Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – IV. 2018. Siebzehn Jahre, Vier Monate. Der Zenit ist überschritten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und vier Monate in Serie. Still und weithin laut vernehmlich haucht ein weiterer Lebensmonat mit unschätzbarer Zeit – geprägt vom Täglichlaufen – seufzend seinen einzigartigen Atem aus. Der Weltgesang hält inne, läßt alte und flüchtige Erinnerungen letztmalig lächelnd aufleben und schließt den Kreislauf des Lebens mit einer entsprechenden Rückschau. So verrinnt sie also, die surreale Zeit – das mächtige Konstrukt unseres beschränkten Geistes. Und wie noch stets, bemerkenswert rasant.

Der vergangene Monatsabschnitt vollführte ein verhaltenes Wechselspiel im Rahmen der Temperaturen zwischen 11 °C und 25 °C. Nach nahezu drei Monaten ohne einen einzigen Regenlauf durfte ich jene ungewollte wie fürchterliche Antiserie am 12.07. endlich beenden. Bei allem Genuß und wahrer Freude – jener Moment schwindet mehr und mehr und die hohen Temperaturen lassen die greifbare Lebendigkeit von einst vergessen – täglich um eine Nuance mehr. Eine unschöne Begebenheit fand am 29.06. statt – ich passierte meine „Lieblingsstelle“ – das berüchtigte Stopschild – und welch ein Wunder (der Klerus darf mir hier zustimmen), tatsächlich hielt doch mal ein Vehikel an; gleichwohl nicht an der angemessenen Örtlichkeit, nein – der Fahrer blockierte gleichsam Fuß- wie Radweg und ich sah mich genötigt, auf die Hauptstraße auszuweichen – ungeachtet des stark fließenden Verkehres. Ohne Worte.

Am 24.06. erspähte ich einen Schwarzspecht im einsamen Hain und nur drei Tage später wurde mir die seltene Ehre zuteil, drei Schwarzspechte auf einen Streich zu beobachten – dies ist wahrhaftig ein Novum. Später gesellten sich zwei Pirole hinzu und nochmals drei Tage später schwamm im Wasser eine Entenfamilie, die nicht weniger als acht Nachwuchsputzels mit sich führte – welch ein Anblick! Anfang Juli hoppelte ein Hase auf dem Waldweg umher und seit dem 04.07. hat sich eine neuerliche Serie etabliert – denn seit jenem Tage durfte ich täglich Meister Lampe in seinem Wirken beobachten. In der Regel tritt er schnellstens den Rückweg an und doch hielt er bereits einmal in seinem Lauf inne, als ich ihn anredete. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas „zutraulicher“ werden. Zudem sie immer an den gleichen Punkten ihre sonst getarnte Anwesenheit offenbaren.

Seit einigen Tagen registrierte mein Bewußtsein jählings die ersten Anzeichen für den hoffentlich baldigen Aufbruch und Abschied des Sommers – der Zenit ist längst überschritten und so sind diverse Waldwege von Unmengen von abgefallenen Blättern gesäumt wie ausstaffiert. Heute tanzte ein einzelnes gelbes Blatt hernieder und fiel direkt in meine Hand; ein Hauch von Abschied. Der leise Übergang blieb mir indessen verborgen, doch das Ergebnis lächelt eindrücklich und die Hoffnung auf angenehmere Rahmenbedingungen darf sich nun intensivieren. So tritt er also seinen Rückzug an – der ungeliebte Sommer – mein Bedauern hält sich freilich in Grenzen. Ein neuerlicher Monat Täglichlaufen schimmert hoffnungsvoll – wohlan, möge es beginnen. Morgen.

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Den Weg gehen – III. 2018. Siebzehn Jahre, Drei Monate. In den Fängen von Megarachne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und drei Monate in Serie. Die Reise in das nebulöse Ungewisse setzt sich fort – geboren in dem surrealen Kontinuum des fragilen Täglichlaufens. Unausweichlich bietet es heute einen weiteren Monat feil, der still jubelnd in meine Rückschau einziehen darf. Das Leben verrinnt dahin und mein Täglichlaufen plätschert von dannen und tagtäglich demonstriert es mir eindrücklich, wie stetig jener Rinnsal immer noch fließt – oder fließen darf. Die Quelle in diesem Kontext ist bisher nicht versiegt, tatsächlich, dies ist bemerkenswert.

