Archive for the Besondere Läufe Category

Rückzug!

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. Oktober 2016 by Täglichläufer

Gestern. Zu Tagesbeginn. Die liebliche Nacht, verbunden mit der kongenialen Finsternis obsiegte noch unangefochten, als ich jene wundervollen Bedingungen, die zudem noch mit einer regnerischen Atmosphäre reizten – im Laufschritt würdigte. Immerhin konnte ich den einsamen Weg im dunklen Forst schattenhaft erahnen und als selbiger durchquert war, genoß ich den partiellen Nieselregen in vollen Zügen. Dieser Lauf sollte auf Grund von zeitlichen Erwägungen nur kurz währen, doch das Leben verkürzte selbst dieses angedachte Vorhaben noch beachtlich. Denn jählings gewahrte ich ca. 30 Meter vor mir eine zahlreiche Rotte von Wildschweinen, die in die gleiche Richtung wie ich selbst rasten. Nach einem kurzen Moment unterbrach ich meinen Lauf und spähte neugierig nach Familie Schwarzkittel – welche nicht minder erwartungsvoll waren und ebenso anhielten. Sie guckten mich interessiert an und ich beobachtete die Wildschweine voller Spannung.

Nach einiger Zeit rannten sie in die vorher gewählte Richtung weiter, die auch die meine gewesen wäre und so ließ ich sie gewähren – und sie mich und drehte ab. Den endgültigen Rückweg wollte ich nicht einschlagen, denn derart kurz sollte mein Lauf nun doch nicht sein und so verblieb ich im Wald, bis ich beschloß, eine Teilstrecke zu absolvieren, die ich regulär nie frequentiere und so setzte ich meinen Weg fort. Dieser Pfad endet vor einem geschlossenen Tor, welches links wie rechts von Gebüsch flankiert wird. Als ich mich drei Meter vor dem Zaun befand, vernahm ich ein sehr, sehr eindrückliches Geräusch; ein lautes kombiniertes Schreien, Brüllen und Grunzen, wie es in der Summe nur von Löwen, Wildschweinen, Bären und Velociraptoren zugleich generiert werden kann. Freilich kann ich nicht mit Sicherheit konstatieren, wie sich denn eigentlich ein Velociraptor anhört; dennoch – so einen Laut habe ich in meinem Leben noch nie vernommen.

Um meine latente Irritation in diesem Moment noch zu intensiveren, blieb es nicht bei diesem surrealen Geschrei, nein, in jener Sekunde brach von rechts aus dem Gebüsch ein riesiges Wildschwein hervor und rannte in hoher Geschwindigkeit in das sich links befindende Unterholz hinein – nur drei Meter vor mir. Das schreckliche Empfinden meinerseits war wahrlich ausgeprägt und nach dieser Beobachtung – explizit auch verbunden mit diesem seltsamen Geräusch – war mir nun die Kürze meines Laufes komplett nebensächlich und ich trat stante pede den gebührenden Rückzug an. Das waren also mein 39. und 40. Wildschweinkontakt – auf die letzten 16 Jahre bezogen. Den bisherigen Rekord von 12 Begegnungen im Jahr 2012 kann ich bis dato nicht einstellen, doch aktuell zähle ich für dieses Jahr bereits 11 Kontakte und der liebliche Herbst hat erst begonnen. Meine lieben Wühlmäuse, wir sehen uns bald wieder!

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Der Tag der Schwäne

Posted in Besondere Läufe on 7. Februar 2016 by Täglichläufer
Schwan

Fürwahr, solange ich der Gilde der Läufer angehöre, erlebte ich noch nie einen Tag, ohne die wundervollen Schwäne beobachten zu dürfen. Mein Laufareal ist ihre angestammte Heimstatt und so darf ich sie täglich erleben. Sie im Flug zu erspähen, mit ihrem sonoren Sirren – diesem grandiosen Begleitgeräusch – ist derart verzückend für mich, daß ich in solchen Momenten meinen Lauf noch stets unterbrochen habe, um dieses wunderbare Schauspiel nur auf mich wirken zu lassen und ja, konzentriert zu genießen. In der Tat ein edler Genuß. Der heutige Tag, respektive Lauf bildet eine Ausnahme – wie ich sie bis dato noch nicht erfahren durfte. Heute war der Tag der Schwäne. Wahrlich.

