Frau Bisam

Seit dem vergangenen Sturm, nein, ich korrigiere mich: Stürmchen – erspähte ich meine neue Freundin, Frau Bisam leider nicht mehr. Ich hegte bereits Befürchtungen, sie hätte die unruhigen Tage nicht wohlbehalten überstanden. Glücklicherweise trafen wir uns heute wieder – der Morgen graute unschlüssig, begleitet von einem verhaltenen Nieselregen. Und plötzlich bewegte sie sich von rechts direkt auf die Mitte des Dammes zu und beobachtete mich neugierig; auf Grund der zahlreichen Graugänse verharrte ich längst und spähte ebenso voller Neugierde in ihre Richtung und welch ein Vertrauensbeweis – unser Abstand betrug vielleicht fünfzig Zentimeter. Sie dachte gar nicht daran, sich zu entfernen – ich legte nur ein freudiges Erstaunen an den Tag.

Irgendwann lief ich weiter – sie blickte hinterdrein und direkt im Anschluß befand sich eine weitere Bisamratte vor mir – allein ich kam keine 10 Meter an das Putzelchen heran; es flüchtete im Eilschritt und mutmaßlich hatte ich es hier mit dem Männchen zu tun. Die größten Angsthasen sind in allen Spezies auf diesem Planeten die Männchen. Freilich ist dieses Verhalten gerechtfertigt, denn mit Vertretern der menschlichen Rasse darf man sich nicht einlassen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Für mich war diese extrem nahe Begegnung heute wahrlich außergewöhnlich und ich freue mich bereits jetzt auf meinen nächsten Lauf – das ist Laufen, wahres Täglichlaufen!

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