In der aktuell verabschiedeten Phase wetteiferten die Temperaturen zwischen 13 °C und 25 °C und ja, ich wage es kaum hier festzuhalten – ein weiterer Monat zog wehmütig in die tote Vergangenheit ein – ohne einen einzigen Regenlauf. Offenbar hat sich hier unautorisiert eine neue Serie etabliert; eine Art Antiserie mit der Intention, sie unverzüglich zu beenden. Mein letzter Lauf, welcher von süßen Regenmächten flankiert wurde, fand am 16.04. statt – nun, ich spare mir weitere Ausführungen und gebe mich der verborgenen Hoffnung hin. Dum spero, spero.

Am 20.05. durfte ich zum Abschluß meines Laufes einen riesigen Bienenschwarm beobachten, der laut brummend durch die Natur lustwandelte – möglicherweise auf der Suche nach einem neuen Standort. Hierbei handelte es sich um ein höchst beeindruckendes Schauspiel, wie ich es selten erleben durfte. Drei Tage später erspähte ich einen wunderschönen Rotfuchs, der jählings latent erschreckt tiefer in das Unterholz eindrang; indessen ein lieblicher Pirol mit Hingabe konzertierte. Erneut drei Tage später flüchtete ein Bussard am Waldrand – nein, nicht vor meiner harmlosen Wenigkeit – sondern vor zwei männlichen Amseln, die wiederholt engagierte Angriffe flogen und den Feind erfolgreich vertrieben. Wahrscheinlich hegte der Raubvogel keine ausgeprägten Ambitionen für eine nachhaltigere Auseinandersetzung und trat somit den Rückzug an.

Der Juni war noch jung, als ich mich nach längerer Zeit wieder in den tiefen (Mücken)wald wagte und ich registrierte sofort, daß der Weg selten frequentiert wurde, denn ein gigantisches Spinnennetz thronte als nahezu unsichtbares Schild in der Mitte des verlassenen Pfades. Ich erkannte das Hindernis viel zu spät und längst hatte ich das Netz passiert – welches voll von kulinarischen Köstlichkeiten war und die mich nun treu begleiteten. Die Stärke der Fäden irritierte mich sichtlich; der Widerstand war mehr als fühlbar. Wer weiß schon, welch Megarachne dort heimlich verborgen im einsamen Hain lebt und nun eine gnadenlose Jagd auf mich betreibt, denn schließlich brachte ich sie um ihren gebührenden Schmaus. Die inkorrekte Bezeichnung möge man mir an dieser Stelle nachsehen.

So vergeht die täglichlaufende Zeit weitgehend unspektakulär im Zeichen der gefährlichen Routine, welche dennoch keinen Tribut einforderte. Eine neue Zeit strahlt lächelnd erhaben am Horizont, welche ähnlich rasant hernieder wehen wird – wie alle anderen zuvor. Morgen reise ich weiter, auf jenem ungewissen Pfad – von der noch nicht geborenen Zukunft in die unendliche Vergangenheit.

Man gestatte mir wenige Worte, gerichtet an meine einstigen Mitschüler, die mich täglich laufen sehen, partiell um diese Seite wissen und hier schon länger mitlesen, was mir so nicht bewußt war. Ich habe mich über unser Wiedersehen sehr gefreut. Doch letztlich war die wertvolle Zeit leider zu kurz bemessen – apropos Zeit, ich bleibe dabei, unsere Abiturzeit ist maximal acht Jahre her. Bleibt gesund!

Den Weg gehen – II. 2018. Siebzehn Jahre, Zwei Monate. Diverse Entsetzlichkeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und zwei Monate in Serie. Wieder ist ein Monat Lebenszeit in die tote Vergangenheit eingetreten; wird nimmermehr wiederkehren. Scheinbar erst gestern zelebrierte ich die 17 Jahre, sodann folgte ein neuerlicher Monat im Anschluß und nun bewege ich mich auf die Volljährigkeit in meinem Täglichlaufen zu. Langsam. Doch stetig. Gleichwohl darf dies kein Ziel sein und ist heute absolut irrelevant. Jener vergangene Abschnitt stand im Zeichen einer mehr oder weniger eintönigen Routine – ohne herausragende Ereignisse. Freilich darf man dies mitnichten als Wertminderung betrachten. Höhen und Tiefen rangen noch stets auf ihre gebührliche Art und Weise.

