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Nichts ist jemals einfach

Posted in Täglichlaufen. 7 Jahre. on 18. März 2008 by Täglichläufer

Zeitmessung. Ein willkürliches, menschliches Konstrukt, um unsere bescheidene Existenz einen Rahmen der Ordnung zu verleihen. Eine Illusion. Aus diesem Grund lasse ich die Schaltjahre unberücksichtigt und konzentriere mich auf das Kerndatum. Vom 18.03.2001 bis 18.03.2008 lief ich jeden einzelnen Tag. Sieben Jahre. Ein interessantes Jubiläum? Für mich persönlich bewerte ich das nicht, da es mittlerweile grundlegend meiner Philosophie entspricht und somit natürlich ist. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem rate ich zum Selbstversuch. Ich möchte meine Leser bitten, auf Glückwünsche zu verzichten – mir geht es nicht um selbige. Warum publiziere ich dieses Jubiläum also öffentlich? Der Beitrag ist mehr für mich selber bestimmt, der Triumph eines unsportlichen Menschen über sich selbst. Ich habe mich durch das tägliche Laufen weiterentwickelt, meinen Geist und Körper verändert. Dennoch ist meine einstige Unsportlichkeit noch ein Teil von mir, die mir die vergangenen Jahre durchaus irreal erscheinen läßt. In diesem Kontext betrachtet, freue ich mich extrem, daß es mir gelang den Belastungen kontinuierlich standzuhalten.

In den letzten Wochen fiel es mir besonders schwer. Immer öfter beschäftigen sich meine Gedanken mit „Ruhetagen“. Doch was sind Ruhetage? Die letzte Pause gönnte ich mir im Jahre 2001. Diese Gedanken sind mehr dem Geist geschuldet, weniger dem Körper. Aber auch dieser meldete sich vor kurzem mit drei Warnschüssen zu Wort. Wenn ich den gedachten Weg weitergehe, erreiche ich irgendwann eine Tür, auf der „Aufhören“ steht. Für einen Moment habe ich ernsthaft darüber nachgedacht – aber der Moment verschwand ebenso schnell wie er erschien. Irrelevant, was ich schreibe oder denke, ich laufe sowieso weiter, solange es mir möglich ist. Es gehört nun mal zu meinem Leben. Mir ist bewußt, daß meine Serie eines Tages vorbei sein wird – sie jetzt „grundlos“ abzubrechen, ist keine Option. Eine schwache Phase, die vergehen wird.

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich weiß aber, daß die Jahre täglichen Laufens eine großartige Erfahrung für mich bilden, die ich nicht missen möchte. Obwohl ich viele unschöne Begebenheiten erlebte; ich würde jederzeit wieder so handeln. An die Täglichläufer unter uns: Genießt jeden einzelnen Tag, jeden Lauf – die Jahre ziehen schneller dahin, als wir gemeinhin denken. Es gehört viel Glück dazu – 100 Tage, ein Jahr und mehr zu erreichen, nehmt es nicht als selbstverständlich.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinem familiärem Umfeld, besonders bei Brigitte für ihre Unterstützung bedanken. Auch wenn ich sie mit meinem Laufen streckenweise genervt habe und auch weiterhin nerven werde, konnte ich mich stets auf ihre Unterstützung verlassen – ohne sie wäre meine Laufserie längst beendet. Ebenfalls meinen Dank an das Streakrunner-Forum – Ihr seid eine tolle Truppe.

Ich heiße das neue Laufjahr willkommen.

Nichts ist jemals einfach.

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