Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – I. 2018. Siebzehn Jahre, Ein Monat. Das Unvorstellbare realisieren.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und ein Monat in Serie. So führte mich also der gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die ich mir einst hätte nie vorstellen mögen und mein besonderer Tag in diesem Jahr näherte sich täglich, mit jedem Lauf etwas mehr und dies nicht nur vielleicht, sondern tatsächlich. Wer hätte damit rechnen dürfen, daß ich 17 Jahre Täglichlaufen in Serie je realisieren werde? Ich gewiß nicht. Und doch hat das Leben Recht und entsprechend nehme ich diese Gnade und dieses wertvolle Geschenk in Demut und Dankbarkeit an – jedwede andere, möglicherweise divergierende Denkweise würde mich nur von diesem einzigartigen Pfad hinfort leiten und das ist nicht meine Intention. So gehe ich diese Weg also weiter, täglich – bis ich sein Ende erreichen werde, welches sich wie auch immer gestalten wird. Die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In den vergangenen zwei Monaten alternierten die lieblichen Temperaturen zwischen -14 °C und 18 °C – in der unausweichlichen Konsequenz absolvierte ich 39 Kälte-, sieben Regen- und zwei Nebelläufe. Weiterhin gesellen sich in der Statistik dazu – ein Glatteislauf und ein neuerlicher Fastunfall. Letzterer sollte mich ausgerechnet an meinem gewichtigen Jubiläumstag ereilen. Die Zeit zum Februarende war relativ traurig, denn die längere Verantwortung für meine Wollfreunde fand ihren Schlußpunkt, was meine Wollies natürlich so gar nicht verstehen wollten und ihre Trauer und ihr staunendes Unverständnis währte über mehrere Wochen. So hat alles seine Zeit im Leben. Am 28.02. sorgte der Hauch einer Schneedecke für einen wundervollen Traumlauf, wie er mittlerweile im Kontext dieser Witterungsbedingungen selten geworden ist.

Am 04.03. bei einer Temperatur von -08 °C ertönte ein lautes Aufschreien zweier Männer, die nicht begreifen konnten, wie ich in kurzer Hose laufen kann; zwei Tage später erlebte ich das gleiche bei warmen -03 °C – solche Verwunderung erlebte ich viele Jahre nicht, ich kenne das Spiel eher andersrum – bei -14 °C waren viele Menschen entsetzt, daß ich eine lange Hose trug. Nun ja, die Herrlichkeit der Welt… Der wunderbare Wintergenuß steigerte sich am 07.03. in höchster Intensität und jener weißer Winterwald, einhergehend mit Schneefall, der in Regen überging, war unbeschreiblich prächtiger Natur. Nur fünf Tage später fiel die erste Kreuzspinne im tiefen Wald auf meinen Arm und läutete damit den endgültigen Frühling ein, der sich freilich noch etwas zierte, um dann seinen würdigen Thron einzunehmen.

Zu den Iden des März bekamen meine Wollies Besuch von einem Bussard, der zwischen ihnen hin und her lustwandelte und jener tollkühne Gesell wurde von den lieben Schafen ohne Widerspruch toleriert, respektive gar ignoriert – ich beobachtete dieses Schauspiel durchaus eine Weile und selbst zum Ende meines Laufes hielt sich der Greifvogel immer noch auf der Weide auf. Der letzte Schneelauf fand am 20.03. statt, welcher freilich auch in die Kategorie „Traumlauf“ einzog. Dies liegt in der Natur der Sache. Sechs Tage später wollte ein Graureiher in der Krone eines Baumgiganten landen; er erspähte mich unmittelbar davor und hielt stante pede im Flug inne, strampelte mit den Beinen in der Luft und flog zutiefst verstimmt von dannen; ich konnte mich eines Lachens ob dieser Vorstellung nicht erwehren. Um bei den gefiederten Freunden zu bleiben, beobachtete ich am 08.04. einen Seeadler, der trotz meiner Anrede den Rückweg antrat – welche Flügelspanne, welche Flügelspanne! Ich war begeistert, dieses Prachtexemplar beobachten zu dürfen. Eine Woche nach dem Treffen lag mitten auf dem Forstweg ein toter Buchfink, der allem Anschein nach unversehrt war – ich unterbrach meinen Lauf und verbrachte ihn fern des Weges in den Wald und bedeckte ihn mit Laub. So endet ein Leben. Und mein Täglichlaufen läuft weiter…

…hinein in den nächsten Monat und ja, bereits die 17/1 sind wahrhaftig unvorstellbar – ein Hoch auf meine Dokumentation, die mir jeden einzelnen Lauf seit 1999 erinnerlich werden läßt. Morgen gehe ich diesen Weg weiter. Wie könnte ich auch nicht?

