Archive for the Täglichlaufen. Rückschau. Category

Den Weg gehen – X. 2019. Siebzehn Jahre, Zehn Monate. Erkenntnisgewinn.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Januar 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und zehn Monate in Serie. Also sprach das neue Jahr, als es seinen gebührenden Platz auf dem temporären Thron der vergänglichen Herrschaft einnahm, um für die künftige Zeit vielleicht verheißungsvoll zu lächeln. Ungeachtet dieses routinierten Auftaktes setzt sich mein Täglichlaufen wie gehabt fort – Tag für Tag und Lauf für Lauf – und das nächst mögliche Jubiläum erstrahlt verhalten am weiten Horizont. Wohin die Reise geht, wird das Leben lehren.

Gestern erlebte ich den ersten Fastunfall in diesem Jahr und ich gebe zu, es war dies ein seltsames Gefühl, um Haaresbreite von einem großen Bus überrollt zu werden. Natürlich spielte sich der Vorfall wieder an jenem berühmt-berüchtigten Stop-Schild ab und ich gestehe mir auch eine latente Mitschuld ein. Der graudunkle Morgen bot nicht die beste Sicht und ich lief in schwarzer Bekleidung; gleichwohl nützt die „beste Sicht“ auch gar nichts, wenn man seinen Kopf erst gar nicht in meine Richtung bemüht; also wäre es auch irrelevant gewesen, wenn ich eine Warnweste und ein Helm mit Blaulicht getragen hätte. Ich kann und will nicht begreifen, wie man auf eine vielbefahrene Hauptstraße einbiegen kann, ohne einmal nach rechts zu blicken. Und das von einem Berufskraftfahrer! So mußte ich auf die Straße ausweichen und mein Bogen wurde immer größer, indessen der Bus immer näher kam – unaufhaltsam. Der Abstand betrug nur noch wenige Zentimeter. Kurz war ich versucht, gegen die Scheibe zu klopfen oder meine Stimme zu erheben, doch ich verwarf dies sinnlose Vorhaben.

Aber nun ist mir klar, warum faktisch niemand an dem Stop-Schild hält – denn, wenn schon die Berufskraftfahrer damit überfordert sind, kann ich das von normalen Verkehrsteilnehmern nun wirklich nicht verlangen. Ein Hoch auf das Primat der Inkompetenz und Unfähigkeit in diesem Land. Und die Polizei – „dein Freund und Helfer“ – erklärte mir einst, daß es sich finanziell nicht lohnt, an dieser Gefahrenquelle aktiv zu werden. Ja ja, der schnöde Mammon – was wäre auch sonst von Bedeutung. Oh heilige Einfalt. Apropos Inkompetenz und Einfalt. An einem Morgen vor wenigen Tagen war der Radweg gestreut; obwohl es dort gar nicht glatt war und ja, der geneigte Leser ahnt es nun schon – auf der Brücke wurde nicht gestreut – freilich waren hier der Fuß- und Radweg partiell stark vereist. Heute morgen war es streckenweise sehr glatt, auf den erwähnten Wegen und auf der Brücke – natürlich wurde nicht gestreut – nirgendwo. Ich enthalte mich weiterer Bewertungen diesbezüglich.

Die Temperaturen tanzten zwischen -04 °C und 08 °C gar nicht winterlich umher und generierten 15 Kälte- und fünf Regenläufe. Der nicht existente Winter ist eine blanke Enttäuschung und nicht einmal ließ sich etwas Schnee sehen – wie betrüblich. Meine armen Wollfreunde hatten nach Abschluß meiner letzten Betreuung besonders lange mit der neuen Situation zu kämpfen und wollten über zwei Wochen nicht akzeptieren, daß ich mein Versorgungsamt wieder aufgegeben habe – und veranstalteten täglich ein großes Theater. Das neue Jahr begann stürmisch und am 03.01. fiel ein Baum von 32 Metern Länge in den endgültigen Tod und blockiert seitdem den Pfad; so heißt es klettern an jener Örtlichkeit.

Drei Tage später traf ich in Waldnähe einen Mann mit drei weißen Huskys – ich war sprachlos vor dieser Schönheit. Was für wunderschöne Tiere und diese treuen Augen! Ohne Worte. So verrinnt die Zeit und der Januar zieht von dannen – ich folge ihm täglich und komme doch nicht hinterher. Morgen folgt der nächste Lauf, hinein in finstere Sturmwelten. Oder aber in den leuchtenden Sonnenschein?

