Archive for the Flora Category

Frühling in Vollendung

Posted in Allgemein, Flora, Photos on 2. Mai 2016 by Täglichläufer

In der Tat, die Vollendung des Frühlings ist längst vollzogen und an zahlreichen floralen Örtlichkeiten wurde der einzigartige Zenit betrüblicherweise überschritten, um dem unaufhörlich wiederholenden Spiel der omnipotenten Vergänglichkeit zu huldigen. Nichts in diesem surrealen Leben besitzt jene Beständigkeit wie der Eintritt der noch nicht geborenen Zukunft in das für immerdar wehende Reich der finsteren Vergangenheit. Und so wurden die grünen, edlen Gewänder der natürlichen Erhabenheit angelegt, um damit leise säuselnd im Wind zu tanzen – wild und zärtlich und doch lautlos, spielerisch wie malerisch, galant und ehern – doch immer auf dem wispernden Pfad der Vergessenheit, den wir alle mit Engagement beschreiten – bewußt oder unbewußt.

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Zeitenwende

Posted in Allgemein, Fauna, Flora, Photos on 6. September 2012 by Täglichläufer

Gestern? Ja, war es nicht erst gestern gewesen, als der zarte Frühlingshauch seine latenten Fühler in die natürliche Welt ausstreckte, um dort galant die grünen Gewänder feilzubieten? Der prosperierende Schleier eroberte mit stiller, gleichwohl unaufhaltsamer Vehemenz das allumfassende Leben. Leben, ja, das einzigartige Leben erwachte mit einem glücklichen Lächeln – Hoffnung allenthalben. Wie sehnsüchtig habe ich diese Tage erwartet, wie habe ich mich auf die Wärme gefreut und doch – und doch blickte ich einst wehmütig zurück und ließ die liebliche Winterkälte nur schweren Herzens ziehen. Zeitenwende. Das Jahr ist vergangen, es ist aufgebrochen in die für immer uns umschließende Vergänglichkeit. Erneut wechselt die Natur ihre standesgemäßen Gewänder, „Gelb gewordene Blätter, für immer gefallen. Verwelkte Blüten, die von lebendiger Hoffnung zeugten. Das Jahr vergeht, das Leben auch“.

Sodann wird der Kälteregent seine frostige Herrschaft antreten und ich blicke einmal mehr voller Wehmut zurück und vermisse bereits jetzt die warmen, grünen Tage im Sein; jene Momente, die von unbegreiflich herrlichen Vogelkonzerten begleitet wurden, die sich ob ihrer Lebendigkeit erfreuten, begleitet von wunderschönen Blüten entlang des Weges, gesäumt von der melancholischen Einsamkeit, die ich sehr schätze. Doch auch Vorfreude auf den künftigen Herbst wie Winter keimt verhalten in mir auf. Zeitenwende. Das Spiel des Lebens. Wieder und wieder. Zeiten kommen, gehen. Wie wir Menschen. Der Rest ist Schweigen.

Sternengleicher Funken der Anmut

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos on 14. Juni 2011 by Täglichläufer

Die edle, stille Herrlichkeit im Weltgesang setzt sich fort; wandelt sich in einen magisch schimmernden Funken der Anmut. Sternengleich. Die Klaviatur des Lebens erstrahlt im prachtvollen Glanz; jetzt, hier und für immerdar. Und doch wieder schweigend, schweigend!

Aus vielen Blumen steigt ein weher Ton
Zu mir empor, sobald man sie geschnitten;
Denn über manchen liegt ein Welken schon,
Und andrer Duft ist wie ein bloßer Fron,
Und wieder andrer wie verspätet Bitten.

Doch jene Blumen, die du mir heut Nacht
Voll Übermut gepflückt in fremdem Garten,
Die haben so gejubelt und gelacht,
Daß weder ich noch sie daran gedacht,
Welch Stunden müden Welkens ihrer warten.

