Archive for the Meine Schafe Category

Gebrochene Herzen

Posted in Meine Schafe on 30. März 2017 by Täglichläufer

Jeher gilt im Rahmen meines Täglichlaufens als erster Höhepunkt der Besuch meiner wolligen Freunde, die an Liebenswürdigkeit ihresgleichen suchen. Ohne eine Streichelpause kann, will und darf ich jene Örtlichkeit nicht passieren – dies ist eine gewachsene Tradition. Möglicherweise wirken hier uralte Gene auf mich ein, denn einer meiner siebenfachen Urgroßväter war temporär als Schäfermeister tätig und ja, diese Liebe scheint sich über Jahrhunderte hinweg erhalten zu haben. Bis gestern war ich wieder einmal für nahezu drei Wochen für das kulinarische Wohl meiner herzigen Wollchens verantwortlich, welche Verantwortung ich als Ehrenschaf nur zu gern übernahm. So sorgte ich jeden Morgen für ihr Frühstück und als Begrüßung wurde ausgiebig gekuschelt – ohne einen störenden Zaun – in Kombination mit vielen Streicheleinheiten. Nicht nur die ungeduldigen Putzels haben derlei par excellence genossen, nein, ich selbst freilich auch. Besonders nachhaltig war der Tag meines 16jährigen Jubiläums, denn an diesem besonderen Tage wurden gar herzige Zwillinge von meiner Lieblingsschafdame geboren.

So vergeht die Zeit und mein Wirken fand nun seinen unausweichlichen Schlußpunkt, leider – leider! Vor jenem Moment habe ich mich durchaus gefürchtet, denn als ich heute früh wie gewohnt in die Nähe der Weide kam, wurde ich bereits aus einer ungefähren Entfernung von 200 Metern erspäht und jählings startete das gewohnte Prozedere, mit einer määäähchtigen Begrüßung und einem sehr lautmalerischen Theater. Allein bin ich nun nicht mehr für ihre Verpflegung zuständig und so stand ich vor dem Zaun und streichelte sie liebevoll; indessen sie die Welt nicht mehr verstanden und sich fragten, wieso es denn kein Frühstück gäbe!? Voller Aufregung warteten sie sehnsüchtig am Tor, doch ich setzte meinen Weg gnadenlos fort. Gnadenlos? Nicht wirklich – in Wahrheit brach es mir das Herz. Selbst im Wald und später auf meinem Damm vernahm ich noch ihr entsetztes Blöken und ja, auf dem Rückweg fand diese Begebenheit ihre Fortsetzung.

Wieder unterbrach ich meinen Lauf, um sie zu streicheln und auch meine beruhigenden Worte änderten nichts an dem traurigen Geschrei und ihrer dramatischen Verständnislosigkeit. Welch ein Jammer – gebrochene Herzen – nicht nur meines, so viele…

Der große Almabtrieb

Posted in Meine Schafe on 7. August 2016 by Täglichläufer

Mei, des wos a zünftige Sach! Tatsächlich fand heute der große Almabtrieb oder auch Viehscheid genannt – in gehaltvoll, traditioneller Atmosphäre statt. So absolvierte ich meinen Lauf in prachtvoller Ledertracht und trug dazu einen würdigen Hut, welchen ich mit Silberdisteln und Seidenblumen verziert hatte. Passend hierzu läuteten die Glocken und das Orchester spielte eine formidable Blasmusik in diesem Kontext. Nun, mir deucht, dies fand exakt so in einem Paralleluniversum statt – die hiesige, preußisch korrekte Version gestaltete sich durchaus weniger opulent – indessen jedoch schneidiger organisiert.

Ich wurde kürzlich gebeten, den Umzug meiner geliebten Wollfreunde in ihr Sommerquartier zu begleiten und so legte ich den Zeitpunkt meines heutigen Laufes entsprechend so, daß ich auf dem Rückweg, mich in hilfreicher Weise engagieren konnte. Als ich die heimatliche Weide erreichte, befand sich bereits eine freundliche Dame vor Ort, die die wichtige Funktion des Streckenpostens mit Hund einnahm, um Ausbrüche in den rückwärtigen Raum, heißt – in die Tiefe des Waldes – zu unterbinden. Im Zuge der ordnungsgemäßen Verlegung rückte sie nach und sicherte das Rückzugsgebiet in vortrefflicher Art und Weise.

