Den Weg gehen – III. 2017. Sechzehn Jahre, Drei Monate. Nur Routine.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Drei Monate in Serie. Das Zeitenrad der Vergänglichkeit hat sich laut knirschend weiter gedreht und mit aller Macht seine gravitätische Wirkung entfaltet – wie stets ohne Rücksicht oder Gnade. So ist die Ordnung der Dinge. Selten verlief ein Monat Täglichlaufen unspektakulärer als der letzte – Tag um Tag und Lauf um Lauf trat ungerührt in die tödliche Vergangenheit ein – ohne Besonderheiten oder tragende Ereignisse – einer banalen, ausgeprägten Routine geschuldet, nur Routine; was ich schlußendlich durchaus als positiv interpretieren darf.

Die Temperaturen alternierten zwischen 10 °C und 25 °C und die gewaltigen Witterungsmächte zierten sich mehrheitlich und boten nur zwei Regenläufe feil, was leider sehr bescheiden und auch betrüblich ist. Auch der partielle Starkregen während des einen Laufes ändert diese meine Einschätzung nicht im Ansatz. Mittlerweile durfte ich mehrere Nachwuchsschwäne erspähen, die zusammen mit ihren Eltern die neue, weite Welt erkunden – angesichts derart herziger Szenen gestaltet sich ein Weiterlaufen meinerseits wiederholt als Herausforderung.

Am 20.05. kam ich einem großen Reh wieder sehr nahe, welches sogleich einen ausweichenden Satz vollzog und nach meinem Anreden verharrte und mich neugierig ansah – das Fluchtverhalten war damit beendet – was nicht für mich galt, denn ich setzte meinen Weg fort, um nicht allzu eminent zum Störenfried zu avancieren. Dieses fast schon zutrauliche Verhalten zahlreicher Rehe erscheint zwar auf den ersten Blick als schön, doch im Kontext der mörderischen Jäger ist das Verhalten nicht angemessen. Am 31.05. wurden meine Wollfreunde geschoren – hier war natürlich eine Zwangspause Pflicht, um die armen Putzels zu trösten und um ein wenig die Heerscharen der Mücken zu vertreiben – die sich natürlich stante pede ein neues Ziel auserkoren – und so mußte ich für meine Trosteinheit einen hohen, juckenden Preis bezahlen. – – Das Zeitenrad wird sich weiter drehen, immer weiter und ich bemühe mich, mein Täglichlaufen auch künftig leben zu dürfen; ob diese Routine weiterhin mitlaufen wird oder eben nicht – wird die Zeit lehren.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.