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Gefahren des Täglichlaufens

Posted in Täglichlaufen. Risiko. on 28. Mai 2010 by Täglichläufer

Täglichlaufen. In der Natur. In Frieden und Harmonie. Im Einklang mit dem Dasein und mir selbst. In der Einsamkeit der Stille und in der leisen Lautmalerei der Abgeschiedenheit des allumfassenden Sein. Genießen. Purer Genuß. Ja, ich bin geneigt anzunehmen, daß mein Täglichlaufen Friedlichkeit par excellence symbolisiert. Demungeachtet trügt der Schein. Das Täglichlaufen an sich, ja, das steht für Frieden und Unbekümmertheit. Und doch kann es bedrohliche Ausmaße annehmen; freilich durch externe Faktoren, die sich meiner Kontrolle beharrlich entziehen. Ich differenziere zwischen Menschen, Tieren und Witterungseinflüssen; die Gesundheit lasse ich außen vor. Der Vollständigkeit halber, erwähne ich zusätzlich meine eigene Unzulänglichkeit, die sich einst dann und wann in einer übersehenen Wurzel manifestierte, mit der fliegenden Konsequenz, den Boden im Sinkflug überraschend schnell zu besuchen.

Menschen. In der Vergangenheit kausaler Anlaß für zahlreiche Konflikte und Auseinandersetzungen. Absurde Begebenheiten, die aus heutiger Sicht noch viel grotesker und surrealer wirken – als ich sie einst erleben mußte. Partiell sogar kritisch für meine körperliche Unversehrtheit. Die Hundethematik sei hiermit eingeschlossen – wenn mich auch die Hunde attackieren, und nicht die Halter – zeichnen dennoch die Besitzer verantwortlich für das aggressive Gebaren ihrer Lieblinge. Hinzukommend die Problematik der Menschen als Teilnehmer des Straßenverkehrs, soll heißen, als Fahrzeugführer. Jenes Thema war mir bereits einen separaten Artikel wert, explizit die Situation am Standort des berühmt-berüchtigten Stopschildes, als Teil meiner Laufstrecke. Da ich mir der Brisanz bewußt bin, verliefen die Vorfälle in der Majorität glimpflich, wenngleich ein Ereignis meiner Laufkonzeption um Haaresbreite ein Ende setzte. Später mehr zur Verkehrsproblematik.

Tiere. Bis auf die Hundethematik ein unbeschriebenes Blatt. In meiner Statistik führe ich fünf Kontakte mit Wildschweinen auf. Auf Grund der Medien weiß ich von negativen Konflikten mit Familie Schwarzkittel, die ich jedoch für meine Person nicht bestätigen will. Nach meiner Erfahrung betrachte ich die Putzels als harmlos. Ich traf eine komplette Rotte mit Frischlingen im Dunkeln; nur wenige Meter vor mir, zwei große Wildschweine im Morgengrauen und auch nur Frischlinge – ohne Bache oder Keiler – im Wald. Nie kam es zu einem Angriff, im Gegenteil, sie waren stets sehr scheu. Viel gravierender erachte ich die Spezies der Insekten, die zu augenscheinlichen Bällen formiert – in Dimensionen von Abertausenden auf mich einprasselten und zu gerne in meinen Augen landeten. Vor zehn Jahren brach ich deswegen sogar einen Lauf ab. Wirkliche „Gefahren“ sind oft nicht in großer, evidenter Form konzentriert, sondern im Kleinen verborgen. Einst formulierte ich in meinem Beitrag, Das Große im Kleinen und das Viele im Wenigen: „So zeigt sich einmal mehr, daß Unannehmlichkeiten nicht immer von offensichtlichen, großen Kontrahenten ausgehen, sondern vom Kleinen und Unscheinbaren, welches nur konzentriert auftreten muß, um einen Läufer die Tränen in die Augen zu treiben.“

Witterungseinflüsse. Ein Fokus, der bei aller Irrelevanz mein Täglichlaufen doch eklatant tangieren kann. Entsprechend erlebte ich einige Stürze bei Glatteis. Fortsetzung folgt. Vor Gewitter hingegen, hege ich einen gewissen Respekt und vermeide bewußte Läufe bei jenen Verhältnissen – sofern sich mir die Möglichkeit der Vermeidung bietet. Ergänzend seien an dieser Stelle eindrucksvolle Stürme genannt, die einst mit den Namen „Kyrill“ und „Emma“ in die Annalen der Meteorologie eingingen. Wenngleich beide Stürme ihre Macht engagiert demonstrierten, definierte ich sie in meinem Täglichlaufkontext nicht als besonders bedrohlich. Große herab fallende Äste erlebte ich ungeachtet herausragender Orkane des Öfteren und nicht alle Begebenheiten verliefen harmlos wie in meinem Beispiel der Gefallenen Liebe. Mehrfach bekam ich die zweifelhafte Chance, von einem Ast erschlagen zu werden – doch das Glück war mir hold, wenn auch nur ein Hauch fehlte.

Die kritischen Risiken des Täglichlaufens können mannigfaltig sein und sind von Seiten aus dem nichts erschienen, mit denen ich nie gerechnet hätte. Aktuell das Beispiel eines Busunfalls mit mehreren Verletzten. Nicht lange zuvor lief ich genau diesen Weg entlang. Der Busfahrer lenkte – wahrscheinlich aus gesundheitlichen Gründen – sein Gefährt quer über vier Fahrspuren in eine Böschung hinein. Eine Bedrohung, mit der ich nie gerechnet hätte, nicht in dieser Form – die mich wahrscheinlich böse überrascht hätte. Wer weiß, ob und wie ich hätte reagieren können. Glücklicherweise war ich zu jenem Zeitpunkt bereits wieder daheim. Folgende Bilder veranschaulichen die durchbrochene Vehemenz eindrucksvoll. Busunglück 1. Busunglück 2. Busunglück 3.

Täglichlaufen. Ein friedlicher Stil des Friedens, der doch immer wieder von den differenziertesten Gefahren konterkariert werden kann – und wird. Für mich bildet diese Thematik ein gewichtiges Argument, weswegen ich nie mit einem MP3-Player laufen würde, aber dies verbietet mir meine Naturliebe von Herzen per se. Nur mit wachsamen Augen und Ohren ist es mir möglich, latenten Bedrohungen aus dem Weg zu gehen. Die Gefahren des Täglichlaufens – immer und überall bilden sie eine Option der Unwägbarkeit. Ich gestehe, daß ich gerne selbst bestimmen würde, wann ich mein Täglichlaufen beende – und nicht etwa ein Bus – doch das Leben hat Recht.

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