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Den Weg gehen – III. 2021. Zwanzig Jahre. Drei Monate. Was für Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Drei Monate in Serie. Das omnipotente Zeitenrad des unwägbaren, nebulösen Lebens bewegte sich vernehmlich knirschend; verbannte in der stillen wie klagenden Konsequenz einen neuerlichen Abschnitt der Hoffnung in die tödliche, absolute Vergangenheit – hinein in das allumfassende Nichts, welches uns früher oder später alle herzlich willkommen heißen wird. Einmal mehr eine weitere Phase, welche in meinem Gelebten Täglichlaufen geboren wurde und entsprechend würdigte ich jeden einzelnen Tag; natürlich, wie könnte ich auch nicht. Wo bleibt die Zeit nur? Und das Leben? Es ist in der Tat erschreckend, wie die Vergänglichkeit allenthalben expandiert; und wir können nur als unbedeutende Betrachter partizipieren; nur als höchst banale Marionetten in diesem seltsamen Spiel.

Die Temperaturen bewegen sich mehr und mehr in zutiefst unschöne Regionen, allein die Morgenstunden sind noch „erträglich“ und bewegten sich zwischen 08 °C und 24 °C während meiner Läufe. Null Kälteläufe durfte ich absolvieren und nicht ein Regenlauf darf ich vermelden – was für Zeiten, was für Zeiten! Dafür durfte ich am 13.06. mal wieder meine schwarzkitteligen Freunde beobachten – ein Großputzel sprang mit höchstem Engagement in das Wasser und generierte dadurch einen Lärm sondergleichen. Der Schilfrohrsänger betrat am 27.05. erstmalig die konzertierende Naturbühne – mein Applaus fiel gewaltig aus. Nur drei Tage später erspähte ich Meister Lampe; wahrlich eine rare Begegnung. Unser letztes Treffen lag schon länger zurück.

Ausgewählte Teilstrecken sind mittlerweile zugewachsen, welche ich aufgrund der möglichen Zeckengefahr meide; der grünen Mückenhölle kann ich indessen nicht entkommen, welche sich kaum noch beschreiben läßt. Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Grußfreundin und wenn ich unser Gespräch auf vielleicht nicht mal zwei Minuten beschränkte und dabei unbändig tanzte, hüpfte und mit den Armen wedelte (mir deucht, ich sollte eine Karriere als Influencer anstreben) – der Preis betrug vier Stiche; dabei standen wir am Waldrand – im Forst selbst ist die Situation viel extremer. Und ja, ich wiederhole an dieser Stelle meine Empfehlung für Laufanfänger – man möchte gar nicht mehr anhalten.

In den letzten 20 Jahren habe ich viele Geschenke während meiner Läufe erhalten – was ich bis heute nicht nachvollziehen kann; schließlich laufe ich nur durch die Wälder. Nach meinem besonderen Ostergeschenk in diesem Jahr war es nun an mir, mich zu revanchieren und ein Geschenk zu übergeben – zumal der Anlaß entsprechend war. Noch am nächsten Tag kamen dem Beschenkten die Tränen – offenbar kam meine realisierte Idee gut an. Es ist bemerkenswert, was man beim Täglichlaufen erleben darf. – – Morgen setzt es sich fort; natürlich. Und darüber hinaus? Dieses seltsame, surreale Spiel des Lebens wird es lehren. Absolut konsequent wie immerdar.

Den Weg gehen – II. 2021. Zwanzig Jahre. Zwei Monate. Winterlicher Abgesang.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Zwei Monate in Serie. Eine weiterer Monatsabschnitt Täglichlaufen wurde nunmehr absolviert wie abgeschlossen; meine Serie setzt sich ungerührt fort. Die vergangene Phase vollzog sich routiniert, unspektakulär und führt endgültig aus dem temporär frostigen Winter in eine wärmere Zeit, die gerne rasant vergehen darf. Allein entzieht sich dieses Ansinnen jedweder Einflußnahme und nur das stille Akzeptieren offenbart sich schlußendlich als Option. So sei es.

