Tina

Wie lange wir uns kennen, kann ich gar nicht genau benennen, vielleicht seit elf oder zwölf Jahren. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Grußfreundschaft mit dem Besitzer entwickelte und nach kurzer Zeit gehörte die Streichelpause zu einem absoluten Pflichttermin und nur zu gern unterbrach ich dafür mein Täglichlaufen. Vor fast sechs Jahren fand Tina gar hier Eingang und ich erinnere mich daran als ob es gestern gewesen wäre und wie schrieb ich damals? „Wir begegnen uns morgen. Versprochen“. – – In der Tat, so kam es auch – doch wo ist diese Zeit geblieben? Denn Tina traf ich täglich; es gab nur sehr wenige Tage, wo wir uns verpaßten und so wurde sie zu einem Teil in meinem Täglichlaufen – was über viele Jahre geprägt wurde; Tina gehörte dazu und ich freute mich jeden Morgen, sie zu begrüßen.

Letzten Donnerstag erhielt sie die letzten Streicheleinheiten von mir, es war ein Abschied ohne es zu wissen; drei Tage erspähte ich sie nicht und dementsprechend wunderte ich mich und hatte hierbei kein gutes Gefühl, schließlich ist sie eine alte Dame und gesundheitlich beeinträchtigt. Heute erfuhr ich nun, daß sie sich am Samstag von dieser Welt endgültig verabschiedet hat. Für immer und immer. Dieses Kapitel wurde gnadenlos vom Buch des Lebens geschlossen. Ich werde sie nie wiedersehen und nach all den Jahren wird nun mein Täglichlaufen ein ganzes Stück ärmer – sie gehörte einfach dazu. Der tägliche Lauf, unsere Treffen waren doch eins und irgendwie zusammen gewachsen. So endet es also, was mich sehr betrübt.

Tina, in Altdeutsch die Strahlende oder Glänzende – wahrlich, Deine treuen, ehrlichen Augen waren mehr als strahlend. Ich werde dich vermissen, meine liebe Tina!

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