Den Weg gehen – I. 2021. Zwanzig Jahre. Ein Monat. Zwei Dekaden und darüber hinaus.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Zwanzig Jahre und Ein Monat in Serie. Nun verbirgt sich mein bedeutendes Jubiläum, mein großer, größter Tag überhaupt bereits ein Monat in der alles verzehrenden Vergangenheit und hat zudem einen weiteren Monat Täglichlaufen mit sich gerissen und für immerdar absorbiert. In einem Paralleluniversum habe ich dieses einzigartige Ereignis entsprechend gewürdigt; gefeiert – aber in unserem traurigen Weltgesang durfte ich es nur stolz registrieren. Auch wahre Freude hat ihre Zeit. Wie dem auch sei, mein Täglichlaufen läuft ungerührt weiter, noch. Mir ist wohl bewußt, diese meine Intention kann in jeder Sekunde ihr jähes Ende erfahren. Allein mein Willen steht dagegen; das ist wenig genug.

In der absolvierten Doppelphase bestritt ich 44 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Dazu gesellt sich der 65. Fastunfall in meinem Läuferleben, eine neuerliche Wildschweinbegnung – die 75. ihrer Art – und ein Hundevorfall. Die unsteten Temperaturen alternierten indessen zwischen -05 °C und 08 °C. Neben der prägenden „20“ enttarnt sich eine herausragende „75“, denn am 21.02. zeichneten zum 75. Mal meine Schwarzkittelfreunde für einen spannenden Auftritt verantwortlich. Etwas entfernt trottete ein Trupp mit mehreren Nachwuchsputzeln fröhlich durch das Leben und nur wenige Meter vor mir – brachen drei, vier große Wildschweine laut krachend durch das Schilf. Es handelte sich wie immer – um eine sehr erhabene Begegnung.

Wenige Tage später verabschiedete sich leider eine Schaffreundin von mir – sie war die älteste in diesem Kreis und nach vielen Jahren ist das wirklich ein seltsamer Anblick, wenn die Chefdame fehlt. Im März war nur ein Tag von wahrer Bedeutung; weitere Worte erspare ich mir an dieser Stelle. Am 22.03. erfolgte der 65. Fastunfall und welch ein Wunder – der Autofahrer entschuldigte sich sogar. So ein Verhalten hätte ich nimmermehr für möglich erachtet. 20. 65. 75. – es ist die Zeit für Gedenktage. Fünf Tage später erlebte ich eine sehr unschöne Begegnung mit einem Hund – welche sich am Ende mehr oder weniger harmlos auflöste und auch hier entschuldigte sich der Halter mehrfach. Auch in diesem Kontext bin ich ganz andere Verhaltensweisen gewöhnt. Früher wurde ich noch bedroht und beschimpft, wenn ich mich eines Angreifers erwehrte.

Am Ostermontag ereilte mich tatsächlich eine völlig unerwartete Osterüberraschung im einsamen Forst und ich weiß bis heute nicht so recht, womit ich das verdient habe. Und wenn ich jener Person auch schon vermehrt half – so war ich mehr als überrascht. Während meines Laufes am 10.04. gewahrte ich jählings im Wald ein Entenpaar direkt vor mir – ich blieb stehen und die süßen Enten liefen gemütlich den Pfad entlang – der Erpel fröhlich erzählend. Von rechts gesellte sich ein weiterer Entenherr dazu und meine Wenigkeit spazierte geduldig hinterdrein. Dies währte eine längere Zeit so, bis sie sich irgendwann entschlossen, fliegend den Wald zu verlassen. Und ich blieb lächelnd zurück. Den ersten Graugansnachwuchs in diesem Jahr durfte ich am 14.04. beobachten – auch hier unterbrach ich freilich meinen Lauf, um die goldigen Flauschbälle zu betrachten.

Das Leben läuft also weiter; ich selbst auch und zwar täglich. Das Großjubiläum von 20 Jahren hat daran nichts geändert und wird es auch künftig nicht. Temporär habe ich es wertgeschätzt – nun ist es in die Vergangenheit eingezogen und die nächsten Läufe werden folgen – täglich. Gelebtes Täglichlaufen. Zwanzig Jahre und nun darüber hinaus…

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