Archive for the Allgemein Category

Die Rückkehr der Finsternis

Posted in Allgemein on 3. Oktober 2016 by Täglichläufer

Vor einigen Jahren berichtete ich in meinem Artikel Zweierlei Finsternis über nachfolgende Beobachtung: Was mich an jenem Freitag wirklich schockierte, war eine kurze Begegnung im Wald. Ein kompaktes Teilstück, welches ich gerne als „tiefen Wald“ bezeichne; ein Reich, dominiert von Unterholz, vielen Bäumen und ohne Möglichkeit selbiges zu durchqueren. Dieses Areal beobachte ich zu gerne, wenn ich die Seitenwege des Forstes passiere. Eine Heimstatt für zahlreiche Bewohner, in erster Linie Schwarzspechte, verschiedene Raubvögel und selbstredend auch ein Rückzugsgebiet für Rehe und Wildschweine. Und was mußte ich am besagten Tag sehen, ja, ertragen? Ein Novum. Zwei Holzvollernter, auch bekannt als „Harvester“, die mehrere – parallel verlaufende – gravierende Schneisen in den Wald schlugen. Mir blieb fast der Atem weg, als ich das Drama sah. Für einen Augenblick blieb ich sogar stehen, aber Dutzende Mücken, die sofort über mich herfielen, votierten unmittelbar für die Wiederaufnahme des Laufes.

Ich trat den Heimweg an und hörte das anklagende Bersten der Bäume, das Schreien des Waldes und das erboste Wehklagen einiger Vögel. Wenig später verstummte das traurige Schauspiel leise weinend hinter mir, bis es zu einem raunenden Schweigen wurde, welches in meinem Kopf umso intensiver nachhallte. So wird nun mein Laufareal einmal mehr von Zerstörung tangiert. Der Lebensraum der Waldbewohner lokal vernichtet. An einer Stelle, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können.

Die erwähnten Schneisen in dem Wald hat jener bis heute nicht verkraftet und sind nach wie vor präsent – zu präsent. Seit einigen Tagen sind nun diverse Bäume in dem ersten Wald meiner Laufstrecke rot markiert, was freilich sehr bedrohlich auf mich wirkt. Aus meiner subjektiven Sicht heraus ist der halbe Wald für Gevatter Tod gekennzeichnet. Und heute nun erfuhr ich, daß die gleiche Finsternis wie vor sechs Jahren zurückkehren und sich wie ein Leichentuch über den noch lieblichen Forst legen wird. Die Waldzerstörung wird erneut mit den oben erwähnten Ungetümen realisiert. In jenem Wald nisten zahlreiche Fischreiher wie Raubvögel und auch die Population der Eichhörnchen ist dort sehr ausgeprägt, auch diverse große Ameisenhügel und mannigfaltige andere Tierarten haben in diesem Wald ihre Heimat gefunden – doch all das ist nun für die Vernichtung auserkoren. Schon wieder. Diese naturfeindliche Stadt ist erbärmlich. Wahrlich erbärmlich. Ich hoffe von Herzen, daß wir irgendwann die Quittung für diese Dekadenz und vollkommener Dummheit erhalten werden.

Frühling in Vollendung

Posted in Allgemein, Flora, Photos on 2. Mai 2016 by Täglichläufer

In der Tat, die Vollendung des Frühlings ist längst vollzogen und an zahlreichen floralen Örtlichkeiten wurde der einzigartige Zenit betrüblicherweise überschritten, um dem unaufhörlich wiederholenden Spiel der omnipotenten Vergänglichkeit zu huldigen. Nichts in diesem surrealen Leben besitzt jene Beständigkeit wie der Eintritt der noch nicht geborenen Zukunft in das für immerdar wehende Reich der finsteren Vergangenheit. Und so wurden die grünen, edlen Gewänder der natürlichen Erhabenheit angelegt, um damit leise säuselnd im Wind zu tanzen – wild und zärtlich und doch lautlos, spielerisch wie malerisch, galant und ehern – doch immer auf dem wispernden Pfad der Vergessenheit, den wir alle mit Engagement beschreiten – bewußt oder unbewußt.

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Sommerrückkehr

Posted in Allgemein, Photos on 8. Dezember 2015 by Täglichläufer

Fürwahr, die kaltlächelnde Winterfürstin enttäuscht in Vollendung – wie weiland 2006 – und mehrheitlich die nachfolgenden Jahre. Der Jammer ist allgewaltig, die Tränen ob dieser betrüblichen Tatsache nicht minder; nimmermehr werden jene getrocknet. Allein eine Option bietet sich mir noch – die aktuelle Wetterphase mit Bildern preisen, die ihr nahezu entsprechen. Möge sich die Witterung gravierend verändern und möge baldmöglichst der Winter einziehen, ein würdiger und harter Winter – wie in längst vergessenen Zeiten, Tagen.

Sommer_2015_a
Sommer_2015_b

Sommerabschied

Posted in Allgemein, Photos on 12. September 2015 by Täglichläufer

Schweigend zieht er von dannen, der einst intensiv leuchtende Sommer. Belebende Herbstwogen entfalten sich in stiller Gnade und der anmutige Mantel der hehren Lieblichkeit wallt lächelnd hernieder. Möge die kommende Zeit – kalt, naß und stürmisch werden. Ich weiß jene Geschenke – so sie mir denn zuteil werden – zutiefst zu schätzen. Und verabschiede mit folgenden Aufnahmen die heiße Phase. Ein Abschied ohne Wehmut.

