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Den Weg gehen – XI. 2021. Neunzehn Jahre, Elf Monate. Traumhafte Eisdiamanten in einer sonnigen Schneewelt.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Das endliche Zeitenrad hat sich vernehmlich gedreht; das Spiel des Lebens offenbart ein weiteres Monatsjubiläum für mich – manch ein Spieler ist ausgestiegen, ich darf immer noch mein Täglichlaufen praktizieren und in wenigen Augenblicken erscheint mir die unglaubliche Möglichkeit von 20 Jahren Täglichlaufen. Direkt davor – darf ich das nun ausschreiben; allein ich hoffe oder erwarte nicht weniger als nichts. Das Strahlen am Horizont intensiviert sich mit jedem Lauf mehr, aber nur die Zeit wird es lehren.

Die scheue und edle Winterregentin registrierte meine wiederholte Enttäuschung und mein fortlaufendes Jammern über einen weiteren verlorenen Winter, der seinen Namen nicht verdiente und ja, ihr kaltes Herz goutierte diese meine Liebe und gewährte mir ihre freudvolle wie frostige Rückkehr, welche mich einmal mehr sprachlos machte. In der Konsequenz absolvierte ich 29 Kälteläufe, ein Nebellauf und die Temperaturen definierten einen Rahmen zwischen 09 °C und -17 °C. Gerade der letztere Wert trat zuletzt vor 12 Jahren in meiner Statistik auf. Was für eine Differenz, wenn ich an meine australischen Verwandten denke, die an jenem Tage von 43 °C sprachen, plus wohlgemerkt.

Am 20.01. gewahrte ich einen kleinen Baum, der meisterhaft von Meister Bokert gefällt wurde; in der Tat ein Meisterwerk! Eine Woche später zeichneten Menschen für ein beachtliches Zerstörungswerk sondergleichen verantwortlich – hier wurde ohne Sinn und Verstand in die Sträucher, Bäume und Büsche regelrecht hinein „gefräst“, um im Anschluß alles liegen zu lassen. Ich kann und will diese Unfähigkeit und Vernichtungswut nicht nachvollziehen.

Der vorletzte Tag im Januar generierte einen einzigartigen Traumlauf, denn die Nacht reizte mit ungefähr 12 Zentimetern Schnee und das erste Wesen, welches sich in den Morgenstunden durch die Wälder bewegte, war freilich ein schwarzer Täglichläufer. Einen Tag später erspähte ich einen Rotfuchs, der weitaus weniger Begeisterung über die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse zeigte. Der Schneereigen währte indes nicht wirklich lange, verschwand bald wieder in die Vergangenheit und fand am 06.02. eine kaum ausgeprägte Fortsetzung. Doch bereits einen Tag darauf absolvierte ich einen Schneelauf, wie aus dem Bilderbuch – es schneite ohne Unterlaß, die wehenden Mächte des Windes taten das ihre und partiell bewegte ich mich in Zeitlupe fort – trotz höchster Kraftanstrengung. Freude pur!

Bei -08 °C trug ich zwar längst ein langes Oberteil; zu einer langen Hose konnte ich mich aber nicht durchringen; doch am 08.02. bei -11 °C durfte ich dieser Hosenart nicht mehr entkommen – ein Novum nach nunmehr drei Jahren. Es schneite den ganzen Tag und auch in der Nacht weiter, am 13.02. bot die wundervolle Natur ihre herrlichen -17 °C feil und ja, ich nahm das Angebot mit Freuden an. Zu jener Zeit las ich auch einen Artikel von einem „echten Laufexperten“, der jedwedes Laufen ab -10 °C als sehr bedenklich und gesundheitsschädlich ablehnte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß er das Laufen in der Theorie studierte, ohne je selbst im Winter gelaufen zu sein. Am 16.02. empfahl mir gar ein Nachbar einen Mundschutz – bei -01 °C. Wie verweichlicht doch die heutigen Menschen sind. Erschreckend. Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

An jenem 13. fand auch mein absoluter Traumlauf statt – die weißen Schneewelten reizten immer noch und darüber fiel ein belebender Eismantel lieblich, fast schon zärtlich hernieder, welcher im Sonnenpanorama die Schneekristalle wie Eisdiamanten funkeln, erstrahlen ließ. Allein das Knirschen unter meinen Schuhen generierte eine glückselige Geräuschkulisse, die so selten geworden ist und für puren Genuß sorgte. Vorgestern gesellte sich eine finstere Nebelkulisse dazu, die an Schönheit wahrlich nicht zu überbieten war. Möge diese rare Winterzeit doch unendlich sein und nie vergehen! Nichts währt ewig und so werden diese kostbaren Momente zu wertvollen Erinnerungen transformiert werden. – – Die Zeit und das Leben vergehen – das bedeutendste Jubiläum in meinem Täglichläuferleben lächelt verhalten. Vielleicht.

