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12 Jahre – Täglichlaufen – 12 Jahre

Posted in Täglichlaufen. 12 Jahre. on 18. März 2013 by Täglichläufer

Wie bei Artikeln dieser kostbaren Gewichtung gewohnt – im Zeichen exponierter Jubiläen – ist selbiger primär an meine Person adressiert und wie zu erwarten, zeichne ich ein positives Gesamtbild meines Täglichlaufens – natürlich. Weiterhin ist es nicht meine Intention andere Menschen vom Täglichlaufen zu überzeugen oder gar auf diesen Weg zu führen – das kann und will ich nicht im Ansatz, wozu auch – jeder muß seinen eigenen Pfad beschreiten und ich würde Täglichlaufen nie empfehlen; tägliche Bewegung hingegen immer. – – –

Tage kommen, gehen. Verblassen im säuselnden Wind. Reiten im wogenden Sturm ungestüm für immerdar von dannen, ziehen wehmütig in die allumfassende Unendlichkeit der Melancholie ein. Wohlan, der Tag ist gekommen – der 18.03.2013 – das Jahresrad hat sich einmal mehr laut knirschend in seiner unbeständigen Manifestation gedreht und eine neue Phase des Täglichlaufens aus der noch nicht geborenen Zukunft für mich offenbart. Ja, hierbei handelt es sich in der Tat um meinen Tag, schließlich laufe ich mit dem heutigen Tag respektive Lauf seit nunmehr 12 Jahren ausnahmslos täglich. Welch ein langer Weg in diesem flüchtigen Weltgesang! Temporär verblaßt in der Erinnerung. Zufriedener Stolz entfaltet sich, partiell im Kontext des latenten Surrealismus, der sich im Hintergrund leise etabliert. Welch eine bedeutende wie unbedeutende Zahl für mich. Der letzte Tag ohne eine Laufeinheit in meinem Leben war der 17.03.2001 – heute ist allein die geistige Vorstellung eines Ruhetages schier unfaßlich wie absurd. Wo sind die wertvollen Jahre nur geblieben? An der trotzigen Initiation meiner Serie kann ich mich derart greifbar erinnern, als ob jener Moment jählings in dieser Sekunde in mein Leben getreten wäre. Und doch liegt er ganze Welten verborgen in der Vergangenheit. „Ab sofort laufe ich täglich, das geht eh nicht lange gut. Vielleicht eine Woche, maximal zwei!“ – so oder so ähnlich sprach ich einst in einer ungehaltenen Stimmung der unzufriedenen Sehnsucht hinsichtlich meiner aufkeimenden Laufliebe.

Nun, aus den anfänglich gedachten zwei Wochen wurden bis heute 12 Jahre und noch immer währt der Stil. Was für ein kolossaler Irrtum! Was für eine subjektiv exorbitante Fehleinschätzung! Das hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können. Oh Leben, auf welchen ungewöhnlichen Weg hast du mich geschickt, auf welche mysteriöse Reise? Oh Leben, was bist du doch für ein Leben – aber ja, du hast Recht. Ich habe es tatsächlich erreicht, dieses irreal anmutende Jubiläum von 12 Jahren Täglichlaufen in Serie. – Gelebtes Täglichlaufen – ZWÖLF JAHRE – 18.03.2001-18.03.2013. Mein Weg in die Zufriedenheit. – Erneut habe ich für mich die nächst höhere Ebene der Natürlichkeit erklommen – auf diesem Weg, der aus dem unendlichen Nichts kommt und in das endliche Nichts führen wird. Ein neuerliches Jahr habe ich im Zeichen des widersprüchlichen Täglichlaufens generiert wie konsolidiert und ja, ich freue mich unbändig darüber. Bei all der erkennbaren und gleichzeitig unbewußten Fragilität im Dasein ist es für mich umso bemerkenswerter, daß ich mich immer noch meinem Täglichlaufen hingeben darf, seit nunmehr 12 Jahren – in der Tat ein essentieller Bestandteil in meinem Leben. Geistig erspähe ich die imaginären Alter Ego, die alle gleichzeitig mit mir laufen und die täglichen Läufe der vergangenen Jahre symbolisieren – ein beachtliches, schwarzes Heer – deucht es mir.