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2015_September_Regenbogen

Grün…

Posted in Allgemein, Photos on 2. Juni 2015 by Täglichläufer

…ist sie geworden, die erhabene natürliche Welt. Dieses Grün ist allumfassend und von einer atemberaubenden Intensität geprägt; in der Tat, es ist schier unbegreiflich und mir deucht, selbst tiefschwarz gewandete Täglichläufer werden ohne Reue absorbiert. Sobald ich die triviale Zivilisation nicht mehr wahrnehmen kann, trete ich durch ein unsichtbares Tor und beschreite einen surrealen Pfad in ein konträres Leben. In ein verborgenes Reich der beredten Stille, der melancholischen Einsamkeit und der greifbaren Abgeschiedenheit – verschmolzen mit dem grünen Weltgesang, den ich nimmermehr verlassen möchte. Nach dem Eintritt in jene illusionäre Atmosphäre schließt sich der trennende Vorhang und meine banale Existenz egalisiert sich mit dem wahrhaftigen Leben. Und so genieße ich sie täglich, diese meine einsame Welt, geboren in einer besonderen Ruhe, wie sie nur von der Natur derart meisterhaft in ein wundervolles Gemälde komponiert werden kann. Ich weiß dieses Glück sehr, sehr zu schätzen – allein, warum müssen auch solche Läufe enden? Doch ja, nichts währt für immerdar. So bleibt mir nur eines – die tägliche Fortsetzung preisen.

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Tränen der Kälte

Posted in Allgemein, Täglichlaufen. Status. on 2. Dezember 2014 by Täglichläufer

Wohlan, endlich ist sie in persona eingetroffen, die lange von mir ersehnte Kälteregentin. Mit einem zärtlichen Lächeln fiel ihr belebender Mantel der betörenden Kälte hernieder und umhüllte sanft die natürliche Welt. Der Auftakt begann zutiefst zurückhaltend mit warmen 0 °C, doch heute (953 Kälteläufe (80. in diesem Jahr)) sind bereits -05 °C eingetroffen, verbunden mit einem durchaus nicht angenehmen Ostwind, der mich auf der Brücke derart intensiv begrüßte, daß ich mich den Kältetränen hingeben mußte. Demungeachtet liebe ich diesen seltenen Frosthauch von Herzen. Vor einigen Tagen kommentierte ein mir unbekannter Mensch meine laufende Präsenz ungefragt mit den Worten: „Zieh dir eine Jacke an!!!“ – es gibt sie also noch, ein Rest von nicht konditionierten Versprengten und ja, die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

Die Einsamkeit in den frühen Morgenstunden suchte freilich ihresgleichen, doch seit meine liebe Verbündete – die Kälteregentin – ihre omnipotente Macht entfaltet hat, so trägt die Abgeschiedenheit absolute Züge. Niemand wagt sich mehr in die prachtvollen Haine der Lieblichkeit, was ich sehr, sehr begrüße. Seit der vergangenen Nacht sind die stillen Weiher seufzend erstarrt, halten inne und preisen den eingefrorenen Moment der Ruhe. Der frostige Hauch der Fragilität erfaßt indessen diverse Zuflüsse, um die Expansion ungerührt voranzutreiben, wenngleich der See vor diesen Ambitionen noch gefeit ist, denn n o c h ist die Frostregentschaft nicht par excellence etabliert, was gleichwohl nur eine Frage der Zeit ist. So hat es also begonnen, die Winterphase entfaltet sich, gleich einem Hochgenuß, der nur sukzessive konsumiert werden darf, um ihn wahrhaftig schätzen zu können. Allein die weiße Macht in Form von traumhaften Schneewelten fehlt nach wie vor, doch die Hoffnung lebt. Und so fließen sie, die Tränen der Kälte – in einzigartigen Augenblicken.

Herbstlicher Hauch

Posted in Allgemein, Photos on 7. November 2014 by Täglichläufer

Vernehmliches Schweigen. Melancholische Stille im Zeichen der Vergänglichkeit, geboren in der Einsamkeit auf der steten Suche nach der verlorenen Zeit. Rotgoldene, verlassene Haine der Abgeschiedenheit. Das eigentümliche Knistern des samtenen Blattgewerkes unter meinen Laufschuhen; den weiten Horizont mit einem Lächeln erobern. Sinnierend und gleichsam nicht Denken – sich mitreißen lassen in andere Welten, konträre Zeiten – in ein geheimnisvolles Kontinuum von Harmonie, Zufriedenheit und Genuß, berührt von dem sich intensiver entfaltenden Hauch der lieblichen Kälte in der harrenden Erwartung der wahren Winterregentin. Wie kann man diesen Weltgesang nur nicht mit einem täglichen Lauf preisen? Ich gestehe, ich bin zu schwach für Widerstände dieser Art. Herbstliche Impressionen. Der Rest ist Schweigen.

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