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Den Weg gehen – IV. 2017. Sechzehn Jahre, Vier Monate. Bedeutsame Jubiläen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Vier Monate in Serie. Und wieder wurde ein Monat Lebenszeit nachhaltig in die Vergangenheit überführt – unwiederbringlich und verloren für alle Zeiten. Dieses fragile Konstrukt, welches wir als „Leben“ betiteln, ist doch mehr als erschreckend. Immerhin, die vor kurzem von mir „kritisierte“ Routine hat sich grundlegend verflüchtigt und das tägliche Einerlei im Laufkontext wurde mehrheitlich abwechslungsreich von der Unwägbarkeit des Lebens gestaltet.

In der vergangenen Phase vollzog ich nur zwei Regenläufe – was als sehr, sehr betrüblich zu bewerten ist – und die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 26 °C. Die unsägliche Hitze stellte sich glücklicherweise nicht ein und längere Regenabschnitte sorgten für angenehme Klimabedingungen. An jenen Tagen wirkte sich das entsprechend positiv auf die Heerscharen der Mücken aus, was ich freilich besonders wertschätzte, dann damals war ich wieder für meine Wollfreunde zuständig. In diesem Kontext vollzog ich das erste bedeutsame Jubiläum in jenem Abschnitt, denn am 30.06. absolvierte ich meinen 400. Regenlauf. Eine formidable Zahl, die nicht im Ansatz ihr verborgenes Geheimnis offenbaren kann, welcher intensive Genuß darin eingeschlossen ist. Ohne Worte. Ohne Worte!

Am 19.06. begegnete ich einem grunzenden Wildschwein, welches mich wahrscheinlich nicht gewahrte oder aber, er oder sie tat sehr ignorant, was meine Person angeht. Nur wenige Tage später – am 07.07. – kam es zu einem neuerlichen Kontakt mit den süßen Putzels und ja, die Statistik erläuterte mir schlußendlich, daß es sich um unsere 50. Begegnung handelte – welch ein schönes Jubiläum. Am 22.06. war die Zeit reif für einen weiteren Sturz, der auch recht blutig verlief; aber diese Thematik wird mich wohl für immerdar als Täglichläufer begleiten. Nur einen Tag später durfte ich diverse Sturmschäden in meinem Laufareal „bewundern“, die bis heute die Wege blockieren und bisher nicht geräumt wurden.

Für Familie Schwan unterbrach ich meinen Lauf am 13.07. und beobachtete die Eltern mit ihren fünf Nachwuchsschwänen, von denen vier grau sind und eines ein weißes Gewand trug. Noch immer fällt es mir schwer, mich von solchen herzigen Anblicken zu lösen – es geht eben nichts über die Natur; wo die Natur noch Natur sein darf. Vorgestern bat mich eine Dame um Hilfe, welche ich ihr natürlich gern gewährte, aber auch dies gestaltete sich wieder als Herausforderung, denn die Macht der Mücken war und ist ungebrochen. Ich erhebe das Jahr 2017 als das schlimmste Mückenjahr, was ich je in meinem Leben erlebte. Mein gestriger Lauf wurde von einem Pirolkonzert gekrönt, welches seinesgleichen suchte – angesichts dieser edlen Melodien fragte ich mich einmal mehr, wieso der Lauf nur enden mußte!? Doch nichts währt ewig. – – So setzt es sich also fort – Gelebtes Täglichlaufen. Wie lange noch und wohin, wird das Leben lehren. Vielleicht.

Den Weg gehen – III. 2017. Sechzehn Jahre, Drei Monate. Nur Routine.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juni 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Drei Monate in Serie. Das Zeitenrad der Vergänglichkeit hat sich laut knirschend weiter gedreht und mit aller Macht seine gravitätische Wirkung entfaltet – wie stets ohne Rücksicht oder Gnade. So ist die Ordnung der Dinge. Selten verlief ein Monat Täglichlaufen unspektakulärer als der letzte – Tag um Tag und Lauf um Lauf trat ungerührt in die tödliche Vergangenheit ein – ohne Besonderheiten oder tragende Ereignisse – einer banalen, ausgeprägten Routine geschuldet, nur Routine; was ich schlußendlich durchaus als positiv interpretieren darf.

