Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – I. 2019. Achtzehn Jahre, Ein Monat. Vertrauen. II.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Achtzehn Jahre und ein Monat in Serie. ”… der heutige Tag ist für mich ein wahrer Feiertag. Täglichlaufen, stolze 18 Jahre in Serie – das Leben ist verrückt, aber es hat Recht!” Jener Satz ist bereits ein Monat alt, längst vergangen und noch immer laufe ich täglich; meine Intention obsiegt in ihrer Beständigkeit – dies ist bemerkenswert. Die Reise läuft weiter und ich laufe mit. Auf 18 Jahre zurückzublicken, generiert einen tief empfundenen Stolz – ich möchte nicht einen Tag in diesem meinem Gelebten Täglichlaufen missen; auch und besonders die härtesten nicht. Ich harre also erwartungsvoll der Dinge, die künftig eintreten werden.

Die vergangenen zwei Monate addiert, ergeben 29 Kälteläufe und nur einmal regnete es – letzteres ist ein höchst betrüblicher Wert, überrascht jedoch nicht – angesichts unserer wahnwitzigen Manipulation der Klimaverhältnisse dieses Planeten. Die Temperaturen alternierten zwischen -04 °C und 10 °C. Weiterhin zogen drei neuerliche Wildschwein-Begegnungen in meine Statistik ein. Am 26.02. lief ich an einer Bache mit sechs Frischlingen in einem Abstand von vielleicht 20 Metern vorbei; Ende März wurde ich eindrücklich freudig grüßend angegrunzt – ich erspähte ein großes Wildschwein, welches auf einer überfluteten Wiese davon sprang und sodann am 05.04. – direkt vor mir trottete ein Schwarzkittel tiefenentspannt von dannen. Mögen die armen Putzels überleben!

Seit Mitte März war ich einmal mehr autorisiert, für das kulinarische Wohl meiner wolligen Lieblinge zu sorgen. Jene Zeit verlief wie stets wundervoll; von einer bösen Ausnahme abgesehen, die am 17.03. eintrat. Wie gewohnt, werden Hunde in meinem Laufareal grundsätzlich nicht angeleint, irrelevant, ob Brutzeit ist oder nicht; ob andere Tiere gejagt werden oder nicht – all dies ist nicht relevant für Hundebesitzer. Getreu dem Motto, mein Hund ist König und sonst schert mich nichts. So wartete ich also, bis mich ein großer Schäferhund passierte – der nach Sichtkontakt ausnahmsweise doch angeleint wurde – und als er außer Sicht war, kümmerte ich mich um meine Wollies. Freilich rechnete ich nicht damit, daß der Hund im Anschluß freigelassen wurde und später seinem Halter entsprang, um „meine“ Schafe zu jagen und anzugreifen. Welch ein Drama! Schlußendlich hatten wir Glück – was hauptsächlich der dicken Wolle zu verdanken war – indessen meine arme Blacky den Schreck ihres Lebens bekam. Nun ja, Hundebesitzer – das ist ein ermüdendes Thema für sich.

Das Jubiläum von 18 Jahren erfreut mich sehr, doch der wahre Höhepunkt fand heute statt. Von meinem erhöhten Standpunkt auf dem Damm aus, erspähte ich vier Rehe – eine ungewöhnliche Anzahl, in der Regel sind sie zu dritt unterwegs – und wie stets, sprach ich sie sofort an; eine Reaktion blieb aus. Aufgrund der Örtlichkeit rannte ich auf sie zu und kam den Rehen auf 15 Meter nahe, bevor ich wieder einen Richtungswechsel vollzog – indessen ich fleißig meinen Monolog führte und nicht ein Reh trat die Flucht an. Was offenbaren diese scheuen Tiere doch für ein Vertrauen! Jener Moment war – geboren in einem Vertrauen, welches mitnichten eine Selbstverständlichkeit ist – der wirkliche Höhepunkt in der abgeschlossenen Phase. So liegt also der wundervolle Frühling in seinen letzten Zügen; wird bald für immerdar vergehen, um dem brennenden Sommer den Thron der Wettermacht feilzubieten. So beginnt das heiße Spiel erneut. Ich werde mich dem wie gewohnt täglich hingeben und im Geiste durch verschneite Waldlandschaften laufen, die es so nicht mehr geben wird.

