Den Weg gehen – VI. 2018. Siebzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und sechs Monate in Serie. So weht es also unerwartet hernieder – mein Halbjahresjubiläum – wie ein weißgrauer Wolkensturm und lächelt erhaben und ungestüm in diesem temporären Moment der banalen menschlichen Existenz in unserem Weltgesang. Ein Jubiläum, welches in seinem Charakter still verbunden mit allen früheren in einer Reihe in diesem Universum thront – manifestiert aus dem Nichts heraus und nie gewollt oder geplant, welches nie bewußt angestrebt wurde und doch schimmert es mit seinem ureigenen konsequenten und gnadenlosen Charme. Allein was bleibt mir? Ich nehme es an, in Demut; hebe einmal mehr das fragile Konstrukt der Gesundheit explizit hervor, verweise auf die Nichtreproduzierbarkeit – freilich nur auf meine Person bezogen und ja, heute werde ich den einzigartigen Tag mit der stolzen Realisierung dieser Herausforderung, respektive Geschenk entsprechend würdig zelebrieren. Die Zukunft wird es lehren, wohin mich jener täglichlaufende Pfad führen wird und wie lange ich ihn – in welcher Form auch immer beschreiten darf. Das säuselnde Wolkenmeer zieht indessen unbeteiligt in das weite Firmament ein.

Die unbedeutenden Temperaturen in der vergangenen Phase traten endlich in gemäßigte Regionen ein und vollführten ein Wechselspiel zwischen 08 °C und 20 °C und boten zwei Regenläufe feil. Ein Nebellauf gesellte sich hinzu und jener darf natürlich in seiner Schönheit nicht unerwähnt bleiben. Leider ziehen auch zwei Fastunfälle in meine Statistik ein und bei jenem am 08.09. mußte ich gar auf die vielbefahrene Straße ausweichen, welche in dieser Sekunde an der Örtlichkeit völlig überraschend frei war. Ich erhob meine Stimme und gab ein Handzeichen, doch der Fahrer blickte entrückt drein, als ob der Papst nackt auf der Stelle hüpfen würde. Stop-Schilder. Was mögen sie wohl bedeuten? Ein Mysterium!

Am 22.08. blockierte ein junger Vater mit seinem Nachwuchs in einem Handwagen einen Engpaß auf meiner Laufstrecke; spontan bot ich meine Hilfe an, welche auch gerne angenommen wurde. Als kleine Entschädigung offerierte ich ihm generös, daß ich den Rest der Strecke in dem Wägelchen verbringen darf und fröhlich durch die Wälder gezogen werden könnte – hier war der Begeisterungssturm ob meines Vorschlages sehr verhalten bis nicht vorhanden, womit ich natürlich nicht gerechnet habe. Bei Gelegenheit sollte ich das Thema erneut aufgreifen. Unvergessen bleibt der Augenblick, als ein Fasan direkt vor mir von dannen wetzte und ich ihn für einige Sekunden verfolgte – ich konnte nur noch lachend weiter laufen. Die Natur geizt wahrlich nicht mit heiteren Situationen.

Anfang September schreckte ich leider einen Grünspecht auf, der zwei Meter neben meiner Person flog, mich kurz begleitete und hernach einen schimpfenden Reigen vollführte, der seinesgleichen suchte. In der Tat, ich gelobe Besserung, künftig nicht mehr allzu schreckhaft aufzutreten. So verging also ein neuerlicher Monat; trat ungerührt in die Vergangenheit ein und hinterläßt die stolze Trophäe von 17-6 im Kontext meines Täglichlaufens. Wer hätte das je gedacht? Ich mitnichten. Morgen reiht sich ein weiterer Tag, Lauf auf dieser surrealen Kette ein und heute? Heute wird gefeiert!

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