Den Weg gehen – IX. 2017. Sechzehn Jahre, Neun Monate. Das schwarzblaue Wolkengemälde.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Neun Monate in Serie. Vorbei. So endet es, dieses nicht mehr lange lebende Jahr und vor meinem obligaten Jahresrückblick erfolgt nun die schlußendliche Monatsrückschau. Wie stets, so vollzog sich auch jener Abschnitt mehr als rasant und tritt für immerdar in das unendliche Nichts ein; der Rasanz ungeachtet konnte ich mein Täglichlaufen in gewohnter Routine unspektakulär absolvieren, wenngleich der letzte Monat durchaus interessante Begebenheiten für mich bereit hielt.

Die Temperaturen alternierten in der vergangenen Phase zwischen 08 °C und -03 °C und offenbarten somit 18 Kälte-, vier Regen- und zwei Nebelläufe. Auch ein neuerlicher Fastunfall und zwei Wildschweinkontakte durfte, bzw. mußte ich erleben. Am 27.11. fand eindeutig einer der wundervollsten Läufe in diesem Jahr statt und fast war ich geneigt, ihn ausführlich zu beschreiben, doch wahre Schönheit kann nie in schnöde Worte erklingen. Dennoch, das Himmelspanorama wurde links wie rechts von absoluter Finsternis flankiert; schwarze Wolkenschiffe zogen lautlos in den weiten Horizont hinein, indessen das Zentrum in jenem Gemälde azurblau ausstaffiert war – in einer intensiven Art und Weise, die ihresgleichen suchte. Die Mittelwiese wurde gleißend hell kontrastierend von der Sonne ausgeleuchtet und in den dunklen Wolkenmeeren zu beiden Seiten entfaltete sich ein zweifacher Regenbogen, welcher das unbeschreibliche Kunstwerk in einem Halbkreis magisch umschlossen hielt. Meine Gedanken formten nur einen Satz – die Welt für eine Kamera! Nur in meiner Erinnerung lebt dieses wundervolle Bild fort – es wird nimmermehr real wiederkehren.

Anfang Dezember erspähte ich eine Rotte von ungefähr acht Wildschweinen, welche entspannt durch den Morgennebel lustwandelten und sich auch durch meine übliche Anrede nicht stören ließen. Für einen Moment beobachtete ich die Schnuffelnasen, bis sie von der wabernden Nebelwand absorbiert wurden und nachhaltig verschwanden. Unsere nächste Begegnung erfolgte am 13.12. – dieses Mal traf ich nur ein großes Exemplar in der Finsternis. Zehn Tage vorher schneite es erstmalig in diesem aktuellen „Winter“ – natürlich tanzten die lieblichen Flocken erst zehn Minuten n a c h meinem Lauf hernieder. Manche Dinge ändern sich nie. Der Morgen des 07.12. reizte mit einem besonderen Lichtspiel, denn zu meiner linken Seite winkte bereits die Sonne, gleichwohl zu meiner rechten noch der halbe Mond lächelte. Die letzten Tage werden ebenso ungestüm wie das ganze Jahr in die Vergangenheit eintreten und auch die noch folgenden, werde ich freilich mit einem täglichen Lauf gebührend würdigen. Wie könnte ich auch nicht? Täglichlaufen, 16 Jahre und neun Monate in Serie; tatsächlich, ein beachtlicher Wert für mich.

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