Archive for the Besondere Läufe Category

Das Ende der Antiserie

Posted in Besondere Läufe on 12. Juli 2018 by Täglichläufer

„…ohne einen einzigen Regenlauf. Welch ein furchteinflößender Satz! Doch so steht es geschrieben: “Offenbar hat sich hier unautorisiert eine neue Serie etabliert; eine Art Antiserie mit der Intention, sie unverzüglich zu beenden. Mein letzter Lauf, welcher von süßen Regenmächten flankiert wurde, fand am 16.04. statt – nun, ich spare mir weitere Ausführungen und gebe mich der verborgenen Hoffnung hin.

Die Hoffnung blieb allein – noch für viele Tage. Erst heute früh fand die betrübliche Antiserie endlich den lang ersehnten Schlußpunkt. In der Nacht zogen die nassen Heerscharen auf und brachten sich würdig in Stellung, doch der Tagesbeginn reizte nur schüchtern mit erquickenden Regentänzen und ja, die liebliche Regenregentin offenbarte einen zutiefst verschämten Charakter, der nur mit ihrer ausgedehnten Abwesenheit erklärt werden darf. Dennoch obsiegte die Freude, als ich in den Laufschritt verfiel, um die einsamen Wälder aufzusuchen und ich wurde mitnichten enttäuscht.

Die Intensität variierte in ihrer Ausprägung; indessen im letzten Drittel ich die vollendete Regenmacht zu spüren bekam. Ich muß dies nicht näher beschrieben – es ist längst alles beschrieben, dennoch – diese nasse Gnade war ein wahrhaftiger Traum, insbesondere als die zeitweiligen Windböen das ihre taten und sich mit belebender Kraft gegen meine Wenigkeit warfen. Die greifbare Einsamkeit erschien absolut und nur eine Radfahrerin mit ihrem Hund sollte eine temporäre Ausnahme bilden – ansonsten lächelte die weite Abgeschiedenheit in der prasselnden Regenwelt. Nach drei Monaten wurde mir hiermit eine besondere Ehre zuteil; es war dies wahrlich ein besonderer Lauf. Möge die Fortsetzung nicht wieder Monate auf sich warten lassen.

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Drei auf einen Streich. Plus zwei.

Posted in Besondere Läufe on 27. Juni 2018 by Täglichläufer

Der einsame Hain goutierte meine dunkle Anwesenheit freudvoll – die prachtvollen Baumriesen winkten mir lieblich zu und ihre edlen Blätterkleider tanzten erhaben im stillen Wind. In der Ferne vernahm ich das eigentümliche Rufen des Schwarzspechtes – oft höre ich ihn rufen, doch zeigt er sich mir relativ selten; wenngleich ich ihn vor drei Tagen erst beobachten durfte. Meine letzte Beobachtung zuvor liegt Monate oder gar Jahre zurück – auf ein Prüfen innerhalb meiner Dokumentation verzichte ich an dieser Stelle. Doch war mir das rare Glück hold – bereits im ersten Wald erspähte ich jenen schwarzen Gesellen und oh Wunder! – er war nicht allein – direkt vor mir zählte ich drei Schwarzspechte. Einer von ihnen war mit der Morgenspeisung beschäftigt, die beiden anderen schienen miteinander zu spielen – welche Art von Spiel auch immer.

In all den Jahren beobachtete ich den Schwarzspecht nur als Einzelgänger; nie sah ich zwei – und heute nun drei an einem Ort. Welch ein einzigartiges Glück! Wie immer bedauere ich es sehr, daß ich keine Kamera mit mir führe; so überdauert dieses Erlebnis also nur in meiner Erinnerung. Vier Kilometer später gelang es mir noch, zwei Pirole zu entdecken, die mich eine gewisse Zeit begleiteten, bevor sie sich auf einem hohen Baum versteckten. Allein auf ihren Gesang mußte ich verzichten. Wahrlich, der heutige Lauf war ein besonderer, wie ich ihn wohl sobald nicht mehr erleben werde.

Waschbären!

Posted in Besondere Läufe on 11. Oktober 2017 by Täglichläufer

Die putzigen Gesellen sind hier allgegenwärtig. Ich hörte sie in der Nacht auf dem Dach herum turnen oder vernahm zahlreiche Anekdoten von Nachbarn – als sie sich beispielsweise nach einer honorigen Feierlichkeit beherzt den achtlos zurück gelassenen Käseplatten auf der Terrasse mit kompetentem Sachverständnis annahmen. Auch in meinem Laufareal sind die Racker heimisch geworden – vor vielen Jahren wurde eine Familie Opfer eines Sturmes, bzw. den damit einhergehenden Blitzeinschlag. Allein ich durfte sie noch nie beobachten – von einem toten Waschbären abgesehen, der einst überfahren wurde. Das sollte sich heute ändern.