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Den Weg gehen – XI. 2018. Sechzehn Jahre, Elf Monate. Wollige Verantwortung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Die letzte reguläre Monatsrückschau vor dem nächsten bedeutenden Jubiläum hat nun ihren Einzug auf dieser Seite gehalten. Unaufhaltsam rast der banale, gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die wir nimmermehr betreten können. Mein besonderer Tag nähert sich täglich, mit jedem Lauf, etwas mehr. Vielleicht. Ungeachtet meiner Abneigung gegen Ziele ist es doch längst als solches auserkoren worden, aber dies versteht sich natürlich von selbst und der entsprechende Artikel wird hier folgen. Möge es gelingen oder eben nicht – die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In der vergangenen Phase absolvierte ich 24 Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe und die allgewaltigen Temperaturen alternierten zwischen -11 °C und 10 °C. Zu Beginn jenes Abschnitts lächelte der nasse Weltgesang und sogar zwei Regenläufe in Folge reizten mit wundervollen Bedingungen, die sich nur intensiv genießen lassen konnten. Obwohl die scheinbare Winterregentin für eine temporäre Abkühlung sorgte, wagte sich eine authentische Winterstimmung nicht hernieder; partiell lachte mich ein wenig Schneeregen an – aber von Schnee ließ sich wahrlich nichts erspähen. So wird dieser Winter endgültig untergehen – ohne, je einer gewesen zu sein. So sei es.

Seit Januar bin ich einmal mehr für meine wolligen Freunde verantwortlich, was für höchste Begeisterung auf Seiten aller Beteiligten sorgt. Sobald ich mich dem Areal in der Ferne nähere, erkennen mich erste Späher und beginnen ein gigantisches Begrüßungskonzert, bzw. Begrüßungsgemääääähe. So ziehe ich täglich bei ihnen ein – flankiert von der wolligen Ehrengarde. Allein das Salutieren müssen wir noch etwas verfeinern. Drei Damen fordern eine kuschelige Sonderbegrüßung ein, der ich freilich gerne nachkomme. Ich fürchte bereits jenen Moment, an dem ich mein würdiges Amt aufgeben und meine Lieben passieren muß, ohne sie zu versorgen. Das Unverständnis wird määähchtig sein.

Einen ersten Eindruck erfuhr ich bereits, als ich in der Finsternis mich leise vorbei schlich – die kulinarische Versorgung erfolgte erst während meines Rückweges – trotz der Dunkelheit wurde ich unverzüglich enttarnt und das Theater mit einhergehender obligater Empörung war gewaltig. Am 15.02. zu Tagesbeginn fehlte ein Wollputzel und meine Vermutung bestätigte sich sogleich – sie zeigte mir hernach ihren wundervollen Nachwuchs – Zwillinge, welche nun fröhlich springend durch den Tag toben.

So bleibt mir nur, die letzten Tage in diesem Kontext zu genießen und mich mental auf das nächste unfaßliche Jubiläum einzustimmen. Möglicherweise läuft das Leben mit mir und offeriert mir das einzigartige Geschenk von… Schaun mer ma, dann sehn ma scho – wie wir in Preußen zu sagen pflegen.

Den Weg gehen – X. 2018. Sechzehn Jahre, Zehn Monate. Enttäuschte Winterhoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. Nun ist es also endgültig gefallen, das vergangene Jahr – und voller Schmerz, doch mit einem Lächeln trat es ein, in die schwarzen Welten der Erinnerungen. Nimmermehr wird es wiederkehren. Verlorene Zeiten. So beginnt das neue; und die erste Monatsrückschau in diesem Jahr, welches dem vorangegangenen Jahr ebenso rasant in das allumfassende Nichts folgen wird, preist ihren temporären Moment des Lebens.

In der hier thematisierten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 09 °C und -04 °C und somit zogen 21 Kälte-, fünf Regen-, drei Nebelläufe und ein Glatteislauf in meine Statistik ein. Der -04 °C zum Trotz kann und muß ich den fehlenden Winter von Herzen beklagen. Bis auf wenige Ausnahmen glänzte die Kältefürstin mit Abwesenheit und die liebliche Schneeregentin gab sich nicht einmal die Ehre; in der Tat, sie stieg nicht hernieder von ihrem erhabenen Thron am weiten Firmament (obwohl es in dieser Sekunde eminent schneit (doch mein heutiger Lauf längst beendet ist)). So bleiben meine Wünsche und Hoffnungen von einem mächtigen Schneetreiben im verlorenen, einsamen Winterwald nur flüchtige Illusionen. Endgültig vorbei scheinen die Zeiten, in denen Winter noch Winter waren. Enttäuschte Hoffnungen.

