Den Weg gehen – X. 2021. Neunzehn Jahre, Zehn Monate. Dem Ideal sehr nahe.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. So wurde also der „Jahreswechsel“ vollzogen, ein „neues Jahr“ lächelt hoffnungsvoll in der noch nicht geborenen Zukunft und lädt uns frohgemut ein, tanzend und mit Hingabe daran zu partizipieren. Freilich kann ich das edle Anerbieten nicht ausschlagen und werde auch künftig mit meinem Täglichlaufen teilnehmen. Allein, wie könnte ich auch nicht? Das zwanzigjährige Schimmern am weiten Horizont leuchtet immer herrlicher, doch ja, es ist dies noch ein trügerisches Strahlen der Unwägbarkeit.

In der vollendeten Phase alternierten die unsteten Temperaturen zwischen -11 °C und 07 °C und generierten in der unabänderlichen Konsequenz 27 Kälte- und vier Regenläufe. Bemerkenswert ist eindeutig der gestrige Tag – nach gut drei Jahren durfte ich bei -11 °C laufen – welch frische, belebende Gnade. Zudem macht es sich ein weiterer Glatteislauf (29.12.) in meiner Statistik gemütlich – auch durfte ich am 01.01. nach Jahren wieder einen Biber erspähen – gleichwohl bekam das arme Putzelchen einen großen Schreck und verschwand mit einem lauten Platscher im Wasser. Weniger scheu sind meine geliebten Wollies, die mich derzeit ohne eine Pause, im Zeichen von Streicheleinheiten nicht vorbeilassen. So streichele ich meine Lieblingsdamen, gerne mal Kopf an Kopf, indessen sie ihre Augen schließen und sich gegen meinen Arm lehnen.

Während einiger Läufe zu Beginn des Januars bot die Winterregentin durchaus liebliche Schneewinde feil und wenn auch nichts liegen blieb, war meine Begeisterung entsprechend tief ausgeprägt. Am 04.01. ließen es sich mutige Enthusiasten nicht nehmen, einen Schneemann auf meinem Damm zu errichten, der eine Höhe von gar 20 Zentimetern erreichte und jählings in der Finsternis vor mir auftauchte und mich zu einem schnellen Kurswechsel anspornte. Er sollte drei Tage in der Wildnis überleben. Den ersten echten Schneelauf seit laaanger, laaanger Zeit durfte ich am 14.01. erleben und ja, ich will diese Verhältnisse nicht weiter beschreiben – allein der dunkelweiße Genuß in der weiten Einsamkeit obsiegte. So fiel ich auch automatisch in altgewohnte Täglichläuferdistanzen zurück und meine Hoffnung auf einen richtigen Winter wurde leise wiederbelebt, welche sich passend zu meinem Jubiläumslauf auch erfüllte. Eine weiße Welt umhüllte mich und während meines gesamten Laufes schneite es, wenn auch partiell schüchtern – doch kam es meinem weißen Ideal sehr, sehr nahe. Manche Läufe sollten einfach nicht enden…

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