Den Weg gehen – X. 2021. Neunzehn Jahre, Zehn Monate. Dem Ideal sehr nahe.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. So wurde also der „Jahreswechsel“ vollzogen, ein „neues Jahr“ lächelt hoffnungsvoll in der noch nicht geborenen Zukunft und lädt uns frohgemut ein, tanzend und mit Hingabe daran zu partizipieren. Freilich kann ich das edle Anerbieten nicht ausschlagen und werde auch künftig mit meinem Täglichlaufen teilnehmen. Allein, wie könnte ich auch nicht? Das zwanzigjährige Schimmern am weiten Horizont leuchtet immer herrlicher, doch ja, es ist dies noch ein trügerisches Strahlen der Unwägbarkeit.

In der vollendeten Phase alternierten die unsteten Temperaturen zwischen -11 °C und 07 °C und generierten in der unabänderlichen Konsequenz 27 Kälte- und vier Regenläufe. Bemerkenswert ist eindeutig der gestrige Tag – nach gut drei Jahren durfte ich bei -11 °C laufen – welch frische, belebende Gnade. Zudem macht es sich ein weiterer Glatteislauf (29.12.) in meiner Statistik gemütlich – auch durfte ich am 01.01. nach Jahren wieder einen Biber erspähen – gleichwohl bekam das arme Putzelchen einen großen Schreck und verschwand mit einem lauten Platscher im Wasser. Weniger scheu sind meine geliebten Wollies, die mich derzeit ohne eine Pause, im Zeichen von Streicheleinheiten nicht vorbeilassen. So streichele ich meine Lieblingsdamen, gerne mal Kopf an Kopf, indessen sie ihre Augen schließen und sich gegen meinen Arm lehnen.

Während einiger Läufe zu Beginn des Januars bot die Winterregentin durchaus liebliche Schneewinde feil und wenn auch nichts liegen blieb, war meine Begeisterung entsprechend tief ausgeprägt. Am 04.01. ließen es sich mutige Enthusiasten nicht nehmen, einen Schneemann auf meinem Damm zu errichten, der eine Höhe von gar 20 Zentimetern erreichte und jählings in der Finsternis vor mir auftauchte und mich zu einem schnellen Kurswechsel anspornte. Er sollte drei Tage in der Wildnis überleben. Den ersten echten Schneelauf seit laaanger, laaanger Zeit durfte ich am 14.01. erleben und ja, ich will diese Verhältnisse nicht weiter beschreiben – allein der dunkelweiße Genuß in der weiten Einsamkeit obsiegte. So fiel ich auch automatisch in altgewohnte Täglichläuferdistanzen zurück und meine Hoffnung auf einen richtigen Winter wurde leise wiederbelebt, welche sich passend zu meinem Jubiläumslauf auch erfüllte. Eine weiße Welt umhüllte mich und während meines gesamten Laufes schneite es, wenn auch partiell schüchtern – doch kam es meinem weißen Ideal sehr, sehr nahe. Manche Läufe sollten einfach nicht enden…

Den Weg gehen – IX. 2020. Neunzehn Jahre, Neun Monate. Die Sprung-Serie.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Das Jahr vergeht, verrinnt in die nebulöse Vergangenheit, löst sich auf im allumfassenden Nichts der tanzenden Unendlichkeit – lächelnd. So manifestiert sich die letzte Monatsrückschau in diesem Jahr – geboren im Kontext meines Täglichlaufens. Tempus fugit.

