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14 Jahre. Täglichlaufen. 14 Jahre.

Posted in Täglichlaufen. 14 Jahre. on 18. März 2015 by Täglichläufer

Nun ist er also tatsächlich erschienen – der eine Tag in diesem Jahr – der für mich von essentieller Bedeutung ist und bisher von mir nur sehnsüchtig erhofft werden durfte. Behutsam, geheimnisvoll und doch unaufhaltsam näherte sich der 18.03.2015 aus der noch nicht geborenen Zukunft und trat heute vernehmlich wispernd in diesen temporär lebenden Weltgesang ein; in mein ureigenes Dasein, welches nicht mehr ist wie ich selbst auch, nur Staub im Wind. In der Tat, mit dem heutigen Lauf in den frühen Morgenstunden habe ich mein scheinbar obligates Jahresjubiläum vollzogen – an dieser Stelle darf ich zufrieden zurückblicken auf 14 Jahre Täglichlaufen in Serie. Ausnahmslos. Seit heute stehe ich auf der 14. Jahresebene in der Zunft der Täglichläufer, ein würdiger Moment in diesem meinem Leben, welchen ich feierlich zelebrieren werde. Das Leben hat Recht. Ich bin extrem stolz auf mich und kann es nur schwer realisieren, ja, wenn nicht meine Erinnerungen an die vergangenen Jahre mit ihren ausgewählten Augenblicken derart lebendig, greifbar wären – in Kombination mit meinen wertvollen Laufaufzeichnungen, die jeden Tag dokumentieren; wäre das absolut unvorstellbar für mich.

18.03.2015

Diese 14 Jahre Täglichlaufen – geboren in einem Kontinuum der totalen Konsequenz respektive hingebungsvoller Laufliebe – sind wahrlich bedeutungslos und doch eminent von nicht definierbarer Gewichtung. Schlußendlich bilden sie nur das automatische wie zutiefst natürliche Nebenprodukt meiner Laufliebe; das muß ich banal konstatieren und dennoch! Und dennoch ist mein Wirken scheinbar unglaublich, allein in dem Kontext der Fragilität des Daseins, des Lebens und der Gesundheit. Explizit der Gesundheit. Ja, ich bin ein Nichts in dem Hauch der Äonen, was wir als Leben registrieren, nur ein Wassertropfen in einem wogenden Meer in dieser seltsamen Welt, die ich für ein paar Jahre betreten und an ihr partizipieren darf. Allein das filigrane Konstrukt der Gesundheit für sich betrachtet, verleiht meinem Täglichlaufen einen Wert, der mit nichts aufzuwiegen ist. Jeder, der Täglichlaufen praktiziert hat – für welche Dauer auch immer – weiß, wie herausfordernd es ist, dieses Agieren aufrecht zu halten, geschweige denn es zu leben. Mit keinem Geld der Welt könnte man dies erkaufen, aber die wahrhaft wichtigen Dinge zeichnet das per se aus. Und was wäre 14 Jahre Täglichlaufen auch wert, gerechnet im schnöden, törichten Mammon? Nichts und Alles!

Jeder einzelne Tag bietet zahlreiche Fährlichkeiten, die jederzeit das Finale einläuten; jede Erkältung den Abschluß einleiten und das endgültige Ende generieren können. Wer sich nun gar bemüht hat, zwei Jahre Täglichlaufen zu absolvieren – vorausgesetzt ein bewußtes Bemühen ist eine Option (was ich negiere) – der weiß um etwaige Härten. Und dann gar fünf oder zehn Jahre und ich feiere heute nun 14 Jahre Täglichlaufen! Was für ein Tag! Was für ein Wert! Als ich einst die surreale Dekade für mich in dieser Konzeption eroberte, konnte ich dieses Ereignis nicht sofort verstehen – der Weg der Erkenntnis bedurfte einiger Zeit und ja, heute ist dies nicht anders. Ich muß gestehen, so wirklich kann ich mein Jubiläum von 14 Jahren Täglichlaufen in Serie noch nicht nachvollziehen. Es wirkt durchaus irreal auf mich. Das Leben ist zu zerbrechlich, um den heutigen Lauf wie Tag einfach so zu akzeptieren. In der nahen Zukunft wird das Verstehen vielleicht in der Natur einsetzen, aber nur während des Laufens.