Die Temperaturen boten ein Wechselspiel zwischen 02 °C und 22 °C – an dieser Stelle kann ich durchaus eine Besonderheit konstatieren; denn seitdem ich mein Täglichlaufen dokumentiere – immerhin seit 1999 – erlebte ich noch n i e an einem 04.05. ein Kältelauf. Ich wage es und interpretiere dies als hoffnungsvolles Omen und würde mich entsprechend über einen kalten und/oder verregneten Sommer sehr freuen. Nun ja, die Hoffnung treibt das Schiff der Narren. Also absolvierte ich zwei Kälte- und ein Nebellauf. Um bei dem Mysterium „Regen“ zu bleiben – nicht einmal war mir dieses Glück in jenem Monat hold. Entsetzlich.

Am 24.04. vernahm ich erstmalig den Kuckuck in diesem Jahr, der Pirol folgte am 03.05., der Schilfrohrsänger konzertierte am 05.05. und die ersten Graugansküken erspähte ich am 04.05.– seitdem gelang mir dies nicht mehr, was ein wenig seltsam ist. Die hiesige Industrieanlage hingegen – war und ist nicht seltsam, sondern bleibt sich treu und pustet fröhlich ihre Krebsdämpfe in die Atmosphäre – dementsprechend mußte ich meine Läufe wiederholt in der Wegführung ändern. Entsetzlich.

Wenn ich die vergangenen Jahre vor meinem geistigen Auge erwecke, so erinnere ich mich an schreckliche Mückenplagen im Sommer und noch jedes Jahr definierte ich unbedingt als DAS Extremjahr in diesem Kontext. Doch ja, das ist alles nur Makulatur – dieses Jahr ist wahrlich das Rekordjahr, was die Mücken betrifft. Und auch meine abgeklärte Haltung von einst – „bei 14 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit sticht keine Mücke“ – ist obsolet geworden. Und wie sie stechen! Entsetzlich.

Der Maibeginn glänzte mit einem formidablen Sturm – mein Shirt wurde wehend empor gerissen – so intensiv stürmte es und derartige Begebenheiten kann ich an einer Hand abzählen. Natürlich wurde ich ausgerechnet an jener Örtlichkeit „entkleidet“, wo sich ein bedeutendes Publikum aufhielt. Entsetzlich.

So verging ein Monat mit zahlreichen „Entsetzlichkeiten“ – wenn auch mehrheitlich routiniert und unspektakulär. Möge nach dem Mai der Oktober eintreffen, doch ich fürchte… Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen setzt sich fort. So oder so.

Den Weg gehen – I. 2018. Siebzehn Jahre, Ein Monat. Das Unvorstellbare realisieren.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und ein Monat in Serie. So führte mich also der gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die ich mir einst hätte nie vorstellen mögen und mein besonderer Tag in diesem Jahr näherte sich täglich, mit jedem Lauf etwas mehr und dies nicht nur vielleicht, sondern tatsächlich. Wer hätte damit rechnen dürfen, daß ich 17 Jahre Täglichlaufen in Serie je realisieren werde? Ich gewiß nicht. Und doch hat das Leben Recht und entsprechend nehme ich diese Gnade und dieses wertvolle Geschenk in Demut und Dankbarkeit an – jedwede andere, möglicherweise divergierende Denkweise würde mich nur von diesem einzigartigen Pfad hinfort leiten und das ist nicht meine Intention. So gehe ich diese Weg also weiter, täglich – bis ich sein Ende erreichen werde, welches sich wie auch immer gestalten wird. Die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In den vergangenen zwei Monaten alternierten die lieblichen Temperaturen zwischen -14 °C und 18 °C – in der unausweichlichen Konsequenz absolvierte ich 39 Kälte-, sieben Regen- und zwei Nebelläufe. Weiterhin gesellen sich in der Statistik dazu – ein Glatteislauf und ein neuerlicher Fastunfall. Letzterer sollte mich ausgerechnet an meinem gewichtigen Jubiläumstag ereilen. Die Zeit zum Februarende war relativ traurig, denn die längere Verantwortung für meine Wollfreunde fand ihren Schlußpunkt, was meine Wollies natürlich so gar nicht verstehen wollten und ihre Trauer und ihr staunendes Unverständnis währte über mehrere Wochen. So hat alles seine Zeit im Leben. Am 28.02. sorgte der Hauch einer Schneedecke für einen wundervollen Traumlauf, wie er mittlerweile im Kontext dieser Witterungsbedingungen selten geworden ist.