Die Temperaturen tanzten zwischen angenehmen -02 °C und unschönen 25 °C hin und her; generierten in der Summe vier Kälte- und drei Regenläufe. Auch ein neuerlicher Nebellauf gesellt sich in diese meine Witterungsstatistik. Das kurze Sommerintermezzo mit über 30 °C wirkte nachhaltig und mittlerweile werden die heimischen Wälder erhaben von Mücken regiert – wie noch stets ein Segen für Laufanfänger. Fortgeschrittene sind mutmaßlich weniger begeistert und können gerne auf diese fliegende Motivation verzichten. Ende April war der Bestand an Nachwuchsgänsen sehr ausgeprägt – wiederholt ein herziger Anblick, die doch sehr schnell wachsen.

Am 25.04. konzertierte erstmalig die Nachtigall und am 08.05. der Pirol, auch der Kuckuck meldete sich am 28.04. lauthals zu Wort. Nur ein Tag später spielte ich mit einem Schwarzspecht ein heiteres Versteckspiel, was ich so in der Form eigentlich nur mit Eichhörnchen kenne. Die Neugierde ist eben ein essentieller Wesenszug aller Lebewesen. Zwei umtriebige, triebsame Fasane störten sich am 30.04. so gar nicht an meiner laufenden Präsenz und zeigten sehr eindrucksvoll, wie stark der Fortpflanzungstrieb die natürliche Fluchtdistanz reduziert. Doch ja, rücksichtsvoll zog ich mich leise zurück. Die Tage werden wärmer und wärmer, der liebliche Winter ist zu einer belebenden Erinnerung geworden. Aber mit jedem Tag wie Lauf kommt die nächste Kältephase beharrlich näher. Möge sie nur eilen!

Den Weg gehen – I. 2021. Zwanzig Jahre. Ein Monat. Zwei Dekaden und darüber hinaus.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Ein Monat in Serie. Nun verbirgt sich mein bedeutendes Jubiläum, mein großer, größter Tag überhaupt bereits ein Monat in der alles verzehrenden Vergangenheit und hat zudem einen weiteren Monat Täglichlaufen mit sich gerissen und für immerdar absorbiert. In einem Paralleluniversum habe ich dieses einzigartige Ereignis entsprechend gewürdigt; gefeiert – aber in unserem traurigen Weltgesang durfte ich es nur stolz registrieren. Auch wahre Freude hat ihre Zeit. Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen läuft ungerührt weiter, noch. Mir ist wohl bewußt, diese meine Intention kann in jeder Sekunde ihr jähes Ende erfahren. Allein mein Willen steht dagegen; das ist wenig genug.

In der absolvierten Doppelphase bestritt ich 44 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Dazu gesellt sich der 65. Fastunfall in meinem Läuferleben, eine neuerliche Wildschweinbegnung – die 75. ihrer Art – und ein Hundevorfall. Die unsteten Temperaturen alternierten indessen zwischen -05 °C und 08 °C. Neben der prägenden „20“ enttarnt sich eine herausragende „75“, denn am 21.02. zeichneten zum 75. Mal meine Schwarzkittelfreunde für einen spannenden Auftritt verantwortlich. Etwas entfernt trottete ein Trupp mit mehreren Nachwuchsputzeln fröhlich durch das Leben und nur wenige Meter vor mir – brachen drei, vier große Wildschweine laut krachend durch das Schilf. Es handelte sich wie immer – um eine sehr erhabene Begegnung.

