Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 16,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…

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Den Weg gehen – V. 2017. Sechzehn Jahre, Fünf Monate. Herbsthoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Fünf Monate in Serie. Wieder zieht eine Rückschau hier ein und verbannt einmal mehr einen ehedem hoffnungsvollen Monat Täglichlaufen der Zukunft in die unwiederbringliche Erinnerung. So vergeht die Zeit und nimmt einen neuerlichen Lebensabschnitt mit – in das unendliche Meer der Endlichkeit. Der Lauf des Lebens und nicht wenige Stimmen munkeln, das Leben darf auch zu der Gilde der Täglichläufer gezählt werden.

In der vergangenen Phase manifestierte sich eine Temperatur von 24 °C als Höhepunkt, indessen der Tiefpunkt bei angenehmen 13 °C angesiedelt war – in der unausweichlichen Konsequenz generierte das gar vier Regenläufe für mich. Welch eine hohe Zahl in einem Monat! Tatsächlich, die Witterungsbedingungen der letzten Jahre machen mich sehr demütig und bescheiden in dem Kontext. Ich wünschte, die Großkampfverbände der Mückenheere würden ebenso von Bescheidenheit dozieren. Nach längerer Zeit durfte ich am 23.07. einen possierlichen Fasan beobachten und nur einen Tag darauf erspähte ich einen wundervollen Rotfuchs – der ausnahmsweise nicht stehen blieb, sondern zügig von dannen trottete – und wenige Minuten danach traf ich in einem abgeschiedenen Waldstück Meister Lampe. Freilich darf es nun nicht für Verwunderung sorgen, daß ich sogleich an das entsprechende Märchen dachte. Ich wünsche beiden Putzels, daß sie noch leben.

Am 02.08. wollte mich eine Autofahrerin überfahren, doch halt, nein, nicht schon wieder diese immer gleiche Thematik. Führerscheininhaber, die lesen können, werde ich in meinem Leben nicht mehr erleben. Immerhin traf ich während dieser Laufrunde meinen Golden Retriever-Freund Leo, der mich die unangenehme Szene sogleich vergessen ließ. Anfang August wurde ein neues Schaf geboren – das ist höchst bemerkenswert, denn zu dieser Zeit ist das für mich ein Novum. Meine Wollies sind immer für eine Überraschung gut. Um auf das Thema meiner Hundefreunde zurückzukommen, sei erwähnt, daß auch hier ein Neuzugang festgehalten werden kann – am 06.08. streichelte ich zum ersten Mal den lieben Herr Willi – seines Zeichens ein Riesenschnauzer mit witziger Frisur, den ich bisher nur auf der Ferne kannte. Somit erhöht sich das Feld jener Freunde, die früher oder später für die zahlreichen Zwangspausen sorgen – denn an solche lieben Wesen läuft man nicht vorbei, ohne sie adäquat zu würdigen. Gleichwohl ist der Tribut dafür hoch, allein heute früh lag der Preis für zwei (sehr) kurze Unterbrechungen bei fünf Mückenstichen.

Der Zenit des Sommers ist längst überschritten; die ersten gelben, dem Tod anheim gefallenen Blätter zieren seit fast zwei Wochen die Pfade und die stürmischen Heerscharen des Herbstes sind längst auf dem Weg – in die hiesige Realität. Möge das letzte Aufgebot der Hitze nachhaltig vergehen und den Thron endgültig räumen – für die wahren Witterungsregenten; welche in Kälte, Sturm, Regen und Schnee geboren sind – meine Ungeduld wächst täglich mehr und mehr, endlich wieder unter wundervollen Bedingungen mein Täglichlaufen zu praktizieren. So bleibt nur die Hoffnung auf einen baldigen Wandel.

Den Weg gehen – IV. 2017. Sechzehn Jahre, Vier Monate. Bedeutsame Jubiläen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Vier Monate in Serie. Und wieder wurde ein Monat Lebenszeit nachhaltig in die Vergangenheit überführt – unwiederbringlich und verloren für alle Zeiten. Dieses fragile Konstrukt, welches wir als „Leben“ betiteln, ist doch mehr als erschreckend. Immerhin, die vor kurzem von mir „kritisierte“ Routine hat sich grundlegend verflüchtigt und das tägliche Einerlei im Laufkontext wurde mehrheitlich abwechslungsreich von der Unwägbarkeit des Lebens gestaltet.

