Den Weg gehen – II. 2010. Hingabe.

Täglichlaufen. Neun Jahre, zwei Monate. Der zweite Monat des neuen Täglichlaufjahres warf sich dem harmonischen Liebesspiel der wilden, friedlichen Zeit mit Hingabe entgegen, vollzog zärtlich die stürmische Vereinigung im allumfassenden Sein und trat ein, sich selbst auflösend – in das vergessene Schattenreich der Erinnerung. Gefangene Reminiszenzen im reißenden Fluß der omnipotenten Zeit. Für immer und immer.

19.04.2010 12 KM – Schafbaby gestreichelt, Gespräch mit der Polizei
20.04.2010 15 KM
21.04.2010 12 KM
22.04.2010 15 KM – Gespräch mit Grußfreund
23.04.2010 12 KM – Babyschaf gestreichelt
24.04.2010 13 KM – in eine Gänsekolonie gelaufen, flüchteten nicht
25.04.2010 15 KM
26.04.2010 15 KM – heiteres Gespräch mit der Postfrau
27.04.2010 10 KM
28.04.2010 15 KM – Erkundungslauf
29.04.2010 16 KM – neue Müllhalde im Wald entdeckt
30.04.2010 15 KM – Dammschranke geschlossen
01.05.2010 15 KM
02.05.2010 15 KM
03.05.2010 16 KM – Traumhafter Regenlauf + Fastunfall
04.05.2010 15 KM
05.05.2010 14 KM – Erkundungslauf
06.05.2010 17 KM – Erkundungslauf
07.05.2010 15 KM
08.05.2010 15 KM – x tierische Beobachtungen, wunderschöner Lauf
09.05.2010 15 KM
10.05.2010 15 KM – riesige Weinbergschnecke gerettet + Gespräch
11.05.2010 15 KM
12.05.2010 15 KM
13.05.2010 14 KM – Reh beobachtet, flüchtete nicht
14.05.2010 15 KM
15.05.2010 15 KM – Grandioser Regenlauf!
16.05.2010 15 KM – Dutzende Graugansküken beobachtet
17.05.2010 16 KM
17.05.2010 06 KM – Schuhe einlaufen
18.05.2010 12 KM – Täglichlaufen: 09 Jahre und 02 Monate
Jahres-KM bis 18.05.2010: 1763 KM
Tendenz in Relation zum Vorjahr: 108 KM weniger

Jener Monat war einmal mehr gezeichnet von beeindruckenden Tierbegegnungen, gleichsam stolzer, eleganter wie herziger Natur. In Kombination mit kraftvollen Läufen, die auch partiell mit schwächeren alternierten und doch einer Gemeinsamkeit geschuldet – der witterungsbedingten Leidenschaft. Von Sturm über Sonne – bis zu den gelobten Elementen der nassen Regenmächte, welche ich in einem besonderen Maße präferiere, obsiegte die geschätzte Abwechslung. Und ja, in diesem Monat war mir das Glück besonders hold und ich durfte gleich drei Regenläufe absolvieren – welch Hochgenuß!

Am Monatsbeginn führte ich ein Gespräch mit der Polizei; über eine unwürdige Thematik zum Nachteil meiner Person, die auf mein Täglichlaufen schon leider viel zu oft negativ einwirkte. Die Beamten waren sehr zuvorkommend, freundlich und verständnisvoll, wenngleich sie mir nicht helfen können, was ich ihnen jedoch nicht zum Vorwurf machen kann. Die Tierwelt indes, gewährte mir mehrere Vertrauensbeweise, die ich sehr zu schätzen wußte. Auch relativ zahme Rehe und Bussarde reihen sich in das Feld der nicht flüchtenden Waldbewohner mit ein. Gleichwohl mußte ich mich leider auch mit weniger schönen Ereignissen beschäftigen. In erster Linie ein erneuter Fastunfall und eine neue Müllhalde direkt im Wald. Ohne Worte.

Weiterhin gab ich mich dem Entdeckergeist hin und brach zu Erkundungsläufen in die neue Welt auf, die neben absoluter Stille von einem heiteren Erlebnis geprägt waren. Am 10.05. unterbrach ich meinen Lauf, um eine riesige Weinbergschnecke zu retten, die gemütlich über eine Straße düste – ich spielte Lufttaxi und setzte sie behutsam in ein nahes Grasgebiet ab – möge sie lange leben! Leben, ja, immer wieder das Leben. Mittlerweile blüht das Leben allenthalben, es erschlägt den geneigten Betrachter nahezu – Dutzende Graugansküken haben längst diese Welt betreten und erkunden neugierig dieselbe, stets flankiert von ihren stolzen Eltern. Ein goldiger Anblick, der mir mein Laufen nicht gerade erleichtert, sondern mich in einer lächelnden Starre festhält. Ein Verharren, was eine tiefe lächelnde Zufriedenheit in mir auslöst – wie das Täglichlaufen selbst.