Wenige Tage später verabschiedete sich leider eine Schaffreundin von mir – sie war die älteste in diesem Kreis und nach vielen Jahren ist das wirklich ein seltsamer Anblick, wenn die Chefdame fehlt. Im März war nur ein Tag von wahrer Bedeutung; weitere Worte erspare ich mir an dieser Stelle. Am 22.03. erfolgte der 65. Fastunfall und welch ein Wunder – der Autofahrer entschuldigte sich sogar. So ein Verhalten hätte ich nimmermehr für möglich erachtet. 20. 65. 75. – es ist die Zeit für Gedenktage. Fünf Tage später erlebte ich eine sehr unschöne Begegnung mit einem Hund – welche sich am Ende mehr oder weniger harmlos auflöste und auch hier entschuldigte sich der Halter mehrfach. Auch in diesem Kontext bin ich ganz andere Verhaltensweisen gewöhnt. Früher wurde ich noch bedroht und beschimpft, wenn ich mich eines Angreifers erwehrte.

Am Ostermontag ereilte mich tatsächlich eine völlig unerwartete Osterüberraschung im einsamen Forst und ich weiß bis heute nicht so recht, womit ich das verdient habe. Und wenn ich jener Person auch schon vermehrt half – so war ich mehr als überrascht. Während meines Laufes am 10.04. gewahrte ich jählings im Wald ein Entenpaar direkt vor mir – ich blieb stehen und die süßen Enten liefen gemütlich den Pfad entlang – der Erpel fröhlich erzählend. Von rechts gesellte sich ein weiterer Entenherr dazu und meine Wenigkeit spazierte geduldig hinterdrein. Dies währte eine längere Zeit so, bis sie sich irgendwann entschlossen, fliegend den Wald zu verlassen. Und ich blieb lächelnd zurück. Den ersten Graugansnachwuchs in diesem Jahr durfte ich am 14.04. beobachten – auch hier unterbrach ich freilich meinen Lauf, um die goldigen Flauschbälle zu betrachten.

Das Leben läuft also weiter; ich selbst auch und zwar täglich. Das Großjubiläum von 20 Jahren hat daran nichts geändert und wird es auch künftig nicht. Temporär habe ich es wertgeschätzt – nun ist es in die Vergangenheit eingezogen und die nächsten Läufe werden folgen – täglich. Gelebtes Täglichlaufen. Zwanzig Jahre und nun darüber hinaus…

Den Weg gehen – XI. 2021. Neunzehn Jahre, Elf Monate. Traumhafte Eisdiamanten in einer sonnigen Schneewelt.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Das endliche Zeitenrad hat sich vernehmlich gedreht; das Spiel des Lebens offenbart ein weiteres Monatsjubiläum für mich – manch ein Spieler ist ausgestiegen, ich darf immer noch mein Täglichlaufen praktizieren und in wenigen Augenblicken erscheint mir die unglaubliche Möglichkeit von 20 Jahren Täglichlaufen. Direkt davor – darf ich das nun ausschreiben; allein ich hoffe oder erwarte nicht weniger als nichts. Das Strahlen am Horizont intensiviert sich mit jedem Lauf mehr, aber nur die Zeit wird es lehren.

Die scheue und edle Winterregentin registrierte meine wiederholte Enttäuschung und mein fortlaufendes Jammern über einen weiteren verlorenen Winter, der seinen Namen nicht verdiente und ja, ihr kaltes Herz goutierte diese meine Liebe und gewährte mir ihre freudvolle wie frostige Rückkehr, welche mich einmal mehr sprachlos machte. In der Konsequenz absolvierte ich 29 Kälteläufe, ein Nebellauf und die Temperaturen definierten einen Rahmen zwischen 09 °C und -17 °C. Gerade der letztere Wert trat zuletzt vor 12 Jahren in meiner Statistik auf. Was für eine Differenz, wenn ich an meine australischen Verwandten denke, die an jenem Tage von 43 °C sprachen, plus wohlgemerkt.

Am 20.01. gewahrte ich einen kleinen Baum, der meisterhaft von Meister Bokert gefällt wurde; in der Tat ein Meisterwerk! Eine Woche später zeichneten Menschen für ein beachtliches Zerstörungswerk sondergleichen verantwortlich – hier wurde ohne Sinn und Verstand in die Sträucher, Bäume und Büsche regelrecht hinein „gefräst“, um im Anschluß alles liegen zu lassen. Ich kann und will diese Unfähigkeit und Vernichtungswut nicht nachvollziehen.