In dem vergangenen Zeitenabschnitt vollzog ich 22 Kälte- und zwei Nebelläufe; indessen die Temperaturen ein Wechselspiel zwischen -04 °C und 06 °C feilboten. Von wahrhaftiger Kälte darf ich leider nicht sprechen und auch, was etwaige Niederschläge angeht, wurde die Enttäuschung einmal mehr greifbar. Man lasse das Wort „Winter“ aus dem Sprachgebrauch entfernen. Weiterhin darf sich ein neuerlicher Fastunfall in die Statistik einreihen – der vierte in diesem Jahr – dieses Mal am 08.12. Hierbei handelte es sich um ein Fahrzeug vom DRK; die Situation verleitete mich gar dazu, Stimme und Arm zu erheben – was freilich sinnlos war. Immerhin, bei einem Ernstfall wäre mutmaßlich ein passender Ersthelfer vor Ort gewesen. Am 15.12. erlebte ich eine ähnliche Begebenheit mit einem 40t LKW – an ein Ausweichen war schlicht nicht zu denken; ich mußte meinen Lauf unterbrechen – dies ist auch ein Novum.

Zwei Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erspähte ich wieder „meine“ Rehe und da sich seitdem eine neue „Serie“ etabliert hat – immer an der gleichen Örtlichkeit, darf ich nun täglich von meinem „Sprung“ reden. Auch erschreckte ich an jenem Tage zwei Fasane – mögen sie es mir nachgesehen haben. Am 22.11. sprach mich eine Dame in bezug auf mein Laufen an; das Gespräch setzte sich am 06.12. fort – nun stieg ich bereits zum „Langläufer“ auf, was ich natürlich nicht bin. Welche Titel mir doch im Laufe der Zeit verliehen wurden! Mitte Dezember befand sich in der Finsternis vermutlich eine Rotte Wildschweine in meiner allernächsten Nähe; allein hörte ich nur ein gewichtiges Knacken und gemächliches Wuseln; so bleibt ihnen der Einzug in die Statistik verwehrt. – – Nicht nur das normale Jahr, auch mein Täglichläuferjahr neigt sich behutsam dem Ende entgegen; die Zeit wird es lehren, ob eine Vollendung möglich sein wird.

Den Weg gehen – VIII. 2020. Neunzehn Jahre, Acht Monate. Die Gans im Mond.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Also sprach die unerbittliche Zeit und zog mit ihrem unwiderstehlichen Charme einen neuerlichen Monat Täglichlaufen gnadenlos an sich, um ihn im Anschluß in das weite, leere Nichts der Bedeutungslosigkeit zu wehen – ein letzter Tanz der Hoffnung lächelte erhaben – sodann gehörte auch diese Phase der Hoffnung der Vergangenheit an. Das ist das Leben.

Auch die Temperaturen tanzten nach ihrer eigenen vernehmlichen Melodie zwischen 15 °C und -01 °C und erschufen in der Summe drei Kälte- und drei Regenläufe. Die Zahl „Drei“ spielt auch weiterhin eine tragende Rolle, denn bei drei Läufen lief ich schwer bewaffnet durch die heimischen Wälder und zwar führte ich jeweils eine volle Blumenkohl-Tüte mit mir – bei den Adressaten erntete ich große Anerkennung und schmatzende Dankbarkeit für mein edles Handeln. Das Amt des „Ehrenschafes“ verpflichtet eben.

Am 19.10. vollzog sich mal wieder eine unschöne Begegnung mit einem großen, schwarzen Hund – dem ich einst sehr freundlich gegenüber trat, da er aussieht wie mein früherer Nachbarhund Wotan. Doch schon bei dem ersten Kontakt schien er mich fressen zu wollen und der Eigentümer mußte viel Energie investieren, um ihn an der Leine zu halten. Später wurde mir zugetragen, daß es wohl ein „Problem-Hund“ sei. So begegneten wir uns also im Oktober im Wald – dieses Mal war er nicht angeleint, in einer Entfernung von 20 Metern. Ich versuchte es mit Deeskalation, blieb stehen, zog mich langsam zurück – er kam hinterdrein, „stellte mich“ – nun gut, Strategiewechsel. Auf den Hund zu, Stimme und Arm erhoben; jetzt zog sich der Hund zurück; indessen der Halter ungefähr vier Minuten (!) brauchte, um seinen Vierbeiner anzuleinen – entsetzlich! Weitere Worte erspare ich mir.

