Den Weg gehen – I. 2017. Sechzehn Jahre, Ein Monat. Tierfreunde.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Sechzehn Jahre und Ein Monat in Serie. Unbarmherzig verrinnt die Lebenszeit, fließt ungehalten in das weite Meer der Unendlichkeit, um sich mit dem triumphierenden Nichts für alle Zeiten immerdar zu vereinigen. Ein immerwährender Kreislauf – ohne Anfang und Ende – der das elementare Sein bestimmt und durch nichts beeinflußt werden kann. So ist mein besonders wertgeschätztes Jubiläum in diesem Jahr nur noch eine nebulöse Erinnerung ohne Bedeutung; ein weiterer Monat nimmt temporär seinen Sitz ein, wohl wissend, daß auch seine Regentschaft nur eine Momentaufnahme sein wird. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -03 C° und 10 °C und generierten in der unausweichlichen Folge 18 Kälte- und neun Regenläufe. Die wichtigste Aufgabe in den letzten beiden Monatsabschnitten war freilich meine kulinarische Verantwortung für meine Wollfreunde, die ich tagtäglich mit meinem Täglichlaufen verband – den Höhepunkt sollte ich ausgerechnet am 18.03. erleben, denn an jenem denkwürdigen Tage hat meine besondere Schaffreundin Zwillinge geboren, die sich prächtig entwickelt haben. Am 20.02. durfte ich meiner Statistik einen weiteren Fastunfall hinzufügen und auch später erlebte ich eine ähnliche Situation; ob ich je den Tag erleben werde, an dem nur diejenigen Fahranfänger den Führerschein erhalten, die auch lesen können?

Am 03.03. habe ich leider einen Fasan aufgeschreckt, der sich im Unterholz versteckte und während er flüchtete, von fünf Krähen attackiert wurde – erst als ich in die Hände klatschte, ließen sie von ihm ab und verschwanden. So bringt man als friedlicher Täglichläufer andere Lebewesen in Todesgefahr – wer hätte das gedacht? Anfang Februar durfte ich seit längerem wieder einen Schwarzspecht beobachten, der später seinen Aufenthaltsort durch seinen charakteristischen Pfeifton verriet. Am 15.03. gelang es mir, ein Wildschwein zu beobachten, die Fortsetzungen erfolgten am 02. und 10.04. mit dem Erspähen ganzer Rotten mit ihren Frischlingen – mittlerweile vermeldet meine Statistik: 47 Wildschweinkontakte.

Nur ganz selten war es mir bisher möglich, Hasen zu erspähen und so genoß ich unsere Begegnung am 05.04. in eindrücklicher Form; zumal er nach meinem Anreden sein Hoppeln unterbrach und mich herzig ansah – ich folgte ihm nicht weiter und änderte meinen Weg. Drei Tage später erlebte ich ähnliches mit einem großen Reh, welches mich in einer nahen Distanz duldete und gar nicht auf die Idee kam, sich zu entfernen. Ich passierte das wundervolle Putzelchen in einer Entfernung von vielleicht drei Metern und es drehte sich nur um und beobachtete mich – jene Momente definieren für mich einen nicht unerheblichen Teil meines Täglichlaufens. Am 12.04. unterbrach ich meinen Lauf, um den Golden Retriever „Theo“ kennenzulernen, der über unser Treffen höchst erfreut war und mich mit seinen treuen Augen sofort gefangen nahm – was für ein wunderschöner Hund! Mittlerweile dominiert der Frühling das Geschehen, wenngleich die Temperaturen noch ihr eigenes Spiel leben wollen. Gestern erspähte ich den ersten Graugansnachwuchs und weiterhin bot die kunstvolle Nachtigall ihre einzigartige Kunst feil und brillierte mit einem formidablen Konzert als Frühlingsauftakt. So verrinnt er also, der Fluß des Lebens und wenngleich ich versuche, den einen oder anderen Augenblick mit meinem Täglichlaufen wenn schon nicht festzuhalten, doch zu verlangsamen, so bleibt es stets bei einem Versuch, der das Scheitern in sich birgt. Dennoch, der nächste Lauf folgt. Morgen.

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