18.03.2013

Lauf für Lauf, Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr gehe ich diesen ungewollten und ungeplanten Pfad der inneren Zufriedenheit nun, wenngleich sich die Reise entwickeln mußte, wachsen; die viel zitierte Zufriedenheit obsiegte nicht von Beginn an, nein, wie könnte sie auch? Mein „Gelebtes Täglichlaufen“ ist wie das Leben selbst ein gewachsenes Konstrukt, das von mannigfaltigen Einflüssen tangiert wurde und wird – in welchem kausalen Rahmen der unberechenbaren Bedingungen auch immer. Das nebulöse Dasein selbst goutierte diesen meinen Weg des Täglichlaufens bis dato genauso lächelnd wie es ihn durchaus nicht selten konterkarierte. Freilich dominierte und lebt bis heute der erst genannte Part, denn sonst gäbe es keine 12 Jahre Täglichlaufen – dies versteht sich von selbst.

Gleichwohl muß ich an dieser Stelle eingestehen, daß diese meine Reise im geliebten, gelebten Täglichlaufen zum Jahresauftakt 2013 nahezu zum endgültigen Erliegen gekommen wäre. Eine gesundheitliche Lektion in Demut brachte dieses filigrane, fragile Konstrukt, welches nur diffizil zu interpretieren ist – fast zu einem ungewollten Schlußpunkt. Nun, der heutige Jubiläumslauf impliziert indessen die gelebte Fortsetzung, demungeachtet wurde die stete Routine wieder einmal par excellence kalt lächelnd mit einem erbarmungslosen Schwerthieb durchtrennt. Die gewohnte Routine birgt stets ihre Gefahren in sich. Zwar wird die stabile Konstitution in der Majorität positiv berührt, doch in raren Augenblicken löst sich das hehre Gebilde des Einklangs und der Harmonie auf. Als ob dies der Fährlichkeiten nicht genug sei, setzte sich das Trauerspiel der Fastunfälle fort. In einer diesbezüglichen Situation entkam ich dem rücksichtslosen Schrecken nur mit einem zeitlichen Hauch. Mit manchen Dingen im Leben rechnet man einfach nicht und selbiges hängt oft an banalen Fäden. Explizit diese unangenehmen Begebenheiten definieren doch schlußendlich den Wert meines Stils, welches ich wiederholt betone. Wie könnte man auch die Aussicht des bezwungenen Gipfels genießen – ohne vorher das tiefe Tal zu durchschreiten? Wahrer Stolz muß sich erkämpft werden, wenngleich das ein wenig pathetisch anmutet.

Auch die negativen Aspekte sind essentiell wie elementar und zeichnen letztlich verantwortlich für die adäquate Wertschätzung. So sei es. Gesundheitliche Herausforderungen kommen. Und gehen. Doch eines Tages werden sie für das wirkliche Ende meiner Konzeption sorgen; allein, alle anderen Optionen werde ich nicht akzeptieren. Vor vielen Jahren gewann ich die Erkenntnis, daß ich nur der Gesundheit Rechnung tragen werde, wobei meine Philosophie per se mit der Gesundheit steht und fällt und dieses Denken generierte einst den Beginn. Gesundheit – nichts ist wichtiger. Ungeachtet all der unzulänglichen Momente der Schwäche und der daraus resultierenden Widrigkeiten konstatiere ich, daß ich diese Konzentration in ein gewisses Gleichgewicht, eine Art Einklang kanalisieren konnte – die vergangenen 12 Jahre geben mir dementsprechend recht. Ob mir das auch zukünftig gelingen wird, wird die Zeit zeigen.