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Den Weg gehen – IX. 2018. Siebzehn Jahre, Neun Monate. Das Ende so nah.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Dezember 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und neun Monate in Serie. Erst gestern war das neue Jahr noch jung, hoffnungsfroh und heute erfolgt bereits die letzte reguläre Rückschau für dieses Kalenderjahr; oh lieber Zeitenstrom, du beeindruckst wie gewohnt mit deiner gnadenlosen Rasanz. Wir kleinen, unbedeutenden und unfähigen Menschenwesen können nur staunen, ob deiner greifbaren wie nachdrücklichen Omnipotenz. Das nächste Jahr bringt sich in gehaltvoll Stellung und das Spiel des Lebens läuft routiniert weiter – mit allen unabwendbaren Konsequenzen.

In der vergangenen Monatsphase alternierten die Temperaturen zwischen -03 °C und 10 °C und bescherten mir damit 15 Kälte- und drei Nebelläufe und welch ein Wunder, auch ein Regenlauf gesellte sich hinzu. Am 20.11. erlebte ich eine Hundebegegnung, die ich in alten Zeiten als Angriff interpretiert und in der ich entsprechend agiert hätte, doch nachdem man mich wehrlos gemacht hat, verzichtete ich darauf und ja, das scheinbare Problem löste sich von allein – aber wer weiß dies schon vorher? Zwei Tage später wurde ich offiziell zur Mickey Mouse ernannt; ein Ehrentitel, den ich künftig mit Würde tragen werde. Den Tag darauf erspähte ich einen gar nicht trötenden Fasan auf einem Ast und dieses Mal blieb er trotz meiner Anrede ruhig sitzen und beobachtete mich neugierig – in der Regel flüchten diese scheuen Putzels; wie ich auch am 23.12. erleben durfte – ein Fasan sprang in ein blattleeres Gebüsch – völlig ungetarnt – und harrte der Dinge, die doch nicht für ihn kamen.

Ende November erfuhr ich unerwartet, daß meine liebe Hundefreundin Tina ihren Abschied von dieser Welt eingereicht hat; wahrlich eine traurige Angelegenheit, die mein Täglichlaufen durchaus beeinflußt, schließlich gehörte sie eine sehr lange Zeit einfach dazu – ich werde dich nicht vergessen, meine treue Tina! Von Anfang mit Mitte Dezember wurde ich als oberkommandierendes General-Schaf bestallt und war somit für die kulinarische Versorgung „meiner“ Wollies verantwortlich. Wenngleich nicht immer alle wieder zurück auf ihre Weide strebten und einzelne Ausreißer persönlich geschoben werden wollten, war dies freilich eine wunderbare Phase, die wiederholt von einem Bussard begleitet wurde, der erhaben auf seinem Pfahl thronte und alles in seinem Blick hatte.

Am graudunklen Morgen des 08.12. stand ein Mercedes im abgeschiedenen Wald, in dem sich zwei Personen der fröhlichen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ hingaben; was mich persönlich nicht interessierte, sondern vielmehr kam bei mir die Frage auf, wie man mit so einer relativ tiefer gelegten Limousine, diese matschigen Waldwege befahren kann, die zudem eher von größeren Waldfahrzeugen benutzt werden. Nun ja, nach der heißen Erregung ein möglicherweise entspanntes Schieben des Fahrzeuges kann selbstverständlich nicht schaden. Drei Tage später durchlief ich eine kleine Graugans-Kolonie von vielleicht 30 Tieren, die zwar ihren Unmut ob meiner Präsenz weithin vernehmlich kundtaten, aber letztlich doch vor Ort verblieben – ich liebe solche Momente.

Unmittelbar vor dem vergangenen Wochenende streckte mich eine gesundheitliche Indisposition absolut unerwartet und überraschend nieder, die mehr oder weniger im Nachklang bis heute anhält und seine Folgen in absurden Notrunden kanalisiert. Ich muß gestehen, ich habe nicht die Kraft, meine Serie, wegen einer gesundheitlichen „Posse“ aufzugeben; gleichwohl dies vernünftiger gewesen wäre und weitaus weniger körperliche Kraft gekostet hätte. Vielleicht beende ich meine Serie im Täglichlaufen am 18.03. zum 18. Jahres-Jubiläum und dann selbstredend o h n e Grund. Dennoch, dem Ende so nah – war ich wahrlich lange nicht. Gesundheit, das fragile Konstrukt – wie oft schrieb ich diesen Satz? Nichts ist wahrer.