Von Anfang bis Ende meiner 14 Kilometer erspähte ich ein massives Aufgebot von Schwänen am sonnigen Himmelsgewölbe, die in allen Richtungen hin und her schwebten. Sobald ein oder mehrere Schwäne meinem Blick entschwanden und eindrucksvoll landeten – dabei lauthals schimpfende Enten erschreckten – zogen von der anderen Seite weitere Schwäne in mein Gesichtsfeld und stiegen gen Firmament erhaben empor. Indessen ich sie ehrfürchtig beobachtete, kreuzten sie galant im Himmelsreich, zogen ihre tanzenden Bahnen und ließen sich andernorts hernieder – im Hintergrund tröteten die Kraniche ihre ureigene Melodie des erwachenden Frühlings. Stets von dem geheimnisvollen Sirren flankiert, welches ich so sehr liebe. Was für ein Anblick – was für ein Tag! Im Zeichen der Schwäne. Strahlendes Weiß in der Ferne. Fürwahr, ein einzigartiger Tag.

Quadruplexe Einzigartigkeit

Posted in Besondere Läufe, Einzigartige Momente, Täglichlaufen. Status. on 12. Januar 2016 by Täglichläufer

Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich in der nicht mehr allzu fernen Zukunft mein 15jähriges Täglichläuferjubiläum vollziehen wie feiern darf. Das bedeutet, daß ich zu jenem Zeitpunkt 15 Jahre ausnahmslos jeden einzelnen Tag laufen war. Möge das Glück mit mir laufen. Täglich. Weiterhin werde ich in diesem Jahr die 17jährige grundsätzliche Mitgliedschaft in der Zunft der Täglichläufer erreichen. Und schlußendlich werde ich 2016 nunmehr 19 Jahre der allgemeinen Gilde der Läufer angehören. Wie dem auch sei, ich habe viel Zeit mit Täglichlaufen verbracht und alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse und Witterungsbedingungen erfahren dürfen. Doch heute wurde mein Lauf in einer raren einzigartigen Welt geboren und eklatant bereichert.

Die unwägbare Witterungsregentin bot mir einen Kälte-, Nebel-, Glatteis- und Regenlauf feil. Tatsächlich, all jene Bedingungen zu der gleichen Zeit – während eines Laufes. Derlei habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Durch das Glatteis bedingt vollzog sich der Lauf in höchst konzentrierter Art und Weise, so daß ich auf einen entsprechenden Laufbericht verzichte. Kälte. Regen. Nebel. Eis. Vereint in einem Lauf – wahrlich, mehr Glück zur gleichen Zeit ist faktisch unmöglich. Der 12.01.2016 wird sich in meinem Geist als besonderer Tag einbrennen.

Vollendete Harmonie

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufberichte. on 8. Januar 2016 by Täglichläufer

Aufmerksame Späher brachten mir die frohe Kunde und verkündeten und tönten allenthalben frohgemut, daß die unnahbare Frostregentin ob meiner despektierlichen Jahresrückschau, explizit in dem Kontext der enttäuschenden Kälte meinen Unmut durchaus wohlwollend registrierte, um sich in der unabwendbaren Konsequenz endlich herabzulassen – nun doch noch einen annehmbaren Winter zu erschaffen. Und ja, als zauberhaften Auftakt zogen ihre ehernen Sendboten mit einer würdigen Kälte von bis zu -12 °C in den natürlichen Weltgesang ein und hernach wurde das traumhafte Gemälde der liebreizenden Natur in ein edles Weiß gezeichnet, welches trunken vor Glück seinesgleichen suchte. Am 05.01. marschierten die Wolkenfronten mit Engagement auf und in der folgenden Nacht schneite es ohne Unterlaß – welche rare, elementare Gnade.

So begann der 06.01. erhaben finster, zärtlich leise und – weiß. Nach der vielbefahrenen Hauptstraße hieß mich der schwarze Hain mit seiner lächelnden Düsternis willkommen und warf seinen Mantel der Finsternis über mich hernieder, jedwede Impressionen indessen von dem Schnee in vollendeter Harmonie kontrastiert wurden. Zudem schneite es während meines gesamten Laufes und darüber hinaus. Der weiße Samtteppich goutierte mein Täglichlaufen mit seinem eigentümlichen knarzenden Knirschen, was jedoch sehr gedämpft wahrnehmbar war – wie überhaupt das natürliche Leben unter einer dämpfenden Glocke eine dankbare Heimstatt annahm und somit einen ureigenen Genuß entfaltete.