Die Temperaturen alternierten zwischen 10 °C und 25 °C und die gewaltigen Witterungsmächte zierten sich mehrheitlich und boten nur zwei Regenläufe feil, was leider sehr bescheiden und auch betrüblich ist. Auch der partielle Starkregen während des einen Laufes ändert diese meine Einschätzung nicht im Ansatz. Mittlerweile durfte ich mehrere Nachwuchsschwäne erspähen, die zusammen mit ihren Eltern die neue, weite Welt erkunden – angesichts derart herziger Szenen gestaltet sich ein Weiterlaufen meinerseits wiederholt als Herausforderung.

Am 20.05. kam ich einem großen Reh wieder sehr nahe, welches sogleich einen ausweichenden Satz vollzog und nach meinem Anreden verharrte und mich neugierig ansah – das Fluchtverhalten war damit beendet – was nicht für mich galt, denn ich setzte meinen Weg fort, um nicht allzu eminent zum Störenfried zu avancieren. Dieses fast schon zutrauliche Verhalten zahlreicher Rehe erscheint zwar auf den ersten Blick als schön, doch im Kontext der mörderischen Jäger ist das Verhalten nicht angemessen. Am 31.05. wurden meine Wollfreunde geschoren – hier war natürlich eine Zwangspause Pflicht, um die armen Putzels zu trösten und um ein wenig die Heerscharen der Mücken zu vertreiben – die sich natürlich stante pede ein neues Ziel auserkoren – und so mußte ich für meine Trosteinheit einen hohen, juckenden Preis bezahlen. – – Das Zeitenrad wird sich weiter drehen, immer weiter und ich bemühe mich, mein Täglichlaufen auch künftig leben zu dürfen; ob diese Routine weiterhin mitlaufen wird oder eben nicht – wird die Zeit lehren.

Den Weg gehen – II. 2017. Sechzehn Jahre, Zwei Monate. Mehrstimmige Auftaktkonzerte.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Mai 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zwei Monate in Serie. Also spricht die Zeit und verzehrt einen neuerlichen, den zweiten Monat Täglichlaufen in diesem Jahr für alle und alle Zeiten in dem unwägbaren Dasein der Fragilität und temporären Partizipation der gelebten Bedeutungslosigkeit. So war und ist die Ordnung der Dinge, die sich jeher jedweder Einflußnahme entzieht. In der vergangenen Phase vollzog sich der nachhaltige Wandel in der natürlichen Welt – die frostige Kälteregentin bot ihr letztes Kräftemessen feil und verlor freilich auf allen Linien – indessen die brennende Sonnenfürstin das ihre tat, um den unausweichlichen Wechsel zu beschleunigen. So sei es.

Die Temperaturen boten ein changierendes Spiel zwischen -03 °C und 23 °C an – welches sich in der statistischen Konsequenz in sieben Kälte- und zwei Regenläufe kanalisierte. Da hier in der Region in der sogenannten winterlichen Jahreszeit sich der Winter höchstselbst als verlustig zeigte, ist es aktuell nicht irritierend, daß die Mückenpopulationen die gar nicht kalte Zeit hervorragend überstanden haben und nun entsprechend wirken. Dieses Jahr wird ein Mückenjahr, wie es im Buche steht und ja, ich erlebe es bereits tagtäglich. Ein Anhalten im Wald ist nahezu unmöglich und jener Wahnsinnige, der dies tatsächlich wagt, wird augenblicklich massiv zerstochen. Selbst mit meiner Standardgeschwindigkeit von ungefähr 12/13 Kilometern pro Stunde bin ich davor nicht gefeit. Erwähnte ich hier je, daß dies ideale Bedingungen für Laufanfänger sind?

