Wir werden keine Freunde mehr

Die Macht der Dunkelheit thronte nur noch eingeschränkt zu dieser Zeit; nur zu gern bereit das temporäre Zepter in die graufinsteren Morgenhände zu übergeben. Meine tägliche Strecke entlang der Hauptstraße währt in der Tat nur einen Moment und doch finden jene Sekunden mehrheitlich konzentriert statt – um die strömenden, blendenden Blechvehikel zu ignorieren – und so schottet mein Geist das nahe Umfeld in einem relativen Rahmen ab. Versunken in der Konzentration, den nahen Wald erlösend erwartend.

Nur noch wenige Meter, bis ich die lärmende Lichterwelt rechts liegen lassen darf. Jählings nähert sich blaues Licht mit hoher Geschwindigkeit – ein Rettungswagen. Die Welt strahlt blau, reflektiert und spiegelt sich allenthalben. Der ausgeprägte Verkehr wandert in Wellen, ebbt in diesem Augenblick ab. Als subjektiver Betrachter erkenne ich keine Indikation, die Sirene aktivieren zu müssen. Doch dann passiert es unerwartet – exakt auf meiner Höhe – wo auch sonst? – vielleicht ein Meter neben meiner Person. Eine extreme Supertröööte, die Tote erwecken könnte. Im Anschluß setzte wahrscheinlich mein Herz für eine Mikrosekunde aus, ich zucke derart zusammen und wage einen gefühlten Sprung von sechs Metern nach oben; jedes Eichhörnchen würde vor Neid und Ehrfurcht erblassen, um völlig konsterniert und verschreckt weiterzulaufen. Entsetzlich.

Ja, schrecklich! Immerhin sah ich den Rettungswagen kommen; wäre er von hinten gekommen – mit dem gleichen Spiel – intensiviert sich alles um das Vielfache. Auch dies erlebte ich wiederholt. Wohl wahr, wir werden keine Freunde mehr.

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