Die Finsternis tanzte gemächlich von dannen, als ich meinen Damm eroberte und die belebende Einsamkeit genoß, welche nahezu greifbar war. Jählings erspähte ich zwei Waschbären, die direkt vor mir mehr als unerwartet für mich auftauchten – auf Grund der Lokalität betrug unser Abstand nur zwei Meter. Ich blieb abrupt stehen und auch Familie Schupp hielt inne und beobachte mich für eine Sekunde neugierig, um dann stante pede eindrücklich brummelnd-grummelnd im Gebüsch zu verschwinden. So währte unsere erste Begegnung wahrlich nicht lange, dennoch war ich sehr erfreut, die kleinen Putzels endlich einmal lebendig zu erspähen. Nun ja, sonderlich „klein“ waren sie mitnichten. Wie lange mußte ich auf diesen Kontakt warten! In der Tat, der heutige Lauf war ein sehr besonderer und ich hoffe, die überraschende schwarze Gestalt hat ihr frühstückliches Beisammensein nicht allzu sehr konterkariert.

Rückzug!

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufalltag. on 22. Oktober 2016 by Täglichläufer

Gestern. Zu Tagesbeginn. Die liebliche Nacht, verbunden mit der kongenialen Finsternis obsiegte noch unangefochten, als ich jene wundervollen Bedingungen, die zudem noch mit einer regnerischen Atmosphäre reizten – im Laufschritt würdigte. Immerhin konnte ich den einsamen Weg im dunklen Forst schattenhaft erahnen und als selbiger durchquert war, genoß ich den partiellen Nieselregen in vollen Zügen. Dieser Lauf sollte auf Grund von zeitlichen Erwägungen nur kurz währen, doch das Leben verkürzte selbst dieses angedachte Vorhaben noch beachtlich. Denn jählings gewahrte ich ca. 30 Meter vor mir eine zahlreiche Rotte von Wildschweinen, die in die gleiche Richtung wie ich selbst rasten. Nach einem kurzen Moment unterbrach ich meinen Lauf und spähte neugierig nach Familie Schwarzkittel – welche nicht minder erwartungsvoll waren und ebenso anhielten. Sie guckten mich interessiert an und ich beobachtete die Wildschweine voller Spannung.

Nach einiger Zeit rannten sie in die vorher gewählte Richtung weiter, die auch die meine gewesen wäre und so ließ ich sie gewähren – und sie mich und drehte ab. Den endgültigen Rückweg wollte ich nicht einschlagen, denn derart kurz sollte mein Lauf nun doch nicht sein und so verblieb ich im Wald, bis ich beschloß, eine Teilstrecke zu absolvieren, die ich regulär nie frequentiere und so setzte ich meinen Weg fort. Dieser Pfad endet vor einem geschlossenen Tor, welches links wie rechts von Gebüsch flankiert wird. Als ich mich drei Meter vor dem Zaun befand, vernahm ich ein sehr, sehr eindrückliches Geräusch; ein lautes kombiniertes Schreien, Brüllen und Grunzen, wie es in der Summe nur von Löwen, Wildschweinen, Bären und Velociraptoren zugleich generiert werden kann. Freilich kann ich nicht mit Sicherheit konstatieren, wie sich denn eigentlich ein Velociraptor anhört; dennoch – so einen Laut habe ich in meinem Leben noch nie vernommen.

Um meine latente Irritation in diesem Moment noch zu intensiveren, blieb es nicht bei diesem surrealen Geschrei, nein, in jener Sekunde brach von rechts aus dem Gebüsch ein riesiges Wildschwein hervor und rannte in hoher Geschwindigkeit in das sich links befindende Unterholz hinein – nur drei Meter vor mir. Das schreckliche Empfinden meinerseits war wahrlich ausgeprägt und nach dieser Beobachtung – explizit auch verbunden mit diesem seltsamen Geräusch – war mir nun die Kürze meines Laufes komplett nebensächlich und ich trat stante pede den gebührenden Rückzug an. Das waren also mein 39. und 40. Wildschweinkontakt – auf die letzten 16 Jahre bezogen. Den bisherigen Rekord von 12 Begegnungen im Jahr 2012 kann ich bis dato nicht einstellen, doch aktuell zähle ich für dieses Jahr bereits 11 Kontakte und der liebliche Herbst hat erst begonnen. Meine lieben Wühlmäuse, wir sehen uns bald wieder!

