Täglichlaufen. 16 Jahre in Serie.

Wohin wird dieser Pfad mich wohl noch führen? Welche zufriedenen Höhen und herausfordernden Tiefen darf ich noch beschreiten? Und, wann wird es enden? Nicht heute und nicht morgen. Die unbarmherzige Regentin der Zeit wird es dereinst lehren und all jene Fragen endgültig für immerdar beantworten. Gelebtes Täglichlaufen – ich setze es fort. Schon morgen. Nicht weniger gnadenlos als die verrinnende wie omnipotente Zeit. Täglichlaufen. Ein großartiges, erhabenes Gefühl.

So stand und steht es geschrieben – heute vor einem Jahr an dieser Stelle. Tatsächlich, ich habe es fortgesetzt – Tag für Tag – bis zum heutigen 18.03. – und damit realisierte ich einen neuerlichen Höhepunkt in meinem Täglichlaufen: 16 Jahre Täglichlaufen in Serie. Da weder das Leben noch die Zukunft ihr unwägbares Blatt jemals preisgeben, konzentriere ich mich entsprechend nur auf den heutigen Lauf und so muß ich mir eingestehen, daß ich dieses Jubiläum nie erwartet habe, welches nun um so surrealer und nachhaltiger auf mich einwirkt. Insbesondere ein Erlebnis im vergangenen Juni trägt das seine dazu bei; denn an jenem Tage spielte meine Intention beinahe ihren endgültigen Schlußtakt, der nur durch eine Kombination aus mentaler Kraft – nicht körperlicher und ja, vielleicht etwas Glück vermieden werden konnte. Gewiß zählt jener Moment und die sich anschließenden Tage als die härtesten in all den Jahren, welche somit einen exponierten Raum in meiner Erinnerung einnehmen.

Doch ja, was wäre das für ein Täglichlaufen, wenn es immer nur schön und herrlich wäre? Zum einen wäre das mehr als unrealistisch und zum anderen könnte ich derlei nur ablehnen. Täglichlaufen bedeutet grundsätzlich, einen Pfad mit Höhen und Tiefen zu beschreiten und explizit letztere verleihen erst den wahren Wert dieser Konzeption – das schrieb ich stets. Das heutige Jubiläum generiert noch einen eminent besonderen Reiz, denn zum einen weinte das finstere Himmelsfirmament aus tiefstem Herzen und bot kongeniale Bedingungen feil und zum anderen wurden ausgerechnet heute Zwillinge von meiner liebsten Schaffreundin geboren. Seit einiger Zeit bin ich einmal mehr für das kulinarische Wohl meiner Wollfreunde verantwortlich und heute Morgen wurde ich mit goldigen Nachwuchs – beide schwarz – überrascht – welche Freude! Zudem am 18.03. – dieser Jubiläumslauf bleibt mir natürlich in herausragender Erinnerung.

So blicke ich also zurück, auf lange und kurze 16 Jahre Täglichlaufen – jeden einzelnen Tag davon habe ich mit einem Lauf gewürdigt; wahrlich, das ist unfaßbar für mich. Freilich, das läßt sich nicht in Worte kleiden, denn letztlich ist Täglichlaufen nur ein subjektives Empfinden, was nur ich selbst verstehe – in der Majorität. Hierbei handelt es sich um ein unfaßbares Geschenk, welches sich mit allen Juwelen der Welt nimmermehr erwerben läßt; man kann es nirgendwo erstehen oder auch nur in schnöde Worte kleiden – diese Kostbarkeit generiert sich nur aus sich selbst heraus – aus mich selbst heraus, aus meiner belanglosen Wenigkeit. Tage kommen, gehen. Verblassen, verwehen. Vernehmliche Stille. Absolute Einsamkeit entfaltet sich. Finsterwolken. Tiefe Versunkenheit. Abgeschiedene Weite. Vollendeter Frieden. Trunken vor Glück. Das leben, was man liebt und lieben, was man lebt.

Wohlan, das ist es. Nun habe ich es in der Tat vollbracht – 16 Jahre Täglichlaufen – in Serie. Es gibt keine Worte dafür, diese Kostbarkeit hier gebührend festzuhalten, zu würdigen. Mir ist bewußt, daß ich das in meinem Leben nie wieder wiederholen kann, darf und werde – die daraus resultierende Wertschätzung – explizit auf die Zukunft bezogen – kann ich ebensowenig in Worte gießen. Was bleibt also? Das Wissen, mein Täglichlaufen von grundauf zu lieben und zu leben. In allen Facetten, in allen Nuancen – bedingungslos. Der gigantische Stolz auf mich selbst, auf mein Täglichlaufen bleibt indessen immer bestehen. Fürwahr.

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