Den Weg gehen – VIII. 2018. Siebzehn Jahre, Acht Monate. Der erste Kältehauch.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. November 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und acht Monate in Serie. Relativ stürmisch zeigte sich der Auftakt der abgeschlossenen Monatsphase und mit den unsteten Windböen wurden auch die einst zukünftigen Tage wie Läufe hinfort getragen, hinein geweht in das endlose Reich der Vergangenheit und nur die tanzenden Blätter offenbarten genußvoll ihre Begeisterung mit greifbarer Hingabe.

Der Sommer scheint nun hoffentlich endgültig in den diesjährigen Ruhestand eingetreten zu sein und der erste wahre Kältehauch enttarnte sich gestern, der mein Täglichlaufen entsprechend auf ein sehr angenehmes Niveau hob und heute seine würdige Fortsetzung fand. Die Temperaturen schwankten zwischen 15 °C und -05 °C und boten sieben Kälte- und zwei Nebelläufe feil. Und natürlich – welch ein Wunder – sogar ein Regenlauf durfte ich bestreiten.

Die seltsame Beobachtung am 23.10., welche mir zugetragen wurde, blieb glücklicherweise ohne Folgen und rückblickend betrachtet, erachte ich meine Warnung nach wie vor als sinnvoll, wenngleich sich der tatsächliche Sachverhalt kaum mehr ermitteln läßt. Anfang November raschelte es im tiefen Wald nicht weit von mir entfernt im Unterholz und auf dem Rückweg grunzte es freundlich grüßend an der gleichen Lokalität. Aktuell lassen sich die Spuren von Familie Schwarzkittel wahrlich nicht leugnen; komplette Pfade sind über weite Strecken höchst sorgfältig umgegraben worden – so erhöht sich der Grad des Laufens ein wenig an jenen Punkten. Das zahlreiche Laub tut das seine in dem Kontext und so fällte mich eine gut versteckte Wurzel in meinem Tun; allerdings in einem harmlosen Rahmen, den ich ausnahmsweise nicht als Sturz werten will.

Wiederholt habe ich unabsichtlich Fasane aufgeschreckt, die sich zu Recht darüber sehr empörten – einmal mehr gelobe ich Besserung. Am 10.11. unterbrach ich meinen Lauf, um eine herzige Schwanenfamilie zu beobachten – es fällt mir in solchen Momenten nicht leicht, mich von solchen Anblicken zu lösen. Der einzige Regenlauf in diesem Abschnitt lächelte am 13.11. – insgesamt mein 441. Regenlauf, gewidmet einer speziellen Person. Das Leben ist in der Tat nur ein fragiles Konstrukt, unsere Existenz nur ein flüchtiger Hauch im Nichts. Wohl dem, der dies bewußt wahrnimmt und zu schätzen weiß. So setzt es sich also fort, das gelebte Täglichlaufen und ich gehe den Weg noch ein wenig weiter.

Den Weg gehen – VII. 2018. Siebzehn Jahre, Sieben Monate. Grüngoldene Inseln im Nebelmeer.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und sieben Monate in Serie. Verglüht. Mein Halbjahresjubiläum. Verglüht wie ein äonenalter Stern am unendlichen Firmament; geboren in einem Hauch von Nichts, um für die Phase von unbedeutenden Femtosekunden zu überdauern – verankert in einem temporären Bewußtsein – hinein getragen in diese kalte wie flüchtige Welt, in dieses nebulöse Leben der ungreifbaren Endlichkeit. Das halbjährige Jubiläum ist also verweht in die Erinnerung; umwoben von mannigfaltigen Gedanken – doch ein neues Glanzlicht lächelt erhaben am Horizont und symbolisiert einen weiteren Monat, der gleichwohl ähnlich rasant verglühte wie auch alle folgenden seufzend sterben werden, müssen. Der Ordnung der Dinge kann man nicht entkommen, aber wer würde dies schon wahrhaftig anstreben wollen?