Der Tag der Schwäne

Posted in Besondere Läufe on 7. Februar 2016 by Täglichläufer
Schwan

Fürwahr, solange ich der Gilde der Läufer angehöre, erlebte ich noch nie einen Tag, ohne die wundervollen Schwäne beobachten zu dürfen. Mein Laufareal ist ihre angestammte Heimstatt und so darf ich sie täglich erleben. Sie im Flug zu erspähen, mit ihrem sonoren Sirren – diesem grandiosen Begleitgeräusch – ist derart verzückend für mich, daß ich in solchen Momenten meinen Lauf noch stets unterbrochen habe, um dieses wunderbare Schauspiel nur auf mich wirken zu lassen und ja, konzentriert zu genießen. In der Tat ein edler Genuß. Der heutige Tag, respektive Lauf bildet eine Ausnahme – wie ich sie bis dato noch nicht erfahren durfte. Heute war der Tag der Schwäne. Wahrlich.

Von Anfang bis Ende meiner 14 Kilometer erspähte ich ein massives Aufgebot von Schwänen am sonnigen Himmelsgewölbe, die in allen Richtungen hin und her schwebten. Sobald ein oder mehrere Schwäne meinem Blick entschwanden und eindrucksvoll landeten – dabei lauthals schimpfende Enten erschreckten – zogen von der anderen Seite weitere Schwäne in mein Gesichtsfeld und stiegen gen Firmament erhaben empor. Indessen ich sie ehrfürchtig beobachtete, kreuzten sie galant im Himmelsreich, zogen ihre tanzenden Bahnen und ließen sich andernorts hernieder – im Hintergrund tröteten die Kraniche ihre ureigene Melodie des erwachenden Frühlings. Stets von dem geheimnisvollen Sirren flankiert, welches ich so sehr liebe. Was für ein Anblick – was für ein Tag! Im Zeichen der Schwäne. Strahlendes Weiß in der Ferne. Fürwahr, ein einzigartiger Tag.

Quadruplexe Einzigartigkeit

Posted in Besondere Läufe, Einzigartige Momente, Täglichlaufen. Status. on 12. Januar 2016 by Täglichläufer

Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich in der nicht mehr allzu fernen Zukunft mein 15jähriges Täglichläuferjubiläum vollziehen wie feiern darf. Das bedeutet, daß ich zu jenem Zeitpunkt 15 Jahre ausnahmslos jeden einzelnen Tag laufen war. Möge das Glück mit mir laufen. Täglich. Weiterhin werde ich in diesem Jahr die 17jährige grundsätzliche Mitgliedschaft in der Zunft der Täglichläufer erreichen. Und schlußendlich werde ich 2016 nunmehr 19 Jahre der allgemeinen Gilde der Läufer angehören. Wie dem auch sei, ich habe viel Zeit mit Täglichlaufen verbracht und alle möglichen und unmöglichen Erlebnisse und Witterungsbedingungen erfahren dürfen. Doch heute wurde mein Lauf in einer raren einzigartigen Welt geboren und eklatant bereichert.

Die unwägbare Witterungsregentin bot mir einen Kälte-, Nebel-, Glatteis- und Regenlauf feil. Tatsächlich, all jene Bedingungen zu der gleichen Zeit – während eines Laufes. Derlei habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Durch das Glatteis bedingt vollzog sich der Lauf in höchst konzentrierter Art und Weise, so daß ich auf einen entsprechenden Laufbericht verzichte. Kälte. Regen. Nebel. Eis. Vereint in einem Lauf – wahrlich, mehr Glück zur gleichen Zeit ist faktisch unmöglich. Der 12.01.2016 wird sich in meinem Geist als besonderer Tag einbrennen.

Vollendete Harmonie

Posted in Besondere Läufe, Täglichlaufen. Laufberichte. on 8. Januar 2016 by Täglichläufer

Aufmerksame Späher brachten mir die frohe Kunde und verkündeten und tönten allenthalben frohgemut, daß die unnahbare Frostregentin ob meiner despektierlichen Jahresrückschau, explizit in dem Kontext der enttäuschenden Kälte meinen Unmut durchaus wohlwollend registrierte, um sich in der unabwendbaren Konsequenz endlich herabzulassen – nun doch noch einen annehmbaren Winter zu erschaffen. Und ja, als zauberhaften Auftakt zogen ihre ehernen Sendboten mit einer würdigen Kälte von bis zu -12 °C in den natürlichen Weltgesang ein und hernach wurde das traumhafte Gemälde der liebreizenden Natur in ein edles Weiß gezeichnet, welches trunken vor Glück seinesgleichen suchte. Am 05.01. marschierten die Wolkenfronten mit Engagement auf und in der folgenden Nacht schneite es ohne Unterlaß – welche rare, elementare Gnade.