20 Antworten zu “Den Weg gehen – II. 2010. Hingabe.”

  1. Lieber Marcus,
    ein äußerst abwechslungsreicher Monat, wie ich finde, liegt da wohl hinter Dir. Und einmal mehr wurden all Deine Erwartungen und Wünsche mehr wie erfüllt, wunderbar.
    Und ganz besonders der Nachwuchs in der Tierwelt hat es Dir ja angetan, insofern bietet Dir gerade der Frühling eine ganz besondere Freude.

    Auch uns hat es die Tierwelt im Besonderen angetan und all zu oft unterbrechen auch wir unsere Läufe, um dem putzigen Nachwuchs gleich welcher Art zu beobachten.

    Frühlingszeit, schöne Zeit,
    Steffen

  2. Exakt, nichts geht über den süßen Nachwuchs, Repräsentanten des Lebens! Ich unterbreche meine Läufe zwar nicht wirklich gern, aber in manchen Situationen muß ich einfach anhalten. Achtlos vorüber laufen, wäre ein Fauxpas. Und ein herziger Anblick entschädigt immens.

    Derzeit scheint der Frühling dem Ende nahe und so wie es aussieht, folgt als nächste Phase der Winter – wie mir scheint. 😉

  3. Schön, wie Du nochmal alles Revue passieren läßt, Marcus!
    Über Tiere beim Laufen bin ich auch immer dankbar. Wenn ich meist auch nur auf meine Feldkatze treffe *lach. Aber die Rettung der Schnecke- das hatte was 🙂 Ich überwinde mich auch oft und manchmal reichte mein Mut, mit dem Schlüssel einen Regenwurm ins Gras zu setzen, damit er nicht vertrocknet. Was bin ich mutig- gelle 😉
    Vergiß die unschönen Begegnugnen und erfreu Dich an den Schönen!
    Alles Gute zu 9 Jahren und 2 Monaten Täglichlaufen! Und einen tollen, regenreichen nächsten Moant!
    Liebe Grüße von Ines!

  4. Seit über einem Jahr formuliere ich einen Monatsrückblick. Allerdings gefällt mir das momentan nicht mehr, so daß ich derzeit darüber nachdenke, ob ich das nicht einstellen sollte. Im Prinzip ist der Rückblick überflüssig.

    Eine Feldkatze kann ich leider nicht bieten, schade! Ich hoffe, die Weinbergschnecke lebt noch. Vielleicht bedankt sie sich eines Tages und ich bekomme Post von ihr – das nennt man dann wohl Schneckenpost. 😀 Regenwürmer habe ich schon oft gerettet und oft genug wollen sie gar nicht in das Erdreich verschwinden.

    Mögen sich Deine regenreichen Wünsche erfüllen!

  5. Hallo Marcus,
    Tierbegegnungen sind immer was Besonderes. Mich erfreut so etwas auch jedesmal. So viele kleine Gänseküken sind zu sehen, nicht nur Graugänse sondern auch noch andere und auch Entenküken, einfach nur zu schön.
    Doch wenn ich an ihnen vorbeilaufe, zischeln sie mich meistens an oder laufen weg. Nur eine Ente saß heute am Wegrand und hatte den Kopf in den Federn zum Schlaf. Sie rührte sich auch nicht, als ich dran vorbei lief. Der Monat Mai hat viel zu bieten. Doch bevor der Winter irgendwann viel später kommt, kommt doch wohl erst noch mal ein Sommer und ein hoffentlich schöner Herbst, oder?
    Ich wünsche Dir weiterhin viele schöne abwechslungsreiche Täglichläufe.
    Genieße sie, sie sind so kostbar, jeden Tag auf Neue.
    Liebe Grüße
    Kornelia

  6. In meinem Laufareal gibt es nur Graugänse. Bis auf eine, die weiß ist – aber wohl auch eine Graugans ist. Ich sollte sie mal fragen. 😉

    Entenküken habe ich bisher keine gesehen (in diesem Jahr), die tarnen sich sicher im Schilf. Anzischeln habe ich erst vor ein paar Tagen erlebt, doch nur einmal.

    Wenn der Mai so weiter geht, fällt der Sommer aus. Aber vermutlich wird der Juni/Juli extrem warm, ähnlich wie 2006. Lassen wir uns überraschen, wobei es letztendlich irrelevant ist. Was kümmert uns Täglichläufer das Wetter?

  7. Sehr schön geschrieben und ich kann dir beipflichten… Rückblicke sind Rückschritte. Man solle das hier und jetzt und das was kommen mag belächeln.
    Ich mache keine Rückblicke mehr, auch nicht zu Silvester oder Neujahr.
    Aber lesen mag ich deine immer gern. 🙂

    LG
    Marco

    P.S. – mein Artikel ist jetzt auch online!!!

  8. Als Rückschritt betrachte ich einen Rückblick nicht. Als Genealoge habe ich per se eine besondere Affinität in Richtung der gelebten Vergangenheit. Und der Jahresrückblick ist bei mir obligatorisch. Doch der monatliche – steht zur Disposition. 🙂

  9. Guten Abend mein lieber Marcus!

    Heute bin ich ja verdammt spät dran bei dir zu antworten!