Ende Oktober flüchtete zwei Meter vor mir ein possierlicher Fasan, der ein unglaubliches Theater veranstaltete – Recht hatte er! Das gleiche Spiel erlebte ich am 17.11. – die Putzels sind wirklich zu drollig. Der wohl schönste Moment fand am 04.11. statt; der weite und leere Damm lag melancholisch vor mir und führte in der Verlängerung direkt auf einem leuchtenden Pfad in die hellstrahlende Sonne hinein, als ich den Ruf einer Graugans gewahrte, mich umdrehte und selbige im Mond erspähte, welcher ebenso lächelnd am Firmament flammte. Sonne und Mond zur gleichen Zeit, letzterer garniert mit einer Gans – die Natur geizt wahrlich nicht mit grandiosen Augenblicken. Möge auch der kommende Abschnitt ähnlich wundervolle Situationen bereithalten.

Den Weg gehen – VII. 2020. Neunzehn Jahre, Sieben Monate. Erste Nebelwelten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Sieben Monate in Serie. Der Vorhang der Erinnerung hat sich längst über mein Halbjahresjubiläum gelegt, für immer und immer und das surreale Konstrukt der Zeit läuft ungerührt weiter – täglich. Ich schloß mich dem an; Hand in Hand und so lächelt der nächste Monat verhalten, geboren in der Welt meines Täglichlaufens.

In meine Statistik zogen zwei Regen- und zwei Nebelläufe ein; dazu gesellt sich ein Kältelauf. Die Temperaturen vollführten ein Wechselspiel zwischen 02 °C und 15 °C und am 23.09. registrierte ich den dritten Fastunfall in diesem Jahr, der direkt hinter einem Polizeiwagen stattfand – ich mußte auf die Hauptstraße ausweichen, um eine unschöne Kollision zu vermeiden. Ein Tag später erspähte ich einen edlen Rotfuchs, 10 Meter vor mir, der sich eilig im Schilf vor der laufenden Störung versteckte.

Ende September tanzte ein eleganter Bodennebel in der fernen Weite und harmonierte kongenial mit der leuchtenden Sonne, welche traumhafte Impressionen in den Weltgesang materialisierten, die es wahrhaftig wert gewesen wären, auf Bildern gebannt zu werden. Der erste echte Nebellauf erfolgte am 01.10. – der nächste 12 Tage später; das nebulöse Dasein verhüllte mich nachhaltig, welch liebliche Gnade. Für zwei Wochen übernahm ich einmal mehr das Oberkommando über meine wolligen Freunde, die sich wie stets zutiefst begeistert zeigten – und ich nicht minder. So war ich dann auch wieder als Blumenkohl-Täglichläufer anzutreffen.

Zu Beginn des Monats Oktober wurden an zwei Örtlichkeiten nahe des Waldes Bauschutt abgeladen – direkt auf dem Weg. Offenbar erneuerte jemand sein Badezimmer und was liegt näher, als den Abfall in Waldnähe zu entsorgen? Am 08.10. wurde ich relativ ungehalten angegrunzt, vielleicht auch ein wenig mißmutig – doch gesehen habe ich niemanden und so bleibt ein schwarzkitteliger Einzug in die Statistik verwehrt. – – Nun dominiert also die Herbstregentin – möge sie meinen Erwartungen entsprechen und das ihre tun. Ich werde das Geschehen beobachten – täglich.

Den Weg gehen – V. 2020. Neunzehn Jahre, Fünf Monate. Dr. Täglichläufer.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Fünf Monate in Serie. Ein weiterer Monat ist gefallen. Gefallen für alle Zeiten; einst lächelnd, strahlend in der weit entfernten Zukunft und nun längst in der Vergangenheit verloren. Unerreichbar. Was bleibt? Erinnerungen. Der nächste Monat wird seinen temporären Platz einnehmen und das Spiel beginnt von vorne. Das gleiche alte Lied. So setzt es sich fort – wie mein Täglichlaufen. Noch.






