Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – X. 2018. Sechzehn Jahre, Zehn Monate. Enttäuschte Winterhoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. Nun ist es also endgültig gefallen, das vergangene Jahr – und voller Schmerz, doch mit einem Lächeln trat es ein, in die schwarzen Welten der Erinnerungen. Nimmermehr wird es wiederkehren. Verlorene Zeiten. So beginnt das neue; und die erste Monatsrückschau in diesem Jahr, welches dem vorangegangenen Jahr ebenso rasant in das allumfassende Nichts folgen wird, preist ihren temporären Moment des Lebens.

In der hier thematisierten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 09 °C und -04 °C und somit zogen 21 Kälte-, fünf Regen-, drei Nebelläufe und ein Glatteislauf in meine Statistik ein. Der -04 °C zum Trotz kann und muß ich den fehlenden Winter von Herzen beklagen. Bis auf wenige Ausnahmen glänzte die Kältefürstin mit Abwesenheit und die liebliche Schneeregentin gab sich nicht einmal die Ehre; in der Tat, sie stieg nicht hernieder von ihrem erhabenen Thron am weiten Firmament (obwohl es in dieser Sekunde eminent schneit (doch mein heutiger Lauf längst beendet ist)). So bleiben meine Wünsche und Hoffnungen von einem mächtigen Schneetreiben im verlorenen, einsamen Winterwald nur flüchtige Illusionen. Endgültig vorbei scheinen die Zeiten, in denen Winter noch Winter waren. Enttäuschte Hoffnungen.

Im Dezember wurde partiell damit begonnen, die gigantischen Holzberge aus dem ehemals herrlichen Forst abzutransportieren und was die Radlader und Baumvernichter bis dato an Wegen nicht zerstörten, übernahmen nun die polnischen LKW, die ihrerseits ganze Arbeit leisteten. Vielleicht sollte man die Wälder gleich ganz entfernen, um dort Schwerindustrie anzusiedeln, welche die Luft mit krebserzeugenden Dämpfen versetzt – das ist hier eh üblich.

Bussardkontakte, wie ich sie in letzter Zeit öfter beschrieben habe, erlebte ich in jenem Abschnitt wiederholt. Nicht einmal flogen sie von dannen, diese edlen Greifvögel. Ich habe diese Begegnungen genossen. Das gleiche Prozedere vollzog sich auch dreimal mit einem Graureiher, was eine wahre Besonderheit ist, da jene extrem scheu sind. Doch ja, sie kennen mich schließlich. „Meine“ Schafherde hat sich indessen leider mehr als halbiert – und künftig werde ich wieder das Oberkommando über meine Wollfreunde übernehmen. Mir deucht, dies werden wollige Zeiten.

Die Zeit vergeht und wir mit ihr. In nur zwei Monaten könnte ein neuerliches und bedeutendes Jubiläum auf mich warten – dennoch, in dieser langen wie kurzen Spanne kann und wird viel passieren und ich erwarte nichts – doch still hoffen, darf ich. Gelebtes Täglichlaufen – der nächste Lauf folgt – morgen.

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Den Weg gehen – IX. 2017. Sechzehn Jahre, Neun Monate. Das schwarzblaue Wolkengemälde.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Vorbei. So endet es, dieses nicht mehr lange lebende Jahr und vor meinem obligaten Jahresrückblick erfolgt nun die schlußendliche Monatsrückschau. Wie stets, so vollzog sich auch jener Abschnitt mehr als rasant und tritt für immerdar in das unendliche Nichts ein; der Rasanz ungeachtet konnte ich mein Täglichlaufen in gewohnter Routine unspektakulär absolvieren, wenngleich der letzte Monat durchaus interessante Begebenheiten für mich bereit hielt.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 08 °C und -03 °C und offenbarten somit 18 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Auch ein neuerlicher Fastunfall und zwei Wildschweinkontakte durfte, bzw. mußte ich erleben. Am 27.11. fand eindeutig einer der wundervollsten Läufe in diesem Jahr statt und fast war ich geneigt, ihn ausführlich zu beschreiben, doch wahre Schönheit kann nie in schnöde Worte erklingen. Dennoch, das Himmelspanorama wurde links wie rechts von absoluter Finsternis flankiert; schwarze Wolkenschiffe zogen lautlos in den weiten Horizont hinein, indessen das Zentrum in jenem Gemälde azurblau ausstaffiert war – in einer intensiven Art und Weise, die ihresgleichen suchte. Die Mittelwiese wurde gleißend hell kontrastierend von der Sonne ausgeleuchtet und in den dunklen Wolkenmeeren zu beiden Seiten entfaltete sich ein zweifacher Regenbogen, welcher das unbeschreibliche Kunstwerk in einem Halbkreis magisch umschlossen hielt. Meine Gedanken formten nur einen Satz – die Welt für eine Kamera! Nur in meiner Erinnerung lebt dieses wundervolle Bild fort – es wird nimmermehr real wiederkehren.