Eleonore Kalkowska

Edle, stille Herrlichkeit im Weltgesang

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos on 8. Juni 2011 by Täglichläufer

Ein Beitrag fern des natürlichen Täglichlaufens. In den zentralen Fokus erhebe ich den floralen Hauch der edlen und gleichsam still schweigenden Herrlichkeiten im Weltgesang. Welch beruhigende, belebende Pracht! Leise erhaben lächeln sie über unsere törichte Welt und verführen mit stilvollen Reizen, die eine ureigene Faszination für den aufmerksamen Beobachter entfalten. Die unbedeutende, einsame Blume der Melancholie am Rand des Weges – in ihr leben ganze Sphären, das allumfassende Universum des omnipotenten Lebens. Nun, ich könnte einen beschreibenden Reigen der Liebe hinsichtlich jener fragilen Pflanzenmacht formulieren, doch ist jedes Wort überflüssig. Betrachten. Schweigen.

Blumen, eure lieben Augen
Sollten nicht zum Sehen taugen?
Lieblinge des Angesichts,
Schautet ihr vom Maie nichts?

Ihr entzückt Erd‘ und Lüfte
Und entbehret Blick und Düfte,
Und der Vogel fänd‘ euch taub,
Der euch preist aus jungem Laub?

Sagt man nicht, daß selbst die Seele
Eurer süßen Unschuld fehle?
Blumen, ihr beglücket nur,
Selbst verwaist von der Natur?

Doch, wer kennt die stillen Sinne
Eurer Maienlust und Minne?
Sel’ge Blumen, ihr nur wißt,
Welches Glück euch eigen ist!

Karl Mayer

Die Melodie der Erweckung

Posted in Fauna, Flora, Photos, Täglichlaufen. Laufberichte. on 3. April 2011 by Täglichläufer

Nun ist er also angekommen, der lang ersehnte Frühling. Die allumfassende und bis auf eine Ausnahme vollkommene Natur legt ihren grauen schützenden Wintermantel ab und kleidet sich gemächlich in den grünen Gewändern der wachen prosperierenden Jahreszeit. Doch sie hält in diesem Prozeß inne; still verharrt sie und wandelt sich nur sehr behutsam in den duftenden Frühling. Die mit Eishandschuhen bewehrten und in ihrer Bewegung erstarrten Seen mit ihren fein ziselierten Frostkristallen hielten dem strahlenden Sonnenlicht nicht gebührend stand und lösten sich leise knirschend auf, sie brachen in das unendliche Nichts auf, um in wenigen Monaten kalt lächelnd zurückzukehren. So sei es.

Das frühlingshafte Leben in der geliebten Natur ist endgültig erwacht. Sie singt die Melodie der Erweckung. Allenthalben verzaubert uns die natürliche Lieblichkeit und reizt den aufmerksamen Betrachter in ihrer wandelbaren Formvollendung. Die Blumen blühen farbenfroh, die Bäume erstarken unter den vorsichtigen Knospen; zahlreiche Vögel verkünden mit ihren perfekt komponierten Liedern den herrlichen Lenz und verführen mit den gleichsam wunderbaren wie kunstvollen Gesängen die holde Weiblichkeit. In der Menschenwelt ist dies nicht anders, gleichwohl die Methodik mehr oder weniger differenziert, im besonderen Maße auch im Nestbau. Der Luftraum wird von zahlreichen Graugänsen beherrscht, die mit beeindruckenden Schauspielen auf der lebhaften Bühne agieren. Allein, in ihrer Expansionslust dominieren sie temporär auch den Boden und haben entsprechend meinen Damm besetzt, den sie höchst widerwillig und nur mit lautem Protest verlassen.

In jenen Protest stimmen freilich die Silberreiher und Fischreiher engagiert mit ein und der wilde, schwarze Nerz wundert sich ob dieser Demonstration und beobachtet den dunkel gekleideten Täglichläufer mit neugierigen Blicken. Wie ich ihn auch. Bläßhühner und Stockenten flankieren den Damm in ihrer gemütlichen Weise und zeitweise vernehme ich ihr goldiges „Back, Baaack, Baaaack!“. Untermalt wird dieser genußvoll schimmernde Reigen des Lebens von zahllosen Spechten, namentlich den Bunt- und Schwarzspechten, die ohne Unterlaß im Hintergrund hämmern, was Familie Schwarzkittel beharrlich ignoriert. Auch die Biber legen eine latente Ignoranz an den Tag und geben sich ihrer eigenen Knabberei hin, selbstredend ohne die gebotene wie weise Vorsicht außer Acht zu lassen. Meine geliebten Schafe hingegen, kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs und dösen in der angenehmen Sonne. Zur gleichen Zeit springen Plüschbienen, auch bekannt als Hummeln voller Elan von Blüte zu Blüte, worüber die Schafbabys mä(h)chtig staunen. Indessen diverse Meisenarten und Eichelhäher auf ihren Einsatz warten und freudig in das formidable Konzert einstimmen. Greifbares Leben!

