Den Weg gehen – I. 2018. Siebzehn Jahre, Ein Monat. Das Unvorstellbare realisieren.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Siebzehn Jahre und ein Monat in Serie. So führte mich also der gleichgültige Zeitenstrom in Regionen und Sphären, die ich mir einst hätte nie vorstellen mögen und mein besonderer Tag in diesem Jahr näherte sich täglich, mit jedem Lauf etwas mehr und dies nicht nur vielleicht, sondern tatsächlich. Wer hätte damit rechnen dürfen, daß ich 17 Jahre Täglichlaufen in Serie je realisieren werde? Ich gewiß nicht. Und doch hat das Leben Recht und entsprechend nehme ich diese Gnade und dieses wertvolle Geschenk in Demut und Dankbarkeit an – jedwede andere, möglicherweise divergierende Denkweise würde mich nur von diesem einzigartigen Pfad hinfort leiten und das ist nicht meine Intention. So gehe ich diese Weg also weiter, täglich – bis ich sein Ende erreichen werde, welches sich wie auch immer gestalten wird. Die Zeit, das Leben wird es offenbaren.

In den vergangenen zwei Monaten alternierten die lieblichen Temperaturen zwischen -14 °C und 18 °C – in der unausweichlichen Konsequenz absolvierte ich 39 Kälte-, sieben Regen- und zwei Nebelläufe. Weiterhin gesellen sich in der Statistik dazu – ein Glatteislauf und ein neuerlicher Fastunfall. Letzterer sollte mich ausgerechnet an meinem gewichtigen Jubiläumstag ereilen. Die Zeit zum Februarende war relativ traurig, denn die längere Verantwortung für meine Wollfreunde fand ihren Schlußpunkt, was meine Wollies natürlich so gar nicht verstehen wollten und ihre Trauer und ihr staunendes Unverständnis währte über mehrere Wochen. So hat alles seine Zeit im Leben. Am 28.02. sorgte der Hauch einer Schneedecke für einen wundervollen Traumlauf, wie er mittlerweile im Kontext dieser Witterungsbedingungen selten geworden ist.

Am 04.03. bei einer Temperatur von -08 °C ertönte ein lautes Aufschreien zweier Männer, die nicht begreifen konnten, wie ich in kurzer Hose laufen kann; zwei Tage später erlebte ich das gleiche bei warmen -03 °C – solche Verwunderung erlebte ich viele Jahre nicht, ich kenne das Spiel eher andersrum – bei -14 °C waren viele Menschen entsetzt, daß ich eine lange Hose trug. Nun ja, die Herrlichkeit der Welt… Der wunderbare Wintergenuß steigerte sich am 07.03. in höchster Intensität und jener weißer Winterwald, einhergehend mit Schneefall, der in Regen überging, war unbeschreiblich prächtiger Natur. Nur fünf Tage später fiel die erste Kreuzspinne im tiefen Wald auf meinen Arm und läutete damit den endgültigen Frühling ein, der sich freilich noch etwas zierte, um dann seinen würdigen Thron einzunehmen.

Zu den Iden des März bekamen meine Wollies Besuch von einem Bussard, der zwischen ihnen hin und her lustwandelte und jener tollkühne Gesell wurde von den lieben Schafen ohne Widerspruch toleriert, respektive gar ignoriert – ich beobachtete dieses Schauspiel durchaus eine Weile und selbst zum Ende meines Laufes hielt sich der Greifvogel immer noch auf der Weide auf. Der letzte Schneelauf fand am 20.03. statt, welcher freilich auch in die Kategorie „Traumlauf“ einzog. Dies liegt in der Natur der Sache. Sechs Tage später wollte ein Graureiher in der Krone eines Baumgiganten landen; er erspähte mich unmittelbar davor und hielt stante pede im Flug inne, strampelte mit den Beinen in der Luft und flog zutiefst verstimmt von dannen; ich konnte mich eines Lachens ob dieser Vorstellung nicht erwehren. Um bei den gefiederten Freunden zu bleiben, beobachtete ich am 08.04. einen Seeadler, der trotz meiner Anrede den Rückweg antrat – welche Flügelspanne, welche Flügelspanne! Ich war begeistert, dieses Prachtexemplar beobachten zu dürfen. Eine Woche nach dem Treffen lag mitten auf dem Forstweg ein toter Buchfink, der allem Anschein nach unversehrt war – ich unterbrach meinen Lauf und verbrachte ihn fern des Weges in den Wald und bedeckte ihn mit Laub. So endet ein Leben. Und mein Täglichlaufen läuft weiter…

…hinein in den nächsten Monat und ja, bereits die 17/1 sind wahrhaftig unvorstellbar – ein Hoch auf meine Dokumentation, die mir jeden einzelnen Lauf seit 1999 erinnerlich werden läßt. Morgen gehe ich diesen Weg weiter. Wie könnte ich auch nicht?

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