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Täglichlaufen als Anfänger?

Posted in Täglichlaufen. Debütant. on 2. Dezember 2009 by Täglichläufer

Nahezu täglich gehen hier in der Formulierung die differenziertesten Suchanfragen ein – alle mit der identischen Fragestellung – ob man als Laufanfänger ein tägliches Laufen praktizieren sollte respektive kann. Und ist es gesund? Ja, ist es überhaupt sinnvoll? In meinem Trendsport-Artikel thematisierte ich einen ähnlichen Kontext, gleichwohl konzentriere ich mich mit meinem heutigen Beitrag explizit auf die Anfängerthematik. Natürlich kann man als Anfänger jeden Tag laufen, dies versteht sich von selbst. Demungeachtet bewerte ich diese Gedankengänge als befremdlich, denn die primären Fragen, die ich mir stellen würde, lauten: „Warum sollte ich als Anfänger täglich laufen?“ „Und worauf baue ich auf?“ „Was will ich damit für mich erreichen?“ „Habe ich Ziele und wenn ja, wie sehen sie aus und wie vereinbaren sie sich mit meinem Leben?“ Generell würde ich Täglichlaufen nie empfehlen, schließlich lebe ich diese Konzeption lange genug, um die Majorität der Vor- und Nachteile ein wenig überblicken zu können. Hier sei noch angemerkt, wenn ich vom Täglichlaufen spreche, meine ich damit nicht zwei Kilometer in dreißig Minuten gehen, denn das ist kein Laufen, sondern langsames Spazierengehen. Selbstverständlich bin ich ein überzeugter Verfechter jedweder Bewegung, die stets lobenswert ist, jedoch handelt es sich in dem Fall nicht um Täglichlaufen. Fünf Kilometer und mehr dürfen es im Laufschritt pro Tag schon sein, um einer gebührenden Ernsthaftigkeit ihren Tribut zu zollen.

Für einen Laufanfänger ohne jede Erfahrung, der sich und seinen Körper nicht kennt, geschweige ihm vertraut – in das Abenteuer Täglichlaufen zu stürzen, ist gänzlich kontraproduktiv. Was will man damit erreichen? Warum sich dieser Belastung – und das ist es für einen Neuling – aussetzen? Als Anfänger kann man die zwangsläufig auftretenden Widrigkeiten weder überblicken noch angemessen einschätzen. Ebenso verhält es sich mit der täglichen Intensität, die man dem eigenen Körper und Geist zumuten kann und darf. Die Gefahr einer – auch mentalen – Überlastung schwebt evident im Raum, zumal die Intention einer der Gesundheit unterstützenden Lebensweise konterkariert wird. Jeden Tag in die Natur zu gehen, um dort zu laufen, ist ebenso natürlich wie gesund. Der Körper erfährt die Wertschätzung, für die er konzipiert ist. Auf meine Person bezogen, kann ich das Fazit ziehen, daß der Stil im Hinblick auf die Gesundheit eminent förderlich ist. Allerdings zeichnet hier die Intensität kausal verantwortlich. Täglichlaufen ist wie ein Messer, fasse ich es am Griff an – nützt es mir, fasse ich es hingegen an der Klinge an – kann ich mich schneiden. Soll heißen, alles was man übertreibt, wandelt sich in Traurigkeit.

Ein anhaltendes Fortführen der Täglichlaufkonzeption bedarf einer gewissen Rücksichtslosigkeit, Disziplin wie Selbstdisziplin, Organisation und nicht zu vergessen, einer stabilen Konstitution. Der bedeutendste Faktor offenbart sich freilich im Willen. Ich muß wollen, tief aus meinem Innern heraus. Natürlich bedingen sich all diese Punkte und bauen gegenseitig aufeinander auf und produzieren bei einer individuell richtigen Verfahrensweise eine substanzielle innere Zufriedenheit, die wiederum den Grundstock der Permanenz bildet. Um eine ununterbrochene Täglichlaufserie zu generieren, bedarf es einer relevanten Erfahrung, einer sanften Entwicklung, die ein Neuling nicht vorweisen kann – ist er doch neu in diesem Metier.

Der Debütant im Laufsport sollte sich behutsam an das Laufen herantasten, um die Basis einer langfristigen Freude zu etablieren. Das Laufen muß gerade zu Beginn einfach nur Spaß bereiten, um somit eine innere Freude an der Bewegung auszulösen. Negiert man diese gewichtigen Facetten wird ein schleichender Druck erzeugt, der das Täglichlaufen später zu einem Zwang werden läßt – und zu einem logischen Schlußpunkt führen wird. Druck und Zwang bilden einen natürlichen Widerspruch zum Täglichlaufen. Nach meiner Definition muß man den Stil wahrhaftig lieben, bzw. lieben lernen, um der langfristigen Legitimation ihren Wert zu verleihen. Täglichlaufen kann man nicht versuchen. Entweder läuft man täglich – oder eben nicht. Ein Versuchen bildet keine Option. Die Gründe sich dieser Konzeption hinzugeben, mögen vielfältig sein, doch für Anfänger stellt sie kein probates Mittel dar, da die Kunst des Täglichlaufens ein respektables Maß an Erfahrung voraussetzt, die man als normaler Läufer sammeln sollte.

Meine Entwicklung zum Täglichläufer begann nach ca. 2 ½ Jahren als normaler – unregelmäßiger – Läufer. Hätte ich damals sofort mit dem Täglichlaufen begonnen, hätte ich weder mein zehnjähriges Jubiläum erlebt noch die grundlegende, natürliche Liebe zum Laufen in mir entdecken und fördern können. Heute betrachte ich das als eine Art Lebenseinstellung. Wenn ich auch meine Philosophie und den Stil sehr liebe und ihn auch in der Zukunft selbstredend weiter praktizieren werde – solange es mir möglich ist und ich die entsprechenden Aspekte bewußt kontrollieren kann – weiß ich nur zu gut, daß Täglichlaufen lange nicht alles im Leben ist. Es existieren weitaus bedeutendere Dinge – das Leben zum Beispiel.

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