Den Weg gehen – VIII. 2020. Neunzehn Jahre, Acht Monate. Die Gans im Mond.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Also sprach die unerbittliche Zeit und zog mit ihrem unwiderstehlichen Charme einen neuerlichen Monat Täglichlaufen gnadenlos an sich, um ihn im Anschluß in das weite, leere Nichts der Bedeutungslosigkeit zu wehen – ein letzter Tanz der Hoffnung lächelte erhaben – sodann gehörte auch diese Phase der Hoffnung der Vergangenheit an. Das ist das Leben.

Auch die Temperaturen tanzten nach ihrer eigenen vernehmlichen Melodie zwischen 15 °C und -01 °C und erschufen in der Summe drei Kälte- und drei Regenläufe. Die Zahl „Drei“ spielt auch weiterhin eine tragende Rolle, denn bei drei Läufen lief ich schwer bewaffnet durch die heimischen Wälder und zwar führte ich jeweils eine volle Blumenkohl-Tüte mit mir – bei den Adressaten erntete ich große Anerkennung und schmatzende Dankbarkeit für mein edles Handeln. Das Amt des „Ehrenschafes“ verpflichtet eben.

Am 19.10. vollzog sich mal wieder eine unschöne Begegnung mit einem großen, schwarzen Hund – dem ich einst sehr freundlich gegenüber trat, da er aussieht wie mein früherer Nachbarhund Wotan. Doch schon bei dem ersten Kontakt schien er mich fressen zu wollen und der Eigentümer mußte viel Energie investieren, um ihn an der Leine zu halten. Später wurde mir zugetragen, daß es wohl ein „Problem-Hund“ sei. So begegneten wir uns also im Oktober im Wald – dieses Mal war er nicht angeleint, in einer Entfernung von 20 Metern. Ich versuchte es mit Deeskalation, blieb stehen, zog mich langsam zurück – er kam hinterdrein, „stellte mich“ – nun gut, Strategiewechsel. Auf den Hund zu, Stimme und Arm erhoben; jetzt zog sich der Hund zurück; indessen der Halter ungefähr vier Minuten (!) brauchte, um seinen Vierbeiner anzuleinen – entsetzlich! Weitere Worte erspare ich mir.

Ende Oktober flüchtete zwei Meter vor mir ein possierlicher Fasan, der ein unglaubliches Theater veranstaltete – Recht hatte er! Das gleiche Spiel erlebte ich am 17.11. – die Putzels sind wirklich zu drollig. Der wohl schönste Moment fand am 04.11. statt; der weite und leere Damm lag melancholisch vor mir und führte in der Verlängerung direkt auf einem leuchtenden Pfad in die hellstrahlende Sonne hinein, als ich den Ruf einer Graugans gewahrte, mich umdrehte und selbige im Mond erspähte, welcher ebenso lächelnd am Firmament flammte. Sonne und Mond zur gleichen Zeit, letzterer garniert mit einer Gans – die Natur geizt wahrlich nicht mit grandiosen Augenblicken. Möge auch der kommende Abschnitt ähnlich wundervolle Situationen bereithalten.

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