Archive for the Täglichlaufen im Fokus Category

Majestätischer Stolz – stolze Majestäten

Posted in Einzigartige Momente, Täglichlaufen im Fokus on 13. Juli 2012 by Täglichläufer

Zu meinen erklärten Lieblingen zählen eindeutig die Bussarde als Vertreter der edlen Raubvögel. Sie sind nicht so scheu wie die Seeadler und lassen mich im Rahmen des rasanten Laufschrittes durchaus auf zwei Meter heran. In der Majorität legen sie nur zwei Verhaltensweisen an den Tag, entweder sie flüchten – dies zähle ich zu den Ausnahmen – oder sie verharren still an ihrem Standort und beobachten mich neugierig, welches ich als Standardprozedere werte. Vor wenigen Tagen durfte ich einen prachtvollen Bussard auf einem Pfahl sitzend erspähen, der sich nicht um mich kümmerte und selbst auf meinem Rückweg noch anwesend war. Nicht weit entfernt von jener Örtlichkeit befand sich einige Zeit später ein großer, mehrheitlich weißer Raubvogel direkt auf dem Weg, mitten auf meinem Damm. Ich habe sie schon tausend und einmal beobachtet, aber noch nie auf der Erde abwartend gesehen; entsprechend intensiv sollte mein Erstaunen sein.

Das herrliche Prachtexemplar ließ mich auf acht Meter heran, erhob sich sodann zutiefst grazil in die Luft, um dann zu flüchten, doch halt, nein, im Gegenteil – der stolze Bussard dachte gar nicht an Flucht, sondern er überraschte mich, indem er unumwunden auf mich zuflog, kurz vor mir nach rechts abdrehte und sich auf einen Ast im dichten Blattwerk hernieder setzte und mich hernach erwartungsvoll betrachtete. Freilich konnte ich meine Begeisterung nicht mäßigen und redete den Raubvogel – wie gewohnt – sofort mit beruhigenden Worten an. Sein wunderschöner Kopf, der gleichermaßen Stolz wie Intelligenz ausstrahlte, ließ mich keine Sekunde aus den Augen. Dort sitzend, wartete er meine Rückkehr ab, so daß ich ihn erneut beobachten durfte. Noch nie habe ich bis dato erlebt, daß ein wunderschöner Bussard völlig entspannt auf meine Person zukommt, nahezu auf Armlänge erst seine Richtung ändert, um sich anschließend seinen hohen Thron zu suchen.

Ich liebe sie, die edlen und erhabenen Bussarde, die mit gelebter Leichtigkeit Stolz wie Macht und innewohnende Ruhe in sich vereinen; wie elegant sie durch den Himmel kreuzen, wie majestätisch sie in den Horizont hinein gleiten, getragen von den stürmischen Wogen des allgewaltigen Lebens. Jenen einzigen Moment, werde ich nie vergessen und wenn ich diesen Ort täglich passiere, erscheint der Raubvogel in meiner Erinnerung wie aus dem Nichts. Wenn man mich in jenem Augenblick gefragt hätte, was Täglichlaufen bedeutet, ich hätte erwidert: „DAS, genau das, dieser eine Moment, dieses unnachahmliche Erlebnis mit dem Bussard, das ist Täglichlaufen und bedeutet für mich die Welt“.

Advertisements

Concordia domi, foris pax. Ein Geschenk. An mich selbst.

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 4. März 2012 by Täglichläufer

Bedingt durch einen temporären Zeitmangel mußte ich die flüchtige Blogwelt ein wenig vernachlässigen, dementsprechend deaktivierte ich auch die Kommentarfunktion in meinen letzten Beiträgen. Der Unmut ob dieser Entscheidung war nach meiner Wahrnehmung bemerkenswert; vielen Dank für die zahlreichen Zuschriften diesbezüglich. Heute kehrt meine Seite in die gewohnte Bahn zurück. So sei es. – – Wohlan, in zwei Wochen werde ich mein elfjähriges (Serien)-Jubiläum begehen, sofern mir das Glück hold ist, die Gesundheit stets mitläuft und freilich, das unbeständige Leben selbst muß dieses fragile Vorhaben wohlwollend goutieren. Gleichwohl bemühe ich mich nach Kräften und werde all jene Faktoren, auf die ich einen gewissen Einfluß nehmen kann, darf und werde – in entsprechende Wege kanalisieren. Doch auf eine bewußte Konzentration innerhalb der aktiven Ausübung des Täglichlaufens verzichte ich natürlich.