Elegante Schwäne gleiten grazil über die immer noch vom Hochwasser gezeichneten Wiesen und hinterlassen einen malerischen Eindruck der ruhigen Beschaulichkeit – während über diese stimmungsvolle Szene edle Raubvögel stolz durch die Luft schwingen und Mutter Sol sich in den Wogen des Sees spiegelt und die Weiher ein reflektierendes Glitzerschauspiel vollführen. In der Weite des Horizonts, wo zwei verschiedene Welten scheinbar nahtlos ineinander übergehen; in Harmonie konvergieren, wandern zarte Wolken am Firmament dahin, nur gestört von goldgelben Sonnenstrahlen, die ihren Weg suchen und mit beruhigender Macht die Baumkronen zärtlich streicheln und ihr Licht in die Finsternis des Unterholzes senden und auch dort eine belebende Wärme entfalten, welche sich selbst auf die noch so kleinsten Insekten auswirkt. Wenn ich auch mit Wehmut den lieblichen Winter verabschiedet habe und der angenehmen Kälte hinterher trauere, so muß ich gestehen, daß ich die aktuelle milde Phase sehr zu schätzen weiß. Ich kann es kaum erwarten, meinen täglichen Lauf zu absolvieren, um in jene phantastische Welt eintreten zu dürfen. An dieser wahr gewordenen Traumwelt im Täglichlaufschritt zu partizipieren, läßt sich nicht mit allem Gold der Welt aufwiegen.

Abschied eines Sommers

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos, Täglichlaufen im Fokus on 5. September 2010 by Täglichläufer

In dieser Zeit. Ein willkürlich bestimmtes Jahr im Raum. Dieses Universum. Irgendeine ferne Galaxie am Rande desselben. Unser Sonnensystem. Ein unscheinbarer Planet. Von einer unterentwickelten Spezies als „Erde“ bezeichnet. Nordhalbkugel. Europa. Ein Land, seit einiger Zeit als Deutschland bekannt. Erneute Präzisierung. Das Land Brandenburg. Irgendein Waldgebiet. – – –

Ein unbedeutendes Individuum aus einer Subgattung der – temporär dominierenden – Primaten, seines Zeichens ein Täglichläufer absolviert seinen friedlichen Lauf in der von ihm so geliebten Natur. Der blaue Himmel scheint zu lächeln, nur wenige Wolken ziehen am Horizont entlang, sie bilden nur einen Hauch am Firmament. Strahlender Sonnenschein wird von zarten Wellen des Sees reflektiert, ein unaufhörliches Blitzen erobert die Welt. Die letzten Tage des Sommers; der Herbst ist schon da und der Winter folgt demnächst. Schneller als wir uns vorstellen können – und wollen. Ein leiser Wind bei angenehmen 16 °C wird zu meinem treuen Begleiter.

Als ich ein Grundstück unmittelbar in der Nähe des Waldes passiere, erspähe ich zwei Damen, die sich angeregt unterhalten. Sie erkennen mich und einmal mehr dringen die Worte: „…läuft jeden Tag! Jeden Tag, jeden Tag!“ an mein Ohr. Doch was wissen sie schon? Sie und auch jene, die mein Täglichlaufen näher kennen. Freilich, sie beobachten mich seit Jahren und gleichwohl wissen sie nichts. Wie auch. Die Natürlichkeit des Täglichlaufens wird von unserer faulen und verweichlichten Gesellschaft negiert. Man kann es sich nicht vorstellen. Wer kann schon nachvollziehen, was es bedeutet jeden Tag zu laufen – bei Regen, im Schnee, durch Sturmböen, bei Gewitter und Glatteis – und dann stets in kurzer Bekleidung im Kontext der Abhärtung. Nachts im finsteren Forst, während die Sonne auf- oder untergeht, bei kalten Minusgraden und bei unerträglicher Hitze. Tag für Tag, Jahr für Jahr – mit über 4000 gelaufenen Kilometern (in den letzten Jahren) pro Jahr. Seit bald 11 Jahren. Niemand kann mich verstehen.

