Der EINE Tag

Gelebtes Täglichlaufen – ZEHN JAHRE – Eine Dekade

Gelebtes Täglichlaufen. Dieser Artikel ist für mich; er ist an meine Person adressiert. Wer eine Lobeshymne auf das Täglichlaufen erwartet – es mag sich partiell so lesen – den muß ich enttäuschen. Ich betrachte diese meine Liebe nicht dogmatisch, ich will niemanden vom Täglichlaufen überzeugen – das kann und will ich nicht. Wozu auch? Dieser Artikel bildet eine Art Rückblick im Hinblick auf meinen Weg als ernsthafter Täglichläufer und soll mir meinen zurückgelegten Weg begreiflich machen.

Der gestrige Tag war ein unvergleichlicher Abschnitt in meinem Leben. Eine fundamentale Zäsur, wie ich sie nie wieder erleben und fühlen werde. Wer will, darf sich Täglichlaufen wie das Erklimmen einer Pyramide vorstellen. Eine unendlich mächtige Pyramide, deren Ende man nie erreichen wird, schlichtweg weil keines existiert. Man steigt empor; an diversen Stellen nimmt der Wind reißerisch zu, ja, kräftige Sturmböen scheinen dafür zu sorgen, daß man wieder hinab fällt, sofern man sich nicht kräftig genug – mental – festhält. Wenn man jedoch die Macht über den Moment gewinnt und lernt, die Widrigkeiten zu beherrschen – so ist der Ausblick in die weite Ferne umso grandioser, gigantischer Art. Man klettert weiter und höher. Und je weiter man kommt, der Gipfel wird nie näher kommen. Was für die Zufriedenheit und den Stolz nicht gilt, sie wachsen beständig. Ebenso das intensive Empfinden. Der innere Frieden. Gleichwohl wird eines Tages der Punkt kommen, an dem die Stufen verschwinden werden – alle zugleich – und nur die glatte Schräge existiert kalt lächelnd. Für eine Sekunde verdichtet sich die Zeit, hält an und dann geht es hernieder. Aber jenen Punkt habe ich nicht erreicht. Am Horizont erspähte ich das unscheinbare Leuchten, ein stiller Kerzenschimmer im Dunkeln, der mir den Weg in die Zukunft und Richtung des zehnten Täglichlaufjahres gewiesen hat. Das Licht ist nicht verloschen. Nein, die Flamme des Gleichgewichtes brennt heller denn je. Wenn ein Traum Wirklichkeit wird. Nun, es ist kein Traum, nein, das war es nie. Allein, wie könnte ich von etwas träumen, was ich weder bewußt wollte noch je gesucht habe?

Um es gleich vorweg zu nehmen, mir ist es wahrhaftig gelungen. Ja, ich habe den Jubiläumslauf vollzogen und mit 1082 Jahreskilometern mein – noch nicht lang deklariertes – Ziel erreicht und -ZEHN JAHRE TÄGLICHLAUFEN IN SERIE- praktiziert. Ohne Pause. Ohne Ruhetage. Jeden einzelnen Tag der vergangenen zehn Jahre, dieser Dekade im Zeitenrad des Lebens habe ich mit einem Lauf gewürdigt. Ja, ich habe diese für mich unvorstellbare „Leistung“ realisieren können. Wohlan, der einstige Antisportler hat sich selbst bezwungen. Welch ein Triumph über meine eigene Unzulänglickeit! Explizit mit der gleichen Strecke und Zeit, wie ich den Auftakt vor einem Jahrzehnt begonnen habe – nur in entgegengesetzter Richtung. Dieses – äquivalent der Gesundheit – fragile Konstrukt, was absolut nicht greifbar ist, erscheint selbst für mich unvorstellbar, wie muß es dann dem externen Beobachter ergehen? Mir ist bewußt, daß ich diese Leistung in meinem Leben nie wieder erreichen werden, sie ist einzigartig für mich und das wird sie für immer und immer bleiben. Was fühle ich jetzt, ob „Zehn Jahre Täglichlaufen“? Gewaltige, bewegende Emotionen beherrschen den Augenblick und meine wahren Empfindungen lassen sich in keiner Weise auch nur im Ansatz beschreiben. Nicht denken, fühlen. Innehalten.

Ich gestehe, ich will es auch nicht; zudem ist es mir zu müßig, dies zu tun. Wer wissen will, was es bedeutet, eine Dekade Täglichlaufen gelebt zu haben und meine Empfindungen erfahren will, dem rate ich dazu, sich selbst zehn Jahre dem Täglichlaufen mit aller Liebe und zärtlicher Leidenschaft hinzugeben. Mit purer Hingabe, Unvernunft und wenn es obligat ist, mit jedweder Härte und Rücksichtslosigkeit zu seinem eigenen Körper. Mit gebührender Konsequenz. Dann, erst dann wird man mich verstehen. Oder auch nicht. In zehn Jahren können wir sodann über diese Thematik diskutieren. Ungeachtet dessen werden die Erfahrungen nicht identisch sein – das liegt in der Natur der Sache und versteht sich von selbst. Dementsprechend war meine Empfehlung nicht ernst gemeint; viele Wege und Welten wandeln im unergründlichen Leben und jede einzelne hat ihre Berechtigung.