Im Dezember wurde partiell damit begonnen, die gigantischen Holzberge aus dem ehemals herrlichen Forst abzutransportieren und was die Radlader und Baumvernichter bis dato an Wegen nicht zerstörten, übernahmen nun die polnischen LKW, die ihrerseits ganze Arbeit leisteten. Vielleicht sollte man die Wälder gleich ganz entfernen, um dort Schwerindustrie anzusiedeln, welche die Luft mit krebserzeugenden Dämpfen versetzt – das ist hier eh üblich.

Bussardkontakte, wie ich sie in letzter Zeit öfter beschrieben habe, erlebte ich in jenem Abschnitt wiederholt. Nicht einmal flogen sie von dannen, diese edlen Greifvögel. Ich habe diese Begegnungen genossen. Das gleiche Prozedere vollzog sich auch dreimal mit einem Graureiher, was eine wahre Besonderheit ist, da jene extrem scheu sind. Doch ja, sie kennen mich schließlich. „Meine“ Schafherde hat sich indessen leider mehr als halbiert – und künftig werde ich wieder das Oberkommando über meine Wollfreunde übernehmen. Mir deucht, dies werden wollige Zeiten.

Die Zeit vergeht und wir mit ihr. In nur zwei Monaten könnte ein neuerliches und bedeutendes Jubiläum auf mich warten – dennoch, in dieser langen wie kurzen Spanne kann und wird viel passieren und ich erwarte nichts – doch still hoffen, darf ich. Gelebtes Täglichlaufen – der nächste Lauf folgt – morgen.

Den Weg gehen – IX. 2017. Sechzehn Jahre, Neun Monate. Das schwarzblaue Wolkengemälde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Vorbei. So endet es, dieses nicht mehr lange lebende Jahr und vor meinem obligaten Jahresrückblick erfolgt nun die schlußendliche Monatsrückschau. Wie stets, so vollzog sich auch jener Abschnitt mehr als rasant und tritt für immerdar in das unendliche Nichts ein; der Rasanz ungeachtet konnte ich mein Täglichlaufen in gewohnter Routine unspektakulär absolvieren, wenngleich der letzte Monat durchaus interessante Begebenheiten für mich bereit hielt.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 08 °C und -03 °C und offenbarten somit 18 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Auch ein neuerlicher Fastunfall und zwei Wildschweinkontakte durfte, bzw. mußte ich erleben. Am 27.11. fand eindeutig einer der wundervollsten Läufe in diesem Jahr statt und fast war ich geneigt, ihn ausführlich zu beschreiben, doch wahre Schönheit kann nie in schnöde Worte erklingen. Dennoch, das Himmelspanorama wurde links wie rechts von absoluter Finsternis flankiert; schwarze Wolkenschiffe zogen lautlos in den weiten Horizont hinein, indessen das Zentrum in jenem Gemälde azurblau ausstaffiert war – in einer intensiven Art und Weise, die ihresgleichen suchte. Die Mittelwiese wurde gleißend hell kontrastierend von der Sonne ausgeleuchtet und in den dunklen Wolkenmeeren zu beiden Seiten entfaltete sich ein zweifacher Regenbogen, welcher das unbeschreibliche Kunstwerk in einem Halbkreis magisch umschlossen hielt. Meine Gedanken formten nur einen Satz – die Welt für eine Kamera! Nur in meiner Erinnerung lebt dieses wundervolle Bild fort – es wird nimmermehr real wiederkehren.