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Den Weg gehen – XI. 2019. Siebzehn Jahre, Elf Monate. Dreierlei Rekorde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und elf Monate in Serie. Das Jahr vergeht ungerührt, schmilzt unbewußt wie seufzend von dannen und mein Jahresjubiläum lächelt immer strahlender in der noch nicht geborenen Zukunft hernieder – vielleicht gelingt es mir, den glitzernden Ring von 18 Jahren aufzunehmen – das Leben wird es lehren; in welcher Variation auch immer. – – – In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -07 °C und 05 °C und generierten in der unabänderlichen Konsequenz 27 Kälte- und drei Regenläufe. Dazu gesellten sich jeweils ein Glatteis- und ein Nebellauf.

Der schmerzliche Rekord. Jener Abschnitt stand eindrücklich im Zeichen der Schwarzspechte, die ich derzeit täglich beobachten darf; gleichwohl der Grund trauriger Natur ist. In meinem Laufareal werden aktuell an allen Baumfronten selbige engagiert zerstört und zwar in einem erschreckenden Ausmaß, wie ich es bis dato noch nie erleben mußte und als negative Glanzleistung zu verzeichnen ist. Zwar hat mir der Verantwortliche dies in einem persönlichen Gespräch durchaus sinnvoll begründet – allein ob es der Wahrheit entspricht, entzieht sich meiner Urteilskraft. So erscheinen mir die Schwarzspechte und diverse andere Tiere eher verwirrt, aufgeregt und schreien lauthals ihren Unmut ausgerechnet in jene Ohren, die doch nichts hören; nichts hören wollen und ungehindert ihrer Waldvernichtung nachgehen. Und das tierische Leben weint und weint und weint. Dies sind wahrlich betrübliche Zeiten.

Der unerwartete Rekord. Als ebenso betrüblich und sehr enttäuschend muß ich meine derzeitigen Laufschuhe bewerten, die nach nur drei (nicht ganz) Monaten derart ruiniert sind, daß ich sie faktisch nicht mehr nutzen kann. Nun, das ist in der Tat ein neuer Rekord und offenbart nachdrücklich, welche mindere Qualität die entsprechenden Unternehmen für viel Geld feilbieten. Ich bin den Murks aus Vietnam und Indonesien durchaus gewöhnt, aber so rasant haben sich bisher noch keine Laufschuhe verabschiedet. Und wie lange hat es gedauert, adäquate Schuhe in meiner Größe zu erstehen! Ein Jammer. Den Hersteller werde ich an dieser Stelle natürlich nicht benennen – aus Scham über ihre Stümperei würden sie wohl stante pede Insolvenz anmelden.

Der 22fache Rekord. Am 02.02. erspähte ich den ersten Schafnachwuchs in dieser Saison und just einen Tag später hielt ich eines der Lämmer auf dem Arm; ich erspare mir jedes weitere Wort – das ist Glück pur. Auch erlebte ich Anfang Februar einen einzigartigen Traumlauf im Schnee, der seinesgleichen suchte – freilich in Abhängigkeit, wie man denn Schnee definiert. In den letzten Jahren „überwinterten“ hier mehrere Kraniche und maximal ließen sich fünf auf einen Streich beobachten, doch am 04.02. zählte ich stolze 22 Kraniche zugleich – auch hierbei handelt es sich um einen neuen Rekord. Weiterhin zog in diesem Monat eine neue Hündin in mein Laufareal, mit der ich sofort große Freundschaft geschlossen habe – möge Laika lange leben. – – Der letzte Monat bricht an – 18 Jahre Täglichlaufen würden mir jedenfalls gefallen. Wie sinnierten einst die Preußen? Schaun mer mal, dann sehn mer scho.

Den Weg gehen – X. 2019. Siebzehn Jahre, Zehn Monate. Erkenntnisgewinn.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und zehn Monate in Serie. Also sprach das neue Jahr, als es seinen gebührenden Platz auf dem temporären Thron der vergänglichen Herrschaft einnahm, um für die künftige Zeit vielleicht verheißungsvoll zu lächeln. Ungeachtet dieses routinierten Auftaktes setzt sich mein Täglichlaufen wie gehabt fort – Tag für Tag und Lauf für Lauf – und das nächst mögliche Jubiläum erstrahlt verhalten am weiten Horizont. Wohin die Reise geht, wird das Leben lehren.