Anfang Dezember erspähte ich eine Rotte von ungefähr acht Wildschweinen, welche entspannt durch den Morgennebel lustwandelten und sich auch durch meine übliche Anrede nicht stören ließen. Für einen Moment beobachtete ich die Schnuffelnasen, bis sie von der wabernden Nebelwand absorbiert wurden und nachhaltig verschwanden. Unsere nächste Begegnung erfolgte am 13.12. – dieses Mal traf ich nur ein großes Exemplar in der Finsternis. Zehn Tage vorher schneite es erstmalig in diesem aktuellen „Winter“ – natürlich tanzten die lieblichen Flocken erst zehn Minuten n a c h meinem Lauf hernieder. Manche Dinge ändern sich nie. Der Morgen des 07.12. reizte mit einem besonderen Lichtspiel, denn zu meiner linken Seite winkte bereits die Sonne, gleichwohl zu meiner rechten noch der halbe Mond lächelte. Die letzten Tage werden ebenso ungestüm wie das ganze Jahr in die Vergangenheit eintreten und auch die noch folgenden, werde ich freilich mit einem täglichen Lauf gebührend würdigen. Wie könnte ich auch nicht? Täglichlaufen, 16 Jahre und neun Monate in Serie; tatsächlich, ein beachtlicher Wert für mich.

Den Weg gehen – VIII. 2017. Sechzehn Jahre, Acht Monate. Im Zeichen des Bussards.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Vergangenheit. Vor einem Moment lag er noch vor mir, der hoffnungsvolle und noch nicht geborene Monat Täglichlaufen, der freudig den Dingen harrte, um strahlend in das fragile Leben zu treten. Vorbei. Nun ist er ein unbedeutendes Teil der unendlichen Vergangenheit; kehrt nimmermehr wieder und lebt nur in meinen leisen Erinnerungen fort – temporär begrenzt. Wie das Leben selbst. So setzt es sich also fort, ungerührt und unwägbar wie eh und je. Wer kann und will dem entkommen? So sei es.

In der nun abgeschlossenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 0 °C und 14 °C und in der Summe wurden mir sechs Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe als wertvolle Geschenke dargeboten, welche ich nur zu gern goutierte. Auch erlebte ich am 25.10. meinen 52. Wildschweinkontakt, der sich einmal mehr unspektakulär im Sprühregen vollzog. Der vernichtende Kahlschlag im Forst fand mittlerweile seinen Abschluß – zurück bleibt Zerstörung allenthalben und mehrere Holzstapel, wie auch das nachfolgende Bild betrüblich aufzeigt – jener ist ungefähr 60 Meter lang. Ein erneuter „Orkan“ wütete entsprechend und tat das seine, um weitere zornige Schäden zu generieren – mein Lauf indessen an jenem Tage war wundervoller Natur.

Am 24.10. erspähte ich zum ersten Mal ein schwarzes Eichhörnchen – bisher dominiert die Farbe rot. Anfang November thronte auf einem hohen Holzpfahl ein edler Bussard, der sich gar nicht stören ließ und nur neugierig nach unten spähte, um mich im Auge zu behalten. Nur wenige Tage später lief ich direkt auf einen Bussard zu, der auf einem Ast in vielleicht drei Meter Höhe saß und selbst als ich erst unmittelbar vor ihm abdrehte, wahrte er noch die Contenance und fühlte sich keineswegs belästigt. Sodann erfolgte am 09.11. das gleiche Spiel, dieses Mal betrug die Distanz zwischen uns nur zwei Meter und auch in diesem Fall beobachteten wir uns nur gegenseitig in höchst neugieriger Art und Weise. Ob es sich um verschiedene Exemplare handelte, kann ich freilich nicht konstatieren. Doch ja, als Täglichläufer muß ich selbst den Bussarden bekannt sein. Und wie stets, hielt ich auch bei diesen Begegnungen anredende Monologe, die allerdings unbeantwortet blieben.