Anfang Dezember erspähte ich eine Rotte von ungefähr acht Wildschweinen, welche entspannt durch den Morgennebel lustwandelten und sich auch durch meine übliche Anrede nicht stören ließen. Für einen Moment beobachtete ich die Schnuffelnasen, bis sie von der wabernden Nebelwand absorbiert wurden und nachhaltig verschwanden. Unsere nächste Begegnung erfolgte am 13.12. – dieses Mal traf ich nur ein großes Exemplar in der Finsternis. Zehn Tage vorher schneite es erstmalig in diesem aktuellen „Winter“ – natürlich tanzten die lieblichen Flocken erst zehn Minuten n a c h meinem Lauf hernieder. Manche Dinge ändern sich nie. Der Morgen des 07.12. reizte mit einem besonderen Lichtspiel, denn zu meiner linken Seite winkte bereits die Sonne, gleichwohl zu meiner rechten noch der halbe Mond lächelte. Die letzten Tage werden ebenso ungestüm wie das ganze Jahr in die Vergangenheit eintreten und auch die noch folgenden, werde ich freilich mit einem täglichen Lauf gebührend würdigen. Wie könnte ich auch nicht? Täglichlaufen, 16 Jahre und neun Monate in Serie; tatsächlich, ein beachtlicher Wert für mich.

Den Weg gehen – VIII. 2017. Sechzehn Jahre, Acht Monate. Im Zeichen des Bussards.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Vergangenheit. Vor einem Moment lag er noch vor mir, der hoffnungsvolle und noch nicht geborene Monat Täglichlaufen, der freudig den Dingen harrte, um strahlend in das fragile Leben zu treten. Vorbei. Nun ist er ein unbedeutendes Teil der unendlichen Vergangenheit; kehrt nimmermehr wieder und lebt nur in meinen leisen Erinnerungen fort – temporär begrenzt. Wie das Leben selbst. So setzt es sich also fort, ungerührt und unwägbar wie eh und je. Wer kann und will dem entkommen? So sei es.

In der nun abgeschlossenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 0 °C und 14 °C und in der Summe wurden mir sechs Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe als wertvolle Geschenke dargeboten, welche ich nur zu gern goutierte. Auch erlebte ich am 25.10. meinen 52. Wildschweinkontakt, der sich einmal mehr unspektakulär im Sprühregen vollzog. Der vernichtende Kahlschlag im Forst fand mittlerweile seinen Abschluß – zurück bleibt Zerstörung allenthalben und mehrere Holzstapel, wie auch das nachfolgende Bild betrüblich aufzeigt – jener ist ungefähr 60 Meter lang. Ein erneuter „Orkan“ wütete entsprechend und tat das seine, um weitere zornige Schäden zu generieren – mein Lauf indessen an jenem Tage war wundervoller Natur.

Am 24.10. erspähte ich zum ersten Mal ein schwarzes Eichhörnchen – bisher dominiert die Farbe rot. Anfang November thronte auf einem hohen Holzpfahl ein edler Bussard, der sich gar nicht stören ließ und nur neugierig nach unten spähte, um mich im Auge zu behalten. Nur wenige Tage später lief ich direkt auf einen Bussard zu, der auf einem Ast in vielleicht drei Meter Höhe saß und selbst als ich erst unmittelbar vor ihm abdrehte, wahrte er noch die Contenance und fühlte sich keineswegs belästigt. Sodann erfolgte am 09.11. das gleiche Spiel, dieses Mal betrug die Distanz zwischen uns nur zwei Meter und auch in diesem Fall beobachteten wir uns nur gegenseitig in höchst neugieriger Art und Weise. Ob es sich um verschiedene Exemplare handelte, kann ich freilich nicht konstatieren. Doch ja, als Täglichläufer muß ich selbst den Bussarden bekannt sein. Und wie stets, hielt ich auch bei diesen Begegnungen anredende Monologe, die allerdings unbeantwortet blieben.

Während dieses Laufes erspähte ich an der gleichen Lokalität wie zuvor erneut einen Waschbären, der von links nach rechts sehr entspannt meinen Damm kreuzte und im Gebüsch verschwand. An dieser Stelle darf ich meine geliebten Wollfreunde nicht vergessen, die an jenem Tage aus ihrem Sommerurlaub zurückkehrten und auf ihre heimatliche Weide zogen – und mich durchaus arrogant ignorierten. Es sollte noch eine Woche dauern, bis wir den gewohnten Streichelreigen fortsetzen konnten und so kann ich über dieses skandalöse Verhalten doch generös hinweg sehen. In der Mitte des Novembers gelang es mir, in den frühen Morgenstunden zwei relativ junge Nachwuchsfüchse beim Spielen zu beobachten – ein herziger Anblick, der einfach nur pure Lebensfreude ausstrahlte. So vergeht also ein weiterer Monat Lebenszeit; wohin die Reise gehen wird, wird die Zeit lehren.