Gestern erlebte ich den ersten Fastunfall in diesem Jahr und ich gebe zu, es war dies ein seltsames Gefühl, um Haaresbreite von einem großen Bus überrollt zu werden. Natürlich spielte sich der Vorfall wieder an jenem berühmt-berüchtigten Stop-Schild ab und ich gestehe mir auch eine latente Mitschuld ein. Der graudunkle Morgen bot nicht die beste Sicht und ich lief in schwarzer Bekleidung; gleichwohl nützt die „beste Sicht“ auch gar nichts, wenn man seinen Kopf erst gar nicht in meine Richtung bemüht; also wäre es auch irrelevant gewesen, wenn ich eine Warnweste und ein Helm mit Blaulicht getragen hätte. Ich kann und will nicht begreifen, wie man auf eine vielbefahrene Hauptstraße einbiegen kann, ohne einmal nach rechts zu blicken. Und das von einem Berufskraftfahrer! So mußte ich auf die Straße ausweichen und mein Bogen wurde immer größer, indessen der Bus immer näher kam – unaufhaltsam. Der Abstand betrug nur noch wenige Zentimeter. Kurz war ich versucht, gegen die Scheibe zu klopfen oder meine Stimme zu erheben, doch ich verwarf dies sinnlose Vorhaben.

Aber nun ist mir klar, warum faktisch niemand an dem Stop-Schild hält – denn, wenn schon die Berufskraftfahrer damit überfordert sind, kann ich das von normalen Verkehrsteilnehmern nun wirklich nicht verlangen. Ein Hoch auf das Primat der Inkompetenz und Unfähigkeit in diesem Land. Und die Polizei – „dein Freund und Helfer“ – erklärte mir einst, daß es sich finanziell nicht lohnt, an dieser Gefahrenquelle aktiv zu werden. Ja ja, der schnöde Mammon – was wäre auch sonst von Bedeutung. Oh heilige Einfalt. Apropos Inkompetenz und Einfalt. An einem Morgen vor wenigen Tagen war der Radweg gestreut; obwohl es dort gar nicht glatt war und ja, der geneigte Leser ahnt es nun schon – auf der Brücke wurde nicht gestreut – freilich waren hier der Fuß- und Radweg partiell stark vereist. Heute morgen war es streckenweise sehr glatt, auf den erwähnten Wegen und auf der Brücke – natürlich wurde nicht gestreut – nirgendwo. Ich enthalte mich weiterer Bewertungen diesbezüglich.

Die Temperaturen tanzten zwischen -04 °C und 08 °C gar nicht winterlich umher und generierten 15 Kälte- und fünf Regenläufe. Der nicht existente Winter ist eine blanke Enttäuschung und nicht einmal ließ sich etwas Schnee sehen – wie betrüblich. Meine armen Wollfreunde hatten nach Abschluß meiner letzten Betreuung besonders lange mit der neuen Situation zu kämpfen und wollten über zwei Wochen nicht akzeptieren, daß ich mein Versorgungsamt wieder aufgegeben habe – und veranstalteten täglich ein großes Theater. Das neue Jahr begann stürmisch und am 03.01. fiel ein Baum von 32 Metern Länge in den endgültigen Tod und blockiert seitdem den Pfad; so heißt es klettern an jener Örtlichkeit.

Drei Tage später traf ich in Waldnähe einen Mann mit drei weißen Huskys – ich war sprachlos vor dieser Schönheit. Was für wunderschöne Tiere und diese treuen Augen! Ohne Worte. So verrinnt die Zeit und der Januar zieht von dannen – ich folge ihm täglich und komme doch nicht hinterher. Morgen folgt der nächste Lauf, hinein in finstere Sturmwelten. Oder aber in den leuchtenden Sonnenschein?

Den Weg gehen – IX. 2018. Siebzehn Jahre, Neun Monate. Das Ende so nah.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und neun Monate in Serie. Erst gestern war das neue Jahr noch jung, hoffnungsfroh und heute erfolgt bereits die letzte reguläre Rückschau für dieses Kalenderjahr; oh lieber Zeitenstrom, du beeindruckst wie gewohnt mit deiner gnadenlosen Rasanz. Wir kleinen, unbedeutenden und unfähigen Menschenwesen können nur staunen, ob deiner greifbaren wie nachdrücklichen Omnipotenz. Das nächste Jahr bringt sich in gehaltvoll Stellung und das Spiel des Lebens läuft routiniert weiter – mit allen unabwendbaren Konsequenzen.