Während dieses Laufes erspähte ich an der gleichen Lokalität wie zuvor erneut einen Waschbären, der von links nach rechts sehr entspannt meinen Damm kreuzte und im Gebüsch verschwand. An dieser Stelle darf ich meine geliebten Wollfreunde nicht vergessen, die an jenem Tage aus ihrem Sommerurlaub zurückkehrten und auf ihre heimatliche Weide zogen – und mich durchaus arrogant ignorierten. Es sollte noch eine Woche dauern, bis wir den gewohnten Streichelreigen fortsetzen konnten und so kann ich über dieses skandalöse Verhalten doch generös hinweg sehen. In der Mitte des Novembers gelang es mir, in den frühen Morgenstunden zwei relativ junge Nachwuchsfüchse beim Spielen zu beobachten – ein herziger Anblick, der einfach nur pure Lebensfreude ausstrahlte. So vergeht also ein weiterer Monat Lebenszeit; wohin die Reise gehen wird, wird die Zeit lehren.

Den Weg gehen – VII. 2017. Sechzehn Jahre, Sieben Monate. Nebelschwäne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sieben Monate in Serie. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren… So geschah es – Tag für Tag und auch mein Halbjahresjubiläum trat in der unabänderlichen Konsequenz ungerührt in die Vergangenheit ein, um den nächsten Monat würdig in meiner Erinnerung einziehen zu lassen; geboren in dem fragilen Konstrukt meines Täglichlaufens. Ein Abschnitt voller herrlicher Höhen und schrecklicher Tiefen, wenngleich nur auf die Umgebungsvariablen bezogen.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 13 °C und 03 °C und frohlockten über den herrlichen Herbst, der vier Regen- und vier Nebelläufe feilbot. Vor ungefähr einem Jahr wurden zahllose Bäume in meinem favorisierten Laufareal markiert – Todesmarkierungen – wenn auch nicht alle, so bleiben subjektiv betrachtet nicht viel übrig, sollte die Welle der Zerstörung ihr böses Werk vollenden. Am 05.10. war es dann soweit; die Narren wurden losgelassen und priesen die absolute Vernichtung. Allein das Riesenvehikel – wenn es nur zehn Zentimeter fährt – verdichtet den Waldboden derart, daß er wahrscheinlich für Jahrzehnte ruiniert ist und jenes Ungetüm kreuzt ohne Unterlaß hin und her – über Ameisenhaufen hinweg – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Bäume werden nicht ordentlich zersägt, nein, sie werden partiell zerhackt oder zerfetzt. Wer denkt an die Waldbewohner? Oder an die Pflanzenwelt? Aber so ist das in dieser dekadenten Gesellschaft, in der Tiere als Sachen gelten und nicht als Lebewesen. Mir bricht es das Herz. So weint der Wald sein Leid hinaus und verhallt doch ungehört.

„Wir befinden uns mitten in einer Periode des großen Artensterbens, dennoch sind die meisten Menschen blind dafür. Sie sind so beschäftigt mit ihrem trivialen Zirkus, dem anthropozentrischen Zeitvertreiben, Sport, Kunst, Klatsch, Politik, Wein, Essen und Unterhaltung. Die Menschen fiedeln, während die Erde brennt.“ (Paul Franklin Watson)

Und wie sie brennt. Damit der Schäden nicht genug. Ebenso am 05.10. zog ein starker Sturm durch die Lande und wütete in den hiesigen Wäldern in einem Ausmaß, wie ich es zuvor nie beobachtet habe. Meine Dammstrecke ist bis heute durch diverse dem Tod anheim gefallene Baumriesen blockiert und die Pfade des Waldes sehen entsprechend aus. Selbst der Orkan „Kyrill“ entfaltete nicht im Ansatz einen derart intensiven Zerstörungsgrad. Und die restliche Vernichtung übernimmt engagiert das Tier Mensch. Um nun in die Höhen aufzusteigen, sei der wundervolle Rotfuchs erwähnt, den ich am 09.10. erspähen durfte, der gleichermaßen scheu wie neugierig auftrat. Nur zwei Tage zählte ich meinen 51. Wildschweinkontakt und ja, zuvor fand meine erste Waschbär-Begegnung überhaupt statt.

