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11 Jahre. Gelebtes Täglichlaufen. 11 Jahre.

Posted in Täglichlaufen. 11 Jahre. on 18. März 2012 by Täglichläufer

Vor einem Jahr konstatierte ich: Das elfte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen. Tempus fugit. Der rasante Fluß des Lebens floß ungerührt in das weite Land der allumfassenden Unendlichkeit der omnipotenten Vergänglichkeit. Nun ist es vollbracht. Oh Leben, was bist du für ein Leben! Ich habe es tatsächlich erreicht, dieses surreal seltsame Jubiläum von 11 Jahren Täglichlaufen in Serie. – Gelebtes Täglichlaufen – ELF JAHRE – 18.03.2001-18.03.2012. Mein Weg in die Zufriedenheit. – Unfaßlich. Erneut habe ich für mich eine weitere Ebene der Natürlichkeit erobert – auf diesem Weg, der aus dem Nichts kommt und in das endliche Nichts führen wird. Ein neuerliches Jahr habe ich im Zeichen des widersprüchlichen Täglichlaufens generiert wie manifestiert und ja, ich freue mich unbändig darüber. Basierend auf diesem zerbrechlichen Konstrukt können immerhin bereits mehrere Monate eine diffizile Herausforderung darstellen und ich Antisportler habe gar die Dekade nachdrücklich zurückgelassen. Doch was könnte ich heute darüber schreiben?

Nach jenem Artikel, der im Zeichen der unvergleichlichen Dekade Täglichlaufen stand? Dieser elementaren Zäsur in meinem Leben? Was könnte ich noch formulieren? Was gäbe es zu sagen? Viel. Und auch nichts. Sind etwaige Worte nicht überflüssig, obsolet? Natürlich. Und doch wieder nicht. Freilich, die einzigartige Dekade wird immer ihren ureigenen und exponierten Charakter besitzen wie bewahren – nichts kann sie in den Schatten stellen; jene Jubiläen, die das möglicherweise könnten, liegen fern meiner Vorstellungskraft. Zudem wage ich das zu bezweifeln, ob sie das wahrhaftig könnten. Derlei war einmalig in meiner temporären Existenz auf diesem Planeten, das kann ich nicht reproduzieren, ja, dies will ich vielleicht auch nicht. Die Kernfrage an dieser Stelle lautet selbstverständlich, ob ich das überhaupt will? Wenn sich die Antwort durch die heiklen Unwägbarkeiten des Lebens auch erübrigt, könnte ich das per se nicht abschließend bewerten und bleibe somit der würdigen Betrachtung schuldig, was in der Natur der Sache liegt.

Demungeachtet habe ich nun die nächst höhere Stufe erklommen, gelassen habe ich Tag für Tag mein Lied, meine einsame Ballade mit lieblicher Hingabe gesungen; den Weg gehen – ihn beschreiten und das nicht selten mit einem Lächeln der tiefen Zufriedenheit. Ohne einer bewußten Konzentration auf diese Thematik, von törichten Zielen ganz zu schweigen. Partielle Widrigkeiten und unangenehme Herausforderungen konnte ich auch in dem vergangenen Jahr meistern wie ignorieren oder in einer sonstigen Art und Weise annehmen und in der folgerichtigen Konsequenz „besiegen“ – wie mich selbst auch, so daß ein weiteres Jahr im Stil des gelebten Täglichlaufens vollzogen wurde. Für diese Härten bin ich dankbar, denn erst sie etablieren die wahre Wertschätzung in meiner Intention. Das Leben hat Recht. Selbstverständlich habe ich das nicht erwartet, wenngleich latent erhofft. Wer denkt schon Monate voraus in die Zukunft? Sie ist noch nicht geboren und entsprechend ist jedwedes Sinnieren bar jeder Bedeutung, was mich durchaus nicht daran hindert, selbiges in schwachen Momenten dennoch zu tun.

Ich verweise auf die vollzogene Zäsur vor einem Jahr: „Wer will, darf sich Täglichlaufen wie das Erklimmen einer Pyramide vorstellen. Eine unendlich mächtige Pyramide, deren Ende man nie erreichen wird, schlichtweg weil keines existiert. Man steigt empor; an diversen Stellen nimmt der Wind reißerisch zu, ja, kräftige Sturmböen scheinen dafür zu sorgen, daß man wieder hinab fällt, sofern man sich nicht kräftig genug – mental – festhält. Wenn man jedoch die Macht über den Moment gewinnt und lernt, die Widrigkeiten zu beherrschen – so ist der Ausblick in die weite Ferne umso grandioser, gigantischer Art. Man klettert weiter und höher. Und je weiter man kommt, der Gipfel wird nie näher kommen. Was für die Zufriedenheit und den Stolz nicht gilt, sie wachsen beständig. Ebenso das intensive Empfinden. Der innere Frieden. Gleichwohl wird eines Tages der Punkt kommen, an dem die Stufen verschwinden werden – alle zugleich – und nur die glatte Schräge existiert kalt lächelnd. Für eine Sekunde verdichtet sich die Zeit, hält an und dann geht es hernieder. Aber jenen Punkt habe ich nicht erreicht“.