Der vorletzte Tag im Januar generierte einen einzigartigen Traumlauf, denn die Nacht reizte mit ungefähr 12 Zentimetern Schnee und das erste Wesen, welches sich in den Morgenstunden durch die Wälder bewegte, war freilich ein schwarzer Täglichläufer. Einen Tag später erspähte ich einen Rotfuchs, der weitaus weniger Begeisterung über die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse zeigte. Der Schneereigen währte indes nicht wirklich lange, verschwand bald wieder in die Vergangenheit und fand am 06.02. eine kaum ausgeprägte Fortsetzung. Doch bereits einen Tag darauf absolvierte ich einen Schneelauf, wie aus dem Bilderbuch – es schneite ohne Unterlaß, die wehenden Mächte des Windes taten das ihre und partiell bewegte ich mich in Zeitlupe fort – trotz höchster Kraftanstrengung. Freude pur!

Bei -08 °C trug ich zwar längst ein langes Oberteil; zu einer langen Hose konnte ich mich aber nicht durchringen; doch am 08.02. bei -11 °C durfte ich dieser Hosenart nicht mehr entkommen – ein Novum nach nunmehr drei Jahren. Es schneite den ganzen Tag und auch in der Nacht weiter, am 13.02. bot die wundervolle Natur ihre herrlichen -17 °C feil und ja, ich nahm das Angebot mit Freuden an. Zu jener Zeit las ich auch einen Artikel von einem „echten Laufexperten“, der jedwedes Laufen ab -10 °C als sehr bedenklich und gesundheitsschädlich ablehnte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß er das Laufen in der Theorie studierte, ohne je selbst im Winter gelaufen zu sein. Am 16.02. empfahl mir gar ein Nachbar einen Mundschutz – bei -01 °C. Wie verweichlicht doch die heutigen Menschen sind. Erschreckend. Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

An jenem 13. fand auch mein absoluter Traumlauf statt – die weißen Schneewelten reizten immer noch und darüber fiel ein belebender Eismantel lieblich, fast schon zärtlich hernieder, welcher im Sonnenpanorama die Schneekristalle wie Eisdiamanten funkeln, erstrahlen ließ. Allein das Knirschen unter meinen Schuhen generierte eine glückselige Geräuschkulisse, die so selten geworden ist und für puren Genuß sorgte. Vorgestern gesellte sich eine finstere Nebelkulisse dazu, die an Schönheit wahrlich nicht zu überbieten war. Möge diese rare Winterzeit doch unendlich sein und nie vergehen! Nichts währt ewig und so werden diese kostbaren Momente zu wertvollen Erinnerungen transformiert werden. – – Die Zeit und das Leben vergehen – das bedeutendste Jubiläum in meinem Täglichläuferleben lächelt verhalten. Vielleicht.

Den Weg gehen – X. 2021. Neunzehn Jahre, Zehn Monate. Dem Ideal sehr nahe.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. So wurde also der „Jahreswechsel“ vollzogen, ein „neues Jahr“ lächelt hoffnungsvoll in der noch nicht geborenen Zukunft und lädt uns frohgemut ein, tanzend und mit Hingabe daran zu partizipieren. Freilich kann ich das edle Anerbieten nicht ausschlagen und werde auch künftig mit meinem Täglichlaufen teilnehmen. Allein, wie könnte ich auch nicht? Das zwanzigjährige Schimmern am weiten Horizont leuchtet immer herrlicher, doch ja, es ist dies noch ein trügerisches Strahlen der Unwägbarkeit.

