Den Weg gehen – VIII. 2019. Achtzehn Jahre, Acht Monate. 20 Jahre Täglichlaufen.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Achtzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Wieder strahlt erhaben ein Monatsjubiläum, geboren in dem für mich einzigartigen Konstrukt des Täglichlaufens – viel bedeutender jedoch – ist indessen eine ganz andere Zahl: 20 Jahre Täglichlaufen. Im Jahr 1999 trat ich der Zunft der Täglichläufer bei und praktiziere selbige bis heute. Vor zehn Jahren habe ich dieses Thema ausführlich erörtert und sonderlich viel hat sich seitdem in meiner subjektiven Interpretation nicht geändert. Fürwahr, seit 20 Jahren Täglichläufer – mit einer Serie von über 18 Jahren. Es ist alles erzählt, berichtet – das ist wahrlich mein Weg. Gelebtes Täglichlaufen! Ich werde das Ereignis heute gebührend wertschätzen.

Innerhalb des vergangenen Abschnitts vollzog ich 11 Kälte-, fünf Regen- und vier Nebelläufe. Die Temperaturen tanzten zwischen -05 °C und 13 °C aufregend hin und her. Weiterhin zog ein neuerlicher Fastunfall in meine Statistik ein – am 21.10. kam es an der gewohnten Örtlichkeit zu einer heiklen Szene, wie ich sie selten erleben mußte. Ich bin natürlich immer darauf vorbereitet; so auch an jenem Tag – ich wich sogar auf die Hauptstraße aus und mußte dennoch zusätzlich eine Drehung durchführen, sonst hätte mich das Auto doch noch erwischt. Ich bin davon überzeugt, mein Serienende wird eines Tages auf der Straße stattfinden. Dieser Moment harrt in der Zukunft. Der wundervolle Nebel und einen edlen Bussard, den ich im Anschluß beobachten durfte, entschädigten ein wenig für das unschöne Erlebnis.

Ein Tag später schnitt ein Rotfuchs meinen Weg, der völlig entspannt im Gebüsch verschwand – vermutlich hat er mich nicht registriert. Im November führte ich ein Gespräch mit einem Jäger, der stolz ankündigte, Enten schießen zu wollen. Oh ja, hierbei handelt es sich selbstredend um eine Heldentat – kleine, putzige Enten, die nur leben wollen – brutal abzuschießen; einfach aus der Freude am Töten heraus. Mörderspezies Mensch. Ohne Worte. Am 08.11. habe ich leider einen Fasan aufgeschreckt, der sich freilich lauthals darüber beschwerte. Möge er sich vor dem oben erwähnten Jäger nicht sehen lassen! Damit der unschönen Dinge nicht genug – am 12.11. wurde mit einer neuerlichen Waldzerstörung begonnen. Als Kontrastprogramm wurde mir heute früh eine besondere Beobachtung zuteil – passend zu diesem honorigen Tage. Zwei Rehe kreuzten meinen Weg in einem Abstand von zehn Metern und als ich sie anrief und meinen gewohnten Monolog vortrug, blieben sie stehen – in ungefähr 20 Metern Entfernung – und ein großes Reh drehte sich gar zu mir um und setzte seine Flucht nicht fort. In der Tat, das ist Täglichlaufen!

Die Jahreszeit hat sich endlich verfinstert, ein kalter, weißer Hauch hat sich zärtlich über den rotgelben Blätterteppich in den Wäldern gelegt, hüllt den einsamen Forst liebevoll ein. Eine wundervolle Einsamkeit entfaltet sich allenthalben, intensiviert sich mehr und mehr – eine Einladung, welche ich nur zu gerne annehme. Ob 20 Jahre oder 18/8 – dies ist irrelevant – der nächste Lauf wartet bereits, es setzt sich fort.

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