In der vergangenen Phase vollzog ich nur zwei Regenläufe – was als sehr, sehr betrüblich zu bewerten ist – und die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 26 °C. Die unsägliche Hitze stellte sich glücklicherweise nicht ein und längere Regenabschnitte sorgten für angenehme Klimabedingungen. An jenen Tagen wirkte sich das entsprechend positiv auf die Heerscharen der Mücken aus, was ich freilich besonders wertschätzte, dann damals war ich wieder für meine Wollfreunde zuständig. In diesem Kontext vollzog ich das erste bedeutsame Jubiläum in jenem Abschnitt, denn am 30.06. absolvierte ich meinen 400. Regenlauf. Eine formidable Zahl, die nicht im Ansatz ihr verborgenes Geheimnis offenbaren kann, welcher intensive Genuß darin eingeschlossen ist. Ohne Worte. Ohne Worte!

Am 19.06. begegnete ich einem grunzenden Wildschwein, welches mich wahrscheinlich nicht gewahrte oder aber, er oder sie tat sehr ignorant, was meine Person angeht. Nur wenige Tage später – am 07.07. – kam es zu einem neuerlichen Kontakt mit den süßen Putzels und ja, die Statistik erläuterte mir schlußendlich, daß es sich um unsere 50. Begegnung handelte – welch ein schönes Jubiläum. Am 22.06. war die Zeit reif für einen weiteren Sturz, der auch recht blutig verlief; aber diese Thematik wird mich wohl für immerdar als Täglichläufer begleiten. Nur einen Tag später durfte ich diverse Sturmschäden in meinem Laufareal „bewundern“, die bis heute die Wege blockieren und bisher nicht geräumt wurden.

Für Familie Schwan unterbrach ich meinen Lauf am 13.07. und beobachtete die Eltern mit ihren fünf Nachwuchsschwänen, von denen vier grau sind und eines ein weißes Gewand trug. Noch immer fällt es mir schwer, mich von solchen herzigen Anblicken zu lösen – es geht eben nichts über die Natur; wo die Natur noch Natur sein darf. Vorgestern bat mich eine Dame um Hilfe, welche ich ihr natürlich gern gewährte, aber auch dies gestaltete sich wieder als Herausforderung, denn die Macht der Mücken war und ist ungebrochen. Ich erhebe das Jahr 2017 als das schlimmste Mückenjahr, was ich je in meinem Leben erlebte. Mein gestriger Lauf wurde von einem Pirolkonzert gekrönt, welches seinesgleichen suchte – angesichts dieser edlen Melodien fragte ich mich einmal mehr, wieso der Lauf nur enden mußte!? Doch nichts währt ewig. – – So setzt es sich also fort – Gelebtes Täglichlaufen. Wie lange noch und wohin, wird das Leben lehren. Vielleicht.

Den Weg gehen – III. 2017. Sechzehn Jahre, Drei Monate. Nur Routine.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Drei Monate in Serie. Das Zeitenrad der Vergänglichkeit hat sich laut knirschend weiter gedreht und mit aller Macht seine gravitätische Wirkung entfaltet – wie stets ohne Rücksicht oder Gnade. So ist die Ordnung der Dinge. Selten verlief ein Monat Täglichlaufen unspektakulärer als der letzte – Tag um Tag und Lauf um Lauf trat ungerührt in die tödliche Vergangenheit ein – ohne Besonderheiten oder tragende Ereignisse – einer banalen, ausgeprägten Routine geschuldet, nur Routine; was ich schlußendlich durchaus als positiv interpretieren darf.

Die Temperaturen alternierten zwischen 10 °C und 25 °C und die gewaltigen Witterungsmächte zierten sich mehrheitlich und boten nur zwei Regenläufe feil, was leider sehr bescheiden und auch betrüblich ist. Auch der partielle Starkregen während des einen Laufes ändert diese meine Einschätzung nicht im Ansatz. Mittlerweile durfte ich mehrere Nachwuchsschwäne erspähen, die zusammen mit ihren Eltern die neue, weite Welt erkunden – angesichts derart herziger Szenen gestaltet sich ein Weiterlaufen meinerseits wiederholt als Herausforderung.

Am 20.05. kam ich einem großen Reh wieder sehr nahe, welches sogleich einen ausweichenden Satz vollzog und nach meinem Anreden verharrte und mich neugierig ansah – das Fluchtverhalten war damit beendet – was nicht für mich galt, denn ich setzte meinen Weg fort, um nicht allzu eminent zum Störenfried zu avancieren. Dieses fast schon zutrauliche Verhalten zahlreicher Rehe erscheint zwar auf den ersten Blick als schön, doch im Kontext der mörderischen Jäger ist das Verhalten nicht angemessen. Am 31.05. wurden meine Wollfreunde geschoren – hier war natürlich eine Zwangspause Pflicht, um die armen Putzels zu trösten und um ein wenig die Heerscharen der Mücken zu vertreiben – die sich natürlich stante pede ein neues Ziel auserkoren – und so mußte ich für meine Trosteinheit einen hohen, juckenden Preis bezahlen. – – Das Zeitenrad wird sich weiter drehen, immer weiter und ich bemühe mich, mein Täglichlaufen auch künftig leben zu dürfen; ob diese Routine weiterhin mitlaufen wird oder eben nicht – wird die Zeit lehren.

