Archiv für Oktober, 2019

Was ist ein Leben wert? Lächerliche 5000 Euro.

Posted in Absurdistan on 23. Oktober 2019 by Täglichläufer

Ein Mann betrinkt sich, fährt sodann mit seinem Auto spazieren oder rast spazieren und ermordet damit eine 20jährige Frau. Das Urteil: 5000 Euro Geldstrafe.

Der Herr Richter konstatiert diesbezüglich: „Das Urteil ergehe im Namen des Volkes… „Aber das Volk muss schon ein paar Se­mester Jura studieren, um das zu verstehen, was ich heute geurteilt habe.“

Nun, selten habe ich so einen Unfug gelesen. Der werte Herr Richter läßt mich wahrlich sprachlos zurück – was sollen die Hinterbliebenen erst denken? Schuldunfähig. Der Täter war fähig zu trinken, zu fahren und zu töten. Aber die Verantwortung zu übernehmen, dazu ist er nicht fähig?

Und wieder ein Fall mehr, in der endlosen Reihe der Urteile, zum Wohl des Volkes, die meine Überzeugung von Selbstjustiz festigen und festigen. Ich hatte übrigens einige Semester Jura in meinem Studium – aber einen derartigen Unsinn will ich nicht verstehen; nicht im Ansatz.

Erbärmlicher geht es nicht. Es ist sehr betrüblich, daß wir weder in einem Rechtsstaat noch in einer Demokratie leben. So der Herr Richter Kinder hat, was ist deren Leben wert? Vielleicht 5000 Euro, 250 Euro oder 23,50 Euro?

Lesenswert.

Den Weg gehen – VII. 2019. Achtzehn Jahre, Sieben Monate. Ein Traum in weiß.

Posted in Täglichlaufen. Rückschau. on 18. Oktober 2019 by Täglichläufer

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Achtzehn Jahre und sieben Monate in Serie. Oh du seltsam, surreales Konstrukt der Zeit – wieder offenbarst du eine Rückschau, geboren in der Welt des Täglichlaufens. Vollzog ich nicht erst gestern mein Halbjahresjubiläum? Und doch ist längst ein weiterer Monat in den endgültigen Tod eingetreten. Fürwahr, dies ist das einzige von Bestand in diesem Leben – es setzt sich fort, Tag für Tag – ungerührt und irrelevant, welche gewichtigen Possen und lächerlichen Absurditäten die Spezies Mensch treibt. Möge sich auch mein Täglichlaufen noch etwas fortsetzen…

Die Temperaturen der absolvierten Phase alternierten zwischen -01 °C und 17 °C und generierten in der Folge drei Regenläufe – ja, ich muß mich wiederholen – drei Regenläufe, zwei Kälte- und zwei Nebelläufe. Und wie es sich für eine standardgemäße Rückbetrachtung gehört, gesellt sich ein neuer Wildschweinkontakt hinzu – der 67. in meiner „Laufkarriere“. Selbiger fand am 09.10. statt – zwei Rotten waren in meinem Laufareal unterwegs. Auf dem Rückweg empfahl ich einer Dame, ihren Hund angeleint zu lassen – manche Gefahren darf man meiden, so man die Möglichkeit diesbezüglich besitzt. Und durch andere muß man hindurch, wie heute einmal mehr am berüchtigten Stop-Schild. Aber so ist das in dieser Zeit; die Gesellschaft besteht scheinbar nur noch aus Unfähigkeit, Inkompetenz und Wahnsinn – dies beginnt in der Regierung und tangiert selbst den Straßenverkehr. Nun, ich bin unverletzt, doch mein Serienende war heute durchaus greifbar.

Am 20.09. beobachtete ich zwei Eichhörnchen, wie sie ausgiebig miteinander spielten und allein ihre Laute sind herzergreifend und zaubern mir das größte Strahlen in mein Antlitz. Parallel dazu wurde ich von einem Grünspecht gehörig ausgeschimpft. Möge er mir meine Anwesenheit nachträglich verzeihen. Meine Entschuldigung dehne ich auch auf zwei Fasane aus, die ich – natürlich ohne Absicht – am 26.09. gehörig erschreckt habe. Der wohl schönste Moment in der vergangenen Phase fand eindeutig am 10.10. statt, als ich vielleicht 30 Silberreiher erspähte, die von der güldenen Sonne angestrahlt wurden – ein Traum in weiß!

Das sind jene raren Augenblicke, die den wahren Wert des Täglichlaufens definieren. Ich hoffe auf weitere, intensive Impressionen in der nahen Laufzukunft. In der Tat, möge sich diese meine Reise fortsetzen.

Eine goldene Momentaufnahme in weiß

Posted in Besondere Momente on 10. Oktober 2019 by Täglichläufer

Verheißungsvolle Regenmächte gaben sich in der vergangenen Nacht die seltene, kostbare Ehre. Der Tagesbeginn war trunken von goldenen Strahlen der lieblich leuchtenden Sonne. Ein einsamer, lauschiger Weiher. Rückwärtig flankiert mit mächtigen Baumriesen – jenseits strebt mein Laufpfad in das Hochwasserschutzgebiet. Vor langer Zeit wankte ein hoher Baum in die Vergänglichkeit und liegt nun verlassen im Uferbereich, der größte Teil im Wasser; am Ende steigen seine Äste mahnend aus dem Wasser und führen auf einer imaginären Leiter gen Himmel.

Jene Örtlichkeit zog heute meinen Blick gravitätisch an sich – denn auf dem gefallenen Baum saßen Silberreiher neben Silberreiher, bis hin zu der oben erwähnten Astleiter. Ungefähr zwischen 25 und 30 an der Zahl – alle weithin leuchtend weiß – angestrahlt von der Sonne, die das Weiß einmal mehr intensivierte. Und damit der vollendeten natürlichen Schönheit nicht genug – diese wundervolle Szene wurde zudem in dem ruhigen Wasser gespiegelt. Welch ein Bild bot sich mir! In all den Jahren sah ich nichts vergleichbares. Ein Hoch auf die herrlich, edle Natur!