Sodann wurden die Gatter geöffnete und die mähenden Wollies mit hervorragenden Köstlichkeiten begrüßt, so daß der Zweck der Traubenbildung um den „Herrn der Schafe“ sofort realisiert werden konnte. Das Wollschild baute sich stante pede auf und so rückte jener geschlossen vor – auf 12 Uhr Richtung Sommerresidenz. Ich selbst verlagerte meine Position vor und harrte den Dingen, die da kommen sollten – ebenso sehr gut mit kulinarischen Leckerlis bestückt. Das Geschehen wurde selbstredend in herziger Form kommentiert und allein die Lautäußerungen der Schafe zauberten mir mehr als ein Lächeln in das Gesicht.

Als sie nun meinen Versorgungsstützpunkt erreichten, stockte der Vormarsch ein wenig, so daß ich mich genötigt sah, zwei Wolldamen in die gewünschte Richtung zu dirigieren, in dem ich sie leicht über ihr sehr, sehr weiches wolliges Hinterteil streichelte. Und weiter ging der Vorstoß! Innerhalb kürzester Zeit war die Übersiedlung vollendet und die Schafe zogen in ihr neues Domizil – gewiß voller Freude. Ich muß gestehen, ich hatte mir den Ortswechsel als Herausforderung vorgestellt – allein die Putzels sind es gewohnt und haben ihre Sache hervorragend umgesetzt. So wurde aus dem großen Almabtrieb nur ein kleiner Woll-Umzug, der auch in dem Fehlen jedweder Almen begründet liegt. Dennoch, mein heutiger Lauf bildete somit eine Besonderheit, wie ich sie höchst selten erlebte. Mögen meine Wollies sich an ihrem neuen Ort sehr wohl fühlen!

Herziger Zwillingsnachwuchs

Posted in Meine Schafe on 6. April 2016 by Täglichläufer

Aktuell steht mein Täglichlaufen unter besonderer Beobachtung, respektive unter einer harrenden, ausgeprägt ungeduldigen Erwartung. Seit längerer Zeit bin ich einmal mehr für das kulinarische Wohl meiner herzigen Wollfreunde zuständig. Somit erfährt mein Täglichlaufen jeden Morgen eine Zwangspause, um selbiges Amt verantwortungsvoll umzusetzen. Bereits aus weiter Entfernung werde ich wohlwollend registriert – was durchaus lautmalerisch in mähender Weise kommentiert wird und in der unabwendbaren Konsequenz versammeln sich meine Wollputzels freudig geschlossen vor der Eingangspforte zu ihrer Weide.

Am Ostermontag zogen Zwillinge auf die heimatliche Weide ein, die schlichtweg unbeschreiblich schön wie herzig sind. Der Nachwuchs entwickelt sich großartig und mir deucht, sie streben bereits jetzt eine Karriere als Springböcke an. Und ihre zarten Stimmchen erweichen jedes Herz und zaubern stets ein Lächeln in mein Antlitz. Kurzum, es ist eine wahre Freude, diese wahrhaftige Lebensfreude par excellence zu beobachten und ebenso die stolze Mama, welche sich fürsorglich um ihren Nachwuchs kümmert. In der Tat, Täglichlaufen und Schafe – eine kongeniale Symbiose.

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Wollige Zeiten. Akt II.

Posted in Meine Schafe on 24. Oktober 2015 by Täglichläufer

Die Zeit ist wahrlich reif für die Fortsetzung einer Thematik, welche zu Beginn des Jahres bereits eine gewisse Würdigung fand. Seit vergangenen Montag bin ich einmal mehr als amtlich bestallter Futterlehrling in wolligen Angelegenheiten aktiv; gleichwohl muß ich konstatieren, daß der aktuelle Fokus mitnichten auf die kulinarische Versorgung zielt, sondern mehr in einer allgemeinen Kontrolle meiner wolligen Freunde, welcher ich mit entsprechender Sorgfalt nachkomme. Die Aufenthaltsfreiheiten der Schafe wurden explizit definiert, sodann wurde ich persönlich von der Maßgabe in Kenntnis gesetzt; allein diese eine Information wurde den Hauptbeteiligten offenbar nicht kommuniziert, denn die süßen Schafe wissen von – nichts!

Mit anderen Worten, die heimatliche Weide ist zweigeteilt und mit Zäunen begrenzt wie gesichert und nur für e i n e n Teilbereich besitzen die Wollies eine Autorisation, für das andere Areal freilich nicht. Doch davon wissen sie nichts oder sie tun so, als ob sie nichts wüßten. Eines Morgens fand ich einen putzigen Racker, der in dem gesperrten Bereich fröhlich lustwandelte. Ich näherte mich dem Bock bis auf fünf Meter und forderte ihn zur Rückkehr auf und trabte – als leuchtendes Beispiel – voran und womit ich nicht wirklich rechnete, das Schaf war folgsam, so daß ich es problemlos der Herde zuführen durfte. Eine Kontrollbegehung im Anschluß meinerseits führte zu keinem Ergebnis, ich erspähte keine Fluchtmöglichkeit und war geneigt anzunehmen, das Schaf beherrscht die Teleportation oder zumindest ausgeprägte Hochsprungqualitäten.