Das zarte Weiß war vollkommen unberührt, nur hier und dort ließen sich einzelne Spuren und Eindrücke erkennen, die dem geneigten Betrachter offenbarten, wie viel Leben sich in den hiesigen Wäldern verbirgt. Menschliche Wesen zeigten sich nicht; wer traut sich schon in der Dunkelheit in einsame Wälder? Und ja, diese Abgeschiedenheit war nahezu greifbar; mich umgab eine Einsamkeit – die wie eine melancholische Sängerin ihren wehmütigen Text in die weite, dunkle Welt hinaus sang – der doch nur für bestimmter Hörer gedacht war. Weiter und weiter lief ich, hinein in die Tiefe des Waldes, selten gewahrte ich Windböen – die die einzigartigen Schneekristalle rasant hin und her wirbelten, in alle Richtungen tanzen ließen. Auch sie vernahmen das leise Wispern des frostigen Forstes und das melancholische Lied der unsichtbaren Künstlerin.

Jählings raschelte es zu meiner Linken. Ein einzelnes Reh näherte sich in großen Sprüngen, kreuzte für einen Moment meinen Weg und verschwand im dichten Unterholz. Mit beruhigender Stimme redete ich das wunderschöne Tier an und noch für kurze Zeit vernahm ich ein leiser werdendes Rascheln. Sodann eroberte eine absolute Ruhe die Umgebung. Die Weiher sind mittlerweile von dem anhaltenden Frost in ihrer Bewegung erstarrt und verharren eingefroren auf wärmere Zeiten. Jene mit Eis behandschuhte Hand wirkt mit eisernen Griff und läßt mehr und mehr erstarren; vertreibt die Stockenten und Bläßhühner immer weiter von ihrem gewohnten Aufenthaltsort – in noch zugängliche Gewässer, die sich der Starrheit widersetzen. Nur eine Ausnahme trotzt der Starre – das Heim von Meister Bockert wird natürlich gewollt vom Eis freigehalten. Von einer Sekunde auf die andere friere auch ich abrupt ein – ich bleibe stehen – einfach so und kann mich nicht entsinnen, daß ich dazu bewußt den Befehl gab. So verharre ich und beobachte das Finsterleben, geboren in einem Reich aus Schnee; im Hintergrund warten die Baumgiganten, entblößt von allen Blattgewändern – nur die nackten Äste streben skelettartig gen Himmel, bewehrt mit einem weißen Hauch der temporären Endlichkeit. Zahlreiche Flocken gleiten leise auf mich hernieder; ich verwandele mich auch langsam, aber sicher in einen Schneemann. Viel Kraft kostet es mich, den beobachtenden Status aufzugeben und wieder in den Laufschritt zu verfallen; zu schön ist das natürliche Leben und zu intensiv die Bannkraft, die es auf mich gravitätisch ausübt.

Mein Dammareal ist still geworden, scheinbar für immerdar eingeschlafen; auch hier verweht ein Hauch von Schwermut alle Geräusche, die sonst den Tag dominieren. Unmerklich registriere ich, daß die Helligkeit an Intensität zunimmt, nur um Nuancen wird es stetig heller. Innerhalb von wenigen Minuten hält das Tageslicht seinen Einzug und urplötzlich ist es hell. Von hier auf jetzt, ungeachtet der ausgeprägten Nuancen, habe ich es nicht wirklich wahrgenommen. Freilich kann von einer wirklichen Helligkeit keine Rede sein – ein graues Heer von Wolkenformationen trübt die Weite des Horizonts und sorgt für steten Schneenachschub. Ich verliere ich mich immer weiter in jenes Habitat, welches von einer wahren Einzigartigkeit beherrscht wird, genieße jeden Augenblick dieser Schneewelt und mir ist bewußt, daß ich nach nur sechs Läufen in dem noch jungen Jahr – bereits den wundervollsten Traumlauf in diesem Jahr absolviert habe.

Viel könnte ich noch schreiben, beschreiben und berichten – mannigfaltige Eindrücke festhalten, doch mein wahres Fühlen und Erleben ist fest in meiner Erinnerung eingeschlossen und kann durch die menschliche Sprache nicht konserviert werden. Vollendete Harmonie. Wahrlich.