Seit 1999 darf ich mich als Täglichläufer titulieren, damals lernte ich diese exponierte Art des Laufens schätzen, freilich ohne mich groß damit auseinanderzusetzen, ja, es hat sich aus dem Nichts heraus entwickelt und die Liebe zum Täglichlaufen keimte sehr verhalten in mir auf. Verletzungen und körperliche Wehwehchen konterkarierten mein Agieren wieder und wieder, setzten mich außer Gefecht und ich unwissender Narr schonte mich entsprechend. Als ich irgendwann einigermaßen ohne extreme Schmerzen laufen konnte, kehrte ich gemächlich in die Laufwelt zurück. Die Sehnsucht zum Laufen war bereits unerträglich geworden, mein Geist wie Körper haben die erholsamen Laufmomente der besinnlichen Ruhe vermißt. Mein letzter Ruhetag sollte der 17.03.2001 sein. Mit etwas mehr Engagement hätte meine „Serie“ auch früher beginnen können. An dieser Stelle betone ich wiederholt, daß ich nicht auf Grund einer „Serie“ laufe, das wäre blanker Unsinn. Derlei kann man 50 Tage ausüben, nicht aber Jahre und derer zehn gleich gar nicht.

Und dann kam der Tag, der 18.03.2001. Ab sofort laufe ich täglich! Nun, das tat ich vorher auch. Der Unterschied manifestierte sich in der Tatsache, daß ich das mit voller Absicht tat und ab sofort rigoros ohne Unterbrechungen. Natürlich ohne mich auf eine etwaige Serie zu fokussieren und der Tragweite dessen in all ihren Facetten vollauf bewußt zu sein. Ich wollte es meinem schwachen Körper richtig zeigen. Ihm meinen Willen aufzwingen. Den Geist in den Vordergrund stellen. Ab heute laufe ich täglich! So lange wie irgend möglich. Der Spaß geht sowieso nicht auf die Dauer gut; die nächsten Probleme kommen bald, dachte ich. Schmerzen hier, Knieprobleme dort. Welch eine verrückte Idee täglich zu laufen. Das ist doch ungesund! Ruhetage sind essentiell! Mir waren diese Mythen allesamt bekannt und ich wäre unehrlich, wenn ich sagen würde, ich hätte damals nicht daran geglaubt. Natürlich tat ich das. Ich wußte es ja nicht besser. Das Leben ist seltsam, das sollte die Zeit später zeigen. Meine persönliche Wandlung entwickelte sich in eine Richtung, mit der ich nie gerechnet hätte. Wie ich erfahren mußte, sollten sich meine damaligen Einschätzungen als Irrtum erweisen. Wie so vieles mehr.

Ich hätte nie damit gerechnet, daß ich das mehr als zehn Tage durchhalten würde und dann Jahre? Gar zehn Jahre? Absurd. Vollkommen absurd. Geboren aus Trotz und Sturheit als Revanche an meinen unzulänglichen Körper, aber in Wahrheit habe ich wahrscheinlich schon damals – 2001 und viel früher – die Erkenntnis gewonnen, was es bedeutet täglich zu laufen. Was es für ein Genuß ist, das Geschenk Täglichlaufen praktizieren zu dürfen. Als eine Quelle der Glückseligkeit für Körper und Geist; als Ursprung meiner selbst. Unbewußt habe ich die Erkenntnis erlangt, daß mein schwacher Körper der täglichen Bewegung bedarf, um stärker zu werden und in der Majorität Gesundheit, Zufriedenheit, Kraft und Wohlbefinden zu generieren, permanent zu pflegen und entsprechend wertzuschätzen. Täglichlaufen ist wie Atmen, pure Natürlichkeit – ein Eintreten in eine divergierende Welt fern des albernen Alltages. Ich habe es lieben gelernt. Doch setzt dieses Wissen eine langjährige Entwicklung als Selbstverständlichkeit voraus. Wie oft habe ich hier mein Denken im Hinblick auf mein Täglichlaufen ausführlich erläutert und dennoch bin ich der Beschreibung meiner wahren Gefühle immer schuldig geblieben. Auch in Zukunft wird die Schuld bestehen bleiben. Ich werde sie nicht einlösen.