In der vollendeten Phase alternierten die unsteten Temperaturen zwischen -11 °C und 07 °C und generierten in der unabänderlichen Konsequenz 27 Kälte- und vier Regenläufe. Bemerkenswert ist eindeutig der gestrige Tag – nach gut drei Jahren durfte ich bei -11 °C laufen – welch frische, belebende Gnade. Zudem macht es sich ein weiterer Glatteislauf (29.12.) in meiner Statistik gemütlich – auch durfte ich am 01.01. nach Jahren wieder einen Biber erspähen – gleichwohl bekam das arme Putzelchen einen großen Schreck und verschwand mit einem lauten Platscher im Wasser. Weniger scheu sind meine geliebten Wollies, die mich derzeit ohne eine Pause, im Zeichen von Streicheleinheiten nicht vorbeilassen. So streichele ich meine Lieblingsdamen, gerne mal Kopf an Kopf, indessen sie ihre Augen schließen und sich gegen meinen Arm lehnen.

Während einiger Läufe zu Beginn des Januars bot die Winterregentin durchaus liebliche Schneewinde feil und wenn auch nichts liegen blieb, war meine Begeisterung entsprechend tief ausgeprägt. Am 04.01. ließen es sich mutige Enthusiasten nicht nehmen, einen Schneemann auf meinem Damm zu errichten, der eine Höhe von gar 20 Zentimetern erreichte und jählings in der Finsternis vor mir auftauchte und mich zu einem schnellen Kurswechsel anspornte. Er sollte drei Tage in der Wildnis überleben. Den ersten echten Schneelauf seit laaanger, laaanger Zeit durfte ich am 14.01. erleben und ja, ich will diese Verhältnisse nicht weiter beschreiben – allein der dunkelweiße Genuß in der weiten Einsamkeit obsiegte. So fiel ich auch automatisch in altgewohnte Täglichläuferdistanzen zurück und meine Hoffnung auf einen richtigen Winter wurde leise wiederbelebt, welche sich passend zu meinem Jubiläumslauf auch erfüllte. Eine weiße Welt umhüllte mich und während meines gesamten Laufes schneite es, wenn auch partiell schüchtern – doch kam es meinem weißen Ideal sehr, sehr nahe. Manche Läufe sollten einfach nicht enden…

Den Weg gehen – IX. 2020. Neunzehn Jahre, Neun Monate. Die Sprung-Serie.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Das Jahr vergeht, verrinnt in die nebulöse Vergangenheit, löst sich auf im allumfassenden Nichts der tanzenden Unendlichkeit – lächelnd. So manifestiert sich die letzte Monatsrückschau in diesem Jahr – geboren im Kontext meines Täglichlaufens. Tempus fugit.

In dem vergangenen Zeitenabschnitt vollzog ich 22 Kälte- und zwei Nebelläufe; indessen die Temperaturen ein Wechselspiel zwischen -04 °C und 06 °C feilboten. Von wahrhaftiger Kälte darf ich leider nicht sprechen und auch, was etwaige Niederschläge angeht, wurde die Enttäuschung einmal mehr greifbar. Man lasse das Wort „Winter“ aus dem Sprachgebrauch entfernen. Weiterhin darf sich ein neuerlicher Fastunfall in die Statistik einreihen – der vierte in diesem Jahr – dieses Mal am 08.12. Hierbei handelte es sich um ein Fahrzeug vom DRK; die Situation verleitete mich gar dazu, Stimme und Arm zu erheben – was freilich sinnlos war. Immerhin, bei einem Ernstfall wäre mutmaßlich ein passender Ersthelfer vor Ort gewesen. Am 15.12. erlebte ich eine ähnliche Begebenheit mit einem 40t LKW – an ein Ausweichen war schlicht nicht zu denken; ich mußte meinen Lauf unterbrechen – dies ist auch ein Novum.