Doch nur einen Tag später erkannte ich demütig meinen Irrtum, denn zu Tagesbeginn befanden sich die Schafe erneut in dem nicht autorisierten Gebiet und ja, dieses Mal fast alle. Ich gesellte mich zu einer wunderschönen Dame – aufgrund ihrer Schwärze von mir „Blackie“ bezeichnet – und streichelte sie, was sie sichtlich genoß – indessen ich die anderen „Ausbrecher“ scharf beobachtete. Nach einiger Zeit traten sie den geordneten Rückzug in dem sogenannten „Gänsemarsch“ an; hier ist natürlich von Schafmarsch die Rede. An einer besonderen Stelle vor dem Zaun hielten sie an, bewegten den Kopf gen Erde, das Hinterteil ehrfürchtig Richtung Himmel und zwängten sich durch ein – für meine Begriffe viel zu kleines Loch im Zaun – hindurch, um mich nun doch endlich zu begrüßen.

An meine verantwortungsvolle Aufgabe mit evidenten Vorgaben erinnert, versperrte ich nun jenen Einschnitt, um ein neuerliches Entweichen zu verhindern. In Ausübung meiner Tätigkeiten erkannte ich schnellstens, daß ich weder ein Zaunbauer bin, noch über adäquate Mittel im Kontext der Ausbesserung verfügte, doch betrieb ich meine „Flickschusterei“ durchaus mit großer Hingabe. Stolz auf mein Werk kehrte ich in die Welt des Täglichlaufens zurück und absolvierte meine gewohnte Runde, auch in der Hoffnung auf eine latente Anerkennung meines Handelns von wolliger Seite aus. Und wieder verging ein Tag, die Zeit und das Leben in gnadenloser Weise und die goldene Sonne strahlte edel in diesem lieblichen Herbst hernieder.

Ich genoß sie sonnige Kälte, verbunden mit einem hehren Nebelschleier und passierte heute früh den ersten Wald und wen erblicke ich in der Ferne; an einem Ort, wo sich doch niemand aufhalten sollte? Meine lieben Wollfreunde! Stante pede begutachtete ich meine gestern installierte Sperre, welche – ganz banal – zur Seite geschoben wurde. Hier stehe ich nun und kann nur mein Scheitern eingestehen, gegen diese herzige Cleverness kann ich nicht bestehen. Sie lassen sich durch nichts aufhalten. Ich bin auf die Entwicklungen der nächsten Tage gespannt. Was wäre mein Täglichlaufen nur ohne diese lieben Putzels?

Wollige Zeiten

Posted in Meine Schafe on 6. Februar 2015 by Täglichläufer

In meiner letzten Rückschau habe ich es bereits thematisiert, nun erringt meine heute abgeschlossene Tätigkeit als amtlich bestallter Futterlehrling ihre zusammenfassende Würdigung in Form eines eigenen Beitrages. So sei es. Seit Januar war ich zuständig für die tägliche Fütterung meiner geliebten Wollfreunde. Freilich kennen mich die lieben Wollmäuse schon seit vielen, vielen Jahren – doch für ihr kulinarisches Wohl war ich bis dato nie in Vollkommenheit verantwortlich. Um den obligaten Anpassungsprozeß zu erleichtern, konstatiere ich nicht wirklich ernsthaft, daß ich in der ersten Zeit in einem weißen Shirt lief – so ging ich optisch ohne Probleme als Schaf durch, allerdings als schwarzes – bedingt durch meine eigene dunkle Wolle auf dem Kopf. Wenngleich ich fürchte, von wahrer Anpassung konnte keine Rede sein, Hauptsache, es gibt Köstlichkeiten zu verspeisen.

Und so verging Tag für Tag in absoluter Eintracht und gewissenhafter Regelmäßigkeit. Jeden Morgen erschien ich aus dem Wald und nach nur wenigen Tagen begrüßten sie mich bereits aus großer Entfernung mit einem wunderbaren Konzert in allen nur erdenklichen mäh-chtigen Tonlagen und stimmlichen Nuancen, die ihresgleichen suchten. Oh ja, es war eine große Freude, diese von Herzen kommende Begeisterung alltäglich erleben zu dürfen. Ein erwachsenes Wollie sprang sogar fast 60 cm aus dem Stand hoch – von den Kleinen bin ich das gewöhnt, aber nicht von den Großen. Nach und nach zogen weitere Wollies auf ihre heimatliche Weide ein – insgesamt wurden bisher vier Nachwuchsschafe geboren und ja, sie sind an berauschender Süße nicht zu überbieten. Interessant war für mich auch, daß ich ein Neugeborenes streicheln durfte – die stolze Schafmama tolerierte das – indessen sie ihre wolligen Verwandten aber wegknuffte. Was war das für ein großartiger Moment, als ich ein Babywollie auf dem Arm hielt und es mit seinem zarten Stimmchen nach seiner Mama rief. Die Kleinen springen, rasen, tanzen und jagen mit tief ausgeprägter Lebensfreude nur so dahin. Ich selbst kann mich von diesem Schauspiel nur sehr schwer lösen.