Schließlich obsiegen hier bedeutendere Impressionen, wie die von mir so präferierte Zufriedenheit, Einsamkeit, Stille und Besinnung auf das Elementare, das wirklich Wichtige im Dasein – all dies in der kongenialen Natur vereint. Dafür lebe ich, dafür laufe ich. Täglich. Und ich gestehe, eine latente Eitelkeit gehört auch dazu; denn „Elf Jahre Täglichlaufen“ in Serie absolviert zu haben, macht mich selbstverständlich stolz und der Antisportler in mir freut und staunt nach wie vor über diese Machtdemonstration meines Körpers wie Geistes. Ich will das erreichen. Nicht ein Mensch wird diese meine Intention verstehen, welches zum Glück auch niemand muß. Vor kurzem wurde ich gefragt, warum ich mir dies „antue“, ich ersparte mir die unsäglich müßige Diskussion und antwortete nur mit einem Zitat. Und lächelte zufrieden.

Dreißig Speichen umringen die Nabe.
Wo nichts ist, liegt der Nutzen des Rades.

Aus Ton formt der Töpfer den Topf.
Wo er hohl ist, liegt der Nutzen des Topfes.

Tür und Fenster höhlen die Wände.
Wo es leer bleibt, liegt der Nutzen des Hauses.

So bringt Seiendes Gewinn,
doch Nicht-Seiendes Nutzen.

(Laotse)

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „Elf Jahre Täglichlaufen in Serie“

01.03.2012 – 14 KM
02.03.2012 – 14 KM
03.03.2012 – 15 KM
04.03.2012 – 14 KM
05.03.2012 – 14 KM
06.03.2012 – 14 KM
07.03.2012 – 15 KM
08.03.2012 – 15 KM
09.03.2012 – 16 KM
10.03.2012 – 14 KM
11.03.2012 – 14 KM
12.03.2012 – 14 KM
13.03.2012 – 14 KM
14.03.2012 – 14 KM
15.03.2012 – 15 KM
16.03.2012 – 15 KM
17.03.2012 – 15 KM
18.03.2012 – 15 KM
E L F – J A H R E – T Ä G L I C H L A U F E N

Täglichläufer. Seit 12 Jahren.

Posted in Täglichlaufen im Fokus on 23. Oktober 2011 by Täglichläufer

Vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle meinen zehnjährigen Weg als Täglichläufer veröffentlicht. Ein Jahr darauf postulierte ich meine elfjährige Anhängerschaft im Täglichlaufen. Dunkle Wolken im Sonnenschein kommen und gehen, ziehen umgestüm in das weite Land. Nun sind es 12 Jahre. Was ein Antisportler so vermag. Seit zwölf Jahren bin ich ein Täglichläufer. Oh Leben, wo sind die Jahre nur geblieben? Wie in den vorherigen Artikeln in diesem Kontext beschrieben, existiert kein explizites Datum, welches mich zum Täglichläufer definiert. Dies war einst ein schleichender, unbewußter Prozeß, den ich erst dann konzentriert, bewußt wahrnahm, als ich diesen Weg längst beschritt. Seit zehn Jahren und mehr als sieben Monaten laufe ich ausnahmslos täglich, die sogenannte „Serie“. Ein sehr unschönes Wort, die den Kern meines Denkens nicht im Ansatz trifft, gleichwohl habe ich bisher keine adäquaten Termini eruieren können. Auch in den Monaten zuvor lief ich bereits täglich, wenngleich ich wiederholt Pausen einlegte, welche Ursachen auch immer das scheinbar legitimierten. Ein Blick in meine Laufaufzeichnungen und Abschweifen in die beileibe nicht vergessenen Anfängerzeiten sind höchst spannend für mich. Das Gros dieser Gründe würde ich heutzutage nicht mehr für mich akzeptieren, maximal würde ich das lächelnd negieren. Menschen ändern sich, zuweilen.

