Den Weg gehen – VIII. 2017. Sechzehn Jahre, Acht Monate. Im Zeichen des Bussards.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Acht Monate in Serie. Vergangenheit. Vor einem Moment lag er noch vor mir, der hoffnungsvolle und noch nicht geborene Monat Täglichlaufen, der freudig den Dingen harrte, um strahlend in das fragile Leben zu treten. Vorbei. Nun ist er ein unbedeutendes Teil der unendlichen Vergangenheit; kehrt nimmermehr wieder und lebt nur in meinen leisen Erinnerungen fort – temporär begrenzt. Wie das Leben selbst. So setzt es sich also fort, ungerührt und unwägbar wie eh und je. Wer kann und will dem entkommen? So sei es.

In der nun abgeschlossenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen 0 °C und 14 °C und in der Summe wurden mir sechs Kälte-, fünf Regen- und zwei Nebelläufe als wertvolle Geschenke dargeboten, welche ich nur zu gern goutierte. Auch erlebte ich am 25.10. meinen 52. Wildschweinkontakt, der sich einmal mehr unspektakulär im Sprühregen vollzog. Der vernichtende Kahlschlag im Forst fand mittlerweile seinen Abschluß – zurück bleibt Zerstörung allenthalben und mehrere Holzstapel, wie auch das nachfolgende Bild betrüblich aufzeigt – jener ist ungefähr 60 Meter lang. Ein erneuter „Orkan“ wütete entsprechend und tat das seine, um weitere zornige Schäden zu generieren – mein Lauf indessen an jenem Tage war wundervoller Natur.

Am 24.10. erspähte ich zum ersten Mal ein schwarzes Eichhörnchen – bisher dominiert die Farbe rot. Anfang November thronte auf einem hohen Holzpfahl ein edler Bussard, der sich gar nicht stören ließ und nur neugierig nach unten spähte, um mich im Auge zu behalten. Nur wenige Tage später lief ich direkt auf einen Bussard zu, der auf einem Ast in vielleicht drei Meter Höhe saß und selbst als ich erst unmittelbar vor ihm abdrehte, wahrte er noch die Contenance und fühlte sich keineswegs belästigt. Sodann erfolgte am 09.11. das gleiche Spiel, dieses Mal betrug die Distanz zwischen uns nur zwei Meter und auch in diesem Fall beobachteten wir uns nur gegenseitig in höchst neugieriger Art und Weise. Ob es sich um verschiedene Exemplare handelte, kann ich freilich nicht konstatieren. Doch ja, als Täglichläufer muß ich selbst den Bussarden bekannt sein. Und wie stets, hielt ich auch bei diesen Begegnungen anredende Monologe, die allerdings unbeantwortet blieben.

Während dieses Laufes erspähte ich an der gleichen Lokalität wie zuvor erneut einen Waschbären, der von links nach rechts sehr entspannt meinen Damm kreuzte und im Gebüsch verschwand. An dieser Stelle darf ich meine geliebten Wollfreunde nicht vergessen, die an jenem Tage aus ihrem Sommerurlaub zurückkehrten und auf ihre heimatliche Weide zogen – und mich durchaus arrogant ignorierten. Es sollte noch eine Woche dauern, bis wir den gewohnten Streichelreigen fortsetzen konnten und so kann ich über dieses skandalöse Verhalten doch generös hinweg sehen. In der Mitte des Novembers gelang es mir, in den frühen Morgenstunden zwei relativ junge Nachwuchsfüchse beim Spielen zu beobachten – ein herziger Anblick, der einfach nur pure Lebensfreude ausstrahlte. So vergeht also ein weiterer Monat Lebenszeit; wohin die Reise gehen wird, wird die Zeit lehren.

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