Rückblickend betrachtet, ist mein wichtigster Kernpfeiler in meiner Konzeption des gelebten Täglichlaufens die Tatsache, daß ich das nie bewußt wollte. Ich habe diesen Weg nicht gesucht, aber doch gefunden. Von Plänen ganz zu schweigen. Derlei zu planen, bildet keine Option, da dies per se nicht praktikabel ist. Das „Nichtwollen“ generiert eine gewisse elementare Entspannung, die sich nicht leugnen läßt. Auf Grund der Schmerzen begann der Einstieg in die Welt des Täglichlaufens zudem in einem sehr geminderten Maße. Ich lief nicht täglich 14, 15 oder 16 Kilometer so wie heute, nein, vier oder fünf Kilometer waren an der Tagesordnung. Auch danach steigerte sich das erst moderat mit den Jahren. Langsam aber sicher gewöhnte sich mein Körper an diese tägliche und bis dato unbekannte neue Konsequenz – selbstverständlich alternieren diese Werte bis heute sehr differenziert. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Erstaunlich, wie sich die diversen Wehwehchen, die ich als unregelmäßiger Läufer pflegte und mich viel zu oft heimsuchten – reduzierten. Das hätte ich nicht für möglich gehalten und doch war es so. Natürlich trug meine an den Tag gelegte Wettkampffeindlichkeit das ihre dazu bei. Wirklicher Ehrgeiz war mir schon damals fremd, abgesehen davon, daß ich das erste Jahr in diesem Stil vollenden wollte. Als mir das auch gelang, zählte ich die absolvierten Monate und lief immer weiter in die Zukunft. Weiter und weiter. Tag für Tag. Wohin führt mich dieser Nebelpfad? Die Frage habe ich mir nie gestellt. Das Leben wird es offenbaren. Ich dachte stets nur an den heutigen Lauf.

Schließlich habe ich weder eine Philosophie daraus gemacht oder interpretiert noch habe ich das als etwas Besonderes betrachtet. Im Gegenteil, ich fand das zu Beginn ziemlich verrückt. Ich konnte nicht im Ansatz ahnen, wohin die Reise gehen würde. In welche Richtung. Auf welche mysteriösen Pfade. Auf hohe Gipfel und in tiefe Täler bin ich gelangt. Ich bin zusammengebrochen und konnte temporär nichts mehr sehen und hören; erlebte unglaubliche Glücksmomente und Jahre später fiel ich in Ohnmacht und mußte die von mir nicht eingeladenen Rettungssanitäter akzeptieren. Erst am 08.03.2011 stürzte ich sehr schwer im Wald. Doch unabhängig der gesundheitlichen Eskapaden bin ich gelaufen. Ungeachtet all dieser Widrigkeiten und Herausforderungen. Jeden einzelnen Tag. Für nichts. Die „Philosophie“ kam später. Das klingt jetzt hochtrabender und pathetischer als es ist. Täglichlaufen ist die natürlichste Geschichte der Welt – wie das oben angesprochene Atmen. In Wahrheit existiert keine Philosophie; Täglichlaufen und Naturliebe. Ganz banal.

Ob der gesundheitlichen Hindernisse könnte ich jammern und damit hadern, aber letzten Endes waren sie es, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Wie könnte ich das Täglichlaufen wertschätzen, wenn es stets routiniert ablaufen würde? Und würde es etwas ändern? Gerade die Herausforderungen sind es, die den Wert definieren. Sie zu überwinden, macht zufrieden und stolz. Glücklicherweise bestanden die vergangenen Jahre nur zu einem Bruchteil aus gefährlichen Widrigkeiten. Das Gros lief entspannt ab, oft mit witzigen Erlebnissen und schönen Begebenheiten. Wie alles im Leben besteht auch Täglichlaufen aus zwei Seiten, die den Spiegel der Ausgewogenheit bilden. Allen Ausschlägen zum Trotz, in welche Richtungen auch immer, blieb er schlußendlich doch im gelobten Gleichgewicht. Zusätzlich war mir das Glück in einem gewissen Maße fortwährend hold, so daß ich alle Bedrohungen bisher bestehen konnte.

Der Auftakt entstand damals aus Trotz, Sehnsucht und Sturheit. Später verstand ich mein Handeln als Disziplin wie Selbstdisziplin, um sich anschließend in ein Ritual zu verwandeln. Die vergangenen Jahre haben mich mehr und mehr verändert, einen anderen Menschen aus mir gemacht. Im Denken, im Agieren – körperlich wie geistig. Irgendwann habe ich das verinnerlicht und diese Konsequenz mündete in einer Art Lebenseinstellung. Nur zu einer „Art“ wohlgemerkt. Den finalen Schritt gehen und es zu einer Lebenseinstellung zu definieren, habe ich nie gewagt und werde ich nie wagen. Denn dann würde es in Richtung einer törichten „Religion“ tendieren und die Leidenschaft würde sich verabschieden und der Fanatismus ließe grüßen. Druck und Zwang würden entstehen und genau das würde das Finale einläuten. Zehn Jahre aus Zwang täglich laufen, ist freilich hanebüchen. Für mich wäre dies ein Irrweg, welcher auch gar nicht möglich ist. Ich liebe mein Täglichlaufen, aber es ist lange nicht alles im Leben.