Zwei Tage nach meinem letzten Monatsjubiläum erspähte ich wieder „meine“ Rehe und da sich seitdem eine neue „Serie“ etabliert hat – immer an der gleichen Örtlichkeit, darf ich nun täglich von meinem „Sprung“ reden. Auch erschreckte ich an jenem Tage zwei Fasane – mögen sie es mir nachgesehen haben. Am 22.11. sprach mich eine Dame in bezug auf mein Laufen an; das Gespräch setzte sich am 06.12. fort – nun stieg ich bereits zum „Langläufer“ auf, was ich natürlich nicht bin. Welche Titel mir doch im Laufe der Zeit verliehen wurden! Mitte Dezember befand sich in der Finsternis vermutlich eine Rotte Wildschweine in meiner allernächsten Nähe; allein hörte ich nur ein gewichtiges Knacken und gemächliches Wuseln; so bleibt ihnen der Einzug in die Statistik verwehrt. – – Nicht nur das normale Jahr, auch mein Täglichläuferjahr neigt sich behutsam dem Ende entgegen; die Zeit wird es lehren, ob eine Vollendung möglich sein wird.

Den Weg gehen – VIII. 2020. Neunzehn Jahre, Acht Monate. Die Gans im Mond.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2020 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Also sprach die unerbittliche Zeit und zog mit ihrem unwiderstehlichen Charme einen neuerlichen Monat Täglichlaufen gnadenlos an sich, um ihn im Anschluß in das weite, leere Nichts der Bedeutungslosigkeit zu wehen – ein letzter Tanz der Hoffnung lächelte erhaben – sodann gehörte auch diese Phase der Hoffnung der Vergangenheit an. Das ist das Leben.

Auch die Temperaturen tanzten nach ihrer eigenen vernehmlichen Melodie zwischen 15 °C und -01 °C und erschufen in der Summe drei Kälte- und drei Regenläufe. Die Zahl „Drei“ spielt auch weiterhin eine tragende Rolle, denn bei drei Läufen lief ich schwer bewaffnet durch die heimischen Wälder und zwar führte ich jeweils eine volle Blumenkohl-Tüte mit mir – bei den Adressaten erntete ich große Anerkennung und schmatzende Dankbarkeit für mein edles Handeln. Das Amt des „Ehrenschafes“ verpflichtet eben.

Am 19.10. vollzog sich mal wieder eine unschöne Begegnung mit einem großen, schwarzen Hund – dem ich einst sehr freundlich gegenüber trat, da er aussieht wie mein früherer Nachbarhund Wotan. Doch schon bei dem ersten Kontakt schien er mich fressen zu wollen und der Eigentümer mußte viel Energie investieren, um ihn an der Leine zu halten. Später wurde mir zugetragen, daß es wohl ein „Problem-Hund“ sei. So begegneten wir uns also im Oktober im Wald – dieses Mal war er nicht angeleint, in einer Entfernung von 20 Metern. Ich versuchte es mit Deeskalation, blieb stehen, zog mich langsam zurück – er kam hinterdrein, „stellte mich“ – nun gut, Strategiewechsel. Auf den Hund zu, Stimme und Arm erhoben; jetzt zog sich der Hund zurück; indessen der Halter ungefähr vier Minuten (!) brauchte, um seinen Vierbeiner anzuleinen – entsetzlich! Weitere Worte erspare ich mir.

Ende Oktober flüchtete zwei Meter vor mir ein possierlicher Fasan, der ein unglaubliches Theater veranstaltete – Recht hatte er! Das gleiche Spiel erlebte ich am 17.11. – die Putzels sind wirklich zu drollig. Der wohl schönste Moment fand am 04.11. statt; der weite und leere Damm lag melancholisch vor mir und führte in der Verlängerung direkt auf einem leuchtenden Pfad in die hellstrahlende Sonne hinein, als ich den Ruf einer Graugans gewahrte, mich umdrehte und selbige im Mond erspähte, welcher ebenso lächelnd am Firmament flammte. Sonne und Mond zur gleichen Zeit, letzterer garniert mit einer Gans – die Natur geizt wahrlich nicht mit grandiosen Augenblicken. Möge auch der kommende Abschnitt ähnlich wundervolle Situationen bereithalten.