Diesen Beitrag respektive das Ereignis, was im Hintergrund dafür kausal verantwortlich zeichnet, werte ich nicht mehr als Jubiläum; vielleicht ist es das latent, demungeachtet interpretiere ich das nur als Feststellung für mich. Das Leben lebt, die Jahre fließen im Fluß der Zeit ungerührt von dannen, alles verändert sich – der Winter alterniert mit dem Frühling, wieder und wieder und ich selbst blicke nun auf 12 Jahre Täglichlaufen zurück. Was für eine lange, bewegende Zeit! In den vergangenen Jahren habe ich in diesem Stil sehr, sehr viel erlebt; unfaßlich viel erlebt. Von Schönheiten über Widrigkeiten bis hin zu Erstaunlichem. Aber wenn ich diese Zahl betrachte, „12“ Jahre als Täglichläufer, ja, ich gestehe, ich kann das kaum glauben. Erschreckend, wie rasant und vehement die Zeit vergeht, dieses mein Leben. Zuerst entdeckte ich das unregelmäßige Laufen für mich und gewann die Erkenntnis, daß dies mein Weg der inneren Zufriedenheit ist – freilich immer in Kombination mit der Natur. Im Zentrum meines Täglichlaufens steht an zentraler Örtlichkeit die Natur und ja, dafür lebe ich. Ohne sie wäre ich nichts. Ohne sie würde ich nicht laufen. Und täglich gleich gar nicht.

Der Sonderweg des Täglichlaufens war schlußendlich nur die logische Folge. Jener Pfad war für mich gemacht und gerade weil der Gedanke in meinen damaligen Denken schlichtweg absurd gewesen wäre und ich diesen Weg somit nicht bewußt beschritten habe, wurde es von meinem körperlichen wie mentalen Ich par excellence vereinnahmt. Und ja, selbst heute erscheint mir das in manchen Stunden immer noch absurd, jeden Tag zu laufen. Auch nach einer Dekade in Serie. Doch das Leben hat mich dazu bestimmt und das Leben hat immer Recht. Ich betrachte dies mit Demut. Hätte ich nur früher über das Wissen verfügt, was mir heute zuteil ist, über die Veränderungen meines Körpers und über meinen geistigen Wandel, so hätte ich das Täglichlaufen – wie ich es heute lebe – noch Monate oder gar Jahre früher in diesem Sinn forciert.

Doch nein, das hätte sich als törichten Irrweg erwiesen; schließlich setzt dies wiederum ein Bewußtsein voraus, das bewußte Agieren und Leben dieser Philosophie. Und den Weg meines Täglichlaufens hätte ich damals nie willentlich beschreiten können; natürlich hätte ich das, aber mit welchem Ergebnis? Wahrscheinlich wäre das in eine Art Zwang konvertiert worden; mit nur einem logischen Fazit – dem vorzeitigen Ende. Vielleicht existieren Menschen, die für sich festlegen, „ab heute laufe ich täglich“ und halten das fünf oder zehn Jahre durch. Ich selbst wäre hierbei gescheitert. Meine Entwicklung basiert auf dem Nichtwollen und der Nichterkenntnis. Ich bin einst hinein „gestolpert“ und das lebe ich bis heute. Das ist der Pfad, der mit meinem Körper wie Geist harmoniert und die zehn Jahre und sieben Monate in Serie bestätigen mir das selbstredend.

Ich will keine Lobeshymne auf mein Täglichlaufen verfassen. Wozu auch. Ich will andere Menschen mitnichten zum Täglichlaufen anhalten. Warum auch. Denn wo ist die Besonderheit dabei? Es gibt keine. Es handelt sich um simples Laufen. Der Körper wie Geist erfährt das, wofür er konstruiert ist – tägliche Bewegung. Das ist pure Natürlichkeit. Allenfalls die rigorose Konsequenz ist vielleicht bemerkenswert, aber nein, ich interpretiere das für mich nicht in der Form. Ich laufe täglich – mein Körper und Geist danken es auf ihre Weise. Weniger natürlich sind freilich die Reaktionen, die ich ob meines Täglichlaufens in persönlichen Gesprächen immer noch erfahre. Ja, das ist erschreckend, was für Märchen in den Menschenköpfen kursieren. Nach manchen Aussagen müßte ich lange tot sein oder aber ruinierte Beine, Füße und Gelenke haben – usw. usf. Von meiner Abhärtungskonzeption ganz zu schweigen. Ach je, die lieben Menschen. Sie propagieren die groteskesten Märchen und das, ohne sich damit je aktiv auseinandergesetzt zu haben. Wer kann und darf über mich urteilen?