In der vergangenen Monatsphase alternierten die Temperaturen zwischen -03 °C und 10 °C und bescherten mir damit 15 Kälte- und drei Nebelläufe und welch ein Wunder, auch ein Regenlauf gesellte sich hinzu. Am 20.11. erlebte ich eine Hundebegegnung, die ich in alten Zeiten als Angriff interpretiert und in der ich entsprechend agiert hätte, doch nachdem man mich wehrlos gemacht hat, verzichtete ich darauf und ja, das scheinbare Problem löste sich von allein – aber wer weiß dies schon vorher? Zwei Tage später wurde ich offiziell zur Mickey Mouse ernannt; ein Ehrentitel, den ich künftig mit Würde tragen werde. Den Tag darauf erspähte ich einen gar nicht trötenden Fasan auf einem Ast und dieses Mal blieb er trotz meiner Anrede ruhig sitzen und beobachtete mich neugierig – in der Regel flüchten diese scheuen Putzels; wie ich auch am 23.12. erleben durfte – ein Fasan sprang in ein blattleeres Gebüsch – völlig ungetarnt – und harrte der Dinge, die doch nicht für ihn kamen.

Ende November erfuhr ich unerwartet, daß meine liebe Hundefreundin Tina ihren Abschied von dieser Welt eingereicht hat; wahrlich eine traurige Angelegenheit, die mein Täglichlaufen durchaus beeinflußt, schließlich gehörte sie eine sehr lange Zeit einfach dazu – ich werde dich nicht vergessen, meine treue Tina! Von Anfang mit Mitte Dezember wurde ich als oberkommandierendes General-Schaf bestallt und war somit für die kulinarische Versorgung „meiner“ Wollies verantwortlich. Wenngleich nicht immer alle wieder zurück auf ihre Weide strebten und einzelne Ausreißer persönlich geschoben werden wollten, war dies freilich eine wunderbare Phase, die wiederholt von einem Bussard begleitet wurde, der erhaben auf seinem Pfahl thronte und alles in seinem Blick hatte.

Am graudunklen Morgen des 08.12. stand ein Mercedes im abgeschiedenen Wald, in dem sich zwei Personen der fröhlichen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ hingaben; was mich persönlich nicht interessierte, sondern vielmehr kam bei mir die Frage auf, wie man mit so einer relativ tiefer gelegten Limousine, diese matschigen Waldwege befahren kann, die zudem eher von größeren Waldfahrzeugen benutzt werden. Nun ja, nach der heißen Erregung ein möglicherweise entspanntes Schieben des Fahrzeuges kann selbstverständlich nicht schaden. Drei Tage später durchlief ich eine kleine Graugans-Kolonie von vielleicht 30 Tieren, die zwar ihren Unmut ob meiner Präsenz weithin vernehmlich kundtaten, aber letztlich doch vor Ort verblieben – ich liebe solche Momente.

Unmittelbar vor dem vergangenen Wochenende streckte mich eine gesundheitliche Indisposition absolut unerwartet und überraschend nieder, die mehr oder weniger im Nachklang bis heute anhält und seine Folgen in absurden Notrunden kanalisiert. Ich muß gestehen, ich habe nicht die Kraft, meine Serie, wegen einer gesundheitlichen „Posse“ aufzugeben; gleichwohl dies vernünftiger gewesen wäre und weitaus weniger körperliche Kraft gekostet hätte. Vielleicht beende ich meine Serie im Täglichlaufen am 18.03. zum 18. Jahres-Jubiläum und dann selbstredend o h n e Grund. Dennoch, dem Ende so nah – war ich wahrlich lange nicht. Gesundheit, das fragile Konstrukt – wie oft schrieb ich diesen Satz? Nichts ist wahrer.

Den Weg gehen – VIII. 2018. Siebzehn Jahre, Acht Monate. Der erste Kältehauch.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und acht Monate in Serie. Relativ stürmisch zeigte sich der Auftakt der abgeschlossenen Monatsphase und mit den unsteten Windböen wurden auch die einst zukünftigen Tage wie Läufe hinfort getragen, hinein geweht in das endlose Reich der Vergangenheit und nur die tanzenden Blätter offenbarten genußvoll ihre Begeisterung mit greifbarer Hingabe.

Der Sommer scheint nun hoffentlich endgültig in den diesjährigen Ruhestand eingetreten zu sein und der erste wahre Kältehauch enttarnte sich gestern, der mein Täglichlaufen entsprechend auf ein sehr angenehmes Niveau hob und heute seine würdige Fortsetzung fand. Die Temperaturen schwankten zwischen 15 °C und -05 °C und boten sieben Kälte- und zwei Nebelläufe feil. Und natürlich – welch ein Wunder – sogar ein Regenlauf durfte ich bestreiten.