Den Weg gehen – VII. 2017. Sechzehn Jahre, Sieben Monate. Nebelschwäne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sieben Monate in Serie. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren… So geschah es – Tag für Tag und auch mein Halbjahresjubiläum trat in der unabänderlichen Konsequenz ungerührt in die Vergangenheit ein, um den nächsten Monat würdig in meiner Erinnerung einziehen zu lassen; geboren in dem fragilen Konstrukt meines Täglichlaufens. Ein Abschnitt voller herrlicher Höhen und schrecklicher Tiefen, wenngleich nur auf die Umgebungsvariablen bezogen.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 13 °C und 03 °C und frohlockten über den herrlichen Herbst, der vier Regen- und vier Nebelläufe feilbot. Vor ungefähr einem Jahr wurden zahllose Bäume in meinem favorisierten Laufareal markiert – Todesmarkierungen – wenn auch nicht alle, so bleiben subjektiv betrachtet nicht viel übrig, sollte die Welle der Zerstörung ihr böses Werk vollenden. Am 05.10. war es dann soweit; die Narren wurden losgelassen und priesen die absolute Vernichtung. Allein das Riesenvehikel – wenn es nur zehn Zentimeter fährt – verdichtet den Waldboden derart, daß er wahrscheinlich für Jahrzehnte ruiniert ist und jenes Ungetüm kreuzt ohne Unterlaß hin und her – über Ameisenhaufen hinweg – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Bäume werden nicht ordentlich zersägt, nein, sie werden partiell zerhackt oder zerfetzt. Wer denkt an die Waldbewohner? Oder an die Pflanzenwelt? Aber so ist das in dieser dekadenten Gesellschaft, in der Tiere als Sachen gelten und nicht als Lebewesen. Mir bricht es das Herz. So weint der Wald sein Leid hinaus und verhallt doch ungehört.

„Wir befinden uns mitten in einer Periode des großen Artensterbens, dennoch sind die meisten Menschen blind dafür. Sie sind so beschäftigt mit ihrem trivialen Zirkus, dem anthropozentrischen Zeitvertreiben, Sport, Kunst, Klatsch, Politik, Wein, Essen und Unterhaltung. Die Menschen fiedeln, während die Erde brennt.“ (Paul Franklin Watson)

Und wie sie brennt. Damit der Schäden nicht genug. Ebenso am 05.10. zog ein starker Sturm durch die Lande und wütete in den hiesigen Wäldern in einem Ausmaß, wie ich es zuvor nie beobachtet habe. Meine Dammstrecke ist bis heute durch diverse dem Tod anheim gefallene Baumriesen blockiert und die Pfade des Waldes sehen entsprechend aus. Selbst der Orkan „Kyrill“ entfaltete nicht im Ansatz einen derart intensiven Zerstörungsgrad. Und die restliche Vernichtung übernimmt engagiert das Tier Mensch. Um nun in die Höhen aufzusteigen, sei der wundervolle Rotfuchs erwähnt, den ich am 09.10. erspähen durfte, der gleichermaßen scheu wie neugierig auftrat. Nur zwei Tage zählte ich meinen 51. Wildschweinkontakt und ja, zuvor fand meine erste Waschbär-Begegnung überhaupt statt.

Seit 20 Jahren bin ich meinem Laufen ergeben, seit 18 Jahren praktiziere ich Täglichlaufen, seit über 16 Jahren absolviere ich ein ausnahmsloses Täglichlaufen und dennoch mußte ich derart lange auf so eine Beobachtung warten. Doch ja, ich habe es genossen, wenngleich jener Moment unvergleichlich kurz war. Indessen fand am 15.10. einer meiner schönsten Läufe überhaupt statt – die traumhafte Natur generierte ein Sonnen-Nebel-Gemälde, wie man es weder beschreiben noch überhaupt ersinnen könnte – ich war ob der magischen Pracht nahezu sprachlos. Und zwischen diesen Nebelbändern flogen zwei edle Schwäne sonor sirrend gen verhangenen wie strahlenden Horizont. Was für eine Momentaufnahme! Ein Tag später erlebte ich ein identisches Panorama – kombiniert mit unzähligen Spinnennetzen auf den Wiesen, welche durch den Morgentau wie Diamantenfelder in der Sonne glitzerten. Was wäre dies nur für ein wundervoller Planet ohne die Menschen? Wie dem auch sei, so vergeht ein neuerlicher Monat Täglichlaufen voller konträrer Emotionen. Die Schönheit der Natur obsiegt in meiner Erinnerung, doch das menschengemachte Werk der Zerstörung ist leider nachhaltiger.

Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 16,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…