In dem vergangenen Zeitabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 18 °C und 0 °C und endlich wurde am 30.09. der erste Kältelauf in diesem Herbst feilgeboten. Welche Gnade! In der Summe ziehen drei Kälteläufe in meine Statistik ein; dazu gesellen sich zwei Nebelläufe sowie ein Fastunfall, welchen ich freilich nicht kommentieren will. Dieser verflossene Monat vollzog sich gewohnt routiniert und bot mehrheitlich keine Besonderheiten. Das betrübliche Fehlen von hernieder tanzenden Wassertropfen, heißt „Regen“ – lasse ich ebenso unkommentiert. Der goldene Herbst obsiegt, was ich durchaus genoß. Am 16.10. wurde ich Zeuge eines Dialoges von zwei Bussarden, was ich als herrlich interpretierte – leider erlernte ich einst nicht die faszinierende Sprache „Bussisch“ und kann von daher nur spekulieren, worüber sich die edlen Raubvögel unterhielten.

Der wohl schönste Lauf überhaupt in jener Phase fand gestern statt – geboren im Morgennebel wurden die natürlichen Bedingungen in einer atemberaubenden Schönheit komponiert, die ihresgleichen suchte. Wenn ich den Lauf auch nicht als Nebellauf werten darf, war mein Laufareal partiell von einem Nebelmeer durchzogen und die zentralen Wiesen trugen den reizenden Nebelmantel in einer einzigartigen Weise. Bis auf eine scheinbare Höhe von vielleicht zwei Metern waren die Weiden ausstaffiert von wabernden Nebelkleidern und nur die diversen Baumgruppen standen dicht beisammen und erreichten einen raren Inselcharakter, welche zudem von den leuchtenden Sonnenstrahlen gravitätisch erhellt wurden. So überwachten die grüngoldenen Inseln das weite Nebelmeer und luden jeden Beobachter dazu ein, es ihnen gleichzutun. Ein traumhaft schöner Anblick, den ich doch irgendwann sich selbst überlassen mußte. – – Der nächste Monat liegt ähnlich verborgen in Nebelozean der Zukunft und wird sich nach und nach enthüllen – vielleicht auch künftig garniert mit etwas Täglichlaufen. Die Zeit wird es lehren. Und die zahlreichen Blätter fallen und fallen …

Den Weg gehen – VI. 2018. Siebzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Posted in Täglichlaufen. 17,5 Jahre., Täglichlaufen. Rückschau. on 18. September 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und sechs Monate in Serie. So weht es also unerwartet hernieder – mein Halbjahresjubiläum – wie ein weißgrauer Wolkensturm und lächelt erhaben und ungestüm in diesem temporären Moment der banalen menschlichen Existenz in unserem Weltgesang. Ein Jubiläum, welches in seinem Charakter still verbunden mit allen früheren in einer Reihe in diesem Universum thront – manifestiert aus dem Nichts heraus und nie gewollt oder geplant, welches nie bewußt angestrebt wurde und doch schimmert es mit seinem ureigenen konsequenten und gnadenlosen Charme. Allein was bleibt mir? Ich nehme es an, in Demut; hebe einmal mehr das fragile Konstrukt der Gesundheit explizit hervor, verweise auf die Nichtreproduzierbarkeit – freilich nur auf meine Person bezogen und ja, heute werde ich den einzigartigen Tag mit der stolzen Realisierung dieser Herausforderung, respektive Geschenk entsprechend würdig zelebrieren. Die Zukunft wird es lehren, wohin mich jener täglichlaufende Pfad führen wird und wie lange ich ihn – in welcher Form auch immer beschreiten darf. Das säuselnde Wolkenmeer zieht indessen unbeteiligt in das weite Firmament ein.

Die unbedeutenden Temperaturen in der vergangenen Phase traten endlich in gemäßigte Regionen ein und vollführten ein Wechselspiel zwischen 08 °C und 20 °C und boten zwei Regenläufe feil. Ein Nebellauf gesellte sich hinzu und jener darf natürlich in seiner Schönheit nicht unerwähnt bleiben. Leider ziehen auch zwei Fastunfälle in meine Statistik ein und bei jenem am 08.09. mußte ich gar auf die vielbefahrene Straße ausweichen, welche in dieser Sekunde an der Örtlichkeit völlig überraschend frei war. Ich erhob meine Stimme und gab ein Handzeichen, doch der Fahrer blickte entrückt drein, als ob der Papst nackt auf der Stelle hüpfen würde. Stop-Schilder. Was mögen sie wohl bedeuten? Ein Mysterium!

