

Vor langer Zeit lebte eine alte Dame, die zwei große Schüsseln besaß und die von den Enden einer Stange hingen, welche sie mühsam über ihre Schultern trug. Eine dieser Schüsseln hatte einen großen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser faßte. Am Schlußpunkt ihrer langen Wanderung vom Fluß zum Haus war die fehlerhafte Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich. Die Dame brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre überragende Leistung – fast schon arrogant – aber die arme Schüssel mit dem Sprung, schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt und tieftraurig, daß sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie ursprünglich gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Dame: „Ich schäme mich so sehr wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer das Wasser hinausläuft.“

Die Dame lächelte wissend: „Ist dir je aufgefallen, daß auf deiner Seite des Weges wunderschöne Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?“ „Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewußt war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause gehen. Zwei Jahre lang konnte ich diese herrlichen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind die Schwächen, Sprünge und Fehler, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen. Man sollte jede Person einfach so nehmen, wie sie ist und das Gute in ihr sehen. Oder sich zumindest bemühen und die anderen Menschen, die einem fremd erscheinen, zu verstehen – und nicht zu ändern.

(ZEN-Anekdote) – Von mir modifiziert

Nachdenkliche Weihnachten – 2009

Posted in Allgemein, ZEN on 22. Dezember 2009 by Täglichläufer

Wohlan, Weihnachten steht fein herausgeputzt vor der diesjährigen Tür. Die Kälte und der Schnee gesellen sich hinzu. Feierliche Tage werfen ihren dekorierten Schatten voraus, der mit Beginn der heimeligen Vorweihnachtszeit stetig ergreifender wurde. Das Fest der Liebe, der Besinnung und der Ruhe. Oder auch Momente voller Streß, Hektik und Streit. Alles ist möglich und in den meisten Fällen liegt es nur an uns, wie wir damit umgehen. Bei aller gewichtigen Hetze, ein Lächeln im Alltag kann Wunder wirken. Für viele Menschen ist Weihnachten der absolute Höhepunkt im Jahr – können es kaum erwarten – während andere Angst vor dieser Zeit haben. Für Alleinstehende oder Einsame beispielsweise wirkt das Familienfest eher bedrückend. Auch im jenem Kontext, daß die heutigen Lebensformen nicht mehr den vorhergehenden Generationen entsprechen. Die Festtage stellen eine Besonderheit dar, dennoch, auch sie werden von Höhen und Tiefen bestimmt – äquivalent unser Dasein und das Leben an sich.

Mit einsamen Läufen wird es spätestens am 25.12. vorbei sein; Heerscharen von Spaziergängern werden mein Laufareal bevölkern. Alle Jahre wieder. Wenn man sich im restlichen Jahr schon nicht bewegt hat, dann jetzt aber zu Weihnachten! Gleich verbunden mit Vorsätzen für das neue Jahr, die dann doch nicht realisiert werden. Alles wie gehabt. So sei es. Entsprechend meinem Stil, schließe ich mit zwei nachdenklichen Anekdoten. Die eine, publizierte ich bereits im vergangenen Jahr, gleichwohl hat sie nichts an Aktualität eingebüßt, weswegen sie für mich ein Muß zu Weihnachten ist. Wider dem Konsumrausch. Ich wünsche all meinen Kommentatoren ein wunderbares Weihnachtsfest, eine gemütliche Zeit voller Liebe – im Kreis vertrauter, geliebter Menschen, getragen von einer atemberaubenden Stille der Behaglichkeit. Und das Lächeln nicht vergessen.

Fragwürdige Werte

Als Laotse einmal mit seinen Schülern auf Reisen war, kamen sie zu einem Wald, wo Hunderte von Holzfällern bei der Arbeit waren. Fast alle Bäume waren schon gefällt, außer einem ganz großen mit Tausenden von Ästen. Er war so riesig, daß zehntausend Menschen in seinem Schatten hätten sitzen können. Laotse bat seine Schüler herauszufinden, warum jener Baum nicht auch gefällt worden war. Sie gingen zu den Holzfällern, um Erkundigungen einzuziehen, die auch prompt beantwortet wurden: „Dieser Baum ist vollkommen unbrauchbar. Man kann nichts daraus machen, weil jeder Ast soviel Knoten und Verzweigungen hat. Kein Stück ist gerade. Auch als Brennholz ist er nicht zu verwenden. Sein Rauch ist für die Augen gefährlich. Dieser Baum ist absolut nutzlos, darum haben wir ihn nicht gefällt – was zudem ein zehrender Aufwand wäre.“

Die Schüler kehrten zurück und berichteten Laotse, was sie erfahren hatten. Der aber lachte nur und sprach: „Seid wie dieser Baum. Wenn ihr nützlich seid, dann fällt man euch und ihr werdet zu Möbeln in irgendeinem Haus. Wenn ihr schön seid, verkauft man euch als Ware auf dem Markt. Ständig wertet ihr andere Menschen nach ihrer Brauchbarkeit, ihrem Nutzen. Seid wie dieser Baum, vollkommen unbrauchbar. Und ihr werdet wachsen und wachsen, immer weiter und größer und Tausende von Menschen werden unter euch Schatten finden.“

(ZEN-Anekdote)
Arme Leute

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit auf das weit entfernte Land, um ihm zu zeigen, wie unsäglich arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf der Farm einer sehr armen Familie.

Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: „Wie war nun dieser Ausflug?“ „Sehr interessant!“ sprach der Sohn. Und hast Du gesehen, wie arm Menschen sein können?“ „Oh ja, Vater, das habe ich gesehen.“

„Was hast Du also gelernt?“ fragte der Vater. Und der Sohn antwortete: „Ich habe gesehen, daß wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Laternen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.“

Der Vater war sprachlos.

Und der Sohn fügte noch hinzu: „Danke Vater, daß Du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.“

(Philip E. Humbert)

Der Tanz der Schmetterlinge

Posted in Fauna, ZEN on 9. November 2009 by Täglichläufer

Anfang Juli hieß ich den scheinbar nahenden Winter willkommen. Zu diesem Zeitpunkt herrschten Temperaturen um die 30 C°; mein winterliches Gedankenspiel im Sommer sorgte für eine mentale Abkühlung – wenngleich nur temporär. Was damals noch in der Zukunft lag, liegt heute in der Vergangenheit. Und wie immer, vollzog sich das Leben in einer erschreckenden Geschwindigkeit. Die Realität hat sich einmal mehr gedreht, brütende Treibhausstimmung suche ich heute vergebens. Doch ich bin meinem einstigen Rat gefolgt und habe die heißen Momente genossen. Wohlan, ich blicke bei frischen 0 C° im November auf den Sommer zurück. Es ist nur konsequent, wenn ich mich nun an die sonnigen Tage erinnere. Hierbei beschränke ich mich in meiner Sommerreminiszenz jedoch nur auf eine Facette.

Mein Augenmerk konzentriert sich stellvertretend auf die anmutige Schönheit der Schmetterlinge. Bei folgenden Exemplaren gelang es mir, ihre wunderbare Existenz in einem Bild festzuhalten: Roter Admiral, Kleiner Perlmutterfalter, Tagpfauenauge, Brauner Waldvogel, Trauermantel und der Hummelschwärmer. Besonders zum Letztgenannten war eine durchaus beidseitige Sympathie nicht zu übersehen. Als sie elegant durch die Luft tanzten, konnte ich mir nur schwer die kalten Temperaturen vorstellen – doch jetzt sind sie da. Gegenwärtig verhält es sich so mit den warmen Gradzahlen. Aber auch jene werden wir schneller wieder erleben – als wir es uns derzeit vielleicht ausmalen können. Bald werden sie erneut grazil durch die Natur gleiten.

Roter Admiral

Kleiner Perlmutterfalter

Tagpfauenauge

Brauner Waldvogel

Trauermantel

Hummelschwärmer

Um der hier publizierten Schönheit einen tieferen Sinn zu verleihen, schließe ich mit einer weisen Zen-Anekdote. Die Geschichte fügt sich nahtlos in meine Täglichlaufphilosophie ein. Gleichzeitig projiziert sie ihren Sinn auf das Leben an sich – in einer zutiefst allumfassenden Weise. Eine wunderbare Kombination: Schönheit und Weisheit.

Eines Tages suchte der Schüler seinen Zen-Meister auf.

„Verehrter Meister“, seufzte er, „um Euren Lehren zu folgen, sind so enorm viel Mühe, Selbstdisziplin, Geduld und Beherrschung vonnöten. Das ist mir alles viel zu anstrengend. Ich werde das Studium beenden.” Der erhabene Meister blickte mit einem traurigen Blick auf seinen Schüler. „Kennst Du die Geschichte von der Raupe?” fragte er. Der Schüler schüttelte den Kopf. „Gut, ich werde sie Dir erzählen. „Es war einmal eine Raupe, die hatte das Gefühl, daß die Verwandlung zum Schmetterling zu anstrengend sei. So beschloß sie, eine Raupe zu bleiben“.

Und während sie mühsam, langsam und unzufrieden durch ihr Dasein kroch, schaute sie immer wieder wehmütig hinauf zu all den herrlichen Schmetterlingen, die im Sommerwind von Blume zu Blume tanzten und schwungvoll durch das Leben schwebten”. Der weise Mann beobachtete seinen Schüler und fuhr dann fort: „Nun überlege Dir wohl, ob der scheinbar einfachere und leichtere Weg auch wahrhaftig der einfachere ist“. – Lohnt es sich, bei Widerständen und Herausforderungen aufzugeben oder werden wir dadurch zu dem, was wir sein könnten?