Die seltsame Beobachtung am 23.10., welche mir zugetragen wurde, blieb glücklicherweise ohne Folgen und rückblickend betrachtet, erachte ich meine Warnung nach wie vor als sinnvoll, wenngleich sich der tatsächliche Sachverhalt kaum mehr ermitteln läßt. Anfang November raschelte es im tiefen Wald nicht weit von mir entfernt im Unterholz und auf dem Rückweg grunzte es freundlich grüßend an der gleichen Lokalität. Aktuell lassen sich die Spuren von Familie Schwarzkittel wahrlich nicht leugnen; komplette Pfade sind über weite Strecken höchst sorgfältig umgegraben worden – so erhöht sich der Grad des Laufens ein wenig an jenen Punkten. Das zahlreiche Laub tut das seine in dem Kontext und so fällte mich eine gut versteckte Wurzel in meinem Tun; allerdings in einem harmlosen Rahmen, den ich ausnahmsweise nicht als Sturz werten will.

Wiederholt habe ich unabsichtlich Fasane aufgeschreckt, die sich zu Recht darüber sehr empörten – einmal mehr gelobe ich Besserung. Am 10.11. unterbrach ich meinen Lauf, um eine herzige Schwanenfamilie zu beobachten – es fällt mir in solchen Momenten nicht leicht, mich von solchen Anblicken zu lösen. Der einzige Regenlauf in diesem Abschnitt lächelte am 13.11. – insgesamt mein 441. Regenlauf, gewidmet einer speziellen Person. Das Leben ist in der Tat nur ein fragiles Konstrukt, unsere Existenz nur ein flüchtiger Hauch im Nichts. Wohl dem, der dies bewußt wahrnimmt und zu schätzen weiß. So setzt es sich also fort, das gelebte Täglichlaufen und ich gehe den Weg noch ein wenig weiter.

Den Weg gehen – VII. 2018. Siebzehn Jahre, Sieben Monate. Grüngoldene Inseln im Nebelmeer.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und sieben Monate in Serie. Verglüht. Mein Halbjahresjubiläum. Verglüht wie ein äonenalter Stern am unendlichen Firmament; geboren in einem Hauch von Nichts, um für die Phase von unbedeutenden Femtosekunden zu überdauern – verankert in einem temporären Bewußtsein – hinein getragen in diese kalte wie flüchtige Welt, in dieses nebulöse Leben der ungreifbaren Endlichkeit. Das halbjährige Jubiläum ist also verweht in die Erinnerung; umwoben von mannigfaltigen Gedanken – doch ein neues Glanzlicht lächelt erhaben am Horizont und symbolisiert einen weiteren Monat, der gleichwohl ähnlich rasant verglühte wie auch alle folgenden seufzend sterben werden, müssen. Der Ordnung der Dinge kann man nicht entkommen, aber wer würde dies schon wahrhaftig anstreben wollen?

In dem vergangenen Zeitabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 18 °C und 0 °C und endlich wurde am 30.09. der erste Kältelauf in diesem Herbst feilgeboten. Welche Gnade! In der Summe ziehen drei Kälteläufe in meine Statistik ein; dazu gesellen sich zwei Nebelläufe sowie ein Fastunfall, welchen ich freilich nicht kommentieren will. Dieser verflossene Monat vollzog sich gewohnt routiniert und bot mehrheitlich keine Besonderheiten. Das betrübliche Fehlen von hernieder tanzenden Wassertropfen, heißt „Regen“ – lasse ich ebenso unkommentiert. Der goldene Herbst obsiegt, was ich durchaus genoß. Am 16.10. wurde ich Zeuge eines Dialoges von zwei Bussarden, was ich als herrlich interpretierte – leider erlernte ich einst nicht die faszinierende Sprache „Bussisch“ und kann von daher nur spekulieren, worüber sich die edlen Raubvögel unterhielten.