Aktuelle Serie – Start: 18.03.2001

Stand: 18.08.2020


19 Jahre. 05 Monate.


Obwohl der entsetzliche Sommerfürst gnadenlos seine schreckliche Macht demonstriert, durften zwei Regenläufe in meine Statistik einziehen – pünktlich zum Monatsjubiläum lud der Finsterforst mit seinen nassen Elementen zum Verweilen ein. Die Temperaturen schwankten zwischen 16 °C und 25 °C; absolute Hitzeläufe konnte ich glücklicherweise vermeiden. Am 21.07. erspähte ich erstmalig in diesem Jahr Familie Schwan – drei kleine Nachwuchsschwäne schwammen direkt in mein Herz. Wiederholt unterbrach ich meine Läufe, um ihren Anblick zu genießen. Für die auditive Wahrnehmung zeichnen immer noch die lieben Pirole verantwortlich und selbst die Nachtigall konzertierte noch im August – wie bereits im vergangenen Jahr. Auch gratulierte mir heute ein Wildschwein, welches ich im Schilf überraschte. Grunzend verabschiedete sich mein 74. Schwarzkittel-Kontakt und verschwand.

Nachdem die hiesigen Wälder einige Wochen Zeit der Ruhe erleben durften, vollzog sich am 06.08. ein höchst unschöner Einschnitt – die Abholzung fand ihren neuerlichen Auftakt. Ich spare mir weitere Worte in diesem Kontext. Vor einigen Tagen begrüßte mich ein langjähriger Grußfreund mit den Worten, „Hallo Herr Dr.“ – und als ich nachfragte, erklärte er mir, ich wäre Arzt und so erkundigte er sich, was denn mein Fachgebiet ist. Nun, offenbar war mir meine Promotion über Nacht nicht mehr erinnerlich und so fragte ich näher nach. Eine Dame mit Hund – welche ich nahezu täglich sehe – stellte Nachforschungen über den Täglichläufer an und geriet hierbei an wahrhaft Wissende, die mich zum Arzt ernannten. Nun gut, ich nehme den Titel an und sehe mich künftig als Dr. Täglichläufer – ich bin an dieser Stelle so frei und hänge noch ein h. c. an.

So setzt sich mein Täglichlaufen also fort; wie gewohnt ohne Rücksicht auf das Wetter, doch ein Wunsch sei mir gestattet – mögen die Witterungsmächte endlich den Pfad in den Herbst finden. Und ihn gehen. Vehement.

Den Weg gehen – IV. 2020. Neunzehn Jahre, Vier Monate. Zeit der Wunder.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Vier Monate in Serie. So weht die unerbittliche Zeit ein weiteres Kapitel Täglichlaufen hernieder. Erneut eine unspektakuläre Phase, geboren in der Sommerroutine – Tag für Tag, Lauf um Lauf vollzogen sich ohne explizite Besonderheiten, was freilich positiv zu bewerten ist. So füge ich meiner Serie also einen neuerlichen Monat hinzu; gänzlich ohne Aufregung.

Die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 24 °C und welch ein Wunder! – ich durfte zwei Regenläufe erleben. Am 10.07. erfolgte der erste und nur fünf Tage später sollte es erneut regnen. Nun, so kann das mit der Wüstenbildung nichts werden, wenn es alle drei Monate zweimal regnet. Der zweite Fastunfall in diesem Jahr zog am 23.06. in meine Statistik ein – eine Dame nahm mir ungerührt die Vorfahrt und ja, auch dieses Ereignis war wieder durchaus heikel.

In dem Kontext war ich am 15.07. sehr gespannt, denn an jener berühmt-berüchtigten Örtlichkeit bewegte sich ein Polizeiwagen in Richtung Stop-Schild und ich war höchst neugierig, ob sie einerseits anhalten und andererseits, ob sie auch nach rechts blicken und mich entsprechend passieren lassen. Ich gestehe, mein Arm zuckte bereits und ich war nahe dran, meine Stimme zu erheben – aus reiner Gewohnheit, was man mir nachsehen möge – und hier manifestiert es sich – das zweite Wunder – sie hielten, erspähten mich gar und warteten. Tatsächlich! Von der Polizei erwarte ich in der Regel kein regelkonformes Verhalten und so war ich natürlich eminent überrascht. Seit wann hält sich die Polizei an Gesetze?

Der Juli stirbt klaglos dahin, vergeht in die Endlichkeit und am weit, weit entfernten Horizont lächelt bereits der liebevolle Hauch des Herbstes. Mit jedem weiteren Lauf schreite ich ihm erwartungsfroh entgegen; möge die sommerliche Routine vergehen.