Am 22.08. blockierte ein junger Vater mit seinem Nachwuchs in einem Handwagen einen Engpaß auf meiner Laufstrecke; spontan bot ich meine Hilfe an, welche auch gerne angenommen wurde. Als kleine Entschädigung offerierte ich ihm generös, daß ich den Rest der Strecke in dem Wägelchen verbringen darf und fröhlich durch die Wälder gezogen werden könnte – hier war der Begeisterungssturm ob meines Vorschlages sehr verhalten bis nicht vorhanden, womit ich natürlich nicht gerechnet habe. Bei Gelegenheit sollte ich das Thema erneut aufgreifen. Unvergessen bleibt der Augenblick, als ein Fasan direkt vor mir von dannen wetzte und ich ihn für einige Sekunden verfolgte – ich konnte nur noch lachend weiter laufen. Die Natur geizt wahrlich nicht mit heiteren Situationen.

Anfang September schreckte ich leider einen Grünspecht auf, der zwei Meter neben meiner Person flog, mich kurz begleitete und hernach einen schimpfenden Reigen vollführte, der seinesgleichen suchte. In der Tat, ich gelobe Besserung, künftig nicht mehr allzu schreckhaft aufzutreten. So verging also ein neuerlicher Monat; trat ungerührt in die Vergangenheit ein und hinterläßt die stolze Trophäe von 17-6 im Kontext meines Täglichlaufens. Wer hätte das je gedacht? Ich mitnichten. Morgen reiht sich ein weiterer Tag, Lauf auf dieser surrealen Kette ein und heute? Heute wird gefeiert!

Den Weg gehen – V. 2018. Siebzehn Jahre, Fünf Monate. Auf dem Pfad in die Ferne.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. August 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und fünf Monate in Serie. Und wieder schreitet ein ehedem hoffnungsstrahlender Monat Lebensmonat tief betrübt zur Richtbank, um seine temporäre wie banale Existenz mit dem vergänglichen Todestanz zu krönen und seufzend für immerdar zu vergehen. Das gleiche alte Lied – geboren in der Ordnung der Dinge. So sei es.

In der verwehten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 14 °C und 26 °C und nur ein Lauf ist von elementarer Bedeutung und zwar jener vom 02.08. – welcher wahrhaftig als Erlösungslauf interpretiert werden muß. Zusätzlich zieht jene Einheit als Gewitterlauf in meine Statistik ein – zum ersten Mal nach gut vier Jahren. Seit einem mittelschweren Sturm Ende Juli ist ein Weg meiner Laufstrecke blockiert; ein größerer Baum lehnt sich sterbend an zwei andere und noch vor wenigen Tagen konnte ich noch leicht gebückt jene Örtlichkeit passieren. Aktuell neigt er sich stärker und fordert die niedrigste Gangart ein und ich bin geneigt anzunehmen, in den nächsten Tagen wird er vollends hernieder fallen.

Am 04.08. vollzog ich den 55. Wildschweinkontakt und nur wenige Meter vor mir kreuzten die Putzels meine Richtung und begrüßten mich mit einem freudigen Grunzen. Nur einen Tag später beobachtete ich einen streunenden Hund, der scheinbar allein und gar nicht fröhlich den Weltgesang eroberte. Auf dem Rückweg erspähte ich ihn erneut – schwarz, mittelgroß und leicht bedröppelt aussehend, vielleicht auch durstig in der frühen Hitze. Ich unterbrach meinen Lauf und redete ihn an, doch er drehte sich um und verschwand im Forst. Im Internet las ich im Anschluß, daß er seit dem Vorabend als vermißt galt – unverzüglich kontaktierte ich den Besitzer und gab ihm den vermeintlichen Standort an. Wenige Stunden später und dank weiterer Hinweise traf er wohlbehalten in seiner Heimstatt ein. Ein glückliches Ende, was mich sehr freut.