Am 29.04. erlebte ich meinen 48. Wildscheinkontakt; ich gewahrte die Putzels dieses Mal nicht vorher und erschrak, als eines laut krachend in das Wasser sprang und flüchtete, sodann ein weiteres erst den Rückzug antrat, aber im Anschluß stehen blieb und mich groß ansah – auch ich unterbrach meinen Lauf und so beobachten wir uns beide neugierig. Nachdem ich ein paar beruhigende Worte sprach – so bildete ich mir ein – setzte ich meinen Weg fort. Mögen sie sich von dem Schreck erholt haben. Am 01.05. fand ich den großen Chefschafbock in einer höchst mißlichen Lage vor, aus der er sich nicht selbst befreien konnte; hier gab es kein Zögern oder Zaudern – ich begab mich umgehend zu ihm, um ihm zu helfen, was er auch sofort spürte – allerdings zählt er nicht zu den Geduldigen, was ich in so einer Situation durchaus nachvollziehen kann – doch nach kurzer Zeit gelang es mir, ihn zu retten. So sorgten „meine“ Schafe einmal mehr für eine gewisse Aufregung innerhalb meines Täglichlaufens.

Am 02.05. vernahm ich zum ersten Mal den Kuckuck in diesem Jahr, der seitdem ohne Unterlaß seinen Ruf in den Weltgesang hinaus schmettert und nur einen Tag später vollzog der Pirol sein Auftaktkonzert und auch er gehört seit dieser Zeit zum täglichen musizierenden Ensemble – was ich doch sehr genieße. Eine weitere Künstlergruppe darf ich in diesem Kontext mitnichten außer Acht lassen, denn am 08.05. ertönte – ebenso zum ersten Mal in diesem Jahr – der musikalische Froschreigen, die mit Inbrunst täglich quaken und sich an ihrem Dasein erfreuen. So ist der Frühling nun auch in der Tierwelt mit einem fortpflanzenden Lächeln eingezogen, welches den Sinn des Lebens eindrücklich offenbart. – – Die Zeit vergeht, das Leben folgt zwangsweise und ein weiterer Abschnitt Täglichlaufen wartet vielleicht auf mich – das Leben wird dies zeigen oder eben nicht.

Den Weg gehen – I. 2017. Sechzehn Jahre, Ein Monat. Tierfreunde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. April 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Ein Monat in Serie. Unbarmherzig verrinnt die Lebenszeit, fließt ungehalten in das weite Meer der Unendlichkeit, um sich mit dem triumphierenden Nichts für alle Zeiten immerdar zu vereinigen. Ein immerwährender Kreislauf – ohne Anfang und Ende – der das elementare Sein bestimmt und durch nichts beeinflußt werden kann. So ist mein besonders wertgeschätztes Jubiläum in diesem Jahr nur noch eine nebulöse Erinnerung ohne Bedeutung; ein weiterer Monat nimmt temporär seinen Sitz ein, wohl wissend, daß auch seine Regentschaft nur eine Momentaufnahme sein wird. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -03 C° und 10 °C und generierten in der unausweichlichen Folge 18 Kälte- und neun Regenläufe. Die wichtigste Aufgabe in den letzten beiden Monatsabschnitten war freilich meine kulinarische Verantwortung für meine Wollfreunde, die ich tagtäglich mit meinem Täglichlaufen verband – den Höhepunkt sollte ich ausgerechnet am 18.03. erleben, denn an jenem denkwürdigen Tage hat meine besondere Schaffreundin Zwillinge geboren, die sich prächtig entwickelt haben. Am 20.02. durfte ich meiner Statistik einen weiteren Fastunfall hinzufügen und auch später erlebte ich eine ähnliche Situation; ob ich je den Tag erleben werde, an dem nur diejenigen Fahranfänger den Führerschein erhalten, die auch lesen können?