Heute ist all dies überflüssig. Es bedarf keiner Gedanken mehr, des Nachdenkens oder exponiertes Beschäftigen mit dieser Thematik – Täglichlaufen ist ein Teil meiner Selbst geworden. Wahrscheinlich ist das neben der oft dominierenden Routine der eklatanteste Nachteil des Stils. Umso intensiver diese Symbiose voranschreitet, ja, wie sie bereits vorangeschritten ist, der Status, den ich damit vollzogen habe, ist keineswegs nur positiv. Diese Kritik muß ich mir gefallen lassen. Schließlich währt nichts ewig im Leben. Alles vergeht. Die Blumen verblühen und auch der stärkste Baum fällt dereinst in den Tod – und so wird es mir auch mit meiner Konzeption ergehen. Sie wird nicht ewig andauern; alles was beginnt, muß auch enden. Einmal mehr gestehe ich mir ein, daß ich jenen Tag durchaus ein wenig fürchte, wenngleich ich dann mit einem Lächeln auf mein Erreichtes zurückblicken werde, was ich durchaus bereits jetzt so handhabe. Der Grund dafür muß von eminenter Wirkung sein; auch wäre das Aussetzen sicher nur temporärer Natur. Wobei das heute reine Spekulation ist. Wie dem auch sei, möge der Tag fern sein.

Ich bin zwar ein leidenschaftlicher Täglichläufer, aber das ist nur die äußere Maske – dahinter verbirgt sich der Naturläufer. Wahrscheinlich das größte „Geheimnis“ meiner vollzogenen Permanenz. Das natürliche Leben verbunden mit Flora und Fauna ist ein weiterer grundsätzlicher Fakt in meinem Denken. Gäbe es nicht mein wunderbares Laufareal und alle jene herrlichen Momente, an denen ich an der Natur partizipieren durfte, so gäbe es auch mein Täglichlaufen nicht. Was wäre ich ohne meine tierischen Freunde, meine liebsten Begleiter? Sie zeichnen kausal in der Majorität für die schönsten Erlebnisse überhaupt verantwortlich. Seien es meine Schafe – zuletzt brachten sie am 05.03.2011 süßen Nachwuchs auf die Welt – die Hochlandrinder, Fasane, die edlen, stolzen Bussarde und Seeadler und andere erhabene Raubvögel oder niedliche Stockenten, schimpfende Fischreiher und Graugänse. Eichhörnchen, Rehe, Fischotter und Schwarzspechte dürfen in dieser Aufzählung selbstredend nicht fehlen. Oder die neuesten Werke von Familie Biber begutachten. Ja, in ihrem Lebensraum fühle ich mich wie zu Hause, als ob ich dazu gehören würde. Dieser Illusion gebe ich mich nur zu gerne hin. Allein die zahllosen täglichen Beobachtungen und Begegnungen mit ihnen, heben mein Laufen auf eine wunderbare Ebene der Freude. Sie im Wechsel der alternierenden Jahreszeiten zu beobachten und die Heimstatt, in der sie leben – erzeugt ein unfaßliches Gefühl. Und genau das ist Täglichlaufen. Es ist ein Gefühl. Nicht mehr, nicht weniger. Das, genau das treibt mich mehrheitlich an.

Nachfolgend vier Beispiele für meine unbedeutende Interpretation des Täglichlaufens. Im finsteren Forst laufen. Dunkle Wolken ziehen am Horizont entlang. Plötzlich öffnet sich der graue Himmel, ähnlich zweier Schiebetüren, die sanft zurückgezogen werden; goldene Strahlen brechen mutig hervor und erobern von oben engagiert die Baumkronen. Sie leuchten durch die Bäume, einzelne Strahlen erreichen den Boden, abgefallenes Laub in allen Farben und Tautropfen reflektieren das grandiose Lichtspiel. Die Augen geschlossen und tief die würzige Luft einatmend, konzentrierte ich mich auf die einzigartige Aura, die in dieser exponierten Form nur während der weinenden Natur herrscht. Es war ein Gefühl, als ob sich diverse Energieteilchen des Lebens, unbedeutende Partikel nur – in mir sammelten und eine Art Strom bildeten, ihre Kraft an mich transmittierten, die sich mit meinem Geist, meiner selbst verbanden und Verborgenes mobilisierten. Scheinbar an der elementaren Substanz des Lebens selbst partizipieren. Ein Gefühl, was sich nicht beschreiben läßt. Wer nicht meine Erfahrungen, Empfindungen, Erlebnisse und Naturliebe im gleichen Maße absolviert und erfahren hat, kann und wird nicht nachvollziehen können, was ich unter Täglichlaufen verstehe. –

Ein behutsamer Wind peitschte unaufhörlich Wasser in zahlreichen Wellen an das Land. Der graudunkle Horizont intensivierte die vorherrschende Einsamkeit und vereinte sich in der Ferne mit dem wütenden Seewasser und verschmolz zu einer einzigen kaltherzigen Wand, doch voller berauschender Anmut. Ich schritt zum Ende des Strandes, gerade noch außer Reichweite der Wellenbewegungen und schloß meine Augen. Somit konzentrierte ich mich nur auf die verschiedenen lautmalerischen Töne. Das feuchte Naß beherrschte eindeutig die Szenerie, von den Bäumen tropfte es ohne Unterlaß, kleine Regenperlen kullerten aus meinen Haaren und liefen in Rinnsälen mein Antlitz hinab, die tosenden Wogen klatschten an das Ufer; ich fühlte die brausenden Sturmböen, welche ihrer Leidenschaft nachgingen und versuchten mein Hemd aufzublähen, was auf Grund der Nässe nicht mehr gelang. Das Schilf bog sich im Seewind, eine fragile Verbeugung, wenngleich es seine Stärke nicht verbergen konnte. So stand ich da – wie versteinert – die Welt und das Leben genießend, fühlend. Die unbarmherzige Zeit verharrte gleichsam ruhig in ihrer pulsierenden Macht – Minuten vergingen regungslos bis ich meine Augen wieder öffnete.