Wer zehn Jahre und mehr täglich gelaufen ist, darf mich kritisieren. Wobei dessen Schlußfolgerungen auf individuelle Erfahrungen basieren, die lange nicht auf mich zutreffen müssen. Aber so sind wir Menschen, von nichts eine Ahnung haben und trotzdem immer und überall mit gewichtigen Urteilen präsent sein. Ich selbst nehme mich gar nicht aus. Erst vor wenigen Wochen erlebte ich ein Gespräch in diesem Rahmen, doch halt, ich schweife ab. Nun habe ich erneut viel zu viel über eine Thematik sinniert, dessen Betrachtung gänzlich obsolet ist. Ich laufe. Täglich. Ende. Wie lange noch? So lange ich kann, darf und will. Und ich will! Und wie ich will!!! Dies mag nun wieder einmal pathetisch anmuten, wie das so mein Stil ist – doch je länger ich täglich laufe, umso mehr liebe und wertschätze ich diesen meinen Weg intensiver. Von Tag zu Tag mehr, mehr. Und bei all der banalen Natürlichkeit, ein wenig handelt es sich hierbei doch um eine Besonderheit. Für m i c h. Jene gründet sich auf der geschätzten Gesundheit, die von absoluter Fragilität beherrscht wird.

Irrelevant, wohin meine Reise im Täglichlaufen zukünftig gehen wird, weiß ich doch eines, ich bin und bleibe ein Täglichläufer. Nach 12 Jahren „Gelebtes Täglichlaufen“ ist mein Inneres mit dem Täglichlaufen tief verwoben und wenn ich eines Tages nicht mehr laufen werde – der Tag wird kommen – so lebt diese Philosophie in meinem Geist weiter fort. Die geliebte Natur und mein geliebtes Täglichlaufen. Sie bilden eine sich bedingende Einheit, einen harmonischen Einklang im Frieden, der mich von Grund auf verändert hat und mich heute zu dem macht, was ich bin. Die gefühlte Dankbarkeit für dieses fragile Geschenk kann ich nicht in Worten formulieren. Doch wenn ich laufe, in der melancholischen Weite der endlichen Einsamkeit, geprägt von Emotionen, mich den natürlichen Elementen hingebe – die Natur in mich aufnehme und dort lebe, ja lebe! – dann bin ich meinem Element der Liebe. Täglichlaufen. Ich liebe und lebe es. – Vor einem Jahr sah ich mein praktiziertes Täglichlaufen anders als ich es heute tue; aber die Schlußworte besitzen nach wie vor ihre Gültigkeit: „…und konzentriere mich weiterhin nur auf den nächsten Tag, den kommenden Lauf. Täglichlaufen – seit 12 Jahren. Alles, was beginnt, endet auch. Ein jeder Anfang findet sein Ende. – – – Aber nicht heute.

Concordia domi, foris pax. Akt II.

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 6. September 2011 by Täglichläufer

Das Lied vom Täglichlaufen. In der Ferne leuchtet schimmernd verborgen die nächst höhere Strophe und ja, ich singe es immer noch mit Hingabe. Nach d e r elementaren Zäsur von zehn Jahren Täglichlaufen in Serie in diesem Jahr naht nun mein Halbjahresjubiläum – Zehn Jahre & Sechs Monate Täglichlaufen. Ich werde diesen Tag nicht als Ziel definieren; in all den vergangenen Jahren als Täglichläufer – seit 1999 – habe ich für mich nur zwei Ziele auserkoren (und realisiert), ein Halbjahresjubiläum ist selbstredend unwürdig. Demungeachtet konzentriere ich mich durchaus auf jenen Tag und gebe mich einer latenten wie natürlichen Vorfreude hin, was dieser Artikel bereits impliziert. Schließlich ist es bei aller Natürlichkeit ein exponiertes Ereignis für mich. Freilich, ob mir das gelingen wird, das weiß nur das vergangene Leben, welches noch sein ungeborenes Dasein in der Zukunft fristet. Vielleicht erreiche ich irgendwann sogar 11 oder 12 Jahre oder ich breche mir morgen das Bein oder übermorgen erschlägt mich ein mächtiger Ast und reißt mich für immer und immer in den unbedeutenden Tod, um der endgültigen Vergänglichkeit anheim zu fallen – alles ist möglich, das ist das Leben.

