Den Weg gehen – XI. 2017. Fünfzehn Jahre, Elf Monate. Zerstörende Zeiten.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Elf Monate in Serie. Tempus fugit. Das bedeutendste Jubiläum in diesem Jahr leuchtet sanft schimmernd am weiten Horizont und weist mir wie ein Leuchtfeuer den Pfad in jene vollendende Richtung und ja, ich bin bestrebt, diesen Weg zu folgen und ihn nachhaltig zu gehen, zu beschreiten – wie es stets mein Stil war. Ob mir diese meine Intention gelingen wird, kann ich freilich nicht wissen; doch ja, das Leben wird es lehren. Ich selbst wage diesbezüglich keine Prognosen, zu unwägbar ist das fragile Konstrukt im Zeichen der Gesundheit und des Lebens selbst. Allein ich bemühe mich nach Kräften. So sei es.

In der vergangenen Phase alternierten die Temperaturen zwischen -07 °C und 02 °C, welches in der banalen Konsequenz 30 Kälteläufe generierte, dazu gesellen sich in trauter Eintracht sieben Nebel-, vier Glatteisläufe und ein Regenlauf. Schlußendlich zogen weiterhin ein Sturz und ein Fastunfall in meine Statistik ein. Der letzte Monat vollzog sich im läuferischen Kontext ohne tragende Besonderheiten, doch die Umgebungsbedingungen entfalteten eine böse Tagesordnung in schrecklichster Art und Weise. Wie oft habe ich hier bereits konstatiert, daß ich in der naturfeindlichsten Stadt überhaupt lebe; jeder Baum wird als Feind betrachtet, der vernichtet werden muß und explizit so sahen die vergangenen Tage aus. Von zahlreichen Lokalitäten, wo die dekadenten Toren in zerstörerischster Weise wüteten, greife ich nur meinen Damm – als meine geliebte Standardlaufstrecke heraus.

Das Ausmaß der Verwüstung ist verheerend – große und absolut gesunde Bäume wurden vernichtet; Bäume, die niemanden gefährlich werden konnten, wurden ausgelöscht und selbst junge Nachwuchsbäume wurden ihrer Äste beraubt. Ein Gemetzel an der Natur ohne Sinn und Verstand – wie das so üblich ist, in der kranken Menschenwelt. Mir bricht es das Herz. Und das ist nur der Anfang – in den hiesigen Wäldern sind zahllose weitere Bäume bereits markiert, die mittelfristig ihren Tod finden werden. Welche Vernichtung von Lebensraum! Ich wünsche mir von Herzen, daß diese degenerierte Spezies für all den Frevel, den wir der Natur mit all ihren zauberhaften Lebewesen täglich weltweit antun – irgendwann eine adäquate Quittung erhalten wird. Und möge diese Rechnung sehr, sehr eindrücklich wie nachhaltig werden. Hoffnung treibt das Schiff der Narren.

Ein positiver Lichtblick im letzten Monat sind die vier neugeborenen Nachwuchsschafe, die mit ihrem goldigen Anblick direkt jedes Betrachterherz zutiefst rühren. Und dazu ihre zarten Stimmchen – ja, man muß sie einfach lieben. Neben meinem unangenehmen Sturz am 29.01. durfte ich einen Fasan beobachten, sowie am 09.02. einen Pirol und sogar den unnahbaren Herr von Chefschafbock konnte ich am Hals streicheln – welches in der Tat absolut bemerkenswert ist. Auch durfte ich wieder zahlreiche Rehbegegnungen erleben, die sich allesamt durch die Gemeinsamkeit auszeichneten, daß sie durch mein Anrufen und ruhiges Zureden ihre Flucht beendeten, abrupt anhielten und mich neugierig ansahen. So erst gestern geschehen mit einem relativ großen Reh in nur fünf Metern Entfernung. Obwohl ich diese Momente sehr schätze, ist das wohl ein falsches Verhalten meinerseits, was ich aktuell überdenken muß; denn es kann nicht in meinem Sinn sein, den Rehen ein falsches Vertrauen zu suggerieren, welches sie möglicherweise durch mordgeile Jäger am Ende mit dem Leben bezahlen müssen.

Seit ungefähr drei Jahren überwintern hier mehrere Kraniche und wenn ich in der letzten Zeit maximal zwei erspähen durfte, so war mir bekannt, daß die kleine Gruppe wenigstens sechs Tiere zählt. Die lieben und sehr musikalischen Kraniche konzertierten gestern früh in wundervoller Weise, doch beobachtete ich an jenem Morgen nicht fünf, nein, sondern ungefähr 30 Kraniche – dazu debattierten im Hintergrund lauthals mehrere hundert Wildgänse, welches eine traumhafte Frühlingsatmosphäre generierte, die ich nur von grundauf genießen konnte.

So vergeht also ein Monat, geboren in menschlicher Dummheit vereint mit menschlicher Zerstörungswut; tatsächlich, diese Spezies bleibt sich treu. Der Schimmer der Zukunft, der mir vielleicht ein weiteres Jubiläum offenbaren wird, intensiviert sich. Von Tag zu Tag zu ein wenig mehr, in nuancenhaften Schemen, die ich noch nicht realisieren kann und will. Wohin wird die Reise gehen?

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