Nun, bis dato existiert die Treppe des Willens immer noch, die unabwendbare Schräge der Endlichkeit hingegen – bleibt ein Gedankenspiel. So sei es. Vor allem im Kontext der fragilen Gesundheit fasziniert mich die Permanenz, mit der ich mein Täglichlaufen in Demut bisher praktizieren durfte. Alles, was man übertreibt, wandelt sich in Traurigkeit und wie das vergangene Jahrzehnt und darüber hinaus bewiesen hat, gelang es mir bisher, die Konzeption mehrheitlich in Harmonie für Körper und Geist zu vereinigen; freilich wirkt sich Täglichlaufen grundsätzlich positiv auf jene Aspekte aus, ungeachtet einiger Lektionen oder Eskapaden, die indessen dazu gehören, ja, dazu gehören müssen. Allein, all das, was mir in meinem Täglichlaufen gelungen ist und ich spreche bewußt nicht von einer „Leistung“, denn das ist es nicht – ist schlußendlich ein Geschenk – ein Geschenk von mir an mich selbst. Was für ein pathetischer Hauch umweht in dieser Sekunde meine Seite; nichtsdestotrotz ist das die banale Wahrheit. Sodann verbanne ich die Termini Disziplin wie Selbstdisziplin, denn das sind Definitionen für etwas, was unnötig ist. In meinem Denken ist dafür kein Platz mehr, derlei war vor einigen Jahren von gewichtiger Bedeutung. Elf Jahre Täglichlaufen hat mit Disziplin nichts mehr gemein. Ebenso der humorige Begriff „Motivation“. Wer muß sich schon für die Liebe, Zufriedenheit, Einklang und Genuß motivieren? Vollkommen absurd. Doch das kann nur der verstehen, der einen identischen Weg absolviert hat, was wiederum nicht möglich ist.

Ich bin nicht mehr der, der ich vor einem Jahr war oder gar vor zehn Jahren. Das Täglichlaufen hat mich entführt, verändert und seitdem nicht mehr freigelassen und doch, und doch hat es mich in eine Freiheit entlassen, die ihresgleichen sucht und die ich wiederholt in meinen Laufberichten beschrieben habe. Hätte ich jenen Pfad nur früher beschreiten dürfen, nur früher! So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit; manche Ereignisse ragen leuchtend in diesem grauen Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere mehr und mehr verblassen. Irgendwann wird mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz.

Jener Zeitpunkt bricht möglicherweise morgen aus der unbarmherzigen Lebenswelt im wabernden Nebel hervor oder aber erst in zwei Jahren. Von einem bewußten Schlußpunkt kann bisher keine Rede sein, denn ich will mich meinem Täglichlaufen zukünftig mit gleicher Liebe und Leidenschaft hingeben, wie ich das in all den Jahren praktiziert habe. Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen, wenn auch nicht jeden einzelnen. Genuß allenthalben konterkariert mein Agieren zweifellos ebenso eindrücklich wie das schmerzliche Gegenteil. Gleichwohl möchte ich nicht einen Tag aus den vergangenen elf Jahren missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen. Und das ist es, worauf es meiner Betrachtung nach wirklich ankommt. Zu dem stehen, was passiert und nicht mehr zu ändern ist und das Schöne und Unangenehme annehmen und nicht negieren. Und das tue ich, rigoros. Ich will diese Gnade nicht in Worte kleiden. Die Reise setzt sich fort; über stolze Höhen mit ihren ureigenen Wipfeln und durch herausfordernde Tiefen mit all ihren Widrigkeiten.

Nun habe ich oben Besserung gelobt, um meine Schreibfreudigkeit in Ketten zu legen, doch genau das Gegenteil hat sich entwickelt; wieder mal ein Widerspruch – wie mein Täglichlaufen selbst. Täglichlaufen ist die natürlichste Geschichte der Welt und ich weiß, jedwede Worte sind völlig überflüssig. Mein Körper und Geist bekommen das, wofür sie konstruiert sind, tägliche Bewegung. Wo ist die Besonderheit? Es gibt keine. Pure Natürlichkeit. Wenngleich ich dies nicht immer in dieser Weise für mich reflektierte. Dennoch bin ich stolz auf mich, was dieser einstmals schwache Körper vollbracht hat. Ja, ich bin extrem stolz auf mich. Wer kann schon von sich behaupten, er oder sie ist E L F JAHRE lang TÄGLICH GELAUFEN? Ich bin es. Ich habe es in der Majorität genossen und werde es weiterhin genießen. Ich engagiere mich von Herzen mit jedweder Hingabe, meine Intention auch zukünftig zu leben. Natürlich, wie könnte es anders sein? Ich laufe weiter. Solange es mir möglich ist. Täglich. Wie könnte ich auch nicht?

Einmal mehr gilt mein inständiger Dank meinen Eltern und Brigitte, ich verneige mich. Es sei Euch versichert, daß ich Euren Zuspruch stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, daß das Außergewöhnliche nicht auf glatten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn bis zum Ende, wann und wo immer das sein mag – partiell ohne Rücksicht auf andere Menschen, was durchaus eine Bedingung desselben ist. Entsprechend ordne ich manchmal andere Dinge meinem Täglichlaufen unter. Ihr werdet mein Täglichlaufen nie verstehen, tröstet Euch – ich auch nicht. Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen nerven werde – und mich selbst auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt evident auf der Hand, nein! Ergo werde ich mich bemühen, Euch auch in Zukunft ein wenig oder etwas mehr zu nerven. Gelebtes Täglichlaufen. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe. Das zwölfte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt.

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