Das Bild hatte sich nicht wesentlich verändert, der weitläufige See schien nur noch wütender geworden zu sein. Aus meinem linken Gesichtskreis schwammen zwei Schwäne sehr erhaben, ja, regelrecht majestätisch und doch in einer surrealen Beschaulichkeit durch das nicht stillstehende Gemälde. Bevor sie das Zentrum erreichten, schossen von rechts zwei Wildgänse schimpfend durch die Luft, augenscheinlich aus einer anderen Dimension. Die Tiere verschwanden so schnell wie sie gekommen waren und am Horizont leuchteten zwei weiße Yachten als kaum erkennbare Punkte in der Unendlichkeit. Ich wechselte die Position und betrachtete meine Fußabdrücke, die nun von den stärker werdenden Wellen erbarmungslos überrannt wurden, wieder und wieder. Interessant zu sehen, wie die Abdrücke egalisiert wurden, bis sie nicht mehr vorhanden waren. Verflüchtigt. Für immer.

Sinnbildlich wie das Leben. Man wird geboren, für einen kurzen Zeitraum hinterläßt man seine Spuren – bis sie dereinst von der gelebten Zeit absorbiert werden und leise verblassen. Sie werden zu Reminiszenzen – bis auch diese verloren gehen. Andere Menschen kommen und preisen die Natur erneut – ein sich wiederholendes Wechselspiel. Lebewesen kommen und gehen. Die Vergangenheit existiert nicht mehr, die Zukunft wartet noch auf ihr Engagement – aber hier und jetzt – das ist das Leben. Die Fußabdrücke hinterlassen einen bleibenden Eindruck in meinem Kopf, selbst als sie schon verwischt waren, bestanden sie noch vor meinem geistigen Auge und ich sah jenen gegangenen Weg, der hinter mir liegt – um jetzt an diesem Ort angekommen zu sein. Ein weiter Weg.

Melancholische Erinnerungen materialisieren sich aus den Tiefen meines Gehirns in das höhere Bewußtsein, sie konvergieren nahtlos in die herrschende Witterung. Die Welt scheint nicht existent, das Leben unbedeutend – nur der Augenblick ist von Bedeutung. Sehen, aber nicht mit den Augen. Hören, aber nicht mit den Ohren. Die Luft einatmen, aber nicht mit der Nase. Höchste Konzentration auf sein Inneres, auf das wahre Selbst – die Herrschaft der Sinne an das Herz übergeben und nicht mehr Denken. Allein und einsam. Im strömenden Regen. Von der Welt verlassen. Aufgepeitschte Gischt, von einem liebevollen Sturm mit Inbrunst an das Ufer gezwungen. Ein ganz besonderer Moment, den man weder suchen noch finden kann. Aber man kann ihn mit offenen Armen willkommen heißen. Das ist die gefühlvolle Verkörperung von Zufriedenheit, Vertrauen und Harmonie. Empfindungen. Meine Empfindungen. –

Ein reflektierendes Schimmern, welches sich in allen Richtungen ausdehnt. Millionen Elfen gleiten scheu spielend auf die Erde und werden doch wieder vom Wind empor gehoben, während gleichzeitig die Luft von einem Funkeln ohnegleichen erfüllt ist. Allenthalben erspähe ich Kristalle, die ihre Lichtblitze in das weite Nichts senden. Ich unterbreche meinen Lauf und beobachte fasziniert das seltene Schauspiel, welches nur wenige Minuten andauert. Das ist ein rarer Augenblick, der zum Träumen verleitet. Erneut verblaßt das menschliche Leben, die Zeit hält an, verdichtet sich und gibt Raum für gefühlvolles Nichtdenken. Sodann reisen weitere Wolkenfelder am Firmament der Unendlichkeit entgegen und das gleißende Leuchten stirbt und verstummt für alle Zeiten in dieser Konstellation. Trunken vor Genuß und Glück gelingt es mir nur schwer, jenen Ort zu verlassen, um meinen Lauf fortzusetzen. –

Ich unterbreche meine natürliche Bewegung. Hocke mich am Strand hin, schließe die Augen und verharre. Meine Gedanken treiben dahin, wie das Wasser eines Flusses, der in das Meer fließt. Versinken. Dem Sinn der Augen beraubt, die Schärfe der Ohren intensiviert – das Dasein strebt nach Ausgewogenheit – konzentriere ich mich auf die Geräusche der Umgebung. Ein Rauschen überwältigt mich, das unbändige Tosen des Sees dominiert und übertönt mit Macht alle anderen Laute. Mir scheint, als ob ich die in der Ferne vorbei ziehenden Wolken hören könnte, was werden sie während ihres Fluges alles sehen? Eine frische Brise schlägt mir in mein Antlitz, vertreibt für eine Sekunde die melancholische Einsamkeit und verbindet sich mit den fühlbaren Augenblicken der Sinnlichkeit, ja, eine frühlingshafte Empfindung wird in meine Perzeption suggeriert. Ich kann den warmen Jahresauftakt nicht sehen, aber ich fühle ihn; der Tatsache ungeachtet, das es sich hierbei um eine Illusion handelt. Streichelnder Wind.