Den Weg gehen – II. 2017. Sechzehn Jahre, Zwei Monate. Mehrstimmige Auftaktkonzerte.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zwei Monate in Serie. Also spricht die Zeit und verzehrt einen neuerlichen, den zweiten Monat Täglichlaufen in diesem Jahr für alle und alle Zeiten in dem unwägbaren Dasein der Fragilität und temporären Partizipation der gelebten Bedeutungslosigkeit. So war und ist die Ordnung der Dinge, die sich jeher jedweder Einflußnahme entzieht. In der vergangenen Phase vollzog sich der nachhaltige Wandel in der natürlichen Welt – die frostige Kälteregentin bot ihr letztes Kräftemessen feil und verlor freilich auf allen Linien – indessen die brennende Sonnenfürstin das ihre tat, um den unausweichlichen Wechsel zu beschleunigen. So sei es.

Die Temperaturen boten ein changierendes Spiel zwischen -03 °C und 23 °C an – welches sich in der statistischen Konsequenz in sieben Kälte- und zwei Regenläufe kanalisierte. Da hier in der Region in der sogenannten winterlichen Jahreszeit sich der Winter höchstselbst als verlustig zeigte, ist es aktuell nicht irritierend, daß die Mückenpopulationen die gar nicht kalte Zeit hervorragend überstanden haben und nun entsprechend wirken. Dieses Jahr wird ein Mückenjahr, wie es im Buche steht und ja, ich erlebe es bereits tagtäglich. Ein Anhalten im Wald ist nahezu unmöglich und jener Wahnsinnige, der dies tatsächlich wagt, wird augenblicklich massiv zerstochen. Selbst mit meiner Standardgeschwindigkeit von ungefähr 12/13 Kilometern pro Stunde bin ich davor nicht gefeit. Erwähnte ich hier je, daß dies ideale Bedingungen für Laufanfänger sind?

Am 29.04. erlebte ich meinen 48. Wildscheinkontakt; ich gewahrte die Putzels dieses Mal nicht vorher und erschrak, als eines laut krachend in das Wasser sprang und flüchtete, sodann ein weiteres erst den Rückzug antrat, aber im Anschluß stehen blieb und mich groß ansah – auch ich unterbrach meinen Lauf und so beobachten wir uns beide neugierig. Nachdem ich ein paar beruhigende Worte sprach – so bildete ich mir ein – setzte ich meinen Weg fort. Mögen sie sich von dem Schreck erholt haben. Am 01.05. fand ich den großen Chefschafbock in einer höchst mißlichen Lage vor, aus der er sich nicht selbst befreien konnte; hier gab es kein Zögern oder Zaudern – ich begab mich umgehend zu ihm, um ihm zu helfen, was er auch sofort spürte – allerdings zählt er nicht zu den Geduldigen, was ich in so einer Situation durchaus nachvollziehen kann – doch nach kurzer Zeit gelang es mir, ihn zu retten. So sorgten „meine“ Schafe einmal mehr für eine gewisse Aufregung innerhalb meines Täglichlaufens.

Am 02.05. vernahm ich zum ersten Mal den Kuckuck in diesem Jahr, der seitdem ohne Unterlaß seinen Ruf in den Weltgesang hinaus schmettert und nur einen Tag später vollzog der Pirol sein Auftaktkonzert und auch er gehört seit dieser Zeit zum täglichen musizierenden Ensemble – was ich doch sehr genieße. Eine weitere Künstlergruppe darf ich in diesem Kontext mitnichten außer Acht lassen, denn am 08.05. ertönte – ebenso zum ersten Mal in diesem Jahr – der musikalische Froschreigen, die mit Inbrunst täglich quaken und sich an ihrem Dasein erfreuen. So ist der Frühling nun auch in der Tierwelt mit einem fortpflanzenden Lächeln eingezogen, welches den Sinn des Lebens eindrücklich offenbart. – – Die Zeit vergeht, das Leben folgt zwangsweise und ein weiterer Abschnitt Täglichlaufen wartet vielleicht auf mich – das Leben wird dies zeigen oder eben nicht.