Am 03.03. habe ich leider einen Fasan aufgeschreckt, der sich im Unterholz versteckte und während er flüchtete, von fünf Krähen attackiert wurde – erst als ich in die Hände klatschte, ließen sie von ihm ab und verschwanden. So bringt man als friedlicher Täglichläufer andere Lebewesen in Todesgefahr – wer hätte das gedacht? Anfang Februar durfte ich seit längerem wieder einen Schwarzspecht beobachten, der später seinen Aufenthaltsort durch seinen charakteristischen Pfeifton verriet. Am 15.03. gelang es mir, ein Wildschwein zu beobachten, die Fortsetzungen erfolgten am 02. und 10.04. mit dem Erspähen ganzer Rotten mit ihren Frischlingen – mittlerweile vermeldet meine Statistik: 47 Wildschweinkontakte.

Nur ganz selten war es mir bisher möglich, Hasen zu erspähen und so genoß ich unsere Begegnung am 05.04. in eindrücklicher Form; zumal er nach meinem Anreden sein Hoppeln unterbrach und mich herzig ansah – ich folgte ihm nicht weiter und änderte meinen Weg. Drei Tage später erlebte ich ähnliches mit einem großen Reh, welches mich in einer nahen Distanz duldete und gar nicht auf die Idee kam, sich zu entfernen. Ich passierte das wundervolle Putzelchen in einer Entfernung von vielleicht drei Metern und es drehte sich nur um und beobachtete mich – jene Momente definieren für mich einen nicht unerheblichen Teil meines Täglichlaufens. Am 12.04. unterbrach ich meinen Lauf, um den Golden Retriever „Theo“ kennenzulernen, der über unser Treffen höchst erfreut war und mich mit seinen treuen Augen sofort gefangen nahm – was für ein wunderschöner Hund! Mittlerweile dominiert der Frühling das Geschehen, wenngleich die Temperaturen noch ihr eigenes Spiel leben wollen. Gestern erspähte ich den ersten Graugansnachwuchs und weiterhin bot die kunstvolle Nachtigall ihre einzigartige Kunst feil und brillierte mit einem formidablen Konzert als Frühlingsauftakt. So verrinnt er also, der Fluß des Lebens und wenngleich ich versuche, den einen oder anderen Augenblick mit meinem Täglichlaufen wenn schon nicht festzuhalten, doch zu verlangsamen, so bleibt es stets bei einem Versuch, der das Scheitern in sich birgt. Dennoch, der nächste Lauf folgt. Morgen.

Den Weg gehen – XI. 2017. Fünfzehn Jahre, Elf Monate. Zerstörende Zeiten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Tempus fugit. Das bedeutendste Jubiläum in diesem Jahr leuchtet sanft schimmernd am weiten Horizont und weist mir wie ein Leuchtfeuer den Pfad in jene vollendende Richtung und ja, ich bin bestrebt, diesen Weg zu folgen und ihn nachhaltig zu gehen, zu beschreiten – wie es stets mein Stil war. Ob mir diese meine Intention gelingen wird, kann ich freilich nicht wissen; doch ja, das Leben wird es lehren. Ich selbst wage diesbezüglich keine Prognosen, zu unwägbar ist das fragile Konstrukt im Zeichen der Gesundheit und des Lebens selbst. Allein ich bemühe mich nach Kräften. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -07 °C und 02 °C, welches in der banalen Konsequenz 30 Kälteläufe generierte, dazu gesellen sich in trauter Eintracht sieben Nebel-, vier Glatteisläufe und ein Regenlauf. Schlußendlich zogen weiterhin ein Sturz und ein Fastunfall in meine Statistik ein. Der letzte Monat vollzog sich im läuferischen Kontext ohne tragende Besonderheiten, doch die Umgebungsbedingungen entfalteten eine böse Tagesordnung in schrecklichster Art und Weise. Wie oft habe ich hier bereits konstatiert, daß ich in der naturfeindlichsten Stadt überhaupt lebe; jeder Baum wird als Feind betrachtet, der vernichtet werden muß und explizit so sahen die vergangenen Tage aus. Von zahlreichen Lokalitäten, wo die dekadenten Toren in zerstörerischster Weise wüteten, greife ich nur meinen Damm – als meine geliebte Standardlaufstrecke heraus.