Obwohl meine Augen geschlossen sind, ist es mir, als ob ich mehr denn je erspähe. Wahres Sehen. Nicht auf das Sinnesorgan Auge bezogen, nein; in einer geistigen Form, eine andere Dimension. Ich verlasse jene Erkenntnisebene, sehe mich selbst auf dem Damm hocken, schwarz; den Kopf auf beide Hände gestützt, fliege über mein Laufareal hinweg und überblicke es in seiner prächtigen Herrlichkeit und natürlichen Vollendung. Höher und höher. Wie klein und belanglos wir doch sind! Demut keimt auf. Es fällt mir schwer, mich von diesen lähmenden Gefühlen zu lösen, die Zeit konserviert mich an diesem Ort, in der fliehenden Gegenwart der tiefen Empfindungen. Berührt von der Unendlichkeit, getroffen. Sehen, aber nicht mit den Augen. Hören, jedoch nicht mit den Ohren. Nur fühlen und empfinden, mit dem Herzen. Tief im Innern. Verborgen im Selbst. Ich öffne die Augen.

Mein Geist kehrt zurück; in meinen unzulänglichen Körper. Es kostet Kraft, die bewegenden Impressionen endgültig in das Nebelreich zu verbannen, aufzustehen und wieder in den Laufschritt zu verfallen. Leiser Regen setzt ein, begleitet mich. Rinnt mein Angesicht herab. Gleich Tränen, die behutsam die Erde berühren und sich für immer verflüchtigen. Ich gebe mich erneut der Bewegung hin, überwinde den Eigensinn. So setzt er sich fort, mein täglicher Lauf. Oder sogar der Lauf des Lebens? –

Anschließend eine sehr bescheidene Reminiszenz an die vergangenen zehn Jahre mit ausgewählten Momenten. Unzählige Erlebnisse, Ereignisse und Begebenheiten traten in mein Leben und bei vielen erinnere ich mich, als ob es erst gestern war, indessen andere komplett vergessen sind und nur noch schwach schimmernd lose im Gedächtnis dahintreiben. Eine Frage bleibt und wird mich immer beschäftigen, wo sind die Jahre nur geblieben?

2001

Im August 2001 erlebte ich den extremsten Regenlauf überhaupt – in 14 Jahren Laufen. Die Sichtweite war derartig eingeschränkt, daß das mehr ein Blindlauf war – Sturzbäche ergossen sich aus dem wütenden Himmel. Derlei kam seit jenem Tage nicht wieder vor. Zum Ende des Jahres erfuhr ich den ersten Sturz als Läufer. Nicht zu vergessen, die ersten beiden Hundeangriffe – von insgesamt 20 Konflikten, die in zehn Jahren über mich hereinbrachen.

2002

Im November geriet ich in das Visier der Exekutive, die mich sogleich ermahnten, weil ich auf der Straße (damals unbedeutende Nebenstraße) statt auf dem Fußweg lief.

2003

Ein Jahr später folgte erneut ein Kontakt mit Beamten, dieses Mal mit der geschätzten Zollfahndung, die damals Recherchen bezüglich maritimen Zigarettenschmuggels anstellten. Leider konnte ich nicht wirklich helfen, da ich weder rauche noch mich dem Schmuggeln hingebe.

2004

Im Februar 2004 wäre mein Täglichlaufen fast zum Erliegen gekommen; eine Folge meiner an den Tag gelegten Ignoranz. Ich wäre fast von einem Ast erschlagen worden, um Haaresbreite wäre es passiert. Allerdings kann ich selbst heute noch nichts mit Absperrungen anfangen. Desweiteren diskutierte ich mit der Polizei die Stopschildproblematik, was freilich sinnlos war. Immerhin gab der Verkehrspolizist zu, daß ihre Maßnahmen nur dem finanziellen Charakter unterliegen. Diese Ehrlichkeit rechne ich ihm hoch an. Drei Konfrontationen sollten in diesem Jahr ebenfalls folgen, eine davon bedrohlicher Natur.

2005

Im August konnte ich einen Streit beilegen, der lange schwelte und partiell bedrohliche Ausmaße annahm. Im Nachhinein betrachtet, war ich nicht ganz schuldlos; leider werde ich manchmal ungehalten, wenn etwas oder jemand mein Täglichlaufen konterkarieren will.

2006

Ende März absolvierte ich den schönsten Lauf in meiner gesamten Laufzeit. Der Lauf war derart grandios, jedes weitere Wort wäre jetzt überflüssig. Was für ein Traumlauf! Ebenfalls wunderschön war eine Begegnung mit einem Entenpaar, die nicht vor mir flüchteten – was auch für eine Wespe gilt, die mich sogleich aus tiefer Zuneigung heraus stechen mußte.

