Den Weg gehen – IV. 2021. Zwanzig Jahre. Vier Monate. Der Tag der Schwäne.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Vier Monate in Serie. Der täglichlaufende Pfad führt mich weiter auf verschlungenen Wegen aus der Zukunft in die Vergangenheit, um temporär den Moment im Nichts zu preisen, festzuhalten und wertzuschätzen – allein im Anschluß mit unerbittlicher Härte doch zu vergehen. Erneut ist ein Monat Täglichlaufen für immerdar in die Unendlichkeit gefallen. Irgendwann falle ich mit und stimme in diesen Reigen der Vergänglichkeit ein.

In der absolvierten Phase alternierten die Temperaturen zwischen 15 °C und 28 °C und generierten damit einen Hitzelauf. Auch zwei Regenläufe darf ich bescheiden freudig verkünden; zwar registrierte ich noch an anderen Tagen ein wenig Regen, den ich aber keineswegs als solchen werten darf. Durchaus passend zum heutigen Jubiläum applaudierten schwarzkittelige Zuschauer im Wald – meine Freude war natürlich ausgeprägt. Auch ein neuer Fastunfall zieht erhöhend in meine Statistik ein, welcher seinesgleichen sucht. Am 07.07. fuhr ein weißes „Sport Utility Vehicle“, auch bekannt als SUV – gesprochen: SUFFF – an der berühmt-berüchtigten Unfallstelle vor – der Fahrer zählt betrüblicherweise zu den Analphabeten – und verringerte also weder seine Geschwindigkeit, noch beherrschte er den Schulterblick. Obwohl ich meinen Arm und meine Stimme erhob, was ich mittlerweile relativ selten praktiziere, reagierte jene Person nicht im Ansatz. Es ist also kausal davon auszugehen, daß der Fahrzeugführer auch noch an einem Ohrschaden leidet. So sandte ich ihm mein aufrichtiges, tiefes Mitleid hinterdrein.

An dem gleichen Tag und auch am 21.06. unterbrach ich meinen Lauf, um zwei wunderschöne Weinbergschnecken von ihrem Ausflug auf die Straße abzubringen – ich begleitete sie in sichere Gefilde. Der Dank war groß und zum Abschied winkten wir uns zu. Den vergangenen Juni deklariere ich zum Monat der Schwarzspechte – zahlreiche Begegnungen wurden mir zuteil, die allesamt höchst putzig ausfielen. Die Neugierde eint alle Lebewesen. Nach einer längeren Pause habe ich es am 09.07. gewagt, „meine“ Wollies zu streicheln und der Preis für wenige Minuten betrug vier Mückenstiche. Mit großer Ungeduld sehne ich den Herbst & Winter herbei – möge dieser heiße Sommer endlich vergehen.

Der wohl schönste Moment fand am 11.07. statt, als über meine laufende Wenigkeit sieben Schwäne hinweg flogen, flankiert von ihrem lieblich-sonoren Sirren. Im Anschluß folgten zwei weitere und gut zwanzig Minuten später erneut zwei Schwäne. Der Tag der Schwäne – und ich war dabei. Mit den unangenehmen Temperaturen ist mehrheitlich meine Lauffreude verlustig gegangen und angesichts der drückenden Schwüle der letzten Tage – intensiviert sich dieses meine Empfinden einmal mehr. Zeiten ändern sich; bis mich dieser Augenblick erreichen wird, laufe ich der Kälte entgegen – täglich. Ausnahmslos.

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