Irrelevant, ob mir das nun gelingen wird oder nicht; jeder einzelne Moment – positiv wie negativ – in den vielen Jahren des gelebten Täglichlaufens schätze ich zutiefst. Und mir ist nach wie vor bewußt, daß ich das, was ich bereits im Täglichlaufen „geleistet“ habe – n i e wieder in meinem Leben wiederholen kann. Demgemäß meine exorbitante Wertschätzung für die Gnade, für das Geschenk des Täglichlaufens, was ich nicht in Worte kleiden will. Ich lebe es, weil ich es liebe und liebe es, weil ich es lebe. Und ja, ich singe es weiter. Solange ich darf. – – Bedecktes Land. Leere Weite. Ungestüme Freiheit. Beherrschende Einsamkeit, trotziger Regen und leiser Sturm arbeiten Hand in Hand und halten jeden aufmüpfigen Besucher von meiner Welt entfernt, was ich sehr zu schätzen weiß. Die Tiefe des Waldes wirkt durch die konzentrierten Regentröpfchen weitaus finsterer als es sonst die Regel ist. Eine aussichtslose Dunkelheit streckt ihren Arm nach mir aus – ich wehre mich nicht – sie umarmt mich und zieht mich in den schwarzen Wald. Ich laufe und laufe…

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis zu meinem Halbjahresjubiläum

04.09.2011 – 15 KM, Jahreskilometer: 3452 KM
05.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3466 KM
06.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3480 KM
07.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3494 KM
08.09.2011 – 15 KM, Jahreskilometer: 3509 KM
09.09.2011 – 15 KM, Jahreskilometer: 3524 KM
10.09.2011 – 15 KM, Jahreskilometer: 3539 KM
11.09.2011 – 12 KM, Jahreskilometer: 3551 KM
12.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3565 KM
13.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3579 KM
14.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3593 KM
15.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3607 KM
16.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3621 KM
17.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3635 KM
18.09.2011 – 14 KM, Jahreskilometer: 3649 KM
ZEHN JAHRE & SECHS MONATE
T Ä G L I C H L A U F E N

Der Kreis schließt sich

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Philosophie. on 26. Mai 2011 by Täglichläufer

Eine exponierte Örtlichkeit im grünen Blätterhain an einem sommerlichen Frühlingstag. Meine Laufgeschwindigkeit verringert sich; erst langsam, sodann stetiger – bis ich den endgültigen Stillstand erreiche. Die Bewegung verharrt. Absolute Einsamkeit. Sie ist greifbar, ich kann sie fühlen. Sie umhüllt mich, schließt mich ein. Ich lasse meinen Blick schweifen und nehme allenthalben fein differenzierte Lichtspiele wahr. Vielfältige Kontraste. Ein goldener Sonnenstrahl äquivalent einem solaren Suchscheinwerfer durchbricht die höchsten Baumkronen und findet seinen würdigen Schlußpunkt auf der stillen Oberfläche des Weihers, welcher nur von zwei stolzen Schwänen grazil beherrscht wird. Das Wasser schimmert Diamantengleich und reflektiert das helle, ja grelle Glitzerschauspiel in seinem ureigenen Glanz. Konzentriert nehme ich diese edle Impression in mich auf. Anschließend schwenke ich minimal nach links.

Nur wenige Meter entfernt verliert das prächtige, omnipräsente Sonnenlicht seine wärmende Macht. Hier dominiert der düstere Wald, gleichwohl im rechten Teil noch zahlreiche Blätter ihr Licht genießen und mit kräftigen Grüntönen dank Mutter Sol reizen. Unmittelbar daneben schließt sich eine gedeckte Dunkelheit an. Ich drehe mich weiter und beobachte im dichten Blätterdach des allumfassenden Forstes eine kleine Lücke, die es mir ermöglicht direkt gen Himmel zu spähen. Welch tiefblauer Hintergrund wurde in den weiten Horizont gemalt! Welch mitreißendes Kunstwerk! Wer mag der talentierte Künstler sein? Nur wenige vereinzelte weiße Tupfer – Wolkenschiffe – gleiten durch das hehre Firmament der Unendlichkeit. Verschwinden. Wiederholt nehme ich die Drehung meines Körpers auf und bleibe dennoch an meinem Ausgangspunkt.