Der wohl schönste Lauf überhaupt in jener Phase fand gestern statt – geboren im Morgennebel wurden die natürlichen Bedingungen in einer atemberaubenden Schönheit komponiert, die ihresgleichen suchte. Wenn ich den Lauf auch nicht als Nebellauf werten darf, war mein Laufareal partiell von einem Nebelmeer durchzogen und die zentralen Wiesen trugen den reizenden Nebelmantel in einer einzigartigen Weise. Bis auf eine scheinbare Höhe von vielleicht zwei Metern waren die Weiden ausstaffiert von wabernden Nebelkleidern und nur die diversen Baumgruppen standen dicht beisammen und erreichten einen raren Inselcharakter, welche zudem von den leuchtenden Sonnenstrahlen gravitätisch erhellt wurden. So überwachten die grüngoldenen Inseln das weite Nebelmeer und luden jeden Beobachter dazu ein, es ihnen gleichzutun. Ein traumhaft schöner Anblick, den ich doch irgendwann sich selbst überlassen mußte. – – Der nächste Monat liegt ähnlich verborgen in Nebelozean der Zukunft und wird sich nach und nach enthüllen – vielleicht auch künftig garniert mit etwas Täglichlaufen. Die Zeit wird es lehren. Und die zahlreichen Blätter fallen und fallen …

Den Weg gehen – VI. 2018. Siebzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 17,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und sechs Monate in Serie. So weht es also unerwartet hernieder – mein Halbjahresjubiläum – wie ein weißgrauer Wolkensturm und lächelt erhaben und ungestüm in diesem temporären Moment der banalen menschlichen Existenz in unserem Weltgesang. Ein Jubiläum, welches in seinem Charakter still verbunden mit allen früheren in einer Reihe in diesem Universum thront – manifestiert aus dem Nichts heraus und nie gewollt oder geplant, welches nie bewußt angestrebt wurde und doch schimmert es mit seinem ureigenen konsequenten und gnadenlosen Charme. Allein was bleibt mir? Ich nehme es an, in Demut; hebe einmal mehr das fragile Konstrukt der Gesundheit explizit hervor, verweise auf die Nichtreproduzierbarkeit – freilich nur auf meine Person bezogen und ja, heute werde ich den einzigartigen Tag mit der stolzen Realisierung dieser Herausforderung, respektive Geschenk entsprechend würdig zelebrieren. Die Zukunft wird es lehren, wohin mich jener täglichlaufende Pfad führen wird und wie lange ich ihn – in welcher Form auch immer beschreiten darf. Das säuselnde Wolkenmeer zieht indessen unbeteiligt in das weite Firmament ein.

Die unbedeutenden Temperaturen in der vergangenen Phase traten endlich in gemäßigte Regionen ein und vollführten ein Wechselspiel zwischen 08 °C und 20 °C und boten zwei Regenläufe feil. Ein Nebellauf gesellte sich hinzu und jener darf natürlich in seiner Schönheit nicht unerwähnt bleiben. Leider ziehen auch zwei Fastunfälle in meine Statistik ein und bei jenem am 08.09. mußte ich gar auf die vielbefahrene Straße ausweichen, welche in dieser Sekunde an der Örtlichkeit völlig überraschend frei war. Ich erhob meine Stimme und gab ein Handzeichen, doch der Fahrer blickte entrückt drein, als ob der Papst nackt auf der Stelle hüpfen würde. Stop-Schilder. Was mögen sie wohl bedeuten? Ein Mysterium!

Am 22.08. blockierte ein junger Vater mit seinem Nachwuchs in einem Handwagen einen Engpaß auf meiner Laufstrecke; spontan bot ich meine Hilfe an, welche auch gerne angenommen wurde. Als kleine Entschädigung offerierte ich ihm generös, daß ich den Rest der Strecke in dem Wägelchen verbringen darf und fröhlich durch die Wälder gezogen werden könnte – hier war der Begeisterungssturm ob meines Vorschlages sehr verhalten bis nicht vorhanden, womit ich natürlich nicht gerechnet habe. Bei Gelegenheit sollte ich das Thema erneut aufgreifen. Unvergessen bleibt der Augenblick, als ein Fasan direkt vor mir von dannen wetzte und ich ihn für einige Sekunden verfolgte – ich konnte nur noch lachend weiter laufen. Die Natur geizt wahrlich nicht mit heiteren Situationen.

Anfang September schreckte ich leider einen Grünspecht auf, der zwei Meter neben meiner Person flog, mich kurz begleitete und hernach einen schimpfenden Reigen vollführte, der seinesgleichen suchte. In der Tat, ich gelobe Besserung, künftig nicht mehr allzu schreckhaft aufzutreten. So verging also ein neuerlicher Monat; trat ungerührt in die Vergangenheit ein und hinterläßt die stolze Trophäe von 17-6 im Kontext meines Täglichlaufens. Wer hätte das je gedacht? Ich mitnichten. Morgen reiht sich ein weiterer Tag, Lauf auf dieser surrealen Kette ein und heute? Heute wird gefeiert!