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Umgekehrt gilt das freilich auch, denn die wollige Damenwelt konnte sich ebenso nur schwer von mir lösen und in der herzigen Konsequenz wurde ich stets von ihnen umringt. Zugegeben, einmal wählte ich einen etwas ungünstigen Standort und salopp gesprochen, könnte man durchaus formulieren –„Was stehe ER Lausewenzel störend im Wege?“. Und das bei der Futterausgabe! – folglich beschloß ein junger Bock mich ein wenig auf die Hörner zu nehmen und delegierte mich höchst charmant zur Seite – zum Glück (noch) in schmerzfreier Weise. Aber ich sah mich stets als Lehrling in dieser verantwortungsvollen Aufgabe, nicht als Meister und jene Erfahrungen gehören nun einmal unweigerlich dazu. Zudem bildete diese Begebenheit eine absolute Ausnahme; sonst herrschte immer Harmonie zwischen uns. Doch nichts währt für immerdar, so endet auch meine Zeit als Futterlehrling. Die nahe Zukunft wird eine harte Herausforderung für mich werden, denn ich werde weiterhin meine wolligen Knuffels im Morgengrauen passieren, darf sie aber nicht mehr kulinarisch versorgen – wovon sie natürlich nichts wissen und enttäuscht voller Unmut jammern werden. Ergo müssen sie sich wieder einem neuerlichen Rhythmus unterwerfen und ich mich selbst auch, aber das ist das Leben. Für mich war es abschließend betrachtet, eine wunderbare Zeit. Und ich bin geneigt anzunehmen, umgekehrt denken sie ähnlich. Was waren das für wollige Zeiten!

Geliebte Wollfreunde. Akt III.

Posted in Meine Schafe on 10. Juni 2014 by Täglichläufer

Fürwahr, die Zeit ist reif für ausgewählte Impressionen von meinen wolligen Freunden, welche den ersten Höhepunkt meines täglichen Laufes bilden. Den Auftakt macht freilich mein Lieblingswollie – der liebe Schmusi – der treueste von allen und einzigartig in seinem Charakter; aber auch die anderen Nachwuchsschafe sind nicht weniger herzig. Selten vergeht ein Tag, der nicht im Zeichen einer streichelhaften Begrüßung steht. Meine treuen Wollies, wir sehen uns morgen wieder – gehabt euch wohl!

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Tiefe Verbundenheit

Posted in Meine Schafe, Photos on 1. Mai 2013 by Täglichläufer

Täglichlaufen und Schafe. Fürwahr, welch eine kongeniale Symbiose, die in einem bedeutenden Maße kausal elementar verbunden ist. Meine geliebten Wollfreunde bilden den ersten Höhepunkt des täglichen Laufes für mich und mit großer Spannung harre ich jenen Moment der Begegnung und lasse mich überraschen, was sie nun wieder anstellen oder aushecken. Vielleicht planen sie gar einmal mehr einen wagemutigen Ausbruch? Ich weiß nie, was mich erwartet – doch ein tägliches Ritual – nahezu fest in Stein gemeißelt – vollzieht sich bei jedem Lauf. Ich unterbreche meine tägliche Runde und begrüße meine wolligen Freunde und beobachtete sie ein Weilchen. Sodann fordern sie ihre standesgemäßen Streicheleinheiten ein, was insbesondere für mein Schmuseschafi gilt, der davon nicht genug bekommen kann und mich nie ziehen lassen will; sodann mit erhobenen Hufen am Zaun steht und mich auf seiner Weide so lange begleitet, wie es ihm möglich ist. Ja, wir lieben uns wahrlich.

An dieser Stelle spare ich mir weitere Worte und lasse wenige Bilder sprechen. Ich selbst freue mich bereits auf den nächsten Tag, wenn wir unsere jahrelange, tiefe Freundschaft fortsetzen werden und ich meine herzigen, lieben Wollies wieder begrüßen darf. Was wäre mein Täglichlaufen nur ohne euch?

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