Mein Halbjahresjubiläum folgt in wenigen Tagen – Neun Jahre und sechs Monate – und so steht mein Täglichlaufen im gedanklichen Mittelpunkt meines Denkens. Ein würdiger Beitrag diesbezüglich wird folgen. Jetzt sei nur angemerkt, daß diese Entwicklung, die ich durchgemacht habe – mich selbst immer noch erstaunt. Ich wollte nie ein Täglichläufer werden. Wie könnte man das auch bewußt wollen? Ich bin es geworden, ja, einfach so. Eine bewußte Entscheidungsfindung hätte die später entstehende Disziplin wie Selbstdisziplin nur konterkariert und somit auch die Langfristigkeit und die Tendenz einer Art Lebenseinstellung, was ich freilich vorher nicht wußte. Wie dem auch sei, das Leben hat Recht.

Ich laufe auf dem einsamen Damm und beobachte drei Rehe, die ebenfalls täglich die große Wiese frequentieren. Wie immer lassen sie mich nicht aus den Augen und wenn der Abstand groß genug ist, konzentrieren sie sich wieder auf ihren Speiseplan. Und ich hänge meinen Gedanken über das Täglichlaufen nach, über den Sinn wie Unsinn, über Widrigkeiten und Herausforderungen, über lustige Erlebnisse und traurige Ereignisse, gefährliche Situationen und Angriffe, über Menschen, die kamen und gingen – die großen Anteil an mir zeigten oder mich ignorierten. Letztendlich muß ich lächeln. Wie die Ritterspornblüten auf den Bildern die Vergänglichkeit des Daseins symbolisieren, vergehen der Sommer, meine Täglichläuferphilosophie, ich selbst und das Leben. Doch eine Erkenntnis bleibt, in diesem Wimpernschlag im Nichts bin ich nur eines, Staub im Wind – und nichts ist wirklich wichtig, nur das jetzt, dieser eine Moment im Fluß der Zeit – ja, nur der ist von Bedeutung.


Was ist unser Tun auf Erden?
An die Welt geboren werden:
Sprach- und ganglos in der Wiegen
Sonder eigne Hilfe liegen:
Kriechen, Laufen, Stehen, Sitzen,
Hungern, Dürsten, Frieren, Schwitzen:
Eitle Müh und Arbeit tragen:
Sich mit vielen Sorgen plagen:
Stets in Todsgefahren schweben:
Und zu letzt den Geist aufgeben:
Wiedrum Staub‘ und Asche werden,
Das ist unser Tun auf Erden.

(Johann Grob – 1643-1697)

Letzte Sommerimpressionen

Posted in Flora, Gedichte & Zitate, Photos on 12. August 2010 by Täglichläufer

Ja, die Sonne scheint noch, lächelt. Es ist warm, zahlreiche Blumen blühen. Die possierlichen Hummeln springen von Blüte zu Blüte; Libellen verharren in der Luft, vereinen sich zu ihrem ruckartigen Liebesspiel – hoch und nieder, während eine wohlige Wärme wie ein leiser Hauch auf der Haut fühlbar ist. Doch das sommerliche Finale hat bereits begonnen, die Vogelwelt ist leiser geworden. Denn die böigen Herbstlegionen haben ihre Sommerresidenz verlassen, nahen langsam und ebnen damit den Weg für den froststarren Winter. Unaufhaltsam. Zwar werden noch einige heitere Tage beherzt in das Land ziehen; aber wenn man in den frühen Morgenstunden in der Natur verweilt, die durchaus frische Luft inhaliert, dann fühlt man es – der Sommer ist Geschichte. Genießen wir den Moment des Lebens – in diesem unmerklichen Abschnitt des Wandels. – Nachfolgend Impressionen der Cosmea, Glockenblume, Hortensie, Kletterrose, Lilie, Oleander, Phlox und Rittersporn.

Es liegt der heiße Sommer
auf deinen Wängelein;
es liegt der Winter, der kalte,
in deinem Herzchen klein.

Das wird sich bei dir ändern,
du Vielgeliebte mein!
Der Winter wird auf den Wangen,
der Sommer im Herzen sein.

(Heinrich Heine)