Am 04.03. bei einer Temperatur von -08 °C ertönte ein lautes Aufschreien zweier Männer, die nicht begreifen konnten, wie ich in kurzer Hose laufen kann; zwei Tage später erlebte ich das gleiche bei warmen -03 °C – solche Verwunderung erlebte ich viele Jahre nicht, ich kenne das Spiel eher andersrum – bei -14 °C waren viele Menschen entsetzt, daß ich eine lange Hose trug. Nun ja, die Herrlichkeit der Welt… Der wunderbare Wintergenuß steigerte sich am 07.03. in höchster Intensität und jener weißer Winterwald, einhergehend mit Schneefall, der in Regen überging, war unbeschreiblich prächtiger Natur. Nur fünf Tage später fiel die erste Kreuzspinne im tiefen Wald auf meinen Arm und läutete damit den endgültigen Frühling ein, der sich freilich noch etwas zierte, um dann seinen würdigen Thron einzunehmen.

Zu den Iden des März bekamen meine Wollies Besuch von einem Bussard, der zwischen ihnen hin und her lustwandelte und jener tollkühne Gesell wurde von den lieben Schafen ohne Widerspruch toleriert, respektive gar ignoriert – ich beobachtete dieses Schauspiel durchaus eine Weile und selbst zum Ende meines Laufes hielt sich der Greifvogel immer noch auf der Weide auf. Der letzte Schneelauf fand am 20.03. statt, welcher freilich auch in die Kategorie „Traumlauf“ einzog. Dies liegt in der Natur der Sache. Sechs Tage später wollte ein Graureiher in der Krone eines Baumgiganten landen; er erspähte mich unmittelbar davor und hielt stante pede im Flug inne, strampelte mit den Beinen in der Luft und flog zutiefst verstimmt von dannen; ich konnte mich eines Lachens ob dieser Vorstellung nicht erwehren. Um bei den gefiederten Freunden zu bleiben, beobachtete ich am 08.04. einen Seeadler, der trotz meiner Anrede den Rückweg antrat – welche Flügelspanne, welche Flügelspanne! Ich war begeistert, dieses Prachtexemplar beobachten zu dürfen. Eine Woche nach dem Treffen lag mitten auf dem Forstweg ein toter Buchfink, der allem Anschein nach unversehrt war – ich unterbrach meinen Lauf und verbrachte ihn fern des Weges in den Wald und bedeckte ihn mit Laub. So endet ein Leben. Und mein Täglichlaufen läuft weiter…

…hinein in den nächsten Monat und ja, bereits die 17/1 sind wahrhaftig unvorstellbar – ein Hoch auf meine Dokumentation, die mir jeden einzelnen Lauf seit 1999 erinnerlich werden läßt. Morgen gehe ich diesen Weg weiter. Wie könnte ich auch nicht?

Den Weg gehen – XI. 2018. Sechzehn Jahre, Elf Monate. Wollige Verantwortung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Die letzte reguläre Monatsrückschau vor dem nächsten bedeutenden Jubiläum hat nun ihren Einzug auf dieser Seite gehalten. Unaufhaltsam rast der banale, gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die wir nimmermehr betreten können. Mein besonderer Tag nähert sich täglich, mit jedem Lauf, etwas mehr. Vielleicht. Ungeachtet meiner Abneigung gegen Ziele ist es doch längst als solches auserkoren worden, aber dies versteht sich natürlich von selbst und der entsprechende Artikel wird hier folgen. Möge es gelingen oder eben nicht – die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In der vergangenen Phase absolvierte ich 24 Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe und die allgewaltigen Temperaturen alternierten zwischen -11 °C und 10 °C. Zu Beginn jenes Abschnitts lächelte der nasse Weltgesang und sogar zwei Regenläufe in Folge reizten mit wundervollen Bedingungen, die sich nur intensiv genießen lassen konnten. Obwohl die scheinbare Winterregentin für eine temporäre Abkühlung sorgte, wagte sich eine authentische Winterstimmung nicht hernieder; partiell lachte mich ein wenig Schneeregen an – aber von Schnee ließ sich wahrlich nichts erspähen. So wird dieser Winter endgültig untergehen – ohne, je einer gewesen zu sein. So sei es.

