Den Weg gehen – VI. 2020. Neunzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Neunzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. Nun manifestiert es sich also, mein Halbjahresjubiläum in diesem Jahr und einmal mehr gewahre ich mit Verwunderung – nein, nein – ich unterlasse es an dieser Stelle, mich über die Rasanz des vergänglichen Lebens zu äußern und nehme es stattdessen mit Freuden und in Demut an. Wer hätte einst gedacht, als ich auf den Weg des Täglichlaufens gestolpert bin, selbigen nahezu in Richtung 20 Jahre zu beschreiten? Ich selbst? Mitnichten. Die Frage ist auch, wäre ich den Pfad mit der gleichen Konsequenz gegangen – mit dem heutigen Wissen? Und hätte ich ihn überhaupt beschritten? Beschreiten wollen? Nebulöse Fragen und noch viel weniger an nachhaltigen Antworten. Täglichlaufen i s t. Punkt.

In der zurückliegenden Phase alternierten die Temperaturen zwischen 22 °C und 02 °C (endlich!) und das Mysterium der Regengeister lud zu unglaublichen zwei Regenläufen ein. Stiller Genuß in der Einsamkeit. Der natürliche Weltgesang beschenkte mich pünktlich zu meinem Jubiläum mit dem ersten Kältelauf (kongenial mit Nebelausläufern komponiert), welcher sich wahrlich als Besonderheit auszeichnet; denn so früh enttarnte sich die Kälteregentin in den letzten 20 Jahren nie und damit wurde auch das Jahr 2015 als bisheriger Rekordhalter in dem Kontext abgelöst. Die unspektakuläre Sommerroutine fand ihre Fortsetzung; bis auf die gewohnten „Hundepausen“, heißt, Streicheln meiner Hundefreunde und Gespräche mit den jeweiligen Besitzern, ereignete sich erfreulich wenig. Auch behielt ich meine Kilometer-Reduktion bei – offenbar schließt sich der Kreis zu meinen Anfängen – und von 14 Kilometern pro Tag kann keine Rede mehr sein. Ich sollte mein „Über mich“ auf dieser Seite anpassen. Auch dies ist freilich ein Grund für eine gewisse Ereignislosigkeit, die mich nicht gravierend tangiert.

Ich muß zugeben, mir ist die Freude am Täglichlaufen in „meinen“ Wäldern doch eklatant verloren gegangen; angesichts der neuen Zerstörungen. Eine erste Erholung hatte sich minimal am Horizont abgezeichnet, die nun wieder konterkariert wurde. Und die fachkundigen Experten zerstören nur gesunde Bäume, die toten und kranken bleiben erhalten. In der Anwohnerschaft munkelt man bereits, daß der Wald nach und nach abgeholzt wird, um Platz für neue Häuser zu schaffen – ich halte dies für mehr als plausibel in dieser geldgeilen Welt. – – Am 21.08. unterbrach ich meinen Lauf, um zwei sich jagende Eichhörnchen zu beobachten – mein Gesicht war ein einziges Strahlen und kein famoser Kinofilm hätte diesen Moment auch nur im Ansatz übertrumpfen können. Allein die Laute!

Den ersten Bodennebel in diesem „Herbst“ durfte ich am 16.09. beobachten und ja, ich kann den echten Starknebel kaum erwarten. Vielleicht werde ich heute meine Dokumentation zur Hand nehmen, um die vergangenen Jahre mit ihren ausgewählten Momenten Revue passieren zu lassen. Doch ganz sicher werde ich mein für mich einzigartiges Halbjahresjubiläum heute Abend entsprechend würdigen. Auch morgen werde ich wieder auf diesem Pfad der Unwägbarkeit im Zeichen des fragilen Konstruktes wandeln; doch wohin die Reise wirklich gehen wird, wird mir das Leben offenbaren. So sei es.

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