(ZEN-Anekdote) – Von mir modifiziert

Das Leichtere

Posted in Contra Gesellschaft, Gedichte & Zitate, ZEN on 10. September 2009 by Täglichläufer

Der berühmte Meister Ikkyu wurde vom mächtigen Kaiser zu einem Festbankett eingeladen. Wie immer sehr ärmlich bekleidet, begab er sich sodann zum Palast. Als er durch das Haupttor gehen wollte, wurde er sofort von den Wächtern aufgehalten: „Wer bist du und was willst du hier?” – „Ich bin Ikkyu, der Zen-Mönch und ich bin vom Kaiser zum Essen eingeladen.”

Die Wächter brachen in lautes Gelächter aus. „Was? Du willst der berühmte Meister Ikkyu sein? Du lügst, du bist nichts weiter als ein armseliger Bettler, gehe weg, verschwinde von hier, hinfort du unbedeutender Nichtsnutz!” Schweigend ging Ikkyu wieder nach Hause. In einer alten Truhe hatte er noch einen wunderschönen Anzug aus reiner Seide mit goldenen Stickereien von früher aufbewahrt. Er hatte ihn noch nie getragen. Er nahm das Gewand heraus, zog es an und spazierte erneut zum Palast. Die Wächter am Eingang sahen ihn schon von weitem daher schreiten: „Ah, da kommt ein wichtiger Gast, das ist sicher Meister Ikkyu, der vom Kaiser zum Essen eingeladen wurde.”

Ohne sie eines Blickes zu würdigen, schritt Ikkyu an ihnen vorbei. Sie verneigten sich tief. Er begab sich zum Saal, in dem das Bankett bereits begonnen hatte. Dort wurde er vom Kaiser mit Freude empfangen. Aber anstatt sich hinzusetzen, zog er seine Kleider aus – bis er ganz nackt war – legte sie auf seinen Sitz und ging wortlos wieder zur Tür. Alle Anwesenden waren schockiert. Der Kaiser rief ihm fassungslos nach: „Ikkyu, was soll das, was machst du denn da?”

Dieser drehte sich um und antwortete: „Ich bin nur gekommen, um ihnen meine Kleider zu bringen, denn sie haben nicht mich eingeladen, sondern meine Kleider.”

(Autor unbekannt) – In Teilen von mir modifiziert.

Einmal mehr eine wunderbare Zen-Anekdote. Ein jeder möge für sich den Sinn interpretieren, der in dieser Geschichte verborgen ist. Wie alt der Text auch sein mag, für mich ist dies irrelevant – an Aktualität ist er dennoch nicht zu überbieten. Die zur Schau gestellte Oberflächlichkeit ist auch für unsere heutige Welt symptomatisch. Der auf den ersten Blick arme Bettler – der so gar nicht in die feine Gesellschaft des Kaisers paßt. „Kleider machen Leute“. Oder etwa doch nicht? Werden Menschen in teurer Markenbekleidung zu besseren Menschen? Oder werden sie durch ihr Denken nicht eher ärmer? Wieso haben sie es nötig, sich über ihre Bekleidung zu definieren? Und für wen kleiden sie sich? Für sich? Oder für andere? Und unsere Kinder? Sollten wir nicht lieber für ein gesundes Selbstbewußtsein sorgen – als sie den Weg der fragwürdigen Statussymbole beschreiten zu lassen?

Oberflächlichkeit. Unsere Welt ist ein Hort selbiger. Wer hat noch wirkliches Interesse an seinen Mitmenschen? An seinen Nachbarn – in der anonymen Großstadt? Ist es nicht besser, sich lieber mit sich selbst zu beschäftigen als mit den Problemen anderer? Oder doch lieber mal ein Wort mit der einsamen, alten Nachbarin reden – die sich vielleicht darüber freuen würde? Wer kann noch zuhören? Wirklich zuhören?

Sind wir nicht alle Naturliebhaber? Manche Menschen fahren mit ihren Autos direkt in den Wald – so sehr lieben sie die Natur. Am Seeufer wird gegrillt und weil die Natur so schön ist, wird der Müll gleich vor Ort entsorgt. Oberflächliche Naturliebe? Vor wenigen Tagen wurden hier Kindergruppen in den Wald geführt. Welch ein Erlebnis! In zwei Kilometern Entfernung war ihr Kreischen und Schreien zu hören. Sie werden nicht ein Tier gesehen haben. Ein oberflächlicher Ausflug in den Wald – eine Spur von traurigen, abgeknickten Ästen. Wie trivial. Schade eigentlich. Was hätten diese Kinder in der Natur lernen können? Respekt vor den Waldbewohnern? Die Liebe zu Tieren? Wunderbare Pflanzen und Pilze beobachten, ja, bestaunen? Das Leben achten?

Oberflächlichkeit. Ein Endlosthema. Ein Tribut der heutigen Gesellschaft. Es ist ja auch viel leichter. Oder ist es am Ende gar ein Irrtum?