Das Singen des Eises

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufberichte. on 9. Dezember 2014 by Täglichläufer

Der weite See lächelt zufrieden erhaben über seine gehaltvolle Freiheit; leise Wellen werden pulsierend in die wehmütige Ferne getragen und greifen ungestüm nach dem leuchtenden Horizont, indessen eine wahre Vereinigung doch nie stattfinden wird. Aber das Wasser kennt keine Hoffnungen, Enttäuschungen. Zärtlich hüllt der belebende Frosthauch die Natur mit seinen weißen Gewändern liebevoll ein und läßt nun auch die bisher ungeschorenen Ränder des Sees anmutig innehalten, erstarrte Momente der Schönheit. Ein Frachtschiff durchquert viele Meter entfernt das flüssige Element und generiert einen vernehmlichen Wellenschlag, welcher sich auf den vergehenden Weg macht, um den Strand zu beiden Seiten zu berühren. Die frostige Oberfläche in Ufernähe hebt und senkt sich lautmalerisch und das Eis beginnt, vernehmlich zu singen – in seiner ureigenen Melodie, die doch niemand verstehen kann. Es knistert und knirscht, ächzt und seufzt und ja, es singt wahrlich mit Hingabe – zutiefst beeindruckt unterbreche ich meinen Lauf und genieße das orchestrale Naturkonzert in der frühen Morgenstunde – geboren in einer wunderbaren Jahreszeit, die an Genuß ihresgleichen sucht.

Demungeachtet erlitt mein Lauf bereits vorher eine überraschende Unterbrechung. Jählings registrierte ich direkt auf dem Pfad vor mir eine Blindschleiche – eingerollt bei -03 °C. Sodann prüfte ich im Anschluß, ob noch Leben in ihr ist und ja, sie bewegte sich behutsam, wenngleich halb erstarrt. Sofort nahm ich sie mit mir und trug sie weiter in den Forst hinein und erschuf – nicht zuletzt dank der Vorarbeit der Wildschweine – ein behagliches Nest und gab ihr damit hoffentlich ein schützendes Heim. Möge sie die kalten Temperaturen gut überstehen und möge sie fern von den tödlichen Wegen bleiben. Und so setzte ich meine Reise fort, in diesem frostigen Gemälde der melancholischen Einzigartigkeit – dem singenden Eis entgegen…

Im Lächeln des Orkans

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufberichte. on 6. Dezember 2013 by Täglichläufer

Auf meinen gewohnten Morgenpfad in die Finsternis habe ich heute verzichtet und stattdessen den Startpunkt meines Laufes in die sogenannte Helligkeit verschoben; geschuldet der banalen, orkanhaften Präsenz: „Xaver“. Beim Betreten der Straße lädt mich ein rauschender Schneesturm ein, sein temporär weißdunkles Reich zu besuchen. Nach wenigen Metern stellt das schräge Erklimmen der Brücke eine latente Herausforderung dar, denn der Aufgang ist mit zahlreichen Ästen und größeren Baumteilen versperrt, aber schlußendlich bilden sie kein Hindernis. Oben auf der Brücke angekommen, begebe ich mich in den Laufschritt und komme dennoch kaum vorwärts; ich werfe mich mit aller Gewalt den mächtigen Böen entgegen, doch meine Geschwindigkeit scheint in einer Art Zeitlupe eingefroren zu sein. Ich habe unzählige Stürme und Orkane erlebt, aber diese Erfahrung in dieser Intensität ist wahrlich neu. Es kostet mich viel Kraft, überhaupt auf meiner gedachten Linie zu beharren und das, obwohl ich kein Leichtgewicht bin.

Hohe Wellen zu meiner Linken tosen im ungestümen See hoch und nieder, schreien ungehalten gegen die wogenden Sturmhände an und verhallen doch ungehört. Nimmermehr werden sie beachtet. Nach der Brücke lassen die imaginären rasselnden Orkanketten von mir ab, ja! – ich bin frei – und ich rase förmlich in Richtung meiner Wälder. Als ich sie sodann passiere, erspähe ich ein hölzernes Schlachtfeld allenthalben. Zerstörte Bäume, umgekippte Baumgesellen, abgefallene Äste und kleine und große Zweige säumen die Waldwege und sorgen für einen wirren Slalomlauf mit diversen Springeinlagen. Ein laut dröhnendes Rauschen wird mich unablässig begleiten und mich heute nicht mehr verlassen. Die hehren Bäume in den weinenden Hainen schwingen tanzend hin und her, ihre hohen Kronen berühren sich wild, klappern gespenstisch einander – indessen die weißen Schneeflocken heulend hernieder wirbeln und ihre Unentschlossenheit demonstrieren und flugs für immerdar vergehen.

