Den Weg gehen – XI. 2022. Zwanzig Jahre. Elf Monate. Stürmischer Tribut.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Elf Monate in Serie. Wieder verbannt das Leben einen Monat in das unendliche, schwarze Nichts, welches in aller Ruhe und vollendeter Geduld auf uns alle wartet. Die letzte Monatswürdigung im Kontext Täglichlaufen vor dem einen Tag in diesem Jahr ist nun Geschichte. Nur wenige Tage wie Läufe liegen möglicherweise vor mir; allein das Leben, die Zeit wird es zeigen.

Die Temperaturen spielten zwischen -05 °C und 08 °C ihr eigenes Theater und auf jener Bühne strahlten 26 Kälte- und zwei Regenläufe hernieder. Zu Beginn des Februars eroberte der zweite Fastunfall in diesem Jahr seinen Platz in meiner Statistik. Am 27.01. drang ein Großaufgebot der Polizei in den hiesigen Forst ein und selbige gaben sich mutmaßlich ihren Drogengeschäften hin; glücklicherweise lag mein Lauf bereits hinter mir – denn die örtliche Polizei hält gerne mal Läufer an; auch Täglichläufer. Und nicht selten verschwinde ich mit einer Tüte in der Hand im Wald und verlasse diesen ohne, was durchaus zu einer gewissen Irritation führen kann und darf. Gleichwohl führe ich selten Kokain beim Täglichlaufen mit; sondern eher kulinarischen Freuden für meine wolligen Freunde. Der Wind an jenem Tage war durchaus sehr erfrischend, um nicht zu schreiben – eiskalt.

Drei Tage später sorgte ein Sturmtief für beträchtliche Schaden in den Forsten und verlegte mir diverse Wege – in den Folgetagen waren dann Klettereinheiten obligat. Das gesamte Ausmaß konnte ich erst in den Tagen danach eruieren und so betrüblich dieser Tribut auch ist – die wenigen Sturmschäden, die die Natur anrichtet, sind nichts im Vergleich zu den menschlichen Zerstörungsaktivitäten allenthalben. Dies gilt auch für den gestrigen Orkan – ungeachtet der zahlreichen Verluste ist in diesem Moment ein Holzernter engagiert dabei, den Wald zu vernichten. Ohne Worte. Am 08.02. begrüßte ich laut vernehmlich meine Schafe und hinter ihrer Weide fühlte sich noch jemand im Schilf angesprochen und trat unverzüglich den Rückzug an – ich hörte nur ein Krachen und dann Schwimmgeräusche; wenn ich raten müßte, sehe ich Schwarzkittel vor mir.

Mitte Februar bescherte mir die edle Natur seit längerem mal wieder einen nahen Bussardkontakt, welcher nicht flüchtete, im Gegenteil – er sah neugierig herab zu mir und im Anschluß hinterher, nur gut zwei Meter über mir. Hierbei kann es sich nur um eine Bussard-Dame gehandelt haben, denn auch im restlichen Tierreich sind die männlichen Wesen doch als Feiglinge bekannt. Am 15.02. passierte ich eine Graugans-Kolonie und nur vereinzelte flüchteten, der Großteil zeigte sich höchst entspannt wie äußerst aufmerksam. – – So liegt also die letzte Phase vor mir; ein neues Jahresjubiläum erstrahlt latent, täglich nuancenartig intensiver. Vielleicht gelingt es – vielleicht.

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