Den Weg gehen – X. 2017. Fünfzehn Jahre, Zehn Monate. Glatteiswelten.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. So trat also die ehedem hoffnungsvolle Zukunft in die seufzende Unendlichkeit der Vergänglichkeit ein und nahm das Jahr 2016 für alle Zeiten und darüber hinaus ungefragt mit sich. Wer hat die Macht, diesem tödlichen Zyklus zu entkommen? Und so setzt sich das Spiel des Lebens fort – wie schon immer. So sei es. Ich selbst schließe mich mit meinem banalen Täglichlaufen an und praktiziere es wie gewohnt auch in diesem noch jungen Jahr weiter, welches ebenso rasant verglühen wird – wie all die fragile „Zeit“ zuvor.

In jenem Abschnitt, der die Jahreswende hofierte, vollzog ich 24 Kälte-, drei Nebel- und zwei (komplette) Glatteisläufe. Die Temperaturen alternierten zwischen 09 °C und -09 °C und boten partiell einen Schneereigen feil, der die natürliche Welt – allen voran die lieblichen Haine in ein zartes Weiß kleidete und die aufmerksamen Betrachter in der Konsequenz auf ihre ureigene Art und Weise liebreizend betörte. In der Phase vollzog ich auch meinen 1200. Kältelauf – gerechnet ab dem Jahr 2000. Am 29.12. erlebte ich meine 43. Wildschweinbegegnung und vernahm im Schilf ein schnaufendes, Grunzen, welches sehr eindrücklich nachhallte und da an diesem Tag die mächtige Nebelregentin ihr elegantes Zepter huldvoll schwang, so waren die Impressionen in dieser Momentaufnahme des Lebens – im Rahmen aller Bedingungen – höchst einprägsam und ja, wundervoller Natur für mich. Später erspähte ich noch zwei Rehe, welche im Forst von dannen liefen, doch nach meinem Anreden jählings anhielten und mich neugierig beobachten – ein Verhalten, welches ich in der letzten Zeit des öfteren erlebte.

Für ein musikalisches Ambiente sorgten wiederholt die hiesigen Kraniche, die stets grandios konzertierten, allein den Winter doch noch nicht vertreiben konnten. In den letzten Tagen schwiegen sie jedoch, gleichwohl sie heute pünktlich zu meinem „Jubiläum“ ein formidables Jubelkonzert für mich gaben. Der Lauf vom 12.01. bildete eine einzige Herausforderung, die Witterungsbedingungen warteten mit Glatteis par excellence auf. Und so lief ich hochkonzentriert und unterbrach mein Laufen an zahlreichen Örtlichkeiten, um einen Pfad zu entdecken, um unbeschadet manche Eispunkte überwinden zu dürfen – die herrliche Sonne entschädigte mich für diese Härten, wenngleich ich sie nicht sonderlich genießen konnte. Am 14.01. und am 16.01. beobachtete ich Meister Reineke, der sich jedoch höchst rasant davon machte und sich ein würdiges Versteck aussuchte und ja, Recht hat er!

Die Glatteiswelten obsiegen auch künftig, doch die weiße Winterheimstatt der Anmut – wenn auch auf einem niedrigen, preußischen Niveau – ist an Schönheit nicht zu übertreffen und sucht ihresgleichen. Es ist eine wahre Gnade, diesen Genuß täglich im Laufschritt preisen zu dürfen. So setzt es sich also fort, mein Täglichlaufen – weiter und weiter; hinein in weiße Welten. Dum spiro, spero.

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