Plötzlich vernehme ich links von mir ein lärmendes Bersten von Holz, wahrscheinlich fällt ein weiterer, einst hoffnungsvoller Baum in den vergänglichen Tod. Immer wieder werden Zweige mit Macht auf den Boden geworfen. Ein Gefühl von Unwohlsein beschleicht mich leise – der elementare Machtanspruch des Orkans ist bemerkenswert und selbst „Kyrill“ lächelte einst nicht in dieser Lieblichkeit in diesen meinen Wäldern. Auf einem der Weiher sucht eine Schwanenfamilie Schutz, bewacht von mehreren Graureihern. Als ich den Damm erobere, ziehen einmal mehr die gierigen Windhände jähzornig nach meiner Wenigkeit, was ihnen vortrefflich gelingt, da ich dort gänzlich ungeschützt ihren Kräften ausgesetzt bin. Genußvoll und doch sehr vorsichtig laufe ich und laufe und nicht nur meine Beine laufen, sondern auch die Tränen, die die kalten Böen mir aus den Augen treiben.

Der weite Horizont verdunkelt sich um viele Nuancen, Schneewelten türmen sich frenetisch auf und singen ihr unbezähmbares Lied. Aus respektvoller Einsicht ändere ich meine standesgemäße Strecke und trete hernach den Rückzug an; zwar werde ich den tiefen Wald noch aufsuchen, aber ich bin mir der hölzernen Gefahr, die mich urplötzlich niederstrecken kann – vollauf bewußt. Irgendwann beschließe ich den heutigen Lauf im Zeichen des Orkans und bis auf zahlreiche Tränen habe ich nichts verloren – im Gegenteil, ich habe sehr viel gewonnen; allen voran den zufriedenen Genuß mit der keinesfalls neuen Erkenntnis, wie schwächlich wir unbedeutenden Menschen doch sind und wie allgewaltig die zärtliche Natur sein kann, was sie für mich nur noch lieblicher macht. Was für atemberaubende Impressionen wurden mir heute zuteil! Und dennoch würde ich niemanden empfehlen, bei jenen Verhältnissen die Wälder aufzusuchen, denn das törichte Spiel des Lebens steht auf nicht minder fragilen Füßen, die rasant in die vergeßliche Erinnerung brechen können. Ich bin geneigt, den heutigen Lauf als Besonderheit zu betrachten – ich werde diese martialischen Witterungsbedingungen nicht vergessen; welch ein Genuß im Lächeln des Orkans.

Meister Bokert und ich

Posted in Besondere Läufe, Fauna, Photos on 19. Februar 2012 by Täglichläufer

Gestern formulierte ich noch: ”Seit jenem Tage erspähte ich jedoch keine Artgenossen mehr, vielleicht müssen erst zahllose Jahre in die Vergangenheit eintreten, um diese Begebenheit zu wiederholen.“ Oh, was für ein Irrtum, was für ein Irrtum! Nach sechs Kilometern wurde mir heute das extrem seltene Glück zuteil, daß ich erneut einen Biber in freier Natur beobachten durfte. Doch halt, nein, es handelte sich um zwei Biber, die sich völlig entspannt und gar nicht scheu der Morgenwäsche hingaben. Ich war von diesem goldigen Anblick mehr als fasziniert. Im Anschluß absolvierte ich meine gewohnte Strecke ein wenig schneller als sonst und kehrte später zum Ort des Geschehens zurück – bewaffnet mit einer Kamera. Sie lächelten mich liebreizend an, insbesondere Frau Biber, deren Charme ich freilich sofort erlag. Sodann traten beide als Prominente in einem Video auf und schlossen ihren gemeinsamen Auftritt mit einem grazilen Sprung in das kühle Wasser ab. Was für eine Begegnung! D A S ist Täglichlaufen.