Seit Januar bin ich einmal mehr für meine wolligen Freunde verantwortlich, was für höchste Begeisterung auf Seiten aller Beteiligten sorgt. Sobald ich mich dem Areal in der Ferne nähere, erkennen mich erste Späher und beginnen ein gigantisches Begrüßungskonzert, bzw. Begrüßungsgemääääähe. So ziehe ich täglich bei ihnen ein – flankiert von der wolligen Ehrengarde. Allein das Salutieren müssen wir noch etwas verfeinern. Drei Damen fordern eine kuschelige Sonderbegrüßung ein, der ich freilich gerne nachkomme. Ich fürchte bereits jenen Moment, an dem ich mein würdiges Amt aufgeben und meine Lieben passieren muß, ohne sie zu versorgen. Das Unverständnis wird määähchtig sein.

Einen ersten Eindruck erfuhr ich bereits, als ich in der Finsternis mich leise vorbei schlich – die kulinarische Versorgung erfolgte erst während meines Rückweges – trotz der Dunkelheit wurde ich unverzüglich enttarnt und das Theater mit einhergehender obligater Empörung war gewaltig. Am 15.02. zu Tagesbeginn fehlte ein Wollputzel und meine Vermutung bestätigte sich sogleich – sie zeigte mir hernach ihren wundervollen Nachwuchs – Zwillinge, welche nun fröhlich springend durch den Tag toben.

So bleibt mir nur, die letzten Tage in diesem Kontext zu genießen und mich mental auf das nächste unfaßliche Jubiläum einzustimmen. Möglicherweise läuft das Leben mit mir und offeriert mir das einzigartige Geschenk von… Schaun mer ma, dann sehn ma scho – wie wir in Preußen zu sagen pflegen.

Den Weg gehen – X. 2018. Sechzehn Jahre, Zehn Monate. Enttäuschte Winterhoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. Nun ist es also endgültig gefallen, das vergangene Jahr – und voller Schmerz, doch mit einem Lächeln trat es ein, in die schwarzen Welten der Erinnerungen. Nimmermehr wird es wiederkehren. Verlorene Zeiten. So beginnt das neue; und die erste Monatsrückschau in diesem Jahr, welches dem vorangegangenen Jahr ebenso rasant in das allumfassende Nichts folgen wird, preist ihren temporären Moment des Lebens.

In der hier thematisierten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 09 °C und -04 °C und somit zogen 21 Kälte-, fünf Regen-, drei Nebelläufe und ein Glatteislauf in meine Statistik ein. Der -04 °C zum Trotz kann und muß ich den fehlenden Winter von Herzen beklagen. Bis auf wenige Ausnahmen glänzte die Kältefürstin mit Abwesenheit und die liebliche Schneeregentin gab sich nicht einmal die Ehre; in der Tat, sie stieg nicht hernieder von ihrem erhabenen Thron am weiten Firmament (obwohl es in dieser Sekunde eminent schneit (doch mein heutiger Lauf längst beendet ist)). So bleiben meine Wünsche und Hoffnungen von einem mächtigen Schneetreiben im verlorenen, einsamen Winterwald nur flüchtige Illusionen. Endgültig vorbei scheinen die Zeiten, in denen Winter noch Winter waren. Enttäuschte Hoffnungen.

Im Dezember wurde partiell damit begonnen, die gigantischen Holzberge aus dem ehemals herrlichen Forst abzutransportieren und was die Radlader und Baumvernichter bis dato an Wegen nicht zerstörten, übernahmen nun die polnischen LKW, die ihrerseits ganze Arbeit leisteten. Vielleicht sollte man die Wälder gleich ganz entfernen, um dort Schwerindustrie anzusiedeln, welche die Luft mit krebserzeugenden Dämpfen versetzt – das ist hier eh üblich.