Den Weg gehen – I. 2017. Sechzehn Jahre, Ein Monat. Tierfreunde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Ein Monat in Serie. Unbarmherzig verrinnt die Lebenszeit, fließt ungehalten in das weite Meer der Unendlichkeit, um sich mit dem triumphierenden Nichts für alle Zeiten immerdar zu vereinigen. Ein immerwährender Kreislauf – ohne Anfang und Ende – der das elementare Sein bestimmt und durch nichts beeinflußt werden kann. So ist mein besonders wertgeschätztes Jubiläum in diesem Jahr nur noch eine nebulöse Erinnerung ohne Bedeutung; ein weiterer Monat nimmt temporär seinen Sitz ein, wohl wissend, daß auch seine Regentschaft nur eine Momentaufnahme sein wird. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -03 C° und 10 °C und generierten in der unausweichlichen Folge 18 Kälte- und neun Regenläufe. Die wichtigste Aufgabe in den letzten beiden Monatsabschnitten war freilich meine kulinarische Verantwortung für meine Wollfreunde, die ich tagtäglich mit meinem Täglichlaufen verband – den Höhepunkt sollte ich ausgerechnet am 18.03. erleben, denn an jenem denkwürdigen Tage hat meine besondere Schaffreundin Zwillinge geboren, die sich prächtig entwickelt haben. Am 20.02. durfte ich meiner Statistik einen weiteren Fastunfall hinzufügen und auch später erlebte ich eine ähnliche Situation; ob ich je den Tag erleben werde, an dem nur diejenigen Fahranfänger den Führerschein erhalten, die auch lesen können?

Am 03.03. habe ich leider einen Fasan aufgeschreckt, der sich im Unterholz versteckte und während er flüchtete, von fünf Krähen attackiert wurde – erst als ich in die Hände klatschte, ließen sie von ihm ab und verschwanden. So bringt man als friedlicher Täglichläufer andere Lebewesen in Todesgefahr – wer hätte das gedacht? Anfang Februar durfte ich seit längerem wieder einen Schwarzspecht beobachten, der später seinen Aufenthaltsort durch seinen charakteristischen Pfeifton verriet. Am 15.03. gelang es mir, ein Wildschwein zu beobachten, die Fortsetzungen erfolgten am 02. und 10.04. mit dem Erspähen ganzer Rotten mit ihren Frischlingen – mittlerweile vermeldet meine Statistik: 47 Wildschweinkontakte.

Nur ganz selten war es mir bisher möglich, Hasen zu erspähen und so genoß ich unsere Begegnung am 05.04. in eindrücklicher Form; zumal er nach meinem Anreden sein Hoppeln unterbrach und mich herzig ansah – ich folgte ihm nicht weiter und änderte meinen Weg. Drei Tage später erlebte ich ähnliches mit einem großen Reh, welches mich in einer nahen Distanz duldete und gar nicht auf die Idee kam, sich zu entfernen. Ich passierte das wundervolle Putzelchen in einer Entfernung von vielleicht drei Metern und es drehte sich nur um und beobachtete mich – jene Momente definieren für mich einen nicht unerheblichen Teil meines Täglichlaufens. Am 12.04. unterbrach ich meinen Lauf, um den Golden Retriever „Theo“ kennenzulernen, der über unser Treffen höchst erfreut war und mich mit seinen treuen Augen sofort gefangen nahm – was für ein wunderschöner Hund! Mittlerweile dominiert der Frühling das Geschehen, wenngleich die Temperaturen noch ihr eigenes Spiel leben wollen. Gestern erspähte ich den ersten Graugansnachwuchs und weiterhin bot die kunstvolle Nachtigall ihre einzigartige Kunst feil und brillierte mit einem formidablen Konzert als Frühlingsauftakt. So verrinnt er also, der Fluß des Lebens und wenngleich ich versuche, den einen oder anderen Augenblick mit meinem Täglichlaufen wenn schon nicht festzuhalten, doch zu verlangsamen, so bleibt es stets bei einem Versuch, der das Scheitern in sich birgt. Dennoch, der nächste Lauf folgt. Morgen.