2007

Erneut ein extremer Regenguß im Mai; die Straßen standen unter Wasser und die Kanalisation konnte selbiges nicht mehr aufnehmen. Für den humoristischen Höhepunkt des Jahres zeichneten die Ordnungshüter verantwortlich. Zuerst verfolgte mich ein Hubschrauber auf dem Damm und anschließend trieb ich einen Mannschaftswagen der Polizei im Wald vor mir her.

2008

In jenem Jahr brachen viele Ereignisse aus der Zukunft in die temporäre Gegenwart. Sehr beeindruckend war das Wildschweinskelett, welches ich auf dem Damm fand. Ebenso die direkten Nahbegegnungen mit Schwänen, Bussarden, Rehen und einem Hochlandrinderbullen. Und ja, der Großbrand der Industrieanlage zeichnete für den Tiefpunkt schlechthin verantwortlich. Nicht minder unschön war die quer über den Weg gespannte Angelschnur, in der ich mit dem Hals hängen blieb. Wäre es nicht so heiß gewesen, so wäre meine Geschwindigkeit weitaus höher gewesen – nicht auszudenken!

2009

Als sehr spektakulär erwiesen sich ca. 60 Vögel, wahrscheinlich Stare, die einen Schwarmball in der Luft bildeten und diverse abrupte Richtungswechsel per Piepton angekündigt vollzogen. Ein einziger Organismus, so schien es. An meinem Jubiläumslauf beobachtete ich Meister Bockert – zum ersten Mal in meinem Leben. Nur wenige Tage später erlebte ich einen Fastunfall mit einem 40-Tonnen-LKW, der so heikel wie nie zuvor war. Um ein Haar wäre alles vorbei gewesen. Besonders schön war ein Schwarzspecht anzusehen, der ca. 30 cm groß mit rotem Häubchen im Wald lustwandelte. Natürlich war die weiße Wildgans nicht weniger herrlich. Im Juli sollte es erneut zu einem Großbrand in der Industrieanlage kommen. Dies ist nicht mehr nachvollziehbar. Das Jahr bot noch vielmehr, allein, ich beschränke ich mich nun.

2010

Meine Geduld hinsichtlich freilaufender Hunde ist am Ende angekommen. Einen Mangel an Langmut kann man mir wahrlich nicht vorwerfen. Dementsprechend kontaktierte ich die zuständige Behörde, was freilich nichts brachte. Das bestätigt einmal mehr mein Denken, daß nur Selbstjustiz in diesem Land etwas bringt. Alles andere ist sinnlos, präventiv Agieren? Unmöglich. Selbst die Polizei gab dies später verständnisvoll wie machtlos zu. Am 21.02.2010 fand er statt, mein Salamilauf – der komischste Lauf aller Zeiten – 13 Kilometer mit einer Wildschweinsalami in der Hand – verfolgt von 250 Hunden. Selbst heute muß ich noch lachen, sobald ich daran zurückdenke. Acht große Wildschweine hingegen, lassen mich auch rückblickend noch erstaunen – so viele sah ich noch nie. Der traurigste Lauf in meiner gesamten Laufzeit fand Ende Dezember statt – ohne Worte. So gleicht sich alles aus.

2011

Das neue Jahr stand im Zeichen des Hochwassers. In Dimensionen, wie ich sie zum ersten Mal erlebte. Was letzten Endes für mich persönlich aber nur Spaß bedeutete, mit einem Hauch von Abenteuer. Im März erlebte ich den zweit schwersten Sturz in meinem Täglichläuferleben. Das Jahr ist noch jung und wahrscheinlich wird noch viel passieren. Was im Detail wird die Zukunft offenbaren, wenngleich der 18.03. DAS Datum des Jahres war. –

Der 18.03.2011 war ein ganz ergreifender Tag für mich. In einem sehr besonderen Maße aus dem Hauptgrund, weil ich ihn nicht alleine begangen habe, sondern von den wunderbaren Runningfreaks Melanie & Steffen und dem wunderbaren Soulrunner Marco begleitet wurde. Ja, wir haben unseren Pakt tatsächlich vollzogen. Jener Pakt, der aus einem Spaß heraus entstanden ist und bei dem ich selbst nicht im Traum daran gedacht hätte, daß er je wahr werden würde. Wie so oft habe ich mich geirrt; der Pakt, dieser Tag wurde tatsächlich wahr. Gestern. Und ganz ehrlich, ich kann es kaum begreifen. Zehn Jahre Täglichlaufen wie es gestern wahr wurde, war ein Ereignis, wie ich es nie wieder erleben werde und IHR ward dabei. Ihr habt die wohl bedeutendsten Stunden in meinem Leben mit mir gemeinsam verbracht, mit mir geteilt. Ich kann Euch gar nicht genug dafür danken, daß Ihr mir die große Ehre erwiesen habt, mich zu begleiten. Das bedeutet mir sehr viel.