Finsternis. Die verheißungsvolle wie frühlingshafte Jahreszeit tat ihrem Namen alle Ehre und sorgt für eine grüne Welt, die scheinbar undurchdringlich ist. Die blättrigen Gewänder zollen einer unsichtbaren Dichte ihren Tribut und absorbieren jedwedes Licht und generieren eine kühlende Dunkelheit. Ein leiser Windhauch weht durch den Wald, streichelt mich für einen Moment, läßt die Blätter behutsam hin und her tänzeln, hebt ein einzelnes zärtlich empor, um es später liebevoll hernieder zu tragen und vergeht für alle Zeiten. Ich vollende meine Drehung um mich selbst, schließe den Kreis. Die wenigen eben beschriebenen Eindrücke lassen doch nicht erkennen, in welcher Intensität das natürliche Kontrastprogramm in dieser Sekunde an jenem Platz im Raum-Zeit-Kontinuum vorherrschte. Ich maße mir nicht an, das adäquat in Worte kleiden zu können. Die zahllosen Differenzierungen, nahtlos ineinander übergehende Abstufungen der gehaltvollen Facetten in dieser Schattenwirklichkeit offenbaren eine Komposition in Vollendung. Ja, der Kreis schließt sich. Und doch stand ich an der gleichen Stelle – aber mit jedem Zentimeter erschloß ich eine völlig andere, neue Perspektive, um am Ende wieder den Anfang zu erreichen, welcher jedoch nicht mehr identisch mit dem vorherigen Beginn war.

So wie sich dieser Kreis der Perzeption geschlossen hat – gleichwohl mehr geistiger Natur – so schloß sich auch der Kreis in meinem Täglichlaufen hinsichtlich meiner vollendeten Dekade. Was ich einst im März 2001 begonnen habe – aus welchen Gründen auch immer – hat im März 2011 sein Ende gefunden; freilich kein Ende in bezug auf mein Täglichlaufen. Ich spreche über eine geistige Ebene, nicht über das reale Agieren. Ich bin an jenem Tage wieder dort angekommen, wo es begonnen hat. Die Indikatoren schienen identisch mit den damaligen, was sie natürlich nicht waren. Nein, das konnten sie gar nicht sein. Der Kreis hat sich in zehn Jahren geschlossen; dies stellt eine gänzlich konträre Relevanz der Zeitebene dar – als die Drehung um mich selbst in zwei Minuten. Und doch, ja, eine latente Gemeinsamkeit läßt sich nicht leugnen.

Allerdings handelte es sich um keinen wahren Schlußpunkt, sondern mehr um eine Art Weiterentwicklung, eine neue Stufe der Selbsterkenntnis, gänzlich divergierender Natur im Sein. In dieser Form habe ich mein Täglichlaufen bisher nicht betrachtet. Doch ist dieser Prozeß noch nicht abgeschlossen. Mein Täglichlaufen hat mich zu einem anderen Menschen geformt; doch die Vollendung der Dekade hat mich erneut verändert und dies sehr tiefgreifend. Hierbei geht es mir nicht mehr um das banale Laufen respektive Täglichlaufen – das ist nur noch die sichtbare wie unbedeutende Ausführung meines Denkens. Die einst von mir propagierte Selbstdisziplin? Disziplin? Die vermeintliche „Serie“? Alles obsolet. Unbedeutend. Mir geht es nur noch um eines, ganz simpel – um Einfachheit. Um Einklang. Täglichlaufen im Einklang mit mir selbst. Ja, die Harmonie im Frieden. Das ist es. Die Quelle meiner Selbst im temporären Dasein meiner kümmerlichen Existenz – ich habe sie gefunden. Nun, ich hatte sie schon immer respektive seit vielen Jahren – freilich ohne mir dessen in dem Maße bewußt zu sein; in dieser Simplizität in meiner Intention ist dies ein Novum. Das generiert tiefen Frieden und eine belebende Stille der Ruhe.

Der Unwissende, darf diese meine Interpretation gerne für esoterischen Unsinn halten, muß es selbstredend auch nicht lesen. Demungeachtet sind meine Artikel auf dieser Seite nur an meine Person adressiert. Mit meiner absolvierten Dekade im Täglichlaufen – ja, ich weise wieder und wieder auf meine Zäsur hin, weil ich das selbst kaum verstehen kann – habe ich eine „Leistung“ erreicht, die für mich in diesem Leben nicht mehr reproduzierbar ist. Wer mich verstehen will, muß selbst diesen Weg gegangen sein und dann, ja, erst dann darf sich der Weise sein Urteil bilden. Ich werde diesen surrealen Pfad weiter beschreiten, mit jedweder Konsequenz – auch wenn ich erwogen hatte, ein bewußtes Ende zu initiieren. Auch werde ich mich intensivst mit dieser Thematik in einem meiner nächsten Artikel beschäftigen müssen – die sogenannte Selbstreflexion ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Aber wie könnte sie auch? Nach zehn Jahren? Der Kreis schließt sich. Und öffnet sich doch nur, um – ja, um größer, intensiver und gefühlvoller zu werden. – – Der Flieder gedeiht. Die Blüten öffnen sich; strahlen, leuchten. Und vergehen.