Das Ausmaß der Verwüstung ist verheerend – große und absolut gesunde Bäume wurden vernichtet; Bäume, die niemanden gefährlich werden konnten, wurden ausgelöscht und selbst junge Nachwuchsbäume wurden ihrer Äste beraubt. Ein Gemetzel an der Natur ohne Sinn und Verstand – wie das so üblich ist, in der kranken Menschenwelt. Mir bricht es das Herz. Und das ist nur der Anfang – in den hiesigen Wäldern sind zahllose weitere Bäume bereits markiert, die mittelfristig ihren Tod finden werden. Welche Vernichtung von Lebensraum! Ich wünsche mir von Herzen, daß diese degenerierte Spezies für all den Frevel, den wir der Natur mit all ihren zauberhaften Lebewesen täglich weltweit antun – irgendwann eine adäquate Quittung erhalten wird. Und möge diese Rechnung sehr, sehr eindrücklich wie nachhaltig werden. Hoffnung treibt das Schiff der Narren.

Ein positiver Lichtblick im letzten Monat sind die vier neugeborenen Nachwuchsschafe, die mit ihrem goldigen Anblick direkt jedes Betrachterherz zutiefst rühren. Und dazu ihre zarten Stimmchen – ja, man muß sie einfach lieben. Neben meinem unangenehmen Sturz am 29.01. durfte ich einen Fasan beobachten, sowie am 09.02. einen Pirol und sogar den unnahbaren Herr von Chefschafbock konnte ich am Hals streicheln – welches in der Tat absolut bemerkenswert ist. Auch durfte ich wieder zahlreiche Rehbegegnungen erleben, die sich allesamt durch die Gemeinsamkeit auszeichneten, daß sie durch mein Anrufen und ruhiges Zureden ihre Flucht beendeten, abrupt anhielten und mich neugierig ansahen. So erst gestern geschehen mit einem relativ großen Reh in nur fünf Metern Entfernung. Obwohl ich diese Momente sehr schätze, ist das wohl ein falsches Verhalten meinerseits, was ich aktuell überdenken muß; denn es kann nicht in meinem Sinn sein, den Rehen ein falsches Vertrauen zu suggerieren, welches sie möglicherweise durch mordgeile Jäger am Ende mit dem Leben bezahlen müssen.

Seit ungefähr drei Jahren überwintern hier mehrere Kraniche und wenn ich in der letzten Zeit maximal zwei erspähen durfte, so war mir bekannt, daß die kleine Gruppe wenigstens sechs Tiere zählt. Die lieben und sehr musikalischen Kraniche konzertierten gestern früh in wundervoller Weise, doch beobachtete ich an jenem Morgen nicht fünf, nein, sondern ungefähr 30 Kraniche – dazu debattierten im Hintergrund lauthals mehrere hundert Wildgänse, welches eine traumhafte Frühlingsatmosphäre generierte, die ich nur von grundauf genießen konnte.

So vergeht also ein Monat, geboren in menschlicher Dummheit vereint mit menschlicher Zerstörungswut; tatsächlich, diese Spezies bleibt sich treu. Der Schimmer der Zukunft, der mir vielleicht ein weiteres Jubiläum offenbaren wird, intensiviert sich. Von Tag zu Tag zu ein wenig mehr, in nuancenhaften Schemen, die ich noch nicht realisieren kann und will. Wohin wird die Reise gehen?