Mit meinem Täglichlaufen balanciere ich eine höchst filigrane Kugel aus Glas in meinen Händen, die irgendwann zerbrechen wird, zerbrechen muß. Doch bisher ist mir das Kunststück gelungen, sie nicht endgültig hernieder fallen zu lassen; wenngleich es manchmal vielleicht so aussah. Dieses nebulöse Kugelgebilde ist zu einem nicht unerheblichen Teil meiner selbst geworden und wenn sie mir auch in gewissen Momenten zuwider ist – derlei kommt glücklicherweise nur selten vor – so ist sie doch eklatant mit mir verwachsen, welches freilich viele Vorteile, aber auch diverse Nachteile bietet. Auf die negativen Aspekte gehe ich selbstverständlich nicht ein; derlei habe ich wiederholt thematisiert, doch heute will ich – aller Härten zum Trotz – nur ein in der Majorität positives Gesamtbild meines Täglichlaufens zeichnen. Wie könnte man bei diesem exponierten Datum auch konträres erwarten?

Außer meiner eigenen Person kann und wird mich kein Mensch verstehen; nicht mal jene, die selbst 14 Jahre oder mehr Täglichlaufen praktiziert haben – denn ihr Täglichlaufen ist nicht mein Täglichlaufen. Jeder sieht nur das, was er kennt. Und nicht mal ich selbst verstehe mich selbst oder mein Täglichlaufen in raren Augenblicken in der allumfassenden Gesamtheit. Und vielleicht will ich das auch gar nicht. Ich kann es nicht immer nachvollziehen, aber ich kann es leben und das tue ich von Herzen. Wenn ich einst das Wissen von heute gehabt hätte, so wäre ich viel früher zum Täglichläufer geworden, denn mit jener Ausprägung und Intensität, welche ich konzipiert, generiert und etabliert habe – freilich alles unbewußt, mehr oder weniger – so hätte ich viel früher damit begonnen, denn Täglichlaufen ist wahrlich ein Gesundbrunnen. Die Gesundheit und das Täglichlaufen bedingen sich gegenseitig in höchst positiver Weise. Natürlich, mit dem heutigen Wissen wäre mir das wahrscheinlich nicht gelungen; viele Pfade im Leben kann man nur beschreiten, wenn man nicht weiß, wohin sie führen und welche Wendungen sie nehmen werden. Zudem hätte mich das Wissen wohl auch mental erschlagen, die Erkenntnis von 14 Jahren Täglichlaufen in Serie mit all seinen Begebenheiten. Wie dem auch sei, diese Wahl steht mir grundsätzlich nicht zu.

Als sich unlängst – im Zeichen meines Täglichlaufens – abzeichnete, daß es mir im Rahmen der heiklen Routine möglich ist, jenes berauschende Jubiläum tatsächlich zu begehen, entwarf ich diesen honorierenden Beitrag hier; wenngleich der aktuelle Absatz nicht darin erscheinen sollte – ja, ein Absatz in der folgenden Form erschien mir gar undenkbar. Lange Rede, kurzer Sinn – mich suchte eine Erkältung heim, die sich kausal auf mein Täglichlaufen auswirkte und immer noch auswirkt. Und das vor meinem wichtigsten Jubiläum überhaupt! Meine letzte Erkältung ist lange her und derlei bin ich mitnichten gewohnt, zudem ist das meinem Stil nicht sonderlich förderlich. Ergo legte ich mir imaginäre Ketten an, um meine täglichen Kilometer merklich zu reduzieren. Hierbei enttarnt sich die Herausforderung, daß es scheinbar gar nicht nötig ist – derlei zu praktizieren – aber im Sinne der Prävention doch unerläßlich ist und somit obsiegt die Zurückhaltung. In der Konsequenz habe ich heute einen meiner kürzesten Jubiläumsläufe in meiner gesamten Laufzeit zelebriert, aber das ist das unwägbare Leben.