Verzeiht mir, daß ich unsere Zusammenkunft nicht detailliert beschreibe, unsere Stunden waren für mich sehr kostbar, emotional sehr bewegend. Stattdessen lasse ich wenige Bilder sprechen. Ein Jammer, wie vergänglich doch die rare Zeit sich in das nebulöse Nichts aufmachte. Ihr seid wunderbare Menschen, absolut einzigartig – es ist mir eine Ehre Euch kennen zu dürfen. Ich verneige mich. Vielen Dank.

Wiederholt bedanke ich mich von Herzen bei meinen Eltern und bei Brigitte. Es sei Euch versichert, daß ich Eure Anteilnahme stets zu würdigen wußte, zu würdigen weiß und immer würdigen werde. Verzeiht mir meine Sturheit und Unvernunft, die ich nicht selten an den Tag lege, aber Ihr kennt mich und wißt, daß das Außergewöhnliche nicht auf glatten Wegen geschehen kann, was auch gar keinen Spaß machen würde! Und wenn ich erst einmal einen Pfad betreten habe, gehe ich ihn bis zum Ende – manchmal ohne Rücksicht auf andere Menschen, was durchaus eine Bedingung desselben ist. Ihr werdet mein Täglichlaufen nie verstehen, tröstet Euch – ich auch nicht. Herzlichen Dank für Eure Nachsicht und Euer Verständnis und wenn ich Euch in den kommenden Tagen, Monaten und vielleicht auch Jahren mit meinem Täglichlaufen nerven werde – und mich selbst auch, so weiß ich doch Eure Milde zu schätzen. Manchmal frage ich mich, ob ich ebenfalls diese Geduld bezüglich einer derart sturen Person aufbringen könnte, wie Ihr sie mir zuteil werden läßt. Die Antwort liegt evident auf der Hand, nein! In Zukunft werde ich mich nach Kräften bemühen, meine „stürzende Fallsucht“ in den Griff zu bekommen, um einmal weniger von Wanderwurzeln gefällt zu werden.

Weiterhin bedanke ich mich herzlich bei Melanie & Steffen und Marco, die mich während des Vollzuges der Dekade Täglichlaufen bei dem zweiten Lauf begleitet haben. Jenen emotionalen Moment zu teilen, hebt das Ereignis auf eine gänzlich andere Dimension; was mich durchaus sprachlos macht, wovon man von diesem Artikel sonst nicht unbedingt sprechen kann. Eines sei Euch versichert, den gestrigen Tag werde ich nie vergessen. Ich bin zutiefst gerührt. Meinen Dank an Petra und Ramona, die mich während meines Jubiläumlaufes zeitgleich virtuell begleiteten. Ja, endlich bin ich zweistellig. Meinen Dank an Christian, der ebenfalls an mich glaubte und gedanklich mit mir lief, allein, der Regen fehlte. Was gestern jedoch angemessen war. Meinen Dank an Otto, Marcel und Eddy die bereits gratulierten, bevor ich mich hier äußerte. Vielen Dank für Euer Vertrauen.

Erneut habe ich einen großen Artikel für die natürlichste Geschichte der Welt verfaßt. Ja, ich weiß, das ist völlig überflüssig. Mein Körper und Geist bekommen das, wofür sie konstruiert sind, tägliche Bewegung. Wo ist die Besonderheit? Es gibt keine. Pure Natürlichkeit. Wenngleich ich dies nicht immer in dieser Weise für mich reflektierte. Dennoch bin ich stolz auf mich, was dieser einstmals schwache Körper vollbracht hat. Ja, ich bin extrem stolz auf mich. Wer kann schon von sich behaupten, er ist ZEHN JAHRE lang TÄGLICH GELAUFEN? Ich bin es. Ich habe es genossen und werde es weiterhin genießen. Mein Körper ist nicht mehr der, der er einmal war, doch wird auch der „Antisportler“ weiterhin seinen festen Platz in meinem Gehirn einnehmen. Auch bemühe ich mich von Herzen mit jedweder Hingabe, meine Intention auch in der Zukunft zu leben. Natürlich, wie könnte es anders sein? Ich laufe weiter. Täglich. Wie könnte ich auch nicht?

So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit; manche Ereignisse ragen leuchtend in diesem grauen Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere mehr und mehr verblassen. Irgendwann wird mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz. Andere kommen und geben sich vielleicht einer ähnlichen Naturliebe hin. Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen, wenn auch nicht jeden einzelnen. Ich möchte nicht einen Tag aus der vergangenen Dekade missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen. Und das ist es, worauf es meiner Betrachtung nach wirklich ankommt. Zu dem stehen, was passiert und nicht mehr zu ändern ist und das Schöne und Unangenehme annehmen und nicht negieren.

– Gelebtes Täglichlaufen – mit dem Herzen – ZEHN JAHRE – Eine Dekade 18.03.2001-18.03.2011. Mein Weg in die Zufriedenheit. –

Das elfte Serienjahr kann kommen. Ich bin bereit und verharre mit einem Lächeln, irrelevant, was mich erwarten wird. Es beginnt. Jetzt. Gelebtes Täglichlaufen.