So begann der 06.01. erhaben finster, zärtlich leise und – weiß. Nach der vielbefahrenen Hauptstraße hieß mich der schwarze Hain mit seiner lächelnden Düsternis willkommen und warf seinen Mantel der Finsternis über mich hernieder, jedwede Impressionen indessen von dem Schnee in vollendeter Harmonie kontrastiert wurden. Zudem schneite es während meines gesamten Laufes und darüber hinaus. Der weiße Samtteppich goutierte mein Täglichlaufen mit seinem eigentümlichen knarzenden Knirschen, was jedoch sehr gedämpft wahrnehmbar war – wie überhaupt das natürliche Leben unter einer dämpfenden Glocke eine dankbare Heimstatt annahm und somit einen ureigenen Genuß entfaltete.

Das zarte Weiß war vollkommen unberührt, nur hier und dort ließen sich einzelne Spuren und Eindrücke erkennen, die dem geneigten Betrachter offenbarten, wie viel Leben sich in den hiesigen Wäldern verbirgt. Menschliche Wesen zeigten sich nicht; wer traut sich schon in der Dunkelheit in einsame Wälder? Und ja, diese Abgeschiedenheit war nahezu greifbar; mich umgab eine Einsamkeit – die wie eine melancholische Sängerin ihren wehmütigen Text in die weite, dunkle Welt hinaus sang – der doch nur für bestimmter Hörer gedacht war. Weiter und weiter lief ich, hinein in die Tiefe des Waldes, selten gewahrte ich Windböen – die die einzigartigen Schneekristalle rasant hin und her wirbelten, in alle Richtungen tanzen ließen. Auch sie vernahmen das leise Wispern des frostigen Forstes und das melancholische Lied der unsichtbaren Künstlerin.

Jählings raschelte es zu meiner Linken. Ein einzelnes Reh näherte sich in großen Sprüngen, kreuzte für einen Moment meinen Weg und verschwand im dichten Unterholz. Mit beruhigender Stimme redete ich das wunderschöne Tier an und noch für kurze Zeit vernahm ich ein leiser werdendes Rascheln. Sodann eroberte eine absolute Ruhe die Umgebung. Die Weiher sind mittlerweile von dem anhaltenden Frost in ihrer Bewegung erstarrt und verharren eingefroren auf wärmere Zeiten. Jene mit Eis behandschuhte Hand wirkt mit eisernen Griff und läßt mehr und mehr erstarren; vertreibt die Stockenten und Bläßhühner immer weiter von ihrem gewohnten Aufenthaltsort – in noch zugängliche Gewässer, die sich der Starrheit widersetzen. Nur eine Ausnahme trotzt der Starre – das Heim von Meister Bockert wird natürlich gewollt vom Eis freigehalten. Von einer Sekunde auf die andere friere auch ich abrupt ein – ich bleibe stehen – einfach so und kann mich nicht entsinnen, daß ich dazu bewußt den Befehl gab. So verharre ich und beobachte das Finsterleben, geboren in einem Reich aus Schnee; im Hintergrund warten die Baumgiganten, entblößt von allen Blattgewändern – nur die nackten Äste streben skelettartig gen Himmel, bewehrt mit einem weißen Hauch der temporären Endlichkeit. Zahlreiche Flocken gleiten leise auf mich hernieder; ich verwandele mich auch langsam, aber sicher in einen Schneemann. Viel Kraft kostet es mich, den beobachtenden Status aufzugeben und wieder in den Laufschritt zu verfallen; zu schön ist das natürliche Leben und zu intensiv die Bannkraft, die es auf mich gravitätisch ausübt.

Mein Dammareal ist still geworden, scheinbar für immerdar eingeschlafen; auch hier verweht ein Hauch von Schwermut alle Geräusche, die sonst den Tag dominieren. Unmerklich registriere ich, daß die Helligkeit an Intensität zunimmt, nur um Nuancen wird es stetig heller. Innerhalb von wenigen Minuten hält das Tageslicht seinen Einzug und urplötzlich ist es hell. Von hier auf jetzt, ungeachtet der ausgeprägten Nuancen, habe ich es nicht wirklich wahrgenommen. Freilich kann von einer wirklichen Helligkeit keine Rede sein – ein graues Heer von Wolkenformationen trübt die Weite des Horizonts und sorgt für steten Schneenachschub. Ich verliere ich mich immer weiter in jenes Habitat, welches von einer wahren Einzigartigkeit beherrscht wird, genieße jeden Augenblick dieser Schneewelt und mir ist bewußt, daß ich nach nur sechs Läufen in dem noch jungen Jahr – bereits den wundervollsten Traumlauf in diesem Jahr absolviert habe.

Viel könnte ich noch schreiben, beschreiben und berichten – mannigfaltige Eindrücke festhalten, doch mein wahres Fühlen und Erleben ist fest in meiner Erinnerung eingeschlossen und kann durch die menschliche Sprache nicht konserviert werden. Vollendete Harmonie. Wahrlich.