Seit 20 Jahren bin ich meinem Laufen ergeben, seit 18 Jahren praktiziere ich Täglichlaufen, seit über 16 Jahren absolviere ich ein ausnahmsloses Täglichlaufen und dennoch mußte ich derart lange auf so eine Beobachtung warten. Doch ja, ich habe es genossen, wenngleich jener Moment unvergleichlich kurz war. Indessen fand am 15.10. einer meiner schönsten Läufe überhaupt statt – die traumhafte Natur generierte ein Sonnen-Nebel-Gemälde, wie man es weder beschreiben noch überhaupt ersinnen könnte – ich war ob der magischen Pracht nahezu sprachlos. Und zwischen diesen Nebelbändern flogen zwei edle Schwäne sonor sirrend gen verhangenen wie strahlenden Horizont. Was für eine Momentaufnahme! Ein Tag später erlebte ich ein identisches Panorama – kombiniert mit unzähligen Spinnennetzen auf den Wiesen, welche durch den Morgentau wie Diamantenfelder in der Sonne glitzerten. Was wäre dies nur für ein wundervoller Planet ohne die Menschen? Wie dem auch sei, so vergeht ein neuerlicher Monat Täglichlaufen voller konträrer Emotionen. Die Schönheit der Natur obsiegt in meiner Erinnerung, doch das menschengemachte Werk der Zerstörung ist leider nachhaltiger.

Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 16,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…

Den Weg gehen – V. 2017. Sechzehn Jahre, Fünf Monate. Herbsthoffnung.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Fünf Monate in Serie. Wieder zieht eine Rückschau hier ein und verbannt einmal mehr einen ehedem hoffnungsvollen Monat Täglichlaufen der Zukunft in die unwiederbringliche Erinnerung. So vergeht die Zeit und nimmt einen neuerlichen Lebensabschnitt mit – in das unendliche Meer der Endlichkeit. Der Lauf des Lebens und nicht wenige Stimmen munkeln, das Leben darf auch zu der Gilde der Täglichläufer gezählt werden.

In der vergangenen Phase manifestierte sich eine Temperatur von 24 °C als Höhepunkt, indessen der Tiefpunkt bei angenehmen 13 °C angesiedelt war – in der unausweichlichen Konsequenz generierte das gar vier Regenläufe für mich. Welch eine hohe Zahl in einem Monat! Tatsächlich, die Witterungsbedingungen der letzten Jahre machen mich sehr demütig und bescheiden in dem Kontext. Ich wünschte, die Großkampfverbände der Mückenheere würden ebenso von Bescheidenheit dozieren. Nach längerer Zeit durfte ich am 23.07. einen possierlichen Fasan beobachten und nur einen Tag darauf erspähte ich einen wundervollen Rotfuchs – der ausnahmsweise nicht stehen blieb, sondern zügig von dannen trottete – und wenige Minuten danach traf ich in einem abgeschiedenen Waldstück Meister Lampe. Freilich darf es nun nicht für Verwunderung sorgen, daß ich sogleich an das entsprechende Märchen dachte. Ich wünsche beiden Putzels, daß sie noch leben.

Am 02.08. wollte mich eine Autofahrerin überfahren, doch halt, nein, nicht schon wieder diese immer gleiche Thematik. Führerscheininhaber, die lesen können, werde ich in meinem Leben nicht mehr erleben. Immerhin traf ich während dieser Laufrunde meinen Golden Retriever-Freund Leo, der mich die unangenehme Szene sogleich vergessen ließ. Anfang August wurde ein neues Schaf geboren – das ist höchst bemerkenswert, denn zu dieser Zeit ist das für mich ein Novum. Meine Wollies sind immer für eine Überraschung gut. Um auf das Thema meiner Hundefreunde zurückzukommen, sei erwähnt, daß auch hier ein Neuzugang festgehalten werden kann – am 06.08. streichelte ich zum ersten Mal den lieben Herr Willi – seines Zeichens ein Riesenschnauzer mit witziger Frisur, den ich bisher nur auf der Ferne kannte. Somit erhöht sich das Feld jener Freunde, die früher oder später für die zahlreichen Zwangspausen sorgen – denn an solche lieben Wesen läuft man nicht vorbei, ohne sie adäquat zu würdigen. Gleichwohl ist der Tribut dafür hoch, allein heute früh lag der Preis für zwei (sehr) kurze Unterbrechungen bei fünf Mückenstichen.