Den Weg gehen – X. 2017. Fünfzehn Jahre, Zehn Monate. Glatteiswelten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. So trat also die ehedem hoffnungsvolle Zukunft in die seufzende Unendlichkeit der Vergänglichkeit ein und nahm das Jahr 2016 für alle Zeiten und darüber hinaus ungefragt mit sich. Wer hat die Macht, diesem tödlichen Zyklus zu entkommen? Und so setzt sich das Spiel des Lebens fort – wie schon immer. So sei es. Ich selbst schließe mich mit meinem banalen Täglichlaufen an und praktiziere es wie gewohnt auch in diesem noch jungen Jahr weiter, welches ebenso rasant verglühen wird – wie all die fragile „Zeit“ zuvor.

In jenem Abschnitt, der die Jahreswende hofierte, vollzog ich 24 Kälte-, drei Nebel- und zwei (komplette) Glatteisläufe. Die Temperaturen alternierten zwischen 09 °C und -09 °C und boten partiell einen Schneereigen feil, der die natürliche Welt – allen voran die lieblichen Haine in ein zartes Weiß kleidete und die aufmerksamen Betrachter in der Konsequenz auf ihre ureigene Art und Weise liebreizend betörte. In der Phase vollzog ich auch meinen 1200. Kältelauf – gerechnet ab dem Jahr 2000. Am 29.12. erlebte ich meine 43. Wildschweinbegegnung und vernahm im Schilf ein schnaufendes, Grunzen, welches sehr eindrücklich nachhallte und da an diesem Tag die mächtige Nebelregentin ihr elegantes Zepter huldvoll schwang, so waren die Impressionen in dieser Momentaufnahme des Lebens – im Rahmen aller Bedingungen – höchst einprägsam und ja, wundervoller Natur für mich. Später erspähte ich noch zwei Rehe, welche im Forst von dannen liefen, doch nach meinem Anreden jählings anhielten und mich neugierig beobachten – ein Verhalten, welches ich in der letzten Zeit des öfteren erlebte.

Für ein musikalisches Ambiente sorgten wiederholt die hiesigen Kraniche, die stets grandios konzertierten, allein den Winter doch noch nicht vertreiben konnten. In den letzten Tagen schwiegen sie jedoch, gleichwohl sie heute pünktlich zu meinem „Jubiläum“ ein formidables Jubelkonzert für mich gaben. Der Lauf vom 12.01. bildete eine einzige Herausforderung, die Witterungsbedingungen warteten mit Glatteis par excellence auf. Und so lief ich hochkonzentriert und unterbrach mein Laufen an zahlreichen Örtlichkeiten, um einen Pfad zu entdecken, um unbeschadet manche Eispunkte überwinden zu dürfen – die herrliche Sonne entschädigte mich für diese Härten, wenngleich ich sie nicht sonderlich genießen konnte. Am 14.01. und am 16.01. beobachtete ich Meister Reineke, der sich jedoch höchst rasant davon machte und sich ein würdiges Versteck aussuchte und ja, Recht hat er!

Die Glatteiswelten obsiegen auch künftig, doch die weiße Winterheimstatt der Anmut – wenn auch auf einem niedrigen, preußischen Niveau – ist an Schönheit nicht zu übertreffen und sucht ihresgleichen. Es ist eine wahre Gnade, diesen Genuß täglich im Laufschritt preisen zu dürfen. So setzt es sich also fort, mein Täglichlaufen – weiter und weiter; hinein in weiße Welten. Dum spiro, spero.

