Die Rückkehr der Finsternis

Vor einigen Jahren berichtete ich in meinem Artikel Zweierlei Finsternis über nachfolgende Beobachtung: Was mich an jenem Freitag wirklich schockierte, war eine kurze Begegnung im Wald. Ein kompaktes Teilstück, welches ich gerne als „tiefen Wald“ bezeichne; ein Reich, dominiert von Unterholz, vielen Bäumen und ohne Möglichkeit selbiges zu durchqueren. Dieses Areal beobachte ich zu gerne, wenn ich die Seitenwege des Forstes passiere. Eine Heimstatt für zahlreiche Bewohner, in erster Linie Schwarzspechte, verschiedene Raubvögel und selbstredend auch ein Rückzugsgebiet für Rehe und Wildschweine. Und was mußte ich am besagten Tag sehen, ja, ertragen? Ein Novum. Zwei Holzvollernter, auch bekannt als „Harvester“, die mehrere – parallel verlaufende – gravierende Schneisen in den Wald schlugen. Mir blieb fast der Atem weg, als ich das Drama sah. Für einen Augenblick blieb ich sogar stehen, aber Dutzende Mücken, die sofort über mich herfielen, votierten unmittelbar für die Wiederaufnahme des Laufes.

Ich trat den Heimweg an und hörte das anklagende Bersten der Bäume, das Schreien des Waldes und das erboste Wehklagen einiger Vögel. Wenig später verstummte das traurige Schauspiel leise weinend hinter mir, bis es zu einem raunenden Schweigen wurde, welches in meinem Kopf umso intensiver nachhallte. So wird nun mein Laufareal einmal mehr von Zerstörung tangiert. Der Lebensraum der Waldbewohner lokal vernichtet. An einer Stelle, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können.

Die erwähnten Schneisen in dem Wald hat jener bis heute nicht verkraftet und sind nach wie vor präsent – zu präsent. Seit einigen Tagen sind nun diverse Bäume in dem ersten Wald meiner Laufstrecke rot markiert, was freilich sehr bedrohlich auf mich wirkt. Aus meiner subjektiven Sicht heraus ist der halbe Wald für Gevatter Tod gekennzeichnet. Und heute nun erfuhr ich, daß die gleiche Finsternis wie vor sechs Jahren zurückkehren und sich wie ein Leichentuch über den noch lieblichen Forst legen wird. Die Waldzerstörung wird erneut mit den oben erwähnten Ungetümen realisiert. In jenem Wald nisten zahlreiche Fischreiher wie Raubvögel und auch die Population der Eichhörnchen ist dort sehr ausgeprägt, auch diverse große Ameisenhügel und mannigfaltige andere Tierarten haben in diesem Wald ihre Heimat gefunden – doch all das ist nun für die Vernichtung auserkoren. Schon wieder. Diese naturfeindliche Stadt ist erbärmlich. Wahrlich erbärmlich. Ich hoffe von Herzen, daß wir irgendwann die Quittung für diese Dekadenz und vollkommener Dummheit erhalten werden.

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