Den Weg gehen – III. 2021. Zwanzig Jahre. Drei Monate. Was für Zeiten.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Drei Monate in Serie. Das omnipotente Zeitenrad des unwägbaren, nebulösen Lebens bewegte sich vernehmlich knirschend; verbannte in der stillen wie klagenden Konsequenz einen neuerlichen Abschnitt der Hoffnung in die tödliche, absolute Vergangenheit – hinein in das allumfassende Nichts, welches uns früher oder später alle herzlich willkommen heißen wird. Einmal mehr eine weitere Phase, welche in meinem Gelebten Täglichlaufen geboren wurde und entsprechend würdigte ich jeden einzelnen Tag; natürlich, wie könnte ich auch nicht. Wo bleibt die Zeit nur? Und das Leben? Es ist in der Tat erschreckend, wie die Vergänglichkeit allenthalben expandiert; und wir können nur als unbedeutende Betrachter partizipieren; nur als höchst banale Marionetten in diesem seltsamen Spiel.

Die Temperaturen bewegen sich mehr und mehr in zutiefst unschöne Regionen, allein die Morgenstunden sind noch „erträglich“ und bewegten sich zwischen 08 °C und 24 °C während meiner Läufe. Null Kälteläufe durfte ich absolvieren und nicht ein Regenlauf darf ich vermelden – was für Zeiten, was für Zeiten! Dafür durfte ich am 13.06. mal wieder meine schwarzkitteligen Freunde beobachten – ein Großputzel sprang mit höchstem Engagement in das Wasser und generierte dadurch einen Lärm sondergleichen. Der Schilfrohrsänger betrat am 27.05. erstmalig die konzertierende Naturbühne – mein Applaus fiel gewaltig aus. Nur drei Tage später erspähte ich Meister Lampe; wahrlich eine rare Begegnung. Unser letztes Treffen lag schon länger zurück.

Ausgewählte Teilstrecken sind mittlerweile zugewachsen, welche ich aufgrund der möglichen Zeckengefahr meide; der grünen Mückenhölle kann ich indessen nicht entkommen, welche sich kaum noch beschreiben läßt. Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Grußfreundin und wenn ich unser Gespräch auf vielleicht nicht mal zwei Minuten beschränkte und dabei unbändig tanzte, hüpfte und mit den Armen wedelte (mir deucht, ich sollte eine Karriere als Influencer anstreben) – der Preis betrug vier Stiche; dabei standen wir am Waldrand – im Forst selbst ist die Situation viel extremer. Und ja, ich wiederhole an dieser Stelle meine Empfehlung für Laufanfänger – man möchte gar nicht mehr anhalten.

In den letzten 20 Jahren habe ich viele Geschenke während meiner Läufe erhalten – was ich bis heute nicht nachvollziehen kann; schließlich laufe ich nur durch die Wälder. Nach meinem besonderen Ostergeschenk in diesem Jahr war es nun an mir, mich zu revanchieren und ein Geschenk zu übergeben – zumal der Anlaß entsprechend war. Noch am nächsten Tag kamen dem Beschenkten die Tränen – offenbar kam meine realisierte Idee gut an. Es ist bemerkenswert, was man beim Täglichlaufen erleben darf. – – Morgen setzt es sich fort; natürlich. Und darüber hinaus? Dieses seltsame, surreale Spiel des Lebens wird es lehren. Absolut konsequent wie immerdar.

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