Bussardkontakte, wie ich sie in letzter Zeit öfter beschrieben habe, erlebte ich in jenem Abschnitt wiederholt. Nicht einmal flogen sie von dannen, diese edlen Greifvögel. Ich habe diese Begegnungen genossen. Das gleiche Prozedere vollzog sich auch dreimal mit einem Graureiher, was eine wahre Besonderheit ist, da jene extrem scheu sind. Doch ja, sie kennen mich schließlich. „Meine“ Schafherde hat sich indessen leider mehr als halbiert – und künftig werde ich wieder das Oberkommando über meine Wollfreunde übernehmen. Mir deucht, dies werden wollige Zeiten.

Die Zeit vergeht und wir mit ihr. In nur zwei Monaten könnte ein neuerliches und bedeutendes Jubiläum auf mich warten – dennoch, in dieser langen wie kurzen Spanne kann und wird viel passieren und ich erwarte nichts – doch still hoffen, darf ich. Gelebtes Täglichlaufen – der nächste Lauf folgt – morgen.

Den Weg gehen – IX. 2017. Sechzehn Jahre, Neun Monate. Das schwarzblaue Wolkengemälde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Vorbei. So endet es, dieses nicht mehr lange lebende Jahr und vor meinem obligaten Jahresrückblick erfolgt nun die schlußendliche Monatsrückschau. Wie stets, so vollzog sich auch jener Abschnitt mehr als rasant und tritt für immerdar in das unendliche Nichts ein; der Rasanz ungeachtet konnte ich mein Täglichlaufen in gewohnter Routine unspektakulär absolvieren, wenngleich der letzte Monat durchaus interessante Begebenheiten für mich bereit hielt.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 08 °C und -03 °C und offenbarten somit 18 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Auch ein neuerlicher Fastunfall und zwei Wildschweinkontakte durfte, bzw. mußte ich erleben. Am 27.11. fand eindeutig einer der wundervollsten Läufe in diesem Jahr statt und fast war ich geneigt, ihn ausführlich zu beschreiben, doch wahre Schönheit kann nie in schnöde Worte erklingen. Dennoch, das Himmelspanorama wurde links wie rechts von absoluter Finsternis flankiert; schwarze Wolkenschiffe zogen lautlos in den weiten Horizont hinein, indessen das Zentrum in jenem Gemälde azurblau ausstaffiert war – in einer intensiven Art und Weise, die ihresgleichen suchte. Die Mittelwiese wurde gleißend hell kontrastierend von der Sonne ausgeleuchtet und in den dunklen Wolkenmeeren zu beiden Seiten entfaltete sich ein zweifacher Regenbogen, welcher das unbeschreibliche Kunstwerk in einem Halbkreis magisch umschlossen hielt. Meine Gedanken formten nur einen Satz – die Welt für eine Kamera! Nur in meiner Erinnerung lebt dieses wundervolle Bild fort – es wird nimmermehr real wiederkehren.

Anfang Dezember erspähte ich eine Rotte von ungefähr acht Wildschweinen, welche entspannt durch den Morgennebel lustwandelten und sich auch durch meine übliche Anrede nicht stören ließen. Für einen Moment beobachtete ich die Schnuffelnasen, bis sie von der wabernden Nebelwand absorbiert wurden und nachhaltig verschwanden. Unsere nächste Begegnung erfolgte am 13.12. – dieses Mal traf ich nur ein großes Exemplar in der Finsternis. Zehn Tage vorher schneite es erstmalig in diesem aktuellen „Winter“ – natürlich tanzten die lieblichen Flocken erst zehn Minuten n a c h meinem Lauf hernieder. Manche Dinge ändern sich nie. Der Morgen des 07.12. reizte mit einem besonderen Lichtspiel, denn zu meiner linken Seite winkte bereits die Sonne, gleichwohl zu meiner rechten noch der halbe Mond lächelte. Die letzten Tage werden ebenso ungestüm wie das ganze Jahr in die Vergangenheit eintreten und auch die noch folgenden, werde ich freilich mit einem täglichen Lauf gebührend würdigen. Wie könnte ich auch nicht? Täglichlaufen, 16 Jahre und neun Monate in Serie; tatsächlich, ein beachtlicher Wert für mich.