Eine weitere Besonderheit ereignete sich zehn Tage später, doch ich selbst kam leider zu spät und somit durfte ich Familie Schwan bei ihrem Ausflug nicht mehr begleiten. Am 16.08. erspähte ich zwei Grünspechte, die miteinander spielten oder doch flirteten? Die korrekte Deutung obliegt nicht mir – gleichwohl war der Anblick höchst interessant wie lustiger Natur. So liegt also nun das Halbjahresjubiläum vor mir, leuchtet leise erhaben – erschreckend, wie der Fluß der Lebenszeit gnadenlos verrinnt. Vielleicht gelingt es mir, diesen Gedankengang zu realisieren, zu leben – ein Ziel ist dies freilich nicht. Wie könnte es auch. Ungeachtet dessen, die Hoffnung lebt und mein Pfad führt auch künftig in die Ferne; in die ungeborene Zukunft.

Den Weg gehen – IV. 2018. Siebzehn Jahre, Vier Monate. Der Zenit ist überschritten.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Juli 2018 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und vier Monate in Serie. Still und weithin laut vernehmlich haucht ein weiterer Lebensmonat mit unschätzbarer Zeit – geprägt vom Täglichlaufen – seufzend seinen einzigartigen Atem aus. Der Weltgesang hält inne, läßt alte und flüchtige Erinnerungen letztmalig lächelnd aufleben und schließt den Kreislauf des Lebens mit einer entsprechenden Rückschau. So verrinnt sie also, die surreale Zeit – das mächtige Konstrukt unseres beschränkten Geistes. Und wie noch stets, bemerkenswert rasant.

Der vergangene Monatsabschnitt vollführte ein verhaltenes Wechselspiel im Rahmen der Temperaturen zwischen 11 °C und 25 °C. Nach nahezu drei Monaten ohne einen einzigen Regenlauf durfte ich jene ungewollte wie fürchterliche Antiserie am 12.07. endlich beenden. Bei allem Genuß und wahrer Freude – jener Moment schwindet mehr und mehr und die hohen Temperaturen lassen die greifbare Lebendigkeit von einst vergessen – täglich um eine Nuance mehr. Eine unschöne Begebenheit fand am 29.06. statt – ich passierte meine „Lieblingsstelle“ – das berüchtigte Stopschild – und welch ein Wunder (der Klerus darf mir hier zustimmen), tatsächlich hielt doch mal ein Vehikel an; gleichwohl nicht an der angemessenen Örtlichkeit, nein – der Fahrer blockierte gleichsam Fuß- wie Radweg und ich sah mich genötigt, auf die Hauptstraße auszuweichen – ungeachtet des stark fließenden Verkehres. Ohne Worte.

Am 24.06. erspähte ich einen Schwarzspecht im einsamen Hain und nur drei Tage später wurde mir die seltene Ehre zuteil, drei Schwarzspechte auf einen Streich zu beobachten – dies ist wahrhaftig ein Novum. Später gesellten sich zwei Pirole hinzu und nochmals drei Tage später schwamm im Wasser eine Entenfamilie, die nicht weniger als acht Nachwuchsputzels mit sich führte – welch ein Anblick! Anfang Juli hoppelte ein Hase auf dem Waldweg umher und seit dem 04.07. hat sich eine neuerliche Serie etabliert – denn seit jenem Tage durfte ich täglich Meister Lampe in seinem Wirken beobachten. In der Regel tritt er schnellstens den Rückweg an und doch hielt er bereits einmal in seinem Lauf inne, als ich ihn anredete. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas „zutraulicher“ werden. Zudem sie immer an den gleichen Punkten ihre sonst getarnte Anwesenheit offenbaren.

Seit einigen Tagen registrierte mein Bewußtsein jählings die ersten Anzeichen für den hoffentlich baldigen Aufbruch und Abschied des Sommers – der Zenit ist längst überschritten und so sind diverse Waldwege von Unmengen von abgefallenen Blättern gesäumt wie ausstaffiert. Heute tanzte ein einzelnes gelbes Blatt hernieder und fiel direkt in meine Hand; ein Hauch von Abschied. Der leise Übergang blieb mir indessen verborgen, doch das Ergebnis lächelt eindrücklich und die Hoffnung auf angenehmere Rahmenbedingungen darf sich nun intensivieren. So tritt er also seinen Rückzug an – der ungeliebte Sommer – mein Bedauern hält sich freilich in Grenzen. Ein neuerlicher Monat Täglichlaufen schimmert hoffnungsvoll – wohlan, möge es beginnen. Morgen.