Den Weg gehen – IV. 2018. Siebzehn Jahre, Vier Monate. Der Zenit ist überschritten.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und vier Monate in Serie. Still und weithin laut vernehmlich haucht ein weiterer Lebensmonat mit unschätzbarer Zeit – geprägt vom Täglichlaufen – seufzend seinen einzigartigen Atem aus. Der Weltgesang hält inne, läßt alte und flüchtige Erinnerungen letztmalig lächelnd aufleben und schließt den Kreislauf des Lebens mit einer entsprechenden Rückschau. So verrinnt sie also, die surreale Zeit – das mächtige Konstrukt unseres beschränkten Geistes. Und wie noch stets, bemerkenswert rasant.

Der vergangene Monatsabschnitt vollführte ein verhaltenes Wechselspiel im Rahmen der Temperaturen zwischen 11 °C und 25 °C. Nach nahezu drei Monaten ohne einen einzigen Regenlauf durfte ich jene ungewollte wie fürchterliche Antiserie am 12.07. endlich beenden. Bei allem Genuß und wahrer Freude – jener Moment schwindet mehr und mehr und die hohen Temperaturen lassen die greifbare Lebendigkeit von einst vergessen – täglich um eine Nuance mehr. Eine unschöne Begebenheit fand am 29.06. statt – ich passierte meine „Lieblingsstelle“ – das berüchtigte Stopschild – und welch ein Wunder (der Klerus darf mir hier zustimmen), tatsächlich hielt doch mal ein Vehikel an; gleichwohl nicht an der angemessenen Örtlichkeit, nein – der Fahrer blockierte gleichsam Fuß- wie Radweg und ich sah mich genötigt, auf die Hauptstraße auszuweichen – ungeachtet des stark fließenden Verkehres. Ohne Worte.

Am 24.06. erspähte ich einen Schwarzspecht im einsamen Hain und nur drei Tage später wurde mir die seltene Ehre zuteil, drei Schwarzspechte auf einen Streich zu beobachten – dies ist wahrhaftig ein Novum. Später gesellten sich zwei Pirole hinzu und nochmals drei Tage später schwamm im Wasser eine Entenfamilie, die nicht weniger als acht Nachwuchsputzels mit sich führte – welch ein Anblick! Anfang Juli hoppelte ein Hase auf dem Waldweg umher und seit dem 04.07. hat sich eine neuerliche Serie etabliert – denn seit jenem Tage durfte ich täglich Meister Lampe in seinem Wirken beobachten. In der Regel tritt er schnellstens den Rückweg an und doch hielt er bereits einmal in seinem Lauf inne, als ich ihn anredete. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas „zutraulicher“ werden. Zudem sie immer an den gleichen Punkten ihre sonst getarnte Anwesenheit offenbaren.

Seit einigen Tagen registrierte mein Bewußtsein jählings die ersten Anzeichen für den hoffentlich baldigen Aufbruch und Abschied des Sommers – der Zenit ist längst überschritten und so sind diverse Waldwege von Unmengen von abgefallenen Blättern gesäumt wie ausstaffiert. Heute tanzte ein einzelnes gelbes Blatt hernieder und fiel direkt in meine Hand; ein Hauch von Abschied. Der leise Übergang blieb mir indessen verborgen, doch das Ergebnis lächelt eindrücklich und die Hoffnung auf angenehmere Rahmenbedingungen darf sich nun intensivieren. So tritt er also seinen Rückzug an – der ungeliebte Sommer – mein Bedauern hält sich freilich in Grenzen. Ein neuerlicher Monat Täglichlaufen schimmert hoffnungsvoll – wohlan, möge es beginnen. Morgen.

Werbeanzeigen

Kommentare sind geschlossen.