Den Weg gehen – IX. 2016. Fünfzehn Jahre, Neun Monate. Absolute Finsternis.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2016 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Neun Monate in Serie. So verrinnt er also, der liebliche Dezember, dessen unangefochtene Winterfürstin mit ihren raren Schneereizen leider geizt. Nimmermehr verging die gnadenlose Zeit schneller als in jenen grauherrlichen Novembertagen und wie ich einst in Aussicht stellte, so brach die Zukunft eindrücklich über mich hernieder: „Wenngleich ich die Intensität in der kommenden Woche signifikant reduzieren muß, bin ich ob dieser Tatsache ausnahmsweise nicht betrübt, da dies einer Reise geschuldet ist, welche vor über 100 Jahren ihren Auftakt nahm – und jener initiierte Kreis wird sich morgen nachhaltig schließen. So kam es also, der Fokus auf mein Täglichlaufen verlor zusehendes an Bedeutung und ja, zu allen Zeiten tönte ich groß daher, daß ich mein Täglichlaufen n i e freiwillig beenden würde, nicht, solange ich nur den Hauch einer Wahl hätte. So sei es. Demungeachtet hat sich meine Wahrnehmung verschoben – könnte ich dem Höhepunkt jener Reise erneut beiwohnen, die vor über 100 Jahren begonnen wurde und vor einem Monat eine Art Finale feierte – ich würde mein Täglichlaufen sofort beenden; ohne zu zögern, ohne Nachdenken! Wer hätte das gedacht – ich von mir selbst am allerwenigsten. Allein diese Möglichkeit bietet sich mir nicht. Ich habe nicht diese Wahl – leider. So setzt es sich also fort.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 10 °C und -06 °C und dementsprechend zogen 19 Kälte-, vier Nebel- und drei Regenläufe lächelnd in meine Statistik ein. Am 24.11. erlebte ich den 41. Wildschweinkontakt in meinem Täglichläuferleben – im schönsten Sonnenschein durfte ich ungefähr zehn Wildschweine beobachten, die gemütlich gen Wald trabten; hierbei handelte es sich um drei sehr große Schwarzkittelfreunde und diverse kleinere, welche allesamt höchst entspannt auftraten. Um bei der thematischen Fortsetzung zu bleiben, fand die nächste Begegnung am 14.12. statt. Hier entsprang ein Wildschwein in das Unterholz und zwei weitere durfte ich bei ihrem Morgenbade erspähen und ja, mir ist – bisher – kein Lebewesen bekannt, welches derart laut, nein, lärmend durch das Wasser schwimmt respektive platscht. Ich konnte mich eines Lachens nicht erwehren – Wildschweine sind in der Tat herrliche Wesen.

Am 30.11. warnte mich ein zuvorkommender Nachbar vor der Polizei, welche wie gewohnt ihren monetären Geschäften nachging, doch ich bin geneigt anzunehmen, für die Blitzgeräte bin ich dann doch ein wenig zu langsam. Auf dieser stark befahrenen Hauptstraße, welche im Fokus der „Exekutive“ lag, sah ich am 04.12. ein Reh umher spazieren – glücklicherweise an einem Sonntag in den frühen Morgenstunden, so daß es den gefährlichen Übergang ohne Probleme realisieren konnte. Mein Lauf am 05.12. sollte sich wahrlich als Bilderbuchlauf erweisen; geboren in der kalten, erstarrten Natur, die ihresgleichen suchte; indessen die Kraniche ein wohltönendes Konzert gaben.

Absolute Finsternis. Der freundliche Nachbar vom 30.11. kam mir eines Morgens in tiefer Dunkelheit entgegen und da ich mit meiner Bekleidung nebulös mit der schwarzen Natur verschmolz, sollte sein Schreck nach meinem Morgengruß sehr nachhaltig werden – mittlerweile gehört seine Irritation der Vergangenheit an. Später vollzog ich weitere Läufe in der müde gewordenen Nacht und ja, die Pfade im Finsterforst konnte ich nur anhand der wegweisenden Bäume erahnen. Am 12.12. kam mir ein starker Ast zwischen meine Füße, was sich als relativ schmerzhaft erwies und am 16.12. schlug mir ein Zweig in mein Gesicht, direkt in die Augen – auch dies war sehr unangenehm, blieb jedoch ohne Folgen. Dennoch, diese Dunkelläufe besitzen ihren ureigenen Reiz, erwachsen in einem stillen Habitat der absoluten Einsamkeit wie totalen Finsternis. Derlei kann ich nur lieben. So vergeht also die Zeit, das Jahr und das Leben. Der Dezember wird alt, mein Täglichlaufen vielleicht auch. Tempus fugit.