Der eine Tag

Posted in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Status. on 17. März 2011 by Täglichläufer

Kalter, stürmischer Wind – getragen von nassen Regenfronten, die unbeherrscht mit autoritärer Macht zu Boden peitschen. Gnadenlos. Ein finsterer Morgen. Dunkle Sturmherrscher reiten unter einem schwarzen Horizont in das allumfassende Nichts. Nachdem ich heute früh um 08:00 Uhr (02 °C) 14 Kilometer bei diesem perfekten Laufwetter absolviert habe, liegt nun die Erkenntnis klar wie still an der Oberfläche; auf jenem See des Lebens. Die Sturmböen haben die letzten Zweifel mit sich gerissen und ich weiß nun mit Gewißheit, daß ich eine Dekade Täglichlaufen erreichen werde. Fünf Kilometer trennen mich von zehn Jahre Täglichlaufen. Der eine Tag. Morgen ist es soweit. Ich kann es kaum erwarten und strahle bereits jetzt vor Freude.

An dieser Stelle meinen Dank an jene Personen, die an mich geglaubt und mich in den vergangenen Tagen wiederholt treu unterstützt haben. Besonders an Brigitte, Petra, und Otto. Weiterhin vielen Dank an Petra und Ramona, die mich morgen virtuell bei meinem Jubiläumslauf begleiten werden. Der eine Tag. Der 18.03.2011. Morgen wird unser Pakt vollzogen. Marco und Steffen, ich freue mich – und Danke für die Ehre, daß Ihr dabei sein werdet. Eine Dekade Täglichlaufen. Morgen. Der eine Tag. – Hier melde ich mich am Wochenende zurück.

Gelebtes Täglichlaufen

Verbliebene Läufe bis „Zehn Jahre, einer Dekade Täglichlaufen“

01.03.2011 – 16 KM
02.03.2011 – 14 KM
03.03.2011 – 14 KM
04.03.2011 – 14 KM
05.03.2011 – 14 KM
06.03.2011 – 13 KM
07.03.2011 – 14 KM
08.03.2011 – 16 KM
09.03.2011 – 15 KM
10.03.2011 – 14 KM
11.03.2011 – 15 KM
12.03.2011 – 10 KM
13.03.2011 – 14 KM
14.03.2011 – 14 KM
15.03.2011 – 15 KM
16.03.2011 – 12 KM
17.03.2011 – 14 KM
18.03.2011 – 05 KM
Z E H N J A H R E T Ä G L I C H L A U F E N
18.03.2011 – 18 KM

Concordia domi, foris pax

Posted in Täglichlaufen im Fokus on 11. März 2011 by Täglichläufer

Der Fluß des geschwungenen Zeitenschwertes fließt ungerührt von der Zukunft in die Vergangenheit und das Konstrukt der Zeit vergeht, das Leben und wir selbst. Wohlan, die letzte Woche hat begonnen. Die verschlungenen Pfade auf dem surrealen Weg des gelebten Täglichlaufens – eingebettet in meiner temporären Reise des Lebens – sind geradlinig geworden. Ohne Biegungen, doch nicht ohne Hindernisse. Unmittelbar vor mir leuchtet jene mysteriöse Fackel, die zehn Jahre Täglichlaufen ohne Ruhetage symbolisiert. Zum Greifen nah. Das rückbesinnende Innehalten hat sich in eine Bewegung der Vorfreude verwandelt. Und selbst der schwere Sturz vor wenigen Tagen wird mich nicht aufhalten. Heute in einer Woche ist der Tag gekommen; der Tag, an dem ich wahrscheinlich eine Dekade Täglichlaufen für mich realisieren werde. Der Kreis schließt sich. Ein Geschenk von mir – an mich selbst. Möge das, für mich einmalige Vorhaben gelingen. Dum spiro, spero.