Der Zenit des Sommers ist längst überschritten; die ersten gelben, dem Tod anheim gefallenen Blätter zieren seit fast zwei Wochen die Pfade und die stürmischen Heerscharen des Herbstes sind längst auf dem Weg – in die hiesige Realität. Möge das letzte Aufgebot der Hitze nachhaltig vergehen und den Thron endgültig räumen – für die wahren Witterungsregenten; welche in Kälte, Sturm, Regen und Schnee geboren sind – meine Ungeduld wächst täglich mehr und mehr, endlich wieder unter wundervollen Bedingungen mein Täglichlaufen zu praktizieren. So bleibt nur die Hoffnung auf einen baldigen Wandel.

Den Weg gehen – IV. 2017. Sechzehn Jahre, Vier Monate. Bedeutsame Jubiläen.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2017 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Vier Monate in Serie. Und wieder wurde ein Monat Lebenszeit nachhaltig in die Vergangenheit überführt – unwiederbringlich und verloren für alle Zeiten. Dieses fragile Konstrukt, welches wir als „Leben“ betiteln, ist doch mehr als erschreckend. Immerhin, die vor kurzem von mir „kritisierte“ Routine hat sich grundlegend verflüchtigt und das tägliche Einerlei im Laufkontext wurde mehrheitlich abwechslungsreich von der Unwägbarkeit des Lebens gestaltet.

In der vergangenen Phase vollzog ich nur zwei Regenläufe – was als sehr, sehr betrüblich zu bewerten ist – und die Temperaturen alternierten zwischen 12 °C und 26 °C. Die unsägliche Hitze stellte sich glücklicherweise nicht ein und längere Regenabschnitte sorgten für angenehme Klimabedingungen. An jenen Tagen wirkte sich das entsprechend positiv auf die Heerscharen der Mücken aus, was ich freilich besonders wertschätzte, dann damals war ich wieder für meine Wollfreunde zuständig. In diesem Kontext vollzog ich das erste bedeutsame Jubiläum in jenem Abschnitt, denn am 30.06. absolvierte ich meinen 400. Regenlauf. Eine formidable Zahl, die nicht im Ansatz ihr verborgenes Geheimnis offenbaren kann, welcher intensive Genuß darin eingeschlossen ist. Ohne Worte. Ohne Worte!

Am 19.06. begegnete ich einem grunzenden Wildschwein, welches mich wahrscheinlich nicht gewahrte oder aber, er oder sie tat sehr ignorant, was meine Person angeht. Nur wenige Tage später – am 07.07. – kam es zu einem neuerlichen Kontakt mit den süßen Putzels und ja, die Statistik erläuterte mir schlußendlich, daß es sich um unsere 50. Begegnung handelte – welch ein schönes Jubiläum. Am 22.06. war die Zeit reif für einen weiteren Sturz, der auch recht blutig verlief; aber diese Thematik wird mich wohl für immerdar als Täglichläufer begleiten. Nur einen Tag später durfte ich diverse Sturmschäden in meinem Laufareal „bewundern“, die bis heute die Wege blockieren und bisher nicht geräumt wurden.

Für Familie Schwan unterbrach ich meinen Lauf am 13.07. und beobachtete die Eltern mit ihren fünf Nachwuchsschwänen, von denen vier grau sind und eines ein weißes Gewand trug. Noch immer fällt es mir schwer, mich von solchen herzigen Anblicken zu lösen – es geht eben nichts über die Natur; wo die Natur noch Natur sein darf. Vorgestern bat mich eine Dame um Hilfe, welche ich ihr natürlich gern gewährte, aber auch dies gestaltete sich wieder als Herausforderung, denn die Macht der Mücken war und ist ungebrochen. Ich erhebe das Jahr 2017 als das schlimmste Mückenjahr, was ich je in meinem Leben erlebte. Mein gestriger Lauf wurde von einem Pirolkonzert gekrönt, welches seinesgleichen suchte – angesichts dieser edlen Melodien fragte ich mich einmal mehr, wieso der Lauf nur enden mußte!? Doch nichts währt ewig. – – So setzt es sich also fort – Gelebtes Täglichlaufen. Wie lange noch und wohin, wird das Leben lehren. Vielleicht.