Den Weg gehen – XI. 2017. Fünfzehn Jahre, Elf Monate. Zerstörende Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Tempus fugit. Das bedeutendste Jubiläum in diesem Jahr leuchtet sanft schimmernd am weiten Horizont und weist mir wie ein Leuchtfeuer den Pfad in jene vollendende Richtung und ja, ich bin bestrebt, diesen Weg zu folgen und ihn nachhaltig zu gehen, zu beschreiten – wie es stets mein Stil war. Ob mir diese meine Intention gelingen wird, kann ich freilich nicht wissen; doch ja, das Leben wird es lehren. Ich selbst wage diesbezüglich keine Prognosen, zu unwägbar ist das fragile Konstrukt im Zeichen der Gesundheit und des Lebens selbst. Allein ich bemühe mich nach Kräften. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -07 °C und 02 °C, welches in der banalen Konsequenz 30 Kälteläufe generierte, dazu gesellen sich in trauter Eintracht sieben Nebel-, vier Glatteisläufe und ein Regenlauf. Schlußendlich zogen weiterhin ein Sturz und ein Fastunfall in meine Statistik ein. Der letzte Monat vollzog sich im läuferischen Kontext ohne tragende Besonderheiten, doch die Umgebungsbedingungen entfalteten eine böse Tagesordnung in schrecklichster Art und Weise. Wie oft habe ich hier bereits konstatiert, daß ich in der naturfeindlichsten Stadt überhaupt lebe; jeder Baum wird als Feind betrachtet, der vernichtet werden muß und explizit so sahen die vergangenen Tage aus. Von zahlreichen Lokalitäten, wo die dekadenten Toren in zerstörerischster Weise wüteten, greife ich nur meinen Damm – als meine geliebte Standardlaufstrecke heraus.

Das Ausmaß der Verwüstung ist verheerend – große und absolut gesunde Bäume wurden vernichtet; Bäume, die niemanden gefährlich werden konnten, wurden ausgelöscht und selbst junge Nachwuchsbäume wurden ihrer Äste beraubt. Ein Gemetzel an der Natur ohne Sinn und Verstand – wie das so üblich ist, in der kranken Menschenwelt. Mir bricht es das Herz. Und das ist nur der Anfang – in den hiesigen Wäldern sind zahllose weitere Bäume bereits markiert, die mittelfristig ihren Tod finden werden. Welche Vernichtung von Lebensraum! Ich wünsche mir von Herzen, daß diese degenerierte Spezies für all den Frevel, den wir der Natur mit all ihren zauberhaften Lebewesen täglich weltweit antun – irgendwann eine adäquate Quittung erhalten wird. Und möge diese Rechnung sehr, sehr eindrücklich wie nachhaltig werden. Hoffnung treibt das Schiff der Narren.

Ein positiver Lichtblick im letzten Monat sind die vier neugeborenen Nachwuchsschafe, die mit ihrem goldigen Anblick direkt jedes Betrachterherz zutiefst rühren. Und dazu ihre zarten Stimmchen – ja, man muß sie einfach lieben. Neben meinem unangenehmen Sturz am 29.01. durfte ich einen Fasan beobachten, sowie am 09.02. einen Pirol und sogar den unnahbaren Herr von Chefschafbock konnte ich am Hals streicheln – welches in der Tat absolut bemerkenswert ist. Auch durfte ich wieder zahlreiche Rehbegegnungen erleben, die sich allesamt durch die Gemeinsamkeit auszeichneten, daß sie durch mein Anrufen und ruhiges Zureden ihre Flucht beendeten, abrupt anhielten und mich neugierig ansahen. So erst gestern geschehen mit einem relativ großen Reh in nur fünf Metern Entfernung. Obwohl ich diese Momente sehr schätze, ist das wohl ein falsches Verhalten meinerseits, was ich aktuell überdenken muß; denn es kann nicht in meinem Sinn sein, den Rehen ein falsches Vertrauen zu suggerieren, welches sie möglicherweise durch mordgeile Jäger am Ende mit dem Leben bezahlen müssen.

Seit ungefähr drei Jahren überwintern hier mehrere Kraniche und wenn ich in der letzten Zeit maximal zwei erspähen durfte, so war mir bekannt, daß die kleine Gruppe wenigstens sechs Tiere zählt. Die lieben und sehr musikalischen Kraniche konzertierten gestern früh in wundervoller Weise, doch beobachtete ich an jenem Morgen nicht fünf, nein, sondern ungefähr 30 Kraniche – dazu debattierten im Hintergrund lauthals mehrere hundert Wildgänse, welches eine traumhafte Frühlingsatmosphäre generierte, die ich nur von grundauf genießen konnte.

So vergeht also ein Monat, geboren in menschlicher Dummheit vereint mit menschlicher Zerstörungswut; tatsächlich, diese Spezies bleibt sich treu. Der Schimmer der Zukunft, der mir vielleicht ein weiteres Jubiläum offenbaren wird, intensiviert sich. Von Tag zu Tag zu ein wenig mehr, in nuancenhaften Schemen, die ich noch nicht realisieren kann und will. Wohin wird die Reise gehen?