Archiv für Februar, 2021

Adieu Mählanie!

Posted in Meine Schafe on 27. Februar 2021 by Täglichläufer

Die Zeit, das Leben vergeht rasant – unser temporäres Gastspiel in diesem Weltgesang ist nur ein Moment im Nichts. Eine liebe Freundin, Mählanie, hat sich nun für immerdar verabschiedet – 18 Jahre sahen wir uns nahezu täglich, doch alles hat seine Zeit. Dennoch, dein Abschied hätte anders ausfallen mögen.

Den Weg gehen – XI. 2021. Neunzehn Jahre, Elf Monate. Traumhafte Eisdiamanten in einer sonnigen Schneewelt.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Februar 2021 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Das endliche Zeitenrad hat sich vernehmlich gedreht; das Spiel des Lebens offenbart ein weiteres Monatsjubiläum für mich – manch ein Spieler ist ausgestiegen, ich darf immer noch mein Täglichlaufen praktizieren und in wenigen Augenblicken erscheint mir die unglaubliche Möglichkeit von 20 Jahren Täglichlaufen. Direkt davor – darf ich das nun ausschreiben; allein ich hoffe oder erwarte nicht weniger als nichts. Das Strahlen am Horizont intensiviert sich mit jedem Lauf mehr, aber nur die Zeit wird es lehren.

Die scheue und edle Winterregentin registrierte meine wiederholte Enttäuschung und mein fortlaufendes Jammern über einen weiteren verlorenen Winter, der seinen Namen nicht verdiente und ja, ihr kaltes Herz goutierte diese meine Liebe und gewährte mir ihre freudvolle wie frostige Rückkehr, welche mich einmal mehr sprachlos machte. In der Konsequenz absolvierte ich 29 Kälteläufe, ein Nebellauf und die Temperaturen definierten einen Rahmen zwischen 09 °C und -17 °C. Gerade der letztere Wert trat zuletzt vor 12 Jahren in meiner Statistik auf. Was für eine Differenz, wenn ich an meine australischen Verwandten denke, die an jenem Tage von 43 °C sprachen, plus wohlgemerkt.

Am 20.01. gewahrte ich einen kleinen Baum, der meisterhaft von Meister Bokert gefällt wurde; in der Tat ein Meisterwerk! Eine Woche später zeichneten Menschen für ein beachtliches Zerstörungswerk sondergleichen verantwortlich – hier wurde ohne Sinn und Verstand in die Sträucher, Bäume und Büsche regelrecht hinein „gefräst“, um im Anschluß alles liegen zu lassen. Ich kann und will diese Unfähigkeit und Vernichtungswut nicht nachvollziehen.

Der vorletzte Tag im Januar generierte einen einzigartigen Traumlauf, denn die Nacht reizte mit ungefähr 12 Zentimetern Schnee und das erste Wesen, welches sich in den Morgenstunden durch die Wälder bewegte, war freilich ein schwarzer Täglichläufer. Einen Tag später erspähte ich einen Rotfuchs, der weitaus weniger Begeisterung über die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse zeigte. Der Schneereigen währte indes nicht wirklich lange, verschwand bald wieder in die Vergangenheit und fand am 06.02. eine kaum ausgeprägte Fortsetzung. Doch bereits einen Tag darauf absolvierte ich einen Schneelauf, wie aus dem Bilderbuch – es schneite ohne Unterlaß, die wehenden Mächte des Windes taten das ihre und partiell bewegte ich mich in Zeitlupe fort – trotz höchster Kraftanstrengung. Freude pur!

Bei -08 °C trug ich zwar längst ein langes Oberteil; zu einer langen Hose konnte ich mich aber nicht durchringen; doch am 08.02. bei -11 °C durfte ich dieser Hosenart nicht mehr entkommen – ein Novum nach nunmehr drei Jahren. Es schneite den ganzen Tag und auch in der Nacht weiter, am 13.02. bot die wundervolle Natur ihre herrlichen -17 °C feil und ja, ich nahm das Angebot mit Freuden an. Zu jener Zeit las ich auch einen Artikel von einem „echten Laufexperten“, der jedwedes Laufen ab -10 °C als sehr bedenklich und gesundheitsschädlich ablehnte. Ich bin geneigt anzunehmen, daß er das Laufen in der Theorie studierte, ohne je selbst im Winter gelaufen zu sein. Am 16.02. empfahl mir gar ein Nachbar einen Mundschutz – bei -01 °C. Wie verweichlicht doch die heutigen Menschen sind. Erschreckend. Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.

An jenem 13. fand auch mein absoluter Traumlauf statt – die weißen Schneewelten reizten immer noch und darüber fiel ein belebender Eismantel lieblich, fast schon zärtlich hernieder, welcher im Sonnenpanorama die Schneekristalle wie Eisdiamanten funkeln, erstrahlen ließ. Allein das Knirschen unter meinen Schuhen generierte eine glückselige Geräuschkulisse, die so selten geworden ist und für puren Genuß sorgte. Vorgestern gesellte sich eine finstere Nebelkulisse dazu, die an Schönheit wahrlich nicht zu überbieten war. Möge diese rare Winterzeit doch unendlich sein und nie vergehen! Nichts währt ewig und so werden diese kostbaren Momente zu wertvollen Erinnerungen transformiert werden. – – Die Zeit und das Leben vergehen – das bedeutendste Jubiläum in meinem Täglichläuferleben lächelt verhalten. Vielleicht.