Den Weg gehen – VI. 2017. Sechzehn Jahre, Sechs Monate. Mein Halbjahresjubiläum.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Sechs Monate in Serie. In der Tat, der unwägbare Zeitensturm weht mich auf die nächste Ebene in meinem Täglichlaufen und materialisiert in der kausalen Konsequenz mein Halbjahresjubiläum, was mich einmal mehr überrascht; denn zum einen hallt noch mein Jahresjubiläum latent nach – freilich nur für mich wahrnehmbar – und zum anderen ist jeder weitere Tag Täglichlaufen im Kontext der Gesundheit eminent wertzuschätzen. Wie rasant kann die routinierte Gesundheit das Leben in Bahnen lenken, mit denen man niemals rechnete oder gar erwarten würde. Tatsächlich, wie schnell kann es vorbei sein mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit der starken Gesundheit und dann gar das fragile Konstrukt Täglichlaufen über Jahre ausnahmslos zu leben? Die vergangenen Jahre Täglichlaufen – 16 Jahre und ein halbes Jahr – wirken wahrhaftig wie ein Wunder für mich; müssen so wirken, denn das generiert die einzigartige Wertschätzung. Ich will mich jetzt nicht weiter darin verlieren oder einen übertriebenen Jubiläumsartikel verfassen, nein, ich registriere es nur und zwar in tiefer Demut vor diesem Geschenk wie Glück. Das Leben wird mich auch künftig auf diesem seltsam surrealen Pfad leiten oder gnadenlos abstürzen lassen. Letzterem nähere ich mich sowieso beständig mit jedem weiteren Tag. Bis jener Moment mich ereilen wird, bin ich bestrebt, mein Täglichlaufen auch zukünftig zu genießen. Wenn natürlich nicht täglich, so doch mehrheitlich.

Die Temperaturen alternierten in der abgeschlossenen Phase zwischen 05 °C und 22 °C und generierten zwei Regenläufe. Auch durfte ich gestern einen Nebellauf erleben; der erste in diesem neuerlichen Herbst – welch rare Gnade! Die unvergleichliche Natur trug die edelsten Nebelgewänder und vollführte einen traumhaft schönen Tanz auf, der seinesgleichen suchte und parallel zum Nebenspiel frohlockte Mutter Sol, welches den malerischen Reiz strahlend intensivierte. Indessen glitt still und erhaben Familie Schwan mit ihrem Nachwuchs in einem verborgenen Zugang zum einsamen Weiher; wir beobachteten uns gegenseitig in neugieriger Weise – sodann verschwanden sie im Nichts. Wie ich selbst im Anschluß natürlich auch. Am 10.09. erspähte ich einen Grünspecht, ein zutiefst scheues wie neugieriges Kerlchen, der sich sogleich versteckte, um eine Sekunde später zu prüfen, ob ich vielleicht noch anwesend sei. Jählings wurde er unsichtbar, um nur zehn Zentimeter höher erneut hervor zu lugen – nach einigen Wiederholungen setzte ich meinen Lauf fort; nicht ohne zu lächeln.

Ich gebe mich der leisen Hoffnung hin, daß mit der herbstlichen Zeit die unangenehmen Begegnungen mit der Mückenwelt endlich der Vergangenheit angehören werden. Dennoch, bis dato rechne ich jede Gesprächspause in Mückenstiche um – in der Regel lag der Preis für zwei Minuten Reden bei ungefähr vier bis fünf Stiche – entsetzlich. Am 15.09. lernte ich einen neuen Hundefreund kennen: Barry, ein junger Labrador-Mischling, der schlichtweg goldig ist. Heute morgen sirrten, summten und flogen zwei Schwäne vor meinen Augen gen Firmament und leuchteten weiß und edel, indessen der wabernde Bodennebel die Wiesen eroberte, zahllose Wassertropfen von den Baumgesellen hernieder perlten und die Wasserflächen scheinbar kochten. Eine Traumlandschaft von der Natur erschaffen, die es wert gewesen wäre, in einem einzigartigen Gemälde festzuhalten. – – So setzt es sich also fort – mein Täglichlaufen leuchtet mit seinem Halbjahresjubiläum, welches morgen fast wieder vergessen sein wird. Alles Sein rast unaufhörlich in die unendliche Vergangenheit und reißt alles mit sich, bis hin zu den Erinnerungen. Ob wir wollen oder nicht ist irrelevant. Das Leben ist seltsam, doch es hat Recht. Morgen früh werde ich mich erneut in den Wäldern verlieren…

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