    Wieder ist ein Laufmonat um, die Zeit rast nur so an uns vorbei – unglaublich.

    Außer Schnee hattest du jedes Wetter :D. Aber hier hättest einen Regenlauf nach dem anderen, das wäre schon langweilig. Außerdem würdest fast schon davon fliegen.

    Deine Tierbegegnungen und -beobachtungen finde ich immer so schön und ich freue mich immer mit dir. Bei den Schafis würde ich immer lange stehen bleiben, so süß sind die.

    Jetzt wären aber Läufe bei Sonne, Sommer und Wärme auch ganz toll gell?

    *drückt*

  10. Einen wunderschönen guten Abend, meine liebe Brigitte! Merci für Deinen Kommentar, der nie zu spät sein kann. *verneigt sich galant* 🙂

    Tja, jetzt wo Du es sagst, ja, Schnee! Schade eigentlich. Aber für mitte Juni wurde hier bereits Schnee angekündigt. 😯 😉 Du weißt ja, in der Regel scheint bald die Sonne, wenn ich mich in den Regen begebe. Das habe ich schon so oft erlebt. Ich gestehe Dir aber gerne zu, irgendwann reicht es und dann sollte die Sonne dominieren.

    Die wolligen, weißen Leuchtkugeln im grünen Gras sorgen immer für heitere Erlebnisse, so auch heute wieder. Und eventuell laufe ich nachher nochmals, da bin ich gespannt, was sie nun wieder anstellen.

    *knuddel*

  11. hihi, danke!

    Stimmt, das Wasser von oben reicht nun wirklich, aber ein Ende wurde leider NICHT angekündigt, eher das Gegenteil. *schmoll*

    Hehehe, dann vergiss die Möhrchen nicht für die süßen Putzels! Da wäre ich jetzt gerne mit dabei *schwärm*

  12. Alles was man übertreibt, wandelt sich in Traurigkeit – das gilt auch für Regen.

    Nein, Möhren bekommen sie erstmal keine mehr. Erst, wenn ich meine Ehrenschafmitgliedschaft zurück erhalte. 😀

    Demnächst stelle ich vielleicht das Video online.

  13. … und der Himmel weint und weint und ich dazu *g*.

    Och mensch, die Armen! Die wurden damals sicher durch etwas erschreckt.

    LOL, bitte mach das, ich finde das soooo gelungen!

  14. … und der Himmel weint und weint und ich dazu *g*.

    „Der Himmel weinte nicht. Nein, sein Antlitz lächelte, strahlte. Am Horizont nicht eine Wolke. So weit mein Auge reichte, erspähte ich nur die blaue Weite des endlosen Firmamentes.“ > https://blacksensei.wordpress.com/2010/04/26/impressionen-einer-liebe/

    Das kann möglich sein, die sind bei Unbekannten relativ scheu und schreckhaft sowieso.

    Ich muß es aber erst zuschneiden; ich kann hier keine 200 MB hochladen. 😉

  15. Ja für dich! Nicht für mich und schon gar nicht im Dauermodus!

    Auf das Video freu ich mich schon *hihi*

  16. Das vergeht auch bald und die Sonne strahlt den ganzen Tag!

    Mit Videoschnitt habe ich mich bisher nicht beschäftigt. Deshalb heißt es erst einmal – schaun mer ma, dann sehn ma scho. Oder eben nicht.

  17. Lieber Marcus,

    dein Monatsrückblick zeigt wieder einmal, wie lebendig, wie schön und wie abwechslungsreich das tägliche Laufen ist. Jeder Lauf ist auf seine Art was ganz Besonderes, obwohl viele Läufe gleich erscheinen…
    Ich lese deine Rückblicke gern – es wäre schade, wenn du sie einstellst.
    Viele liebe Grüße
    Petra

  18. Gleich erscheinen die täglichen Läufe nur für den unwissenden Betrachter, liebe Petra. Wie wahr, jeder einzelne Lauf ist eine Besonderheit. Eine Art Geschenk, vom Körper an sich selbst und umgekehrt. Ich möchte meine erfahrenen Jahre im Täglichlaufen nicht missen, nicht einen Tag und sei er noch so schwer gewesen.

    Bezüglich des Rückblickes schwanke ich noch. Ich lasse mich selbst überraschen! 😉

  19. Ein tolles Monat von dir. Ich selbst habe ja eigentlich Angst vor Tieren (außer Babyziegen) speziell vor Hunden. Nun möchte ich diese Angst beim Laufen überwinden. Wie gehst du eigentlich gedanklich mit den Tieren (wilderen, gefährlicheren) um?

    Lg
    RunningWilli

  20. Ich selbst betrachte nur Menschen als gefährlich. Entsprechend mein Handeln hinsichtlich Tieren. Und die wissen genau, wem sie vertrauen können. Die Angst überwinden, ist weise. Aber sicherlich nicht leicht. Möge es Dir gelingen!

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