Aus aktuellem Anlaß noch einige Worte zum Thema „Leistung“. Viele Gesprächspartner in der letzten Zeit sprachen von der unglaublichen Leistung, die hinter meinem Tun steht, die ich selbstverständlich nach wie vor negiere. Bei dieser Natürlichkeit handelt es sich mitnichten um eine Leistung. Für eine sogenannte Leistung kann und muß man bewußt trainieren, 12 Jahre Täglichlaufen kann ich weder trainieren noch planen. Das ist pure Natürlichkeit, geboren aus sich selbst heraus, aus dem Nichts – vereint mit leidenschaftlicher Naturliebe und immens viel Glück. Diese extern verzerrte Wahrnehmung resultiert aus der Tatsache, daß die oben zitierten Diskutanten selbst nicht Täglichlaufen praktizieren. Wer darf darüber urteilen, ohne selbst diesen Weg gegangen zu sein? Und selbst ich verstehe mein Täglichlaufen glücklicherweise in manchen Momenten nicht. Zudem wirkt derartiges Agieren in unserer heutigen bewegungsfeindlichen Welt grundsätzlich als befremdlich. Dessen bin ich mir bewußt; ich nehme das mit einem Lächeln hin und verzichte wissend auf müßige Diskussionen.

Für heute gilt das natürlich nicht, ein wenig Selbstreflexion sei mir gestattet, der ich mich bereits während meines nachdenklichen Laufes im stärksten Schneesturm in den verschneiten Winterhainen hingab. Wie lange ich diese Liebe zum Täglichlaufen noch leben darf, ist und bleibt in meinem zentralen Fokus der Aufmerksamkeit, gleichwohl weiß ich dies zweifellos nicht; ich bin geneigt anzunehmen, daß ich das noch ein paar Tage praktizieren darf und hoffe inständig, daß der zukünftige Pfad darüber hinaus führen wird. So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit wie beispielsweise viele Menschen, denen ich im Rahmen meiner täglichen Läufe begleitend verbunden war und die längst nicht mehr auf diesem Planeten weilen; manche Ereignisse ragen leuchtend in diesem grau wabernden Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere mehr und mehr verblassen. Irgendwann wird mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz.

Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen – als die elementare Quelle meiner Selbst, wenn auch nicht jeden einzelnen. Ich möchte nicht einen Tag aus den vergangenen 12 Jahren missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen – das gilt auch für jene, die mich – in welcher Form auch immer – gnadenlos zu Fall brachten. Hier reift der besondere Stolz, solche schmerzenden Episoden überwunden und die in meinem Leben einzigartige und nicht mehr reproduzierbare „Serie“ fortgesetzt zu haben. Und das ist es, worauf es meiner Betrachtung nach wirklich ankommt. Zu dem stehen, was passiert und nicht mehr zu ändern ist und das Schöne und Unangenehme annehmen und nicht negieren. Alles hat zwei Seiten im Leben, nie ist etwas nur positiv.

Genug der sinnierenden Worte. Einmal mehr gilt mein inständiger Dank meinen Eltern und Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, daß das Außergewöhnliche (ist es das denn?) nicht auf glatten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Das wäre auch zu langweilig. Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn konsequent bis zum Ende, wann, wie und wo immer das sein mag und sich gestalten wird – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen – ich selbst schließe mich hierbei nicht aus, was durchaus eine Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge rigoros meinem Täglichlaufen unter. Es ist mir zu teuer geworden, als daß ich anders handeln könnte, nein, anders handeln w i l l. Ihr werdet mein Täglichlaufen nie verstehen, tröstet Euch – ich auch nicht. Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen nerven werde – und mich selbst auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt evident auf der Hand, nein! Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder etwas mehr zu nerven. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe.

Das dreizehnte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit das Lied auch zukünftig mit Hingabe zu singen und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.

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