Es war das eine wahre Herausforderung, die vorzeitige Rückkehr einzuleiten – an diesem Tag!!! – und der sonnigstürmischen Frühlingswelt zu entsagen. Die wunderbaren Vogelfreunde konzertierten allenthalben und erfreuten sich an der prosperierenden Welt und ich nicht minder, ungeachtet meines Rückzuges. Erst die Widrigkeiten erhöhen die individuelle Wertschätzung der schönen Seiten der gelebten Intention – das war noch stets meine Maxime. Um so tiefgehender darf auch mein daraus resultierender Stolz sein, jene 14 Jahre erreicht zu haben. Ich hoffe, demnächst wieder meine Standardwerte zu erreichen; weiterhin, daß der unangenehme Zustand meine Konzeption nicht kontraproduktiv tangiert oder gar das oben besprochene Finale etabliert.

Die Tage vergehen für immerdar, die Zeit, die Läufe und das Leben folgen wortlos flüchtend hinterdrein. Ich laufe in die verborgene Zukunft und selbige tritt in die finstere Geschichte der Flüchtigkeit ein, aber was bleibt? Die verhaltene Erinnerung an die Vergangenheit, an erlebte Situationen und manche Ereignisse ragen leuchtend empor in diesem grau wabernden Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, werden nie verlöschen, während andere hernieder sinken und mehr und mehr verblassen. Die Natur mit ihren zahlreichen Bewohnern nimmt hierbei ihren ureigenen Stellenwert ein. Ohne die kongeniale Verbindung zu der von mir präferierten natürlichen Welt gäbe es mein Täglichlaufen nicht. Doch irgendwann wird auch mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen und gnadenlos triumphieren. Wie noch stets. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso in dem nebulösen Nichts verblassen. Für immer und immer. Temporäre Existenz ohne Bedeutung, ohne tieferen Sinn.

Heute ist d e r Tag in diesem Jahr – m e i n Tag und heute wird dementsprechend gefeiert. Das Verstehen wird sich vielleicht später offenbaren. Oder auch nicht. Mein inständiger Dank gilt meinen lieben Eltern und meiner lieben Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, das selbst das Natürliche nicht auf glatten, gebahnten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn konsequent bis zum Ende, wann, wie und wo immer das sein mag und sich gestalten wird – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen – ich selbst schließe mich hierbei nicht aus, was durchaus eine elementare Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge rigoros meinem Täglichlaufen unter, muß sie unterordnen. Es ist mir zu teuer geworden, als daß ich anders handeln könnte, nein, anders handeln will. Jener Pfad des Täglichlaufens ist in meinem Leben einzigartig, nicht reproduzierbar – es gibt keinen Weg zurück und, es wird keine zweite Chance für mich geben.

Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen hoffentlich, hoffentlich! nerven werde – und mich selbst freilich auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt noch immer evident auf der Hand, nein. Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder noch viel mehr zu nerven. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe. Für das neue Jahr nehme ich mir bewußt vor, meine bis hierhin an den Tag gelegte Pseudokonzentration auf die Kilometerzahlen zu reduzieren respektive einzustellen. Ich bin geneigt anzunehmen, daß ich meine absolvierten Jahreskilometer nur noch einmal im Jahr addieren werde und das wird der 31.12. sein. Die Rückbesinnung auf das Wesentliche – das war längst erforderlich, freilich nach meiner subjektiven Betrachtung.

Das fünfzehnte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit, das Lied, diese unwägbare Ballade vom Täglichlaufen auch zukünftig mit Hingabe zu singen und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.

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